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Jüdische Zeitung · 1918-03-08 · 10 (8.3.1918) · p. Seite 2

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
12 (1918)
Issue
10 (8.3.1918)
Date
1918-03-08
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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5eite 2 JÜDISCHE ZEITUNG ' , „ , , .Nr.. 10 jüdiscäieii Kuitusvorstandes. -reinige Jage vorbei verständigt worden sind,7 a 1 s o ’ g e - Dane Kenntnis von den Pamphleien «nd der bedrohlichem Situation »hatten. . Die geschilderten, nicht höher zu qualni-- percuden Vorfälle haben in der Judenschaft ‘überhaupt und zunächst Galiziens tieiste Er-, Witterung. gerechten* Unmut 'undliste Empörung her vorgerufen, da tseben, - körperliche Integrität, Eigentum und Rechtssicherheit der jüdischen Bevölkerung Galiziens in hohem Grade gefährdet sind, und bei der Systematischen Wühl--und Hetzarbeit unabseh- bare Folgen zu befürchten sind. — Demgemäß richten die Unterzeichneten an Sr. Exzellenz dien Herrn .k. k. Ministerpräsidenten wie auch an , Sr. Exzellenz, den Herrn k. k. Minisier des Innern, die folgenden Anfragen: . ‘ L Sind . Ihren Exzellenzen die geschilder- , -tea. Vorfälle bekannt? v - l ' II. Sind dieselben bereit und Willens, unverzüglich geeignete ‘ Vorkfchrungen,'r and allenfalls unter Aufwendungder der Staatsgewalt zustehenden Machtmittel zum umfassenden Schutze der Jadeit und gegen die Wiederkehr dergeschilderten bedauerlichen -Vorfälle in Galizien zu treffen ... -sowie die Schuldigen zur Verantwortung mid Strafe zu ziehen? .. .. Unterfertigt ist die Interpellation von den 1 Abgeordneten: Dr. Straucher, Dr. Ofner, Kurandär Dr. Petrusziewicz, Dr.* Leo-J T3aczyhski, Dr. Cehelski, Wassilko, Semaka, SpenuU Lukasiewicz,Dr/'ffpfubowicz, Dr. Smal-Siocki. ihren Ursprung in Berlin aufweisen und .nur den Zweck verfolgen, die Juden mit ,den Polen zu entzweien. 'Aber von offizieller Seite ist noch kein Schritt getan worden, um die jüdische, auf höchste aufgeregte -Oeffentlichkeit zu beruhigen. Ben-Mordechaj. Niederträchtige Verleumder Wir können konstatieren, daß unsere Annahme, .die inder „Neuen Freien Presse“ vom 26. v. M. gelegentiich - der- Berichterstattung über eine im Abgeordnetenhause ein gebrachte Inter-" •pellation in Angelegenheit der bürgerlichen und •«politischen Emanzipation der Juden in Rumänien unterlaufene Falschmeldunglediglich - dem' Uebereifer des Berichterstatters der „Neuen Freien Presse“ zuzuschreiben sei, eine richtige war. Wie uns der Herr Abg. Höfrat Kuranda mitteilt, stand er der Veröffentlichung in der von uns beanstandeten Form vollkommen ferne und bekam erst durch Lektüre unserer Zeitung von ihr Kenntnis. Es ist bedauerlich, daß er durch diese Art der Berichterstattung, wie er uns schreibt, „in den Schein zweier Eigenschaften gerückt wurde, die seinem Charakter vielleicht am fernsten liegen, der Illoyalität und der VordringHchkedt“. Lemberger Brief (Von unserem Korrespondenten.) . Die unverfälschten Gefühle der Polen gegenüber dem Judentume kamen am 18. Februar 1. J. zum Ausdrucks. Die polnische Nation nahm diesen (historischen Tag nicht nur zum Anlasse, um Ihre nationale Solidarität zu bekunden, sondern auch um ihrem eingewurzelten Haß gegen das Judentum Luft zu machen. Demi getreu dem alten Grundsätze „Die Regierung meint,man und die Juden haut man“ haben die polnischen Freunde und Epigonen der russischen „schwarzen1 Hundert“ ans der Zarenära an diesem Tage über ganz Galizien Hunderte und’Tausendevon anonymen Aufrufen gegen die Juden verteilt, welche zu einer Schlächterei und Plünderung jüdischen Lebens und Vermögens aufforderten. Die Offiziellen haben natürlich nichts von dem to ihren öffentlichen Ansprachen erwähnt, haben aber toleriert, daß solche Aufrufe und Karikaturen in den Schulen, Tramways, Eisenbaimen und. in Aemtern verteilt wurden. / Und so gelangten nachstellende Flugschriften zur Verteilung: Die eine unter dem litel „Orzei" (der Adler), welche eine Karikatur des österreichisch-ungarischen Staatsadlers und eine Satire auf die austropolnische Lösung der Unabhängigkeit Polens enthält Der Adler ist darin in der Gestalt eines Judenkopfes mit Seitenlocken dargestelit, welche eine orthodoxe Kopfmütze (Jartnulka) trägt und in. einer Hand einen Geldsack, .in der anderen eine Menorah hält. Unterhalb des Adlers — an Stelle des goldenen Vlieses — ist eine männliche Genitalie angebracht Diese Flugschrift wurde um 10 Heller , verkauft Das Reinerträgnis ist zur Vertreibung der Juden aus Galizien bestimmt Sie wurde sogar durch den Staatsbahnrat Gilewski in höchsteigener Person im Amte feilgeboten. Die zweite Flugschrift t?ägt den Titel „tajdaetwo“ (Gemeinheit) und droht dem gaiizischar. Judentume mit einer Schlächterei, ialls sie nicht selbst noch rechtzeitig aus Galizien abziehen werden. Dies deshalb, weil die Juden an der angeblichen vierten Teilung Polens schuldig wären. Dieser Zettel wurde in allen Volksschenken, Gasthäusern, Tramways und sogar inTVIII. Gymnasium verteilt Ferner wurde die Herausgabe einer periodischen Zeitschrift unter dem Titel „Die Entjudung' Polens“ (Odzydzenie Polski) angekündigt. Die polnische Presse verschwieg zunächst diese Orgien der polnisch-antisemitischen Wutausbrüche, welche sich unter dem Mäntelchen des. nationalen Patriotismus versteckten., Erst . unter dem Drucke der jüdischen Presse und .der aufgeregten jüdischen Oetientlichkeit veröffentlichten zwei polnische Tagblätter „Gazeta Wieczorna“ und „Kurier Lwowski“ redaktionelle Notizen, daß die erwähnten Flugschriften finsterer Herkunft seien, jfn der letzten Zeit häufen sich in dem anti-; semitischen Blättern die'Anwürfe gegen die “luden als Soldaten. -Die „Reichspost“ brachte am 5. März unter dem Titel „Wie sie 'sich drücken“ eine Interpellation des ..Abg.:— — S c h o i sw o h 1, „in der ein krasser,Fäll' jüdischer ProtektiÖnswirtschaft dargelcgt wird". Ein Oberleutnant Ladislaus D e mm e .erstattete gegen den Obersten Heinrich Deutsch des I.-R. 38 die Beschwerde,1 daß er seine Untergebenen je nach Zugehörigkeit zum Juden- oder Christentum behandelt habe. (Christliche Offiziere. - die so' was' täten, gibt‘s nicht!) Die Interpellation führt aus, daß der Beschwerdeführer, wegen „geistiger : Sinnesverwirrung“ von der durch die Militäranwaltschaft gegen ihn. - erhobenen Anklage freigesproehen worden sei Daß dieser Ausgang der Angelegenheit; eine;; Rehabilitation.. des angeschuldigten Obersten ist,, genügt, dem Interpellanten nicht, er -: verlangt lerne strenge Untersuchung zuständiger Stellen. / Die'! „O S t d c;u tis cli e Rundschau“, die wir ja sonst nicht mehr der Ehre wert halten; •von.uns beachtet zu werden, brachte dieser Tage eine von der -„Reichspost" wiedergekäute „W a r- : nung an gev/1 sse iiinter 1 ändl.er“. Sie stellt, den Gipfelpunkt schamloser i Verleumdung dar: '>- . - „Mau wettert jetzt viel im 'Hinterlande - überthe Juden.' Wir an der Front'haben dazu gar, keine Ursache, denn hier scheint der , Traum des Ariers in Erfüllung gegangen zu sein: Bis auf die sehr spärlich Gesäten aus dem Stamme Juda, welche den erneuten Beweis erbringen,1* daß -die Ausnahme die" Regel bestätigt, ist bei uns alles judenrein. Doch wie groß ist die Enttäuschung, wenn man als glücklicher Urlauber seinen Schritt gegen die Heimat lenkt! Kaum hat man das Truppenkommando hinter sich,' taucht Moische überall auf. Bei den verschiedenen näher befindlichen, Anstalten, wohin sich ein feindliches Geschoß noch ver- 'irren kann, hie und da, bei den „höheren“ Kommandos schon auffallender, aber auf den Bahnstationen bereits als typische Erscheinung. , Belden Etappenkommandos wimmelt es von Hebräern, bei den Armee-Ersatzkommandos hiebt minder, ln den Spitälern fast durch die Bank Juden.! Ist die Grenze , des Kriegsgebietes überschritten, so kommt man vohi Regen in /die“ Traufe. Vom Enthobenen angeiangen bis' zum Kriegsministerium zieht sich der gewisse wehmütige Zug um die Beine aller jener/ die für uns Frontbestien „arbeiten“. Drum ihr dort draußenrin der Welt, die Nasen eingespannt! Wenn wir um alles gebracht werden, wenn^unsere Kameraden vergeblich ihr Todesopfer gebracht haben, dann kehren wir zwar ohne Bolschewiken heim, aber wir werden dann än die Rechnungslegung denken und jenen unsere größte Teilnahme widmen, die unser Volk bewuchert,» die in vor- bildlicher Vaterlandsliebe' in Wort und Schrift für den siegreichen Frieden unserer Feinde gewirkt und mit der Revolution ‘ im Innern geliebäugelt haben. Mit dergleichen- Treue und in derselben Eintracht, mit der Offiziere und Mannschaft einer Welt von Feinden die Stirne boten, werden wir das besagte „Interesse“, teilen. Laßt euch, die es angeht, in letzter Stunde gewarnt sein! Ihr versteht uns gar wohl in eurem ■ Rasseninstinkt Wir,-sind dann eure Geister, die ihr gerufen. Einer für . viele, viele.“ 1 Wir haben wiederholt erklärt, daß wir eine Statistik der Juden als Kriegsteilnehmer nicht scheuen, sondern aufrichtig wünschen, wenn sie - nicht von parteilichen Behörden, sondern von. einem neutralen wissenschaftlichen Amte wie der statistischen Zentralkommission gemacht würde. Bei einem so riesenhaften Apparat, wie ihn ein modernes Heer dajstellt, können wir unseren Verleumdern leider nicht mit Zahlen aufwarteu, da private Aufzeichnungen nicht ausreichen. Aber auch sie sind nicht imstande, ihre Amvürfe irgendwie ziffernmäßig zu belegen. Und das beuten sie, in verbrecherischer Weise Haß gegen die Judenschaft' schürend, aus! Wir rufen nicht nach dem Büttel und dem Zensor, der» nicht wie Homer nur manchmal schläft, sondern immer die Augen züdrückt, wenn es sich um von Gesetzes wegen unerlaubte^Aufreizungen gegen die Juden - handelt. Aber denSi, die nicht ganz verblendet sind, wollen wir doch empfehlen,'in die Spalten der. jüdischen Zeitschriften zu blicken, um zu erfahren, wie auch unsere Väter und Söhne für das '-Vaterland geblutet haben und auf welche anerkannte Leistungen im Kriege sie verweisen können! Gewiß mag es ,/in unseren Reihen auch . Drückeberger geben, das brauchen wir gar nicht - zu leugnen, aber — Hand aufs Herz — liebe Antisemiten, sicher nicht-einen mehr als bei Euch selbst, wie unsere Erfahrung lehrt. Ihr seid aber so verbohrt ln Euer Vorurteil, daß Ihr Euch, wenn sich bet objektivem Verfahren.. die Schuldlosigkeit von Juden ergibt, nicht einmal entblödet, die Autorität der .aus Nichtjuden bestehenden Bell örde n z u ü n t erg r a b e n. — So haben dto Dinge, zwei Seiten.^ Wir sind überzeugt, daß keim Jude Gnade vor den Augen seiner Richter.-findet; an dem nur ein Schein von Schuld' haftet/. Wen« Ihr aber unsere staatlichen'Aemter für so'philosemitisch oder bestechlich haltet, daß sie .einem Juden zuliebe.vom Wege des gerechten 'Spruches abweichen — mögen diese sich des verstecktem Vorwurfes der Blödheit oder Käuflichkeit-wehre«. Aber ganz abgesehen davon, bange mache* gilt nicht. Wir fürchten keine. „Abrechnung“. Zip mindest wird sienicht ohne Wirt gemacht werde«. Wir haben das unwürdige Geschreibsel der Ostdeutschen Hetzpresse in extenso wiedergegebe* damit unsere Feldpostempfänger von Eurer Warnung „in letzter Stunde“ erfahren. Unser, Gewissen ist rein. Die Einbeinigen uni Einarmigen unter uns-und die von der Front krank oder auch gesund heirakehrenden jüdischen Soldaten uni Offiziere, die unerschrockende* Kugeln der Feinde getrotzt habe** werden um ihrer und der. Ehre, ihrer in Pflichterfüllung freudig gefatlenen Kameraden willen, währlfcb noch genügend Kraft äiifbringen, um denfrechen- Ver 1 eumdungen ant»-" semitischer Buben die Stirn x« bieten. . -. .. , .;" Einer nicht für viele »rsondern für äflö.4 jüdische Koiigfeßdemorfstration in Holland Mit siegreicher Macht ist der Gedanke ewiger Verbundenheit aller seiner Glieder im Volke Israel neu erstanden, jener Gedanke, der in lange» Jahrhunderten des Exils nur heimlich' laut' werde* durfte und den in unserer Zeit Anhänger eine« entkräfteten Judentums wie eine Sünde verpönte*; Aus allen Lagern strömt das weithinverstreute Volk-zusammen, es einigen sich seine Stimmen a* einem starken Chor vor dem Forum der Welt Die Saat des Zionismus ist aufgegahgen und.ref geworden. Wir haben die Größe der amerikanischjüdischen und der russischen Kongreßbewegünt in inbrünstigem Miterleben empfunden. t Jeder Schritt neuer Eroberungen des zionistischen Gedankens klärte und festigte in uns die Ueberzeusung: kein Judentum ist möglich ohne nationale» Kern. Nicht zufällige Mehrheit* zionistischer £tim-\ meri, nicht vorübergehende politische Konstellationen zwingen-den Sieg auf unsere Seite. Nur weil wir der immanenten Logik der Geschichte, die im Werden ist, folgen, ist die Stärke in unserem Lager. Ihr werden sich alle jene beugen müssen, die Juden bleiben wollen; die andern aber werden wie'Spreu im'Winde verfliegen. - Einen starken Beleg dieser Entwicklung biL det die jüdische Kongreßdemonstration, die ai* 17. Februar, in Amsterdam stattfand. In vorbildlicher Einmütigkeit versammelten sich die Vertreter aller Parteien, die. bisher sich ungeeüd gegenüberstanden, und es war kein Unterschied m spüren zwischen den Worten der Zionisten und denen der Alliance und der lio; Die Versammlung stimmte am Schlüsse die „Hatikwah“ an. Bei jedem der zionistischen Sätze und der Nennung Palästinas ertönte immer brausender Beifall/ - Wir geben im folgendem die Darstellung dieser denkwürdigen Versammlung nach dem Berichte des Jüdischen Korrespondenzbüros in Haag wieder: Am 17. Februar fand -im Konzertgebäude Amsterdams die jüdische Kongreßdemonstratio» Hollands statt. Mehr als 2000 Personen wohnte» der Demonstration bei. Auf der Estrade hatten die Mitglieder des Kongreßkomitees Platz genommen, das. aus Delegierten der Vorstände der holländischen Abteilungen der Alliance, Ito und der zionistischen Organisätion bestand... In einem weite* Kreise um .dieses Komitee saßen die Mitglieder der Ehrenkonimission, die mehr als hundert jüdische Würdenträger umfaßte. Die Rabbiner, Kultusvorsteher;' Senatoren und viele andere angesehene Mitglieder der jüdischen Gesellschaft Hollands waren in sie eingetretenrDie beiden Kultusgenossenschafte'n, die portugiesische und asekkeuasische hatten 60 Vertreter gesandt. Die drei Organisationen, die die Versammlung einberufe* hatten, hatten ebensoviele Delegierte wie auf ihren eigenen Parteitagen, zusammen etwa 550. 1S1 andere jüdische Vereine und Verbände wäre* durch 310 Delegierte vertreten. - Der bekannte Zionistenführer Jacobus HL Kann eröffnete die Versammlung. Er wies auf die Tatsache hin, daß sich zum ersten Mal die verschiedenen Gruppen des holländischen Jüde*- iums, die sich bisher bestritten hatten, zu gemeinsamer Arbeit verbündet hatten. Man müsse eine* Beweis der politischen Reife des jüdischen Volkes erblicken, daß es hier und. in anderen Länder* den. entschlossenen Willen bekunde, sein Schicksal selbst zu schmieden.. Das jüdische Volk lehnt die Assimilation ab.. Die jüdische Bewegung i* ihren verschiedenen Formen und Abstufungen hat alle Schichten des jüdischen Volkes erfaßt. Die Stunde hat geschlagen, wo es gilt, bereit zu sei*. Die jüdische Politik steht vor großen Aufgabe». Die Stunde fördert Einigkeit, den Zusammenschluß aller Gruppen zu gemeinsamer Tat. Und in der Tagung, bekundet das Judentum Hollands seine* 9iBgg^ssisi@gfif die

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