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Jüdische Zeitung · 1917-11-09 · 44-45 (9.11.1917) · p. Seite 5

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
11 (1917)
Issue
44-45 (9.11.1917)
Date
1917-11-09
Page
Seite 5 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 44/45 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 5 \ . Judenhetze in England. In der letzten Zeit hat die „Momituc Post“ eine Reihe von Artikeln veröffentlicht, die mit den Auslassungen der „N o w o j e Wremia“ vom vorrevolutionären Zeitalter in Rußland ganz gut konkurrieren könnten. Durch die Ereignisse in Rußland mißgestimmt, findet es die „Morning Post“ in ihrer Nummer vom 9. d. M. für angebracht, den Sowjet als eine Gruppe von jüdisch-deutschen Agenten darzustellen, deren deutsche Namen ihre Gesinnung schon von fern verraten, die aber auch mit deutschem Golde operieren und nur deswegen ihre unheilvolle „demokratische“ Tätigkeit entfalten, um die russische Armee zu zersetzen und sie der Sache der Alliierten zu entfremden. Das Märchen von der jüdischen Abstammung Lenins wird wieder aufgetischt und die ganze russische revolutinärc Demokratie als eine Intrigue deutscher Juden hingestellt. Die biedere „Morning Post“ sehnt ohne jede Scheu das alte Regime herbei und verheißt den Juden die volle Vernichtung in Rußland und den Zusammenbruch der Sympathien für die russischen Juden in der ganzen Welt, die sich überzeugt habe, daß die von der früheren russischen Regierung gegen sie vorgebrachten Anklagen wahr und gerecht seien. Anderseits ärgert sich die „Morning Post“ außerordentlich über die indische Politik des Ministers M o n t a g u. wirft ihm seine jüdische Abstammung und auch seine aus dieser erklärbare Politik der rein egoistischen Interessen vor. die er auf Kosten des britischen Staates und seiner Sicherheit durchsetzen wolle. Das Blatt schwenkt das rote Tuch, indem es vor einem indischen Irland warnt, das durch die Schuld Montagus und seiner Freunde in der Regierung und der Judenpresse herbeigeführt werden könnte. Nachdem die „Morning Post“ schon öfter durch solche Angriffe auf einzelne und Gruppen von Juden ihre wahre Gesinnung gezeigt bat. würde man sich über ihre letzten sinnlosen Anschuldigungen nicht wundern, wenn sie nicht gerade in einer Zeit erfolgten, wo die russischen Juden in England in Massen in in die englische Armee eintreten und wo die amerikanischen Juden ihre größten Anstrengungen für die Sache Amerikas und der Alliierten machen. Es scheint, als ob die „Morning Post“ vor einem zu innigen Anschluß der Juden an die Politik der Entente mit allein Nachdruck warnen wollte. (J. K.) Die Einberufungen in Amerika und die Juden. Die nun auch in Amerika begonnenen Einberufungen zur Armee haben wie seinerzeit in England die Schnellheiraten zur Folge, die in Amerika mit der bekannten Geschwindigkeit vor sich gehen, weil die Vermählten nicht einberufen werden. Obwohl nun alle Nationen sich um den Traualtar drängen, findet es die englische Presse bequem, gegen die Juden ioszuziehen. wobei sie wohl-' weislich alle die vielen jüdischen Männer verschweigt. welche sich freiwillig zum Militärdienst melden. Die jüdische Presse nimmt aber dort auch kein Blatt vor den Mund, sondern behandelt die Angreifer wie sich‘s gebührt. Die Liga der kleinen Nationen. Sämtliche amerikanischen Verbände zum Schutze der kleinen Nationen haben'sich zu einer Liga zusammengeschlossen. Diese neue, pazifistisch orientierte Organisation steht unter der Leitung des bekannten amerikanischen StaatsmannesFrederick C.Ho w e. der gegenwärtig die Stelle des Einwanderer-Kommissärs der amerikanischen Staaten bekleidet. Die in der Liga vertretenen Länder und Nationen um- ' fassen: Albanien, Syrien. Finnland. Belgien. Griechenland. Elsaß-Lothringen. Dänemark, Palästina (Zionismus), Indien, Irland. Korea. Litauen, Norwegen. Polen. Rumänien, Rußland. Schweden, die Schweiz, Transvaal, die Ukraine usw. Die Liste der einzelnen Vertreter enthält eine lange Reihe völlig ernst zu nehmender Namen, die in der inneren Politik Amerikas bereits vielfach hervorgetreten sind. Angesichts der Umstände, daß alle die genannten Nationen in der Bevölkerung der Vereinigten Staaten zahlreich vertreten sind, sieht man dem-angekiindigten dreitätigen Kongreß der Liga, der in New-York stattfinden soll, mit großer Spannung entgegen. Sokolow und Achad-Haam. Auf einem in London zu Ehren des Gg. Nahum Sokolow veranstalteten Abend kam es zu einer interessanten Aussprache über die zionistische Arbeit, an der Achad Haain wie gewöhnlich die diplomatische Arbeit bekrittelte, indem er sie als wertlos und nicht zum Ziele führend bezeichnet hat. Dabei gab er aber gleich zu. daß er sich in solchen' D i n g e n n i c h t auskenne. Er zieht jedenfalls die Vorbereitungsarbeiten in Palästina, wie sie in den letzten Jahren verrichtet wurden, vor. Sokolow zog in seiner politischen Klugheit es vor. die gemütliche Stimmung des Abends nicht zu stören und beschränkte sich, in seinem Schlußwort nur allgemein auf seine Tätigkeit hinzuweisen, indem er versicherte, er könne momentan nur drei Worte sagen: „Ich bin zufrieden.“ An einem zweiten Abend, der dem Abschied des Gg. Boris Goldb.e r K galt, der nach Rußland geht, um das zionistische Zentralkomitee zu reorganisieren, sprach Sokolow u. a. über den Kongreß. Er erinnerte daran, daß die Zionisten mit einem bestimmten Programm zum Kongreß gehen, von dem nicht abgelassen werden dürfe. Er riet auch, sich nicht mehr auf Vermittler zu verlassen, sondern selbst überall einzugreifen und die nötigen Verbindungen zu suchen und zu finden. _ Der Sohn des Mendel Beilis — türkischer Offizier. Zwei junge Absolventen des hebräischen Gymnasiums in Jaffa, die mit Erlaubnis Djemal Paschas nach Rußland fahren durften, erzählen viel Interessantes über die Zustände in Palästina. Vor allem erfährt man von ihnen, daß die von der Ententepresse ausgestreuten Gerüchte über Gewaltsamkeiten während der Evakuierung ganz falsch sind. Unter den Evakuierten aus Jaffa befindet sich auch Mendel Beilis. Sein Sohn Pinke ist nach Beendigung des Jaffaer Gymnasiums in die türkische Armee eingetreten, wo 'er jetzt als Offizier dient. Eröffnung der jüdisch-pädagogischen Kurse. Die Einschreibungen zu den jüdisch-pädagogischen Kursen haben ein sehr erfreuliches Interesse an dieser neuen Institution gezeigt, so daß die Kurse mit ungefähr hundert Hörern Sonntag, den 11. November eröffnet werden. Die feierliche Eröffn u n g findet an diesem Tage um 10 Uhr vormittags in den Räumlichkeiten der Frau Anitta Müllerschen Institutionen, Wien II. Praterstraße 17, statt. Herr Reg.-Rat Prof. Dr. Wilhelm Jerusalem und Herr Dr. Siegfried B e r n f e 1 d werden über Ziel und Zweck der Kurse sprechen. Montag, den 12. November, iK7 Uhr abends beginnen die regulären Vorlesungen. Zu den Kursen haben nur die Besitzer von Teilnehmerkarten Zutritt. Dieselben werden den vorgemerkten ordentlichen Hörern Sonntag nach der Eröffnung, den' vorgemerkten außerordentlichen Sonntag von 3—4 . Uhr nachmittags, II. Zirkusgassc 33, 1. Stock, ausgefolgt. Aufruf! Wir ersuchen alle Kollegen und Kolleginnen um eine möglichst große Propaganda für_das Palästinahilfswerk, sie mögen in allen Städten, in denen bis nun keine Palästinakomitees bestehen, solche gründen, uns Vertrauensmänner nominieren, damit wir ihnen die entsprechenden Materialien einsenden können. Wir haben uns vorgesteckt, den Palästinagedanken zu fördern und möglichst viel Geld dem Hilfswerke zuzuwenden; wir ersuchen daher alle unsere Vertrauensmänner, diesen beiden Aufgaben nach Tunlichkeit nachzukommen. Die Kollegen, die im Felde stehen und für das Palästinahilfswerk sammeln möchten, wollen sich brieflich an uns um unsere Sammelbögen wenden, diejenigen Personen aber, die persönliche Instruktionen wünschen, können solche jeden Donnerstag zwischen 7—8 Uhr abends während unserer Amtsstunden erhalten. Die Gelder sind durch das Postsparkassenkonto „Zion 47.115“ mit Vermerk „Arbeitsgruppe“ einzusenden. Arbeitsgruppe der jüdischen Studentenschaft, Wien, II. Z i r k u s g a s s e 33. | Abraham Tabak | Der akademische Verein jüdischer Mediziner hat dieser Tage einen schweren Verlust erlitten. Eines seiner Mitglieder, cand. med. Abraham Tabak, der sich um die Gründung des Vereines besonders verdient gemacht hat, ist in der Blüte seiner Jahre dahingegangen. Am 19. Oktober gaben ihm viele seiner Kollegen unter Führung des Ausschusses des obgenannten Vereines das letzte Geleite. Nach den kantoralen Funktionen trat das Ausschußmitglied cand. med.. Israel Czaczkes vor das offene Grab, um dem verewigten Kollegen Worte des letzten Grußes zu spenden. Unter dem Eindruck dieser Worte wurde sofort von den Kollegen eine Sammlung eingeleitet, die eine Summe von K 100.— ergab; diese Summe wird für die Pflanzung von 10 Oelbäumen auf den Namen des Verewigten verwendet, um ihm für die Zukunft ein Ehrenandenken zu sichern. Zionisten im Felde. Einj.-Freiw. Zgsf. Kdttasp. Hermann Habermann, der im Juni v. J. auf dem Kriegsschauplatz 'den Heldentod erlitten hat, wurde mit der silbernen Tapferkeitsmedaille I. Klasse ausgezeichnet. — Lt. Salomon Rosenbaum, Mitglied der „Zirei Zion“ in Sniatyn, der „Hatchijah“ in Wien, Besitzer der bronzenen Tapferkeitsmedaille (zweimal) und des Karl-Truppenkreuzes, ist am 4. September d. J. an der Spitze seines Zuges nach siebenmaligem Stürmen einer Anhöhe bei Czernowitz gefallen. — Lt. Naitali Rosenkranz aus Sniatyn, Besitzer der silbernen Tapferkeitsmedaille, der bronzenen Tapferkeitsmedaiile und des Karl-Truppenkreuzes, seit 17 Monaten ununterbrochen zum zweitenmal im Felde, wurde' bei dem gleichen Sturmangriff wie Lt. Rosenbaum schwer verwundet und ist der Verwundung erlegen. Er wurde für die kühne Führung seiner Kompagnie vom Kommandanten belobt und zu einer hohen Auszeichnung eingegeben. — Feuerw. Kdttasp. Bruno Altbach (Hatikwah-Lundenburg), kürzlich mit der großen „Silbernen“ ausgezeichnet, wurde zum Fähnrich befördert. — Stud. med. Klemens Wasserbrenner aus Lemberg und stud. jur. Friedrich Dyk aus Buczacz geben bekannt, daß sie sich in italienischer Gefangenschaft befinden. Freunde und Kameraden werden um die Einsendung von Büchern gebeten an die Adresse: E.-F. Korp. Klem. Wasserbrenner, Casale Altamura (Bari) 3. Reparto. Briefkasten Ein Abonnent Wir bedauern, Ihr Feuilleton nicht verwerten zu können. 7. Kriegsanleihe Kein Bargeld nötig. Kriegsanleihe -Versicherung mit kostenlosem Einschluss des Kriegsrisikos u. äusserst ■— billigen Prämien. — Zahlbar nach 12 Jahren oder sofort bei früherem Ableben. Keine Zuschläge! Keine Gebühren! Keine ärztliche Unter- .suchung! .. .. Auch für im Felde stehende i.— — Personen. ... Wegen Auskünften und Prospekten wende man sich an die Geschäftsstelle rar Kriegsanleihe- Versicherungen des „ANKER“ Wien, II., Zirkusgasse 33 (Zionistisches Zentralbüro). Telephon 45.325. Für Subagenten günstige Verdienstgelegenheit Die Kriegsanleiheversicherung ist die vorteilhafteste Verbindung von Kriegsanlcihezeichnnng mit einer kurzfristigen Versicherung auf den Ab- und Erlebensfall, die es Jedermann ermöglicht, eine dringende Pflicht gegen sich selbst und seine Angehörigen zu erfüllen und gleichzeitig dom Staate zu dienen. Die besonderen Vorteiie dieser Einrichtung sind; Eine ärztliche Untersuchung * ist bei einer Kriegsanleihezeichnung bis K 5000 — nicht nötig, falls die zu versichernde Person nicht vor dem 1. Mai 1862 geboren ist, also das üä. Lebensjahr noch nicht überschritten bat. Eine Anzahlung ist nicht zu entrichten, vielmehr sind nur laufende Prämien in ganz-, halb-, vierteljährlichen oder monatlichen Raten zu bezahlen. Empfohleu wird nach Tunlichkeit halbjähi liehe Zahlung. Die Versicherung gilt vom ersten Tage an ohne jede Einschränkung, also insbesondere für den Fall des Todes im Kriege, gleichviel ob sich die zu versichernde Person im Hinterlande, in der Etappe oder an der Front befindet. Neben der Prämie sind während der Laufzeit der Versicherung keine Nebengebühren, insbesondere auch keine Zuschläge für Unanfechtbarkeit oder . Kriegsgefahr zu entrichten. Die 2 prozentige staatliche Versicherungsgebühr (Stempel) trägt der „Anker“. Adch Kinder sind versicheiungsfilhig mit der Massgabe, dass bei deren Tod vor Vollendung des 14. Lebensjahres an Stelle der versicherten Kriegsanleihe die eingezahlten Prämien rückvergütet werden, Auf da3 Leben eingerückter Personen kann die Versicherung auch von der Ehegattin oder anderen nahen Verwandten eingegangen werden. o o o Die Prämien (abzüglich Zinsenüberschuss ans der Kriegsanleihe) betragen für je K 1000.— Nominale versicherter Kriegsanleihe falls sie bezahlt werden: jährlich halbjährlich vierteljährlich monatlich K 66.— K 33J5Ö KT7720 Aus diesen kurzen Ausführungen geht hervor, wie sehr die Kriegsanleihe-Versicherung es ermöglicht, ohne Anzahlung mit kleinsten Raten Kriegsanleihe iu zeichnen, damit dem Staate zu dienen und überdies unter den günstigsten und hequemsten Bedingungen eine Versicherung auf den Ab- und Erlebensfall abzuschließen. Juden Österreichs! Zeichnet Kriegsanleihe!

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