Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 12 (1918)
- Issue
- 39 (27.9.1918)
- Date
- 1918-09-27
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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üeite 4 Deutschland * Eine Pogromfabrik. Die von .uns bereits öfter erwähnte vorzügliche Berliner Wochenschrift „Die Aktion“, das von Franz Pfemfert herausgegebene Organ einer expressionistischen Künstlergruppe, macht in Nr. 35/36 auf folgendes Inserat aus dem „Berliner Tageblatt“, 2. Beiblatt vom -28. August 1918, aufmerksam: Englands Helfer im Hungerkriege haben wir im eigenen Lande, sie müssen vernichtet werden! . . \ Das einzige Radikalmittel besteht in Verbreitung einer Seuche unter dem schädlichen Ungeziefer durch das Bazillenpräparat „Pogrom“ .... Bestellen Sie noch heute. Pogromfabrik Fritz W. Plumhoff, Berlin 2. 1-09, Rosenheimerstraße 23. Daß ein solches Inserat ausgerechnet im „Berliner Tageblatt“ erscheint, entbehrt nicht einer gewissen Pikanterie. Man wird aber die Administration des Blattes für eine derartige Unachtsamkeit (zumindest), die im Inseratenteil zu Pogromen auffordern läßt, verantwortlich machen müssen. Uebrigens zeugt dieses Inserat von dem in gewissen Kreisen Deutschlands herrschenden Geist, der auch bei nns bekamt ist. * Auch bei den „Unabhängigen“ scheint der Antisemitismus sich einzubürgern. In Elbing wurde, wie gemeldet wird, eine Wahlrechtsversammlung, die durch die sozialdemokratische Partei einberufen war, von den unabhängigen Sozialisten gesprengt Eine Rede, des Mehrheitssozialisten, Landtagsabgeordneten Hirsch (Berlin) wurde durch andauernde Zurufe „Juden raus“ immer nieder unterbrochen.. Frankreich * Katholizismus und Zionismus. Der „Figaro“ vom 29. August 1918 bringt einen aufsehenerregenden Artikel, der nicht-unbeachtet bleiben darf, da er vom katholischen Standpunkt zum Zionisipus Stellung.nimijit Bekanntlich-hat auch schon das führende Blatt.der deutschen Zentrumspartei.- die kathdische „Germania“, sich vor einiger Zeit mit dem' Zionismus ablehnend auseinandergesetzt Auch' der „Figaro“ stellt mit Unwillen fest, daß die verbündeten Engländer „mit den Ziohisten kokettieren“, und zitiert auch tadelnd die Worte des Papstes: „Wir werden gute Nachbarn sein.“ Dem gegenüber spricht der Verfasser des Artikels, Julian de Narfon, dem Zionismus Berechtig gung ab und belegt diese .Anschauung mit allerdings völlig unzutreffenden, verzerrten historischen Argumenten. Dazu wiederholt er, daß die Christenheit niemals ihre" Zustimmunggeben könne, daß die „heiligen, kaum vom Joche der Ungläubigen befreiten Stätten morgen in einen jüdischen Staat elngeschlössen sein sollen.“ — Daß angesichts der offiziellen" Förderung des Zionismus in den Ententeiändern doch solche Stimmen laut werden, darf nicht unbeachtet bleiben. Wir sind überzeugt, daß es einer aufkläreiiden politischen Arbeit gelingen muß, zu beweisen, daß. der Zionismus in keiner Weise den katholischen Interessen zuwiderläuft. Es ist jedenfalls auffallend, daß den guten Katholiken die Worte des Papstes so belanglos sind. Jedenfalls darf nicht übersahen werden, daß Frankreich als eine der katholischen Vormächte in einem gewissen Grade auch der katholischen Gesinnung Rechnung tragen dürfte: Türkei * Die Genesis der türkischeu Regierungserklärung. Ueber das Zustandekommen der von uns publizierten Erklärung des türkischen Großwesirs Talaat Pascha, welche von der Schaffung eines „religiösen Zentrums in Palästina“ spricht, gibt die „Jüdische Rundschau“ interessante Aufschlüsse. Darnach wurde nach Abschluß der bekannten Verhandlungen die jüdische Delegation beim Großwesir mit der Frage vorstellig, ob das Resultat durch ein offizielles Kommunique bekanntgegeben werden solle. Da man sich jedoch auf einen Text nicht einigen konnte, unterblieb die Publikation. In dem ursprünglichen Entwürfe standen die Worte „religiöses und nationales Zentrum“. Talaat strich die Worte „undnationales“, wozu die „Jüdische Rundschau“-bemerkt daß er „denjenigen türkischen? Elementen, welche zwischen nationalen und separatistischen Bestrebun-' gen infolge der besonderen Verhältnisse in der Türkei noch nicht Idar zu unterscheiden vermögen, keine Waffe gegen die. Regierung in die Hand geben wollte“. Uns erscheint das eben als Ausdruck jener politischen Unreife,, die wir in Nr. 37' charakterisiert'haben und die immer die entgegengesetzten Folgen hat als .man-meint Wichtig ist jedoch die Feststellung, daß weder die türkische Regierung, noch die bei den Verhandlungen vertretenen Organisationen — auch die Orthodoxie nicht — die Publikation dieses Kommuniques veranlaßt haben. Die Verlautbarung scheint lediglich' eine Indiskretion *des Vertreters der ungarischen -Orthodoxie. Oberrabbiner Horowitz, zu sein. Sie wurde auch vom orthodoxen Vollzugsausschuß verurteilt. Um so auffälliger ist es allerdings, daß der Frankfurter „Israelif'1 in lebhafter Weise seiner Genugtuung über die Erklärung Ausdruck gibt und sie als Sieg der orthodoxen Separatwfmsche feiert * Die Kommission, welche die türkische Regierung einsetzte, um die Verhandlungen in der Palästinafrage fortzusetzen, besteht vorläufig aus Midhat Schükri Bey, dem Generalsekretär, des jungtürkischen Komitees, den beiden Israel.' Deputierten Emanuel Carasso' und Nissir Mazlich.tdem Großrabbiner Haim Naluun und Dr. Alfred Nossig. Die Kommission soll noch erweitert werden^ Die zionistische Organisation ist in ihr nicht offiziell .vertreten. Im jungtürkischen Komitee stoßen die JÜDISCHE ZifiTUNü , . Nr. 39 zionistischen Wünsche auf Gegnerschaft. Die Kommission hat ihre Tätigkeit noch nicht begonnen. Zionistische Bewegung Palästina * Keine Rekrutierung in Palästina. Das Wolffbufeau verbreitete 'einen Bericht, daß . einer Reutermeldung zufolge mit der Rekrutierung unter der jüdischen Bevölkerung Palästinas begonnen worden Sei. Das Jüdische Korrespondenzbureau im Haag stellt fest, daß in dem Reuterbericht mit keinem Worte von einer Rekrutierungdie Rede war, sondern die Bildung einer •Freiwilligenlegion von palästinensischen Juden gemeldet wurde. Alle Berichte, welche das Bureau und jüdische Blätter aus Palästina empfingen, bestätigen gleichfalls, daß von einer Rekrutierung nicht die Rede sein kami. Amerika * Das jüdische Banner. Die jüdische Legion, die unlängst die Straßen von New-York durchzog. ehe sie sich nach England begab, um von dort aus nach Palästina' geschickt zu werden, hatte von der Entente Erlaubnis erhaltenr ein eigenes Banner zu tragen. Die Fahne zeigte den „Mögen David“ in blauer Farbe im weißen Feld. Die Militärmusik dieser jüdischen Legion spielte während des* Umzuges die jüdische Nationalhymne „Hatikwah“. , Jüdische Berufe Zionistische Arbeit im mährisch-schlesischen Distrikt Das zionistische Leben im mährisch-schlesischen Distrikt,'das lange Zeit leider stagniert hat, beginnt wieder zu erwachen. Es werden die Vorbereitungen zu einem Distriktstag getroffen, bei dem hoffentlich die organisatorischen Verhältnisse saniert werden. Das Zionistische Zentralkomitee hat in den letzten Wochen sich bemüht, die einzelnen Ortsgruppen zu einer neuen Inangriffnahme •ihrer Tätigkeit zu veranlassen. Das Z. K. veranstaltete Versammlungen und Vorträge in Teschen, Mähr.-Ostrau, Prossnitz, Brünn, Prerau und Olmütz, die insgesamt ein Bild der für unsere Sache äußerst günstigen Stimmung ergaben, die nur einer Umsetzung in organisatorische Energie gewärtig. In allen genannten Städten war Gelegenheit, mit den . leitenden Gesinnungsgenossen ausführlich über die Lage und die Erfordernisse der Organisation Rücksprache zu nehmen. Es hat sich gezeigt, daß überall erfreulicher Arbeitswille besteht. Das Z. K. erwartet, daß auch die übrigen Ortsgruppen zum Leben erwachen werden und daß auch für die weitere Propaganda alle Gesinnungsgenossen durch Beistellung eines geeigneten Adressenmaterials, insbesondere zur Gewinnung von Vertrauensmännern in solchen Orten, wo heute noch keine existieren, beitragen werden. In der Nummer 36 unseres Blattes haben wir einen Auszugaus - dem. - Prospekte der Jüdischpädagogischen Kurse 1918/1919 gebrachthiezu wird uns von der Leitung der Kurse geschrieben : Die Jüdisch-pädagogischen Kurse, in dessen Rahmen am 15. X. 1. J. eine Abteilung für jüdische Kindergärtnerinnen und eine für hebräische Sprachs lehrer eröffnet wird, geben zum ersten Male der jüdischen Jugend Gelegenheit, jüdische Berufe zu ergreifen und im Volke, fürs Volk tätig zu sein. Es gilt jetzt, die jüdisch-nationale Gesinnung zu dokumentieren und zu beweisen, daß sie gewillt ist, dem Worte die Tat folgen zu lassen. Es ist entschieden nicht genug, sich z,um Zionismus zu bee kennen und vielleicht Mitglied irgend einer zionistischen Organisaton zu sein. Soll unser Ideal verwirklicht werden, soll es Gehalt und Farbe gewinnen, ist es notwendig, daß sich die jungen Menschen nicht nur außerhalb ihres Berufes mit ihm beschäftigen, sondern es eben zu ihrem Lebensberufe machen. : . Der Mangel an jüdischen Lehrkräften macht sich sehr fühlbar. Es fehlt an geschulten und zugleich in allen- -jüdischen‘ Fächern -gebildeten Kindergärtnerinnen und modernen hebräischen Sprachlehrern, die imstande wären, unsere junge . Generation zu vollen jüdischen Menschen zu erziehen; Diese: großej Aufgabe., soll erfüllt werden und :üer erste Schritt hiezu ist die Schaffung eines modernen jüdischen Pädagogiums, das-freilich nicht nur. der weitgehendsten, Unterstützung der Erwachsenen, sondern auch einer Förderung durch die Jugend selbst, durch zahljeiche Aemeldungen, bedarf. r Es kommt hiebei noch' ein weiterer Umstand in Betracht, daß es fürcäie jüdische Jugend in vielen Fällen eine Erlösung bedeuten würde, aus einem jüdischen' Milieu heraus sich betätigen zu ' können und nicht in die kompromißvolle Umgebung zu geraten, in die sie das Berufsleben in der Regel einzwängt. Der Umstand schließlich, daß die' Nachfrage nach jüdischen Lehrern sehr lebhaft ist und sich in absehbarer Zeit noch steigern dürfte, berechtigt uns zur Annahme", .daß wir allen unseren Hörern sichere Stellen mit auskömmlichem Gehalte zu verschaffen in der Lage sein werden. Wir sind uns der schwierigen obwaltenden Verhältnisse bewußt und wissen, daß es nicht jedem leicht fallen würde, sich zwei Jahre hindurch für einen Beruf vorzubereiten. Wir werden deshalb bemüht sein, unseren Hörem in jeder Weise entgegenzukommen, ihnen nach Tunlichkeit allerlei Nebenbeschäftigungen zu verschaffen, für auswärtige Hörer billige Unteikunftsmöglichkeiten zu versorgen und ihnen sonst in jeder Weise behilflich zu sein. * ■ Anmeldungen' und Anfragen sind zu richten an das. Jüdische Jugendamt, Wien. II-, Zirkusgasse .33. '■ ' * 1:;: '•: . ^■8a988W8B8WWyW8Q8Wa8W886ft Neue jüdische Büche? | von denen man spricht : | 1. Constantin Brunner,* Der Judenhaß und. die J Juden 439 Selten, geh. K 32.— c 2. Lord Beaconsfieid (DisraeiiJ, -Tancred oder S Der neue Kreuzzu» geh: k 21.—, geb. k 30-r e 3. Karl Hauptmann, Ismael Friedtnann, Roman g _ eines Halbjuden r. ' - geb.-K-ia.— C 4. Sven Hedin, Jerusalem.: Mit. 'vielen Bildern. £ ■ - .. :geb.~K40.— ® Dasselbe. Kleine Aüsgäbe - ’geh: K C 5. Agnon, Und das kramnie wird gerade.- : ’r . geh. K 9.— - 6. Abeles, Jüdische -Flüchtlinge geh. K 4.40 " ' . " . ' ' geh. - 6.— 7. Hoefüch, Der Weg in das Land, Palästinensische Aufzeichnungen geh’fk 4.40 geh. - 6.— .GrÖßi* Auswahl in jüdischer und deutscher Literatur, Neu eingerichtet: Ahteilnng für Schriften, zur Jtigendknltnr, Spezialität: EinricbtU'g von jüdischen Vereinsnud VoIkshibUotheken. Zahlreiche Anerkennungen'. In* dividuellste Beratung. Auswahlsendungen. Galizisclie Parteileitung. Gg. Dr. Michael Ringel, Präses des Exekutiv-Komitees der galizischen zionistischen Or-' ganisation, ist nach Lemberg zurückgekehrt und hat die Leitung der Geschäfte übernommen. * Landwirtschaftliche Schule. Auf die zahlreichen, bei der Palästina-Abteilung des Zionistischen Bureaus in Wien eingelaufehen Anmeldungen für die landwirtschaftliche Schule wird allen Interessenten hiedurch mitgeteilt, daß gegenwärtig keine näheren Auskünfte erteilt werden können: Die Vorarbeiten sind im Zuge und-sobald die Eröffnung in Aussicht steht, werden alle als Schüler Angemeldeten rechtzeitig verständigt werden. Für das kommende Wintersemester kommt die Schule jedesfalls noch nicht in "Betracht. Schekel 5678. Die Inhaber von Schekelblocks für das ab- 'gelaufene Jahr 5678 werden gebeten," sobald als möglich die einkassierten Beträge abzurechnen und Geld sowie Belege und unverwendete Quittungen am. das Zionistische Bureau in Wien, II.. Zirkusgasse .33, einzusenden.. . Zur ..Vermeidungeiner umfangreichen Evidenzhaltung bitten wir um Beschleunigung und fordern alle Gesinnungsgenossen auf, bei dieser Gelegenheit noch in letzter Stunde durch. eifrige Agitation die Zahl der Schekelzahler zu vergrößern. Die Blocks für das Jahr 5679 können nur solchen Ortsgruppen und Vertrauensmännern ausgefolgt. werden, die für 5f>78 schon abgerechnet haben. 1 © c s ® © $ G C e s Seoeeeoeoeoaeoaeooeoeoseesbesoo^ HationaljOdische Buchhandlung R. LDWIT, Wien X., Sotentnnnstrasse 22 Schekel und Parteisteuer 5678 III. Ausweis. (Vom 1. August bis 31. August.) Aus dem Felde und den Garnisonen: P. K 136.—, Sch. K 210.80. . * Innerösterreich: ' ... . Baden: P. 15.40, Sch. 22.80; Knittelfeld: P. 3.20, Sch. 4.80; Wien: P. 108.20, Sch. 163.20; Wr. Neustadt: P. 48—, Sch. 72.—; zusammen P. 174.80, Sch. 262.80. . Galizien: Buczacz: P. 112.—, Sch. 168.—; Czortkow: P. 160.—, Sch. 240.—; Drohobycz: P. 94.—, Sch. 188.—; Gorlice: P. 72.—, Sch. 108.—; Ho.rodenka P. 16.—; Sch. 24.—; Jaworzno: P. 16.—, Sch. 24.—; Kuty: P. 48.—, Sch. 72.—; Nadworna: P. 40.—, Sch. 60.—; Napnajow: P. 3.80, Sch. 1.20; . Rozwadow: P. 126.—, Sch. 168.—; Sambor: P. 8.—, Sch. 12.—; Schodnica: P. 31.20, Sch. 46.80; Tarnobrzeg: P. 24.60, Sch. 32.40; zusammen P. 751.60, Sch. 1144.40. Polen: » Miszkow P. 6.—, •Sch. 12.—; Olkusz: P. 3.20. Sch. 4.80; Radom: P. 160.—. Sch. 240.—; zusammen P. 169.20, Sch. 256.80. Bukowina: Czernowitz: P: 34.40, Sch. 51.60. Mähren-Schlesien: V - Gaya: P. 16.—, Sch. 24.—; Wall. Klobouck P. 8.—, Sch. 12.—. ^Diverse: P. 18.—, Sch. 36.—. Summa: Parteisteuer 1308.—, Schekel 1998.40 II. Ausweis: „ 4924.84, „ 9137.40 Parteist. 6232.84, Schekel 11.135.80 samtsumme Richtigstellung: Die im Ausweis II. (Jüd. Ztg. Nr. 33) angeführten Beträge Tarnobrzeg P. 44.—, Sch. 48.— und Szczebrzecyn P. 140.—, Sch. 204.-5-, sind i rr tümlich.gebucht und gehören richtig dem Jüdischen Nationalfonds. Es verringert sich sonach' die Gesamtsumme auf P. 4.924.84'tind Sch. 9.137.40. % ■