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Jüdische Zeitung · 1918-09-13 · 37 (13.9.1918) · p. Seite 5

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
12 (1918)
Issue
37 (13.9.1918)
Date
1918-09-13
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 37 Seite ä JÜDISCHE ZEITUNG £«•■•« »««•■■«< iiMNia«aiaMnNMMMaamaMMMM«aMaNnMiMMaMU«aimnMaMM«Na««naumMi =5T BÜHAUSANZEIGE. Anläßlich der hohen Feiertage werden am 15. und 16. September im gut ventilierten GraBeti Festsaale des Oestemichischen Bülsnenvereines Wien I., Dorottieergasse 6—8, feierliche Gottesdienste mit Chor abgehalten. — Die kantorale Leitung hat Herr Israel Deutsch, Oberkantor aus Suczawa und der bekannte jüdische Sänger Herr i. Deutsch übernommen. Die noch vorhandenen Betsiizkarten sind täglich von 9 bis 7 Uhr abends im Betlokale zu haben. Bethaus-Vcwnualtuog (im Vorjahre „Adfon-Saan.!■■■■« ■««««■■»• ■■•««*••*«««••«•■«•aa«**ia««asa««a»3i«a>««*«■■* *•«»•»•■•■*•»•••* sehe Inielligenz verwiesen, dennoch nach dieser Richtung hin gar nichts unternommen haben. Daß also die indische Jugend des Wartens auf die Abgeklärten und Besonnenen müde geworden ist, die wohl bestenfalls in langjährigen Beratungen, den besten Modus einer solchen Veranstaltung herausgefunden hätten, die Bache selbst in die Hand genommen hat und den Weg zum praktischen Judentum sich urbar machen will, ist allenfalls eine Tat von bleibendem Werte. Eine Tat, der gegenüber Fragen wie die, ob ein Gottesdienst und der Besuch einer Sukkah auch dasjenige ersetzen kann, was eine lebensvolle Sukkothfeier im Hause für .die J ugend an Erleben bedeutet hätte, vorerst zurück treten. Erst sollen diese jüdischen Festesfeiern, und sei es auch mit jugendlichem Ungestüifi geschaffen werden. Wenn sie dann da sind, mögen sie verbessert, ausgestaltet, vertieft werden. Die Feier der alten Feste unserer Väter durch unsere Jugend ist ein Ausdruck dafür, daß ..die jüdische Jugend nacli Rückkehr zum J udent tt m strebt“. Zweifellos ein ausgezeichnetes Mittel in Ansehung dieses Zweckes. Es wird, es tm^Erfolg haben. Und sollten ilini Hindernisse im Wege stehen, der Glaube an unsere Jugend stellt ihre Ueberwindung nicht in Frage. Dennoch scheint mir diese Rückkehr zum Judentum ein zweiter Schritt zu sein, über welchem man den erstell und wie mich bediiiiken will, unerläßlichsten, nicht vergessen darf, nämlich die Abkehr v o m Unjüdischen. Ich will deutlicher sein. Der Abbau der christlichen Sonntagsieier in den zahllosen Formen, in welchen sie unter unserer, auch der nationalbewiißien Jugend (und selbstverständlich unter den Erwachsenen) lebt, muß der erste Schritt seht. Vom Sonntagskleid angefangen, bis zu der um des Sonntags willen am Sabbath verdoppelten Arbeit. Wie oft entschuldigt mir ein Junge sein Fernbleiben vom sabbatliclien Jugendgottesdienste in heiliger und doch höchst tinjüdischer Einfalt damit, daß er tim diese Zeit seine Aufgaben machen mußte, um den Sonntag ungestört frei ztt haben. Wenn der Sabbaihrock — in der jüdischen Jugend wieder zu Ehren kommt, dann kamt er leicht zum Symbol werden, dann zieht der Junge damit seine jüdische Seele (eine Art Sabbajliseele) an. die ihn dann von selbst zum allwöchentlichen Besuch der Synagoge führt. An diesen könnten sich sonstige jüdische sabbathliche Einrichtungen. Vorträge, Vorlesungen und ähnliches anschließen. Aber die Voraussetzung der Empfindiuigwelt eines Sabbatli und der jüdischen Festtage ist. daß der Sonntag und alle christlichen Feiertage sich für uns in nichts von irgend einem anderen Wochentage unterscheiden dürfen. Eine Beibehaltung des Sonntags und der christlichen Feste neben dem Bestreben einer Rückkehr zum Judentum durch die Heiligung des Sabbah und der jüdischen Feiertage wäre ein „Hüpieit-zwisclten den Zweigen“. Wenn auch die Umwandlung des Sonntagsauzuges in einen Sabathrock nur eine Aeußerlichkeit zu seht scheint; es ist doch mehr. Vielleicht gilt hier buchstäblich: Fällt erstder Mantel, folgt der Herzog nach. Hierin könnte die Organisation der jüdischen Jugend eingreifeit. Sie könnte diese Forderung zu euer Ehrenpflicht eines jeden von jüdischem Bewußtsein erfüllten J ugendiiehen erheben. Vielleicht wird dadurch auch ein Teil der Entjiidung aus den ^Elternhäusern gebannt. Umso besser. Doch wenn nicht, macht es auch nichts. Wenn wir nur unsere Jugend. haben, haben wir alles. Also erst Abkehr von allem Unjüdischen itt den Lebensformen unserer Jugend, dann ist damit allein die Rückkehr zum Jüdischen schon halb gegeben und kann ihr Ziel nimmermehr verfehlen. ' Prof. Dr. M. R o s e n f e I d. VORANZEIGE Milte September .erscheint; ..Oesterreici und seine luiisii" - von Ingenieur Robert Stricker Preis (inklusive Porto) K 2.50 Nur gegen Voreinsendung des Betrages! Bestellungen und Zahlungen werden bereits entgegengenommen und sind zu richten an den Verlag der ,Jüdischen Zeitung“, Wien II., Zirkusgasse 33 * ** Per Nachnahme wird nichts versendet. Berichte and Korrespondenzen Zionistische Mädchenvereinigung „Moriali“. Am 8 d. M. hielt die „Morfah" die Generalversammlung ab. Nach Erstattung der Tätigkeits- und Kassaberichte wurde zur Neuwahl geschritten, die folgendes Resultat ergab: Präsidentin^ Ella Netunann: Vize-Präsiden Sin: Sarah Roliatin; NF.- Kommissärin: Chana Hajek; .Beisitzende: Leu Umsteht,. N. Koch: Kassierin: Mirjam Abelis; Sciiriftführerin: Frieda Scliorr. — Es hat sielt die t, Unmöglichkeit bewiesen, mit so zahlreichen Mitgliedern an einem Abend Ersprießliches zu leisten, und wir haben beschlossen, versuchsweise die Teilung in kleine Gruppen von etwa 10 Mädchen vorzunelrmen, die unter der Leitung je einer unserer erfahrenen Mitglieder arbeiten sollen. Wir erhoffen, daß in einem kleinen Kreise der Einiluß der Fiihrerin nach jeder Richtung, sowohl in allgemein ethischer Beziehung, als auch in der Entwicklung jüdischer Art und Weise erfolgreicher sein wird. Um den Zusammenhang mit den einzelnen Gruppen zu erhalten, werden periodisch gemeinsame Abende eingeschoben, die dem Referate eines Mitgliedes und Auseinandersetzungen allgemeiner und speziell jüdischer Themen dienen sollen, ebenso gemeinsame Wanderungen und sportliche Hebungen aller Art. Die Leitung hat es jeder Führerin zur Aufgabe gemacht, in ihrer Gruppe dahin zu wirke», daß die Erlernung der hebräischen Sprache zum inneren Bedürfnis jeder Einzelnen wird, hat jcdocli den Antrag einer zwangsweisen Verpflichtung jedes Mitgliedes abgelehnt. — Die Gruppenabende verteilen sich aui alle Wochentage, der gemeinsame Abend wurde auf jeden zweiten Donnerstag festgesetzt. Jüdische Mädchen sind an allen Tagen in unserem Heim (Wien, 11., Obere Donaustraße 91, 7 Uhr abends) als Gäste herzlich willkommen. Führertag der .Sehomrim*. Vom 29. bis 31. Juli faiid in Tarnawa wyzna hei Turka a. Str. der erste F ii h r e r t a g der „Schomrim“ statt, an dein sich 600 Schoinrini und ^chomroth beteiligten. Auf die Eröffnungsansprache des Manhig Dr. Elieser Rieger und den Bericht über die Tätigkeit der Bundes!Ciuuig, den Horowitz erstattete, folgte eine Reihe von Referaten: Reiß sprach über die Stellungnahme des „Haschomer“;yir allgemeinen Jugendbewegung. Schomereth Rebhahn (Przemysl) referierte über die Erziehung der .Sehomroth. Klinghofer (Wien) und Händel (Stryj) entwickelten ein Programm der Organisierung von Nichtgymnasiasten (Hoehschüler, Handelsangesteiite etc.). An jedes der genannten Referate knüpfte sicli eine sehr lebhafte Aussprache, die in die behandelten Piobieme neues Licht liiucintrug und sic dergestalt bedeutend zu klären, wenn auch nicht immer zu lösen vermochte. Mit der Wahl einer neuen lTgliedrigen Bundesleitung, mit Dr. Rieger als Manhig an der Spitze endete der Führertag, nachdem vorher an den Pionier der „Hasciiomer“-Bewegimg, Dr. Heinrich Sterner. und an den von der Schomrim-J ugend verehrten Vorkämpfer des fanatisch-heroischen Zionismus, ür. Abraham Schwadron, warnte Begrüßungsschreiben abgesandt worden waren. Die ungünstige Witterung verhinderte bedauerlicherweise das Zustandekommen des Ausfluges in die Karpathen, der als Abschluß der Tagung gedacht war. Sitz der Leitung bliebt auch künftighin Wien. Teschen. Am 1. September 1918 fand hier seit langem wieder ein zionistischer Vortrag statt und zwar sprach Herr Dr. Elias Tisch, Mitglied des Exekutivkomitees, über das Thema , „Judentrage und Weltpolitik“. Da die Teschner zu- ständigen jüdischen Korporationen die Veranstaltung dieses Vortrages ablehnten, mußte sich ein Komitee von 4 Hochschülern der Sache annehmen. Die inhaltlich außerordentlich reiche und glänzend vorgetragene Rede löste in allen Schichten der jüdischen Bevölkerung, besonders bei der Jugend, lebhaften Beiiall aus. Ein hübsches Reinerträgnis konnte für jüdische Zwecke abgeführt werden. Wir wollen nicht unterlassen, von dieser Steile aus Herrn Dr. Tisch unseren innigsten Dank abzustatten. A. _ Proßnitii Der Ferialverein jüdischer Hoclischüler ..Giskalak“. Proßnitz. gibt nachstehend das Ergebnis seiner Chargen wählen bekannt: Präses: JUC. Otto Czech, Vize,1räses: JUC. Max L asus. Schriftführer: stud iur. Leo Seliger. Jaroslau. Das Erwecken der jüdischen Bürgerschaft in einer galizischen Stadt zu einer organisatorischen Tat gehört zu den schwierigsten Problemen einer national-politischen Leitung. Es herrscht überall ein krasser Materialismus, der oft zu einem direkten Mammonismus ausartet. Die I Arbeit der nationalbewußten Jugend, aus der unsere Organisation besteht,'muß sich aui die innere, geistige Vertiefung beschränken. Einer großzügigen Propaganda sind seitens der apathischen Bevölkerung selbst und der parteiisch-rigorosen Behörden enge Schranken gezogen. Unsere Gruppe arbeitet jedoch unermüdlich an der Vorbereitung zu einem größeren Organisationswerke und zum Sammeln der Kräfte für einen entscheidenden Schritt Außer den mustergiltig geführten J ugendverbänden arbeitet der MädChenverei» * „Mirjam" intensiv an der Verbreitung tieferer Kenntnisse der jüdischen Geschichte und des Zionismus Das vom üg. Dr. Sternhell ins Leben geruiene l.ok^koinitee beginnt das jüdische Wort in der jiia|phen (iasse zu verbreiten: das Volk soll gerufen werden. Eine Lesehalle ist gegründet worden, Bibliothek und Toynballc in Gründung begriffen. Wir leiden am Mangel an Rednern. Die Großen kommen nicht und die anderen sind meistens militärdienstpflichtig. Wenn aber kein aufriittelndes Wort gesprochen wird, dauert auch der Schlaf des jüdischen Bürgers bis zum nächsten Pogrom oder bis zum jüngsten Tage. Ein Versuch der Organisierung ist immerhin gemacht worden. Ein Verein j ii d i s c Ii e r K a u f l e u t e wurde gegründet, und wir lioffcn, daß dank der initiative des Vereiiissymiikus Herrn Dr. Buchheim, Präsidenten unseres Lokalkomitees, aucli die allgemein-jüdischen Fragen ein Interesse dieser Kreise finden werden, und der Verein ein wichtiger Faktor des nationalen Lebens werden wird. Die Tatkraft des Vereiiispriisidemen. Herrn Josei Bernstein, verbürgt eine schöne Entwicklung des Vereines. Dr. R. Rzeszow. Sonntag, am 21. Juli I. J. 13 Tage im Ab veranstaltete die jüdische Ürisjugond in Anlehnung an die Volkstradition, die sich au die Matioualfeste des Cliamische assar bcab knüpfen, ein Garteniest. Die Initiative hiezu ging, von der zionistischen Jugend aus. welche unter der energischen Leitung unseres Gg. Alter das Fest organisierte und ihm den zionistischen Charakter anfdriiekte. — Leider machte sich dabei auch die Prunksucht breit und die Sticht des Sich-selienlassens, was aui den Mangel des Gemeinschaftsgefühles und des damit verbundenen Verantwortlichkeitsbewußtseins gegenüber dem Volksganzen zurückzufiihren ist. Die zionistische Arbeit müßte da erzieherisch einsetzen und Remedur .schaffen. Das Einkommen — netto 8200 K — wurde zur einen Hätte dem JNF. und zur anderen Hälite dem örtlichen jüdischen Kriegswaisenhause zugeiiihrt. — Am 28. Juli I. J. veranstaltete hier eine Gruppe junger Menschen, unter dem Namen Bildungsverein „Jugend“ vereinigt, eine Scholcm Aiechem- Matinee mit sehr gutem ^Erfolge, insoierne darunter das materielle Ergebnis zu verstehen ist. Geistig war das eher ein DeFzit. Der bekannte Schriftsteller Meier Chartiner, der vor einem vollen Haus über Scholem Alechem sprach, fand leider taube Ohren, denn das unterhaltungslüsterne Publikum wollte unterhalteu und nicht belehrt werden. Wenn der Bildungsverein „Jugend.“ -• wie er angibt — ernstlich nationale Kulturarbeit leisten will, so hätte er da ein weites Tätigkeitsfeld. Natürlich müßte er damit beginnen, daß die Meister, die ausgehen, andere zu belehren, zuerst Jünger werden. Die Veranstaltungen würden dann nicht zu bloßen Einnahmsquellen herabsinken. Ka Kurzmann. Kuty. Den 18. d. M. veranstaltete die Jüdische Lesehalle Kuty einen literarischen Abend. Besonders zeichnete sich Herr E. Porat (Prag, dzt. in Wizenka) aus, welcher über „Jehuda Halevi“ sprach; auch Herr Dawid aus Wiznitz trug künstlerische Werke von Schalotn-Alechem vor. Der Ertrag wurde für die Bibliothek bestimmt Die Jüdische Lesehalle dankt noch einmal allen Mitwirkenden. Stopnica (Polen). Am 6. August veranstaltete der hiesige Verein „Zion“ einen Konzert-Abend mit reichhaltigem Programm unter Leitung des Virtuosen Herrn Bernard Kagan aus Radom. Während der Pausen wurden Materialien verkauft und für den Nationalfonds eifrig gesammelt. Die eine Hälfte des Reinertrages floß dem Vereine „Zion“ zu und die andere wurde der Schomrim-Organisation und der hebräischen Schule gewidmet. J. W—ler. Kurort Rabka. Am 4. August d. J. fand in dem westgalizischen Kurort Rabka ein großes jüdisches Gartenfest statt, das von den dort weilenden jüdischen Kurgästen und auch von der einheimischen jüdischen Bevölkerung sehr stark besucht war. Dem vorzüglichen Arrangement des veranstaltenden Komitees, besonders den Damen Frau Else Goldmann, Bucheister. Dolla Bittner, Mindl Braunfeld Ist es zu verdanken, daß das Fest einen sehr hohen Reinertrag brachte, der zum größten Teil zur Gründung einer jüdischen

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