Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 12 (1918)
- Issue
- 39 (27.9.1918)
- Date
- 1918-09-27
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 39 JÜDISCHE ZEITUNG «beite 5 Zionistische TreflDunkte an der Südwestfront: Üdine: Oblt Dr. Bergmann.'Heeresbahnkommando. Juridische Gruppe. Telephon. Latisana: Feldrabb. Dr. Tauber. Feldrabbinat der Isonzoarmee. Cornino bei Gemona: Oblt. Dr. Reiner. Brückenhebedetachement. _ Por togr-u er o: Fhr. Erich Juhn. Monturfassungsstelle des 23. Korps. Per eine: Lt. Ins. Emmerich Hoffmann. Erzherzog Eugeustraße 93. 1. St. Cormons: Zionistische Offiziere treffen sich jeden Mittwoch; 1h8 Uhr, im Cafe Europa. Feldrabbiner Dr. Ferda. Die Gesinnungsgenossen werden gebeten, weitere Treffpunkte bekanntzugeben. Die zionistischen Zeitungen werden um Nachdruck gebeten. Jochanan Thau Ein Nachruf. Es ergreift mich ein Schaudern, ihm diese Zeilen zu weihen. Jochanan Thau, der das Leben so zu bejahen wußte, ist tot! Er, dessen einziger Gedanke die Zukunft — nicht seine — seines Volkes Zukunft war, ist auf ewig heimgegangen. Unser aller Herz bhitet vor Weh ob seines Scheidens. Mich persönlich trifft sein Abgang besonders schwer, war ich doch mit ihm m der Blüte unseres Lebens durch unsere gemeinsame Schöpfung, die Gründung des „Bar Giora“, aufs innigste verknüpft. Sie blieb seit damals' der Stolz unseres- Lebens, das Wahrzeichen unserer Studentenjahre. Oft sprachen wir beglückt davon, welch Zufall uns zusammeiTgeführt und es ermöglicht hat, daß sich in uns beiden, parallel und unabhängig von einander, reifende Pläne zum besten unseres gemeinsamen Ideals vereinigen konnten. Die Pflege des Vereines „Bar Giora“ erfüllte' uns ganz; beabsichtigten wir doch von allem Anfang seine Gründung auf einer so breiten Basis, daß er zufolge der seiner harrenden Arbeiten mehr •denn ein gewöhnlicher Studentenverein sei. Aus ihm sollten die Weckrufe erschallen, weit hinaus nach dem Süden, dorthin, wo alles .noch schlief, und die Leiden und Freuden und der große Kampf und die Sehnsucht des weiten jüdischen Volkes unbekannt waren. Jochanan Thau bleibt-das Verdienst unbenommen, durch Uebersei.zung Max Nordaus Zionismus“ der kroatischen Literatur die erste zionistische Broschüre einverleibt zu haben. Sie erschien im Rahmen der Vereinsberichtes für das 1. Jahr, der ungeheures Aufsehen erregte und den „Bar Giöra"'zum Brennpunkt der jüdischen Be- ' wegungin den' südslawischen Ländermmachte. Das härteste Eis war gebrochen, und flogen zuerst die Herzen der Jugend,, der Studentenschaft, dann auch der Bürgerschaft zu, es entstanden jüdische Jugendvereine, literarische Klubs, Studenten- und Ferialvereine — das Terrain für den mit so viel Erfolg veranstalteten Ersten jüdischen Studentenkongreß in Osijek war vorbereitet. Persönliche Gründe haben Thau abgehalten, sich an der Organisation des Kongresses zu beteiligen: Thau war in seiner Betätigung als Zionist äußerst vielseitig, verschmähte auch die Kleinarbeit nicht, die im Sammeln für den Nationalfonds und die verschiedenen zionistischen Zwecke besteht Seine Hauptleistung besteht jedoch auf dem - Gebiete der Agitation, und ela kam ihm seine äußerst gefällige Rede und vorzügliche Feder zugute. Als Berichterstatter des Tages machte er die zionistische Welt in zahllosen Notizen mit dem Judentum. - namentlich Bosniens, bekannt. Besonderen Wert legte er darauf, die kroatische und serbische Oeffentlichkeit mit unseren Bestrebungen und der jüdischen Nationalliteratur bekannt zu machen, welchem Zwecke auch seine wiederholt im „Brankovo Kolo“ erschienenen Uebersetzungen .unserer besten jüdischen Schriftsteller dienten. Besonders ans Herz .gewachsen war ihm die restlose Versöhnung der Aschkenasim und Sephardiim, welch letzteren er viel Verständnis und wahre Liebe entgegenbrachte. Einige Bemerkungen Thaus über diesen Teil unseres Volkes, der ihn auch als Bosnier außerordentlich interessierte, befinden sich in der Form einer „planlosen Skizze“ rn Handschrift in meinem Besitze, und ich werde die erste Gelegenheit ergreifen, dieselben unverändert der Oefientiichkeit zu übergeben. Auch in der Wiener zionistischen Organisation betätigte sich Thau sowie in dem Studentenvereine „Bar Kochba“ (Wien), zu'dessen tüchtigsten Mitgliedern er zählte, Sein Wirken wird im Herzen seiner Freunde nie verblassen, der Name Jochanan Thau aber mit der zionistischen Bewegung in Kroatien-Slawonien und Bosnien auf ewig verbunden bleiben: Das Wirken Jochanan Thaus unter uns verdient es, nicht bloß durch jeden einzelnen von uns, die das Glück hatten, , zu seiner Umgebung zu zählen, im Gedächtnis behalten zu werden; auch den Jüngeren unter uns, die ihn weniger kannten, sowie zukünftigen Generationen soll sein Andenken bewahrt bleibem Mit einigen Gründern des „Bar Giora“ plane ich die Herausgabe eines Werkes „In memoriam“, das das Leben, Wirken und Hoffen Jochanan Thaus aber auch die gesamte jüdische Bewegung im slawischen Süden darstellen soll, und ich wende mich hiermit an alle Freunde des Verstorbenen, die an dem Werke mitarbeiten wollen, sich mit mir in Verbindung zu setzen. Durch die Herausgabe eines derartigen Werkes glauben wir dem Andenken Thaus das beste Denkmal zu setzen. Die große Oeffentlichkeit aber rufe, ich auf, Jochanan Thaus zu gedenken und durch eine große Nationalfonds-Sammlupg die Pflanzung eines vielstämmigen „Jochanan-Thau- Haines“ im Walde unseres unvergeßlichen Führers Dr. Theodor Herzl zu ermöglichen. Jochanan Thau, das seien die ewigen Denkmäler Deines nie vergehenden geistigen Wirkens für das jüdische Volk, das Du so überaus geliebt werden : „W o sind die Fe 1 d r a b b i n e r?“ Während meines eineinhalbjährigen Felddienstes habe ich nur einen ein einziges Mal gesehen. — Für den jüdischen Oofertag wurden namhafte Beträge gesammelt. Ein Appell an den Opfermut jüdischer Soldaten ist des Erfolges sicher. Worte sind da überflüssig. Es genügt ein mit Zions Zeichen versehenes Blatt Papier vorzuzeigen — hast. Du hast die gleiche Liebe in die Herzen Deiner Freunde gepflanzt, dafür schulden wir Dir ewigen Dank. Nun hast Du uns verlassen, und unsere Herzen bluten in Trauer nach dem Besten unter uns. Du gingst so früh von uns.... Belgrad, 20. September 1918. „ Dr. David Fuhrmann. Berichte und Korrespondenzen Krakauer Brief (Von unserem Korrespondenten.) Das Studieren der Bibel und der hebräischen Sprache verboten. Dar Direktor einer Krakauer Mittelschule, Herr Maizanowski, ließ durch eine Kundmachung dlle Schüller wissen, daß das Studieren der Bibell und der hebräischen Sprache mit dem Ausschlüsse aus der Schule bestraft werden kann. So weit ist es gekommen, daß ©in Direktor eines k. k. Gymnasiums das Studium der Bibel verbäetet. Düe Bibel, die doch 'die Grundlage der Ethik 'ist unld die von 'alten Nationen der Welt hoch und WeiiSg gehalten Wird, soll für. die Jugend Ischäcllfch sein? Jo seinem Fanatismus, richtiger Antisetnüfemits ist der Herr Direktor zu weit gegangen. Wie der „Nowy Dzienriik“ berichtet, soll die Krakauer Kultusgemeinde diashezüglicih beim galizischen Landesschulrat vorstellig werden und .dffie Zurückziehung dieses dralkomisdhen Verbotes verlangen. Der Nationalfonds wird volkstümlich Von der Volkstümlichkeit des jüdischen Nabionalionds mögen folgende kleine Beispiele zeugen. Eine iRosch-HaschainaJi-Post, von der Krakauer Jugend veranstaltet, hat dem J. N. F. 2500 Kronen eingebracht, das wichtigste ist aber, daß fast die ganze jüdische Bevölkerung Krakaus diese Post benützte, denn 'Sie beförderte izlrka 20.000 Neujaibrswünsehe. — Das zweifle Beispiel: Eine Gruppe junger Leute faßte dien Beschluß, dem J. N. F. ein größeres und ständiges Einkommen zu sahafien. Sie wollen deshalb eine breitere Aktion für .die Selbstbesfleuerumg effinieitenL Wie die Herren versichern, soll es ihnen sehr leicht tahem, durch monatliche Spenden dfem- J. N. F. 10.000 bis 15.000 Krouan von hier zuzuflühran. Ein nachahmenswertes Beispiel! « Der Opfertag ln Krakau. Wenn man den Erfolg dies O.pfertages you dar irnaiflerJedlen Seite nahmen sollte, so 3st er ein wärkffich imposanter; bis nun wurden nämliah 24.000 Kronen gesammelt Aber es wird bei solchen Veranstaltungen 'auah um den moralischen Erfolg gefragt und hier muß man es der "Krakauer Judenschaft zugeben, iLiß säe eine Opferwiliigkeit an dien Tag legte, die wirklich anerkennenswert ist. Ale Schichten und Parteiungen der Judersschaft haben ihr Scheritein beägetragen, mm die Not unserer Brüder in Palästina zu ffimdsnn, wie auch dem henanWaafasanden Geschlecht die Möglichkeit einer rationellen Erziehung angedeihen zu - lassen. Zu bemerken wäre noch, daß der arme urtdl mittlere Stand das meiste und möglichste beigetrageai hat während die Reichen- oder Reichgewordenen kaum ein Almosen hingeworfen ibaitten. Der Erfolg der Sammlung läßt sich auch aut dfe stramme Organisaifüön ■derselben zunückführea. Sie lag än den Händen unseres N. F.-Kommissärs Dr. Krengel, dem Fri. 'Bazas tatkräftig ■zur-Seite stankt. Es wird eifrig weitergesammeffl. muss. Aus dem Felde. Anläßlich des Neujahrsfestes und des Versöhnungstages fand sich die Jüdische dienstfreie Mannschaft zu einem Gottesdienste zusammen. Ein Feldrabbiner war leider nicht zu sehen. Es muß nochmals die Frage . wiederholt und jeder eilt herbei, um jüdische Freigibigkeit zu bekunden. — Alle Zweifler und Verneiner der jüdischen Nation mögen sich nur hierher bemühen und sie werden jüdischen Gemeingeist jüdisches Solidaritätsgefühl kennen lernen. , Lt. E. A. Mährisch-Ostrau. Die diesjährige Rosch- Haschonoh-Predigt unseres Rabbiners Dr. Spira ist durch die in ihr enthaltene Stellungnahme zum Judentum im allgemeinen und zur zionistischen Bewegung im besonderen bemerkenswert Zum erstenmal hat Dr. Spira so klar und eindeutig über die nationale Frage im Judentum gesprochen und die 'Bedeutung der zionistischen Jugendbewegung für das Judentum mit warmen Worten gewürdigt. Er betonte, daß, obwohl das Judentum zum großen Teile Religion sei. man doch dem nationalen Moment unbedingt einen wichtigen Platz einräumen müsse. An der Hand der Propheten, besonders Jesaias, führte er seinen Zuhörern vor Augen, wie sich die Zionsliebe und -Sehnsucht wie ein roter Faden durch alle Werke zieht Besonders deutlich trete .dies beim „Lecho Dandi“ zutage, welches Lied, obwohl zur Verherrlichung des Sabbats geschrieben, sich nur in drei von neun Strophen mit dem Sabbat beschäftigte, während die übrigen sechs Strophen von der Sehnsucht nach dem heiligen Lande durchsetzt seien. Mit Genugtuung sprach Dr. Spira von der Hingebung und Begeisterung, mit der sich die heutige jüdische Jugend dem Studium der hebräischen Sprache widmet - M. M. Oswlecim. Das Lokalkomitee für den Jüd. Opfertag in Oesterreich, bestehend aus den Herren: Dr. Goldberg, Kultusvorsteher Bochner, Rudolf Haberfeld, Salo Dodelel, Dr. Kornfeld und Nathansohn führte die Sammlung hierorts in glänzender Weise durch. Es konnten bisher 5654 K abgeliefert werden. Dieser Erfolg ist zum Großteile den Bemühungen des Herrn Dodeles zu verdanken, der mit aufopfernder Hingebung sich der Sache annahm. Der „Jüd. Leseverein Oswiecim“, von dem diese Aktion ausging, sieht sich daher veranläßt dem Komitee und insbesondere dem Herrn Dodeles für sein erfolgreiches Wirken auf diesem Wege zu danken. Für den Jüd. Leseverein Abraham Hirsch. (Weitere Bericht; mußten %v4*gen Raummangel zurUckgesiellr werden.) Nachrichten Eine zionistische Gesellschaft trifft sich ieden Samstag abends im Cafe Residenz, I„ Kai. Gesinnungsgenossen willkommen. Musikalisch-literarische Akademie zugunsten der Evakuierten aus Palästina. Wie bereits mitgeteilt, veranstaltet die Neüre Jehuda Samstag, 12. Oktober, im Festsaale des Hotel Continental eine Wohltätigkeitsakademie großen Stils unter Mitwirkung der Opernsängerin Fri. Lola Lengyell, Dr. Fritz Löhner (Beda), Fri. Anni Oehl, Hr. H. Schiller, Hr. E. Reismann, Ifr. P. Bing u. a. Der literarische Teil des Abends umfaßt eine Vorlesung des Herrn Dr. Fritz Löhner (Beda), ferner gelangen Gedichte von Zuckermann, Löwenberg, Rösenfeld usw. zum Vortrag. Den musikalischen Teil erfüllen, abgesehen von Klavier- und Violinkonzerten, deutsche und jüdische Musikdichtungen. Karten von K 1.50 bis K 10.— sind zu haben bei .1. Linschütz, Musikalienhandlung, II., Adlergasse 7, im Zion-Zentralbureau. II.. Zirkuseasse 33: und im Jüdischen Jugendheim. II., Ob. Donaustraße 91. Größere Bestellungen (Vereine. Korporationen, Verbindungen usw.) wollen bei Herrn Weiß, Tel. 49441. angemeldet werden. Für Honoratioren sind 26 Fauteuilsitze ä K 12.— reserviert. Ueberzahluirgen werden dankend entgegengenommen. Jüdischer NaiionalltaMr IV. Jahrgang Almanach auf das Jahr 5679 iv.Jahrgäii Redaktion: Otto Abeies and Ludwig Bat6. Vornehm ausgestattetes, reichillustriertes zionistisches Jahrbuch. Nimmt zu den brennenden Problemen der^Diaspora und Palästinas in gediegenen and dabei allgemein verständgjggfefeliehen Aufsätzen Stellung. Enthält Essays, Novellen, Skizzen, Gedichte von: Otto Abeies, Viktor Ch. Arlosoroff, Ludwig Bat6, Z. F. Finrkelstein, Adolf Friedemann, Eugen Hoefüch, Herrn. Kadisch, Salomon Kaßner, Heinr.Margulies, Mendele Mocher Sforim, Jakob Öttinger, Marek Scherlag, Adolf Stand, Osias Thon, AugustaWeldler-Steinberg, Sch.Zemach n. H. Zuckermann Ferner enthält das Buch Koravorte zur Judenfrage von: Achad Haam, Ch. N. Bialik, Georg Brandes, Martin Buber, Theodor Herzl, Heinrich Margulies, Max Nordau, Osias Thon und E. W. Tschlenow Die Illustrationen stammen von folgenden Künstlern: - JoSef Budko, Jakob Low, Abel Pann und Hermann Struck. — Porträts von J. W. Tschlenbw und Mendele M. Sforim. Preis einschließlich Buchhändlerzuschlag und Porto K 5.70 Zu beziehen gegen Voreinsendung des Betrages oder Nachnahme durch: Verlag „JÜDISCHE ZEITUNG“, Wien, H, Zirknsgasse 33