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Jüdische Zeitung · 1917-11-02 · 43 (2.11.1917) · p. Seite 3

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
11 (1917)
Issue
43 (2.11.1917)
Date
1917-11-02
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Seite 3 *r. 4S .JOöISGHB 2HTUNO : Dar holländische Ministerpräsident über :; den Zionismus. Der holländische Ministerpräsident und Mini» Ster des Innern Cort van der Linden empfing denselben Publizisten; auch er äußerte sich gegen den Antisemitismus. In Holland erfreuten fcich die Juden völliger, durch nichts eingeschränkter Gleichberechtigung. Auch in sozialer Bezie-i hung. Herr Cort van der Linden habe aufrichtiges Mitempfinden für die Not, unter der große Teile des jüdischen Volkes leiden müssen und versteht es, daß die Juden nach* einem Wege suchen, ihre Lage zu verbessern. Der Ministerpräsident hält die Möglichkeit für gegeben, daß ■die jüdische Frage auf der Friedenskonferenz gur Besprechung gelangen würde. Auch sei nicht Unmöglich, daß viele Juden nach Beendigung des Krieges nach Holland kommen könnten, in ,welchem‘ Falle Holland zweifelsohne der Beseitigung der Judennot sein Interesse und seine Mitwirkung nicht versagen .würde. Nationaler Gewissenszwang i ' Interpellation der Abgeordneten Dr. Benno Straucher und Genossen Rn Seine Exzellenz den Herrn k. k. Minister für Kultus und Unterricht, betreffend gewisser Vorkommnisse bei den Inskriptionen an der medizinischen Fakultät der : Universität Krakau* Seit Jahr und Tag führt die jüdischnationale Studentenschaft an den Hochschulen Oesterreichs den Kampf um Anerkennung ihrer Nationalität* Rektoren und Dekane, akademische Senate und Professorenkollegien der österreichischen Hochfitchulen — die galizisdhen inbegriffen — befaßten Sich im Laufe der Jahre mit dieser Frage und nahmen zu derselben in zustimmendem oder ablehnendem Sinne Stellung. Immer 'aber und überall wurden bisher, zwei Prinzipien gewahrt: Das Prinzip der akademischen Würde und der menschlichen Achtung vor einer gegenteiligen Meinung, wenn sie Ausfluß idealer Anschauungen ist. — Von dieser rühmlichen' Regel bildet das Vorgehen des derzeitigen Dekans der medizinischen Fakultät der k. k. Jagiellonischen Universität Prof. Dr. Emil Goalew ski jun. eine sehr ‘ Unliebsame Ausnahme. Während an allen anderen Fakultäten (ja sogar an der medizinischen in den ersten Tagen der diesjährigen Inskriptionen, da noch Prodekan Professor Dr. Maziarski amtierte) das Nationale der jüdischen Hörer und Hörerinnen, die die Rubrik „Nationalität“ mit ,jüdisch“ lausfüllten, ohne Anstand entgegengetaommen wurde, kam mit dem Tage der Uebernfthme des medizinischen Dekanates durch Herrn Prof. Dr. Emil Godlewski jun. eine neue Praxis Ruf. Der Herr Dekan wies die Hörer und Hörerinnen, die ihr, Nationale, mit »jüdisch“ ausgefüllt hiaben, unter den verschiedensten Vorwänden zurück: Am 3., Oktober erklärte der Herr Dekan der Hörerin Erna Silber, sie könne nicht auf- (genommen werden, dia sie sich1 zur jüdischen Nationalität bekenne, infolge Platzmangels würden im Sinne einer Verordnung zuerst Polen .aufgenommen, sie möchte sich nach Schluß der Inskriptionen wieder melden. Ala jedoch die Erna Silber, um' das Semester besorgt, die Nationalitäten-Rubrik mit ».polnisch“ Busfülue, wurde sie sofort aufgenommen. Am 6. Oktober erschien der Hörer Saul Ruin e 1 d im Dekanat und bat um' Aufnahme, wurde jedoch vom Dekan Herrn Dr. Godlewski mit den Worten zurückgewiesen: „Sie sind jüdischer Nationalität und hier ist eine polnische Universität; unsere Plätze Sind für Polen reserviert. Wenn künftighin Platz im Prosektorium ist, werden Sie aufgenommen.“ Am S. Oktober erschien Rumeid abermals im Dekanat und wurde angewiesen nach dem 22ten wiederzukommen.. Als er am löten die Nationalität mit „polnisch“ ausgefüllt hatte, wurde er ■nstandslos aufgenommen. Der Dekan bemerkte hiebei: „Sie waren bereits hier, wir wollen nur Polen haben“, warf einen Blick ins Nationale und die Aufnahme war erledigt* — Atal 61 Oktober .meldete sich diejiörerin(H e.l e ft e; Sand. Der Dekan bemerkte: ^Zuerst kommen * die polnischen Studenten“ und bestimmte sie für den 30ten. Als sie am 8ten wieder erschien und die Rubrik mit „polnisch“ ausgefüllt hatte, wurde sie angewiesen, am 22ten zu erscheinen. Am 8. Oktober meldete sich Chäim Freundlich, Hörer des ersten Semesters* im Dekanat. „Da Sie sich nicht zur polnischen Nationalität bekennen, können Sie nicht äufgenommen werden“, erklärte ihm der Dekan. Am nächsten Tage kam Freundlich wieder. „Sie waren schon da“ — meinte Prof. Godlewski — „idl kann Sie» nicht aufnehmen.“ Verblüfft erklärte der junge. Freundlich — in der Meinung, er laufe Gefahr ein Semester zu verlieren •— er wäre zu seinem Vorgehen von einem Kollegen beredet worden. Der Dekan verlangte hierauf ein Ehrenwort und als er es erhielt, schrieb er eigenhändig das Wort „polnisch“ Ins Nationale. Hiebei berief er sich auf. einen Beschluß des Professor e n k o I _1 e g. i u m s der medizinischen Fakultät, daß Nichtpolen ni.dht aufgenqm« men werden. Am 8. Oktober erschien die Hörerin: des 1. SemestersScheindlinger im Dekanat. Das eine Nationale hatte sie auf „jüdisch“ ausgefüllt, im anderen war die Rubrik nicht ausgefüllt. „Sie bekennen sich' also zfi keiner Nationalität“, Imeinte der Dekan. „Ich bin Jüdin aus Galizien“, bemericte Frl. Scheindlinger. Die'Atifnahme erfolgte, nachdem die leere Rubrik mit „polnisch“ ausgefüllt worden war. Da es sich in allen erwähnten Fällen um österreichische Staatsbürger, galizische Landesangehörige, ja sogar Krakauer Ortszuständige handelt, die doch ohne weiteres im Sinne des Gesetzes 'Zutritt zu den galizischen fc.k. Universitäten und speziell zur Universität Krakau ohne Rüdesieht auf ihre Nationalität und allenfalls vor den niChtgalizischen Hörem, die dank ihrer Nationalität keinen Schwierigkeiten begegneten, haben müssen — da es sich um. Hörer des 1. Semesters handelt, die voller Ideale ins akademische Leben treten und gleich eingangs vor den Kopf gestoßen werden und kränkende Ueberzeugung erlangen, daß auch in den Mauern der Hochschule Macht vor Recht geht — da die jüdisch-akademische Jugend stets mit Verehrung und Vertrauen zu ihren akademischen Lehrern aufgeblickt hat, und Vorfälle, wiie die erwähnten, dieses ideale Empfinden erschüttern; — da die geschilderten Vorgängedas Gegenteil von akademischer Freiheit sind und eher einem psychologischen Zwange gleichkommen, fragen die Unterzeichneten: 1. Sind die geschilderten Vorfälle Eurer Exzellenz bekannt?, 2. Was gedenkt Euere Exzellenz zu veranlassen, damit derartige, verwerfliche, die akademische Jugend demoralisierende, die. akademische Freiheit untergrabende Vorfälle künftighin unmöglich gemacht werden? Sträfliche Störung jüdischen Gottesdienstes Anfrage des Abg. Straucher und Genossen an Seine Exzellenz, den Herrn k.k. Landesverteidigungs-Minister am 26. Oktober 1917. Euere Exzellenz! Ich sehe mich lauf Grund vollständig verläßt lieber Mitteilungen und Informationen veranlaßt, folgenden Vorfall zur Kenntnis Eurerer Exzellenz zu bringen: Der jüdischen Mannschaft in der Pulverfabrik Moosbierbaüm (Skodawerke) ist gestattet worden, an den diesjährigen hohen jüdischen Neujahrsfeiertagen, am 17. und 18. September 1. j. ihren Gottesdienst vorschriftsmäßig 'abzuhalten. Ungeachtet dessen ist während der Abhaltung des Gottesdienstes, am zweiten Neujahrstage, in dem hiezu speziell zugewiesenen Objekte Nr. 60 ein Stabsfeldwebel der Polizeiwache im Barackenlokale erschienen und teilte den Andächtigen den vom Herrn Oberleutnant er* Die jüdischen Bücher des Söhres 1. Sigmund Mayer, Die Wiener Juden, Kommerz, Kultur, Politik, 1700—1900, Brosch. K 7.—, Geb. K 10.—. Ein Seitenstück zu den Memoiren der Glücket und Hameln. Hier hat einer jüdische Geschichte geschrieben — nicht vom Tisch des Gelehrten — sondern mitten heraus aus tiefstem Erleben. Und Sigmund Mayer, der heute 86jährige Jüdische Kaufmann“ weiß zu erzählen. Wieder spannendste moderne Roman liest sich * sein 520 Seiten starkes Buch. 2. Nathan Birnbaum, Gottes Volk, In schönem Umschlag K 1.50. Eine Schrift, die Aufsehen erregen muß. Dr. Birnbaum trägt seine „neue Lehre“ vor. Wer nicht taub geworden ist in Jfuda, wird hier aufhorchen müssen, wird sich beugen müssen vor der Gewalt dieses flammendsten Predigerwortes. 3. Hugo Zucker mann, Gedichte, Zweifarbig gedruckt, in schönem Einband, K 3.60. Zuckermanns Lieder werden undmüssen Nationaleigentüm seines Volkes werden. Durch alle Buchhandlungen oder von R. Löwit, Wien I, Rotenfurmstr. 22 teilten Befehl mit, daß alle Andächtigen sofort das Objekt zu verlassen haben, um Sich zur Arbeit zu begeben. Der Vorbeter, der gerade das Hauptgebet vorgetragen hatte, bat den Stabsfeldwebel, dieser möchte 10 bis 15 Minuten warten, bis er wenigstens das Hauptgebet beendet habe. Der Stabsfeldwebel aber bestand darauf, daß die Andächtigensofort das Objekt verlassen. Obgleich es selbstredend Niemand wagte, gegen diesen Befehl zu handeln, erwartete che Andächtigen außerhalb des Gotteshauses eine ganze Legion bewaffneter Soldaten mit aufgepflanzten Bajonetten und ‘diese eskortierten sämtliche im Gotteshause ver-' sammelt gewesene jüdische Mannschaft zur Arbeit — trotz des hohen Feiertages! Wie rücksichtslos und gehässig gegen diieselbe vorgegangen wurde, mag daraus ersehen werden, daß Einer der eskortierenden Soldaten sich folgendermaßen äußerte:;,Es wäre zweckmäßig, wenn man alle diese jüdische Mannschaft in einer Reihe aufstellte und mittelst Maschinengewehren niedermachte.“ Der Herr Stabsfeldwebel begleitete diese Aeußerung nur mit einem Lächeln. — Und doch schreibt das Dienstreglement ausdrücklich vor, daß den Soldaten aller Bekenntnisse die Möglichkeit der Verrichtung ihrer religiösen Gebete und der Abhaltung des Gottesdienstes gegeben werden müsse -und daß die hohen Feiertage aller Bekenntnisse zu respektieren sind. — Die Beobachtung dieser Vorschrift des Dienstreglements ist auch durch Erlässe des Armee-Oberkommandos und der Armee-Kommanden den unterstehenden Komman* 'den aller Truppenabteilungen -wiederholt eingeschärft worden. Die Einhaltung dieser Vorschrift ist überdies im Hinterlande leicht möglich, insbesondere an einemfür die Judenschaft so hohen Feiertage ,i- — Der geschilderte Vorgang hat denn auch die religiösen Gefühle der besagten jüdischen Mannschaft tief verletzt. — Es ist wahrhaft traurig, daß eine solche Störung des Gottesdienstes an den höchsten jüdischen Feiertagen gegen die militärische Vorschrift im Hinterlande Vorkommen kann, noch trauriger, daß Kameraden wegen ihres Gottesdienstes sich ungestraft beschimpfen lassen müssen. — Da dieser Vorfall peinliches Aufsehen erregt hat, sehe ich mich genötigt, die folgende Anfrage zu richten: Sind Euere Exzellenz geneigt, [den geschilderten Vorfall unparteiisch und erschöpfend erheben zu lassen, gegen die Schuldigen und Verantwortlichen mit entsprechenden Ahndungen vorzugehen und gegen die Wiederkehr solcher tief kränkender Rücksichtslosigkeiten und Verletzung militärischerVorschriften energische Maßnahmen zu treffen? Ppessestimmen zum oorjährigen Jüdischen Nationalkalender: JÜDISCHE RUNDSCHAU (27.10.16): ...So haben es die Herausgeber verstanden, mit ihrem Kalender, der nicht bloß Unterhaltungslektüre sein will, ein aktuelles und gut orientierendes Jahrbuch zu schaffen, das,, im engsten Zusammenhang mit den jüdischen Ereignissen des verflossenen Jahres stehend, in vielen seiner Beiträgei von bleibender Bedeutung sein wird.- Dr. Max Mayer. ISRAELITISCHES WOCHENBLATT FÜR DIE SCHWEIZ (13.10.16): ...Aach dieser Jahrgang ■ bietet eine reiche Fülle von schönen, allgemein wertvollen Artikeln, die nie veralten und immer - wieder gerne von einem jüdischen Publikum gelesen werden. SELBSTWEHR (6.10.16): ...Man kann ohne Uebertreibung behaupten*daß der jüdische Nationalkalender in seiner Reichhaltigkeit und der Auswahl. seiner literarischen und künstlerischen Beiträge einen ganz neuen Typus des jüdischen Kalenders geschaffen hat... HAMBURGER ISRAELITISCH. FAMILIENBLATT (16. Dez.):-Das Büchlein enthält eine ganze Reihe belletristischer und gedanklicher Beiträge erster Ftdtm.„ Fabius Schach. Hiimiiiiiii Bitte Ausschneiden! n&as■■■hrrbi B H ■ An den Verlag der Jüdischen Zeitung wien a ■ a ■ Ich ersuche um Zusendung von.Exemplaren des Jüdischen Nationala ■ kalenders für 5678, von.Exemplaren des jüdischen Nationalkalenders für 5677 B ■ an meine untenstehende genauest verzelchnete Adresse. Den Betrag von K 4.— B “ pro Exemplar für den 3., bezw. K 3 für den 2. Jahrgang einschließlich Porto B ® bitta ich z. Z. nachzunehmen I Nicht Gewünschtes ■ a sende ich gleichzeitig ein l gefälligst streichen g B an Ihr österreichisches Postscheckkonto: Verlag Jüdische Zeitung Nr. 152.942. g H Lassen Sie mir zur persönliches Werbung in meinen Bekanntenkreis . g B Bestellkarte nund-Erlagscheine zugehen. g ■ Ich empfehle Ihnen auch, eine Einladung zum Bezug des neuen Jahrganges unter g ■ — ohne Berufung auf mich folgenden Adressaten xuzustellen: g £...,.5 Unterschrift:.. Adresse:. Datum :--—- Rggaaaggggggg' Bitte recht genau und deutlich a m

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