Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 11 (1917)
- Issue
- 42 (19.10.1917)
- Date
- 1917-10-19
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Sgltf 2.-.'.-jomscug xkituno aa. ~ ■ -N, n rangen ihm Wohlwollen bekunden. 'Aber er kann nicht herbeiwünschen oder fördern wollen, was gegen das Interesse-der Tüikei geht Im’ Gegenteil ist er . nach wie vor darauf bedacht, seine Wünsche im Rahmen des türkischen Staatswesens .zu verwirklichen, das von der jüdischen Besiedelung Palästinas große wirtschaftliche Vorteile' haben würde, aus denen auch der Bundesgenosse Deutschland Nutzen Ziehen ’ könnte. Der Redner betonte, daß die deutsche Juderifieit Von jeher eine führende Stellung im' Judentum eingenommen hat und diese nur dann auch th Zukunft behaupten kann, Wenn Sie fn der wich-s tigen Entscheidung, über den Fortbestand des Judentums, den die Besiedlung Palästinas verbürgt in Deutschland ebenso deutlich und kräftig ihre Forderungen vorträgf, wie es die Juden der Ententeländer tun, die sich nach dem' Vorbild der amerikanischen Kongreßbewegung’überall zusammenschließen, um "ihren Wünschen 'Ausdruck' "zu verschaffen. Tut die deutsche Judenheit das nicht so hat Sie ihre Bedeutung für.die jüdische Geschichte verloren. Zum Schluß Sprach Herr Lichlheim seine Hoffnung ans, daß sich bei der "kommenden Entscheidung das Judentum in seinen Forderungen einig erweisen werde. Die Rückkehr der Heimatlosen Eine Anfrage des Abg. Dir. Straucher. Der Strom der Flüchtlinge, der, voll "den feindlichen - Heeren gedrängt, im . Westen1 ‘des Staates heimische Zuflucht suchte und widerwillige Aufnahme fand, wird jetzt gewaltsam1 io sein altes Bett zurückgeleitet. Tausende haben bereits die Ordre zur Heimreise erhalten; und sind zurüdegekehrt. Die Anderen folgen. Rückkehr in die Heimat! Wie Sehnlich’ mögen die armen Gehetzten darauf geharrt haben! Wie traurig aber Wird sie die Heimat empfangen! Die Äcker verwüstet, die Häuser riledergebrannt Hab und Gut zerstört oder geraubt, Handel Und Wandel lahm' gelegt! Tn diese verödete Welt kehren die Geflohenen Zurück. Noch' Zwei Monate nach ihrer Rückkehr gewährt ihnen der Staat seine Unterstützung. Dann überläßt er sie sich selbst und ihrem Schicksal. '• Was wird aus ihnen werden? Diese trüben Verhältnisse "haben "hnsern "Gesinnungsgenossen,!den Abgeordneten Dr. S t r a ü - eher, der Sich als bewährter Verteidiger "Her Flüchtlinge erwiesen hat, zu einer Anfrage an’ den Minister de's Innern' veranlaßt. Anfrage des Abgeordneten Dr. Straucher Und Genossen an Seine ExzelleriZ, den Herrn k". k. Minister des Innern. Eure'ExZellenz! I. Die Vor mehreren' Wochen vom' hohen k'.. u. k. Ministerium' des Innern erlassene Anordnung betreffend die Verhaltung galfzkcher in Westösterrerch weilender Flüchtlinge Zur Rückkehr in ihre galizische Heimat, beziehungsweise m ihre Vom Feinde geräumte Wohnstätte, erweist sich bei näherer Betrachtung und Prüfung ‘der gegebenen Verhältnisse ln den meisten Fällen aTs verfrüht., unzweckmäßig und undurchführbar, und ist vielfach-eine ganz ungerechte Maßregel. Denn "die diesbezüglichen Verlautbarungen' enthalten keinerlei Anordnung für den Fall, daß die Flüchtlinge infolge Verlustes1 Ihres "Vermögens durch feindliche Beraubung, durch Einäscherung und Zerstörung ihrer Häuser, - Betriebe, Gerätschaften. und Werkzeuge, Ausplünderung ihrer' Habe und Einrichtung usW., nicht heimkehren" können. — Trotzdem werden die Flüchtlinge ©er 3eju0 6t* ©latte« gilt atö erneuert, infolaiige - feine föriftlifte antteftelluug erfolgt. rücksichtslos ausgewiesen und gewaltsam1 in ihre ehemaligen ständigen Wohnsitze abtransportiert. Nun mögen doch die wahren tatsächlichen Verhältnisse gewürdigt und berücksichtigt Werden: Viele Flüchtlinge haben nicht hur Hab und Gut, Sondern auch die Erwerbsmöglichkeit verloren. — Kaufleute, Gewerbetreibende und Handwerker finden Zu Hause zumeist Weder ihre . Warenlager, noch ihre Einrichtung, "Geräte und Werkzeuge vor,- und viele Berufe können infolge des Krieges nicht ausgeübt werden. — Da diesen heimkehrenden Flüchtlingen lediglich" für eine kurze Frist die staatliche Unterstützung1 zugesprochen ist,- Werden sie vielfach' dem' größten Elende, Ja geradezu dem Verhungern preisgegeben sein, zumal Ihnen — wie wiederholt und naehdrücklichst betont Werden muß — Zumeist iede ErwerJjsmöglichkeit und die Ausübung ihrer Berufe benommen ist Ueberdies wolle erwögen werden, daß viele Ortschaften, insbesondere die kleineren, vielfach Zerstört Wurden und daß es daher den Flüchtlinge zumeist ganz unmöglich Ist, überhaupt eine entsprechende Wohnung ZU "finden. — Die Hauseinrichtungen aber wurden geriubt und können infolge der im' Kriegsgebiet herrschenden Verhältnisse — selbst von der eftigetreteneh Verarmung abgesehen — nfcht ersetzt und nicht beschafft werden. Auch kann nicht übersehen Werden,- daß Zur Heimkehr der Flüchtlinge auch Vielfach" und namentlich'kleinere "Ortschaften eröffnet wurden, in denen große sanitäre Uebetstähde bestehen, und für Sanitätspolizeiliche "Maßnahmen gär nicht oder nur unzureichend vorgesörgt ist. - Schließlich'enthalten die Verlautbarungen "betreffend die Heimkehr der Flüchtlinge mehrfach" Einschränkungen hachder Richtung,- daß in "mehreren Bezirken Ortschaften ausgenommen sind, was keinen anderen Schluß, als den" der noch mangelnden Sicherheit Zuläßt. Die angeführten Tatsachen und Gründe‘fordern deshalb gebieterisch, daß vor zwangsWbiser Abschiebung der Flüchtlinge in ihre galizisfche Heimat die erforderlichen Erhebungen^Verläßlich durchgeführt werden, Öl» diese Unglücklichen Flüchtlinge ln ih"re. Heimat; Zurü.ckk eh'reh -TcStiuen, ob Schon' "die un-. bedingt notwendigen Voraussetzungen hiefür Vorhanden sind und ob-eine halbwegs ausreichende. Erwerbsmöglichkeit für Sie besteht IL Aber auch" in einem anderen wesentRch'en' Belange erscheint die besprochene ministerielle Verfügung jedenfalls verbesserungs- und ergänzungsbedürftig. — Denn selbst in ieriert Fällen, in' denen eine Rückkehr der Flüchtlinge ih ihre Heimat ganz oder teilweise möglich ist, muß berücksichtigt werden, "daß die größte Zahl der heimkehrenden Flüchtlinge arm sind und sich" in großer - Wirtschaftlicher Not befinden, daher völlig, außerstande sind, sich die fehlenden, notwendigen, ja auch nur-primitive. Hauseinrichtung, Bettzeug uSw. Zu beschaffen, da — Wie Wiederholt und nachdrücklich hervorgehoben Werden söll — die heimkehrenden Flüchtlinge in Zerschossene eingeäscherte und ausgeraubte Wohnstätten zurflekkehren, und zwar in einer rauhen', unmittelbar dem Winter vorangehenden? Jahreszeit— Woher sollen skh’ hun diese bedauernswerten Geschöpfe in dem hefannahenden Winter die nötigen Beleuchtungs-, Brenn- (und Heizmaterialien, deren Preis' eine lunefsdiwingttChC Höhe erreicht hat, beschaffen? Die meisten" Flüchtlinge sind daher genötigt und darauf angewiesen, daß sie nicht nur die ihnen'Seinerzeit verabfolgte Kleidung, Wäsche unH BeSchuhung behalten, sondern auch5 die pui sie verteiltet Kotzen, Decken und Strohsäcke, da ja die Unglücklichen, " aller Mittel und notwendigsten Bedarfsartikel enlblößt, heimkehrem In allen diesen Fällen Wolle darauf Rücksicht genommen werden, daß die {größte Zahl der heimkehrenden Flüchtlinge äi® alten, Vielfach erwerbsunfähigen, gebrechlichen PeröQnen, ferner aus (Frauen Und vielen Kindern,- dahinter auch äjis einer großein Zahl unmündiger, besteht — Sonach aus tatsächlich bedauernswerten, hilflosen Geschöpfen.— Es ergibt sich demnach' die unabweisbare Notwendigkeit, dafür Vorsorge zu treffen, damit den 'oftgenannten heimkehrenden Flüchtlingen nicht nur die ihnen seinerzeit verabfolgten : Kleidungsstücke, Wäsche und Besdhuhung. sondern auch" die — übrigens vielfach Schon abgenützten Kotzen, Decken : und Strohsäcke überlassen .und mitgegeben Werden. — Auf Grand der vorstehend geschilderten* wahrheitsgetreuen Sachlage,- richte ich daher an Eure Exzellenz die dringende Anfrage: 1. Sind Euere Exzellenz geneigt,- Tri hotihgeneigter Berücksichtigung und Würdigung meiner ad I. vorgebrachten Ausführungen,- die ungesäumte Verfügung treffen zu wollen, damit die von mir bezetchneten Erhebungen vorerst durch- "geführt werden, und daß zu diesem Zwecke der unbedingt notwendige angemessene Aufschub*) m Durchführung der Heimkehrverordnung für gali- ' zische Flüchtlinge erteilt wird? Z Sind Euere Exzellenz bereit, hn geeigneten Wege* den k. k. B e zi rksh aup tmännBchaften, Gemeinden und Behörden lind anderen Zuständigen Organen die ungesäumte Weisung "ZU erteilen, damit den heimkehrenden Flüchtlingen nebst ihrer Kleidung, Wäsche, BeSchuhung usrw. auch' noch die ihnen seinerzeit verabfolgten Kotzen,' Decken und Strohsäcke belassenwerden? 8. Sind endlich Euere Exzellenz bereit, im geeigneten Wege die Verfügung zu "treffen, daß den nach Galizien heimkehrenden larineri Und sonst " mittellosen Flüchtlingen aus öffentlichen! Mitteln oder auf andere Art während des kommenden Winters "die nötigen Beleuchtungs-,- Brenn- und Heizmaterialien unentgeltlich verabfolgt werden? Wien, den 11. Oktober 1917. * Verschiebung des Termins für . die Rückkehr der Flüchtlinge Wie wir Soeben erfahren, hat der Minister des Innern Verfügt, daß der Termin für die Rückkehr der Flüchtlinge m die zuletzt 'freigegebenen Bezirke Galiziens Und der Bukowina bis zum 30. November verlängert werde. Diese Verfügung ist ein Erfolg der beteiligten Faktoren, darunter . insbesondere der Abgeordneten Br. Straucher , und Reizes.: ' ©er »ejug der 3üBifcf)en 3eitung fann jede 2Bo$e beginnen *) Siehe nachfolgende Notiz. lismUs nicht Ins Jüdische "übersetzen ließ. Obzwar die jüdischen Sozialisten von ihm' ausgftigeri, waren sie durch die Macht der Tatsachen gerwiingen, Vorkämpfer für die Erziehung der Alassen Zu nationalem Heldentum' und Zu eigenkulturellen Schöpfungen zu werden. Diese Behauptung Juris’ Ist ln dem 'Umfange, den’ er Ihr gibt, nach' vielen Richtungen nicht zutreffend. Er setzt einfach den moralischen und. nationalen Aufschwung des Ostjudentums ganz auf Rechnung der sozialistischen' Tätigkeit und erwähnt in seinem sehr langen Aufsatz mit keinem' Wort des Zionismus, Merchawja. Kwu'zoth1, Schömrim ü. s. *w. — Das isind nach ihm älles Schöpfungen des Sozialismus allein. Ferner istemzuwenden, daß die größte sozialistische Partei des "Ostiudentumfe, 'der „'Bund“, noch heute den reinen Marxismus vertritt und vom' Nationalismus nur sehr Wenig wissen will, daß selbst die „Poale Zion“ sehr bemüht .sind, den von Juris?' ver-» dämmten westlichen Sozialismus festzuhalten und in die Gemeinschaft der „Internationale“ aufgenommen zu werden. Wenn er ferner dafür plaidiert.- daß ferch die Arbeiter der religiösen "Eigenart des Judentums „dieses unausgesetzten Kampfes um Freiheit .und Vorherrschaft des Geistes“ bewußt bleiben,- die Thora als absolutes Lebensgesetz ansehen und - die jüdisch-religiöse Tradition hoch halten sollen, so Ist zu bezweifeln, daß er damit viel Glück bei der Arbeiterschaft haben wird. Es ist ja schön an und für sich" ein Widersinn, im Namen "der „Freiheit deri Geistes“ — die Rückkehr Zur Orthodoxie zu predigen. Doch mögen die Arbeiter den.Kulturkampf“ unter sich austragen, die Wirklichkeit hat bisher' gezeigt, daß sie für die Freiheit des Oefrtea In ganz anderer Richtung kämpfen, afs Juris. Es Sei nur an den Fall Brenner erinnert. Auch kann man beim besten Willen' nicht sägen, daß derjgroße ethische Aufschwung der Arbeiterschaft,- wie er In' der GenossenschäftsbeWegung, -den Schomrlm. den Pionieren u. s. 'w. Zu finden -ist,- auf_die Wirkung orthodoxer Jüdisdikeit zurüdezuführen Ist Die Arbeiter in Palästina haben,- trotz Juris’ Ansichten, als freigeistige "Männer geschaffen, es mutet daher sonderbar an, wenn Juris meint, daß sie hur ajuf. dem1 Boden der Orthodoxie national schöpferisch und moralisch" erhebend Wirken konnten. — "Wenn nicht nur in bürgerlichen Kreisen (Birnbaum'!) sondern sogar in proletarischen die Rückkehr zur Orthodoxie gepredigt Wird, so heißt es für diejenigen Zionisten, die für die Bewährung des Charakters? dps Zionismus als einer rein nationalen Bewegung find fßr die persönliche Freiheit eintreten, schärf' auf der Wacht zu sein. Ich" habe diese Wachsende. Reäktiorisbewegung fedion lange kommen gesehen und sie bekämpft, fürchte aber, daß diejenigen, die heute hoch meinen,-daß es zu "einem1 "wirklichen Kulturkampf im? Zionismus nicht kommen werde und die Innerlich Kompromisse Schließen,- eines Tages sehr unangenehme Erfahrungen machen werden. Adolf Stand schildert m seiner warmen, schwungvollen'Art den' Verlauf des ersten Zionistenkongresses und gibt damit denen, 'die ihn nicht miterlebt haben, ein lebensvolles Bild dieser denkwürdigsten 'Tagung der modernen jüdischen Geschichte. Os fas Th'on sagt in einem' ,jDie Kunst der Bejah"urig“ betitelten Essay, der, wie älles aus der Feder dieses Autors, mit Geist und Klarheit geschrieben ist, daß der Zionismus die Rückkehr zu '.dem1 seiner unerschöpflichen Schaffenskraft «-bewußten Urjuderitutn Seij das lebensbejahend War, weil es das Leben! äfe eine Aufgabe iftfd Zwar äls eine solche der nationalen Gemeinschaft empfand; daß durch ihn deshalb der Pessimismus des auf . sich" selbst gestellten, Vereinzelten Juden, .'der der .Problematik des Daseins hilflos gegenübersteht*, überwunden werden wird. Otto Abeies gibt einige Seiner ^Tagebuchblütter aus der . FI ü th 11 i n g s z e 11“, die von "dein’ Hauch1 eines innigen Mitleideris durchweht sind und erkennen , lassen, wie zart , und doch stark der . Autor die seelische Schönheit der Ostjuden und ihre Entwürdigung empfindet. ' Martin Buber 'steuert einige Legenden vom Baälsdiem bei, Dr. Kassner, dessen' „Geschichte der Juden der Bukowina“ noch' viel zu wenig bekannt ist, berichtet über „Jüdi sch'e Bauern in. der Bukowina“,- die .1807 inzwei Bezirken des . Landes bereits in 150 Dorf- - gemeinden zu finden waren und von denen Ss noch heute einige gibt; Heinrich" Löwe schreibt über H. Graetz, "den er aß Natioriäljuden reklamiert. Enterich Abad.i erzählt in etwas Zu breiter Welse,. Wie er einen jüdischen Betteljungen in Tel-Awiw zur "Arbeit »und Selbst- -- Pachtung erzog. *N o rb e rt Weldler gibt eine kurze, kritische Uebersidht über 'die Erscheinungen am-jüdischen Büchermarkt während des Krieges dem sich eiri: Verzeichnis arischließt, . Dr. FinkeTstein-' eine kurze, sehr fein1 geschriebene Biographie N. H. I m b e r s, des Dichters der .-.Hatikwah“. Das Büchlein enthält ferner eine Reihe-mehr oder blinder gelungener Gedichte und ein paar schöne Reproduktionen. Auch" - diesmal sind sehr sorgfältig pnd trefflich1 aus*, gewählte ,-,Kernworte“ hervorragender Führer zur? Judenfrage hn' Texte verstreut So ist auch diesmal der NaflonS-Kalender