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Jüdische Zeitung · 1917-11-30 · 48 (30.11.1917) · p. Seite 3

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
11 (1917)
Issue
48 (30.11.1917)
Date
1917-11-30
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 48 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 3 jüdische zu einem Hochbetrieb der Produktion. Itu Interesse unserer Feinprodukte liegt es, daß das Bedürfnis danach im Orient wächst und da kann uns ein von Juden bevölkertes und mit Kapital und Unternehmungsgeist ausgestattetes Palästina mit der Zeit wirtschaftlich wertvoller w'erden als ganz Vorderasien. Wichtig ist das Eintreten deutscher Politik für die Judenfragc in Palästina in Bezug auf den Kampf mit England, das sich im Augenblicke der militärischen Eroberung zum Protektor des Weltzionismus gemacht hat, was ein politisch genialer Schachzug, aber eine Komödie war. Tatsächlich will England Palästina einfach erobern, um es als Glied in der Kette seines Orientprogrannns zu verwenden. Der ideale Zionismus würde durch eine englische Politik ein Ende nehmen, denn England würde das Land nur für die Juden der Ententevölker reservieren, wrohei es nicht mehr ein Mittelpunkt jüdisch-nationalen und jüdisch-kulturellen Lebens sein könnte. Wenn die Türkei Palästina wieder bekommt, so muß sie dem zionistischen Gedanken Rechnung tragen; eine Herrschaft des Panttirkismus w'äre das Törichteste. Aber die zionistische Bewegung ist auch vor zu großer Ungeduld zu warnen. Die Entwicklung unserer deutschen Regicrungsform in freiheitlicher Richtung gibt Gewähr, daß der Antisemitismus nicht zu einem Faktor unserer Politik werden wird und die Erkenntnis von der Bedeutung des Zionismus gibt Gewähr, daß die deutsche Politik diesen bei der Abrechnung des Krieges nicht vergessen wird. Dafür erwartet der Deutsche, daß seine jüdischen Mitbürger in gewohnter Loyalität deutsch'* * Politik treiben und sich nicht von englischen Verlockungen verleiten hissen. — Dem Vortragenden dankte lebhafter Beifall. (Münchner Neueste Nachrichten.) Die Juden im Bukowinaer Hausregimente Das k. k. iMinisterium für Landesverteidigung über die Haltung der Juden im 41. Infanterie-Regimente. — Die Hälfte der Offiziere und ein Drittel der Mannschaft von diesen Helden der Ost- und Isonzofroni sind Juden. Das tapfere 41. Infanterie-Regiment, das im Frieden seinen Standort in der Bukowina hatte und sich 'aus Landeskindern zusammensetzt, hat an allen Fronten hervorragend gekämpft. Unter den Helden des Regimentes befinden sich viele Juden und bekanntlich hat der erste Verteidiger der Bukowina. Oberst Maycrhofer, der Kom- Tnandant dieses Regimentes, der auf dem Schlachtfcldc den Heldentod fand, seinen jüdischen Offizieren wie auch der indischen Mannschaft für ihr außerordentlich tapferes Verhalten vor dem Feinde das ehrendste Zeugnis öffentlich ausgestellt. Nunmehr liegt auch in einer Zuschrift des k. k. Ministeriums für Landesverteidigung an den Abgeordneten Dr. Strauch er eine sehr bemerkenswerte Enunzistion über das tapfere Verhalten der Juden in dem Bukowinaer Hausregimente vor. Dieser rührige und bewährte Abgeordnete, der für jüdische Interessen unentwegt cintritt, hat sich anläßlich einiger Bcschwcrdefälle an das Ministerium für Landesverteidigung bewendet, welches mit anerkennenswerter Genauigkeit und Unvoreinbcnommenhcit die Beschwerden untersucht und fcstgestellt hat. daß nur ein vereinzeltes Verschulden eines Offiziers gegenüber jüdischen Untergebenen bestätigt wurde, gegen den die gerichtliche Strafamtshandlung deswegen cingeleitet worden ist. In der Zuschrift des k. k. Ministeriums für Landesverteidigung wird nun dieses Ergebnis der Erhebungen dem genannten Abgeordneten mitgctcilt und folgendes noch wörtlich hinzugefügt: sehen leitenden Männer ihre Arbeit irritiert fühlen, und eine neue englisch orientictre Bewegung würde, bei der großen Fähigkeit englischer Kolonisatoren, bald ans den Söhnen der hier angesiedellen Juden citysüchtige junge Leute machen, die nach Europa ebenso rasch rückwandern und ebenso rasch aus syrischen Bauernsöhnen westeuropäische Akademiker werden möchten, wie sich das als Folge der ganz-französischen Versuche der „Alliance Israelite“ mit erschreckender Schnelle ergab. Das zu vermeiden, strebt die Kulturpolitik des Zionismus durchaus nicht vorwiegend nach Bildung und keineswegs nach jener Ueberbildung, auf die der bewegliche Geist der Juden so schnell reagiert. Ist er auch von Natur kein Bauer mehr und bietet ihm auch Palästina nur sehr wenig Gelegenheit, sich ackerbauend zu betätigen, so ist er doch ein trefflicher Pflanzer und vermag bei dieser Arbeit der Hände seine Intelligenz besonders in der Organisation des Verkaufes zu nutzen. Schon lange haben diese Kolonien Absatz-Genossenschaften gegründet, eigene Schiffe gechartert, ihre Früchte und ihren Wein nach Liverpool verfrachtet, schon heut sind sie selbständig und nur für Schulen und einzelne Anstalten werden ihre großen Stiftungen noch in Anspruch genommen. Orte, die dem Türkischen Reiche früher 3000 Piaster Steuer zahlten, entrichten jetzt 300.000, die allgemeinen Steuern sind im letzten Jahrzehnt um 1Ö0. der Zehnte ist um 700 v. H. gestiegen, im Sandschak von Jerusalem stehen 7000 Araber im Lohne jüdischer Dörfer und ein einziges zahlte voriges Jahr eine Million Franken Löhne an arabische Arbeiter. Mit modernen Maschinen werden neue Methoden der Arbeit unter den umwohnenden Arabern verbreitet, Malariaherde ■ entgiftet, in Versuchs¬ .Von Interesse ist die Aeußerung des Kommandanten der Schützendivision, zu welcher das genannte Regiment gehört; er berichtet in diesem Punkte wörtlich; „Das Regiment hat sich, wie jederzeit, so auch neuerlich in der' 11. I s o n z o s c h 1 a c h t hervorragend g e s c h I a g e n, woran cliris tliche und jüdische Offiziere und Mannschaft de n gleichen Anteil haben. Gerade beim I n f a n t e r i c - Regime u t e 41, wo nahezu die Hälfte der Offiziere und fast ein Drittel der M annschaft de in mosaischen G 1 a ub e n angeboren, genießen die Juden eine ganz besondere Achtung. . . . Der Kommandant des Vorgesetzten Heeresgruppen- Kommandos hat sich mit diesen Ausführungen voll einverstanden erklärt. Wien, am 16. November 1917. Unterschrift.“ Insoweit die Zuschrift des k. k. Ministeriums für Landesverteidigung, in der von berufenster Seite amtlich der hervorragende Anteil der Juden an den ruhmreichen Schlachten bezeugt wird. Bekanntlich hat das 41. Infanterie-Regiment nicht nur am östlichen Kriegsschauplatz heldenmütig gekämpft; in den Isonzoschlachten hat es Wunder an Tapferkeit vollbracht und ist in den Heeresberichten des Generalstabes wiederholt besonders rühmend genannt worden. Es gereicht den Juden zur Freude und Genugtuung, daß von amtlicher Seite ihnen die gebührende Anerkennung nicht versagt wird. Sie ist um so höher anzuschlagen, als die Juden in der Bukowina ungeiähr bloß 12 Prozent der Bevölkerung, während unter den Offizieren des Hausregimentes die Hälfte, von der Mannschaft ein Drittel Juden sind. Hoffentlich tragen diese Zeilen dazu bei. das Vorurteil gegen die Juden zu beseitigen und bewirken, daß jene Verleumdungen fruchtlos bleiben, die eine antisemitische Hetzpresse und ihre gewissenlosen Gönner verbreiten. Insbesondere in den vom Feinde besetzt gewesenen Gebieten haben die Juden die größten Opfer für das Vaterland gebracht. Sie mußten Hans und Hof verlassen und sind wirtschaftlich ganz zugrunde gegangen. Ihr Hab und Gut war es hauptsächlich, das zerstört . worden ist. Und während ihre Familien in die Barackenlager wunderten und das bekannte ‘ .lammerdasein von Flüchtlingen führen mußten j starben ihre Söhne den Heldentod auf den j Schlachtfeldern. Dies muß endlich erkannt und i auch entsprechend gewürdigt werden. Dann wird ) die Flüchtlingshetze sofort aufhören und kein Mieterausnahmsgesetz begehrt werden. Es wäre deshalb hoch an der Zeit, daß von maßgebender^ Seite den antisemitischen Ausschreitungen einer gewissenlosen Presse endlich Halt geboten werde. Die Prophezeiung Friedrich N a u m a n n s, der geglaubt, daß der gemeinsame Schützengraben den Antisemitismus werde verschwinden machen, hat sich in Oesterreich nicht erfüllt. Im Gegenteil! Sogar in der Bukowina machen sich, bevor noch die Flüchtlinge heimgekehrt sind, antisemitische Allüren bemerkbar, wie sie in Friedenszeiten niemals gewagt und geduldet worden sind. Cavcant consules! Aus der jüdischen Welt Schutz der heiligen Stätten Palästinas. Der schweizerische israelitische Gemeindebund und der schweizerische Zionistenverband haben sich an den Nuntius Kardinal M a r c h e 11 i und an die deutsche Regierung gewendet, mit dem Ersuchen um Schonung der heiligen Stätten in Palästina und um Schutz für die dort lebende jüdische Bevölkerung. Von amtlicher deutscher Stelle ist folgende Zusicherung cingegangen: „Nach den vorliegenden Nachrichten von türkischer Seite ist bereits auf die Schonung der heiligen Stätten in Die jüdischen Bücher des Jahres 1. Sigmund Mayer, Die Wiener Juden, Kommerz, Kultur. Politik, 1700—1900, Brosch, K 7.—, Geb. K 10.— Ein Seilenstück zu den Memoiren der Glückei von Hameln. Hier hat einer jüdische Geschichte geschrieben — nicht vom Tisch des Gelehrten—sondern mitten heraus aus tiefstem Erleben. Und Sigmund Mayer, der heute 86jährige „jüul. Kaufmann“ weiß zu erzählen. Wie der spannendste moderne Roman liest sich sein 520 Seiten starkes Buch. 2. Nathan Birnbaum, Gottes Volk, in schönem Umschlag K 1.50 Eine Schrift, die Aufsehen erregen muß. Dr. Birnbaum trägt seine „neue Lehre“ vor. Wer nicht taub geworden ist in Juda, wird hier aufhorchen müssen, wird sich beugen müssen vor der Gewalt dieses flammendsten Predigerwortes. 3. Hugo Zuckermann, Gedichte, Zweifarbig gedruckt, in schönem Einband, K 3.60 Zuckermanns Lieder werden _ und müssen Nationaleigentum seines Volkes werden. Durch alle Buchhandlungen oder von R. Löwit, Wien, I., Rotenturmstr. 22 anstalten die besten Bedingungen der Pflanzungen studiert. Schwer und langsam vorzuberciten, dann aber mit glänzenden Resultaten zu bauen, ist das Los des Farmers in Palästina, und vergleicht man Bedingungen und Resultate dieser Küstenstriche mit jenen, die man als Sammelpunkte der Juden in Nord- und Ostafrika ins Auge faßte, so bleiben diese weil zurück hinter den Obstkulturen von Jaffa, hinter dessen schnellen Verbindungen mit den Häfen des nördlichen Mittelmeercs. Alles scheint, wirtschaftlich und ethnographisch, für diese Wahl des Sammelpunktes zu sprechen. Und doch ist es nicht dies allein. Mag immer der moderne Zionist sielt seines rein wirtschaftspolitischen Oedankenganges mit jenem Stolze rühmen, mit dem der heimliche Romantiker in diesen Zeiten sein Herz zu panzern trachtet, es bleibt ein Rest von irrationalem Fühlen, das diese Führer den Auswanderer gerade an diese Stelle der Welt zu ziehen drängt. Auch mit der Aehnlichkeit der Sprachen, die sie mitbringen und die sie antreffen, mit diesem Hinweis auf die gemeinsamen Wurzeln des Arabischen und des Hebräischen wäre, selbst geistig, noch nicht viel erklärt. Ein uralter, halbverwitterter Rasseninstinkt ist es. der die reifsten und reinsten Vertreter dieses Volkes mit mächtigen Impulsen immer aufs neue an die Küste treibt, von der vor zwei Jahrtausenden die Väter vertrieben wurden, und indem alle politischen und ökonomischen Programme dieser Vereinigung aus dem klaren Lichte der Zahlen und der Vorteile immer wieder in die Dämmerung solcher Urgefiihle zurückführen, scheint die Bewegung vor einer Ernüchterung geschützt und immer neu durch jenes heimliche Pathos geadelt, das dem stürmischen und gläubigen Wesen ihres Gründers das Herz brach. Jerusalem, die auch bei den Mohammedanern Verehrung genießen. Bedacht genommen worden und soweit es die militärischen Interessen nur irgendwie gestatten, wird man der Bevölkerung jede Rücksicht angedeihen lassen. Selbstverständlich haben die Juden dabei keinerlei - Ausnahmemaßregeln zu befürchten.“ Ein gleicher Schritt ist auch bei der englischen Regierung unternommen worden. ä Eine Depesche des schweizerischen Zionisten- verbandes an die englische zionistische Organisation lautet: „Der schweizerische Zionistcn- 1 verband nimmt von der Erklärung der englischen Regierung, die Errichtung einer nationalen Heimstätte in Palästina für das jüdische Volk betreffend, mit größter Genugtuung 2 zur Kenntnis, beglückwünscht Sie herzlich zu iliirem großen Erfolge, besonders da die Erklärung des Ministers B a l f o u r an Lord Rothschild sich mit unserem zionistischen Programm deckt, und hofft, daß alle Völker dieses Programm unterstützen und sich so gleichermaßen die tiefempfundene Dankbarkeit des jüdischen Volkes sichern werden.“ Zwangwill über Balfours Zusage. Der Londoner Mitarbeiter des „Handelblad“ hatte eine Unterredung mit Israel Zangwill über Balfours Brief an Lord Rothschild. Zangwill meinte. Palästina sei zu klein, um für die 13—14 Millionen Juden, die auf der Erde lebten, eine gemeinsame Heimstätte werden zu können. Aber selbst wenn man das Ziel niedriger stecke und nur einen Teil der Judenschaft dort ansiedeln wolle, ergäben sich Schwierigkeiten. Eine geschlossene Volksgemeinschaft — auf die allein komme es an — könne sicii neben der gegenwärtig überwiegenden arabischen Bevölkerung nicht entwickeln: also müsse man die Araber auskaufen und anderswo ansiedeln. Davon spreche aber Balfour nicht: im Gegenteil, er hebe ausdrücklich hervor, daß den Rechten der gegenwärtig in Palästina lebenden nichtjüdischen Gemeinschaften kein Abbruch geschehen dürfe. Uebrigens verliere seit der russischen Revolution, die Millionen Juden- Freiheit gebe, der bisher wichtige Gesichtspunkt, daß die neue jüdische Heimat zugleich ein Zufluchtsort für die unterdrückten Stammesgenossen sein müsse, beträchtlich an Bedeutung. Das jüdische Problem habe sich durch die Vorgänge in Rußland jetzt wesentlich vereinfacht. England und die Besiedlung Palästinas. Im englischen Unterhause fragte am 14. November der Abgeordnete King, ob im Falle der Errichtung eines nationalen Heims für die Juden in Palästina beabsichtigt sei, Juden feindlicher Staatsangehörigkeit zu erlauben, Bürger des Nationalheims zu werden. Balfour erwiderte, cs sei zu früh, eine Erklärung in der Frage abzugeben. Die Auüzionisten ln England. Die Erklärung der englischen Regierung für ein jüdisches Palästina hat den Assimilanten Anlaß zur Gründung eines amizionistischen Verbandes gegeben. Gegner der zionistischen Besiedlung Palästinas. Die Blätter berichten, daß alle Syrer, Muselmanen oder Christen einer Teilung Syriens im zionistischen Sinne feindlich gesinnt sind. Sic sind entschlossen, die Integrität Syriens um jeden Preis zu verteidigen und machen geltend, daß Palästina nur ein Teil Syriens ist. Sie sind der Ueberzengung, daß die Ententemächte ihre durchaus nationale Anschauungsweise anerkennen und ihnen Beistand leisten werden, tun ein ungeteiltes arabisches Reich zu bilden, damit jede Gefahr für Ruhe und Frieden im Orient beseitigt ist. Der polnische Ministerpräsident Jan von Kueharzewski äußerte sich in einer Unterredung mit einem Berichterstatter der „Frankfurter Zeitung“: „Mein Standpunkt ist ja bekannt. Es ist eine Ironie des Schicksals, daß ich. der gegen einen Antisemiten zum Abgeordneten-Kandidaten aufgestcllt wurde, des Antisemitismus' bezichtigt w'ard, freilich von den jüdischen Nntionalisten. Es kann von mir nicht verlangt werden, daß ich, Gegner jed- 1 l!, t

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