Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 12 (1918)
- Issue
- 3 (18.1.1918)
- Date
- 1918-01-18
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 JÜDISCHE ZEITUNG Nr. i3 Aus der jüdischen Welt 7.igHmnmng der italienischen Regierung zu Ballours Erklärung über den Zionismus. Dem Jüdischen Preßbureau in Stockholm wird aus Washington telegraphiert: Der italienische Gesandte in Washington veröffentlichte einen Brief in der jüdischen Presse, in dem er mitteilt, daß die italienische Regierung sich vorbehaltlos der Erklärung des englischen Außenministers Balfour in Bezug auf die Errichtung eines nationalen Heimes für das jüdische Voik in Palästina änschÜcß^« Resolution amerikanischer Rabbiner. Das Jüdische Pressebureau in Stockholm veröffentlicht folgendes Telegramm aus New-York: Die Konferenz amerikanischer Rabbiner orthodoxer Richtung faßte einstimmig eine Resolution, die sich für die Errichtung einer jüdischen Heimstätte in Palästina ausspricht. Die Konferenz beschloß, eine Petition an den Präsidenten Wilson und an den Kongreß in Washington zu richten, in der die-jüdischen Forderungen zum Friedenskongreß begründet werden sollen. Die Konferenz fordert alle orthodoxen jüdischen Organisationen zum Anschluß an die zionistische Organisation auf. Jüdische Botschafter. Lord R e a d i n g (Sir Rufus Isaacs) wurde zum High-Commissioner für Washington ernannt. Auch der neue russische Botschafter in London Litwinow ist Jude. Er lebte seit vielen Jahren in England als Angestellter eines Verlagshauses. Nach den Vereinigten Staaten sind England und Rußland die ersten europäischen Großmächte, die Juden auf solche Posten senden. Ueber die Aufgaben der Konstituante hielt Dumaabg. Fried mann, der im Wahlbezirk Witebsk als erster Kandidat für die Konstituante gewählt wurde, eine Rede, in der er il a. ausführte: „Was die Agrarfrage betrifft, seien die Juden, bis auf einen kleinen Teil, infolge der judenfeindlichen zaristischen Gesetze nur in geringem Maße von ihr unmittelbar berührt Die Hauptaufgabe der jüdischen Abgeordneten der Konstituante werde darin bestehen, an der ge* rechten Lösung der nationalen Fragen mit allen Kräften mitzuarbeiten. Mehr als hundert verschiedene Vclksstämme wohnen in Rußland, von denen viele jetzt mit territorialen Autonomieforderungen hervortreten, von deren Erfüllung das Los der jüdischen Bevölkerung im russischen Reiche abhängt Aus diesem Grunde müsse das Hauptaugenmerk darauf gerichtet sein, daß die Grundsätze der russischen Konstituante den Juden eine nationale und kulturelle Autonomie sichern.“ Dr. Josef Klausner, der Redakteur des „Haschiloach“, wurde vom Professorenrat der Odessaer Frauenuniversität zum Dozenten für jüdische Geschichte und Orientkunde ernannt Der Zionismus in der Schweiz. Am 9. Dezember fand im Bürgerhaus in Bern eine Sitzung des Landeskomitees des Schweizerischen “Zionistenverbandes statt Den Vorsitz führte der Präsident des Landesverbandes, Herr Dr. Camille Levy -Biel. Die Verhandlungen, waren den laufenden zionistisch-politischen Fragen gewidmet Es wurde beschlossen, eine der gegenwärtigen Aktualität der Pa'ästänafrage angemessene Propaganda zu entfalten. Der Präsident teilte mit, daß die vom Landesverband unternommene Sammlung zugunsten der notleidenden Juden in Palästina bisher nahezu Frs. 20.000 er- Ueuoii i,m. Sitzung des Zionistischen Zentralkomitees Pole:'.;', Am 2. erd 3. Dezember fand in Warschau ci-.’.e -Picaarsi’.zur.i: des Zionistischen Zentralkomitees für P-.iea unter Beteiligung von Mitgliedern der Provinz statt Es wurde endgültig die Gründung ch-.vs Generalsekretariats für die Zionistische C; „miisaüon in Polen mit Herrn S. Weizmann an der Spitze bestätigt Es wurde ferner die Gründung eines Preßbureaus beschlossen, das die jüdische und die polnische Presse mit Informationen über zionistische und allgemein-jüdische Angelegenheiten versehen soll Die Leitung der ganzen zionistischen Presse wurde Dr. Go11li eb übertragen. Die Sitzung beschäftigte sich ferner eingehend mit der Stellung der Zionistischen Organisation zur polnischen Landespolitik und der Taktik zur Sicherung der jüdischen nationalen Forderungen in Polen. Es wurde eine Reihe wichtiger Beschlüsse gefaßt und auch die Frage der zionistischen Schulpolitik ausführlich behandelt, für die die Grundlagen ausgearbeitet wurden. Von den Gemeindewahlen in Polen. Aus verschiedenen Städten Polens wird gemeldet, daß die Wahlen zu den jüdischen Gemeinden zugunsten der Zionisten ausgefallen sind. So wird aus Kali s c h berichtet, daß dort die Zionisten einen glänzenden Sieg errungen haben. Von den vier gewählten Gemeindevertretern sind zwei Zionisten (S. Sander und W. Pfeifer), einer Misrachist (S. Friede) und nur einer ein nicht zur „Agudath-Haorthodoxim“ gehörender Orthodoxer (S. Kohn). Weder die Assimilation noch die „Agudath-Haorthodoxim“ konnte einen Kandidaten durchsetzen, obwohl besonders die letztere eine lebhafte Wahlagitation betrieb. Die am 3. Dezember durchgeführten Wahlen in Stawiski führten ebenfalls zu einem vollen Sieg der Zionisten. Der gesamte neugewählte Gemeindevorstand besteht aus Zionisten. Es wurden gewählt: S. Friedmann, J. Orlinsky, J. AL Silberstein und Dr. Katz. Auch sämtliche Ersatzmänner sind Zionisten. Auch aus B lasch kl wird telegraphisch gemeldet, daß der Wahlkampf mit einem vollständigen Sieg der Zionisten endete. In Ostrolenka errangen die Zionisten ebenfalls einen Sieg, indem ein Zionist (J. T, i t o r), ein Nationalist (J. Soka) und zwei Unparteiische gewählt wurden. Das erste jüdische Gymnasium in Polen. Dem jüdischen Mittelschulverband in Konin wurde amtlich die Erlaubnis zur Eröffnung eines achtklassigen: jüdischen Gymnasiums erteilt Direktor ist der jü’dlschnationale Stadtverordnete Russak. Beileidskundgebung der zionistischen Organisation zum Tode Mendeies. Das Aktions-Komitee hat an die Hinterbliebenen von Mendele Mocher Sforim folgendes Kondolenztelegramm gerichtet: „Das Aktionskomitee übermittelt Ihnen sein tiefstes Beileid. Der Tod des unvergeßlichen Altmeisters unserer Volksliteratur ist ein schweres nationales Unglück. Mögen Sie Trost finden in dem Bewußtsein, daß der große Mendele die Morgenröte der Befreiung seines Volkes noch mit eigenen Augen sah. Warburg.“ Hilfswerks-Landesversaramlung in NewYork - Mehr als 1100 Delegierte von allen Teilen Amerikas waren als Vertreter der Einsammlungskomitees am 28. Oktober in der Spanischen und Portugiesischen Synagoge in New-York versammelt Die wichtigste Frage, die den De3egierten auf dieser Sitzung vorgelegt wurde, war der Vorschlag, eine Deputation von 10 Mitgliedern an Präsident W i 1 s o n zu entsenden, um ihm die schreckliche Notlage in Polen und Litauen zu schildern und bei ihm die Ausdehnung der Tätigkeit der Belgian Relief Gommission auf diese Länder zu erwirken. Zu Mitgliedern der Deputation wurden gewählt: Elkus, Morgenthau, Oskar Strauß, Julius Rosen wald, Julian W. Mack, Schiff, Louis Mars hall, Alexander Kahn, Cyrus Adler, Otto Rosalsky und Felix Warburg. Herr Felix M. Warburg, der während der Sitzung den Vorsitz führte, berichtete über die bisher geleistete Arbeit der Einsammlungskommissionen, die seit Ausbriich des Krieges 9 Millionen Dollars aufgebracht haben. Ferner berichteten: Herr Mar sh all über die Tätigkeit des Jewish Relief Comitee, Herr Kamaiky über die Arbeit des Central Relief Comitee und Herr Alexander Kahn über Poepie's Relief Comitee. — Ueber die Verteilung der Gelder gab Herr Albert Lucas, Sekretär des Joint Distribution Comitees, Auskunft. Zusammen seien bisher beinahe 9 Millionen Dollars ausgegeben worden. Davon entfielen auf die verschiedenen Länder: 2,6 Millionen auf Rußland, 3 Millionen auf Polen und Litauen, 1,6 Millionen auf Galizien, 1 Million'auf Palästina, 400,000 Dollars auf die übrigen Teile des türkischen Reiches, 43.000 auf Alexandria (für die jüdischen Flüchtlinge aus Palästina), (34000 auf Griechenland, 76.000 auf Rumänien, je zirka 20.000 auf Serbien und Bulgarien und .£9,000 Dollars _ auf andere Länder. Ueber die Sammlungen für den „iO Millionen Dollar-Fonds“ teilte Herr Lucas mit, daß 3/4 Millionen Dollars gezeichnet und davon 75 Prozent bereits eingezahlt sind. Die Stadt New- York hat für diesen Zweck allein eine Million aufgebracht. Es wurde eine Resolution angenommen, in der die Arbeit des Joint Distribution Comitees und seines Vorsitzenden Herrn Felix M. Warburg auf das rühmendste anerkannt wurde. Die Annahme dieser Resolution war von mehreren Minuten dauernden Ovationen für Herrn Warburg begleitet. — Einen Gruß von den befreiten Juden •Rußlands brachte Herr Herman Bernstein, der betonte, daß die Juden eine große Rolle bei den: Aufbau von Rußland spielen würden, daß aber der Antisemitismus durchaus nicht vernichtet sei, so daß bei einem Mißlingen der Revolution die Juden die ersten Opfer sein würden. — In Anschluß an die Landesversammliuig fand an demselben Abend im Hotel Astor ein Bankett statt, an dem sämtliche Delegierte und noch andere jüdische Persönlichkeiten, zusammen mehr als 1200 Menschen, als Gäste Herrn Warburgs teilnahmen. Herr Warburg betonte in seiner Eröffnungsrede! die Bedeutung der Hilfsarbeit für die Stärkung des jüdischen Geistes im amerikanischen Judentume und kündigte die baldige Abschließung der 10 Miilionensammlung an. Weiter sprachen die-beiden früheren amerikanischen Botschafter in der Türkei Morgenthau und Elkus. Der efstere würdigte in wannen Worten die Verdienste des amerikanischen Konsuls Glazebrook, der in mehr als drei Jahren den annen palästinensischen Juden ein treuer und aufopfernder'Freund war. Konsul Glazebrook, der mit stürmischer Begeisterung begrüßt wurde, berichtete ausführlich über die Hilfsarbeit in Palästina. Nach Reden von Julius Rosen wald, Jakob Schiff, Oskar Strauß und vielen anderen schloß das glänzende Fest Wiederaufbau der zionistischen Organisation in Galizien Mit dem Wiederaufbau unserer Organisation wurde in Lemberg im Monat Dezember begonnen. In einer von zirka 500 Personen besuchten Vollversammlung wurde ein aus 32 Mitgliedern bestehender Arbeitsausschuß, in dem alle in Lemberg bestehenden Vereine vertreten sind, gewählt. Es stellt ihm das Kooptierungsrecht zu. Er wählte aus seiner Mitte eine politische, kulturelle, palästinensische, organisatorische und finanzielle Kommission. Sämtliche haben mit ihrer Arbeit schon begonnen. — Außerdem wurde auch ein Exekutivkomitee, welches die Arbeit der Kommissionen leitet und überwacht, gewählt. Es bestellt aus 12 Mitgliedern, und zwar einem Präsidium aus drei Mitgliedern, den Vorsitzenden aller Kommissionen, drei vom Arbeitsausschuß gewählten Mitgliedern und dem Vorsitzenden der N. F. K. in Lemberg. — Sofort nach der Organisierung in Lemberg wird mit dem Wiederaufbau in der Provinz begonnen werden, worüber schon Berichte vorliegen. Berichte und Korrespondenzen .Wegen Raummangel bitten wir um kurze Berichte. Wien, Die Verehrer des jüngstverstorbenen Nestors der hebräischen und jidischen Literatur Mendele M o c h e r - S f a.r i m, die an der am 6. d. im Continentalsaal stattgefundenen Gedenkfeier teilgenommen haben, werden dem sehr rührigen hebräisch-akademischen Verein „H at e c h i j a h“ für die Vermittlung dieses' Abends Dank wissen. Gerade die große Popularität und rückhaltlose Anerkennung, deren sich dieser Dichter erfreute, ließen es als geboten erscheinen, die Gedenkrede einem zu -übertragen, der imstand« ist, eine umfassende Charakteristik dieser grandiosen literarischen und menschlichen Gestalt zu geben. Dieser Aufgabe entledigte sich der Sprecher des Abends, Herr Dr. Sonne, in meisterhafter Weise. Mendele Mocher-Sfarim ist der Nestor der neujidischen und neuhebräischen Literatur, der zuerst das Ghetto in allein rein menschlichen Elementen und in seiner geistig bedingten Eigenheit gesehen und aus reinster Meisterschaft heraus in seinem Werke objektiviert hat. Dabei ist er Plastiker und Satiriker zugleich. Das Milieu macht ihn zum Satiriker. Er sieht hier eine geistige imaginäre und eine praktische scharfkantige Welt aneinanderstoßen. Seine Menschen, Söhrife des auserwählten Volkes sich fühlend, sind voller Findigkeit scheinbar praktischer Natur, die sich aber doch dem großen praktischen Weltzusammenhang nicht einfügt. Wenn sich aber auch in seinen reifsten Werken die Absicht zur Satire verrät, so kennt doch seine reine Künstlerschaft kein Unterstreichen und kein empfindsames Betonen. Er ist nicht sentimental, läßt Innerliches durch Aeußeres wirken; das gibt ihm die Möglichkeit der Plastik, eine großzügige, beglückende Naturanschauung. Die Welt seiner Schöpfungen ist unendlich reich. Kein Typus ist vergessen. Menschen und Gezeiten, Wiege und Grab, alles kreist in der Glorie seines Wissens um eine Welt, deren Spätlinge wir sind. Als Erster knetet er sich die Materie der Volkssprache, schafft sich in ihr Werkzeug und Form, bringt erstarrte, abgelegene hebräische Sprachformen in Fluß, Form und Inhalt werden eins. Vom Künstlerischen abgesehen, ist sein Werk eine Kulturtat: er hat eine verklingende Welt wieder erstehen lassen. — Die von tiefer Verehrung für den Verstorbenen und nicht minderem Verständnis für dessen vielseitiges Schaffen getragenen Ausführungen, würdenvon dem überaus zahlreichen Publikum mit Applaus belohnt. — Zum Schluß sei noch die Mitteilung des- Präses der „Hatechijah“ erwähnt, wonach dieser Verein beschlossen habe, einen Mendel efonds ins Leben zu rufen, mit der Aufgabe, alljährlich einen Preis zu bestimmen, der dem Autor der anerkannt besten literarischen Arbeit im Hebräischen zufallen solle. H. Wien. Dienstag, am 1. Jänner 1918, fand im „Cafe Straßenhof“ II. Taborstraße 24 a, eine Besprechung von Palästina-Freunden aller Parteischattierungen statt, in welcher Herr Zwi Cohen-Jaffa ein kurzes, aber inhaltsreiches Referat über die Kolonisation Palästinas erstattete. Der Erfolg des Abends war die Gründung einer „A c h u s a li - G r u p p e“ unter Leitung des Herrn Referenten, zum Zwecke der Förderung der Palästinakolonisation, welcher sofort über 60'Mitglieder beigetreten sind. — Mitgliederanmeldungen nimmt Frl. Ida Vogel im genannten Cafe jeden Abend entgegen; daselbst findet auch jeden Dienstag, halb 8 Uhr abends, Zusammenkunft aller Palästinafreunde statt. — Herr Cohen ist gerne bereit an der Bildung neuer ähnlicher Gruppen mitzuhelfen. Linz. Unser gesch. Gg. Rabl, Präs, des Zion. Volksvereins, wurde als zionistischer Vertreter in den Kultusvorstand kooptiert. Ankündigungen Zionistischer Zentral verein. Dienstag, 22. Jänner, 7 Uhr, findet im Restaurant Kessler, XX. Ranscherstraße 9, eine allgemein zugängliche Versammlung des „Zion. Zentralv.“, Sektion Brigittenau, statt. Herr Dr. Georg Weiner wird über „Palästina und die Juden“ referieren. Gäste willkommen. Der Alte Herrenverband hält seinen nächsten Abend iin Saale des Zionistischen Zentralbureaus, Zirkusgasse 33 (nicht im Cafe Marienbrücke). Gg. Dr. Sal. Kassner wird einen Vortrag über „Nationale Autonomie“ halten. Alle Gg. Gg., sind freundlichst zur Teilnahme an der Diskussion, die dem Referat folgen wird, eingeladen. In der „Urania“ spricht am 30. Jänner unser Gg. Dr. Siegfried B e r n f e 1 d über das Thema „Der Zionismus, seine Ziele und seine Bedeutung.“ AUg. jüd. Arbeiterverein Poale Zion, IL Stefaniestraße 2, Tür 34. Samstag, den 19. d., 8 Uhr, findet im Vereinslokale ein Vortrag unseres Freundes Dr. Heinrich Glanz über das Thema „Jüdische Geschichte“ statt. — Sonntag, den 20l d., 3 Uhr, findet eine Mädchen-Agitationsversammlung, aut welcher Genosse Rudel und Genossin AL Schorr referieren werden, Gesinnungsgenossen! Werbet für die Jüd. Zeitung neue Abnehmsrl