Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 12 (1918)
- Issue
- 33 (16.8.1918)
- Date
- 1918-08-16
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 33 JÜDISCHE ZEITUNG Seite a * Pro Palästina. Das deutsche Komitee zur Förderung der jüdischen Palästinasiedlung, in dem namhafte deutsche Gelehrte und führende Politiker aller Parteien vertreten sind, gibt zur Information seiner Mitglieder und der Presse über wichtige Fragen der Palästinasiedlung „Mitteilungen" heraus, deren erste Nummer soeben erschienen ist. ■Darin befindet sich an leitender Stelle ein Rückblick über die Entwicklung der politischen Einschätzung Palästinas und der Judenfrage, die ihren deutlichen und entscheidenden Anstoß durch die in dem Artikel vollinhaltlich wiedergebene englische Regierungserklärung gefunden hat. Es wird auch die Herausgabe von Schriften des deutschen Komitees pro Palästina in Aussicht gestellt. Wir finden ferner in den Mitteilungen eine Reihe von Pressestimmen, insbesondere des Auslandes, woraus hervorgeht, daß die englische 'Presse bemüht ist, die Tendenzen des Komitees zu entstellen, wogegen die jüdische Auslandspresse die Nachricht mit Genugtuung und Sympathie verzeichnet hat. Polen * Die TscMenowJtolaine her .polnischen Juden. Bekanntlich haben die Zionisten Polens beschlossen. bis Rosch haschana den Betrag von eine- Million Mark für die Gründung einer Tschlenowkolonie aufzubringen. Die Agitation für diese Sammlung wird energisch betrieben. Interessant sind die letzten Nummern des hebtäischen Pärteiblattes „Hazefirah“, wo .fast auf jeder Seite den Lesern in mannigfachster Art :ihre Pflicht vor Augen gestellt wird, an diesem nationalen Werk mitzuarbeiten. — Oesterreich zur Naclieuerung. * :Die jüdischen Gerneindewahleti. Wie aus Warschau vom 31. Juli gemeldet wird, haben die maßgebenden Kreise den endgültigen Termin für die Genieindewahleu in Warschau am 30. Juli festgesetzt. Sie werden am 15. Oktober beginnen, zuerst in der 1. Kurie, 2 Tage später in der 2. Kurie und zwar gleichzeitig in allen Stadtteilen. Rußland + Eine jiddische .Kulturliga ,in der .Ukraine. Die Jiddischisten in der Ukraine haben eine ..Kulturliga" gegründet, die nach kurzer Zeit bereits 30 Ortsgruppen zählt. Die Liga arbeitet in verschiedenen Sektionen. Letzthin wurde eine „Theatersektion" gegründet, welche gemeinsam mit der Kulturkommission des jüdischen Schauspielerverbandes die Vorbereitungen zur Gründung eines künstlerischen jiddischen Theaters trifft. Man beabsichtigt, durch Verkauf von Sammelmarkeu eine Million Rubel aufzubringen. Die Liga hat für Sukkoth eine Konferenz einberufen. Im Herbst will sie in Kiew ein jiddisches Knaben- und Mädchengymnasium eröffnen. Türkei * Der Großwesier über den Zionismus. Die „Deutsche Levante-Zeitung" in Hamburg bringt in ihrer Nummer vom 16. Juli einen Aufsatz „Zionistische Gedanken über Judensiedlung in Palästina". in welchem die Eigentümlichkeiten und besonderen Möglichkeiten der wirtschaftlichen und geistiger. Entwicklung eines jüdischen Palästina treffend und instruktiv geschildert werden. Dazu bemerkt die Schriftleitung in einer Fußnote: „Unser Hauptschriftleiter hatte vor einigen Monaten auch Gelegenheit, mit dem Großwesir Talaat Pascha u. a. über die jüdischen Kolonisatiorisbestrebungen in Palästina zu sprechen und die bisherigen Eriolge der verschiedenen Ansiedlergemeindcn von rein wirtschaftlichem Standpunkt hervorzuiieben. Er fand für seine Ausführungen beim Großwesir volles Verständnis und erhielt von ihm die Erklärung, daß nach dem Kriege eine. Sonderbehandlung der Juden in Palästina nicht beabsichtigt sei, allerdings könnten die Juden auch nicht mehr Rechte erwarten, als die übrigen ottomanisehen Bürger. — Durch solche Redensarten dürfte die türkische Regierung kaum der durch die Weltlage geschaffenen Situation und den auf sic gesetzten Erwartungen gerecht werden. O ■ C3 ■ <0 ■ C3 ■ C3 ■ <=»■ O ■ C3 ■ C3 ■ C3.■ C3 Zionistische Bewegung Zionistisches Zentralkomitee für Westösterreich ■Auszug aus den Sitzungsprotokollen. In den abgelaufenen zwei Monaten hat das Z. K. unter Vorsitz seines Präsidenten Revisors Rudolf T a u s s i g 6 Sitzungen abgehaltcn, aus deren Beratungen nachstehendes mitgereiit wird: Palästina-Abteilung, ln der Sitzungvom 11. Juni wurde die Errichtung eines Palästiuainformationsbureaus iin Anschluß an das N.-F.- Bureaü erörtert. Herr Böhm macht Vorschläge über den Wirkungskreis dieses Bureaus, berichtet über die seitens der Leitungen in Berlin und Haag der Palästinaarbeit bereiteten Schwierigkeiten infolge der Unklarheit über die Richtlinien bei der Gründung von KoIonisationsgesellschafteiL Diese Angelegenheit bildet den Gegenstand eingehender Beratungen auch der nachfolgenden Sitzungen. Am 16. Juli wurde eine erweiterte Versammlung abgehalten, welche zur Vorbereitung der Gründung einer Palästina-Abteilung des Zentralbureaus diente. Herr Böhm erstattete das Referat über die Gründung einer österreichischen Kolonisationsgesellschaft, woran sich eine eingehende und fruchtbare Diskussion anschloß. Entsprechend den Vorschlägen dieser Versammlung hat dann das Z. K. in seiner nächsten Sitzung das vörgelegte Programm der Palästina-Abteilung genehmigt und die Schaffung eines Arbeitskreises iür Palästina beschlossen. In den Palästinaausschuß, der vom Z. K. mit der Leitung der_ Palästinaagenden betraut wird, wurden vom Z. K. folgende Herren nominiert: Herr Adolf Böhm als Vorsitzender, ferner die Herren ing. Feöor Ackermann, Ludwig Bato, Dr. Wilhelm Beigel. Dr. Leo Goldhammer, Meir Henisch, Hugo Kohn, Lazar Lebensart, Dr. Karl Meiseis, Ernst Pollak. Dr. Fritz Georg Steiner, Dr. Georg Weiner. P a 1 ä s t i n a h i 1 f s w e r k. Das Zentralkomitee hat anläßlich der wiederholten Berichte über die Notlage in Palästina die Wiederaufnahme der Aktion für das Hiliswerk beschlossen und sich zu diesem Behufe mit den schon im Vorjahre beteiligten vier Korporationen ins Einvernehmen gesetzt. Es wurde ein neuer Auirui veröffentlicht, ein Gesuch an die Kultusgemeinden seitens der vier Korporationen versandt und das Z. K. hat sich auch mit einzelnen Vertrauensmännern in Verbindung gesetzt, um eine möglichst weitgehende Unterstützungsaktion zu erzielen. Auch mit dem neuen Lemberger Zentralkomitee wurden diesbezügliche Beziehungen angeknüpft. Organisation. In jeder Sitzung hat das Z. K. die Verhältnisse in den einzelnen Distrikten ausführlich besprochen. Insbesondere die Einberufung eines Distriktstages iür den innerösterreichischen Distrikt wird wiederholt erörtert, jedoch schließlich von einer Einberufung während der Soirmerierieu Abstand genommen. Die Einberufung wird für den 13. Oktober in Aussicht genommen. Zur Vorbereitung des D. T. soll am 1. September eine Obmännerkonferenz zusammentreten. Mit der Durchführung der Vorarbeiten wird Dr. Bernfeld betraut. Bezügßch des mähr.- schles. Distriktes wird mit Bedauern iestgestellt, daß das Bielitzer D. K. trotz aller Urgenzen zu .keiner Tätigkeit zu veranlassen ist und nicht einmal auf die Zuschriften des Z. K. antwortet. Das Z. K. ist daher genötigt, selbst mit den Ortsgruppen in Verbindung zu treten. Es muß die Einberufung eines D. T. veranlaßt werden, damit die Zustände in diesem Distrikt, dessen einzelne Ortsgruppen sehr arbeitswillig sind, endlich saniert werden. Auch mit dem böhmischen D. K. läßt der Kontakt noch zu w ünschen übrig. Insbesondere auf finanziellem Gebiet ist die Arbeit in Böhmen völlig unzureichend. Es geschieht dort gar nichts, um den beschämenden -Rückgang in den N.-F.-Eingängen zu reparieren. Die Einberufung des westösterreichischen Parteitages wird für Anfang November in Aussicht genommen. Presse. Das Z. K. beschließt, daß es Piiicht jedes organisierten Zionisten in Oesterreich ist, die „Jikl. Zeitung" zu abonnieren, da nur durch ständige Lektüre der „J. Z." der wünschenswerte Kontakt der einzelnen Gg. mit der Parteileitung erreicht werden kann: Das Z. K. benützt die „J. Z.“ als Publikationsorgan. Auch muß das größte Gewicht darauf gelegt werden, daß m der heutigen bewegten Zeit alle Gg. ständig über alle Vorgänge im Zionismus genau unterrichtet sind, was nur durch die „J. Z." zu erzielen ist. Politik. Die politischen Agenden werden vom 'Exekutivkomitee geführt, das gleichfalls allwöchentlich seine Sitzungen abhält und in dem das westösterreichische Z. K„ sowie das galftische und Bukowinaer Landeskomitee vertreten sind. Es wurden insbesondere die Verhandlungen mit der türkischen Regierung erörtert, ferner die rumänische Judenfrage, weiters eine .ganze Reihe innerpolitischer österreichischer Angelegenheiten, die meist vertraulicher Natur sind. In mehreren Angelegenheiten wurde bei den Zentralbehörden interveniert. Ferner wurden Fragen des innerpolitischen Programms diskutiert, ln einer gemeinsamen Sitzung des Exekutivkomitees und des Zentralkomitees referierte Herr Dr. Hantke gelegentlich seines -Aufenthaltes in Wien auf der ■Rückreise von Rumänien über die Tätigkeit der zionistischen Leitung und insbesondere über deren Beteiligung an den Verhandlungen in Konstantinopel und Intervention m der rumänischen Judenfrage. Verhältnis zu anderen Organisationen. Das Verhältnis zum galizisehen Landesverbände, dessen Leitung reorganisiert wurde, hat sich in der letzten Zeit inniger gestaltet, insbesondere durch persönliche Fühlungnahme anläßlich der Wiener Anwesenheit führender galizjscher Zionisten. Die Lemberger ■Palästinakommission hat den Wunsch nach engem Zusammenarbeiten mit unserer Palästina-Abteilung ausgesprochen. Auch die zionistische Organisation für die Ukraine hat sich durch ihr Kiewer Hauptbureau an das Z. K. gewendet, und den Wunsch nach einem Anschluß ausgesprochen, da ihre Verbindung mit Moskau und mit Kopenhagen unterbrochen ist. Das Z. K. begrüßt mit Freuden diese Annäherung und wird ein Zusammenw irken nach Tunlichkeit fördern. Propaganda. Es wird beschlossen, in .Wien allmonatlich Vertrauensmänner Versammlungen abzuhalten, deren erste bereits statt- -gefunden hat Es referierten die Sekretäre des Z. K. über die Lage des Zionismus und über die .nächsten Arbeiten. Die Fortsetzung dieser Versammlungen in der nächsten Saison wird bereits .dem neuen D. K. obliegen. An auswärtiger Propaganda ist insbesondere eine Reise Dr. Bern- .felds nach Böhmen zu erwähnen, wo er in Bud- .weis, Pilsen und Karlsbad Vorträge hielt: die .weitert? Tournee mußte aus persönlichen Gründen wegen eines Todesfalles abgebrochen werden und die Fortsetzung für die nächste Zeit in Aussicht genommen. Auch eine Tournee nach Mähren wird beschlossen. Die größte Schwierigkeit bildet noch immer das Fehlen Jeglichen Propagandamaterials. Es ist Hoffnung vorhanden, daß zum Herbst wenigstens einiges Material vorliegen wird. Studiengruppe. Die Studiengruppe für jüdische Erziehung hat ihre Arbeiten wesentlich erweitert und sich durch Bildung von Kommissionen und Fachgruppen ausgestaltet ln der Sitzung vom 25. Juni berichtete Herr Bölun über den Abschluß der jiid.-päd. Kurse. Für das nächste Jahr ist die Fortführung in zwei Richtungen geplant, einerseits als richtiges Pädagogium, das vorläufig in 2 Abteilungen, iür Kindergärtnerinnen und für hebräische Sprachlehrer, eröffnet werden soll, andererseits in Fortführung ähnlicher volkstümlicher Kurse wie im abgelaufenen Jahre, die einem weiteren Kreise zugänglich sein sollen. Von der Studiengruppe wird eine großzügige Aktion iür ein österreichisches jüdisches Schulwerk vorbereitet Die Finanzkommission hat ihre Arbeiten bereits auigenommen und auch die Ortsgruppe des Arbeitskreises iür jüdische Erziehung haben bereits schöne finanzielle Erfolge auizuweisen. Von speziellen Fragen wurde insbesondere die Frage der Reform des Religionsunterrichtes in mehreren zu diesem Zwecke veranstalteten Diskussicjnsabenden besprochen und eine Sammlung und. Verarbeitung des einschlägigen Materials begonnen. Jugendamt. Dr. Bentfeld berichtet über die Verbindung des Jugendamtes mit den einzelnen Jugendvereinen und Gruppen. Es beginnt sich ein erfreulicher Kontakt zu entwickeln. Auch über die Tätigkeit des Zentralverbandes . der jüdischen Jugend hält Dr. Beroteld das Z. JC. aut dem laufenden. Der Umstand, daß in dem vom Ministerium für soziale Fürsorge eingesetzten .1 ugentfbeirat die Juden nicht entsprechend vertreten sind, veranlaßt Rev. Taussig zu der Anregung, diesbezüglich zu intervenieren. Das Z. K. beschließt nach eingehender Beratung, dem genannten Ministerium eine Denkschrift zu überreichen, mit deren Ablesung Dr. Bernfeld betraut w ird. Rechtssch u tzb u r eau. Rev. Taussig referiert, daß trotz der Abwanderung der Flüchtlinge die Agenden des Bureaus sich eher vergrößert, als verringert haben und macht die Mitteilung. daß auch eine Mehrbelastung des Budgets durch das Rechtsschutzbureau unvermeidlich geworden ist. Der angesprochene Betrag "wird als Provisorium für 3 Monate bewilligt, da das Z. K. die Notwendigkeit einsieht und die so überaus segensreich wirkende Institution keiner Beeinträchtigung aussetzen wilL Finanzen. Die Ausgaben des Bureaus haben sich außerordentlich vergrößert. Demgegenüber wird mit Bedauern iestgestellt, daß das Verständnis der Gg. für die Notwendigkeit der Beitragsleistung zur Deckung des Budgets noch bedauerlich gering ist. Die Eingänge für Kriegsbeitrag 1918 bleiben noch weit hinter dem präliminierten Betrag zurück. Insbesondere einzelne Provinzen und Ortsgruppen kommen ihrer Verpflichtung nicht nach. Das Z. K. ersucht alle Säumigen nochmals dringend, nicht durch Zurückhaltung der Beitrüge die Arbeiten des Z. K. auizuhalten und auch ihre Beiträge nach Tunlichkeit zu erhöh en. Kriegsbeitrag 19T8 Die Eingänge an Kriegsbeiträgen lassen erheblich nach. Die Gg. aui der Provinz sind besonders im Rückstände. Von mährischen Ortsgruppen ist bisher nur P r o s s n i t,z seiner Verpflichtung nachgekommen und hat ein rühmenswertes Resultat erzielt. Böhmen ist bisher völlig ausgeblieben. Das Zion. Zentraihüro ersucht alle säumigen Gg. den Kriegsbeitrag ehestens einzusenden, damit die der Evidenzhaltung und Mahnung gewidmete Arbeitskraft bessere Verwendung finden kann. Amerikanische Zionistenkonferenz Soeben ist beim Kopenhageuer Zionistischen Bureau der erste Bericht über die Tagung der amerikanischen Zionisten in Pittsburgh eitlgegangen. Die Konferenz wurde am Sonntag, den 23. Juni eröffnet. Zu Ehren der Konferenz iand bereits am Morgen ein grandioser Straßenu in z u g statt. Alle jüdischen Organisationen, die jüdische Schuljugend und Arbeiterschaft beteiligten sich am Umzug. Mehr als 15.001) Juden marschierten durch die Straßen Pittsburghs, begleitet von Orchestern. Drei Stunden lang dauerte die Demonstration. Zehn tausende vor. Menschen füllten die Straßen, um das ungewöhnliche jüdische Stadtbild anzusehen. Sämtliche jüdische, wie auch zahlreiche nichtjüdische Häuser trugen Flaggenschmuck. Der Zug marschierte zur Memorial Hall, wo die Komerenzsitzungen abgehalten wurden. Nur etwa dreitausend Menschen konnten Zutritt zum Saal erhalten. Zur Eröffnungssitzung erschienen (»37 Delegierte. Mit einer feierlichen Ansprache erötfnete der Präsident der Zionistischen Föderation, Dr. Harry Frieden wald. die Konferenz. Hierauf begann die Verlesung der eingegangenen Begrüßungen. Vom Engeren Aktions-Komitee und vom Kopenhagener Bureau der Zionistischen Organisation waren Begriißungstelegramme eingelangt. Namens der Stadt Pittsburgh hielt der Bürgermeister Bobcock die Delegierten und Gäste willkommen. Nach der Begrüßungsrede des amerikanischen Führers Miron S e w s e n i gelangte eine Resolution des Richters Julian Mack zur einstimmigen Annahme, in der die Loyalität der amerikanischen Judenheit gegenüber der amerikanischen Regierung und den von Wilson proklamierten Prinzipien von Recht und Gerechtigkeit ausgedrückt ist. hierauf gedachte das Mitglied des Engeren Aktions-Komitees Herr