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Jüdische Zeitung · 1918-07-05 · 27 (5.7.1918) · p. Seite 5

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
12 (1918)
Issue
27 (5.7.1918)
Date
1918-07-05
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 27 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 5 Werner hat seinerzeit verhindert, daß Theodor H e r z 1 den zunächst nach München einberufenen ersten Zionistenkongreß dort abhalten konnte. Er entfaltete eine Gegenagitation und veranlaßte auch die Kultusgemeinde zu dem denunziatorischen Protest. Gegen ihn und seine Genossen hat Herzl den bekannten Artikel „Protestrabbiner“ geschrieben. ln letzter Zeit hat Werner sich den zionistischen Bestrebungen gegenüber nicht mehr so ablehnend verhalten. Rußland * Eine Palästinawoche in Petrograd. Vom 21. bis zum 2S. April wurde von der zionistischen Organisation in Petrograd' eine Palästinawoche veranstaltet, an der fast die ganze jüdische Bevölkerung lebhaften Anteil nahm. In allen Synagogen fanden Abendversammluflgen statt, in denen nach einer Einleitung durch einen feierlichen Gottesdienst Referate über Palästina erstattet und Sammlungen für den Palästinafonds vorgenommen wurden. Besonderes Interesse erregte eine Skulpturen- und Gemäldeausstellung jüdischer Künstler, die .auch in finanzieller Hinsicht außerordentlich erfolgreich war. Den größten Enthusiasmus erregte es. als bei einer der Veranstaltungen der berühmte russische Sänger S c h a 1 i a p i n eine Reihe jüdischer Volkslieder und schließlich die „Hatikwah“ sang, in die mehr als 6000 Menschen einstimmten. Alle jüdischen Zeitungen gaben Palästina-Nummern in hebräischer, jiddischer und russischer Sprache heraus. Am 29. April wurde ein Kursus von Vorlesungen iib'er Palästina eröffnet. Die Palästinabegeisterung der gesamten jüdischen Bevölkerung gelangte in dieser Woche zum höchsten Ausdruck. * Die Juden in Riga. Nach den Angaben des zionistischen Preßbureaus in Kopenhagen herrscht unter den in Riga gegenwärtig weilenden Juden — ihre Anzahl soll annähernd 25.000 betreffen, soll aber nach dem. Kriege voraussichtlich vergrößert werden — eine rege zionistische Tätigkeit. In den breiten Massen herrscht ein reges Interesse für die jüdisch-nationale Arbeit. Polen * Die Rabbinervereinigung in Polen, ln einer Unterredung, welche der Korrespondent des „Lubl. Tgbltt.“ mit dem Ausschußmitgliede der „Agudath harabbanim“ Hr. Rabb. Liftschütz aus Kalisch hatte, gab dieser interessante Aufklärungen über die Tätigkeit dieser Vereinigung und ihr Verhältnis zu den anderen Parteien. Hr. Rabb. Liftschütz vertritt den Standpunkt, daß gerade in einer Rabbinervereinigung alle Parteien vertreten sein müßten. Er mißbilligte die — wie er sagt — echt russische Agitation gegen die Nationalen und Zionisten. Diese könnten gerade tätige und junge Elemente bringen, welche die eigentliche Aktion der Agudah aufnehmen würden. Da sie nun infolge der erwähnten Agitation weder in das Aktionskomitee noch in die Leitung gewählt wurden, entwickelt die Agudah bis heute gar keine Tätigkeit Es sind gerade sehr wichtige Angelegenheiten auf der Tagesordnung. So z. B. die Einführung des profanen Unterrichtes in den Chedarini, welche unbedingt vor Erscheinen des Schulzwanggesetzes erledigt werden müßte. Es fehlen aber eben die jungen Zionisten, welche Leben und Energie in die Leitung bringen könnten. Das „Jüdische Wort“ ist wohl das Organ der Orthodoxen, aber lange nicht das der Agudath harabbanim. welche jede Verantwortung für die dort veröffentlichten tendenziösen Artikel ablehnt. — Die derzeitige Untätigkeit der Vereinigung begrüßte er mit Mangel an Solidarität bei der Leitung, ebenso an tüchtigen Kräften für die schriftlichen Arbeiten und' hauptsächlich mit Mangel an den nötigen Fonds. Hr. Rabb. Liftschütz ist auch gegen die bekannte Cohn- Carlebachsche Formel von „Religionsgemeinden“. Griechenland * Die türkischen Juden in Saloniki. Die griechische Regierung beschloß, die Bestimmungen gegen die feindlichen Untertanen nicht auf die türkischen Juden in Saloniki anzuwenden. Die Versicherungsgesellschaften werden ihnen die Beträge ausfolgen, die sie mit Rücksicht auf den großen Brand fordern und die Beschlagnahme ihrer Immobilien wird aufgehoben. Frankreich * Henri Bergson. Wie uns zu der kürzlich mitgeteilten Meldung über eine Beteiligung Bergsons bei der Begründung der jüdischen Universität in Jerusalem von geschätzter Seite mitgeteilt wird, ist Bergson nicht, wie bisher immer verbreitet wurde, ein polnischer Jude, sondern er ist der Sohn eines frühzeitig aus Rußland nach England ausgewanderten Kapellmeisters und einer' irischen Jüdin. Aus bester Quelle verlautet, daß die Zusage Bergsons bezüglich seiner Mitwirkung bei der jüdischen Universität ernst zu nehmen sein dürfte. Amerika * Ein jüdischer Arbeitsminister. Reuter meldet aus New-York: Der Führer der amerikanischen Zionisten Professor Felix Frankfurter ist zum Arbeitsminister in Kriegsangelegenheiten ernannt worden. I Kriegsbeitrag 1918 Der erste Ausweis erscheint in vierzehn Tagen! Jeder Gg. trachte dabei zu sein! Eine Unterredung mit Ussischkin Der Redakteur der „Wiener Morgenzeitung“. N. M. Racker, hatte vor einiger Zeit Gelegenheit, in Odessa mit Ussischkin über den Stand der zionistischen Arbeit in Rußland zu sprechen. Da man hier wenig Gelegenheit hat, authentische Berichte hierüber zu erhalten, ist die Veröffentlichung dieses Gespräches von großem Interesse. ■ Ussischkin schilderte den großen Aufschwung. den alle Art zionistische und Palästinaarbeit in Rußland gegenwärtig nimmt. Wir gebenaus dem Aufsatz der ..Margenzeitung“ in Kürze einige Daten wieder. Die Sammlung für de« Nationalfonds hat im letzten Jahre über eine Million Rubel ergeben und die Eingänge steigen beständig. Seit der englischen Regierungserklärung ist auch eine große Sammlung für politische Zwecke eingeleitet, die noch nicht abgeschlossen ist. Die Hauptsache aber ist die Vorbereitung der praktischen Arbeit in Palästina. Viele Kapitalisten sind bereit, eine« großen Teil ihres Vermögens in Palästina anzulegen. Es wurden mehrere Aktiengesellschaften gegründet: die erste ist die Gesellschaft „Hab o ti e h“. mit dem Zweck, nach dem Kriege öiientlmhe und private Bauanlagen auszuführen, wie Hafenanlagen. Eisenbahnen. Telegraphen. Tramways usw. Das Aktienkapital war 5 Millionen Rubel, die Aktie zu 50.000 Rubel; da aber alle Aktien bald verkauft waren, wurden noch weitere 5 Millionen ausgegeben, von denen auch bereits über die Hälfte gezeichnet sind. Die zweite Gesellschaft ist die „R a a n a n i i a h". mit der Aufgabe. die versumpften Gegenden in Palästina aufzukaufen. auszutrocknen, zu bepflanzen und da- Geschäftsstelle des „Anher“ Gesellschaft für Lehens- und Renten-Versicherungen — Wien« tl., Zirkusgasse 33. — Kriegsanleihe- Versicherung Beispiel: Ein 30iähriger Mann zahlt ffir eine Ab- und Erlebensversicherung auf Nom. K 10.000.— Kriegsanleihe mit Zojähriaer Dauer eine anfängliche, garantiert abnehmende Jahresprämie von K394,6 t, insgesamt K 52ÜO.—. an Prämien ein. Fiili-U ersiim Beispiel: Ein 30iähriger Mann versichert ein Ausfteuerkapital von Nom. Kriegsanleihe K 10.000.— auf 18jährige Dauer und zahlt hiefilr eine Jahresprämie von 461.—. Slirbt er z. B. im zweiten Versicherungsjahre, so erhalten reine Hinterbliebenen: a) rofort ein Sterbegeld von X 200*.—, b) 16 Jahre hindurch eine Rente von Jährlich K 2000’—, im Gesamtbeträge von K 32.000.—. c) bei Erreichung des Termins ein Ausfteuerkapital von Nom. Kriegsanleihe K 10.000, zusammen somit K34.000.— in bar u. Nom. K. 10.000 Kriegsanleihe während Prämien insgesamt nur K 922.— bezahlt wurden. Aach sonstige zeitgemässe VersicherungskonibinatiQnen. -Versicherungen mit Einmalprämie. Versicherungen auf Schatzseheine. Auskünfte u. Kosten voranschläge erteilt bereitwilligst die Gesdiäftsstelle des „flnftep“ Wien, II., Zirkusgasse 33. durch diesen Boden iür die Kolonisation urbar zu machen. Das Aktienkapital beträgt 10 Millionen Rubel, die Aktie kostet 10.000 Rubel und innerhalb vier Monaten wurden 3 Millionen eingezahlt. Die dritte Gesellschaft. ..Sebulu«“. ist als Export- und Importgesellschaft gedacht, die den Warenverkehr zwischen Palästina und Rußland besorgen soll, in allen Hafenstädten Lagerhäuser errichten, kleine Transportdampfer erwerben soll usw. Aktienkapital 10 Millionen. Ueber ein Drittel ist bereits vergriffen. Die vierte und größte Aktiengeselschaft mit 100 Millionen Rubel Grundkapital soll eine „Zentralbau k“ zur Förderung von Handel und Industrie in Palästina schaffen: gezeichnet sind 25 Millionen. Eine Gesellschaft anderer Art wurde unter dem Namen ..Schaarith Israel“ gegründet. Jedes Mitglied hat binnen fünf Jahren 10.000 Rubel einzuzahlen und bekommt nach Ablauf dieser Zeit ein Stück bepflanzten Bodens. Die Gesellschaft hat schon 500 Mitglieder und erhält immer wieder neue Anmeldungen sowie Anfragen wegen ähnlicher Gründungen. Außer dieser „M obilisierung des Kapitals“ berichtet Ussischkin auch über die Mobilisierung der verfügbaren menschlichen Arbeitskräfte. Es wurden Gesellschaften alier Berufskategorien, z. B. der Aerzte. Ingenieure. Advokaten usw. gebildet, die sich zum Ziel gesetzt haben, die Palästinafragen vom Gesichtpunkt ihres Berufszweiges eingehend zu studieren. Sehr stark greift die Bewegung in der Jugend um sich. Viele Tausende junger Leute bereiten sich ernstlich vor. um gleich «ach dem Krieg auszuwandern. Tn Odessa wurde eine kleine Farm eingerichtet, auf welcher etwa hundert Menschen arbeiten. Viele hunderte junger Leute arbeiten in den jüdischen Kolonien des Chersoner und Jekaterinoslawer Gouvernements. In der Umgebung von Moskau, von Minsk u. a. Städten wurde Boden gepachtet, der von der Jugend bearbeitet wird. Außerdem haben viele junge Leute verschiedene Handwerke zu lernen begonnen und zweifellos wird ein großer Teil dieser Menschen ein nützliches und brauchbares Element zur Besiedlung des Landes abgeben. Und noch ein: alle diese Leute lernen Hebräis.ch und sind entschlossen, keine andere Sprache im La«de zu sprechen. Auch im „Lemberger Tagblatt“ ist ein Gespräch unseres Gg. Dr. W. mit Ussischkin veröffentlicht. aus dem wir folgende interessante Mitteilung entnehmen: Bezüglich der zionistischen Politik hat Ussischkin den Standpunkt, daß ungeachtet der Verpflichtung jedes einzelnen Zionisten als Bürger seines Staates und ohne Rücksicht auf die Sympathien, die ieder einzelne für eine der kriegführenden Mächte hege« mag. die Organisation als Ganzes unbedingte Neutralität wahren müsse, auch ohne jede Beeinflussung durch die militärische Lage in Palästina und etwa die englische Erklärung. Die zionistische Organisation kann bezüglich Palästina keine andere Politik machen als eine jüdische. Zionistische Bewegung T schlenow-Kolonie. Die „Arbeitsgruppe der jüdischen Studentenschaft Oesterreichs" hat an alle Vertrauensmänner in Oesterreich und dem polnischen Okkupationsgebiet folgendes Rundschreiben ergehen lassen: Vor wenigen Monaten haben wir unmittelbar nach dem Tode unseres verdienstvollen Führers Jechiel Tschlenow, dem Rufe des E. A. C. folgend, die Sammeltätigkeit für eine zu errichtende Tschlenowkolonie in Angriff genommen. Eurer Arbeitsfreudigkeit und dem Opferwillen unserer Gg. allerorts ist es zu verdanken. daß bis nun der Betrag von K 100.000.— für oberwähnten hohen Zweck eingeflossen ist. Um jedoch unserer Verpflichtung ganz nachzukommen. sind noch K 150.000.— aufzubringen. Mit verdoppelter Energie müssen wir daher die Arbeit fortsetzen. Wir erklären die erste Woche nach Tischah B‘aw vom 21. bis 27. Juli 1918 als Tschlenow- Kolonie - Sammel woche, in der Vorträge, Gedenkabende, Blumentage, Gartenfeste etc. abgehalten werden sollen und bitten allerorts die entsprechenden Vorarbeiten sofort in Angriff zu nehmen. Die Ehrung eines unserer Größten, darf in keinem langsamen, schleppenden Tempo erfolgen. Rasch und eindrucksvoll muß sie vor sich gehen, um vom gewünschten moralischen Effekt begleitet zu sein. Das bringet Euch zum Bewußtsein und wir zweifeln nicht am Erfolge! F. d. „Arbeitsgruppe“: Aron Wiznitzcr m. p., derzeit Obmann. Zwi Koretz m. p„ derzeit Beirat. Der „Merkaz-Hazeirim“ in Krakau ersucht uns um Veröffentlichung nachstehenden Zirkulares: An die zionistischen Jugendvereine Galiziens! Unser erster Aufruf hat den gewünschten Erfolg gezeitigt. Mit Genugtuung sind wir in der Lage festzustellen, daß die Zahl der an uns sich anschließenden Vereine von Tag zu Tag im Wachsen begriffen ist; wir betrachten daher die Zeit als für tatenreif gekommen. Die Nachrichten, welche uns aus der Provinz zukömmen, lassen auf ein Bild der Desorganisation schließen und dies hat uns bewogen, bereits jetzt ein provisorisches Provinz-Amt beim „Merkaz“ in Krakau zu schaffen, dessen Aufgaben die folgenden sein werden: 1. Ordnung und System in den bereits bestehenden zionistischen Jugend-Vereinen zu schaffen. 2. Erteilung von Ratschlägen und Instruktionen zu ihrer weiteren Arbeit. 3. Entsendung von Agitatoren und Prälegenten in die Provinz auf Wunsch der dort bestehenden Vereine. 4. Einberufung einer Konferenz der zionistischen Jugend-Vereine in kürzester Zeit. Genossen! Wir wollen die Möglichkeit haben. Euch auf der bevorstehenden Konferenz als Vertreter mächtiger Jugend-Organisationen zu begrüßen, darum fordern wir Euch auf: Organisiert Euch! Unsere besten Kräfte stehen Euch zu Hilfe! Wendet Euch an uns um Zuweisung von Agitatoren und Prälegenten und Ihr sollt sie sofort bekommen! Bleibt mit uns in engster Verbindung, berichtet uns über alles, was sich bei Euch in jüdischem Leben und besonders im Vereinsleben ereignet! Bestrebt Euch, zur Konferenz organisiert und vereinst zu erscheinen. Versteht den Moment und erfüllt Eure Pflicht! Mit Zionsgruß Vorsitzender: Noach Menachem. Sekretär des Provinzamtes: Josue Horowitz. Dieser Aufruf betrifft nur jene Jugend vereine, die dem Z. K. Schomrim Zirei Zion nicht unterliegen. Adresse: _Merkaz Hazeirim, Krakau, Podbrezie 4. D:3C

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