Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 11 (1917)
- Issue
- 40 (5.9.1917)
- Date
- 1917-09-05
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 5ÖDISCHB ZEITUNG •leinden nicht beanstandet Dort war es bisher schon üblich, daß ganz kleine Steuefbeiträge von den Minderbegüterten, zum Teil, pur 50 Kop. pro Jahr, erhoben wurden, sodaß der Kreis der Wähler ein recht großer ist Die Verwaltungen der' jüdischen Gemeinden Warschau und Lodz aber gingen mit dem niedersten „Steuersatz nicht bis auf einen so niedrigen Betrag herunter. Außerdem scheint in diesen Gemeinden bisher die Steuerveranlagung infolge von Mängeln in der Organisation durchaus ungenügend gewesen zu sein. Vielfach wird auch behauptet, daß man aus parteipolitischen Erwägungen den Kreis der Steuerzahler absichtlich beschränkt habe. Sicher aber ist, daß der Kreis der Steuerzahler Und flatait der (Wähler Sn (Warschau und Lo(dz viel zu klein ist Der Verwaltungschef beim' General-, göuvemement Warschau hat deshalb angeordnet, daß der neueste Steuersatz in Warschau und Lodz 1 Mark pro Jahr beträgt, und daß jeder jüdische Bürger, der in die Wählerliste nicht aufgenommen ist, im' Wege der Beschwerde seine Aufnahme in die Wählerliste verlangen kann, wenn er 'fähig ist, diesen kleinen Steuerbetrag Zu: bezahlen. Die Gemeinde-Verwaltungen in Warschau und Lodz sind angewiesen, alle Beschwerdeführer in die Liste aufzunehmen, falls es nicht offenkundig ist, daß sie vermögenslos oder einkommenslos sind. Die deutsche Verwaltung hält es für notwendig, daß der Kreis der Wähler erheblich erweitert wird, um1 dadurch das Interesse der jüdischen Bevölkerung an 'der Gemeinde-Verwaltung zu stälken und zu beleben. Wie aus diesen Mitteilungen also h.ervor« geht, ist der Wunsdh der national - jüdischen demokratischen Parteien nach einer Demokratisierung des Gemeindewahlrechts in 'Erfüllung; gegangen, denn durch Fixierung des Steuer-i mindestbetrages auf 1 Mk. sind die breiten jüdischen Massen, die bisher von der Teilnahme an den Gemeindewahlen ausgeschlossen waren, nunmehr wahlberechtigt geworden, und damit ist Im innem jüdischen Leben Polens ein bedeutsamer Fortschritt erzielt. Man rechnet, .daß allein in Warschau etwa 50000 Wahlberechtigte sein werden, während bisher imUier nur einige Tausende das Wahlrecht hatten. Von allen Seiten ist bereits (mit der Vorbereitung der Wahlen begonnen' .worden, Und sämtliche Parteien rüsten Sich' zum Wahlkampf. Die Wahlen Selbst werden in nicht za langer Zeit stattfmden. Die nationalen Minoritäten tp der Zentralrada. (P. B. der Ukr. Pari. Vertr.) Von den 50 Plätzen, welche in der Ukrainischen Zentralrada den Juden angewiesen wurden, bekamen: Der Bund 13, O-S P, 13, Ppal. Zionisten 32, P. Z. S.. d. i-2. (Leider läßt die Undeutlichkeit des uns zugegangenen Manuskripts die .Zahleil ungewiß erscheinen. D. Red.) ^Die-faoliandisdie Regierung für-den ■-Zionismus. Die intensive ,und‘systematische Aufklärungsarbeit 'in der großen holländischen Öffentlichkeit (über den Zionismus, die im1 Laufe dieses' Jahres durchgeführt wurde, zeitigt ihre ersten Erfolge, pje Stellungnahme des Ministers Treub für den Zionismus jhat auf die jüdische und nichtjüdische Öffentlichkeit großen Eindruck gemacht' Daß Minister Treub keinen Einzelfall darstellt, ergibt. sich aus einer bedeutsamen öffentlichen" Erklärung, die das bekannte Mitglied des! großen Aktionskomitees, Herr Jacobüs H. Kann kürzlich abgab. Herr Kann versicherte, begründeterweise sagen zu dürfen, daß die holländische Regierung dem Zionismus sympathisch gegenüber stehe. Es bedarf keines Hinweises, von welcher Bedeutung diese Haltung, der holländischen Regierung bei dem durch den Krieg so gesteigerten moralischen und politischen Gewicht der neutralen Staaten und der Möglichkeit der Abhaltung des Friedenskongresses in der holländischen Residenz für (die internationale (Behandlung der Jujdenfrage werden kann. (J ,K.) , Ein Komitee „Pro Saloniki“ wurde in der Schweiz gegründet. Es will der unglücklichen jüdischen Bevölkerung Salonikis zu Hülfe kommen. Das englisch-jüdische Regiment. Wir haben in unserem Blatte schon des öftern über -die Absichten der englischen Regierung, ein solches zu gründen, ebenso über die Widerstände, die sich gegen diesen Plan erheben, berichtet Nach den neuesten Berichten erscheint der Versuch der englischen Regierung als gesdheitert — Ebenso wie die jüdischen East-End’er Massen sich seinerzeit entschieden (gegen eine jüdische Legion eiklärt hatten, so sind sie jetzi auch absolut gegen ein „jüdisches Regiment“. Sie eiklären fast alle einstimmig, daß sie als Juden sich nicht an diesem Kriege beteiligen können; sie gingen in den Kampf nur als) Untertanen ihrer Länder, nicht aber als Angehörige des jüdischen Volkes und unter jüdischen Fahnen . und „Davids“-schild“. In diesem' Sinne haben viele russisch-jüdische Körperschaften in England Resolutionen angenommen und in der Oeffentlichkeit bekanntgegeben. AIS Beispiel sei. hier die Resolution wiedergegeben die das Verteidigungskomitee“ in Leeds .(solche Komitees haben sich in allen Städten, wo Juden wohnen, gebildet) veröffentlicht hat: „Die Massenversammlung von 1500 militärpflichtigen Juden in Leeds, statigefunden am 7. August 1917, erachtet die Schaffung einer speziellen jüdischen Legion als ein höchst unerwünschtes Ausnahmegesetz für die Juden, das nicht nur nicht imstande ist, unsere nationalen InteresSeh Zu verteidigen, sondern vielmehr aus prinzipiellen und taktischen C)ründ«ci unk hur «Schaden kann. Da 800,000 Zwei . jüdische Geschenkbücher Ja L- PEREZ Chassidische Geschichten Erste vollständige Ausgabe Schöner Geschenkband - : nur 8 Kronen HUGO Z UCKERMANN Gedichte Herausgegeben von OTTO ABELES 2. Auflage Vornehme Geschenkausgabe nur 3.60 Kronen Gesamte jüdische und zionistische Literatur stets auf Lager, Reichhaltige Kataloge soeben erschienen. Zusendung kostenlos National] üdische Buchhandlung R. Lttwit, Wien I, Rotenturmstr. 22 Juden auf den Schlachtfeldern in keinen Speziellen Legionen dienen, fordern wir von “der englischen Regierung, daß auch hier kein gese'tzlicher obligatorischer Legionsdienst ins Leben gerufen werde, und daß denjenigen Julien, die in der englischen Armee dienen wollen, die gerechte Möglichkeit gegeben werde, in allgemeinen Regimentern. ^usamtaen (mit den Engländern und anderen Nationalitäten zu dienen. Wir hoffen, daß unsere Resolution ein festes Prinzip der jüdischen Massen in England bilden wird/1 Aehnliche Resolutionen sind auch auf Massenversammlungen in London, Manchester, Liver-; pool und in anderen Städten angenommen worden. Die Eingewanderten ziehen also, wenn es' nicht anders gehen (sollte, den Dienst in der britischen Armee, in englischen Regimentern, denjenigen in einem speziell gebildeten jüdistheji Regiment vor. Gegen ein jüdisches Regiment wendet sich auch die englisch-jüdische Presse und die eingeborene englische Judenheit. So hat auch der „Board *of Deputies“ in einer Sitzung am 13. August eine Resolution gegen das jüdische Regiment gefaßt. Der Plan der englischen’ Regierung hat alSo praktisch vollständig fehlgeschlagen,, .und verliert,, dadurch auch politisch jede - IBedeutun'g, die er im Falle seines Gelingens1,; eventuell gehabt hätte. Wie groß die Zahl derer? ist, die nach (Rußland Zurüdekehren, Ist noch! nicht bekannt, ebenso (ungewiß ist es auch, was; eigentlich nun Jmit dem „Jüdischen Regiment“; geschehen wird.- . Die russischen „Rückzu gsp ögrofne4 ‘ in GaE-l zien. Die russische Presse Dringt nun ausführliche Berichte, in denen Augeuzeugen 1n allen Einzelheiten ».den wilden und planlosen Rüdezug der russischen Armeen in Galizien schildern. Wie sich diese Horden den Juden gegenüber benahmen, schildert in den Petrograder M,Be-: richten des Arbeiter- und Soldaten-Rats“ folgender Brief eines Soldaten der aktiven russischen Armee: „Am '28. Juni, während der Straßenkämpfe in Kalusch, haben sich die Soldaten und Kosaken betrunken und bald ihr Raübweik an den (Juden begonnen. Wie die Juden erzählen, war das eine fürchterliche Schlägerei. Die ausgelassensten Orgien fanden am' hellen Tage statt. Frauen Wurden geschlagen, Mädchen vergewaltigt Die Juden des Städtchens waren gezwungen, ihr letztes Vermögen zu lassen und ziellos zu flüchten. „KaUteraden — schreibt weiter der Soldat —- Wer nicht diese Juden gesehen, wer nicht in diese verzweifelten Blicke geschaut hafte, wer (nicht die Greise gesehen, die ihre Söhne ira Krieg und (nun in kaum einer Stunde ihr ganzes Vermögen verloren hatten, die kleinen Kinder, die nach Vater 'und Mutter (Schrien, die Eltern, die ihre Kinder verloren hatten, — der hat noch nie wirkliche Leiden gesehen, Man sollte Sich die Eltern anschauen, deren: 13-jährige Tochter vergewaltigt wurde. Viele jüdische . Frauen haben den Tod gewählt, um der Schande Zu entgehen. Ich habe Frauen gesehen mit verdrehten Händen, eine junge Frau mit abgehauenen Fingern. Einem1 Juden hat man auf dem Wege fiaüh Stanisl’au 7000 Kronen? geraubt. Die schauerlichen Morde der Soldaten und Kosaken aüs der „wilden Division“ sind aber so zahlreich, daß man sie nicht ganz einfach in einem gewöhnlichen Schreiben aufzähjen kann. Kameraden! Die (große (russische Revolution hat jmit einem Schlage ihrer Flügel alle Völker Rußlands befreit. Wir jüdischen Soldaten, die wir Knechte der Knechte Waren tund nun Soldaten der großen ’ . Armee 'sind, wir schauen mit Wehmbt und (-Schmerz auf derartige schändliche Erscheinungen! Traurig Wird es einem' zu Mute, wennbian daran erinnert Wird, daß hinter dem'- ■fielben Kalusch das Blut auch jüdischer Soldaten geflossen ist.“ Der Korrespondent der „Birschewija Wjedembsti“, der über die Ausschreitungen der russischen Soldaten in Kalusch -berichtet, Schildert, wie die Juden . des StäSdt-' chens ihr Geld und Schmuckgegenstände ihren Ni. 40 kleinen Töchterchen um' den Hals gehängt hatten; aber auch das half nicht Die Kinder wurden ganz (nackt entkleidet, offen auf der Straße geschändet und in Stücke gerissen. Das jüdische „Petrograder Tagblatt“ berichtet über den Pogrom in Tämopol |und in Kosowe, und auch hier findet man ähnliche Schauderhafte Einzelheiten geschildert über die' Gewalttaten der russischen Armeen aut ihreht Rüdezug in Galizien. ' Persönliche Nachrichten Dr. Leo Picker, k. k; Finanzprokuratursekretär in Czemow’itz, wurde zum Finanzrat und Dr. Benjamin Ebner, Bezirksrichter in Radautz, zum Landesgerichts rat ernannt. Beide sind Alte Herren der jüd.-nat, akaid. Verbindung „Hasmonaea“ in Czernowitz. Dem Steueraccessisten Samuel Eisenk raft aus Kotzmann (wurde Seitens des Ministeriums für öffentliche Arbeiten, aus Anlaß der Einberufung des Genannten zum Wiederantritte des Dienstes im k. k. Ministerium für öffentliche Arbeiten bei der k. k. Bezirkshauptmännschaft in Kotzmann für die während der Dauer der Invasion geleisteten vorzüglichen Dienste die Anerkennung, ausgesprochen. Ankündigung Hebräische Sprachkurse des Dr. H. Glanz- So har, ik. k. Supplent, Wien, VIII., Langegasse 32, geprüft am hebräischen Lehrerseminar, zu Jerusalem. Anmeldungen für Sprach- und Bibelkurse, für Privatisten und Prüfungsvorbereitung, sowie für Nachhilfeunterricht werden erftgegengenommen. Sprechstunden Dienstag—Donnersiag von 4—5 Uhr. Die Einschreibungen in die Hebräische Schule des Vereines für hebr. Sprache und Kultur, II. Große Mohrengasse 16/22, für Erwachsene und für Kinder beider Geschlechter, Anfänger wie Fortgeschrittene, werden täglich von 10—11 Uhr vormittags und von 7—8 Uhr abends entgegengenommen. In "der Filiale im XX. Bezirk, Denisgasse 33, werden die Einschreibungen täglich von 10—11 Uhr vormittags und von 3—4 Uhr nachmittags: entgegengenommen. Die Direktion. Allgem. JUd. Arb.-Verein (Poale-Zion), II., Stefaniestraße 2, III. Stiege, Tür 34. Samstag, den 6. ds. Mts., um 8 Uhr abends, findet in’ ünserm Vereinslokale ein Vortrag (über die Erklärung der Poale-Zion auf der Vorkonferenz in Stockholm Statt. Erscheinen der Mitglieder Pflicht! Gäste willkommen! Berichte und Korrespondenzen Opoczno (Polen). In der son£t so rückständigen alten Stadt Opoczno wird nächstens hoffentlich eine Aenderung eintreten. Die zionistische Tätigkeit entfaltet sich gut und erfolgreich, dank der Energie des Herrn Moritz Win o g r odsk i: Auch lassen sich lebhafte Kulturbestrebungen unter der jüdischen Jugend bemerken,' eine Gesellschaft „Kultur-Tarbut“ wurde legalisiert. Das Einschreiben der Mitglieder,' auch Geld- und Büchsenspenden gehen rasch vorwärts und lassen uns von der Gesellschaft in der nahen Zukunft sehr viel hoffen. Eisig Hillerowicz. An unsere Leser! Wegen der Feiertage Wird diese und die nächste Nummer einen Tag Später erscheinen. Die Administration. Für die Evakuierten in Palästina Bisheriges Gesamtergebnis: K 43.128.26. VIII. Ausweis. a) Eingegangen beim Zionistischen Zentralkomitee für West-Österreich. K 200.— Karl Rosenmann, Unterach; K 150,— Sammlung Ch. Itzkowicz u. Sch. Horowitz, Zawnica, (2. Rate) [Spez. s. unten]; K 100.— N. N. in Abfaazia; K 62.— Lazarus i_andau, Gorlice; je K 50.—; Josef Mermelstein, Wien; Sammlung Saul Reifeisen, Piesting (Spez. folgt); K 25.— Sammlung Paul Stein, Linz (Spez. folgt); je K 20.—: Lt. Ernst Deutsch, im Felde; M Klinghofer, Wien; Hugo Reich, Wien; je K 10.— : Jakob Gartenberg, Tustanowice; Bertha Neumann, Wien; Löbl"Taubes, Wien; Theodor Rix, Wien; Ignaz Ripper, Olmütz; K 8.— Sammlung |S. A. Häusler, Kniftelfeld (Spez. unten); K 6.40. Sammlung E.-Fr. Korp. S. Weitz, Res.- Spit. 2/4, Jaroslau, Restbetrag (Spez. s. unten); je K 5.— : Sammlung Gabriel Lieben: Malwine Oppenheim, Braunsberg; Sigm. Oppenheim, Wien; E.-Fr. Zgsf. Orenstein, Freienfeld; je K 3.—: RUO, Ernst Beck im Felde; rumänischer Kriegsgefangener Menasse Herschkowici; M.-Freilich, Freienfeld; K 2.50 Dr. K. Meiseis Verspätete Gratulation an Sigm.' Ellenberg, anl. seiner Vermählung; je K 2.-: E.-Fr. Natscheradetz, Kohn, Rosenbach; K 239.40 Zionist. Distrikts ko miteetür .Böhmen,' Prag. Arbeitsgruppe der Jüdischen Studentenschaft. K 231.— Sammlung Lt. M, Gottlieb im Felde (Spez. s. unten);; K 12.— Simon Fisch, Zawoja; ‘ '