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Jüdische Zeitung · 1917-10-12 · 41 (12.10.1917) · p. Seite 2

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
11 (1917)
Issue
41 (12.10.1917)
Date
1917-10-12
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Mängel anhaften, ob nicht nach ihrer Durchführung, anstatt daß gerade die kleinen Völker ge- ■ schütz* sein würden Wie man “heute allgemein äh;- nimmt, gerade die drei großen- Völker '(Deutsche, Böhmen und Polen! eine noch stärkere Präponderanz gewinnen würden- .als heute (vermöge ihrer ungleich höheren Steuerkraft und ‘des Einflusses, den das Gewicht ihrer Gesamtzahl in den gemischten Kreisen ausmachen würde, die auf Reziprozität angewiesen Sjnd), will jch nicht untersuchen. Hier handelt es sich nur Um die Frage, wie das Rennersch'e Schema, einmal 'durchgeführt, aiif dje speziellen Verhältnisse-der Juden wjrken würde. Ith" denke: Nicht sehr günstig- Die Juden“ besitzen nirgends ein geschlossenes Siftdlungsgte-; biet, sie sind auch in Oesterreidt nur ein' Diajsporayolk. Sie hätten jn kpinem^Krejse die Majorität. „Vielleicht . könnten fm sÖ&eri. teiYrjgte” .'iiräKch’e Kreise ‘gebildet’ weijden. was 'mehr“ “als ’ fraglich ist, inWestösterreich ist das ausgestehlossen.Selbst in* -"zweiten -Bezirk von Wjen.^a^eg-r,^le; .‘Judeij. keine Majorität- Wenn wjr,audh das, eiije ’Uebe], das hieraus, resultieren wünie: daß Juden sich auf kein Kraftzentrum. 'imJLjattyÄe .stützen könnten.: mehr so hoch anschiageR ..^oj^t-en, jää ,e6 gegen; den .bestehenden Ziist^üd’,w§nig^jüs,:lifi.lüe Verschlimmerung bedeutete, So ‘sincj, apejere, Gefahren, .die sich aus 'der Lage der Juflen, älg Diasporävolk bei der purchfühiufijgf“ off’ (nationalen Autonomie nach Rennerschem vSchtema“ ergehen würden; viel'.ernster’zu nehmen. ’ ' ' i Erstens, werden die Juden. in de^;. Krei»- Vertretungen,welche, wip bereits. erw^p.t, ^sätnt1 .ljdfie - VewäTtungfägenden in. Häniden. “ ,h äffen, : überall majorisiert. und. vergewaltigt > werden. Man. denke sich.nur,, daß ein ^iocäi.größerer. Tjeil | der Staatsgewalt .afs. .heute...in.’jden-ÄX.aijdesaiipj Schüssen und .autonpmen ’Gemelhlden.iU.die. Hände; der.deutschen oder tsdiechis^en...Nationalen,.und j ClirTstlichspzialen gelegt werdpii wurde!. Dann; bewsliilieijfete es fidi wieder .einmä, . daß_. wir J Judep ,nicht anders können als ’stpts' fiir. ^rc^-! ,heit und. Selbstbestimmung der VöTRer' eirfzytreten, immer aber die Zeche dafür" Zu tiezah'ien! So ginge es uns wieder be,i der nationalen Autonomie nach Rennerschem' Schema. •'Wollten1 \vir daher dasselbe aus./bloßer Freude an’der Genialität der Konzeption-vertreten,'- so -At'ürtfeh wir in den von uns. -grundsätzlich Verurtenteri Fehler der Assimilationspolitiker verfallen: uiid statt Realpolitik ideologisch oi-jentierte Politik betreiben, die schießljch den Juden schaden' müßte- Wehn Renner übrigens^ die -nationalen Minoritätenin gemischten‘Kreisen dadurch vör ^Vergewaltigung durch die Majoritäten geschützt1 glaubt, daß Gegenseitigkeit geübt werden müsste; daß zum Beispiel, wenn die 85°/o Deutschen- Wiens die 5°V Tschechen unterdrückten^ die böhmische Nationsgemeinschaft etwa mit Repressalien 'gegen die deutsche Minorität in Prag antworten könnte und vice Versa, so haben die Juden, da sie'überall jn der Minorität sitid, solche .Waffen nicht. .diaräJcteristisdien .Stellen gesucht, jeder Ausdruck, ob Sentenz oder Erzählungsmotiv, ob Teilchen einer gesetzlichen' Regel oder juristischen "Dis-c putes ist gut. genug, gelegentlich jherangezerrt zu werden; „sie leben-ja alle, im' Uriterbewußtsein des buchfesten „Lemers“. Die Kunst des- Autors besteht mm darin, einzelne Phrasen mit Geschick wirksam anzubringen, ’ ln." der Regel ihnen einen neuen anzüglichen Sinn - beizulegen, wenn audi mit etwas veränderter Schreibweise .oder Klangfärbung. Und ,so jagen sich den in Solchem Texte disiecta membra aus .Bibel,. Talmud, Midrasch und der Liturgie, wirr h.erbeigeliolt, Wortspiel und Witz, Anlehnungen',und Nachbildungen, auf den-Töten bezügliche Illusionen' und Assoziationen von "Wort tzu' Wort. Das! ganze Sammelsurium aber .durch keinerlei inneren Zusammenhang oder poetische. Einheit geordnet, hingegen durch äußere Reime“" Akrosticha und Chronostieha in arge Fesseln, geschlagen. — Statt der. zwar inoriginellen, doch edlen Reriaissahcesprache des -biblischen -Musivs ein kapriziös geschnöikeltes Barok von. Worten — allenfalls noch als Auswüchse immensen Studiums- und Könnens zu-bemessen. — In diesem .vielbuchtigen ’ .„Meere des Talmuds“ Soll Wachstem %is nun . wegiumdiger Lotse sein;'es sollen, jede hinge-. legte Felsenwucht, jede gewollte Tiefe, die. .zielwelsenden Leuchtfeuer!in ShremJUrsprung erkannt .und der Weg-zum benihigendeu Ufer des.(Verständnisses, gewiesen werden. - ,. Aber die Aufschrift Soll doch in erster Reihe . nicht, Stilübüng des Ueberlebendeu,- -sjonäejrn Vifiüiv- .digwig, -Charakteristik 'des VeisStorbeneu-j sein. Wie über letzteres ausnahmsweise auch' mittelst Art und Weise der Sprache geschehen kann, sucht Wadhsteiri eben bei seinem'“größten Toten nachzuweisen. — ' Auf dem' Denkmäle Samson Glauben Sie ja nicht daß es gerade auf Ihre drei Kronen nicht ankäme. Bedenken Sie doch, daß bei dem allgemeinen Tiefstand des Inseratengeschäftes die Existenz unseres Blattes auf. der 1 Summe der einzelnen kleinen Beträge beruht — Fördern Sie Ihre - .-eigene.. Presse- ■ =■- - " - na ■ - — , ■ . O; 1 Zweitens — und. diese Gefahr düukt,micli fij,i<ht minder .argdfohte;’ffen Junten .auteh.^fefeh' die Prözenfudrin. Es "ist einleuchtend, daß es Z. B. 85 ®/o Deutzien in Wien einfallenkönnte,;;das> Prinzip-j der verhältnismäßigen naT tipnalen : Vertretung, den- .nationalen. Schlüssel“ auch-auLdic.freien Berufe anziiwe.nden undetvva zustatuieren,; daß-' 85°/t der Advokaten, Aerzte usw. in Wien -der deutschen-NaponsgemteinsÖiaft angehören müßten. Wenn auch die jüdische Nationsgemeinschaft gegenüber dem -hantigen;;Zu^ stand .das .Recht : hättte. zu, ‘vertengen, ■ daß; 1 0°/ö der .Magistrats-■ uno - sonstigen Wiener .Beamtem Juden Sein-müssen, wenn -sie.auch ferner in ihrer -eigpneh Verwaltung und in; ihfenj^Schulen usw. eine..-große Anzahr «von Beamten-; un’d -Lehrergtelien an Juden zu. vergeben,-hätte, so, ist.es dqch sehr fraglich, ob damitdie Nachtejle einer (Aiisjdehnung der- Prozentnorm auf freie Berufe paralysiert :sejn würden* Davon ganz abgesehen. daji, das: Recht. Anstellung von z. ür 10<>/o ^ier, öffentH<hen Beamten,- Wiens in(. der. Praxis (dadurch1 illusorisch gemacht werden kann, daß man .den jüdischen (Beamten das Leben verleiden und das Avancement .erschweren würde. Angesichts dieser. Gefahrpiu .müssen;-Vor* uhd Nachteile der nationalen. Autonomie .mach Rennerschem. Schema “(däs int Osten auclj Vorteile für. die -.-Juden hätte, .während in ^diesem; Artikel yor .ajlem. die :Zhstände iu. .JJtestösterreich1 ins; Auge gdfaßt ijiverden) noclimals;genauerwogen, wer'deu, namentlich. aber ,-KauteTen gegen . die Prozentnörm und gegen die Vergewaltigung der jüdischen Minoritäten verlangt werden, bevor-, die Jüdische Nationalpartei sich , auf . d;ese Form der nationalen Autonomie programmatisch 'festlegt. Die nationale Autonomie isf übrigens für Oesterreich eine Sache; ziemlich . ferner Zukunft. F,ür die praktisch-politische Gegen,wartsarbeit der Jüdischnütionalen sind n,äher!jegende Zielpunkte aüfzus.telien. da es sonst unmöglielr jsf, auch nur •die nächsten Schritte, die über eine bloße Nationslisierungsagita'tion hinaus gemacht werden müssen, Zu "tun. Die Nationalisierungsärbejt " ist ■gewiß ejnc , Sache, welche unermüdlich weiterge- -führt werden . muß. Aber man stelle sich. einmal Wertheimers, des berühmten Hoffaktors, der zugleich anerkannter Landesrabbmer von 'Mähren und Ungarn War, feiert Obenbezeichneter Stil seine ausgelassensten Orgien.;’,Aber gerade dieses liegt jn Ider Absicht des Verfassers der Inschrift“, meint Wachsteiri. Das Lob des Gefeierten soll ,durch dessen' eigene“ Ideenwelt, durch' das, was 'seinen Lebensinhalt. aasmachte, gleichsamseine Objektivierung finden. 'Den Zeitgenossen und auch den Nachkommen die Bedeutung Wert-i heimers einfach mitzuteilen, hielt „der Autor für ganz überflüssig, -y Aber der1 “Besucher dieser Stätte sollte erfahren, daß hier ein Mann begraben liegt,, der wie ein Herr im ganzen weitschichtigen Schatze “gewaltet hat; der auch für die „Begegnisse jdes . Tages Beziehungen in Jer alten Weisheit Zu entdecken wüßte.. Es ist. die Spräche, des Verstorbenen, die. sich auf seinem! Grabe vernehmen läßt.“ Bekanntlich war der. geniale Finanzmänn Samuel Oppenheimer, der erste, der nach' ■ der Jüdenvertreibung. .von 1670 die kiais. Erlaubnis? erhielt,, sidh in;. Wien niederzulasseri- — ,;Er kommt aus dem Reiche als Einzelner. “Es sind nicht fiskalische...Rücksichten der üblichen Art, die bei! seinem Eifitasise in die Wage fallen. S. Oppenheimer repräsentiert in seiner Person allein, ein-Stück FiskuS Seiner Zeit, sejn Verbleib in Wien wird geradezu Zu einer StaatsfnohYendigkeib (S. 8.)“ Seine Grabstätte neuerdings 'frisch vergoldet und' die: seiner Familie bildet den auch die -Eingangspforte zu dem',: daWals zürn. Zweiten', Male: geweihten Friedhöfe .der jungen' Judenniederlasisung.. Nach ihm1 und mit Wtertheimers kamen drän die Amstein, Sinzheim, Leidersdorfer, .Lehmann, Uhrio' u. 'die ebenfalls meist aus Ihrer süddeutschen Heim'at' nach der Kaiserstadt 'zögen und dort durch groß-* vor, man hätte schon alte Juden Oesterreichs nationalisiert — welche praktische Politik sollen Sie dann machen? Mit anderen Worten: Zu welchem österreichisch-polltisdien Endzweck nationalisieren wir die Juden?■:Damit,; daß jüdischnationale Abgeordnete gewählt werden, ist noch wenig gefan'.' Man muß ihnen: auch ein pontives, 'durchführbares Programm in die Hand 'geben, nicht eines, das nur mit einem in der Ferne liegenden und überdies in seinen Umrissen noch nebelhaften Endziel'arbeitet. Welches kann dieses Gegenwarfsprogramm sein? Natürlich kein neues, aus den Wolken ge- .f?!tenes,.jsQp’dern eines, das sich organisch aus dem Hauptprogramm ergibt- Ja,., man .• kann sagen.. daß das. politische Gegenwartsprogrammschon da ist; von uns vertreten, daß schon lange dafür., gekämjjft :,wjrd;..es-iehlt rpur die the.O|- -retijehe Klarheit, .was man; eigoitiich' -dä'iPih üirtU Dieses 'Gegenwartsprogramm - ist meiner Ansicht nach1 gegeben ‘in der Verbindung der Postulate des; nationalen- '.Katasters;- .imd;^^ des ■ Rerchsburides der zu Volksgemeinden ausgebauten Kultusgemeinden.*) ‘ '' Mit der Dürehs'etzurig ‘dieser beiden Postujate-; w:äreti beinahe alle .Vorteile.- wegen' welcher wir einevnationäl-kulturelle Autonomie -.a*tstreben.;-erreicht! ohne'-daß; Nachteile entstehen:- könntenywl? .aus -dem .Röjnerschengchema-‘der Autonomie..'.. Dies geht; -aus: folgender Erwägung hervor : . -Der jüdische Kataster käme einer öffentlichrechtlichen Anerkennung und •. Zusammenfassung der jüdischen Nation gleich und sicherte den. Juden eine -jangeirte&$ne• Vertretungin Landtag - und Parlament.;;; . . ... - . •; .. : Die Kultu^gemeinden, die.: auf Griind; des allgemeinen.: Wahlrechtsalle; Juden . ,'ymfässen Würden,'**), .Istellen-, in. ihrer. Verbindung ungefähr. das vor. “was 'die. nationale Rechtsperson; jichkeiteri' im Rennerschen Schema bedeuten.' Sie haben ja' heute scliön die Steuerhoheit, können Schulen. Spitäler "usw'. errichten und’ tun .dieis ja, auch. Wenn durch das allgemeine. Wahlrecht i'ri den .Kultüsstub'eri' dje ‘großbourg’eÖisen. assi,- .miratörischteri Eltemepttel die Führung, verlieren würden üii.d. si’e an' die nationaldemokratischeii Kreise abgeben-. müßten.- .'dann - w-ürderii' :>di^“'Öifrr’ meinten auch-'tatsächlich solche nationale Arbeit lei|ten, wie wir 'Sie Von der nationalen 'Autct noinie ehvarten. * . ' Cie Frage Von E. L. O. in Nr. 34***) der „Selbsfwehr“, was die. N.ationaljuden. Böhmens angesichts! des Ausgleiches verlangen sollen, ist nach diesem Programm leicht zu . beantworten: den jüdischen Kataster lind mit ihm die verhält- *) Vgl. auch für. Max Rosenfeld in der „Heinikehr“: „Die nationale Autonomie, der Juden in Oesterreich,“ . **) Vgl. Dr. Max Rosenfel.d a. a., O. ***) Jahrg. 1912. zügige Darlehensgeschäfte, Später Heereslieferungen um das Staätswesen unvergängliche Verdienste, sich aber- Vergängliche Reichtümer erwarben,. — Nichts Tragischeres; als das1 Los dieser Patrizierfamilien, (die ‘ mit Einsätz ihrer ganzen Individualität und Fähigkeiten die Finanzen jdes (rtimmersatten,Staates iaufldie Füße halfen, dann, aber von jenem in Jtich und Konkurs gelassen wurden, die als „Führer und Fürsprecher“ ihres Volkes „vor den Fürsten und Großen des Landes“ standen'und die selbst ihrer Existenz niemals sicher waren. — Ihr Schicksal teilten: die tainores 'gentes, die Hirschl, Spitz, Brjlin (Brüll), Margolies-'Jafa, 'Austerlitz, Koblenz, die aus Ungarn, jund den österreichischen Ländern teils einteils rückeingewandert, wohl den ersten Anstoß zu jenem' Zwitterzustand gaben, den wir bei den meisten 1 Wiener Bewohnern, dieser Periode vorfinden. Sie wohnen in der Hauptstadt, hier gehen sie . ihren Geschäften nach, geduldet, privilegiert, doch rechtlos, versäumen;es. aber nebenbei Selten, in den benachbarten jüdischen Gemeinden ihr (Wohnrecht Zu erwerben, zu deren Aufschwung durch persönliche Beziehungen; durch Legate und Stiftungen viel, beitragend. i Da liegen Sie nun. die ersten Judenaristokraten, unter schweren Marmorblöcken und wie Sargdeckel iübereinandergestürzten Sarkophagen, neben ihnen, die schon oft von Schuldenlast beschwerten Söhne, lund ringsumher ihre „Schützlinge“ und. (das Proletariat, das aus "Ost und West, aiis dem’fernen Smyrna und äuS 'London zusalUmengeftrömt -war, um hier sein kührtneflidi Brot Zu verdienen (und ziemlich. off hr? -"Judenfspital' oder „Judenbegräbnis an “der Rossau“,- wie es in' der amtlichen Liste -heißt,' zu enden. — Sie handeln und wandeln in bescheidenen, dürt-

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