Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 11 (1917)
- Issue
- 43 (2.11.1917)
- Date
- 1917-11-02
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 (JOöISgaE 2EIXUEK3 Nr. 43 Tagung der Jüdischen Jugend Die Aussprache der jüdischen Jugend, über die in der letzten Nummer der „Jüdischen Zei-. tung“ ' bereits kurz berichtet war, sollte ' den verschiedenen jüdischen Jugendgruppen die Möglichkeit geben, einander in den Grundsätzen, Zie-i len, Methoden und Stellungnahmen zu bestimmten Teilproblemen der, Jugendbewegung kennen zu lernen und sollte so Voraussetzungen schaffen 'für ein künftiges gedeihliches Zusammenarbeiten der Gruppen. Die Einberufer hatten' dafür gesorgt, daß die Tagung auch wirklich^ von allen in Wien anwesenden jüdischen Gruppen beschickt war und zwar hatten die einzelnen Vereine sich 'nicht nur durch Delegierte vertreten lassen, sondern nahmen fast vollzählig an den Beratungen teil. Die Tagung war von vornherein so gedacht, daß weder Beschlüsse gefaßt, noch irgendwelche Resolutionen zur Abstimmung kommen sollten. Es mögen gegen eine Veranstaltung solcher Art, die programmäßig unpiitielb ar nicht in positive Arbeit ausmünden sollte, sondern lediglich die Gnmdlagen zu schaffen bestrebt war, diese positive Arbeit aus einem gemeinsam' erkannten Ziel aufzunehmen, schwerwiegende ^Bedenken gesprochen haben. Aber der Verlauf der Versammlung hat gezeigt, daß gerade dieser Weg der richtige war und daß erst nach Ueberwindung der Gegensätze, die beispielsweise in den Zielen und Formen der östlichen und westlichen Jugend, der farbentragenden Verbindungen und des Wanderbundes Blau-Weiß, der imbedingt, Palästina« zentrischen Schomrim und der galuthbejahenden Poale-Zion liegen, eine fruchtbare gemeinsame Tätigkeit im Rahmen einer zielstarken Organisation sich später wird ermöglichen lassen. . Dr. v Präger wies in seiner Begrüßungsansprache darauf hin, daß der jüdischen Jugend durch die neue Weltordnung nach' dem Kriege neue und besondere Aufgaben erwachsen müssen. Der .Erfüllung dieser besonderen Pflichten muß die Erkenntnis. vorausgehenfdaß die Gegensätze, die heute in der jüdischen Jugend selbst bestehen, überbrüdcbar sind, daß der Wille zum Judentum alle Gruppen innerhalb der jüdischen Jugend mitgleicher Macht bindet und daß nur denweg gefunden werden muß, diesem Willen zum Durchbruch zu verhelfen. Dr. B e r n f e 1 d, der die Generaldebatte über die Aufgaben der jüdischen Jugend einleitete, entwarf zunächst ein allgemeines Bild der gegenwärtigen Typen der jüdischen Jugend, die ■ er wertend betrachtete. Sein Standpunkt war „der ästhetische und moralische, oder wie man sonst zu sagen pflegt; der geistige. Denn Jugend ist immer und überall eine ästhetische und möra-t lisdhe Angelegenheit.“ Er kommt zur Formulierung, daß der wertvolle Jugendtypus derjenige ist, der von einem lebendigen Gefühl der Jugendeigenart im Körperlichen und im Geistigen getragen, sich auflehne gegen die ihm aufgezwungenen Formen des Denkens, Handelns und1 Wertem und den Mut findet, nach den eigenen gemäßen Ausdrucksweisen zu suchen. Ihm scheint die Aufgabe der jüdischen - Jugend in den „ewigen“ Versen der Richter zu liegen: „Gott sprach zu Gideon: Gehe in das Haus1 deines Vaters und zerstöre den Baalstempel im Hause deines Vaters.“ Diese Jerubaal-Mission hat die jüdische Jugend heute wie immer; von tiefstem Ungenügen mit der gegenwärtigen Welt und ihren Menschen erfaßt, hat sie die Aufgabe den neuen Typus des Menschen zu verwirklichen. Und dieses „Ganz Mensch- und Ganz Jung«Sein“ ist mach ihm die Aufgabe der jüdischen Jugend, unbeschadetihrer vielfältigen gegenwärtigen Pflichten. Das Jüdische verstand sich für ihn von selbst; er sprach so, als ob er inder Hörerschaft dieses Jüdische ganz unjproblematisdr natürlich voraussetze. Daraus ergaben sich man- .nigfadhe Mißverständnisse die in der weiteren Diskussion lebhaft zum Ausdruck kamen. Es kann hier leider nichtauf die Einzelheiten der Debatte «ingegangen werden. Was den Veranstaltern wesentlich war, ein Gesamtbild der heutigen Organ« sationsformen der jüdischen Jugend zu bieten, - das wurde erreicht, indem jede Griujppe durch; einen ihrer. Vertreter, manche auch durch' mehrere der Versammlung. Näheres über; ihre besonderen Ziele und Gemeinscbaftsformen -berichten ließ. So.sprächen die -Herren Weish ut und Czuczka für -die -jüdischen Verbindungsstudenten, deren.' besondere Aufgaben sie in der Nationalisierung des Volkes -durch das Mittel der repräsentativen Vertretung r erblickten« -Herr Korn findet, in dem Gemeinschaftsleben -der „Blau-Weiß“ die idealste Form' für die Organ?« salion der. jüdischen Jugend. Ihm; ähnlich führte Herr Rieger die? Ziele der Schomrim' als die der jüdischen Jugend gemäßesten vor. Herr D'ätvid und Herr Mendel Si nger wendeten'sich sehr scharf gegen alle westjüdischen Lebensformen und betonten, daß die - Sorge für das! körperliche und geistige Wohl der jüdischen Massen heute-die. «inzige Aufgabe der jüdischen Jugend sein ikönne; jüdisches: Leben gäbe es überhaupt nur. im - Osten. « In der am. Sonntag vormittag weitergeführten Generaldebatte, in der u. a. die Herren Dr. Birnbaum; Privatdozent Dr. Geiger* Dr. Kadi sch ihre Standpunkte zum'Judenproblem darlegten, nahm Herr Dr, Präger sehr scharfi gegen di.ein der Versammlung wiederholt zutage getretene Ueberschätzung des Ostjudentums Stellung, indem er darauf hinwies, daß weder das Ostnoch' das Westjudentum das ideale Judentum repräsentieren könnte, weil beide Kulturen < lediglich 1 als Assimilationsprodukte zu werten seien. — Dierweitere Debatte; die nicht immer zu den Ausführungen Dr. Bernfeld s Stellung, genommen hatte, ergab-im ganzen einen klaren Ueberblidk. über die heute von. der jüdischen Jugend geübten Gemeinschaftsformen.-rferr Dr. Bernfeld betonte dann auch1 in einem zusammenfassenden Schlußworte, daß jede Lebensform respektiert; werden müsse, jede enthalte wertvolle Elemente, deren Synthese erst eine Organisation ergeben könnte, die vollgebildete Juden, zu schaffen fähig sei. In. der Nachmittags-Sitzung sprach Herr Dr. Heinrich Glanz sehr kenntnisreich und mit historischem Bück über die -Entwicklung des jüdischen Schulwesens. Seinen . Vorträg. ergänzte Herr Moses Rath, der, ausgehend von der überragenden Bedeutung der hebräischen Literatur, die Organisation .des modernen hebräischen Unterrichtes bespracht FrL Grete Obernifc schilderte in-dem nun-folgenden Referatedie Aufgaben der jüdischen Frau,; die sie ausschließlich im' Dienste des Volkes betätigt sehen wollte. Frau Anitta Müller forderte unter enthusiastischer Zustimmung die baldige Durchführung einer Gesamt-Organisation der jüdischen Frauen Oesterreichs. ’ Die Abend-Sitzung warder Palästina«Frage gewidmet. Herr Adolf Böh’m referierte ausführlich über unsere Aussichten’ in Palästina, betonte die Unbedingtheit des paläsrtinozentrischen Standpunktes für die jüdische -Jugend;' mit demder Zionismus ' siegen -*|derfallen-müsse. Herr Koretz entwarf im Anschluß än dieses Refe-i rat ein Bild von der Tätigkeit der Arbeitsgruppe der jüdischen Studentenschaft Oesterreichs für die Unterstützung unserer palästinischen Brüder. Herr Klempner forderte in einer hebräischen Ansprache zum Anschlüsse an die Pionierbewegung der Hechaluz auf. Herr Mlendel Singer wies als Poale-ZionisL auf die Notwendigkeit hin, im Galuth .Lebensmöglichkeiten -für. (die jüdischen Massen zu schaffen) weil unvorbereitete Massen Palästina und unsere Hoffnungen dort vernichten würden. Diese letzte; wiederholt von Zwischenrufen unterbrochene -Erklärung suchte Dr. Beruf eld in--seinem Schlußworte dahin zu erläutern daßdie; jüdische > Jugendbewegung, sich bei dem' Blick, auf Ralästinader Aufgabe.’ für die Gegenwartnicht ■ «ntsehiagen dürfe. * Diese Aufgabe falle-zum; .Teil, in das Programm der Poaie-Zion. Dieses sei-so erfnst und für den Augenblick so-wichtig): daß man bei‘aller Betonung der völkischen Ideale darüber nicht zur Tagesordnungübergeheu-könne. Herr Dr. P r ä g e r nahm nunmehrdaS Wort zur Schlußansprache.''Er wies darauf Siin; daß die Tagung trotz mancher heftiger Gegensätze BBRBBBBBBBBB Bitte ausschneiden! BÜCHERZETTEL Feldpost — Korrespondenzkarte Für : Mitteilungen : ' B Heller : sonst 3 Heller: . An den I Verlag Jüdische Zeitung (Jüdischer Nätionalkalender) Wien II|1 Zirkusgasse 33 deneinmütigen- Willen; der jüdischen--'Jugend erwiesen habe,-unserer* großen nationalen Auf- . gäbe zu dienen und dem Jüdischen Volke im1 Sinne seiner historischen Tradition und seiner mesSianischen Idee Erneuerung und Erfüllung~zu schaffen; Der für den Frühling imjahrelßlS'geplante österreichische Jugendtag sölleinen - weiteren Schritt'auf diesem' -Wege bedeuten. . Jehirdaü' , Aus der jüdischen nWelt * Behördliche Widersthide . gegen pofaiiseirjüdische Arbeiter. Auf eine Beschwerde wegen Zurückweisung eines polnisch-jüdischen-. iSattlergehilfen in Hannover, die ausdrücklich (mit seiner Zugehörigkeit zum -Judentum begründet 'war;: ist von dem Verwaltungschef beim Generalgouvernement Warschau ein. Bescheid: eigangen,; .aus dem klipp und klar ersichtlich'; ist, daß'neben manchen Arbeitgebern,, die-aus-privaten Gründen keine jüdischen 1 Arbeiter einstellen wollen.iins- ■ besondere auch Behörden es sind, die der Ar- ■ beiterzentrale. die bemüht ist, dem Mangel an Arbeitskräften in Deutschland durch1 Zuführung von christlich-polnischen und jüdisch-polnischen Arbeitern einigermaßen .abzuhelfen, die größten Schwierigkeiten machen. In dein' Bescheide heißt es wörtlich: „Die Arbeiterzentrale hat das. größte Interesse daran, die zahlreichen 'Anforderungen, deutscher Arbeitgeber baldmöglichst; zurhefriedigen. Das (gelingt ihr weit eher,wenn-'Sie auch Juden anwirbt. Aus eigener - Initiative wird sie also einen jüdische* Arbeiter äussthließenden,' Zusatz zu ihren Bekanntmachungen nicht machen. Vielmehr sind es in solchen. Fällen 'die Arbeitgeber, die erklären, keine jüdischen Arbeiter emzustellen, entweder weil -sie diese für.,'.ihren Betrieb für ungeeignet, halten, oder— wa& sehr häufig der Fall ist — weil sie. die tvorgeschriebene Genehmigung fies zuständigen Regierungspräsidenten nicht erhalten. Letzteres ist auth der Grund, daß der Sattiergehilfe Tschochatschewski aus Blasdhki nicht.an die Sattlerei Nöftemänn, Hannover. jiat 'vermittelt werden können. Nadr .den Feststellungen, daß T. Jude war, wandte. sich die Vermittlungsstelle der Arbeiterzentrale .. in KaliSch an das Polizeipräsidium Hannover,-, das . ablehnend antwortete.“ Die russischen Juden >>1.'England..-In- London haben Ausschreitungen gegen russische’.:J!uden stattgefunden:: Russische Juden). selbst---jüdische Soldaten wurden vom rPöbel-und englischen .Soldaten (verprügelt und mit Steinen beworfen. - In den Stadtvierteln, wo viele russische-, Judenwohnen; sammelten: sich Menschenhaufen -an*« welche lärmende Kundgebungen: veranstalteten,; die:Juden beschimpften -und die: Fensterscheiben: jüdischer Häuser reinschlugen.' Nur dem energischen-, Eingreifenfcler Polizei gelang es; 5die Prdnpng! (wieder herzustellen.; Northcliffblätter verbreiteten -dasGe- . rückt1 daß die russischem Juden-durch .Verprüglüng und Verhöhnung englischer Soldateiri'die Ausschreitungen: ' verursacht: hatten-' und .hetzen aus diesem Anlaß" gegen -die ■ russischen- Juden. Dieses 'Gerücht entbehrt "den; jüdischen Blättern Londons - zufolge jeder. Grundlage, r Die-‘ Juden im Saloniki.' - Die "Regierung ■ in Athen--scheint es darauf abgesehen. zu-Habenj‘'die Katastrophe in der Hauptstadt! NCügriechenländs zum - Zwecke der- Hellenisierung Mieser Stadt ausznnutzen: Es besteht--der Plän;‘riamentlhh'ldie in Saloniki .zahlreiche und mächtigejüdische7* Bevölkerung 'durch allerlei Schikanen--und Verordnungen : zur:: 'Auswairderjmg zu- - veranlassen;- -Die Regierung hat' einen Gesetzentwurf "in der* Kami mer ’ eingebracht;-’ demzufolge die- (zwangsweise Enteignung des gesamten in jüdischem- Besitz befindlichen Bodens in und um Saloniki durchgeführt werden Soll. Auf diese Weise-werden die seit 'vier Jahrhunderten und mehxi in Saloniki ansässigen spanischen Juden ihres Besitzes und damit 'ihrer Lebensmöglichkeit in’“dieser ihiien zum zweiten Heimatlahde gewordenen; mit-warmer Liebe gepflegten Stadt verlustig1 gehen,‘ Die Enteignung soll in der Weise erfolgen,"daß-den betreffenden Bodenbesitzern, als Vergütung für ihre - Habe griechische ' Schätzsch'eine. ausgelolgt werden. Die gesamte billig denkende Oeffentlich-. keit verwirft 'diesen Plan als einen heimtückischen Angriff gegen ■ eine Bevölkerung, die Saloniki aus einem unscheinbaren Balkanstädtchen zu einem erstklassigen Handelsplatz und.-zukunftsreichen ■ Hafen gemächt hat:' 'Äjtcb1; die italienische Presse, diediese Meldung mit Entrüstung wiedergibt, fordert die italienisdteRegierang auf; bei den Alliierten und in Athen Zu intervenieren, um das Attentat gegen den seit Jahrhiinderten geschützten und unangetasteten Besitz der Sa.Ionikier Judenschaft zu vereiteln. Die' italienischen Blätter heben hervor, daß 'der Besitz: dieser schönen Stadt für Griechenland nicht durch Ungerechtigkeit befestigt werden kann „(fad. daß es noch ein europäisches Forum (gibt; Vor dem1 solche Taten zu verantworten sind: Der Groß-wesier über die Palästinapläne der Entente: Die „Ageirce Milli“ meldet: Der Großwesir Talaat Pascha führte in einer Rede, die er in Konstantinopel auf dem Kongreß der Parteien für Einheit und Fortschritt hielt,'rüber die Schaffung, einer jüdischen Regierung m "Palästina, aus: „Eine Depesche des ReutersChten Büros 'meldete jüngst, daß der gewesene amerikanische Botschafter in 'Konstantinopel, Mo rg en th a u. eine Reise nach Europa und dann nach1 "Ägypten unternommen-'h ätte, um die Mittel-'für die1 Schaffung einer jüdischen- Regierung* ^in '- Palästina sicherzustellen. Als Wir diese Nächrieht'Tasen, glaubten wir an eine Erfindung deri‘gekannten S