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Jüdische Zeitung · 1918-06-28 · 26 (28.6.1918) · p. Seite 4

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
12 (1918)
Issue
26 (28.6.1918)
Date
1918-06-28
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 2d 5. VI. Die Jugend (auch’ die arme) bekommt englische Spiele: Cricket. Tennis. Lyceen im Gebirge. * 7. VI. Dreizehn Jahre hat's mindestens gebraucht, bis ich diesen einfachen Gedanken hatte. «: Jetzt sehe ich erst. wie oit ich nahe daran vorübergekommen bin. Die „A r b e i t s h i 1 f e“ war mir sehr wichtig. 8. VI. Die Juden unter einen Hut zu kriegen, wird eine Sauarbeit sein, obwohl oder vielmehr weil sie alle Kopf haben. Diplomaten werden am schwersten zu rekrutieren sein, weil wir in der Getangenschaft die Haltung verloren haben. « Luftzonen zwischen Städten machen. Jede Stadt gleichsam großes Haus das im Garten liegt. In den Luftzonen darf es nur Ackerbau. Wald usw. geben. Dadurch verhindere ich hypertrophische Großstädte und die Städte sehen irüher bewohnt aus. - 8. VI. Abends bei Schiffs diniert. Ihre Sch Wägersleute aus Wien waren da. Wohlhabende, gebildete, gedrückte Leute. S i c stöhnten leise über den Antisemitism u s, auf den ich fortwährend das Gespräch brachte. Der Mann erwartet eine neue Bartholomäusnacht. Die Frau meint, daß es nicht mehr schlechter werden könne. Sie stritten, ob es gut oder schlecht sei. daß Luegers Wahl zum Bürgermeister von Wien nicht bestätigt werde. Sie haben mich mit ihrer Mattigkeit ganz verzagt gemacht. Sie ahnen es nicht, aber sie sind Ghcttonaturen. stille, brave, iurchtsame Fern sei es von mir, gegen die alten Börsianer etwas zu sagen. Mein teurer Vater mußte, nachdem er als Holzhändler zugrunde gegangen war. sein Brot als Agent an der Börse verdienen, um nicht zu verhungern und mich etwas Rechies lernen zn lassen. Aber das war die vergangene Zeit. Ein Jude hatte damals keinen anderen Ausweg. Heute ist das nicht mehr nötig und wird darum nicht mehr geduldet. Kryptogame Pflanze des Judentums hat beide Geschlechter: Kapital und Arbeit (man sieht nur das Kapital). 10. VI. Aus dem Heer der Unskilled Labourers wird man aufsteigen können durch Fleiß, Intelligenz. Tüchtigkeit, wie im Napoleonischen Heer. Jeder kann Arbeitsmarschall werden. Ich werde es ihnen auch oft in populären Anreden sagen und sagen lassen. Für besondere Leistungen, die ich sehe, erhöhe ich sofort den Arbeitsrang und die Bezüge. Dieses dramatische Element wirkt auf die Massen. Sobald mir actions d'eclats — auf rdie zu vigilieren ich besonders Auftrag gebe — gemeldet werden, belohne ich sie schleunigst. Dem Arbeitsheer möglichst militärähnliche Organistaion geben. Dienst im Arbeitsheere führt wie in der Armee zur Pensionierung. Nur die Ehrenzeichen muß ich für Lebeuseinsetzung sparen. Auch werde ich durch Adelsverleihung große persönliche Opfer geleistet bekommen. Für Geld darf bei uns weder Adel noch Orden zu haben sein. Ich werde die bis zur Reichsgründung anderwärts erworbenen ohne Rücksicht auf ihre Erlangung nostriiizieren. Später nur mehr die auch anderwärts auf wirklich adelswürdige Weise. Ein Jude wird sich nicht das portugiesische Marquisat kauten und bei uns nostrifizieren können. Aber wenn er in Portugal für' glänzende Taten ( die ja auch auf uns zurückstrahlen) geadelt wird, erkenne ich ihn daheim an. Immer wird das vom Adelsanit genau zu prüfen sein, individualisieren. Das Auslandsabonnement erhöht sich vom I. Juli 1918 an auf — K G.— vierteljährlich- Zwei Parlamente Die erregten Gemüter der Judcnschaft der ganzen Weit hält noch immer Sorge um das Los ihrer rumänischen Brüder wach. Daß die Stipulierungen des Bukarester Friedensvertrages eine Lösung der rumänischen Judenfrage nicht gebracht haben, ist allgemein anerkannt. Eine Lösung könnte nur eine völlige Befreiung und Erteilung der Gleichberechtigung an die Juden sein. Leider haben die Zentralmächte verabsäumt, von Rumänien eine derartige . bedingungslose Zusicherung zu fordern, die ja eigentlich nur eine Wiederholung der im Berliner Vertrage von 1878 ausgesprochenen priiintiven Selbstverständlichkeit gewesen wäre. Statt dessen wurde iiir die Behandlung der Juden Rumäniens eine ganz merkwürdige Formel gefunden, die der Praxis der rumänischen Behörden und der Willkür alle Tore offen läßt. Die Bestimmungen des Artikels 27 und 28 des rumänischen Friedensvertrages sind in der Presse der ganzen Welt abfällig kritisiert worden., Die österreichischen und deutschen Juden haben besonderen Anlaß, zu bedauern, daß die Zentralmächte die Gelegenheit nicht ergriffen haben, um vor aller Welt zu zeigen, daß sic für die Rechte der Unterdrückten tatsächlich eintreten und sich dadurch die Sympathien und das ' Vertrauen der Juden aller Staaten zu erwerben. Die Lösung der rumänischen Judenfrage hängt nun wieder ausschließlich von Rumänien selbst ab. Allerdings hoffen wir, daß alle Großmächte sich auch fürder dafür interessieren werden, ob eine derartige Kulturschande wie es die bisherige' Lage der rumänischen Juden war, in Europa weiter existiert oder nicht. Es besteht aber noch eine Hoffnung, daß diese Frage günstiger sich wende, als wir jetzt befürchten müssen. Das Parlament des sclnvergedeinütigten rumänischen Volkes ist vor kurzem ztisameningetreten Der rumänische Staat steht nach einer schweren Prüfung und das Parlament hat nunmehr die Aufgabe, die Voraussetzungen für eine neue glücklichere Entwicklung des Staates zu schaffen. Der König Ferdinand hat in seiner Thronrede von „tiefgreifenden Verbesserungen mehr moralischer als administrativer Natur“ gesprochen, die notwendig sind, und von der Abänderung einzelner Punkte der rumänischeil Verfassung, die bevorsteheu. Wenn die Vertreter des rumänischen Volkes einsehen, daß nun auch die rumänische Judenfrage eine Sache der Ehre und des Wohlergehens Rumäniens selbst geworden ist, dann ist es möglich, daß auch das Jassycr Parlament die Maßnahmen anordnet, um aus eigener Initiative weiter zu gehen, als cs nach dem Wortlaut des Friedcnsvertrages verpflichtet ist und Bestimmungen zu erlassen, nach welchen die rumänische Judenfrage wirklich gelöst wird und nicht der neuen Entwicklung des Landes ein alter Herd des Unfriedens eingepflanzt wird. Die gesamte Judenschaft blickt mit Spannung und Erwartung nach Jassy und wird sehen, ob Rumänien (lie Reife besitzt, die man von einem modernen Staat erwartet. Der rumänische Friedensvertrag bat in der verflossenen Woche auch den deutschen Reichstag beschäftigt. Es ist sehr charakteristisch, in welcher Weise die einzelnen Redner zur rumänischen Judenfrage Stellung genommen haben. Der Zentrumsabgeordnete Gröber fand cs „sehr schön“, daß die verbündeten Regierungen für die Freiheit des Religionsbekenntnisses in Rumänien eingetreten sind. Er denkt dabei aber ausschließlich an die Katholiken und wünscht, daß die gleiche Freiheit mm auch in Deutschland Wirklichkeit werden solle. Die Judenfrage ist wohl eine andere Sache, über die sich Herr Gröber — wenigstens nach dem Bericht der deutschen Zeitungen — nicht geäußert hat. Besorgnisse und Bedenken haben die Abgeordneten Scheide- So sind die Meisten. Werden sie den Ruf zur Freiheit'und Menschenwerdung verstehen? Beim Weggehen war iclt ganz verstimmt. Mein Plan kam mir wieder verrückt vor. Aber in der defaillance sagte ich mir: Angeiangen hab' ich‘s, jetzt führ' ich's weiter. & 9. VL W enn wir drüben sind, w e rden sich die Tänzer u-m s goldene Kalb empören, daß ich sie nicht zur Börse lasse. Ich werde sie auf der Gasse auseinanderjagen lassen und im Parlament sagen: „Das war gut.für die Gefangenschaft: Jetzt haben wir die Pflichten der Freiheit. Wir müssen ein Volk von Erfindern, Kriegern,- Künstlern.- Gelehrten,. ehrlichen Kaufleuten, aufsteigenden' Arbeitern etc. sein. Früher war Börsenspiel entschuldbar. Die Intelligenzen wären eingesperrt, wir mußten uns mit Geld abgeben. Jetzt sind wir Freie. Jetzt "kann jeder Jude alle Aemter im Staat, in unserem Staat erhalten. Jeder kann General. Minister. Gerichtspräsident, Akademiker, kurz alles werden. Jetzt wollen nur noch die Faulenzer die Spielfrei heit, und die müssen wir überwinden, sonst gehen wir abermals zugrunde und werden j a m m e r v ol I in der Welt zerstreut. 11. VI. Die „vergessenen Mädchen“ werden für Kindergärten. Pflege von Arbeiterwaiseu usw. verwendet. Aus diesen von Freiern vergessenen Mädchen bilde ich das Corps der Gouvernanten für die Armen. Sie bekommen Staatswohnung, genießen Ehren (gleichwie jeder Gentleman zuvorkommend gegen Gouvernanten ist) und werden schließlich pensioniert. ' Aber , sie können ebenso hierarchisch aufsteigen wie Männer. Sittliche Aufführung Bedingung. Der Leiter des Personalamtes wird dadurch eine wichtige Person. Ich muß dafür einen milden, gerechten, weltkundigen, älteren Mann nehmen und ihn beständig überwachen, denn seine Fehler können viel Schaden stiften, Unzufriedenheit und Erbitterung liervorruten. Ich will ab'er 'ein glückliches Volk h a b e n. Unsere ganze Jugend, alle, die jetzt zwischen 20. und 30 .1 a h r e alt sind, werden von unklaren sozialistischen Richtungen ab- und mir z u f a I- 1 e n. Sie werden als Wanderprediger in ihre Familien und ins Land hinausgehen — ohne daß ich sie. noch aufzufordern brauche. Fiir .sie ist ja das Land. konnten. Sie ist zweifellos ein Beweis für. die innere Unzufriedenheit und Unruhe des entwurzelten Judentums. Es ist hier nicht der Ort. das Für und Wider der Jugendbewegung zu erörtern. Was ihr niemand bestreiten kann, das ist ihre vollkommene Ehrlichkeit. ihre riicksiclulose Wahrhaftigkeit. Es erscheint dem Ref. als gewichtiger Beweis für die tiefe Wahrheit unserer zionistischen Ueberzeugung. daß gerade diese jungen Männer und Frauen so zahlreich den Weg von dort in unser Lager gefunden haben. . . Sie wollen nun ihre Meinungen und Kräfte in den Dienst unserer Gemeinschaft stellen und treten mii . einer eigenen Zeitschrift *) hervor. Jin einleitenden Aufsatz kennzeichnet Siegfried B er nfeld ihre Aufgaben und Ziele: ..Eine jüdische Jugend, die in sich selber Werte erkennt und die entschlossen ist. sich in dieser Erkenntnis-nicht beirren zu lassen, weder durch die erwachsene Welt, wenn sie bemüht ist. das Jugendliche als das Unvollkommene zum .Reifen und Bürgerlichen alsdem einzig Maßgeblichen zu erziehen, noch durcli die nichtjüdische Welt, wenn sie -das Jüdische als das Minderwertige beschimpft und verfolgt. bemüht, es zu dem Ihrigen als dem einzig Würdigen zu verändern, eine solche Jugend wird zu ihrer Selbstbehauptung der klären Erkenntnis und der folgerichtigen Taten bedürfen. Jene zu erzeugen. diese vorzubereiten: heißt der Jugend dienen und ist Aufgabe unserer Zeitschrift.“ ... ..Nichts ist ferner von Hochmut, von früher Ueberklugheit. als solches Selbstgefühl, das Aufgabe. Pflicht. Verantwortung in sich schließt So erst öffnet die Jugend die Seele lener Männer, die sie *) „Jerubbaal“, eine Zeitschrift der jüdischen Jugend, herausgegeben und geleitet von Dr. Siegfried Bernfeld. 1. u. 2. Heft. April u. Mai 1918. 44 u 40 Seiten. — Verlag R. Löwit. Berlin u. Wien. Preis Vierteljahr!. K 3.30 (Mk.- 2.80).. mit strenger, hoher Forderung füllen, die ihr offen und mittelbar ihr Bestes. Größtes geben." Auf ein bestimmtes Gebiet wendet Robert Welt sch diese Grundsätze an in seiner Arbeit über „Die Rolle der Jugend in der Politik“. Auch hier wird die Jugend, ihr Wesen erfüllend, das Unbedingte wollen, sich geistige _ Ziele setzen und mit-der ganzen Glut der Seele, mit vollem Einsatz der Persönlichkeit ihrer Verwirklichung leben. „Die Jugend muß mit allem Nachdruck zeigen, daß das Leben ihr nur dann lebenswert ist. wenn die Idee, wenn Wahrheit und Geist unbedingt gewollt werden, ernst genommen werden. Ein Opportunismus, der auch das Geistige dem Nutzzweck unterordwet. erscheint uns als das zutiefst Verwerfliche. . . . Wenn wir einsehen. daß alles auf den Menschen ankommt und nicht auf die Macht irgendeiner Gruppe, dann werden wir statt Ueberhebung und Anmaßung Selbstkritik und Besinnung als Voraussetzung aller Politik erkennen. Denn wicht der Machtumfang der Gemeinschaft soll erweitert werden, sondern die Menschen in ihrem Wesen vertieft, in ihrer Sittlichkeit erhoben. . . . Die für uns wichtigste Bewegung, der Zionismus, steht vor denselben Gefaltren wie jede organisierte Gemeinschaft, darum wollen wir auf der Wacht sein, daß keine „Politik“ die Reinheit der Idee trübe. Die Jugend muß die Idee schützen, sie stets von neuem gebären. Wenn die Idee in der Stumpfheit des Parteilebens zu verblassen droht, wenn politische . Zwecke den bekannten Apparat von Taktik. Opportunismus. Bedingtheit und Gebundenheit mobilisieren, dann muß die Jugend mit der ganzen Leidenschaft ihrer Seele das Vertrauen zu der Idee aulrichten, die keiner Mittel, keines Zwanges bedarf und deren Wahrheit unerschütterlich ist. . . . Als Träger des Geistes, als unbedingte Vorkämpfer der. reinen Idee sich zu fühlen und eine stete Erneuerung der Bewegung der Seelen zu bewirken, das scheint.mir die. wich-, tigste-Rolle der Jugend in der Politik. Und gerade in diesem Augenblick, wo der Zionismus so sehr in die Weltpolitik gezerrt wird, sei sie daran gemahnt. ..." Als Führer iw diese Welt des Geistes, des Absoluten, der Hingabe an die Idee weist uns Hugo Bergmann auf Fichtes „Reden aii die deutsche Nation“. Das heutige Judentum hat viel zu lernen aus den Worten, mit denen der große Denker vor 100 Jahren die Gebildeten des unterdrückten und zerfahrenen deutschen Volkes zu freiem Denken und hingebendem Tun begeisterte. Martin B u b e r schenkt uns zwei Gespräche über „Jüdisch leben“. Der „Führer“ spricht mit dem „Knaben“ über den Zwiespalt zwischen unserem Draußen und Drinnen. Wir müssen lernen, ihn zu überbrücken, indem wir die Einheit in der Gemeinschaft finden. „Du mußt' wie die Ordnungen der Sprache und der Geschichte nuw auch das ganze Chaos der jüdischen Gegenwart zu einem Drinnen machen. ... Du darfst dich nicht zu den Stillen und Reinen allein, zu den Treugeblicbeiien allein gesellen: du mußt dem Anblick und Anhauch des jüdischen Kriegsgewinnes, des jüdischen Zeitungsmachers. des iiidisclicn Agenten der Gewalt standhalten: denn du weißt, daß der Aufstieg des Volkes an seinen Fall gebunden ist. Du darfst vor diesen Kalbsanbetern, und Baalspriestern nicht wähnen: „Das biw ich nicht“ — du mußt erkennen: „Das bin ich — das bin i c h“. du mußt ihrer Finsternis das lichte Zeichen der Erlösung, den Davidschild, das Sinnbild des Ueberwindens.- entgegenhalten. du mußt ihnen sagen: „Bruder in der Schande, ich habe eure Verstrickung geteilt, ihr aber werdet meinen Kampf und meine Selbsteroberung. mein Gericht und meine Reinigung zu teilen haben.“ . . . man kann helfen, wenn man nur erst helfen wollen kann.“ Verwandte Lehren predigt Bubers. Jünger Dr. Ernst Elijahu Rappeport. „Jung-Juda, ein Bericht geistiger Gemeinschaft: 1. Judentum: 2. Ueber jüdische Religion und mosaische Ge-

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