Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 12 (1918)
- Issue
- 26 (28.6.1918)
- Date
- 1918-06-28
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 26 JÜDISCHE ZEIT'JNQ Seite 5 mann und Stresemann geäußert. Stresemann machte insbesondere darauf aufmerksam, daß die Judenfrage in Rumänien keine innerpolitische, sondern eine internationale sei. (Ein Standpunkt, den ja - schon der Berliner Kongreß akzeptiert hat.) Wenn es also mit Rücksicht aui diesen Umstand volles Recht der Zentralmächte gewesen ist, von Rumänien in dieser Hinsicht Zusicherungen zu fordern, so ist es andererseits ein schwerer Fehler, daß durch die nichtbefriedigende Austragung nunmehr die Notwendigkeit oder auch nur die Möglichkeit geboten ist, die Judenfrage auf einem internationalen Kongreß zu diskutieren, was darauf hinausliefe, den Friedensvertrag durch Frankreich und England revidieren zu lassen. Bezeichnend war die Stellungnahme der Abgeordneten Graf Westarp und Warmuth. Graf Westarp hält es für zweifelhaft, ob es gerade das „spezielle deutsche Interesse“ gebot, den Juden in Rumänien das stipulierte Maß der Gleichberechtigung zu verschaffen. Man hätte diese Sache als innere Angelegenheit Rumäniens behandeln sollen. Warmuth ist der Ansicht, daß die Gleichberechtigung der Konfessionen eine berechtigte Forderung ist. Aber „weite Kreise des rumänischen Volkes haben keine Sympathien für die Juden! Es ist nicht einzusehen, warum wir uns unter solchen Umständen in diese Dinge cininischen". Andererseits aber wünschte dieser Redner, man möge den deutschen Bauern in Bessarabien die Möglichkeit geben, sich unter deutschen Schutz zu stellen. Dies ist wohl keine unerlaubte Einmischung. Der rumänische Friedensvertrag wird zweifellos vom deutschen Reichstag, der noch vor einem Jahre für den annexionslosen Verständigungsfrieden geschwärmt hat, ratifiziert werden. Die Töne, die heute in Berlin erklingen, sind wesentlich anders als vor einem Jahr. Die rumänische Judenfragc ist natürlich nicht der entscheidende Punkt des Vertrages. Trotzdem .ist es interessant und symptomatisch, wie man auch diese Frage dort behandelt. Der österreichische Bundesgenosse schweigt zu allem. Oesterreich hat kein Parlament und die österreichischen Völker haben nicht Gelegenheit, ihre Meinung zu äußern. Ob das Parlament auch bei uns einberufen werden wird, ist noch sehr zweifelhaft. Immerhin wird es für uns österreichische Juden von Interesse sein, zu erfahren, was Oesterreichs Völker über die rumänische Judenfrage denken und ob hier schon ein Verständnis für selbstverständliche Ansprüche nationaler Minoritäten besteht. Es ist allerdings nicht unschwer, stell eine Vorstellung davon zu machen, wie eine solche Debatte bei uns aussähe. Die rumänische Judenfrage ist noch in Schwebe. Sie wird so lange in Schwebe sein, bis den Juden ihr volles Recht auf ein menschenwürdiges Dasein, auf staatsbürgerliche Gleichberechtigung und die Pflege ihrer nationalen Eigenart gewährt ist. Aufgaben der Frauen für Palästina Der „Verband jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina“ versendet seinen 10. Bericht, den er mit einem kurzen Rückblick auf Entstehen und Entwicklung des Vereines und seine 10jährige Tätigkeit einleitct. Aus dem Bericht über die Kriegszeit entnehmen wir folgende Mitteilungen: Während gerade unsere Arbeit in bester Entwicklung war und zu den schönsten Hoffnungen berechtigte, kam im August 1914 der Krieg, der. trotzdem er zuerst nicht auf dem Boden Palästinas wütete, uns in jeder Beziehung hemmte. Einige unserer Mitarbeiter mußten Palästina verlassen. darunter auch Herr Dr. Auerbach, der zum Militärdienst eingezogen wurde; das Krankenhaus in Haifa mußte daher vollständig geschlossen werden. Frl. Perlmann. die kurz vorher die von Frau Dr. Thon bis dahin ehrenamtlich geleistete Arbeit als Leiterin der Ateliers übernommen hatte, mußte nach Deutschland zurückkehren. Durch die enormen Geldkursverluste, durch ungeheure unvorhergesehene Ausgaben (Straßenbau, Regierungsabgaben usw.). durch Heuschreckenplage veranlaßt, mußte der Verband sich schweren Herzens mit dem Gedanken vertraut machen, die Mädchenfarm in Kinereth trotz aller Opferwilligkeit unserer Mitglieder und Förderer zu schließen. Allem Zögern setzte die Behörde ein Ziel, da sie das Haus als Lazarett cinrichtcte. Das Land wird nun vom Jiid. National- Fonds bewirtschaftet, die früheren Schülerinnen leiten die Mädchengruppen, die dort arbeiten und bewähren sich sehr gut. Das Inventar konnte Frau Dr. M e i s e 1 noch befriedigend verkaufen. Sie benutzt die Zeit ihrer unfreiwilligen Ferien, um sich in der botanischen Lehranstalt in Dahlem und später in einer Haushaltungsschule weiter atiszubilden. Bereitwilligst hatte Frau Miriam Hooiien in Jaffa ehrenamtlich die Leitung der Spitzenschulen übernommen. Ein volles Jahr lang konnten keine Spitzen nach Europa gesandt werden; aber dann wurde dieses wieder möglich. Geschäftsstelle des „Anher“ Gesellschaft für Lebensu.;d Renten-Versicherungen — Wien, II., ZirKusgasse 33. — Kriegsanleihe- Versicherung Beispi l: Ein 30iähriger Mann zahl! für eine Ab- und Erlebensversicherung auf Nom. K 10.000.— Kriegsanleihe mit 20jähriger Dauer eine anfängliche, garantier» abnehmende Jahresprämie von KäOt.ftt, inageiamt K5200.—. an Prämien ein. Beispiel: Ein äOiähriger Mann versichert ein Ausfleuerkapital von Nom. Kriegsanleihe K 10.000.— auf lsjährige Dauer und zahlt hiefür eine Jahresprämie von 461.—. Stirbt er z. B. im zweiten Versicherungsjahre, so erhalten feine Hinterbliebenen: a) foforf ein Sterbegeld von K 2009. b) 16 Jahre hindurch eine Rente Von jährlich K 2000’—, im Gesamtbeträge von K 32.000.—. c) bei Erreichung des Termins ein AusUeuerKapital von Nom. Kriegsanleihe K 10.000. zusammen somit K 34.000.— in bar u. Nom. K. 10.000 Kriegsanleihe während Prämien insgesamt nur K 922.— bezahlt wurden. Auch sonstige zeitgemässe Versicberungskombinationeii. Kriegsanleihe-" _ mit Einmalprämie- Versicherungen auf Schatzsoheine. Auskünfte u. Kostenvoranscliläge erteiltbereitwilligstlif (jesdiällsslelle des „Rüber“ Wien, II., Zirkusgasse 33. Die schön gearbeiteten Sachen landen in Deutschland schnellen Absatz. Im Frühjahr 1917 erfolgte dan.i die Evakuierung Jaffas. Die Schule mußte geschlossen werden. Frau Hooiien verlegte ihren Wohnsitz nach Jerusalem. Mit viel Umsicht und enormer Arbeitsleistung richtete sie hier eine neue Schule ein, in der auch Näh- und Ausbesserungsarbet'ten auf Bestellung ausgeführt wurden. Das Atelier in Tiberias, das am Aniang des Krieges geschlossen werden mußte, wurde wieder eröffnet: liier lind in Saited wurden die meisten vertriebenen Jaiiaer Schülerinnen wieder aufgenonnnen. Es arbeiten jetzt im ganzen zirka 200 Mädchen, 12—18 Jahre alt. deren Löhne um 40 Prozent höher waren als in Friedenszcit. was in Anbetracht der schlechten Valuta allerdings nicht viel austnacht. Für die Zeit nach dem Kriege skizziert der Verein seine Zieie wie folgt: Unsere Hauptaufgabe selten wir nun darin, mit allen Kräften danach zu streben, einen möglichst großen Fonds zu schauen, damit wir eine neue, nach allen Richtungen hin in ustc rgültige L e h r i a r m in Palästina schauen und erhalten können, deren Wichtigkeit-iiir die jüdische Kolonisation allen unseren Freunden zur Genüge bekannt ist. Wir dürfen nicht wieder in kleinem Maßstabe aniangen und an ewiger üeldsorge kranken. Das würde sofort von vorneherein alles wieder verderben. Eia großes Betriebskapital verlangen aber auch die S p i t z e n a t e 1 i c r s. sollen wir unserem Ziele, eiue Heimindustrie zu begründen, näherrückett. Der Betriebsfonds muß es uns ermöglichen, sobald wieder bessere Zeiten sind, ein großes Lager zu schäften, damit wir alle an uns ergehenden Aufträge möglichst umgehend erledigen können. Schließlich müßten wir noch eine größere Summe zur Verfügung haben, tun wie früher Kranken- und W a i s e n It ä ttscr zu unterstützen. K i n d e r a s y 1 e n zu helfen und Schülerinnen, die in Not geraten sind, Darlehen zu gewähren. Es muß ja auch unser Bestreben sein, einigermaßen gute Löhne zu zahlen, tun den Mädchen ein menschenwürdiges Dasein zu schaffen und sie nicht durch Hungerlöltnc zu einem schlechten Lebenswandel zu treiben. Zum Schluß spricht der Vorstand des Vereines die Hoffnung aus, daß alle Freunde der Sache ihn nicht nur durch Beiträge und Spenden unterstützen, sondern attcli durch Werbearbeit nach Kräften helfen werden. obobobobobobobcdbobobo RUNDSCHAU Sozialistische Protestversammiung in Holland gegen die Judenpogrome in Galizien Wie der „Jüdischen Rundschau" aus dem Haag telegraphisch berichtet wird, fand am 11. in Scheveningen eine außerordentlich stark besuchte Protestversammlung statt, welche vom Verein Kadimah und dem sozialistisch-zionistischen Verein in Haag-Scheveningen aus Anlaß der Pogrome in Galizien und der Regelung der rumänischen Judenfrage einberufen war. Der erste Redner war das Mitglied des holländischen Senats, der Sozialistenführer Vam Ko ttt. welcher scharf gegen den Antisemitismus und für bürgerliche und nationale Gleichberechtigung der Juden eintrat und die kräftige Förderung der sozialistischen Internationale bei Verwirklichung der zionistischen Bestrebungen verhieß. Der zweite Redner. Ingenieur K a p 1 a ti s k y, ein Mitglied der Leitung des bräucite“ sind die Ueberschriften seiner eigenartigen, tief dringenden Ausführungen. Um seines eigenartigen 'Gottesglaubens, also um einer Abstraktion willen hat sich das Judentum erhalten, hat es unsägliche Opfer auf sich •genommen, als „ein Volk, das mit allen Gewalten seiner Seele die Wahrheit verlangt“. Es will seinen Glauben, seinen Gott. Haschern, erleben. Und wenn das Feuer des innigen, lebendigen Glaubens hinter den starre« Bräuchen zu ersticken droht, dann erhebt sich die Gemeinschaft unter der Führung ihrer Propheten. Eine solche muß auch uns Haschern wieder bringen und Zion mit ihm. Auf das Erleben der Religion legt auch Meir W i e tter das Hauptgewicht in dem vortrefflichen Aufsatz über „Ziele des Zionismus“. Dann wird uns aus dem jüdischen Wesen die Läuterung kommen, wir werden uns zu Liebe. Adel und Würde erziehen. „Adel ist jener Verzicht auf Zustimmung, der aus gesicherter Würde kommt, jene gütige Vornehmheit, die liebevoll lächelt; statt zu widersprechen, jene wahre Unabhängigkeit, die von innen kommt. . . . Diesen Adel haben wir verloren. daher verachten wir uns gegenseitig, daher unsere Verlogenheit, daher unser Leben' iiir und mit dem Augenblick.“ Vielleicht der eindrucksvollste Beitrag ist der von Abraham Schwadron: „Ueber den verstandesmäßigen und deit heroisch - fanatischen Zionismus“. Nicht reden sollen wir. sondern tun. nicht auf die „Leitung“ hinsehen und sie kritisieren, sondern selbst zugreifen, dem leuchtenden Beispiel der „Bilu“ nachstrebend. Solche Charaktere muß uns die Jugend wieder bringen, voll „Heroismus. Opferweihe und hartnäckigster, fanatischer Hingabe“. „Leidenschaft: Wort und Tat“, lautet der Titel von Eugen H ö f 11c h s kurzer Skizze. Er ruft uns auf. daß wir uns geistig zur Heimkehr nach Asien, der alten Heimat, rüsten, „nach dem Asien der vollen und konsequenten Gefühle, nach dein Asien der Absolutheit im Guten und im Schlechten". Das fördern die Gesetze unseres Blutes. „Grundsätze iiir die Organisation eines Bundes der jüdischen Jugend (Bne Jamin)“ stellt Siegfried B e r n t e 1 d zur Diskussion. Dr. Max E rm e r s berichtet über die Gartenstadtbewegunff. Die Jugend selbst kömmt in einigen kürzeren Beiträgen zu Worte, von denen wir die nachgelassenen Briefe Hermann G r a f s hervorheben wollen. Hermann Graf, eines der ersten Mitglieder des Wiener ..Blau-Weiß“, ist. wie die Leser dieser Zeitschrift wissen, vor genau einem Jahre als Neunzehnjähriger in Siidtirol gefallen. Seine Aufzeichnungen zeigen, mit welchem Ernste er mit den Problemen der Jugend und des Judentums rang und sielt unter Kämpfen seinen Weg suchte. Eine junge Berliner Gesinnungsgenosse. G. W„ schreibt frisch und klar über Gartenstadt. Schulgemeinde und Volksheim als Vorbereitung für Palästina. H. G. regt einen Gedankenaustausch über die Verpfliclttung zur Gesetzestreue an. Herbert Weichmann versucht „Das Dilemma" zu lösen, d. i. „Das Problem der jüdischen Seele vom Weg ihrer Sehnsucht nach einer glücklichen, sauberen Weltordnung". Auch jungen Juden.'die nicht aui streng nationalem Standpunkt stehen, gewährt „Jerubbaal" Gastfreundschaft: Benö Freistadts „Jugendideal“ Ist-nicht das der völkischen Selbstherrlichkeit, sondern das internationale der sozialen Hilfe. Vom Wanderbund „Blau-Weiß“ erzählt 3ie verdiente Führerin Dr. Rudolfine Menzel-Waltuch. „Warum wir siedeln wollen", setzt in zielklaren Ausführungen Richard Kramer auseinander. Der Leser sieht wohl schon aus unseren kurzen Andeutungen, welch reichen Inhalt, welche Fülle von Anregungen die neue Zeitschrift bietet. Sie hat alle Aussicht, eine würdige Schwester unseres „Juden“ zu werden. Es ist beglückend, zu sehen, wie unsere Bewegung allenthalben die schöpferischen Kräfte weckt. Aus voller Seele tönt cs überall in diesen Blättern, in heller Klarheit strömen die Gedanken. Unser Glaube an eine glückliche, gesunde, große Zukunft unseres Volkes erfährt eine nette Stärkung. Wien. Dr. Edmund .1 e r n s u I e nt. AAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA. lüüüNationalholendep redigiert von Otto Abeies und Ludwig Batö Reich illustriertes zionistisches Jahrbuch mit publizischen und belletristischen Beiträgen unserer ersten Autoren 3. Jahrgang (5678) Preis K 4.20 2. „ (5677) „ „ 3.20 Nur noch geringer Restbestand auf Lager! Zu beziehen vom Verlag „Jüdische Zeitnng- Wien IL. Zirkusgasse 33, Postspark.-Konto 152.942 Desgleichen sind noch Exemplare des ersten Jahrganges des Jüdischen Nationalkalenders (5676) vorhanden. — Zu bestellen bei der Buchhandlung H.Löwit, Hien I., «°tenturmstr.22 , Diese Bücher sind in jeder zionistischen - — Bibliothek unentbehrlich ——- wwnfynumuwimwmn