Mannheim
Compact Memory

Jüdische Zeitung · 1918-10-25 · 43 (25.10.1918) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitung
Volume
12 (1918)
Issue
43 (25.10.1918)
Date
1918-10-25
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2438141-2438675-2438717--5982-2446015
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Nr. 45 a Krakau. Die jüdische- Manifestation am 14. Oktober in Krakau war eine'Willensäußerung der ganzen national-gesinnten Judenschaft. Die Handlungsweise, der Behörden, die die freie Aeußerung der jüdischen Bevölkerung hintertreiben wollten, rief eine gerechte Entrüstung der Judenschaft hervor. Es ist unverständlich, daß jn der Zeit des Selbstbestimmungsrechtes aller Völker die Behörden des Staates, der sich auf den Boden der von Wilson aufgestellten Grundsätze der Selbstbestimmung aller Völker gestellt hat, die Freiheit der Bekenntnis zu diesen Prinzipien seitens der Judenschaft knebeln wollten. Die Manifestations-Versammlung fand (allerdings auf Grund des § 2 über Versammlungen) im Saale des Vereines „Zion“ statt. Die Räume konnten aber die tausendköpfige Menge, die herangeströmt war, nicht fassen, es mußten zwei Versammlungen, die eine in den Räumen, die andere im Hofe unter freiem Himmel, abgehaiten werden. Nach einer Erönnungsanspjache des Vorsitzenden des zionistischen Lokalkomitees Doktor Wahrhaftig ergriff das Wort der Referent Dr. Zimmer mann, der in einer längeren Rede die Forderungen der nationalen Judenschaft klarlegte. Zu den im Hofe Versammelten sprach Herr Dr. Leser, der von den realen Faktoren unserer Palästina-Arbeit, zu den Forderungen der nationalen Judenschaft überging und sie präzisierte, indem er das Recht des jüdischen Volkes sich überall voll auszuleben, proklamierte. In der Diskussion sprach der Vertreter der „Poale-Zion“ Dr. Schipper, der sich scharf gegen die assimilatorische Politik der Löwensteins aussprach, Redner verlange, indem er die Entstehung eines freien auf demokratischen Grundlagen auigebauten Polens begrüße, die Juden Polens mögen einen jüdischen Nationalrat ins Leben rufen und einen Kongreß der ganzen Judenschaft Polens vorbereiten. Sodann sprachen die Herren Mifelew. Friedberg, Dr. Pleszowski. Unter stürmischem Beifall wurden die Resolutionen vorgelesen undV einstimmig beschlossen Sie beinhalten zunächst eine Begrüßung der freien Polen und dann die bekannte Formulierung der jüdischen Forderungen, weiters die Forderung der Demokratisierung der Judenschaft nach innen und einer Volksvertretung nach außen. Ferner wird verlangt die Schaffung eines jüdischen Nationalrates von Vertretern aller -national-jüdischen Parteien und die Einberufung eined Kongresses der polnischen Judenschaft. Die Resolution schließt mit dem Appell an alle Juden, sich um die nationale Fahne zu scharen. Als die Versammlung geschlossen war. zogen die Versammelten mit hebräischen und jüdischen Liedern durch die festlich illuminierten Gassen des jüdischen Viertels. Mass. * .laroslau. Montag, den 14. Oktober, hat die Jaroslauer Judenschaft für ihre Rechte demonstriert. Um 9 Uhr früh war eine Kinderversammlung in der Synagoge, wo sämtliche jüdischen Schulkinder abwesend waren. Um 1 Uhr mittags wurden sämtliche jüdischen Geschäfte gesperrt und um 3 Uhr nachmittags war eine Versammlung angekündigt, die polnische Behörde aber hat diese Versammlung ohne jeden Grund aufgelöst. Die hiesige Judenschaft hat beschlossen.. Ende dieses Monats ihre Rechte nochmals in öffentlicher Versammlung zu fordern. * Rzeszow. Montag, am 14. Oktober fand hier eine Massenkundgebung der hiesigen Judenschaft für die von der zionistischen Parteizentrale aufgestellten Postulate statt, die von so durchschlagender Wirkung war, daß sie auch auf die christliche Bevölkerung großen Eindruck machte. Schon in früher Morgenstunde durchzogen Scharen jüdischer Jünglinge und Mädchen festlich gekleidet die Straßen, nationale Abzeichen zum Verkaufe anbietend, welche vom Publikum freudig begrüßt und mit Stolz getragen wurden. Man sah auch viele Geschäfte, die mit jüdischnationa.len Emblemen geschmückt waren. Um 3 Uhr nachmittags wurden sämtliche jüdische Geschäfte, auch jene, welche bis in die Peripherie der Stadt reichten, geschlossen. Alles strömte in die altehrwürdige große städtische Synagoge,-die mit ihren weiten Galerien kaum die großen Massen fassen konnten. Das viele Tausende zählende Publikum fügte sich willig den Anordnungen ihrer Ordner (Schomrim). Nach den Reden der Herren Apfelbaum, Dr. Hopfen und Dr. Schnee wurde die gleichhautende Resolution gefaßt und dem anwesenden Regierungsvertreter übergeben. * * Weiters fanden Versammlungen statt und wurden Resolutionen gefaßt in folgenden Städten: Tarnow. Lancut. Neu-Sandez. Przemyslanv. Ledziszow. Zaleszczvki, Jaslo. Jawarow. Nowy Sacz. Rozwadow u. v. a. __ Eine Kundgebung der jüdisch-akadem. Jugend' in Lemberg (Von unserem Korrespondenten.) " Im Zeichen der gegenwärtigen bewegten Zeit stand die am 20. d. M. stattgefundene allgemeine Versammlung ider jüdisch-akademischen Jugend Lembergs sämtlicher Richtungen. Die jüdische Jugend Galiziens ist erwacht zur nationalen Willensäußerung. - - Der Saal des jüd.-akad. Hauses konnte die heranströmenden Massen nicht fassen und so mußte die imposante Versammlung im Höfe desselben Hauses abgehalten werden. JÜDISCHE ZEITUNG Nach der Eröiinung durch absolv. phil. Gg. Rieger David wurde ein Präsidium, bestehend aus dem Rechtsabsolventen Gg. Nathan Katz, stud. jur. Lauserpacht, stud. Reich und Studentin Frl. Reich gewählt, ln einer begeisterten jüdischen Ansprache erklärte der Vorsitzende Gg. Katz Nathan den Zweck der Versammlung, die den Uebergang der jüdisch-akademischen Jugend von Reden zu laten bedeute, die eine Kundgebung für das Selbstbestimmungsrecht des jüdischen Volkes überall, wo es in Massen wohne und in Palästina sein sollte. Hierauf erhielt das Wort stud. tned. Gg. Nathan Melzer, welcher in schwungvoller Rede über die Stellung der jüdisch-akademischen Jugend im gegenwärtigen Momente referierte. Indem er ein Biid der historischen Entwicklung des Zionismus und der Rolle der jüdisch-akademischen Jugend dabei entwickelte, wandte er sich der gegenwärtigen Lage des Zionismus und des Judentums sowie den jetzigen hochwichtigen politischen Verhältnissen zu Er sprach mit besonderer Würdigung über die Audienz des Oberrabbiners Dr. C h a j e s beim Kaiser und sein mannhaftes Eintreten für die Sache des Judentums und verurteilte aufs schärfste die verräterischen Machenschaften eines Löweiistein. Unter irenetischem Beitalle der mehr als tausendköpfigen Versammlung schloß der Referent seine Rede. Hierauf wurden eine Reihe von Resolutionen verlesen, welche per Akklamation angenommen wurden. Besonders hervorzuheben seid die folgenden: ^)ie am 20. Oktober I. J. im jüd.-akad. Hause tagende Versammlung der jüd.-akad. Jugend in Lemberg beschließt: 1. Die jüd.-akad. Jugend drückt uns ihre höchste Verehrung und Huldigung aus und entbietet ihren Gruß den auf der uralten eigenen Erde für die Freiheit und Unabhängigkeit kämpfenden Brüdern, welche durch die erste seit vierzehn Jahrhunderten erfolgte jüdische Waffcntac die in den Leiden, Ausdauer und Mut erhabene indische Tradition erneuern; glaubt unverbrüchlich. daß das durch die Blüte der jüdischen Jugend vergossene Blut vor aller Weit den unsvideHegbaren Beweis des Zusammenhanges zwischen dem jüdischen Volke und seiner Muttererde, Palästina, erbringen werde; gelobt, mit gleicher Aufopferung, wie die jüdische Legion in Palästina, ohne Rücksicht auf Mühe und Not, einzustehen für die" begrüncetcn und durch die ganze zivilisierte Weit anerkannten Rechte des jüdischen Volkes, welche die Erkämpfung der Bedingungen zur freien Entwicklung der eigenen Kuiturwerte in der Diaspora erstreben. If. Die jüdische Jugend huldigt in Dankbarkeit dem großen Verfechter der jüdischen Lebensfreiheit, dem treuen Erben der erhabenen Tradition unserer großen Ahnen, Seiner Ehrwürden dem Rabbiner Dr. Perez Chajes für dessen mutiges und würdiges Auftreten im Dienste des Judentums. III. Die jüdisch-akademische Jugend spricht mit aller Entschiedenheit den jüdischen Abtrünnigen das Recht ab, sich in die inneren Verhältnisse des Judentums hineinzumengen: erklärt, daß sie jedwede Ingerenz und das Auftreten der Assimilanten im Namen des Judentums als eine offenbare Provokation und Verunglimpfung der jüdischen Nationaleme betrachte, auf welche sie nicht nur mit einem moialischen, sondern auch mit einem tätigen Proteste erwidern werde. In den weiteren Kapiteln der Resolution wird den auferstehenden und sich befreienden Völkern, insbesondere der polnischen und ukrainischen Nation, der wärmste Gruß entboten, sowie die Forderungen der national-jüdischen Jugend der Alma mater gegenüber kundgetan. In der sich hierauf entwickelten Diskussion beteiligten sich mehrere Studenten und Studentinnen. darunter auch Gg. Dr. Waschitz, welcher die Rückgabe des jüd.-akad. Hauses an die studierende Jugend verlangte (eine diesbezügliche Resolution ist gefaßt worden), Gg. Dr. Anselm Kleinmann,, welcher die Jugend aufforderte und ermahnte, nicht nur jüdisch zu fühlen, sondern auch jüdisch zu denken und zu sprechen, stud. jur. Blatt, welcher namens des jüdischen Juristenvereines in Wien die Versammlung aufs herzlichste begrüßte und der Solidarität und der Sympathien der Wiener zionistischen Jugend versicherte. sowie Frl. G r ii n b e r g. welche unter jubelndem Beifalie eine Resolution vorschlug, daß die jüd.-akad. Jugend den zu gründenden jüdischen Nationalrat mit Freuden begrüße und ihm Treue und Gefolgschaft gelobe. Zum Schlüsse wurde eine Repräsentationskonimission, bestehend aus Delegierten sämtlicher jüdisch-nationaler Jugendvereine unter der Führung der Herren absolv. phil. David Rieger. abs. iur. Nathan Katz. stud. jur. Großmann, stud. med. Frl. Mayer und stud. Liebling gewählt. Unter Absingen nationaler Lieder wurde die überaus hnposante. unter freiem mondbeleuchteten Himmel abgehalten Versammlung geschlosscn Ben Mordechai. AAAAAAAAJlAAAAAAAAAAAAAAAAAAAa'aaa Der Schekel ist der Grundstein der zionistischen Organisation. Die Zahlung des Schekels (K 2.—) ist das erste Bekenntnis zum Zionismus. Entgegennahme im Zion. Bureau, Wien, II. Zirkusga.sse 33. Palästina im Vordergrund! Neu sind erschienen: Prüf. Ballod: Palästina als jüdisches Ansiedlungsgebiet ..K 1.60 Cohen (Reuß): Die politische Bedeutung des Zionismus. 1.60 Otto Eberhard: Der Zionsgedanke als Weltidee und als praktische Gegenwartsfrage .1.60 Endres: Zionismus und Weltpolitik . . ,. 5.— Höilich: Der Weg in das Land . . . geh. „ 4.40 - geb. „ 6.60 Trietsch: jüdische Emigration und Kolonisation . 24— Oppenheimer: Genossenschaftliche Ansiedlung .0.50 Paquet: Die jiid. Kolonien in Palästina . „ 1.50 Fischer-Guthc: Kleine Karte voii Palästina ,. 3.— Fleming: Kriegskarte von Syrien und Mesopotamien .3.— Sämtliche zionistische Literatur stets lagernd. Alle Neuerscheinungen. Ausführlicher Katalog (1000 Nummern) erscheint im November. NATIONAL-JÜDISCHE BUCHHANDLUNG R. Löwit, Wien, L, Rotenturmstraße 22 Große zionistische Massenversammlung in Wien Montag, am 20 d. M., fand im großen Konzerthaussnal eine zweite zionistische Manifestationsversammlung statt, die vor allem diejenigen entschädigen sollte, welche bei der Versammlung” am 14. keinen Einlaß mehr gefunden haben. Aber wieder mußten viele Hunderte Weggehen, wieder war der große Konzerthaussaal lange vor Beginn bis auf das letzte Fiätzciien dicht gefüllt. Unter atemloser Spannung eröifnete Herr Adolf Böhm die Versammlung. Sodann sprachen Herr Dr. Otto A b e 1 e s, Dr. Siegfried B e r n - leid, Dr. Alfred Engel (Prag) und Dr. Abraham Sonne. Wir werden auf deu Inhalt der einzelnen Referate noch ausführlich ztirückkoininen. Alle Redner fanden stürmischen Beifall und wurden wiederholt von Ziistimmungskundgebungen des Publikums unterbrochen. Zum Scliluß erhielt das Wort noch Herr Dr. Markus Krämer, welcher der Versammlung die Beschlüsse der zionistischen Reicliskoriferenz zur Kenntnis brachte. Die Mitteilung der Einsetzung eines jüdischen N a t i o n a 1 r a t e s wurde mit nicht endenwolleridctn Beifall und Händeklatschen begrüßt. Hieraui schloß der Vorsitzende Herr Adolf Böhm die Versammlung mit folgender Ansprache: „Jedes Volk, das heute seine Rechte zu wahren sich anschickt, steht einig und geschlossen da. Alle Parteien, welche Diffenrenzen sie auch immer trennen mögen, schließen sich zusammen, nur bei uns war es bisher der abnormale Zustand, daß die Sache des Volkes von einem ganz kleinen Häuflein, von der zionistischen Organisation vertreten sein mußte. Eies nicht nur im Widerstand gegen jene Juden, welche ein jüdisches Volkstum nicht anerkennen wollten," sondern, was noch viel schlimmer ist, gegen den dumpfen Widerstand, nie Denkfaulheit der großen Masse. Erst im entscheidenden Moment ist es der zionistischen Organisation gelungen, diese Masse mit sich.zu reissen und die Forderungen der Zionisten zu den Forderungen des ganzen Volkes ziu machen. Mit den Beschlüssen der heutigen Reichskonfereaz betreten wir den Weg. der uns einzig und allein übrig bleibt. Die zionistische Organisation muß sich selbst dadurch überflüssig machen. daß sie danach strebt, daß die Sache der Befreiung des Volkes nicht mehr die Sache eines kleinen Häufleins von Pionieren bleibt, sondern in dem Willen des ganzen Volkes sich durchsetzt. Wir hoffen, daß unser nächster Schritt, der zur Bildung des Nationalrates führt, dieses Ergebnis zeitigen wira.“ In festlicher Zustimmung und im Bewußtsein der Verantwortung trennten sich die Versammelten unter den Klängen nationaler Gesänge. Protest Dr. Strauchers gegen Dr. Löwenstein Abgeordneter Dr. Strauch er. der gegenwärtig in. Czemowitz weilt, hat sofort nach Bekanntmachung der Erklärung des Abgeordneten Dr. Löwenstein in der Audienz beim Kaiser sowohl an den Ministerpräsidenten wie auch an die Kabinettskanzlei folgenden Protest gerichtet: Eure Exzellenz! Gegen die in den Wiener Blättern publizierte, vom Abgeordneten Dr. Löwenstein in der Audienz bei Seiner Majestät dem Kaiser namens der Gesamtheit der galizischen Juden abgegebene Erklärung lege ich energischen und feierlichen Protest ein. 1. Der seinerzeit der überwiegenden Mehrheit der Juden Galiziens vom Polenklub, d. i. einer fremdnationalen Organisation, aufoktroyierte Abgeordnete Dr. Löwenstein ist wohl polnischer, nicht aber jüdischer Vertreter,"nicht Abgeordneter des jüdischen Volkes, er ist Mitglied des Po'enklubs, als» einer fremdnationalen Organisation, Dr. Löwenstein ist deshalb auch nicht berechtigt, weder namens der Gesamtindenschaft Galiziens noch überhaupt namens der Judenschait zu sprechen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.