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Jüdische Zeitung · 1917-10-12 · 41 (12.10.1917) · p. Seite 3

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
11 (1917)
Issue
41 (12.10.1917)
Date
1917-10-12
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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JÜDISCHE ZEITUNQ Seite 3 Nr. 41 nismäßige Vertretung der Juden in den; verschiedenen leitenden Körperschaften.,des Landes. Wind: ejnr Wahlrecht gegeben; werden,, das! nach Steiierleis'tungen abgestuft ist, 'so werden die Juden ((bei jüdischem Kataster) sogar eine größere Vertretung erhalten können, als ihrer Volkszahl entspricht. Daß durch den eigenen Kataster die Juden aus den Kämpfen zwischen Deutschen und Tschechen herausgenommen werden, und welche Vorteile daraus, resultieren, ist schon so oft wiederholt worden, daß ich nicht nochmals! darauf zurückkommen Will. Aus! den angesteiften programmatischen: Erwägungen geh) ferner hervor, welche Bedeutung dem' Kampf um1 die Gewinnung der Kultus!- gemeinden. resp. um ihre Nationälisirung uüd Demokratisierung, im Rahmen der nationaljüdischen Bestrebungen zukommt. Diese Organe der Selbstverwaltung, .welche die Juden schon besitzen, brauchten nur ausgebaut und mit dem richtigen GeiSte erfüllt zu werden, dann werden, sie Großes'für das jüdische Volk feisten. Skandalöse Behandlung der Flüchtlinge Die „Arbeiter-Zeitun g“ vom' 9. d.M. enthält folgende Notiz: „Wie Flüch111 inge heimbeföTdert werden“. Aus B ö 11en in Mähren Wird unterm 6. ds. geschrieben: Wie in der gestrigen Nummer der “Arbeiter-Zeitung“ zu lesen war, führte der Ministerialsekretäjr Dr. Monte! im Flüchtlingsausschuß aus, daß das Ministerium' „mit allen Mitteln“ dahin zu wirken sucht, „daß sieh die Repatriierungstransporte möglichst schonungs voll vollziehen, daß. womöglich Personenwagen verwendet werden“ u. s. w. Ich (habe oft Gelegenheit hier — ^n der Strecke Wien—Krakau diese FHüChtlingstransporte zu beobachten. Mehrmals fuhren lange Reihen von Wagen, natürlich' Viehwagen mit Flüchtlingen und wie zum Hohn waren an diese Züge ein bis zwei Dutzend ganz leere Personenwagen gekoppelt. Also so schön und „schonungsvoll“ sieht es nicht aus, wie imän glauben machen Will. — Wir können nur sagen, daß das einfach ein Skandal ist“. Insoweit die „Arbeiter-Zeitung“. Es vergeht kein Tag, an dem nicht ähnliche Meldungen über menschenunwürdige Behandlung von Flüchtlingen einlangen. Und das Parlament schweigt! Die lendenlahmen Erklärungen imi Flüchtlingsausschusse, die Zusicherungen der Regierungsvertreter, die (mit „Befriedigung“, 'zun Kenntnis, genommen werden, schaffen keine Abhilfe, 'geschweige denn eine Genugtuung. Das Maß ist voll. . . Juden und Araber Aus London Wird;an'das Jüdische Korrespondenz-Büro im Haag berichtet, daß daselbst vor kurzem eine Konferenz Von Delegierten ver-1 schiedener Nationalitäten, die Syrien üna Palästina ßewohnen, iabgehaltenjwurde. Die Konferenz debattierte eingehend jdie^ Zionistischen: Bestrebungen und erklärte isich gegen die Errichtungeines Judenstaates in Palästina. Die Delegierten’ behaupteten, daß die gegenwärtige "Politik des Zionismus einen Judenhaß Von derartigen Dimensionen in der Tfitkei hervorgerufen habe, daß den Juden in Hinkunft selbst nicht gestattet werden würde, sich in Palästina 'niederzulassen. .. -Etwas seltsam, meint der Londoner Korrespondent' des Jüdischen -'Korrespondenz-Büros, mutet die Drohung :än," 3en Juden; jit Zukunft die Niederlassung in Palästina zu verbieten.. Bekanntlich besteht schon , durch Jahrzehnte ein .Einwanderungsverbot für Juden und eine 30-jährige friedliche Tätigkeit und Aufklärungsarbeit^ war nicht imstande, das "türkische Mißtrauen zu uberwinden und eine Aufhebung der gegen die Einwanderung der Juden gerichteten Beschränkung zu erwirken. Inwiefern die gegenwärtige Politik des Zionismus geeignet ist, die Gegensätze zu verschärfen, . ist nicht recht begreiflich. Die Ziele des. Zionismus sind heute keine anderen als vor denn Kriege. Das Baserer Programm, das heute auf zwei; Jahrzehnte. kuiückbKckt, hat in aller Deutlichkeit vor der ganzen Welt die Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte als die Forderung der zionistischen Juden pro, klamiert. Bei aller für England gebotenen Rücksicht auf arabische Wünsche findet die arabische Unduldsamkeit gegen die, Auf Palästina gerichteten jüdischen Wünsche, wenig Verständnis in öev englischen Öffentlichkeit ' - Das jüdisch-arabische Verhältnis (unSd Sie huch von jüdischer Seite aufgestellte Behauptung, daß die arabische Mehrheit in- Palästina die zio-c nistisChe Förderung einer jüdischen Autonomie in Palästina 'der sittlichen Berechtigung entkleide, behandeln folgende Ausführungen eines russischen Zionisfenführers, die .noch vor der Londoner Kundgebung geschrieben! wurden: „Man stößt Zuweilen auf die Ansicht, daß die, Juden nicht das „moralische Recht“ besäßen, die Herrschaft über Palästina zufordern, da den 100.000 Juden in Palästina 600.000 Araber gegenüberständen. Es wäre mit sittlichen Grundsätzen unvereinbar., die arabische Mehrheit durch die jüdische Minderheit beherrschen zu lassen. Das Judentum könne und dürfe sich nicht durch ungerechte .Forderungen dieser Art kompromittieren. Das einzige, was wir Juden mit Recht verlangen dürften, wäre „die Freiheit der Einwanderung und Kolonisation“, aber auch nicht mehr. Prüfen wir diese Argumente! „Freiheit der Einwanderung und Kolonisation“ ist in Wahrheit eine leere Phrase ohne juristischen Inhalte Selbst wenn sie in das Traktat des Friedens-, kongresses aufgenommen werden sollte, wird sie in der Wirklichkeit die gleiche Bedeutungsfosig-i keit besitzen wie der Paragraph des Berliner' .Vertrages, der den rumänischen Juden Gleichberechtigung „garantierte“. Es handelt sich hier nicht üm die Anerkennung von Prinzipien durch den Friedenskongreß, sondern in wessen Tiändet die wirkliche Macht über Palästina übergehe« wird. Wildsie 'durch eine "Regierung ausgeübt werden, die der jüdischen Kolonisation feindlich gesinnt ^st, dann wird sie sehr leicht und ohne Konflikte befürchten zu .müssen!, jeden „Paragraph“ zunichte machen können; Sie wird dicht einmal gegen den buchstäblichen Sinn des „Paragraphen“ verstoßen müssen, umi "die Einwanderung und ’Ansiedfun'g von Juden z!u Ver-* hindern. Es gibt tausend andere Mittel. Man kann lohne die Juden, auch nur einem Worte zu erwähnen, derartige Gesetze über Eigentumsrecht,- Neutralisation, Munizipal- und politische Rechte Erwandernder etc. erlassen1, daß die Kolonisation auf eine eiserne Mauer stoßen wird. Schließlich kann (m'an durch' alle möglichen „Auslegungen“ und die administrative Praxis“ aus jedem Paragraph Wachen, was ein Herz nur begehren mag. Darum ist ein Paragraph1 iw Friedenstraktat über Freiheit der Einwanderung keine Garantie. Entweder Verzichte Wan auf Garantien und gewöhne sich an den Gedanken, daß das Schicksal, unserer Kolonisation in Palästina von. dem güten, Willen der einjen oder anderen Regierung > abhängig sein wird — oder man gehe Sofort jaul das Ziel los und fordere wirkliche, lind echte Sicherungen. Und die wahre Garantie ist die Übergabe der örtlichen Macht in unsere Hände in der Form eines „Charters“ oder iigend. einer, änderen Art. Das ist es eben, was das Baseler Programm fordert. Menschen, die, es vor 20 Jahren unterschrieben, erinnern sich' plötzlich, . daß es .gar .nicht .ethisch ist. Kürzlich schrieb mir einer von Ihnen: ,jlch habe einen Vorschlag, der gerecht und selbst demokratisch ist Wir müssen keinen Charter für uns, sondern einfach eine Autonomie für Palästina fordern. Eto Parlament muß von der ganzen' Bevölkerung, der jüdischen und arabischen!, gewählt Iwerdeii. Das Wahlrecht muß ohne Unterschied der - Nationalität und des Geschlechtes jedem' eingeräumt werden, der des Lesens urfcl Schreibens kundig ist. Ein derartiges System wird folgende. Zahlen ungefähr liefern: In Palästina , sind : Zwar nur'100.000 Juden, aber alle erwachsenen- Männer und Frauen können schreiben' und, lesen. Somit wird die jüdische Bevölkerung je 40.000 Wähler der beiden Geschlechter haben. Von den 600.000 Arabern sind beinahe alte Frauen Analphabeten. Eine Hälfte entfällt somit sogleich. Auch unter den Männern ist insbesondere: in den Dörfern die Kenntnis des. Lesens und Schreibens nicht sehr verbreitet. Es werden sich kaum 25.000 arabische Wahrer zusammenfinden. Wenn man auf diesem' "Wege fortschreifen will, kann man z. B. das Mehrzahlsvotum entführen, das Personen von mittelmäßiger Bildung 2 .imit mit höherer Bildung 3 Stimmen zuerkeimt. Bei. Anwendung dieses Systems, das sich in demokratischen Ländern wie England und Belgien findet, Werde« iwir im ersten Parlament in bedeutender Majorität sein. Das erste Parlament imi3 auf Zehn Jahre gewählt werde« und im Laufe (dieses Zeitraumes werden wir auch zahlenmäßig unsere Position sehr befestigen können. Wie gefällt Ihnen dieses Projekt? Ich weiß nicht, (was! ich auf eine solche Frage antworten soll. Möglicherweise ist der Vorschlag in der Tat geistvoll; er ist verfehlt, weil er auf dem' verborgenen Gedanken aiifgebaut ist, daß eine so ideafistisch-gerechte, idealistisch-moralische Sache, wie ‘die Üebergabe Palästinas an das verfolgte jüdische. Volk, im Grunde ungerecht und unmoralisch ist, (Fas m'an durch alle möglichen Mittel maskieren muß. Merkwürdig und charakteristisch ist es, das man mit derartigen „sittlichen“ Ansprüchen und Argumenten nur zu Juden kommt Niemand wird emstHch fordern, daß England auf Ägypten nur deswegen Verzicht leiste, weil in Ägypten 11 Millionen Araber und nur 20.000 Engländer vorhanden Sind, tu Südafrika gibt es vier Millionen Neger und nJUr eine Million Weiße — aber die Weissen regieren. Indien besitzt 200 Millionen Indier (viermal (So viel als England Engländer), aber die Engländer regieren, obzwar ihre Anzahl kaum das erste Hunderttausend überschreitet ln Algerien, das vier Millionen Araber imd eine halbe Million Franzosen -zählt, regieren die Franzosen. Ueberethik ‘wird offenbar nur von Juden gefordert. Noch wehr: Unsere Moralisten selbst verlangen nicht einmal, daß Palästina durch’ seine Araber regiert Werde. Sie Wollen, daß über Palästina iigendeine Macht herrsche, welche der jüdischen Kolonisation freundlich' gegenübersteht Die einen meinen, daß diese Macht vielleicht noch die Türkei sein könnte, andere denken an England. Aber Wie einen wie die anderen finden es wohl „sittlich“, daß Palästina durch die Engländer oder Tüiken beherrscht werde, wiewohl tigen Verhältnissen, von Mißgefalleh ihrer Mitbürger ebensowenig verschont, iwie die Großen von deren Neide, obwohl die höchsten Amts!- stellen, sie als „Kulis“ ganz gut leiden mögen, weil, „die Judenschaft .‘ihre Waren, weil sie ganz gering und Sparsame Menage in Essen und Trinken und dann sehr schlechte Kleidertracht gewohnt sind, jederzeit .Wohlfeiler dahingeben täte.“ Ueber die äußeren Lebensumstände der Verstorbenen wissen uns die Leichensteine freilich wenig Zu melden. — Wer 'der Tote war, nicht was er gewesen, interessiert die nach innen blickende jüdische Gemeinschaft. Titel, Rang Und Reichtum sind unwesentliche Daten; wo hinter den glänzendsten Attributen des OberhoffaktorS oder k. k. priv. Finanzagenten stets das gelbbefleckte Grundwort „Jud“ entgegengrinst. Aber, daß an seinem Tische täglich zahlreiche Arme und Fremde gespeist wurden, während er sich begnügte mit einem' Krautgericht, das gereicht auch einem Samuel Oppenheimer zu ehrenvollen Lobspruch. — Wohltätigkeit und Gastfreundschaft, Opferwilligkeit für GemeinzWecke und Unterstützung des Studiums, dabei puritanisch gottesfürchtiges Leben sind bei Mann und Weib die meistangestrebten Tugenden, also Ideale der Zeit. — (Eine reiche Zusammenstellung derartigen Lobes, s. I. Einleitung XVII—XXIII.) Die allerhöchste Wertschätzung "freilich erlangte der Gelehrte — Ob Von Fach oder von‘Neigung — aber eben die auch hier graduell abschätzende, von Uebertreibungen sich ’femhaltende Würdigung und Titulatur gibt iuns ein ebenso Wertvolles! Zeugnis für die Jierrslchenden Ideen der Zeit Bloß der Name des Vaters fehlt wohl kaum auf einem Steine: es ist das> uralte patronymische ■Verhältnis, daß dem- Juden bis in die neueste Zeit Namen und Stolz gewährte. Die wichtigste Handhabe auch, um m den Labyrinth der Familienforschung, der ‘ja vorüegende Publikation ebenfalls zu dienen bestimmt ist, den Ariadnefaden der Abstammung zu erfassen. Vielfach erschwert wird die Sache durch die übliche zwei- und dreimalige Ehe und die zahlreiche Nachkommenschaft, deren .viere wohl den unzulänglichen sanitären Verhältnissen der Judenquartiere früh zum .Opfer fallen; erleichtert durch die Vererbung der Vornamen, während die Familiennamen derzeit -bekanntlich noch mannigfache Wandlungen mitmachen, 'zum Beispiel & die Familie Margolies - Jafa - Schlesinger - Guns! -Eger. Genealogische Studien haben sich natürlich' auch bisher viel mit den hervorrageritTsten der imi Buche verkommenden Fämifien besidiäftigt — es sei nur an 'die glänzenden DarsteHuSnge« Kaufmanns, Freudenthals, IDietz’ erinnert. — Aber wie Wachstein deren Ergebnisse revidiert, durch neuerschlossene Daten ergänzt, Zusammenhänge herstellt und Identitäten feststellt, geschieht imit solcher kritischer Sicherheit und überzeugenden Scharfsinn; daß man das Gefühl hat,, nur so und nicht anders könne (sich der Tatbestand verhalten. — Das Stammbuch eines R. Akiba Eger, die lAscedenz (LtnJä iDeszedenz tfer von Wertheimer, Oppenheimer, 'Arnstein, Eskeles oder der von ' Austerlitz-Wolf ist lückenlos festgestellt — Besonders interessant gestaltet sich die Untersuchung. über den dazumal vielgenannten MarannensprößÜng, Baron Diego d Aquilar, der für seine neuen Glaubensgenossen viel leistete, dessen Herkunft aber von Sagen umwoben war. (Schluß folgt.) Jüdisch-pädagogische Kurse A. Zusammen fassende Kurse: 1. Jüdische Geschichte und Dr. Joel Obermann Religionsphilosophie Dr. Wilh. Stein 2. Hebräische Sprache und Literatur a) für Anfänger; b) für Vorgeschrittene Moses Rath H. Distenfeld 3. Pädagogik: a) ABgem. Unterrichtslehre Reg.'Rat Prof. Dr. u. Aufgaben d. Erziehers Wilh. Jerusalem b) Ziel der jüd., Erziehung Dr. Abraham Sonne c) Jugendkunde Dr. Siegfried Bemfeld 4. Jüdische Frage und Bewegung Adolf Böhm 5. Wesen und Teknik Mer sozialen Arbeit Anitta Müller B. Spezielle Kurse; a) Zur jüdischen Kulturgeschichte: Realia des Jüdischen Altertums Prof. Dr. S. Krauß Das Leben der Juden im’ Mittelalter Dr. B. Wachstein Einführung in die Bibel Priv. Doz. Dr. H. Torczyner. Einführung in den Talmud Prof. R. Aptowitzer Feste; Kultus Rab. Dr. Taglicht Ferner Jüdische Volkskunde: das Leben der Ostjuden in der Gegenwart; Geschichte der Juden Wiens; jüdisdie Heimatskunde, b) Zur Pädagogik : Die Pröbteme des Religionsunterrichtes Rab. Dr. Taglicht Reißenden HMatz findet der Judiiciie NafionalEtalender!

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