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Jüdische Zeitung · 1918-08-30 · 35 (30.8.1918) · p. Seite 2

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
12 (1918)
Issue
35 (30.8.1918)
Date
1918-08-30
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 verseht, verletzt aber auch die staatlichen Schulgesetze, die für den Herrn Professor ebenso gelten wie für den letzten Schüler. Wenn wir schrieben, daß uns die hämischen Bemerkungen der „Reichspost“ -ganz kühl lassen, -so gilt dies nicht für Jen ..Reichspost“-Vorschlag: peinliche Scheidung der jüdischen . von den christlichen Schülern!“ Mit diesem Wunsche hat uns die ..Reichspost“ . wahrscheinlich gegen ihren Willen wirklich einen großen Gefallen getan. AVer von dem Gedanken der jüdischen Jugendbewegung erfüllt ist, wird wissen, warum man sich über diesen Vorschlag' freuen kann, bedeutet doch seihe Verwirklichung nichts anderes als die Erfüllung unseres Rufes nach der Jüdischcii Schule. 1. 1. . Wohlgemerkt, ihr Herren von der ..Reichspost“: nach einer jüdischen Schule, die nicht, wie ihr meint, eine „Judenschule“ sein wird. In der jüdischen Schule soll ein Teil der Forderungen nach jüdischer Erziehung verwirklicht werden. In jüdischem Geiste muß unsere Jugend erzogen werden, damit sie zu wirklichen Juden heranreift, nicht zu haltlosen Luftmenschcn, die trotz z. B. deutscher Erziehung nie Deutsche sein können und mangels jüdischer Erziehung noch nicht Juden sind. War früher der israelitische Religionsunterricht eine bloß langweilige Komödie, die von keiner Seite ernst genommen wurde, so muß jetzt dieser stiefmütterlich behandelte „Neben“gegenstand zum Fundament einer jüdischen Schule werden. Dazu ist unbedingt eine Trennung in Geschichtsunterricht, Bibelkunde und Hebräischunterricht notwendig, für die eigene Lehrer zu bestellen wären. Der Unterricht in der Geschichte des jüdischen Volkes wäre vom streng, historischen Standpunkte aus abzuhalten, während die Bdbelkunde selbstverständlich weniger auf die literarische, als auf die religiöse, geistige und etliische Bedeutung der Bibel für Judentum und Menschlich Bedacht zu nehmen hätte. Der Hebräischunterricht hat natürlich in Neuhebräisch zu erfolgen. Für die höheren Klassen müßte sich dann die Lektüre moderner hebräischer Bücher und Dichtungen anschließen. Kurz skizziert, wären dies also die rein jüdischen Lehrgegenstände der jüdischer. Schule. Es ist unnötig, eingehend zu schildern, welche Vorteile die Verwirklichung dieser Forderungen mit sich bringen würde. Vor allem würden die alltäglichen, endlosen Reibereien zwischen den jüdischen Schülern und nichtjüdisclien Professoren und Mitschülern aufhören. Reich an jüdischen Erlebnissen würde die Seele des jüdischen Kindes .werden, durch Schulfeiern unserer Feste, womöglich im Freien, durch Pflege jiddischer und hebräischer Dichtung und Gesanges usw. Durch eifriges Turnen'und Wandern könnte mit Erfolg ein besonderes Augenmerk auch auf die körperliche Ertüchtigung der jüdischen Jugend gelegt werden. Was die Verwirklichung dieser jüdischen Sehlde anbelangt, so kommt sie vor allem nur für größere Kultusgemeinden in Betracht. Der Staat hätte nicht mehr Beitrag zu leisten, als er normalerweise für Schulen gleicher Stufe (Volks-, Börger-. Mittelschulen) auszugeben pflegt. Für Jas Uebrige werden jüdische Väter und Mütter sorgen. Robert Emil Weiß. (Anm. d. Red.: Wir geben den vorstehenden Beitrag wieder, weil er die in den Kreisen der Jugend herrschende Stimmung zum Ausdruck bringt, obwohl darin das äußerst schwierige und komplizierte Problem der jüdischen Schule nach seiner politischen und pädagogischen Seite hin nur ganz andeutungsweise und keineswegs seiner Bedeutung entsprechend behandelt ist.) „Jüdische Holzspekulation" Sn offener Brief an den verantwortlichen Redakteur der „Ostdeutschen Rundschau“ in Wien. Feldpost 561, 8. August 1918. Sehr geehrter Herr. Schriftleiter! Gestatten Sie einem im Felde stehenden Offizier, der ein eifriger Leser Ihres wackeren Organes ist. Ihnen mit Bezug auf die Notiz „Die jüdische Holzspekulation“ in der „Ostdeutschen Rundschau“ von 7. August einige Bemerkungen mitzuteilen: ~ » So unnütze Mühe es auch wäre, wollte man jede einzelne Verdrehung und Verfälschung, - die sich Ihr Blatt ln seinen kühnen Notizen und Artikeln.über die Juden leistet, an den Pranger nageln, so notwendig ist es meines Erachtens, in dem einen oder anderen .besonders heiteren Fall auf Ihre Scherze einzugehen. Dank unserer Preßgesetegebung kann ja bekanntlich jede Zeitung ungestraft ein Volk be-* flegeln und verleumden, kann auch in Kriegszelten Haß und Verachtung gegen eine Gemeinschaft in den Herzen ihrer P. T. Leser säen, ohne von dem einzelnen Mitglied der Gemeinschaft zur Rechenschaft gezogen werden zu können. Wenn Sie z. B. den italienischen Katholiken Davit, den Neffen eines gut christlichen Barons, zum „Juden“, resp. „feigen jüdischen Raubmörder“ machen, so könnte höchstens der Herr Davit dagegen Einspruch erheben, zum Stammesgenossen eines Trotzki, d'Atmunzio, Rathenau, Northcliffe und wie Ihre Liste der „angenehmen Zeitgenossen“ noch weltergeht, gestempelt zu werden. Und so werden Adler, Davit, Bergson und Marx, wie ich fürchte, von nun an ewig in einem Atem in Ihrem tapferen Blatte erwähnt werden. JÜDISCHE ZEITUNG RUNDSCHAU Inland *" 4 Nichts ohne Taufschein. In der österreichisch-ungarischen Buchhändierkorrespondenz, Organ des Vereines der' österreichisch-ungarischen Buchhändler, befindet sich die Ausschrei* bung eines Buchhändlerstipendiums seitens des inälirisehen Landesausschusses. In der darauf bezüglichen' Zuschrift der deutschen Sektion des Landesgewerberates, werden die Bedingungen angeführt und mitgeteilt, daß die Bewerber ihre an den Landesausschuß gerichteten, mit dem Taui- . u n d II e i m a t s c h e i n, dem letzten Schulzeugnisse etc. belegten1 Gesuche bis 30.' Oktober bei der deutschen Abteilung des Landesgewerberates in Brünn einzubringen haben. 'Schleichhändler=Polnische Juden. Auf dem Prerauer Bahnhofe ist folgende Kundmachung auf allen Perrons sichtbar angebracht, welche mit einer Stampiglie des Bahnhofkommandos versehen ist: Warnung! . Den Militärpersönen ist es strengstens untersagt Gepäckstücke mit dem Schleichhandelzwecke dienenden Waren von Schleichhändlern (polnischen Juden) in die Militärwaggous mitzunehmen und dadurch der Beschlagnahmung zu entziehen: . Es ist soldatische Pflicht, einen derartigen Vorgang dem nächsten Bahnhofkommando anzuzeigen. Militärpersönen, die bei diesem Vorgehen betreten werden, werden strengstens bestraft. . ~ K. k. Bahnhofkommando. Es ist unerhört, . daß das Bahnhofkommando die polnischen Juden mit den Schleichhändlern identifiziert und dadurch amtlich zur Verhetzung <* '■ Bevölkerung durch Verbreitung dieser unwrmigen Lügen beiträgt. Der Schleichhandel ist eine allgemei ne Krankheit; ohne. Schleichhandel wäre die Mehrzahl der Bevölkerung längst verhungert und alle Bevölkerungskreise sind daran beteiligt, auch „polnische Juden“. Eine solche aufreizende Verlautbarung hat aber die strengste Ahndung seitens der Vorgesetzten Militärbehörde zu finden und es wird genau zu untersuchen sein, von wem dieser saubere Text stammt. Ungarn * Der Importartikel. Anläßlich der Antisemitendebatte im ungarischen Abgeordnetenhause schreibt der „Pesti Hirlap“, der Antisemitismus sei der einzige Industrieartkel, den. Oesterreich nach Ungarn unbeschränkt einführe. — Allerdings scheint auch die Nachfrage nach diesem Artikel in Ungarn groß zu sein. Deutschland' -,r * Auclr Deutschland soll protestieren. In Besprechung der Protestresolution der österreichischen Kultusgemeinden fordert das Hamburger „Isr. Familienblatt“ die deutschen Judengemeinden auf, auch ihrerseits einen ähnlichen Beschluß zu fassen und zu veröffentlichen. Denn auch in Deutschland macht der Antisemitismus riesige Fortschritte, durchsetzt alle Gesellschaftsschichteii und Aemter und bildet eine wachsende Bedrohung .der jüdischen Bevölkerung. Ukraine * Die Poale Zion und das Hebräische. „Hazefira“ schreibt: Nach'den Gesetzen der Logik müßten die Poale Zion an der Spitze der hebräischen Bewegung marschieren. Erkennen sie doch an, daß die Erlösung des Volkes erst in Palästina durch einen sozialen Neubau mit dem Hebräischen als Volkssprache herbeigeführt werden kann . . . Aber die Ereignisse in der Ukraine zei- Schließlich und endlich aber, hochverehrter Herr Schriftleiter, ist es Ihr gutes Recht, wenn Sie die"Juden, die „gefährlichsten Feinde des Deutschtums“, in bekannt deutsch-, mann- und wahrhafter Weise mit moralischen Stinkbomben zu vernichten suchen, wenn es mit den unbequemen Mitteln der Wahrheit schön nicht geht. Eigentlich ist das ein wenig beschämend für Sie, wenn man bedenkt, daß so viele Juden wirklich angenehme Zeitgenossen sind und daß Sie eigentlich nur die' „Arbeiter-Zeitung“ und die jüdischnationälen Zeitungen abzuschreiben brauchen, in denen heftig genug gewisse Kreise der „israelitischen“ Kapitalisten angegriffen werden. Aber, sehen Sie, unklugerweise wollen Sie originell sein und hauen dabei daneben. Sie treffen eben das nicht, anders über die Juden zu. schimpfen, als es die Juden selbst tun. Wohlgemerkt, - Herr Schriftleiter: Mit „deutsch-mannhaft und wahrhaft“ will ich nur die Auffassung vomDeutschtum kennzeichnen, wie Sie sie vertreten und wie sie in Ihrer Zeitung als ein grausiges Zerrbild des echten, wahren Deutschtums erscheint, das ich und neun Zehntel aller Juden liebe und verehre. . - Also, bester Herr: Schreiben Sie, so viel Ihnen passend erscheint und soviel Ihre Abonnenten vertragen. Schreiben Sie, daß die jüdische Alliance Israelite zum Krieg hetzte, daß die russischen Juden die schlimmsten Gegner der Mittelmächte sind und die österreichischen Juden eine- Revolution machen wollen,- um die ganze Welt unter ihre Herrschaft zu bringen. (3 Millionen Juden ln Deutschland und Oesterreich-Ungarn zusammen gegen 120 Millionen Nichtjuden!) Kurz, tun Sie, was Sie wollen, nur machen Sie sich nicht gar zu lächerlich. Wenn Sie schon so gewojmt sind, zu lästern und zu hetzen,* tun Sie das in Nr. 35 gen, daß die letzte Umwälzung auch viele Führer der Poale Zion in die Irre führte, sodaß sie das Jiddisch als-„Symbol der Erlösung“ hinstellten. Nunmehr hat sich aber die Poale Zion-Partei in zwei.Parteien gespaltet: in der Ukraine hat sich die Partei der „radikalen“. <L*h. der hehraistischen Poale Zion gebildet. ■ ■ * Odessaer Genossenschafts-Kolonie. Vor einiger Zeit wurde mitgeteilt, daß in Odessa beschlossen wurde eine Million Rubel für eing genossenschaftliche Siedlung in Palästina aufzubringen. Wie dem Hauptbureau des' JNF, im Haag ergänzend berichtet wird, ist der Beschluß auf Antrag von Ingenieur Ussischkin gefaßt w.orden, mit der Bestimmung, daß die Gelder dem Jüdischen NatSonalfands'zwiecks Kolonisierung von Ansiedlerkandidaten aus Odessa übergeben werden sollen. Die Sammlungen sind bereits mit Erfolg eingeldtet worden.. H ' . Rußland * Vertreter der russischen Zionisten in der Palästinakommission. Das Jüdische Preßbureau in Stockholm berichtet: „Aus Moskau ist dieser Tage Herr Isaac Goldberg. eiu angesehener Führer der russischen Zionisten, in Stockholm eingetroffen. Er befindet sich auf dem Wege nach Palästina, wo er sich als Vertreter der Zionistischen Organisation Rußlands der von den englischen Zionisten entsandten Palästihakonmiission anschließen wird. Herr Goldberg wird hier eilige Tage bleiben. Er erwartet Herrn Rosow aus Petrograd', der in gleicher Mission nach Palästina geht, und mit dem er die Reise zusammen fortzusetzen gedenkt. ' * Geheimnisvolles Verschwinden jüdischer Arbeiterführer in Moskau. Die jüdische Presse in Warschau brachte folgende vielsagende Nachricht: „In den Kreisen der jüdischen1 Arbeiterschaft in Warschau hat die Tatsache großes Aufsehen erregt, daß 19 Mitglieder des Zentralbureaus der jüdischen gewerkschaftlichen' Vereine plötzlich verschwunden sind“ — Das fragliche Zenitralbureau ist eine der zwei jüdischen Gewerkschaftszentralen, die iiT Warschau bestehen. Es umfaßt 15. gewerkschaftlich organisierte Berufe, die unter dem Einflüsse der jüdischen Sozialdemokraten poale-zionästischer Richtung stehen. Es unterscheidet sich von dter bundistischen gewerkschaftlichen Zentralstelle, die den Namen Informationseiner Weise, daß Sie sich wenigstens nicht vor Ihren Gesinnungsfreunden, die ja sonst mit historischen Kenntnissen nicht allzu schwer beladen zu sein scheinen, so unsterblich blamieren, wie z; B. in der eingangs erwähnten „eingesandten“ Notiz. Das darf ein Mensch, der wie ich annehmen will, die Bürgerschule absolviert hat, doch nicht in einem Blatt erscheinen lassen, das von ihm „verantwortlich“ redigiertwird. Das ist ein zu schönes Bild von Ihrem geistigen — na, sagen wir — Hochstarid, um das Fremdwort Niveau zu vermeiden, daß Sie schreiben lassen: Die Juden, die auch.in Aegypten die Wälder verheert hatten und so ähnlich, kamen nach' Palästina, wo sie (wörtlich!) „ganz natürlich auch . . . die Wälder verwüstet haben, bis infolge der Austrocknung der Wälder das schöne Land zu trocken wurde und die Juden dann in alle Welt wanderten, um dort wieder sehr rentable Wäldverwüstung zu betreiben.“ . ~ Nun muß gewiß jeder aufrichtige Mensch zugeben, -daß zur Zeit Titiis1 und Hadrians tat- . sächlich die Spekulation in Papierfabriksaktien, in v,,Elbemühl“ und Sägemühlen, die Hausse in Zafm- ’ stochern, Papierstoffen als Tuchersatz und in .Zündhölzern, die schon damals bei den jüdischen" Hausierern gehamstert wurden, zu gewissen Ausschreitungen führten und daß vor allem der Bau der jüdischen -Kriegsflotte, dte damals Renn blockierte, zur schonungslosen Niederlegung der Urwälder Palästinas führte (das . ja bekanntlich seit der Zeit der Propheten eine ausgesprochene Gartenkultur hatte -Pardon, Ihnen dürfte das unbekannt sein.). Also dies alles zugegeben — aber die Auswanderung, geschätzter Meister und Geschichtsforscher, wurde doch letzten Endes durch die Zu-

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