Mannheim
Compact Memory

Jüdische Zeitung · 1917-10-19 · 42 (19.10.1917) · p. Seite 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Zeitung
Volume
11 (1917)
Issue
42 (19.10.1917)
Date
1917-10-19
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2438141-2438623-2438665--5494-2445477
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Kr. 42 JÜDISCHE ZEITUNG Seite S Aus dem Abgeordnetenhaus. In der Sitzung* die am 16. Oktober stattfand, wurde der Bericht des FlüChtlingsausschusses über die Vorfälle in Wagna verhandelt. Unter lebhaften Zwischenrufen von Abgeordneten der in Mitleidenschaft gezogenen Nationen sprach sich der deutsche Nationalverbändler Einspinner gegen die Anträge des Ausschusses aus, was zu lebhaften Zwischenrufen führte. In der Debatte ergriff auch Abgeordneter Dr. Strauch er das Wort. Er schilderte nochmals besonders krasse Mißstände in 'den Barackenlagern,- verurteilte scharf die Art, in der man jetzt die Flüchtlinge in ihre Heimat absiehiebe und Sprach die Erwartung aus, daß die Regierung von den Worten, die der Minister des Innern machte, zu Taten -übergehen werde. Nachdem (Unter den folgenden Rednern Dr. B u g a 11 o bedauerte daß das. Flüchtlingsgesetz noch immer nicht in Kraft . sei, erklärte nach Schluß, der Debatte der Generalredner io Namen de9 Abg. Stern, der in der Debatte nicht Zu Worte kommen konnte, daß die Bevölkerung mosaischer Konfession'(?!) dem Minister des Innern für seine energische Verwendung geigen die Abschiebungen aus Budapest den (besten Dank jausspreche. i ■ . l t Ob's etwas nltzt In. der Krakauer Tageszeitung „ltustrowäny Kuryer Codzienny“ vom 29. September 1917, Nr. 269, finden wir folgende Notiz: „Die Organisierung der Fmanzbehörden im Königreich Polen. Aus gut informierter Quelle erhalten wir . die Nachricht, daß als Mitarbeiter bei der Organisierung der Finanzverwaltung im künftigen Königreiche Polen nach Warschau, aus der galizisdien Finanzlandesdirektion zwei Sekretäre berufen werden, deren Namen im! Königreiche allgemeines Aufsehen erregen. Unter den Finanzbeamten polnischer Nation befinden sich So viel ausgezeichnete befähigte und arbeitswillige Leute, daß geradezüdie Motive unverständlich erscheinen, von denen Professor Mkhälski, der die gedachten. Behörden in Polen organisiert, sich leiten lassen mochte.“ Wie uns bekannt ist, sind die Zwei Finanzsekretäre, von denen in der obigen Notiz die Rede ist. Zwar mosaischer Konfession, 6ie bekennen sich jedoch' Vorbehalt-: los zur polnischen Nationalität Wir sind daher der Redaktion der Zitierten Zeitung überaus! dankbar für die Aufrichtigkeit, mit Welcher!urbi et orbi erklärt wird, daß ein Jude unter gar keiner Bedingung als Pole gelten kann. Das mögert sich die Herren Asslmilänten wohl merken. Nationale Jugendarbeit in Galizien Die Organisation der Schotnrim und ZeTre- Zksi in Gauzien hat auch' während des Kriegest einen weiteren großen Aufschwung genommen. Man kann in der Tat von einer Jugendbewegung sprechen. Trotz 'aller militärischen Einberufungen, trotz der bisherigen Okkupation in Galizien .und der dadurch bewirkten Zersfreung det jüdistehen Jugend in allen Teilen Oesterreichs hat die Zahl der Mitglieder in Galizien die Ziffer 2D00 (überschritten. Es gibt Ortschaften, jto denen eine Schomrhngruppe und eine Zelre- Zion-Gruppe nebeneinander bestehen. Der prinzipielle Unterschied zwischen beiden Gruppen bestehf darin, daß die Sdhomer-Organisation die Tendenz hat, die jüngeren Mitglieder durch1 den moralischen Einfluß der älteren zu charakterfesten Juden zu erziehen, wobei auf die körperliche Ausbildung und die Erweckung der Liebe Zur Natur großes Gewicht gelegt wird. Als Vorbild dient die palästinensische Schomer-Organisatkm. Die Zelre-Zion-Gruppen dagegen setzen die intellektuelle Ausbildung ihrer Mitglieder in den Mittelpunkt ihrer Tätigkeit. An Orten, wo beide Gruppen nebeneinander bestehen, existiert Stets! ein gemeinsames Lokalkomitee zur Leitung beider Gruppen. In beiden Arten! von Gruppen werden Kurse in allen, jüdischen Fächern abgehalten. Auf die hebräische Sprache wird das größte Gewicht gelegt und es wird ausnahmslos durchgesetzt, daß die Mitglieder sich vom dritten Jahre ihrer Zugehörigkeit zur .Organisation an ausschließlich der hebräischen Sprache als Vortrags- und Umgangssprache bedienen. Neue Gruppen werden der Organisation pur angeschlossen, wenn sie hebräisch sprechen. In manchen Gruppen bestehen zur Fortbitdung besondere Mischna- und Talmudkurse. Daneben wird der Hauptwert auf die Ausbildung in der jüdis!chen Geschichte .und in der Palästinakunde gelegt, wobei man Von dem Grundsatz - ausgeht, daß ein spezieller Unterricht in der zionistischen Geschichte und Theorie nicht so absolut erfor-t derlich ist, da die Mitglieder der Organisation bei völliger Beherrschung der hebräischen Sprache undbei guter Kenntnis der jüdischen Geschichte und Palästina und als feste, aufrechte -Charaktere den Weg zum Zionismus mit Selbstverständlichkeit 'finden werden. Außer diesen jüdischen Kenntnissen -werden überall spe- 'zielle körperliche Fähigkeiten verlangt und cw und ähnlichem ausgebildet. Die guten Erfolge Mitglieder im- Kartenlesen, im: Samariterdienstt der Arbeit sind zum großen Teil auch;au# die straffe Zentralisierung zurückzuführen. Es gibt in ganz Galizien pur eine einheitliche Schctnrim- und Zelre-Zion-Organisation, deren sämtliche Gruppen einem Zentralkomitee inWien unterstehen. Dieses Zentralkomitee ist die oberste Instanz, die die gesamte Erziehungsarbeit zu überwachen hat, der kon jeder Gruppe monatliche Berichte vorzulegen sind und die diese Berichte anderen Gruppen zugänglich macht. Das Zentralkomitee hat Beziehungen zu den jüdischen Pfadfindeigruppen in Polen anzuknüpfen, versucht. Es gibt ferner in pohiischer Sprache die Zeitschrift „Moriah“ heraus, deren Gesamtauflage 2500 Exemplare beträgt. Der Verlag des Zentralkomitees bereitet auch die Herausgabe eines Ahnanaches in polnischer Sprache vor und gibt neuerdings eine zweite Monatsschrift unter dem Namen „Haschomer“ heraus, die ausschließlich den Interessen der Organisation gewidmet seiev solL In Vorbereitung ist ferner ein Fiührett-Handbuch, das „die Ziele und Aufgaben der Schomrinr-Erziehung“ behandelt Aus der jüdischen Welt Vom jüdischen Kongreß in Rußland. Die Vorbereitungen zum jüdischen Kongreß in Rußland haben begonnen. Der Kongreß versammelt sich in Petrograd einen oder zwei Monate nach der Eröffnung der verfassunggebenden Versammlung. Er hat zum Zweck, die jüdischen Forde- ' rungen an die Konstituante Rußlands und an den Friedenskongreß der Mächte zu formulieren und eine Exekutive einzusetzen, -die die Aktion für die Verwirklichung dieser Forderungen leiten soll. Die Wahlen zum Kongreß wurden auf Mitte Dezember festgesetzt Wahlberechtigt sind alle Juden beiderlei Geschlechter, die das Alter von 20 Jahren erreicht haben. Die Wahlen werden nach dem Proporzsystem' durchgeführt Das Programm des Kongresses lautet: 1. Ausarbeitung der Grundsätze des nationalen Selbstbestimmungsrechts der Juden in Rußland. 2. Bestimmung der Form1 der Rechtsgarantien für die nationale jüdische Minderheit 3. Feststellung und Festsetzung der Übergangsformen der Gemeindeorganisation der russischen Judenheit 4. Sicherstellung der bürgerlichen und nationalen Rechte der Juden im imabhängig erklärten Polen, Palästina, Rumänien. Das Organisationskomitee des Kongresses, in dem alle 'jüdischen Parteien vertreten sind, erläßt einen Aufruf an alle jüdischen Bürger Rußlands, der mit den 'Worten beginnt: »Das jüdische Volk in Rußland steht vor einem' Ereignis, das nicht seinesgleichen bat in 'der jüdischen Geschichte seit zwei Jahrtausenden. Die Juden haben nicht nur als 'Einzelpersonen bürgerliche Gleichberechtigung bekommen — was ja auch in anderen Ländern geschehen ist — sondern die jüdische Nation steht vor der Möglichkeitnationale Rechte zu erhalten.“ Der Aufruf fordert die Juden zu energischen Vorbereitungen der Kongreßwahlen und zu großer nationaler Organisationsarbeit auf. Neu* jüdische Bücher Ans meinem Verlag: 1. J. L. Pere», Chtssidlsch: Geschichten brosch. K 0.—, geb. K 8.— 2. Hugo Znckermnnn, Gedichte SchOner G«schenkband K 3.60 3. S. Kassner, Oie Juden in der Bukowina brosch. K 2.— Ans meinem Sortiment : 1. Stefan Zweig, Jeremias Eleganter Geschenkbund K 3.80 2. O. Welnbaom, Nationaljüdische Zukunftsgedanken brosch. K 2.— S. Von polnischen Joden, Erzählungen-poln. Juden brosch. K 8.80 geb. K 10.— Nene Kataloge: 1. Jndenllteratnr im Kriege 1.14—1916 K —.50 2. Fünfhundert Jüdische Bücher für» Feld n. Daheim Zusendung gratis Einzige nationaljüdische Bnchhandlnng Österreichs. Größtes Lager zionistischer Literatur. Individuellste Beratung bei Anlegung Jüdischer Bibliotheken ■■■ait, Wien I» RotenturmstraBe 22 Judenverfolgung kt Rußland. Neuesten, au* Petersburg hier eingetroffenen Nachrichten zufolge. haben in einer Anzahl russischer Städte, darunter Jekaterinoslaw, Orel und Tambow schwere Judenverfolgungen stattgefunden, bei denen die Garnisonen, um die Unruhen zu unterdrücken, mit Waffengewalt Vorgehen mußten.- Ein Verband jüdischer Offiziere in Rußland. Die allgemeine Versammlung des jüdischen Soldatenrates in Odessa, an der auch die neuausgebitdeten jüdischen Offiziere teilnehmen, beschloß, einen „Verband jüdischer Offiziere“ aller Fronten zwecks Erforschung der Lage der jüdischen Offiziere und der Verteidigung der jüdischen Ehre zu bilden. Rückkehr russischer Juden aus England. Der „Joodsche Wächter“ berichtet, daß .bis 10. August sich 20.000 russische Juden in England zum Rücktransport hach Rußland gemeldet haben!, weil sie die Rückkehr nach Rußland der zwangsweisen Einreihung in die britische Armee vorzögen. ‘ ’ Ein Scheck über 250 Millionen Franken. Aus Amsterdam wjjrd der „Neuen Fr. Presse“ geschrieben: Der größte Scheck, den ein Bankhaus bisher auszuzahlen hatte, belief sich auf 150 Millionen Franken und wurde von dem japanischen Botschafter Kato in London im Januar 1906 bei der Bank von England vorgewiesen-. Die Summe stellte die Kosten der Verpflegung der russischen Gefangenen im russisch-japanischen .Kriege fn Japan dar. Durch den neuen Scheck ist diese Summe erheblich übertroffen worden: Das „Joint Distribute Comittee“ in Newyork, das in den Vereinigten Staaten Gelder zur Unterstützung der durch den Krieg betroffenen Judenin Rußland, in Rumänien und Palästina sammelte, hat 50 Millionen . Dollar, also 250000 000 Franken zusammengebracht und diese Summe durch einen einzigen Scheck auf ein Newyorker Bankhaus an die Königin Wilhelmine der Niederlande überwiesen, Umkehr. In Lyon starb im' Alter von vierzig Jahren Herr Paul Löwengard der sich vor einiger (Zeit zum Katholizismus bekehrte und ein Werk schrieb über „La Splendeur dft -Catholidsme et la Magnificence de l’Eglise“. Kurz vor seinem Tode ist der Dichter wieder zurrt Judentum! zurückgekehrt Adolf Kohut gestorben. Am 22. v. -M. starb in Berlin im Alter Von 69 Jahren einer der größten Rekordvielschreiber unserer Zeit, Adolf Kohut Er'.war in Ungarn geboren, Zögling des Breslauer Rabbinerseminars, später Redakteujr anetlichen Tagesblättern, und lebte in den letzten Jahren als freier Schriftsteller. Die Zahl deir voi^ ihm' verfaßten Bücher und Schriften über alle möglichen und unmöglichen Jhemata übersteigt die Zahl hundert Schon daraus mag man ermessen, daß «ie weder tief noch originell sein können. Auch auf jüdischem Gebiet betätigte sich Kohut. Seine flüchtige kompilatorlsche Aran interessanten Beiträgen sehr reldf. Es ist nur die Frage, iöb nicht ein „Jüdiskker ‘ National- Katender“ weniger eine Anthologie zionistischer Essays etc., als eine Informationsquelle Sein sollte. An ‘Zeitschriften, welche gediegene 'Artikel ha'tionalen Inhalts veröffentlichen, sind wir überreich1; Ein Kalender, den man ein. Jahr lang auf seinem Tische liegen hat, Sollte vielleicht eher Material zum -Nathsdhlagen enthalten. So denke ichmir z. -B. eine ausführliche- Tabelle Zur jüdischen Geschichte, zu der die im vorliegenden Jahrgang verzeichneten pjatiaiUjen Gedenktage einen Schwachen Ansatz darstellen. Das Verzeichnis (kr zionistischen Institutionen, das im vorjährigen Kalender enthalten war, fehlt heuer ganz. Es könnte ferner eine Uebershht über die Kolonien gegeben werden, Sowie eine solche über die Nationalfondeingänge tisw., ebenso allgemeine Daten, wie Zahl der Judengemeindea ln Oesterreich u. a. m. Vor allem aber wäre die Chronik des abgelaufenen Jahres bedeutend umiangreidi'er zu geben. f Ali dies mögen die’ Herausgeber als! Anregungen betrachten und über ihre Zweckmäßigkeit selbst entscheiden. Für das Vorliegende interesaante Büchlein schuldet ihnen die jüdische Oeffentüchkeit jedenfalls Dank. Hoffentlich1 wird die Verbreitung de* Kalenders j*n* der früheren JahigBnape Ko«! übertraftav. Ad. Bar. An deB i Bitte ausschneiden! ■ Verlag der Jüdischen Zeitung Wien 'S Ich ersuche um Zusendung von-—.Exemplaren des jüdischen Nationalkalenders an meine untenstehende genauest verzeichnet« Adresse. Den Betrag von K 4.— pro Exemplar einschließlich Porto . bitte ich z. Z. nachzunehmen j Nicht Gewünschtes sende ich gleichzeitig ein l gefälligst streichen an Ihr österreichisches Postscheckkonto: Verlag Jüdische Zeitung Nr. 132.B42. Lasses Sie mir zur persönlichen Werbung in meinen Bekanntenkreis . Baste likarte nund.Erlagscheine zugeben. Ich empfehle Omen auch, eine Einladung zum Bezug des neuen Jahrganges unter — ohne Berufung auf mich folgenden Adressaten zuzustellen: Unterschrift:- Adresse:. Datum:-- Bitte recht genau und deutlich

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.