Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 12 (1918)
- Issue
- 10 (8.3.1918)
- Date
- 1918-03-08
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XII. Jahrgang. — Nr. 1© Nattonal-jüdifches Organ Erscheint wöchentlich einmal Redaktion: Wien II/.. Zirkusgasse 33 Sprechstunden: Montag bis Freitag Won 11—1 Uhr, Sonntag von 11—12 Uhr Manuskripte werden, wenn unverlangt, ohne Rückporto nicht zurUdcgesandt Redaktionsschiuß Dienstag um 7 Uhr Femiu^rech-Nummer . 45-3-25 Mit 5er Beilage: Der Jüöisdie Nationalfonds Wien, Freitag, 8. März 1918/24. Adar 5678 Einzelnummer 30 Hetlmr Verwaltung: Wien II/., Zirkusg. 33 Geschäftsstunden: Montag bis Freitag von 9—12 u. 3—7, Sonntag von 9—1t Bezugspreise: Ganzjährig K 14.— halbjährig K 7.—, vierteljährig K 4.— Anzeigen nnd Beilagen nach Tarif Postsparkas sen-Konto133.404 Empfaur Weiztnanns bei König Georg. — Der Friede mit Rumänien. — Die rumänische Jadenfrage nndhiie Friedenever» andlnngen ans dem Inhalt* Abgeordnetenhaus. — Lemberger Brief. — Niederträchtige Verleumder. — JütL-Kongreßdemonstration in Holland.— Meldungen znr Palil-tina 2 frage. — Eine neutrale Stimme über den Zionismus. —Presseschan. — Zion. Landeskonf. in .Lemberg. — glättet aus d. jfld. Jugt-adbeweg. usw Empfang Weizmanns bei König Georg Kopenhagen, 9. März. (Telegramm der «Jfld. Zeitung“.) Dr. Chalm Weizmann wurde vom König von Bsgland in Audienz empfangen. — KONZERT-DIREKTION HUGO HELLER, Wien. I., Bauernmarkt 3. — Großer Konzerlhaussaal, Sonntag den 10. März 1918, 7 Uhr abends Vortrag Der Friede mit Rumänien \ Während diese Blätter unter di© Presse, gehen, kommt uns aus dem Abgeordnetenhause die sensationelle Nachricht zu, daß dler Ministerpräsident von Seidler eben den Inhalt des zu Buftea abgeschlossenen Präliminarfriedens mitgeie:It habe, dem binnen 14 Tagen, d. 5. bis Mitternacht des 19. d. M. aui Grund der neun, dem Abgeordiretenhause nritgeteilten Bedingungen der endgültige Friede zu'foigen habe. So sehr wir den Abschluß auch dieses Friedens ais einen weiteren 'verheißungsvollen. Schritt zu dem ‘allgemeinen Weltfrieden aas ganzem Herzen begrüßen und unseren Minister des Aeußeiw, Graten Czcrnin. zu diesem neuerlichen Erfolge seines diplomatischen und staatsmännischen Geschickes beglückwünschen. können wir den Ausdruck unserer tiefen Betrübnis darüber nicht unterdrücken, daß die die FriedeitsVerhandlungen mit Rumänien führenden Staatsmänner, auch diese Gelegenheit wieder'vor- Jib^efcehjießen. ohne., die ■rutn-ämsohe Judßtdrage., "diesen '.Schändfteck' europäischer Kultur und Zivilisation, endlich zur Lösung zu bringen. Die Judcreberten fast aller Länder. . die Juden Englands, Deutschlands, Oesterreich - Ungarns, Fmikreächs, Italiens, Rußlands und der Türkei nnd .darüber hinaus auch die Juden Amerikas haben. , in -den letzten Wochen in ungezählten Ennamzratknren die zu Brest-Litowsk and Buftea versammelten Friedensunterhändler anfgefordert, Ritmäjlien endKch zur: Einhaltung des Artikels: 44 des •Berliner Vertrages,zu nötigen, der die uneingeschränkte bürgerliche Gleichberechtigung iorderte, obita dessen Erfüllung die Anerkennung Rumäniens als. selbständigen Staates hinfällig war. Wird man uns . wirklich einzureden versuchen. daß dieses unglückselige Land, das sich so drückenden Friedensbedingungen widerstandslosbeugen mußte, das c'n die Abtretung der Dobrudscha willigen, das Grenzberichtigungen zulasscut,.das auf eine teilweise Demobilisierung ehigehen. das sich zur Räumung unseres Grenzgebietes verpflichten mußte, daß •cteses treulose, Vertragsbrüchige Land mit seiner bankerotten , Dynastie und Regierung dem ernsten Willen der Vierbun-dVertreter nach Erfüllung einer längst eingegangenen völkerrechtlichen Verpflichtung sich hätte mit Erfolg widersetzen können? Sollen unsere unglücklichen- Volksgenossen in Rumänien auch weiterhin1 „Fremde ohne bestimmte Staatszugehörigkeit“ bleiben? Soll das himmelschreiende Uri- - recht, das seit Jahrzehnten an den Juden Rumä- ' niens verbrochen wird, -auch für-eferhm geübt werden, fetet aber unter stillschweigender Duldung der . Regierung. Oesterreich-Ungarns und Deutschlands, die fortan mitschuldig sein würden an dieser Kultnrsciiande? Es ist ein Präliminarfrieden, der zu Buftea geschlossen wurdle. Vierzehn Tage haben, die maßgebenden Faktoren Zeit ihre folgenschwangere Versäumnis nachzuholen. Wir geben der zuversichtlichen Erwartung Ausdruck., daß die Regteriragen der Zentralmächte, daß insbesondere Graf Czemin ihre Pflicht tun werden. des Dr. JOSEF BALLOD, ord. Professor an der Universität in Berlin K Der Zionismus und die Mittelmächte. Karten von K 6.50 bis K 1.50 bei der Konzerlkassa der HELLER’schen, Buchhandlung, I.» Bauernmarkt 3 und im Zionistischen Zentralbilro, II., Zirkusgasse 33. "Die rumänische Judenfrage und die Friedensverhandhingen .Vierzig Jahre sind verflossen, seitdem den Juden. Rumäniens auf dem Berliner Kongreß die bürgerliche Gleichberechtigung in der feierlichsten Form zugesagt wurde. Wie „ein Fetzen Fapier“ wurde der Vertrag unter den Augen der Garanten behandelt. Es herrscht gar kein Zweifel, daß der Zustand der Rechtlosigkeit, unter dem die rumänischen Juden leiden, äufhören muß. Nicht bittend, sondern fordernd) tritt das jüdische Yolk vor die Lenker der'Politik: es heischt die primitivsten Menschenrechte für seine Brüder in Rumänien. ■ Die-Vorstände des „Jüdischen Nationalverein in Oesterreich". Ing. Robert Stricker und Dr. Salomon Kassner, und das „Exekutivkomitee ..der Zionisten Oesterreichs“, - Adolf Stand und Rev. Rudolf T a u s s i g; richteten am 5. März folgendes Schreiben an Se. ' Exzellenz Grafen Czernin:^ Eure Exzellenz! Wir gefertigte Vertreter der national organisierten Judenschaft Oesterreichs erlauben uns, anläßlich der schwebenden Friedensverhandlungen die Aufmerksamkeit Eurer Exzellenz auf die entsetzliche Lage der rumänischen Juden zu lenken. Entgegen den beschworenen Bestimmungen des Berliner Vertrages, hat che rumänische, Regierung den 'Juden, ihres, Lähfibs die ‘ bürgerliche ‘ GleichberechtiguiBf• >Vbrenthalt«?ri" und sie unter harte und entwürdigende Ausnahmsgesetze gestellt. Im Verlaufe des'Krieges hat die auf Entrechtung und Vernichtung der Juden hinzielende Tendenz der rumänischen Regierung unzählige jüdische Opfer gefordert. ' Im Namen der gesamten . national organisierten-' österreichischen Judenschaft bitten wir Eure Exzellenz, daß den Juden Rumäniens volle bürgerliche und nationale Gleichberechtigung unter realen Garantien, in einer Form gesichert werde, welche jede Umschreibung und .Umgehung unmöglich. macht. Wir legen, eines Sinnes-mit der Judenschaft der ganzen Welt, das Schicksal von 300.000 Volksgenossen vertrauensvoll in die Hände Eurer Exzellenz und sind überzeugt, daß wir nicht vergeblich <J5e bewährte staatsmäimischc Einsicht und das Gerechtigkeitsgefühl Eurer Exzellenz angerufen haben. Auch das ..Bukowinaer Zionistische Landeskomitee“. für das Dr. Mayer Ebner und Dr. Markus Krämer zeichneten.- lieft dem Minister ein Memorandum zugehen, das es mit folgenden Worten begründet: Die Juden der Bukowina’ als Nachbarn des Staates, rriit dem Eure Exzellenz in dem Augenblicke wegen Abschlusses eines Friedens verhandeln. kennen die Notlage ihrer jüdischen Stammesgenossen in Rumänien aus unmittelbarer' Wahrnehmung. Mit tiefem Schmerze haben wir es ansehen müssen, wie ein hochbegabtes, loyales und. arbeitsfreudiges Volk politisch, entrechtet und ' bürgerlich zu Fremden minderen Rechtes herabgedrückt wurde, obwohl dieses. Volk seit Jahrzehnten in Rumänien ansässig ist und zu allen Pflichten rumänischer Vollbürger, also zu Opfern an Gut und Blut herangezogen‘wurde. Es gipfelt in dem Appell: . Eure' Exzellenz! Die Judenschaft der alten und neuen Welt, alle Mitglieder dieses alten. auf der ganzen Welt zerstreuten Volkes, die zionistische Organisation .aller Länder und die er- - gebenst gefertigte Vertretung der Bukowinacr Zionisten richten voller Hoffnung ihre Augen aui Eure Exzellenz in der zuversichtlichen Erwartung, daß sich-an den-Namen unsfir.es.-. hochverehrten Ministers des .^eußern die Befreiung des unglücklichsten Volkes, die Niederreißung der Mauern des letzten Ghettos, die Erhebufts von Parias zu Menschen knüpfen wird. Aus dem Abgeordnetenhause In der Sitzung des Abgeordnetenhauses vom 5. März L J. hat der Abgeordnete Dr.' Strauch e r und Genossen an den Ministerpräsidenten und den Minister des Innern in Angelegenheit der Exzesse und -Ausschreitungen gegen die Juden in Galizien nachstehende Interpellation gerichtet: „Aus Anlaß des kürzlich zwischen den Zentralmächten und der1 Ukraina zu Brest-Litowsk .abgeschlossenen Friedens und beziehungsweise des In diesem der letzteren zugesprochenen Cholmer Gebietes, hat sich bekanntlich der gesamten polnischen Nation eine große Erregung bemächtigt. welche zu wohlorganisierten aatiösterreichisehen und antisemitischen Demonstrationen, insbesondere in Galizien, geführt hat. Diese arteten in arge Exzesse gegen die dortigen Juden aus, welche fast im ganzen Lande Galizien gleichzeitig mit den bekannten Protestdemonstrationen der Polen staitgefunden haben. Auf Grund übereinstimmender Berichte und Schilderungen in der jüdischen Presse Galiziens undunbestrittener,, einwandfreier Mitteilungen vollkommen.verläßlicher Personen haben wohlvorbereitete Exzesse und Ausschreitungen gegen Juden und jüdisches Eigentum sowie körperliche Mißhandlungen, von Juden in Galizien, ungeachtet rechtzeitiger vorheriger A n z e i g e bei den politischen und Polizeibehörden, ia selbst bei der Staatsanwaltschaft. stattgefunden; pogromhetzerische Flugschriften. Pamphlete und Broschüren aufreizendsten Inhaltes gegen die Juden wurden massenhaft unter der polnischen Bevölkerung verbreitet, ja selbst in Schulen, staatlichen und öffentlichen Aemterir und Behörden, und insbesondere auch in’derk. k. Staatsbahndirektion zu- Lemberg unbehindert verschleißt, zu Austreibungen der Juden anfgefordert, und der Erlös dieser Flugschriften zur Bildung eines Fondes zwecks „E n t j u d u n g Galiziens" angekündet. — In vielen Städten; Dörfern und Ortschaften Galiziens (so beispielsweise in Lemberg. R z c s z o w, Krakau, Dynow, S t r y - szow, Bochnia etc. etc.) wurden, mehrfach mit Hiiie herbeigeholter Leute des flachen Landes, in den Häusern der Juden die Fenster und in deren Geschäften die Auslagen eingeschlagen und zertrümmert, die Schilder heruntergeri.ssen, vielfach in jüdische Geschäfte und Restaurationen eingedrüngen, großer Schaden angerichtet, die Juden arg bedroht und beschimpft u. dgl. mehr.—: Der Inhalt der verbreiteten Flugzette!, ebenso gegen Oesterreich, wie gegen die Juden gerichtet, kann .wegen seiner Häßlichkeit nicht wiedergegeben werden; er schloß mit der Aufforderung: „Die Juden sollen sofort Galizien verlassen, auch die jüdischen Assimiiant'en und jüdischen Polen sollen nach Zion ziehen, oder man werde sic mit Feuer und Schwert anstreibe n“. Insbesondere forderte die zu Lemberg in jüngster Zeit erscheinende polnische Zeitung „Odzydzenie Po 1 ski“ zur Austreibung aller Juden ans Galizien bis auf den letzten M a n n auf; alle diese Preßprodukte sind ungeachtet ihres strafgesetzlich verpönten Inhaltes unbehindert verbreitet worden. Bei allen diesen nur kurz angedeuteten Exzessen sowie in Reden und Konventike’n, äußerte sich — was übrigens seit längerer Zeit offenkundig ist— ein brennender Judenhaß. — Es muß hervorgehoben werden, daß von den vorbereiteten Demonstrationen und den gekennzeichneten Pamphleten und Flugzetteln verschiedene Behörden in Galizien, so namentlich auch der k. k. Polizeipräsident und der k. k. Staatsanwaltin Lemberg, ja selbst militärische Behörden, und’ insbesondere polnische Parteiführer—, durch das „Jüdische Tagbl att“ in Lemberg sowie auch mehrfach durch Mitteilungen und Warnungen von Mitgliedern des sgessosseB!': Laßt Eucie Fropagandamateriai des J* Z. kommen!