Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 12 (1918)
- Issue
- 37 (13.9.1918)
- Date
- 1918-09-13
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 .JÜDISCHE ZEITUNG RUNDSCHAU Inland * Der Hirtenbrief der österreichischen Bi- ■ schöfe wendet sich endlich au die richtige Adresse: So lange war vom „jüdischen Wucher“ und „jüdischer Kriegsausbeutung“ die Rede, bis die berufenste kirchliche Autorität selbst das Wort ergriff und ihre Gläubigen mahnt, von der verderblichen „unchristlichen“ Handlungsweise äbzulassen Die „Arb. Ztg.“ weist mit Recht daraut hin, daß dieser Appell gerade bei den dein Klerus am nächsten stehenden Kreisen, beim Feudaladel und den Großgrundbesitzern, wenig Wirkung haben dürfte, da bei diesen Herren das Geschäftsinteresse stärker ist als das Christentum. Jedenfalls muß bei dieser Gelegenheit wieder darauf verwiesen werden, daß diese christlichen Herren im Krieg Riesengewinne erzielt haben, gegen den der Verdienst eines galizischeu jüdischen Kettenhändlers verschwindet. Dasselbe gilt, wie Maximilian Harden in der „Zukunft“ hervorgehoben hat, von den i ein arischen und hochangesehenen Schwerindusiriellen, z. B. Krupp: Die Juden stellen nur eine kleine Gruppe zu den von der Krankheit der Erwerbsgier Befallenen. Der Hirtenbrief der Bischöfe spricht zu den Christen. Die christliche Welt ist es, in der dieses Uebel, diese ganze Katastrophe, geboren wurde, die christliche Welt' ist es, die in. Flammen vor unseren Augen zusammenbricht. * Zur deutschen Judenpolitik im Osten schreibt die „Chemnitzer Volksstimme“: Geradezu unerhört klingen Mitteilungen, die uns über die von der deutschen Verwaltung betriebene Judenpolitk im Osten zugehen. Es müssen in der neueren Zeit geheime Verfügungen erlassen worden sein, die eine völlige Beschränkung in der Einwanderung jüdisch-polnischer Arbeiter nach Deutschland vorsehen, wodurch für Millionen Menschen ein neues Ausnahmerecht aufgerichtet wird. Nocii toller ist, dal} man sowohl nach Kurland, wie nach Litauen, und ebenso nach Polen mit dem Einverständnis der deutschen Verwaltung, nicht einipal diejenigen Juden wieder in ihre- Heimat zuriiekkehren läßt, die von den Russen verschleppt worden sind oder die seinerzeit vor den heranrückcnden deutschen Heeren geflohen sind. Mit einer 'wahren Wonne schlachtet die Presse in den Ententeländern diese antisemitische Haltung deutscher Behörden aus. Dia angerichtete 'üble Wirkung kann durch zehn Miidsterreden nicht wieder gut gemacht werden. Rußland * 'Eine Sonderhillsakiion fiir die liihauischen Juden. Das Jüdische Preßbüro in Stockholm teilt mit: Die Unterbrechung der Hilfsarbeit, die durch den Eintritt der Vereinigten Staaten in den Krieg entstand, war von sehr schweren Folgen für die vom Krieg heimgesuchten Juden begleitet Schließlich wurde im Herbst 1917 ein Hilfskomitee in Holland eingesetzt von dem bisher 6,500.00 Mark nach Warschau, 600.000 österreichische Kronen nach Lublin für das von O'esterreich besetzte Gebiet überwiesen werden konnten. Rumänien „ * Nach der Annahme des Judengesetzes Im rumänischen Parlament (Die Behandlung der heimkehrenden jüdischen. Kriegsgefangenen.) Das ' Kopenhageffer Zionistische Bureau berichtet: Beim 37. infanterie-Regiment aus Botosar.i werden alle aus der Gefangenschaft zurückkehrenden jüdischen Soldaten auf Befehl des Oberstleutnants Pascu mißhandelt: viele werden in Einzelarrest gesteckt, alle werdet! weiter'mobilisiert gehalten, während die zurückkehrenden Rumänen gut behandelt werden, einen achttägigen Urlaub bekommen und dann entlassen werden. Türkei * Die Türkei und der Zionismus. Während . , bisher die Zeitungen in der Türkei den Zionismus kaum erwähnten, befassen sich seit den bekannten Konstaaitinopler Verhandlungen die Blätter der verschiedensten Richtungen wiederholt mit der zionistischen Frage. Besonders bemerkenswert ist ein Artikel des der Regierung nahestehenden „Ikdarn“, in dem der gegenwärtig in Lausanne * Eine Requisition in Oswiecim. Wie uns aus wohnende bekannte türkische Politiker Achmed Oswiecim berichtet wird, erschien dort am 4 d. Djevdet Bei gegen den Zionismus Stellung nimmt, plötzlich eine aus mehreren „Detektivs“ beste- Wir werden auf diese bemerkenswerte Aeußerung. hende Kommission, die angeblich den Auftrag an <F* sich eine Diskussion geknüpft hat noch aushatte, in den Häusern der Juden eine Durchführlich zuriickkpmmen.. suchung und Requisition von Waren vorzunehmen. p«,iac«„n Von der antisemitischen Bezirkshauptmannschaft raiasöna unterstützt:, drang die Kommission in die jüdischen ^Entdeckung eines jüdischen Kunstdenkmals Häuser ein, erbrach Schränke und raubte Waren **i Palästina. Während des Feldzuges in Palästina aller Art, insbesondere dem Privatgebrauche diellat eine englische Truppenabteilung in der Nähe nende Wäsche und Kleidungsstücke, selbst ein von Gaza ein Baufragment gefunden, das für die „Strejmel“ fiel dieser seltsamen Requisition zum Geschichte der palästinensischen Kunst von mehr Opfer. Eine Bestätigung über die Wegnahme der Ms gewöhnlicher Bedeutung ist. Die Umstände^ Gegenstände wurde verweigert. Die Waren wurwelche diesen Fund ermöglichten, waren dieselden bei den Salesianern deponiert. Erst das Einhem denen der größte Teil der archäologischen greifen der jüdischen, als Selbstwehr organisierten Untersuchungen in Palästina ihre Resultate zu ver- Jugend machte dem Treiben ein Ende. danken hat. Nachdem ein heftiger Wind vom _ Meer, her große Mengen Sand weggefegt hatte, Ungarn entdeckte. man an der Stelle, an der früher ein; * Der Importartikel. Der .Katholische Volks- "iedri.^. sich erhoben hatte, eine marmorne verein Ungarn“, der zurzeit 300.000 Mitglieder ven p’Kefahr 11 Meter Breite und . zählt, hat vom 1. bis 8. September'eine „Soziale 16 Meter Lange. Eine zwenachc Inschrift und die Woche“ in Ungarn abgehalten. Was das war. stilreine Ornamentik ließe keinen Zweifel aufkomkann man sich denken. Die österreichische nJei> « mit dem Fragment einer frühchristliche Arbeiterschaft“ hat ihre Führer Spachnstbcoen Kirche aus der Mitte des VI. Jahriowsky und Kunschak entsandt Es wurde nunderts nach Ciirisü Geburt zu tim habe. Amin allen Tönen Klage geführt über die „Verfolgung lallend ist _aui den ersten Blick der reine grie- und Unterdrückung“ des Christentums und es chisch-hßbrajsche Stil, welcher in dieser sehr späregnete natürlich förmlich Beschwörungsformeln tfu Periode noch ungetrübt zur Anwendung kam. gegen den „fremden“ Geist, der je nach Bedarf Es ist dieselbe Erscheinung jüdischer Kunst, wie Kapitalismus oder roter Sozialismus ist usw. Dje sie ebenso deutlich in der herodianischen Zelt Seele des ungarischen Volkes sei keine „Bankwahrnehmbar ist Ms sonst überall das griechische einlage“ für fremde Spider. Es ist wirklich köst- Schönheitsideal bereits im römischen organisatoriiieb, wie in dem klassischen Land des christlichen sehen Prinzip ruitergegangen war, während die Agrarwuchers versucht wird, durch das antisemijüdischen Grabdenkmäler und Gebäude die Kenntische Zauberwort die Wirklichkeit zu verwan- Zeichen der hellenischen Kunsttraditionen rein be~ deln. Der „Importartikel“ aus Oesterreich scheint bewahrten. Es ist derselbe charakteristische jedenfalls in Ungarn .gut zu „gehn“. Vielleicht bes- Grundton, der noch am Ende des VIII. Jahrjmnsert das unsere Handelsbilanz, und wir werden Gerts an den' Wandmalereien und BUdhaucrwerdank der christlichen Tüchtigkeit mm auch vice ken der Wüstenkastclle von Anrra zutage tritt, versa Brot aus Ungarn erhalten. also in einer Zeit, da in Europa die schönen Künste _ . gänzlich ausgerottet waren. Deutschland ♦ Juden und Mohammedaner. Aus dem Haag * Ein jüdischer Reichstagskandidat in Ber-. wirdberichtet: Professor Wtetemjum übergab dem Jin. Als aussichtsreichste Kandidaten für den durch Mufti von Jerusalem einen Koran, welcher eine den Tod des Reichstagspräsidenten Kaempf erlehistorische Kopie des Korans ist, welcher der tilgten ersten Wahlkreis and zwei bekannte jü- Stadt Adrianopel gehört. Die Mohammedanische dische Persönlichkeiten genannt: an erster Stelle Gemeinde Jerusalems fühlte sich durch diesen Be- Kommerzienrat Dr. jur. h. c. Karl Leopold Netter, we*s v°n Wohlwollen sehr ausgezeichnet. der als Mitglied des Vorstandes der jüdischen Ge- * Wasserleitung in Jerusalem. „Daily News“ meinde seit langen Jahren tätig ist; als zweiter bringt folgenden Bericht: Eines der schwersten Kandidat der Vorsitzende des Verbandes der Versäumnisse der türkischen Regierung war, daß deutschen Juden, Geh. Justizrat Dr. Cassel, gegen sie Jerusalem nicht mit eener geregelten Wasserdessen Kandidatur jedoch geltend gemacht wird, zufulir vorsah. Was die Türken in Jerusalem wälidaß er bereits dem preußischen Abgeordnetenrend einer 400jährigen Herrschaft nicht konnten hause angehört. Eine Vermehrung der .Doppel- oder wollten, Jiaben die englischen Ingenieure in mandate wird von den Freisinnigen nach Mögkaum 2 Monaten zustandegebracht Zum ersten lichkeii vermieden. Inzwischen haben Vorstand Mal in der Geschichte Jerusalems kann jeder Biir- und Vertrauensmänner der Fortschrittlichen ger so viel frisches und reines Wässer bekommen, Volkspartei im Wahlkreise beschlossen, . als alals er um wünscht. Der pittoreske Wasserträger ieinigen Kandidaten der Wählerversampilung den wird verschwinden. Künftige Jahrhunderte werden Abgeordneten Cassel vorzuschlagen. Die Walil ihn nur in alten Mappen wiederfinden. Seine Enerfindet am 15. Oktober statt. gie wird nun für andere Arbeiten verwendet wer- ' * wfi den. Die Krankheiiskeime, welche sein lederner. Wasserbeiftel enthielt werden nicht länger das. Leben der Landesbewoimer bedrohen und die tötiiclieu Gefahren des Brunnenwassers werden jetzt zu, einem großen Teile verschwinden. Die Ingenieure fanden eine Gruppe von .Springquellen in einean absolut klaren Sammelbecken, die der Stadt ungefähr 14000 Hektoliter per Stunde liefern. Das Wasser wird durch besondere Vorrichtungen bis . ziun Gipfel eines Hügels emporgezogen, und von dort in langen Röhren nach der Stadt geleitet. Die. Spitiiier sind direkt an die Leitung angeschlossen." Die Bevölkerung ist überglücklich; reichen Gebrauch von dem Wasser machen zu können. * Die Gründung einer Voiksfcasse in Jaffa. Das Kopenhagener Zionistische Bureau berichtet: In Jana ist auf Initiative einer Gruppe aus dem jüdischen Mittelstände eine VolkskassS (Kupath Am) gegründet worden. -Von den Aktien in Höhe von 5 Pfund wurden im Verlaufe der ersteu vier-' zehn Tage mehr als 150 abgesetzt. Das Statut-Mer Gesellschaft wurde der zionistischen Palästina- Kommission zwecks Erlangung der Bestätigung der englischen Okkupationsbehörden. überreicht. * Die zweite Gründungs-Konferenz der Organisation der Juden Palästinas. Am 7. Tamus (17. Juni) ist in Jaffa unter begeisterter Anfeil- ' nähme der jüdischen Bevölkerung die zweite Gründungs-Konferenz der Organisation der Juden Palästinas eröffnet worden. Im festlich geschmückten Saal der Mädchenschule versammelten sich etwa 200 Delegierte, Vertreter der Städte, Kolonien. der öffentlichen Institutionen und verschiedener gesellschaftlicher Gruppen der jüdischen Bevölkerung im besetzten Palästina'. Dr. Tilioir führte den Vorsitz. Der Vertreter der englischen Regierung Major Ormsby-Gore hielt eine von tiefem'Enthusiasmus getragene Rede über ,d jüdische Volk und seine große Zukunft. Dr. \Ve:zmann berichtete über dfe Tätigkeit der zionistischen .Palästina-Kommission. Großen Eindruck machteu seine Erklärungen über die günstige Entwicklung der Beziehungen zwischen den jüdischen und den arabischen Führern. Es wurden folgende Referate gehalten: Dr. Thon über die Orgamsatioiis- und Vertretuhgsfrage; Mordechai ben Hil-!el Hakoben über das Gerichtswesen; Dr. Türöw über Kultur und Erziehung; Wilkansky über landwirtschaftliche Kolonisationsarbeit: Bezalel Jaffe über die Hilfstätigkeit. Es wurde beschlossen,, die bisherige Leitung mit der provisorscheu Interessenvertretung zu betrauen . und innerhalb von drei Monaten eine ordentliche Gründlings Versammlung' einzuberufen. Amerika * Louis D. Brandeis für die Universität Im Namen von S000 amerikanischen Juden wurde dem Oberichter der Vereinigten Staaten, dem bekannten Zionisteinführer Louis D. Brandeis, gelegentlich seines 60. Geburtstages ein Fonds von S000 Dollar für jüdische Zwecke zur Verfügung' gestellt Brandeis bestimmte den Betrag zum Ankauf von Aktien der Jüdischen Kolohialbahk, die er der Jüdischen Universität in Jerusalem schenkte. Er fügte 2500 Aktien hinzu, die er selbst gekauft hatte: * Amerika erkennt die Juden als Nation an. Dem „Fremdenblatt“ wird aus dem Haag telegraphiert: Der Höchste Gerichtshof der Vereinigten Staaten hat entschieden, daß ein deutscher Jude nicht als Deutscher, sondern als Jude anzusehen sei, wodurch «die Anerkennung der Juden als Nation durch die Vereinigten Staaten erfolgt ist. — Dazu bemerkt das „Fremdenblatt“: „Sollen also nach dieser Sentenz auch die amerikanischen Juden nicht als Amerikaner, die englischen, französischen, italienischen Juden nicht als Engländer, Franzosen, Italiener gelten?“ Diese ironische Bemerkung trifft daneben. Denn es ist nicht einzusehen, warum, bei Gleichstellung des jüdischen Volkes dadurch deren Stellung verschlechtert würde. Oder meint das „Fremdenblatt“ etwa, daß durch eine solche Behandlung der amerikanischen etc. Juden als Juden vonseiten der Z.entralinächte die Lage dieser Juden schlechter würde? Zur Jugendfeier des Sukkothfestes sich -zu beugen vor dem Könige, dem Herm der Herncharen und zu feiern das äukbothfest^Sucharja XIV, 16). Wie eine wunderbare Erfüllung des prophetischen Wortes eines der Erneuerer jüdischen Lebens zur Zeit des Wiederaufbaues des jerusalemitischen Heiligtums, mutet uns die Ankündigung einer Feier des Sukkothfestes durch die Wiener jüdische Jugend an. Wohl widmet der Prophet diese Worte dem „Reste der Völker, die über Jerusalem gekommen sind, und ihrem Anschlüsse an jüdische Art und Sitte; doch unsere großstädtische Jugend zumal war schon einer solchen Zukehr zum1 Jüdischen nicht minder bedürftig. Jeder, der an der Entwicklung unserer Jugend in der Richtung.zum Judentum hin ehrliches Intereise hat, wird diesen Beschluß der Zentralstelle der jüdischen Jugendgruppen hi Wien aufs herzlichste begrüßen und diese zu ihrem'Vorhaben beglückwünschen. Die Veranstaltung eines würdigen und weihevollen Jugendgottesdienstes für die jüdische Jugend Wiens ist eine Tat der Selbsthilfe. Sie setzt nicht allein die jüdischen Eitern ins Unrecht, die dem neuerwachten Bedürfnis der Jugend nach den Formen des jüdischen Lebens, nach der anheimelnden Poesie des jüdischen Hauses nicht Rechnung tragen. Mehr noch die zur Weckung, Waclierhalturrg und Pflege des jüdischen Sinnes unserer Jugend berufenen Faktoren, die seit-Jahr und Tag auf die ' Wichtigkeit feierlicher Festtagsgottesdienste, insbesondere für die heranreifende iüdi- * 1SSS!*S