Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 12 (1918)
- Issue
- 5 (1.2.1918)
- Date
- 1918-02-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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5eite 2 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. 5 Der Parteitag der holländischen Zionisten Das J. K. in Haas berichtet: Am 25. und 26., Dezember fand der XVIII. Parteitag des holländischen Zionistenbundes statt. Der Bund zählt heute 34 Ortsgruppen und Vereine mit 2122 Mitgliedern und brachte für den jüdischen Nationalfonds 21.000 holländische Gulden (doppelt so viel als im Vorjahre) auf. Der Parteitag zählte 140 Delegierte und fand in Zwolle statt. Der Vorsitzende des Bundes, Herr N. de L i e m e wies in seiner •Eröffnungsrede auf die durch den Ausfall Amerikas erhöhten Pflichten der neutralen Juden gegenüber der jüdischen Gemeinschaft hin und erörterte ausführlich die gegenwärtige poEtische Konstellation. An der Bundesleitung wurde scharfe Kritik geübt. Sie habe sich dem Geiste^ der Zeit nicht angepaßt, die neuen großen Propagandamöglichkeiten nicht genügend ausgenützt und die jüdischen Massen des Landes nicht aus ihrer Lethargie zu rütteln vermocht. Im Mittelpunkt der Beratungen 'des Parteitages stand die Frage eines Kongresses der holländischen Juden. Die Bundesleitung hat mit der Leitung der holländischen AUiance und der Itbfoederation ein Abkommen getroffen. Durch eine -Demonstrationsversammlung sollte die holländische Regierung aufgefordert werden, dafür einzutreten, daß Vertreter der genannten 3 jüdischen Weltorganisationen zur Friedenskonferenz .zugelassen würden. In einer längeren Rede rephzierte der Bundesvorsitzende auf die heftigen Angriffe, die gegen das Kompromiß schon vor dem Parteitag in der Oeffentlichkeit gerichtet worden waren. Die holländischen Juden seien zu assimiliert Es gebe keine nationalgesinnte jüdische Arbeiterschaft, Eine Kongreßbewegung wie in Amerika oder Rußland sei darum in Holland ausgeschlossen. Aber selbst, wenn sie möglich wäre, würde er vom zionistischen Standpunkt eine Gefahr darin sehen, die Palästinasache jüdischen Kongressen anzuvertrauen. Es müsse verhindert werden, daß das Baseler Programm durch die Kongreßkompromiss.e eine Abschwächung erfahre. Die zionistische Organisation müsse selbständig für die Verwirklichung ihres Zieles arbeiten und dürfe ihre Bewegungsfreiheit nicht einschränken lassen. Das holländische Kompromiß beseitige die Gefahr eines Kampfes der jüdischen Weltorganisation zur Zeit des Friedenskongresses und gestatte jeder Organisation, für ihr Programm in der radikalsten Weise einzutreten. Ein jüdischer Weltkongreß könne in der Palästinafrage ein Kompromiß der Kompromisse schaffen und dürfe von den Zionisten nicht als ein Forum anerkannt werden, dem sie sich unterordnen würden. Die Opposition verlangte den Anschluß an die jüdische Kongreß-' bewegung in Amerika und Rußland. Das jüdische Volk müsse vor der Friedenskonferenz mit einem gemeinsamen Programm erscheinen. Eine einzige, legitime Vertretung des jüdischen Volkes müsse geschaffen -werden. Eine Gefahr einer Abschwächung des Baseler Programms bestehe nicht Eine authentische Interpretation des Baseler Programms existiere nicht Erst ein zionistischer Weltkongreß werde «die Forderungen formulieren können, welche zur Durchführung des Baseler Pro-, gramms aufgestellt werden müßten. Die amerikanische unid russische Plattform garantiere als Rrogramminimum, daß man für die Juden in Palästina nationale Entwicklungsfreiheit fordern werde. Die Forderungen der Poaleizionisten und der •deutschen Zionisten lassen sich in das Kongreßprogramm einfügen. Die amerikanischen und russischen Zionisten hätten durch den Anschluß an die Kongresse auf eine Sonderaktion verzichtet. Der Begeisterungssturm, den die Erklärung Balfours in Amerika und Rußland entfesselt habe, gestatte keimen Zwei red, daß es beim vereinbarten ittnimum nicht bleiben würde. Diese Kongresse, die die überwiegende Mehrheit der ganzen Judenheit repräsentieren werden, werden heute das radikalste zionistische Programm akzeptieren. Nur aus diesem Grunde haben sich die amerikanischen Bundisten von der Kongreßsache zurückgezogen. Verschiedene Vertretungen würden die Uneinigkeit des Judentums auch vor .der Friedenskonferenz demonstrieren. Der Zionismus dürfe nicht den -Anschein erwecken, im Widerspruch mit dem jüdischen Volkssinn zu stehen. Die holländische Aktion bedeute eine’ Gefährdung für die große Idee der "Einigung des jüdischen Volkes, die in der Kongreßbewegung zum Ausdruck komme. SämtEche Redner nahmen in der Kongreßfrage gegen den Standpunkt der Bündesleitung Stellung. Der Antrag, die Kongreßfrage durch einen spezieUen Parteitag entscheiden zu lassen, wurde angenommen. Der Parteitag beschloß; folgendes Telegramm an die englischen Zionisten zu senden: Der XVIII. Parteitag des Niederländischen Zionistenbundes bekundet der englischen Regierung seine Dankbarkeit für ihre Sympathieerklärung für den Zionismus und den Willen, den sie äußerte, au der Verwirklichung unseres Programms mitzuwirken. Am 6. Januar fand ein außerordentEcher Parteitag der hoHändischen. Zionisten statt, der über das von der Leitung mit der Ito und der AlEance geschlossene Kompromiß zu entscheiden hatte. Allgemein war man auf dem Parteitage der Meinung, daß die Bundesleitung ohne Befragung der Partei das Kompromiß nicht hatte abschließen dürfen. Die Bundesleitung gab zu, unrichtig ge- . bandelt zu haben und gab ihrem Bedauern über ihre Handlungsweise Ausdruck. Das in dieser Angelegenheit von der Amsterdamer Ortsgruppe beantragte Mißbilligungsvotmn wurde daraufhin zurückgezogen. Die Bundesleitung erklärte, sie würde demissionieren, wenn die Resolutionen angenommen würden, welche eine Demokratisierung und Nationalisierung: der Kongreßkundgebung verlangten. Auch die Opposition war sich dessen bewußt, daß es in diesem Augenblick unmögEch war, eine neue Leitung zu formieren. Die Resolutionen der Opposition wurden darum mit starker Mehrheit abgelehnt. Der Parteitag akzeptierte dann das Kompromiß, forderte indes die Bundesleitung auf, dahin zu wirken, daß die Worte „nationale Konzentration in Palästina“ in der Kongreßresolution durch den Wortlaut des Baseler Programms ersetzt würden. Zwei zionistische Manifeste „Jewish ChTonicIe“ veröffentEcht folgendes Manifest an das jüdische Volk, das wir mit unwesenlichen Kürzungen mitteilen: Der 17. Marcheschwan 5678 (2. November 1917) ist ein wichtiger Meilenstein auf dem Wege zu unserer nationalen Zukunft Er bezeichnet das Ende einer Epoche und eröffnet den Beginn einer neuen Aera. Das jüdische .Volk hat aber einen anderen solchen Tag in seinen Annalen, den 28. August 1897, den Geburtstag der neuen Zionistischen Organisation auf dem 1. Baseler Kongreß. Doch ist die Analogie keine vollständige, weil die Periode, die damals begann, Erwartung war, während die jetzt beginnende Periode Erfüllung ist. . . Der Wendepunkt ist die Erklärung der britischen Regierung, daß sie die „Errichtung einer nationalen Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina begünstigt und die größten Anstrengungen machen wird, um die Erreichung dieses Zieles zu erleichtern“. — Die Deklaration legt in die Hände des jüdischen Volkes den Schlüssel zu neuer Freiheit und neuem Glück . . . Hierzu aber “müßt Ihr die Arbeit von neuem beginnen, mit neuer Kraft und mif neuen Mitteln, die Gedanken und die Worte und die Methoden der letzten Rpriode genügen, nicht länger. Das würde ein Anachronismus sein. Wir brauchen neue Gedanken, neue. Worten, neue Taten. Die Methode in der Zeit der Verwirklichung kann nicht die Methode aus der Zeit der- Erwartung sein. — Zuerst muß das ganze jüdische Volk geeinigt werden. Nun, da die Erfüllung an Stelle der Erwartung getreten ist, muß das, was potentiell im Willen des jüdischen .Volkes war, in die Erscheinung treten und sich in eifriger Arbeit offenbaren. Das ganze jüdische Volk muß iii die zionistische Organisation eintreten. — Dann ein Wort an unsere Brüder in Palästina. Der Augenblick ist da, um das Fundament zu einer nationalen Heimstätte zu legen ... Beginnt unverzüglich, das jüdisch-nationale Heim aiif... gesunden.. Grundlagen aufzubauen, ganz hebräisch, ganz national, ganz frei und demokratisch. Der Anfang wird alles Kommende entscheiden. — Drittens: Unser loyaler Dank für die Unterstützung Großbritanniaens muß der Dank freier Männer an ein' Land sein, das freie Männer erzeugt und liebt . . . Viertens müssen wir reichliche Mittel haben. Die Mittel von gestern sind lächerEch klein, verglichen mit dem, was heute gebraucht wird. Propaganda, das Ausführen, praktischer Projekte^ Expeditionen, die. Gründung neuer Bureaus und’ Kommissionen, Verhandlungen. Vorbereitungen für Arisiedlung, Hilfe und Wiederaufbau in Palästina, für all dies und andere un-. aufschiebbare Aufgaben sind gewaltige materielle Mittel notwendig und sofort notwendig. Groß und Klein, Arm und Reich muß sich: erheben, um dem Rufe dieser Stunde mit der nötigen persönlichen Opferwiüigkeit zu folgen. — Fünftens brauchen wir Disziplin und Einigkeit Jetzt ist nicht die Zeit für haarspaltende Diskussionen. Jetzt ist die Stunde, da, zu handeln. Wir verlangen Vertrauen. Seid einig und treu, seid schnell, aber nicht ungeduldig, seid freie Männer, aber diszipliniert, fest wie Stahl. Von jetzt ab muß jede Versammlung von ‘.lüden ein praktisches Ziel haben, jede Rede, muß sich mit einem Projekt beschäftigen, jeder Gedanke muß ein Baustein zum Gebäude der nationalen Heimstätte sein. — Das sind die Richtlinien für Eure Arbeit heute. — Dr. E. W. Tschlenow. N. Sokolow. Dr. Ch. Weizmann." - AnläßEch der englischen Palästina-Erklärung hat das Provisorische Exekutiv-Kom i t e e der amerikanischen Zionisten in New-York folgende Kundgebung an die amerikanischen Juden erlassen, aus der wir entnehmen: - Mit der Deklaration der englischen Regierimg, die sich zugunsten einer Heimstätte für das jüdische Volk in Palästina ausspricht, beginnt eine neue Epoche ip, der jüdischen Geschichte . . . Die englische Deklaration ist eine öffentliche Anerkennung dessen, was das jüdische Volk von jeher als seine historische Aufgabe verkündete. Israels ewiges Streben nach Wiedergeburt in seinem Heimatlande soll vor unseren Augen Wirklichkeit werden . . . Nun ist der Weg offen für eine ganze Reihe von praktischen Schritten, die zum Wiederbesitz führen. Es müssen sofort alle Vorbereitungen getroffen werden, um von jeder Entwicklung den größtmöglichsten Nutzen für die natio-: nale Aufgabe zu ziehen. Kein .einziger unter uns darf sich durch Ungeduld abhalten . lassen! Ereignisse und Verhältnisse müssen mit nüchterner Klugheit beobachtet werden. Unsere ganze Kraft muß zusammengenommen werden.. Unsere Organisation muß gefestigt werden. Die ganze Summe unserer geistigen und materiellen Mittel muß nutzbar gemacht werden Das nationale Ziel muß als höchstes aller Ziele hingestellt werden! Daher ruft das P. E. C. allen Juden zu: Schließt Euch der zionistischen Organisation an! Jetzt ist der entscheidende Moment! — Wir brauchen Menschen zur Tat! Wir brauchen Mittel, damit die'.Tat eine wirksame sein soll! Alle Juden, ein jeder nach dem Maße seiner Kräfte, müssen ihren Anteil geben für die jüdische Erlösung und für die Wiedergeburt des jüdischen Landes. Presseschau In der „Zuk.unft“ vom 12. Jänner bespricht Maximilian' Harden i:>n einem Airäairz „Zwischen zwei Welten“ im Anschluß an die Einnahme Jerusalems durch die Engländer die Palästinaforderung des jüdischen Volkes. Er betont die Bedeutung der englischen Regierungserklärung zugunsten des Zionismus und die Sympathien des Präsidenten Wilson, der „durch die Wahl des Oberrichters B r a n d e i s in die. Vorderreihe der für die Friedensverhandlungen ausersehenen Männer bewiesen habe, daß er die Macht seiner Heimat für das JuÜenrecht aufbieten will“. Die Rede, die Papst Benedikt am Tage nach Weihnachten anläßlich der Einnahme Jerusalems gehalten, habe, lasse erkennen; daß der Zionismus auch von dieser Seite her keine Feindseligkeiten zu befürchten habe, da auch nicht die geringste Abweisung der zionistischen Ansprüche irgendwie in ihr angedeutet worden sei. Die Stellungnahme der Entente, zugunsten des Zionismus, „der Wunsch, Britanniä nicht allzu lange im Lichtschein des Judengesetzes glänzen, zu lassen, habe endlich auch die Berliner Regierung bestimmt, dem Zionismus in Huld sich zuzuneigen“. Allerdings genüge die Erklärung des Auswärtigen Amtes nicht und der Widerhall im Auslande werde den Erwartungen nicht entsprechen. Deutschland müsse seine Sympathie für den Zionismus viel stärker und ohne Einschränkung zum Ausdruck bringen, denn „es hat die Macht und-die Pflicht, den neuen Bau des Geistes von'Zion zu stützen". In der „Deutschen.Zeitung“ (Berlin) vom 15. Jänner schreibt der Geheime Regierungsrat Georg Fritz über „Deutsche Bedingungen für den Zionsstaat und völkische Selbstverwaltung der Ostjuden“. „Das Judentum macht sich bereit, den Zionsstaat unter englischer Oberherrschaft aufzurichten. Zwar wurde einst auf den Kongressen verkündet: „Der Zionismus erstrebt für das jüdische Volk die Schaffung einer öffentlichrechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina als freies, allen übrigen ottomanischen Völkern gleichgestelltes Volk unter, türkischer Oberhoheit“ — aber es ist den Juden nicht zu verdenken, wenn sie den veränderten Umständen Rechnung tragen und nun die Verwirklichung ihres Staatsplanes unter britischer Oberhoheit suchen. Wir -verdenken es der völkisch gerichteten Judenheit auch nicht, daß bei dieser Gelegenheit ihre Neigung zu England-Amerika offenen Ausdruck findet Die Zionisten, auch soweit sie das deutsche Gastrecht genießen, sich aber nicht in unsere völkischen Angelegenheiten mischen, schätzen wir höher "als denjenigen Teil des international gerichteten Judentums, der etwa im „Berliner Tageblatt“ seine deutschfeindlichen Instinkte und Gesinnungen bekundet Das kann uns aber, nicht hindern, die Gründung des Zionstaates allein aus dem Gesichtspunkte deutscher Zweckmäßigkeit zu betrachten. Zu fördern''sind die zionistischen, auf die Errichtung eines der türkischen Oberhoheit unterstelltem jüdischen Staats wiesensin Palästina geriohtatten- Pläne.-' Voraussetzung > hierfür ist aber die W/iedereröberung Palästinas. Denn aus den angeführtem Gründen können wireinen .Zionstaat unter britischer Oberhoheit oder Kontrolle nicht dulden; auch kein der Aufsicht der Mittelmächte entzogenes, von der internationalen Judenheit abhängiges Palästina, das in unmittelbarer Nähe der wichtigsten Straße des Weltverkehrs zu einem Herde von Machenschaften und feindlichen Verschwörungen gegen unsere weit- und handelspolitischen Interessen sich entwickeln würde. Unsere Bedingung muß lauten: Der Zionstaat wird unter türkischer Oberhoheit und unter der Aufsicht der Mittelmächte stehen oder er wird nicht ins Dasein treten.“ *. Schweizer stimmen zum Zionismus. Das Jüdische Korrespondenzbureau , in Bern hat an einflußreiche Schweizer Gelehrte eine Umfrage über folgende drei Punkte gerichtet: 1. Ist es wünschenswert, zur Lösung der jüdischen Frage in Europa eine autonome jüdische Gemeinschaft in Palästina für jene Juden zu gründen, die sich den europäischen Völkern ' nicht assimilieren können oder wollen? 2. Ist Ihrer Meinung nach die jüdische Kolonisation in Palästina, vom politischen und wirtschaftlichen Standpunkt aus durchführbar und ist der gegenwärtige Zeitpunkt der Verwirklichung günstig.? 3. Glauben Sie, daß das jüdische Zentrum in Palästina der Verbreitung europäischer Kultur im Orient dienlich und für eine Entwicklung des Wirtschaftslebens im Orient nützlich sein kann? Von den zahlreich eingelaufenen Antworten seien u. a. erwähnt 'die voibehaltlos günstigen des bekannten Verfassers der „Sexuellen Frage“ August F o r e 11, dies Theologen Prof. M a rti in Bern, des Schweizer Historikers Proi. Tobler in Bern und des Prof. E. Hor i m an nK r ayer in Basel. * .Ueber 'die Zukunft Palästinas macht sich;.in der französischem Presse eine interessante Umwälzung der Ansichten bemerkbar., Vor kurzem, das heißt bis zttm -Vordringen der englischen Streitkräfte in Palästina, schien die französische öffentliche * Meinung ent- Jeder Zionist muß die Jüdische Zeitung haiten!