Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 12 (1918)
- Issue
- 24 (14.6.1918)
- Date
- 1918-06-14
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 24 * Die jüdischen Gemeindewahlen in Odessa hatten folgendes Resultat: 35 Zionisten, 16 Bundisten. 11 Poale Zion, 11 Orthodoxe, 3 Assimilanten. * Ein jüd. Handelsminister in der Ukraine. In dem Kabinett, welches der neue Diktator Hetmann Storopadski gebildet hat, wurde das Amt des Handelsministers Herrn Gutnik, Vorsitzenden des Börsenkomitees von Odessa und hervorragendem Mitgliede der jüdischen Gemeinde. übertragen. Diese Berufung hat wohl ihren Grund in der hervorragenden Bedeutung, 'welche die Juden im Handel der Ukraine einnehmen. Unterstaatssekretär v. Braun hat sich erst dieser Tage bei der Erörterung der ukrainischen Angelegenheiten im Hauptausschussc des deutschen Reichstags dahin geäußert: „Weder beim Großgrundbesitz noch bei den Bauern kann man ohne die ukrainischen Juden überhaupt etwas kaufen; der Jude ist dort ein absolutes Bedürfnis.“ * Die Juden im Donkosakenland. Die Don- Regierung hat in den soeben verkündeten Staatsgrundgesetzen alle seit der Februar-Revolution 1917 erlassenen Gesetze der russischen Regierung wieder aufgehoben und hat das alte Wappen und Siegel der Donischen Kosaken wieder eingeführt. — „Kiewskaja Mysl“ hebt hervor, daß durch diese Restauration alle Nationalitätenbeschränkungen im Donkosakenland wieder aufleben und somit die Juden dort das Wohnrecht wieder verlieren, in dem Aufm! an die Kosaken werden diese zu guten nezienungen mit den deutschen Truppen aufgefordert. * Vladimir Koroleriko für die Juden. Aus Anlaß der in der Ukraine stattgefundenen Ausschreitungen gegen die Juden veröffentlicht Korolenko in den Poltavaer Zeitungen einen offenen Brief an die Bürger, Offiziere und Soldaten. Er erinnert an die blutigen Greueltaten der Haidamaken gegen die Juden, zählt die jetzt vorgekommenen Greuel auf und fordert von allen treuen Ukrainern, daß sie gegen diese Erscheinungen auftreten. Dieser Artikel des Dichters erregte großes Aufsehen, das sich leider auch in Drohbriefen gegen den Dichter äußerte. * „Analphabeten“. Im ungarischen Wahlrechtsausschuß empfahl der Berichterstatter Arpad Faluszy eine Verordnung, durch die ausgesprochen wird, welche lebenden einheimischen Sprachen es sind, in denen das Lesen- und Schreibenkönnen die Wahlberechtigung erteilen soll. Abgeordneter Pollonyi fragte, ob auch die jiddische Sprache die Wahlberechtigung geben werde (Heiterkeit), da diese Sprache in vielen Orten in Gebrauch sei. Samuel Bakonyj meinte, man dürfe nur solche Sprachen anerkennen, welche „geschichtliche Bildungen“ sind. Ministerpräsident Wekerle erklärte hierauf, daß von den zahlreichen in Ungarn tatsächlich gesprochenen Sprachen niemand die tschechische, polnische, jiddische. zigeunerische, wendische und slowenische Sprache anerkennen könne: deswegen beantrage er folgenden Passus: „Außer der ungarischen Staatssprache sind diejenigen Sprachen als heimische, lebende Sprachen anzusehen, welche die Protokollsprache irgend eines Municipiums oder einer Ortsgemeinde bilden. Die Liste der Sprachen wird das Ministerium im Erlaßwege teststellen.“ Dieser Antrag wurde angenommen. — So ist es also um die ungarische Demokratie bestellt, daß in ihrem Sinne alle als Analphabeten vom Wahlrecht ausgeschlossen werden, welche nur ihre eigene Muttersprache schreiben und sprechen können, sofern diese Sprache nicht Gnade in den Augen der ungarischen Regierung gefunden hat. * Verbot der hebräischen Schrift im Verkehr mit Italien. Ein in militärischer Dienstleistung befindlicher Gg. übermittelt uns die Abschrift einer öffentlich angeschlagenen Kundmachung des Generalkommandos Boroevic über die Eröffnung des Zivilpostverkehres mit dem besetzten Gebiete Italiens. Darin heißt es: ,,. . . ebenso sind die Benützung von Geheimschriften, Chiffren, Stenographie und der hebräischen Schriftzeichen verboten . . _ Feldpostamt 515, 21. April 1918, Boroevic F. M. m. p.“ — Welches Volk der Welt würde dazu schweigen? Es ist nur bedauerlich, daß durch solche Maßnahmen die Sympathie,, die gerade Oesterreich bei den Juden aller Welt finden könnte, beeinträchtigt wird. — In England . wurde, wie uns aus Haag telegraphisch gemeldet wird, das dort vor kurzem von der Zensur erlassene Verbot der Korrespondenz in hebräischer und jiddischer Sprache nunmehr aufgehoben. * Antisemitische Ausfälle eines ungarischen Stuhlrichters. Wir werden „im Namen der Menschlichkeit“ um Aufnahme einer Zuschrift ersucht, in welcher der Flüchtling Hirsch Goldstein aus Wiznitz folgenden Vorfall schildert: er ist am 6. Mai an der ungarischen Grenze verhaftet Vierden, weil er Geflügel nach Oesterreich ausführen wollte, was keinem Verbot unterliegt und 14 Tage zuvor anstandslos gestattet wurde. Goldstein wurde mit noch einem Reisegefährten nach Vagujhely geschafft, dort nach Verhör durch den Stuhlrichter, der ihn in den unflätigsten Ausdrücken als „jüdischen Gauner“ beschimpfte, in ein Loch geworfen, auf. nacktem, Steinboden und ohne Essen liegen gelassen und schließlich zu 5 Tagen Arrest und 400 K Geldstrafe, welche dann, da er kein Geldhatte, in weitere 20 Tage Arrest umgewandelt wurde, verurteilt, trotzdem nachträglich sogar die Ausfuhrbewilligung für das mitgenommene Geflügel beigebracht wurde. Die Arrestzeit war eine Zeit 'der höchsten Oual für die Arrestanten; der Stuhlrichter selbst suchte sie wiederholt auf und beschimpfte sie in der gröbsten Weise. Die löiährige Tochter des Verhafteten, welche ihn besuchen war, nannte der Stühlrichter „Bestie“, „Kanaille“ u. ä. Drei jüdische Frauen und ein christlicher Slowake namens Prazan Franc, welche in demselben Arrest waren, sind Zeugen. Goldstein war auf die Fürsorge einiger jüdischer Fliichtlingsfamilien des Ortes angewiesen, die ihn mit Lagerstroh. Essen usw. versorgten. Er sagt, den Familien Ochs, Schapira, Margulies, Fischer auf diesem Wege herzlichen Dank für ihr menschliches Verhalten und ihre Hilfe in seiner beklagenswerten Lage. — Das rohe und unwürdige Verhalten des ungarischen Beamten erfordert eine eingehende Untersuchung. * Papier für antisemitische Zeitungen. In der Sitzung des deutschen Reichstags vom 5. Juni sagte Abg. G o t h e i n in der Debatte über die Zensurverhältnisse u. a. folgendes: „Die Belieferung der Zeitungen mit' Papier ist durchaus nicht immer einwandfrei gewesen. Obwohl neue Zeitungen jetzt nicht genehmigt werden sollen, hat das Blatt „Arbeiterschutz“ erscheinen können, ein Schmutzblatt übelster Sorte mit. verhetzender antisemitischer Tätigkeit. Es steht-fest, daß für dieses Blatt Sonderliefer un gen in Papier stattgefunden haben. (Hört! Hört! links.) Ferner steht fest, daß die „Deutsche Zeitung“ eine Mehrlieferung an Papier erhielt, als andere Zeitungen sich längst einschränken ‘mußten, und zwar auf Anweisung militärischer Instanzen. (Lebli. Hört! Hört! links und i. Ztr.) Dabei muß man bedenken, daß dieses Blatt eine schamlose und vcriicUcadc Tätigkeit nicht nur. gegen die Reiclistagsmehrheit. sondern direkt auch gegen die Regierung betreibt.“ * Die romanische Judenfrage im englischen Parlament. Aus London wird gemeldet: im Unterhause richtete ein Abgeordneter an die Regierung die Frage, ob die britische Regierung bei ihrer Erklärung, daß sie den zwischen Rumänien und den Mittelmächten geschlossenen Friedensvertrag als null und nichtig ansehe, auch die Klausel bezüglich der Gleichberechtigung der Juden verworfen habe. Der .Unterstaatssekretär des Auswärtigen Amtes C e c i I gab folgende Antwort: Wenn der Abgeordnete diese Vertragsbestimmungen genau durchgesehen hätte, dann wüßte er, daß die Freiheiten, die für die Juden in Aussicht . genommen sind, sehr begrenzter und bedingter Art sind und daß die diesbezügliche Klausel tatsächlich nur zu dem Zwecke in den Vertrag aufgenömmen wurde, damit Deutschland einen Vorwand hat, sich in die inneren Angelegenheiten Rumäniens einzumischen. Die englische Regierung hat die größte Sympathie für die Befreiung der Juden in Rumänien ünd anderwärts, aber es kann nur eine d u r c h g r e i f e n d c. rA e n d e r u n g in diesen Verhältnissen angenommen werden und nicht ein . beschränktes Schema, * Ein zionistischer Staatsanwalt Palästinas. Nach einer telegraphischen Mitteilung des Haager Jüd. Korr.-Bur. wurde der Zionist Norman Bentwich von der englischen Regierung zum Obersten Staatsanwalt des okkupierten Teiles von Palästina ernannt. Die Eisenbahnverbindung zwischen Aegypten und Palästina. Die „Frankf. Ztg.“ schreibt: Die ägyptische Eisenbahnverwaltung machte kürzlich durch ein Reutertclegrainm. bekannt, daß bei El Kantara, 50 bis 60 Kilometer südlich Port Said, eine Brücke über den Suczkanal vollendet wurde und daß am 15. Mai der direkte Eisenbahnverkehr zwischen Kairo- und Palästina aufgenommen werden sollte. Diese neue Verbindung im Verkehr zweier Erdteile ist natürlich ein Ereignis von außerordentlicher Bedeutung, das nicht nur in EnglandAufmerksamkeit findet, sondern auch bei uns beachtet werden sollte. Für die Errichtung einer Suezkanal- Brücke bestanden schon vor dem Kriege mannigfache Projekte, doch wurde keines ausgeführt und als der Krieg ausbrach, lag zwischen dem Suezkanal und der Eisenbahn Jaffa—Jerusalem ein eisenbahnloses Gebiet von etwa 300 Kilometer Länge, das größtenteils Wüstengegend ist. Westlich vom Suezkanal lief dem Kanalufer entlang die Eisenbahn von Suez nach Port Said, die jedoch mit den ägyptischen Hauptlinien nur in losem Zusammenhang stand, der durch zwei Nebenstrecken hergesteilt wurde, die in westlicher Richtung von der Suezkanalbahn abzweigten; die südliche dieser Nebenstrecken war die Bahn Ismaila—Zagazig und etliche Kilometer nördlich davon ging die Bahn El Salhia—Zagazig, die aber den Kanal nicht ganz erreichte, sondern etwa 27 Kilometer westlich von ihm aufhörte. Zu Beginn des Krieges ist, wie die „Times“ mitteilt, die Bahn Zagazig— Ismaila doppelspurig ausgebaut worden und vor allem ist die nördliche Bahn Zagazig—El Sahia bis zum Kanal verlängert worden, den sie an der jetzigen Brücke gegenüber EI Kantara erreicht Später, mit dem Vordringen der britischen Truppen, wurde die Linie Zagazig—El Sahia—El Kantara in östlicher Richtung über die Sinaihalbinsci hin weiter gebaut, erreichte EI Arisch und im November 1917 Gaza nach der Einnahme dieser Stadt. Die Türken hatten inzwischen eine Bahn Jerusalem— Gaza gebaut und General Allcnby vereinigte auf seinem weiteren Vormarsch die beiden Systeme, so daß jetzt eine direkte Verbindung Kairo—Jerusalem oder Afrika—Asien besteht. Allerdings haben die Bahnen in Palästina eine engere Spur als die ägyptischen Die „Times“ verweist auch auf die handelspolitische Bedeutung der neuen Verbindung und sicht bereits eine Verbindung des ägyptischen Bahnnetzes mit der hedsthasbahn und der Bagdadbahn in der Zukunft schweben. Zionistische Bewegung Das Jugendamt des Zionistischen Zentralkomitees für Westösterreich. Das Zentralkomitee hat nunmehr ein Jugendamt eingerichtet, dessen Auigaben die folgenden sind: 1. Vermittlung des Verkehrs zwischen den zionistischen Behörden und der zionistischen Jugend. 2. üenerwachnng und Leitung der zionistischen Erziehung der Jugend. 3 Durchführung einzelner Aktionen und Einrichtungen, soweit so zugleich vom pädagogischen und zionistischen Gesichtspunkt aus wünschenswert erscheinen. 4. Vorbereitungen zur Schaffung eines umfassenden jüdisch-nationalen Fürsorgewerkes in Westösterreich und 5. eines jüdischen Schulwerks. Zur Durchführung der unter 1. und 2. genannten Aufgaben sind unter anderem in Aussicht genommen: a) die Anlage eines Katasters: b) regelmäßige Versendung von Rundschreiben an die Gruppen und deren im Felde befindliche Mitglieder;. c) Anlegung eines Archivs über die Arbeit der Gruppen; d) Heranziehung der Mitglieder der Gruppen zu entsprechenden zionistischen Arbeiten; e) fallweise beratende Korrespondenz in allen geistigen, finanzielle.!} und technischen Fragen der Jugendvereine; f) regelinäßi&c Uobci wucliung der Arbeit der Gruppen; g) bewußte Leitung der Gruppen nach den vom Z. K. aufzustellenden Gesichtspunkten. Zur Durchführung der unter 3, 4 und 5 genannten Arbeiten organisiert das Jugendamt einen zionistischen Arbeitskreis für jüdische Erziehung. Mitglied des Arbeitskreises kann jeder. Schekelzahler und jedes Mitglied des jüdischen Nationalvereins für Oesterreich werden, das einen Beitrag von mindestens K 12.— jährlich entrichtet und sich zu aktiver Teilnahme an den Arbeiten des Jugendamtes verpflichtet. Wo an einem Orte mehrere Mitglieder des Arbeitskreises wohnhaft sind, kann eine Ortsgruppe desselben gebildet werden. Jede Ortsgruppe wählt einen Vorsitzenden und einen Schriftführer, denen die Obsorge über die Tätigkeit ihrer Gruppe obliegt. Auch .zionistische Vereine können Mitglieder des Arbeitskreises werden. Die Leitung des Arbeitskreises liegt in Händen des Jugendamtes, dem als beschließende und beratende Körperschaft die vom Z. K. eingesetzte Studiengruppe für jüdische Erziehung zur Seite steht, Die Aufgabe des Arbeitskreises ist insbesondere; 1. Die Verbreitung und Vertiefung der notwendigen theoretischen und praktischen pädagogischen Kenntnisse bei den Mitgliedern. 2. Die Teilnahme der Mitglieder an den technischen und finanziellen -Arbeiten. des- Jugendamtes. 3. Die Mitarbeit in den; Einrichtungen, die vom Jugendamt, und dem Arbeitskreis geschaffen werden. — Es erliegt von jedem Mitglied des Arbeitskreises beim Jugendamt ein Katasterblatt, das über dessen Fähigkeiten und Neigungen und über die von ihm 'zur Verfügung gestellte freie Zeit Auskunft erteilt. Mit der Leitung des Jugendamtes wurde Sekretär Dr. Siegfried Bernfeld betraut. Adresse: Jugendamt des Z. K„ II. Zirkusgasse 33. Bureaustundert ■ täglich von 9—3 Uhr. Zionistische Treffpunkte an der Südwestfront. U d i n e: Oblt. Dr. Bergmann, Heeresbahnkommando, juristische Gruppe (Telephon). Latisana: Oblt. Dr. Reiner, Brückenhebedetachement (Telephon). Wir ersuchen Gg„ Gg„ die weitere Treffpunkte bilden könnten, dies der Redaktion zur Veröffentlichung mitzuteilen. Schekel-Ausweis Nachtrag 1917. Innerösterreich: Parteisteuer K 6.60, Schekel K 13 20 Galizien: Parteisteuer K 157.03, Schekel K 383.20. Polen: Parteisteuer K 113.73, Schekel K 227.47. Mähren-Schlesien: Parteisteuer K 10.66, Schekel K 21.34. Summe 1917: Parteisteuer K 288.02. Schekel K 645.21. Aus dem Felde: Parteisteuer K 266.02. Schekel I. Ausweis 1918 (Eingang bis 1. Juni 1918). Aus dem Felde; Parteisteuer K 266.22, Schekel K 510.08. Innerösterreich: Parteisteuer K 614.34, Schekel K 1228.76. Galizien; Parteisteuer K 1767.75, Schekel K 3439.68. Polen: Parteisteuer K 323.92, Schekel K 647,49. Bukowina: Parteisteuer K 32.40, Schekel K 89.30. Böhmen: Parteisteuer K 83.30, Schekel K 166.70.- Mähren-Schlesien: Parteisteuer K 127,37, Schekel K 256.63. Diverse: Parteisteuer K 78.76, Schekel K 157.74. Bisheriges Gesamtergebnis 1918: Parteisteuer K 3293.86. Schekel K 6496.38. Wnr erhalten folgenden Aufruf mit der Bitte um Veröffentlichung; An die Zionisten Galiziens! Wir beginnen mit der Wiederorganisation unserer Partei. Gesinnungsgenossen! Wir hoffen auf Eure weitgehendste Unterstützung und tatkräftige Mitarbeit. Wer gewillt ist, für unsere Sache zu arbeiten, .schreibe an uns, damit wir in direkter Verbindung geeignete Gesinnungsgenossen finden, die an dem Wiederaufbau der Organisation mitarbeiten möchten. ' Organisations-Kommission des zionistischen Exekutivkomitees für Galizien. Adresse: Irene Waldmann, Sekretärin, Lemberg, Karmelicka 8.