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Jüdische Zeitung · 1917-10-12 · 41 (12.10.1917) · page 1

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
11 (1917)
Issue
41 (12.10.1917)
Date
1917-10-12
Page
– (sequence 1)
Language
German
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fahrganjt — Erscheint wöchentlich einmal Redaktion: Wien 11, Zirkusgasse Nr. 33 Sprechstunden: Mentag bis Freitag Von 2—4 Uhr, Sonntag von 11—12 Uhr Manuskripte werden, wenn unverlangt, ohne Rückporto nicht zurückgesandt RedaktionsschluB Dienstag um 7 Uhr Fernsprech*Nummer 43-3-25 Nafional-jüdifches Organ Mit der Beilage: Der Jüdifche Nationalfonds Wien, Freitag, 12. Oktober 1912/ 26.Tisdlri5678 emze nummer 24 he. «f Geschäftsstelle: Wien ll/i, Zirkusg. 33 Geschäftsstunden: Montag bis Freitag von 9—12 u. 3—7, Sonntag von 9—12 Bezugspreise: Ganzjährig ItlO.— halbjährig K 5.—, vierteljährig K 3.— Anzeigen und Beilagen nach Tach Postsparkassen - Konto 133404 fc«finit* Adolf Böhm, Programmziele der Jfldischen Nationalpartei. — Prof. Dr. A. Fürst, Saza loqnuntur. — Skandalöse Behandlung der Flfichtliacelllllctli- Juden und Araber. — Liter. Nachr. — Aus der jücLWelt. — Zion. Zentralkomitee für WeStösterr. — Herrn. Grat — Ber. u. Koresp. — Ankünd- Programmziele der Jüdischen Nationalpartei Von Ado« BOtan, Wen. die Ausschaltung aller nationalen Streitigkeiten aus Parlament. Landtagen nsw., durch die heute, wie jedermann. weiß, die Staai^masdiine lahm¬ .Varbenrerkung der Red.: Wegen des erhöhten Interesses, das infolge der Verfasäeiihgsreviskm die Frage der jüdisch- - nationalen Autonomie erhalten hat, drucken wir nachstehend einen Teil eines Artikels ' ' ab< den Gg. Adolf Böhm im! Kähmen eines Zyklus jtiber zionistische Politik- Öl der Prager .;,Selbstwehr“ in der Nr, 37 : wen' Jahre 1912 und gleichzeitig Sri der „Jüdischen Zeitung“ erscheinen Heß. Trotzdem' der Artikel fünf Jahre alt ist, sind die darin berührten Fragen noch aktuell* womit der Wiederabdruck gerechtfertigt erscheint. Die jüdische Nationalpartei 'für Desterrejdb setzt shh in ihrem Krakauer Prcgiamni '(1906) die Erringiing der nationalen Autonomie der österreichischen Juden als Hauptziel ihrer poli- #tibm Aktion. Was ist nun. inijer nationaler AüjtonjpbKd ea verstehen? Weitaus die überwiegende Mehrzahl der Parteigenossen stellt sich darunter hrebte anderen vor, als eine Autonomie dereinzehieh, zu Redrtsjpereönlichkeiten zusammengetaiftäff'Na-' tjk»eh Oesterreichs inbezug. auf ihre haEoidaltjhltureffen ‘Angelegenheiten lind ihre Vertretung nach 'außen, wobei ihnen durch eine'gewisse Steuerhoheit die IMittei für die Errichtung' 'der national-kulturellen Anstalten, Schulen, 'Museen uSw. vbrtf Staate verliehen werden sollen. Die Analogie mit den Religionsorganisationen wäre nach dieser Auffassung der nationalen 'Autonomie Sne vollkommene. Ueber die Vorteile einer sötchen Ordnung der Dinge in Oesterreich für die innere Konsolidierung der Nationen braucht nichts gesagt zu werden; auch jene'für das) geslamtsfßaiüdhe Leben sind sehr einleuchtend, weil Saxa loquuntur Von) Prof. Dr. A. Fürst, Szekesfehervar (Stuhlweißenbuig). Geschichte, wie noch nie, Wurde in den letzten drei Jahren {mit [Blei und Blut, mit Worten irad Ränken gemacht; jede Stunde bringt uns des Weltgeschehens mehr Zur Kenntnis als unser Geist Sonst in den Jahren .zu 'apperzrptered gewohnt War. Und doch dürfte die Geschichtsschreibung kaum1 je größeren inneren Schaden erlitten haben, :als in diesen Zeiten, wo Muse KEo fürwahr ein allzu deutlich Janusgesicht trägt Da wird der Beobachter naturgemäß von Skepsis erfaßt: Wie soH die Geschichte das Gestern und Vorgestern im Zusammenhänge uns vorführen, wenn sie das Heute kaum in Details) zu erkennen vermag? Die Geschichte wird uns als die Schule des Lebens gelehrt und die besten Schulbeispiele der Geschichte liefert das Leben. — Tausende von Willensenergien Und Millionen von Kräften resultieren in eine Schlacht Aus einer unendlichen Reihe Von Schlachten, Kämpfen mit Natur und Mensch besteht das endliche, menschfidhe Leben: Wie Sollten wir vorlauter Lebensbäumen je den Urwald, Menschheit erblicken? Doch wie jeder Baum aus eigenen Gesetzen heraus, ewig den gleichartmen Teil des Waldes bildet, so ist es. auch des MensJchen Seele, die Körper und Körperschaften um sich Schafft: Der Mensch lebt ewig, jede Gesamtheit ist fiktiver Sammelnamen, Natron und Konfession, allerdings lebendige geschichtliche Konstruktion. Gedanken dieser Art, Gegensätze tWd Geschichtsbetrachtungen werden im Laien Wach., .wenn den vor einiger Zeit erschienenen, monumentalen II. Band von B. WachSteüh:- „Die Inschriften des alten Judenfriedhofes in Wen“*) gelegt und der Fortschritt des Reiches gehindert wird, nur wohltätig wirken kann. * So ähnlich haben sich die Schöpfer des Krakauer Programms, unter denen auch ich midi befand, die „nationale Autonomie“ gedacht, wobei sie die nähere Ausführung und theoretische Durcharbeitung dieses Programmpunktes der weiteren Parteiarbeit überlaSsen mußten. Leider ist äber auf diesem Gebiete bisher nichts geleistet worden, man war überdies Im Zuge der sich häufenden praktischen Aktionen versucht, ‘die Theorie überhaupt gering zu schätzen, und so wurde verkannt* Wie nötig zu. jedem Schritt in der Praxis, eine vorherige theoretischer Untersuchung der anzustrebenden Ziele ist: zuerst waa das kommunistische Manifest und dann), auf ihm. fußend, konnte erst eine sozialdemokratische Partei entstehen. Ich höre Schön den Einwand, der mir gemacht werden wird, denn ich habe ihn immer wieder vernommen: die „nationale Autonomie“ ist theoretisch bereits in klassischer Weise vonDr. Karl Renner (Rudolf Springer) durchgehiHdei worden. -'Gewiß.!- Aber-haben/wie auch schon untersteht, -ob gerade däs^Scheajäi Renners geeignet ist, ein Programmziel der Jüdischen Nationalpartei am bilden? Das isf bisher nicht geschehen, wäre fcber, wie aus folgenden Erwägungen hervoigeht, äußerst* notwendig. Das Rennersche Schema Ist nicht identisch mit einer bloß naticmaf-kuliurelfen Autonomie, sondern Reimer*) verbindet diese mit einer De- *) Rujd. Springer '(Karl Renner): Der Kampf der österreichischen “Nationen um den Staat I. Wien* Deutidee 1902; Kurze Zusammenfassung bei Otto Bauer: Die. Nationalitätenfrage und die Sozialdemokratie. Wien, Brand, 1907. mit Muße zu Ende geblättert hat — Totensteine sind hier der Reihe nach abgeschrieben, zum reichlichen Teil in hübschen Lichtäufnahmen wiedergegeben: die Zweite “kleinere aber bedeutendere Hälfte (von Nr. 696—1050) der alten Wieper Metropole in der heutigen SeegaSSe, Du beginnst zu lesen und die Steine fangen an Zu sprechen, Personen und Persönlichkeiten erstehen vor Dir, insgesamt wohl nur an Häuflein von Juden, - das in den Jahren 1670—1783 die engen GäsSchen Zwischen Hofburg und Stefansturm bevölkerte. — Wolltest Du den Eindrude zusammenfassen, So sagtest Du, sieh, die Geschichte der Wiener Juden im XVII. und XVIII. Jahrhundert, in Wahrheit bekommst Du Blatt für Blatt ein Bild des Juden, wie es in dieser Zeit, in dieser Umgebung, sich spiegelte: documents humainS Sund als Solche zu werten — Der Gelehrte wird die beiden Bände in Leider binden und als abschließendes Standarfweric, als) unübertreffliche. Musterpübhkation den ähnlichen Zusammenstellungen anreih^n, die wir zum 'Beispiel iüber die Friedhöfe von Frankfurt, Worum, Prag, Preßburg besitzen. Der historisch interJ essierte Leser aber wird das voluminöse Werk in Seine 40 Bogen zerlegen und sie . als Lektüre in die Sommerfrische nritnehmen, denn „wo Ihr’s packt, da ist es interessant.“ . Dr. Bernhard W aehste in, Bibliothekar der jüd. Gemeinde in Wien, hat die gestellte Auf-, gäbe in zehn Jahren emsiger Arbeit mit vollstem Erfolge »gelöst: Die Daten wurden mit ... . *y Im Aufträge der historischen Kommission der israelitischen Kultusgemeinde in Wien bearbeitet von Dr. Bernhard W aehste in. Mit 68- Texlbildem und?4 Tafeln^ II. Teil, 1696—1783.— Wien und Leipzig, Wilhelm Braumüller 1917j mokräjisfienmg der Verwaltung nach englischem Muster („Local Seff-Govem;ment?i). wodurtK es ihm möglich wird, die Autonomie der Nationen Hst zu vollkomener Gebietshoheit, die ja das letzte Ziel jede» Nation ist, auszuweiten und gegen alle Zwischenfälle des staatlichen Lehens zu versichern. Nadir .Renne» soll ganz Oesterreich in mög- Uehsttnatknal aesfchloSseneßelbstverwaltungskreise eingeteik werden. Den auf Grund des «ügemeinen Stimmrechtes gewählten Kreisvertretuirgen grillen die Verwaltungsfunktioiten der staatlichen und territoriafaüionomen Organe (Landtag, Bezirks-. Gemeindevertretung) 'übertragen werden. Dort, wo gemischtnationale Kreise gewhnifen werden müssen, deren Zahl, wie die “Bechsth* Wahttizeifieiateilung zeigt, cmf ein Mi*»- munr beschränkt werden konnte, 'soll die Kreis- Vertretung proportional nach) den BevöRcean^- zahlen: der. im Kieis. ansässigen Nationen zusamme^gesetzt weriiett. Aus 'den nationalen Kreisvertrelungen setzt sich, sodann die nationale Recfatspersönli efekei* zusammen. Wje aus diesem Schema hervorgeht, ist auch für Renner nicht,, wie mait fälschlich aUnimnt, «fasr reine „FeTSÖnaKl3tsprfitzip‘*- die Zusamttneafassttng der Nationsiaiigehörigen). das alleinige konstituierende Prinzip, sondern 'agbie Konstruktion setzt voraus, daß jede Nation'eTn bestimmtes 'territoriales Gebiet, in welchem sie allein siedelt, besitzt. Diese natiomalgeschiocäene Territorien mit ihrer nationalen Selbstverwaltung; hn Kreise sind die Zentren und Stützen der nationalen 'Autonomie. Die Angfiederang der Nationsgenossen in "der Djaspora zum'Zwecke ihrer nationalen Sicherung ist auch bei Redner trotz des reinen Personalitätsprinzips, das er anwendet, von weniger als sekundärer Bedeutung. Ob der Renne rechen Konzeption nicht schwere gewissenhafter Genauigkeit über- und überkontrolliert, mit wissenschaftlicher Akrjbie geprüft und in tadelloser, bis auf die Form der Steine tmd Zeichen Rüde sicht nehmender Weise zur Reproduktion gebracht — Mäzenatentum der Herausgeber und das rühmliche Streben der Verlagsfirma aber gaben dem Buchstaben ein reiches Gewand, das sich sehen lassen darf. 473 Inschriften enthält dieser Band; die mächtigen Platten und Säulen der pompösen Sarkophage sind mit ebensolcher Liebe kopiert, wie die in die Umfassungsmauer des Gottesackers eingelassenen Bruchstücke, die bloß durch ein Wort oder Silbe zeugen, daß sie einfct Grab-« stellen gewesen. — Dem Texte der Insfchrift, der nach altem jüdischen Brauche mit Klageworten nicht kargt, folgt in erster Reihe eine sprachliche Analyse desselben, wo wir den Historiker von der .Seite des Philologen, des gewandten Beherrschers des jüdischen Schrifttums, bewundern können. —; Dem Laien ein Bild davon zu geben, wie So ein solcher Text beschaffen ist, wie es geschaffen wurde, ist schwer möglich. Es ist ausschließlich sogenannter Musivstil, ein Mosaik von Worten und Wendungen, die irgendwo ön biblischen Schrifttum bereits Vorkommen und dort fokalen Wert erhalten haben. Der sie benutz^ stellt absichtlich aus passenden Geiegenheitsausdrucken und formelhaften Allerweltsworten ein Florilegium her, das weniger durch eigenen Duft als durch traute Erinnerungen erquickt — Sn diesem Falle also tröstend wirken sojtr Die ersten 'Jahrhunderte der Neuzeit, die Glajnperiode der rabbini9chen Gelehrsamkeit, zeitigten aber eine'Weiterentwicklung, in den» nunmehr nicht bloß das biblische Sondern auch das weitsdikhtige rabbinische Schrifttum den Stoff abgab. Im Talmud wird nicht mehr nach Gesinnungsgenossen! Habt ihr schon den Bezugspreis gezahlt!

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