Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 11 (1917)
- Issue
- 40 (5.9.1917)
- Date
- 1917-09-05
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2438141-2438623-2438663--5476-2445457- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
„Diese. Woche waren es zwanzig Jahre, daß der eiste Zionistenkongreß in Basel zusammen trat, wo Dr: Herzt das zionistische 'Pngranfml entwarf: die Rückkehr des Judentums naöi1 dem* Lande der Verheißung. Bin Jubiläum1, (las; Beachtung vor’atleifr in diesen bangen Tagen ver- IS dient,1 lwo das jüdische Problem durch das Los, das in Bälde Palästina treffen wird, und die Befreiung einiger Millionen Juden jnt früheren Zarenreich mehr denn Je Aufmerksamkeit findet. Die Emigration nach Palästina hat inzwischen, wie auf den folgenden Kongressen konstatiert werden konnte, stark .zugenommen, ln Jerusalem bildeten die Juden beim Kriegsbeginn "die Mehrheit* und im Norden' und Süden des Landes' findet man blühende jüdische Bauemkolönien.' Mit Stolz dürfen die Zionisten auf'die ErgebhisseJ ihrer : unermüdlichen Arbeit zurück« blicken.' Indessen hat derjWeltkrieg einen eigenartigen Einfluß' auch auf den Zionismus ausgeübt: Einerseits ist die Erwartung, daß Palästina riuninehr den Juden zufallen 'wird, stäiker denn je:’ Die Zionisten* rechnen selbst darauf, daß das Ergebnis des Krieges, ein Jüdenstaat in Palästina; Wird erreicht werden können. Aber anderseits ist die tiefe Kluft, die der Krieg in den Kirchen und Völkern erzemjte, auch den Zionisten nicht erspart werden. Der deutsche Zionist fühlt deutsch, der englische Zionist englisch; hier werden alle Erwartungen auf ein unter englischem Protektorat stehendes jüdisches Palästina gebaut, .dort auf einen jüdischen Staat, der ein Teil des türkischen ’ Reiches ' bleibt Beim Beginn des Krieges entstand in England eine starke Bewegung-, für die Uebergabe Palästinas an > die Juden — allerdings 'unter englischem Protektorat Auch in der französischen Presse wurde der Plan lebhaft bejubelt. Doch allmählich bildete Sich eine neue Strömung, die die Lösung der zionistischen Frage den Vereinigten Staaten anvertrauen wollte. Man erachtete' dies iWünschenswert, um in erster Linie Meinungsverschiedenheiten zwischen England und Frankreich vorzubeugen .und der Türkei den Verzicht auf Palästina — immerhin dann doch an einen neutralen Staat — zu erleichtern. Nun ist, "da die ’ Vereinigten Staaten gleichfalls iii den Krieg Verwickelt lund,Feinde der. Tjjrkei sinjd, die Situation wieder ganz .verändert und Wartet die Frage, wie es werden wird, wenn die Entente über Palästina zu gebieten haben wird, noch immer auf-ieine Antwort Der Befehlshaber der englischen Armee in Palästina sprach von einem,'-Palästina unter englischem öder französischen Protektorat. Lord Rothschild schrieb in. der „Times“ von einem Palästina unter Souveränität der Entente. Auch hat man jenseits des Ozeans als baltan d’essai die Frage der Neutralisierung Palästinas-aufgeworfen, damit die Juden in der Tat begreifen, daß sie nun1 ein . eigenes Land;Bäben.: Und ivoü italienischer Seite wurde wieder* gemeldet, daß "auf “der letzten Konferenz _der Teitepden .Staatsmänner der* Ententeländer Südpalästina als* Deckung der Verbindung zwisdieri dem Suezkänäl und Mesopotamien als" engjische Interessensphäre, Nordpalastina mit den keiligen, Orterr als ^ge meinsames Schutzgebiet Englands, Frankreichs und Italiens) erklärt ■wurde. Soll es zu dieser ^Verteilung kommen/danh muß natürlich die Entente die Türkei zuerst niederwerfen. Auch in Palästina hat sie die Zähigkeit' des Türken ‘kennen gelernt. Nochimmer stehen 'die englischen “Truppen vor Ghaza, das 80 Kilometer :vöh‘TJeruSälem entfernt ist, und kommen nicht .«weiter. Sicherlich jyürden sich ganz neue' Möglichkeiten für die politischen Verjjjaltniss4"' imy,heiligen’ Land eröffnen, wem» die 'Engländer hi Jerusalem einzögen. Aber soweit ist es nicht ..unld es gibt mehr ats einen zu einem Urteil Befugten, der es selbst als sehr zweifelhaft erachtet, naß die . Entente jemals ihre Hain cf auf Jerusalem legen wird. Fjor den Proententezionisten. wäre -das sicherlich1 eine Enttäuschung. Für die Sache indes, die der Zio* ' qismüs* vertritt, /müßte es indes am allerwenigsten gleicherweise sejür Denn' auch von Seiten der Zentralmächfe,7 die'' natürlich den Türken in- Seinem asiatischen Reich als Herrn belassen wol- *l®t, tritt ’-Wäh eifrig für eine Masseriaus'wanderung der Juden nach Palästina eite“ Der Artikelschreiber'' weist auf '' einige deutsche Stimmen ’kui, welche das Interesse Deutschlands und‘ der Tüik'ei' an -der VerwirkKchuttg deS Zioofsmus beweisen wollen ‘uhdfährt dann fort: „Wlj-;könnerif’'äne diese politischen Bereduiungen beiseite Tässeni' Aber jedenfalls dürfen wir indes} fcststellen: Das IdeaPties Zionismus ist iii seinem JübiläümSjähr seiner Verwfridichüng; beträchtlich'' näher gekommen. Wird es dieses Geschlecht hoch erleben, Baß" als fruchtbare Folge des grausamen Krieges Palästina, in welcher Form1 auch, ein jüdischer-Staat wird?... 'Wie sehr übrigens die' Meinungen über das künftige Los der Juden auseüiändergehen, bei der Christenheit war Imrifer' die Ueberzeugung unerschüttert, daß nach'den Andeutungen der Schrift die Juden das Larid' ihref Väter Widder als Erbgut' besitzen würden und Jerusalem' wieder . erbaut werden würde. Wir wollen nicht mehr sehen als' 'die. Schrift imis deutlich offenbart Aber es ist geboten, auf die Zeichen der Zeit zu achten. Daß sich' im Osten überraschende Dinge vorbereiten, 'wird wohl durch niemand mehr bezweifelt, wir stehen vor einer' neuen, höchst bedeutsamen Seite in der Geschichte des jüdischen'.'7 Landes. Der 2000-jährige Traum des jüdischen Vötkes, so jubelte bereits eine überseeische Zeitschrift, , steht vor seiner Verwirkfichung. » ‘ Zur Ansct . ...-rssgerssr Zum uesch _ __-enke IQr* "andere Zur UatiekgaWensenclüwg iw» Faid JuOisAsr NationalbalenOep Dritter Jahrgang ’ Herausgegeben von Otto Abeies und Ludwig Bald Nur gegen Voreinsendung oder Nachnahme des Betrages von K 4.— xu beziehen vom Verlag _der indischen Zeitung_ Jüdisch-pädagogische Kurse Die Erziehungsfrage ist für das Judentum — so wie für alle Völker — vielleicht die wichtigste und entscheidendste der Gegenwart und nächsten Zukunft. Zahlreiche Institutionen, Schulen, Sprachkurse, Kinderheime, Horte, Gärten, Waisenhäuser, Ferienkolonien: -u. dgl. /widmen sich dieser " bedeutsamen Aufgabe imd es ist mit Sicherheit: zu erwarten, daß -bald noch mehr solcher jüdischer Erziehungsinstitutionen entstehen werden. Ihre fruchtbare Entwicklung aber ist sehr gehemmt durch den Mangel an geeigneten Lehr- und Erziehungspersonlichkeiten. Es fehlt die genügende Anzahl von solchen, in denen sich modernes pädagogisches Können und Wissen vereinigt mit gründlicher jüdischer Bildung. Diesem Bedürfnis zu dienen, ist der Zweck der jüdisch-pädagogischen Kurse. Sie sind sowohl für alle jene berechnet, die aktiv im Erziehungswesen stehend, in irgend einer Hinsicht empfinden, daß sie der Fortbildung oder Ausbildung bedürfen, als auch für jene, die ihreWahl für den jüdischen Erzieherberuf getroffen haben und nun sich eine geeignete Vorbildung erwerben möchten. A) Zusammenfassende Kurse: 1. Jüdische Kulturgeschichte Dr. Joel Obermann, Dr. Wilh. Stein; 2. Hebräische Sprache und Literatur (für Anfänger und Vorgeschrittene) Moses Rath1, H. Distenteld; 3. Pädagogik: ä) Allgemeine Unterrichtslehre und Aufgaben des Erziehers! Regierungsrat Professor Dr. Wilhelm Jerusalem, b); ‘Ziel der jüdischen Erziehung Dr. Abraham Sonne, c) Jugendkunde Dr. Siegfried Bernfeld; 4. Jüdische Frage und Bewegung Adolf Böhm; 5. Wesen lind Technik der sozialem Arbeit Anittä Müfler. 7 B) Spezielle Kurse: a) Zur jüdischen Kulturgeschichte: ReaÜa des Jüdischen Altertums Prof. Dr. S. Krauß; Einführung in die Bibel Priv.-Doz. Dr. H. Torczyner; Einführung in den TaTrmmä Prof. Aptowitzfff; Das Leben der Juden im' Mittelalter Dr. B. Wachstein $ Feste, Kultus Rabbiner Dr. Taglicht; ferner: Jüdische .Volkskunde: Das Leben der Ostjuden in ‘ der Gegenwart; Qeschichte der Juden Wiens; jüdische Heimatskunde» b) Zur Pädagogik : Die Probleme ‘des Religionsunterrichtes Rabbiner Dr. Taglicht. Ferner: Lehnnittelkunde; Besprechungen /über Lektüre, Spiele, Sagen usw., usw.; Besprechungen über die Methodik der Kinderheime und -horte; Methodik des hebräischen Sprachunterrichts; Umgang mit Jugendlichen; Musik, jüdische und hebräische Lieder. Die Kurse finden für Erwachsene (über 16 Jahre) in deutscher Sprache an allen Wochentagen abends (mit Ausnahme des Freitags) von Va7 bis l/»10 Uhr statt; ferner nach Ueberein-t kunft an den Sonntagvormittagen von 8—12 Uhr. Die Kurse dauern von Anfang November biß Mitte Februar; von.Mitte Februar bis Mitte Juli. Ordentliche Höreir (Hörerinnen) sind solche, die das Recht zum Besuch sämtlicher Kurse erhalten. Diese haben zu entrichten: einen einmaligen Vereinsbeitrag von K 5.— und einen Spesenbeitrag von K 20.— pro Semester. Außerordentliche Hörer (Hörerinnen) sind solche, die das Recht zum Besuch einzelner Kurse erhalten. Diese haben zu entrichten: einen einmaligen Vereinsbeitrag von K 6.— und pro Kurs und Semester K 10.—. Es findet nur eine beschränkte Zahl von ordentlichen und außerordentlichen Hörern (Hörerinnen) Aufnahme. Vormerkungen habere daher umgehend zu geschehen. Anmeldungen bezw. Vormerkungen müssen enthalten: a) Name, b) Adresse, c) Alter, d) gegenwärtige Berufstätigkeit, von ordentlichen Hörem überdies: e) ausführliche Darstellung des bisherigen Studienganges. Eventuelle Ansuchen um Ermäßigung, Stundung oder Erfassung des Spesenbeitrages sind zugleidi beizufügen. Die Anmeldungen sind zu senden an: Jüdisch-pädagogische Kurse, Wien, II., 'Zirkusgasse 33,1. St. — Sprechstunden: Dienstag und Mittwoch von 6—8 Uhr abends. Die1 Angemetdeten bezw. Vorgemerkten werden von der Leitung vom genauen Datum und Ort des Beginnes der Kurse schriftlich verständigt Für das Kuratorium : Adolf Böhm. Anitta Müller. Adolf Stand. Reg.-Rat Prof. Ehr. Wilhelm Jerusalem. Wien., Mitte September 1917. Aus der jüdischen Welt Ebk Hetzschrift. Der „Vorwärts“ meldet: Den Reichstagsabgeordneten ist eine alldeutsche Flugschrift eingehändigt ‘Worden, die abetr auch sonst im Volke verbreitet zu wefrden scheint. Sie ist angefüllt mit Schreckensbildem von den Russengreuetn in Ostpreußen. Jede einzelne Illustration trägt eine Unterschrift, wie: Herrn Scheidemann, M. d. R., gewidmet; Herrn Erzberger, M. d. R„ gewidmet; Herrn Pittmann, M. d. R., gewidmet usw. Die ganze Broschüre nennt sich:;,Den Herren Reichstagsabgeordneten, die einen deutschen Grenzschutz abtehnen, ins Stammbuch.“ Für die Skrupellosigkeit, mit defr die Schjrift hetzt, ein Beispiel: ln der ersten Illustration gebärdet sie sich philosemitisch: da wird das Bild eines von den Russen ermordeten Juden dargestellt, um an .das jüdische Solidaritätsgefühl des Abg. Cohn .zu appellieren. Auf der letzten Seite aber läßt der Verfasse^ die Maske fallen. Da tautet es: „Und im sicherheitsgewiegten Lande dürfen, seit Jahr und Tag, zum Schaden und zut Schande Deutschlands — ungestraft — dunkelhaarige und feindselige, in Deutschland geborene Ausländer ihtr Unwesen treiben (das bezieht sich wahrscheinlich auf die hunderttausend jüdischen Mitbürger, die im deutschen Heere ihre Pflicht erfüllen. Red. d. Vojrw.).., darf eine, vom deutschen Standpunkt aus .betrachtet, schäbige ,InternationaIisten‘-Presse den Todfeinden Deutschlands geistige Waffen lie - fern... dürfen sogenannte Volksvertreter alles, was wahren Deutschen heilig ist, durch Verhetzung und Zersetzung und durch Wort und Tat verraten Ausweisungen aus Oberschlesien. Auf die kleine Anfrage des Abg. Cohn im Reichstag wird von der Regierung geantwortet: „Die Annahme, es seien aus der Provinz Posen und de« Regierungsbezirken Oppeln und Breslau die österreichischen Staatsangehörigen jüdischen Glaubens — unbeschadet jahrzehntelanger Ansässigkeit, tadelloser Führung und bestgeordneter Einkorn« mensverhältnisse — ausgewiesen worden, entspricht nicht den Tatsachen. Für die Provinz! Posen haben sich- Anhaltspunkte für diese Annahme übethaupt nicht ermitteln lassen, im Regierungsbezirk Breslau ist 1916 und in der Zeit vom 1. Januar bis 15. Juni d. J. nur je ieine Ausweisung eines österreichischen Staatsangehörigen jüdischen Glaubens erfolgt. Allerdings ist in den letzten Monaten — und darauf wird sich wohl die Annahme beziehen — einer größeren Anzahl österreichisch-ungarischer Kohlenhändler jüdischen Glaubens der Aufenthalt in Ober- Schlesien untersagt und ihnen die Ausweisung angedroht worden, falls sie nicht binnen $ner gesetzten Frist das Inland verlassen; diese waren aber erst vor kurzem aus dem Ansland zugezogen, wohnten in Kattowitz in Gasthöfen und hatten im Inland keine Festen Einkommensverhältnisse. Es handelt sich hier um Personen, deren Aufenthalt im Inland nach dem Gutachten der Oppelner Handelskammer durchaus unerwünscht war.“ Die Wahlen zu den jüdischen Gemeinden in Polen. Seit einiger Zeit bereits steht im Mittelpunkt des jüdischen öffentlichen Lebens in Polen die Frage der Neuwahlen zu den jüjdischent Gemeinden. Bekanntlich wurde bereits im November vorigen Jahres von der deutschen Verwaltung in Polen eine Verordnung erlassen, die die Durchführung einer vollständigen Neuorganisation der polnischen Judenheit zum Zwecke hatte. Vor einiger Zeit erschienen die Ausführungsbesthnmungen zu der Verordnung, und daraufhin wurde in letzter Zeit bereits mit den Vorbereitungen zu den Wahren in verschiedenen Städten begonnen. Die wichtigste Frage dabei betraf die Demokratisierung des Wahlrechts. Von national-jüdischer und demokratischer Seite war man mit den bisherigen Bestimmungen, die die Ausübung des Wahlrechts an einen bestimmten Zensus knüpften, unzufrieden, da man der Ansicht war, daß auf Grund dieser Bestimmungen der Kreis der Wahlbeteiligten nur ein sehr enger sein werde. Es fanden in dieser Frage in letzter Zeit Verhandlungen Zwischen der Verwaltung und den Parteien statt, die jetzt zu einem 'Abschluß geführt worden sind. Wie sich die Frage in der letzten Zeit entwickeln hat, darüber geht iura nun von sehr gut informierter Seite in Polen folgender Bericht zu: „Die deutsche Verwaltung im Generalgouvernement Warschau hat bekanntlich eine Verordnung erlassen, durch die das Judentum im Generalgouvernement Warschau organisiert werden soll. Die Wahl-Vorbereitungen zu den Verwattungskörpem sind schon seif einiger Zeit in der Provinz im Gange. Dagegen wurde erst jetzt den Polizei-Präsidenten von Warschau und Lodz die Weisung gegeben, die Wahlen mit möglichster Beschleunigung durchznführen. Es waren nämlich gerade aus Warschau und Lodz Beschwerden an die deutsche Verwaltung gekommen, die darauf hinwiesen, daß die Zahl der Wähler in diesen beiden Städten wegen der außerordentlich beschränkten Zahl der Steuerzahler eine zu geringe sei. Nach der Verordnung hat nur derjenige' jüdische Bürger, das Wahlrecht, der Steuern zur jüdischen Gemeinde bezahlt. Der Zweck dieser Bestimmung war vor allem, die jüdische Bevölkerung an regelmäßige Steuerleistungen zu ihren Gemeinden zu erziehen. Sehr viele Mängel im jüdischen Gemeindeleben in Polen erklären sich dadurch, daß die Gemeinde infolge einer gewissen Steuerscheu finanziell leistungsunfähig sind. Dieses Zensuswahlrecht nun wurde in den Rrovina-Ge»