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Jüdische Zeitung · 1917-09-05 · 40 (5.9.1917) · p. Seite 2

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
11 (1917)
Issue
40 (5.9.1917)
Date
1917-09-05
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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..-- Saite 2 jüdischf zeitung^ „r— i*\4o i r *;!-- I: «. . jp’: U" f:' 'i;} j U f: ,! Soll der Klageruf der ‘galizischen "Flüchtlinge bei der Friedenskonferenz unseren.'Staatemännern von boshaften Feinden vorgehalten werden?? Wer ein guter Qesterrekher Ist, wird dahin wiiken müssen, 'daß dieser Menschenjagd ein Ende bereitet wind. Und dies sehr bald. Genügt des grausamen Spiels!! Das Flüchtlingselend und kein Ende Aus Budapest wird der „Zeit“ telegraphiert: Die Regierung hat durch eine Polizeiverordnung verfügt, daß alle galizisdhen FlüjCjbfjt,.- linge, deren Rückkehr in ihre ursprünglichen Wohnorte kein Hindernis mehr im' Wege, steht, unversäumt sich aus Budapest entfernen müssen. Gleichzeitig wird diesen Flüchtlingen die Auszahlung der staatlichen Unterstützung in Budapest eingestellt Wenn sich die Betreffenden! nicht freiwillig entfernen sollten, werden sie dazu gezwungen werden. Man hat diese Verordnung schon längst geplant, jedoch!mit ihrer Veit< öffentlichung und Ausführung mit Rücksicht auf die hohen israelitischen Feiertage bis heute gewartet Ehe Vereinigung der Budapester jüdischen Presse teilt mit, daß die jüdisch-konfessionellen Blätter Ungarns gemeinsam ein Telegramm an den Kaiser richteten, in dem sie den Monarchen davon in Kenntnis setzten, daß die galizischen Flüchtlinge in Budapest auf Veranlassung den Ministers des Innern Ugron „wie Hunde au! den Straßen zusammengefangen“ und abgeschoben werden. Die Verwirrung und die Verzweiflung angesichts der .plötzlichen "Ausweisung soll, wie die jüdischen Zeitungen mitteilen, eine derartige sein, daß WahnsinnsTälle Unter diesen Flüchtlingen Vorkommen. Ein galizis'cher Flüchtling hat in einem solchen Wahnsinnsanfall, in dem er um' Hilfe gegen die Gewaltmäßregeln der Budapester Behörden Schrie," ein Mordattentat verübt. Die Lage der Flüchtlinge aus 'Galizien ist in Budapest gegenwärtig verzweifelt Aus dem Abgeordnetenhaus Besprechungen des Ministerpräsidenten und Abg. Reizes. Wie wir erfahren, hat dieser Tage zwischen dem Ministerpräsidenten Dr. Ritter V. Seidler und dem "Abgeordneten Reizes in seiner Eigen-» Schaft als Mitglied des Verfassungsausschüsses! eine eingehende Unterredung stattgefunden, welche den ganzen Komplex der Judenfrage in Oesterreich zum' Gegenstände hätte. Die Besprechung wird nächster Zeit ihre Fortsetzung finden. 1 Interpellationsbeantwortung < S. Exz. des Herrn Ministers des Innern In Beantwortung der in der Sitzung "deS Abgeordnetenhauses vom 10. Juli 1917 von den Herren Reichsratsabgeordneten Dr. Strauch er und Genossen an mich gerichteten Anfrage, betreffend die Bewegung gegen die jüdischen Flüchtlinge aus Galizien und der Bukowina in Westschlesien, beehre ich mich, folgendes bekanntzugeben: Sowohl aus Berichten der k. k. Landesregierung Troppau wie aus "Eingaben von Stadt- und Gemeindevertretungen Schlesiens und Beschwerden aus Flüchtlingskreisen wurde das Ministerium des Innern in Kenntnis: gesetzt, daß das frühere gute Einvernehmen zwischen der ortsansässigen Bevölkerung Westschlesiens und den dort untergebrachten jüdischen Flüchtlingen aus Galizien und der Bukowina eine Störung erfahren habe, die sich, durch die schwierigen! Approvisionierungsverhälfnisse hervorgeruferf und durch gegenseitige feindliche Haltung genährt, verschärfte, als Sich die Vertreter einzelner Städte- und Landgemeinden Schlesiens1 für die Abmstradienmg der Flüchtlinge aus Schlesiern in einer Weise einsetzte, die den Anschein einer flüchtlingsfeindlichen Agitation erwecken’ müßte. — Diese Stimmung, die auch zur ■ Interpellation’ der Abgeordneten Wolf und Genossen in der Sitzung des Abgeordnetenhauses am 5. Juni führte, Konnte das Auslösen von Weohfeelwir-i kimgen bei den Flüchtlingen flicht verfehlen und brachte einer der Flüchtlingsfürsorge abträgliche Spannung mit sich, die zu Beginn des Sommers 1917 ihren Höhenunkt erreichte. *— Die Wahrnehmungen veranlaßten das Ministerium' 'zu Wiederholten Malen, 'auf alle beteiligten Faktoren' im' "Sinne “der Mäßigung und der Wiederanbahnung eines guten Einvernehmens einzuwiikeii, und wurde alles vorgekehrt, um jeder Weiterung der in einzelnen Fällen festgestellten tvenig flüchtlingsfreimdlichen Bewegung Vorzubeugen. — Die Einflußnahme der Landesregierung hat auch — dank der einsichtsvollen Mitarbeit der interessierten Faktoren —?.u einer Gesundung der Verhältnisse geführt und dies versetzt mich in die Lage, zu eiklären, 'daß im' Belange "dei* Haltung der ortsansässigen Bevölkerung "gegenüber den jüdischen Flüchtlingen eine Besserung «ingetreten ist, die für die Zukunft ein reibungsloses Zusammenleben um so mehr erhoffen läßt, als die vom Ministerium des Innern" eingeleifete großzügige ’Repatriierungsäktion auch" eine wesentliche Verminderung der in Schlesien ’tintergebrachten Flüchtlinge mit sich bringen wird. Wien, 25. September 1917, Bitte nicht zu verges- ’ sen, daß die Abonnements unbedingt bis Mitte Oktober belnns eingelangt sein müssen, sonst sind wir leider gezwungen, die Zustellung unseres Blattes so lange zu unterbrechen, bis sich die Säumigen zur Absendung des fälligen Bezugspreises entschlossen ,U,- haben. Die nationale Zugehörigkeit der Staatsbürger. In der Sitzung des Abgeordnetenhauses vom 27. September Stellten die Abgeordneten Dr. Bugatto und Genossen den Antrag, das Haus wolle ein Gesetz beschließen, mit dem1 die obligatorische Ermittlung der nationalen "Zugehörigkeit der Staatsbürger eingeführt wird. Die Stellung der Juden in der Armee. Die Abgeordneten Witos und Genossen1 richteten m der Somin'ersession des Abgeordnetenhauses eine Interpellation an den Landesverteidigungsminister betreffend "die angeblich bevorzugte Stellung der Juden in der Armee. Diese Interpellation fand dieser Tage ihre Beantwortung. :Der Landesverteidigungsminister erklärt, daß der Militärverwaltung Von einer, auf recht-1 lieber Grundlage beruhenden öder gar Zugestandenen bevorzugten Stellung der "Juden in "der Armee nichts bekann t ist (Auch1 uns nicht. D, R.) Die gesetzlichen Bestimmungen "bezüglich Erfüllung der Wehrpflicht Werden, dem' Prinzip der allgemeinen Wehrpflicht entsprechend, gegenüber jedem' Staatsbürger ohne Rücksichtaüf seine Nation oder Religion in jeder Beziehung objektiv und gleich gehandhabt, Ausnahmen' in keiner Richtung gem'achf lind "auch unter keiner Bedingung geduldet. Daß Frontentziehungen, erschwindelte Enthebungen und Militärbefreiungen da und dort leider Vorkommen, kann .nicht geleugnet Werden. Mit rücksichtsloser Strenge geht aber die Militärverwaltung jedem einzelnen "Ihr zur Kenntnis gebrachten "Falle hach' und führt die Schuldigen der 'gerechten Strafe zu. Periodisch wiederkehrendegründliche Uebernrüfunnen des , Tauglichkeitsgrades Malier - außerhalb "der Kampffront stehenden frontdienstuntauglichen Mannschaften führen "übrigens einen jeden ‘tauglich Befundenen wieder der "Front zu, so 'da"B heute in Verwendungen außerhalb der Front bis auf wenige auf ihrem Posten Unentbehrliche, nur frontdien’sfuntaugliche Personen Stehen. Die Ursache, "daß hur "ein relativ geringer Prozentsatz namentlich der galizischen Juden im1 Schützengraben zu finden ist, dürfte hauptsächlich auf den geringeren Tauglichkeitsgrad dieser Leute zurückzuführen sein, was durch die Friedensassentergebnisse auch bestätigt erscheint. Es “würde uns interessieren zu erfahren, aüf welche Weise das Kriegsministerium1 Testgestellt hat, daß „nur ein relativ geringer Prozentsatz der galizischen Juden“ an der Front steht. Unseres Wissens existiert keine Statistik, auf die sich eine solche Behauptung stützen könnfe.Wohl aber wissen wir, daß ein überwiegender Prozentsatz der galizischen Regimenter, die in der "10. Isonzoschlacht eine lebendige Mauer gegen den Feind bildeten, aus 'jüdisch-galizischen Soldaten bestand. Vielleicht werden Wir einmal mit Statistiken aufwarten können, die die Dinge in einem anderen Lichte erscheinen lassen werden. Der Fföchtlingsäusscbuß über die Ausweisungen aus Budapest. Der FIfich tlings a ussch u ß hielt heute unter dem Vorsitz des Obmannes Dir. Ritter v. Halb an und in Anwesenheit des Ministers "des Innern Grafen Toggenbufrg, deä Ministers Dr. Ritter v. Twardowski sowie der Fachreferenten aus dem Ministerium1 des Innern und aus dem Finanzministerium' eine Sitzung. Vor Eingehen in ‘die- Tagesordnung lenkten die Abgeordneten Reizes,. Kuranda und Rauch die besondere Aufmericsamkeit des Ausschusses, auf 'die Meldungen, welche ihnen aus "Budapest über die. Zwangsweise Ausweisung der dort noch .weilenden galizischen F1 ü ch 11 in g e, i n s b e s on d e r e j e n e r mosaischer Konfession %igek'omm'en waren. Insbesondere wmrde auch helvorgehoben,'daß die Vertreter der Budapester Presse sich in - diese!- Angelegenheit telegraphisch an den Kaiser um Schutz für "diese armen Leute gewendet haben. Minister des Innern Graf Toggenburg erklärte, daß bereits das Nötige eingeleitet wurde, um’ amtliche Nachrichten über/die Angelegenheit zu erhalten. Im übrigen sei auch ein Vertreter des Ministeriums des Innern mit den maßgebenden Faktoren in Ungarn bereits mündlich in Verkehr gefreteb, um wie bisher in vollem Einvernehmen die Behandlung der in’ Ungarn sich aufhaltenden Flüchtlinge zu regeln. Nach längerer Debatte würde folgender Antrag "der Abgeordneten Reizes und Kuranda zum’ Beschlüsse erhoben: „Die Meldungen über die. Sdiidtf ji Ji letzten!Ereignisse in Biudäpest und über die r ü ck« i Ob t s lo's e Bleh arid I ung der sich dort, befindenden Flüchtlinge fiat der Flüchtlingsaussdjyiiß mit leb h ai t e mr;d? e f rae/m den atifgenommen. Ernimmt.,die 'Erklärung. djj&Jtflini- Sters des Innern, wogäcKijjtiie österreichische Regierung die geeigneten zur Vlj/ahrung der Interessen dieser Flüchtlinge in di^Wege geleitet habe, in der Anhoffnung energischer Verfolgung dieser Aktion mit Befriedigung1 zur Kenntnis.“ Hierauf ging der Ausschuß zur Beratung der RepatriierumgsTrage, beziehungsweise der DurchführungsmaßnahmenZu 'den im' September .gefaßten Beschlüsse des Ausschusses über. NcuösteMcfiiS&rä .- v.v."i*jUA .. Von den „NeuösterrfeichisdiehjtBfäftem“, die, wie bekannt, einer Verständigung "Ser Völker Oesterreichs... das .Wort^xedeu, ist eben Jintte IIeftf„erschiep,en. /Es enthüllt u._ a. einen hBeiFräg de^R^Ät,0'ncI'uI_über/äie .Verfässiihgsfrä'ge Und einen des R.-A. Bugättö über „Nationales Recht und nationale Rechtssubjekte“, in dem die Einführung des obligatorischen Bekenntnisses /der, nationalen Zugehörigkeit als „Grundstein "für jeden Umbau der Verfassung“ eiklärt. Ein anonymer ,„G$oß-Oesterreicher“ schreibt über „die österreichische Reichsidee, die nationale und die. jüdische-.Fragef Er erörtert die wohltätigen Fragen", welche die. Anerkennung der jüdischen .Nationatität .für, .die Reinheit des Parteilebens Zur Folge haben' müßte und gelangt Zu dem' Schlüsse: „Die Juden als Nation Im Reiche anerkannt, werden iit ihrer gewiß nicht "Zu Verachtenden Größe eines Eineinhalb Millionenvolkes stets dort zu .finden/sein, wo man> für Freiheit, Recht und Ethik kämpfen wird.“ Bernhard Tag beginnt mit einer „Nationale Ideologien“ betitelten Artikelserie, 'auf...die man erst Wird Zu /sprechen . köm(nien fcöinHteriy wenn "mehr VorKegf. Der Anfang, der begriffliche Auseinändersetzungen, bringt, zeigt, daß töan es - mit .einer, guten, gründlichen. Arbeit zu .fijrt hat. Heft 3 "Ist das beste der bisher erschienenen. Wir empfehlen es unseren Lesern, .warm' zur Lektüre. — Preis des Heftes 70 Heller. Der Zionismus in, der neutralen Pressfe Auch die .‘Presse der neutralen "Ländernimmt das Thema eines jüdischen Palästina äuf. In’Dänemark, wojüdische Fragen in den letzten Jahren' des öfternbesprochen iwurdert,— wir erinnern an die Artikel Von Simdnsen und Brandes . — und.;oetterdtngs ,inr. i,Hjenimiet“,w,,Politiken.“,; . „Berlingske Tidende“, „Nationältidende“, „Exträ- . Äladet“ Artikel 'über Zionismus und Palästina erschieoien "Sind, haben Wir/einen, gdhr verätändr nisvölien Aufsatz „Judenland“, des „Preäs!en s Mägüsih“, des sehr Verbreiteren Organs des dänischen 'Joumünstenverems, . Zu verzeichnen. Der Verfasser, Dr. Jensen , ‘führt aiis, daß der Gedanke des jüdisthen Nationalismus seit der Zerstörung des Tempels, also fast 2000 Jahre, im Volke gelebt hat. Es wäre nur gerecht, Wenn das jüdische Volk, das 14—15 Millionen Menschen /zählt, ein .nationales Zentrum* in Palästina erhielte. Dr. Jensen Spricht dann von der allgemeinen Lage im1 Lande, das1, abgesehen von den blühenden/jüdischen Kolonien, einen öden und traurigen Anblick darbiete. Den Juden ist es gelungen, dem imfruchtbaren Boden Früchte abzugewinnen, jn den wüsten Gegenden Pflanzungen anzulegen und Ackerbau zu betreiben Doch „nicht bloß als Ackerbau-Land hat Palästina eine Zukunft, Sondern als/Ziel für. Touristen hat es einzig dastehende Aussichten. ’ Mit seinen hohen Bergen und tiefen Seen bietet es ein jedes Klima, jede'.Flora, jede.Fauna. Mit .seinen heilenden Quellen und seinen allen Nationen heiligen Erinnerungen wird Palästina im Laufe ganz kurzer Zeit 'eines der ersten Touristenlätiderf der Welt werden, wenn es einmal güte Verbindung mit der UmWelt bekommen •wird. Der Krieg hat jetzt schon Eisenbahnen ins Land gebracht; wenn diese Linien, die in der, Richtung Nord-Süd gehen, Querlinien bekommen, die über die Berge hinüber zum Meere hinunterführen, ist Hie Tür des Landes, weit geöffnet. Bis jetzt jedoch fehlt Hort vor allem eines*: Gesetz und Ordnung im- Lande, .Zivilisation.“ Auch auf das Verhältnis'der jüdischen Minorität zu der arabischen Bevölkerung Juehl Dr. Jensen mif viel Verständnis ein: , er‘streift, auch die Frage, wie sich die Verschiedenen christlichen Völker der Schaffung eines jüdischen Palästinas gegenüber verhalten werden, und .Spricht :sCHljeßlich die Hoffnung aus, daß die. Araber ebenso .wie die anderen fremden Nationen zu der Ueberzeugung gelangen werden, daß das jüdische Volk sein historisches .Recht "auf Palästina "hat. Er schließt mit der Bemerkung: „“Schließlich kann man noch daran erinnern, daß die Juden das Volk des Friedens sind. Eines der wichtigsten- Gebote des /TaTmud ist: Frieden zu stifteif. Vieles deutet'darauf hin, daß wir einen jüdischen Frieden bekommen. .Werden, insofern äfs .der Frieden in.... erster, Reihe das Werk jüdischer Männer werden/wird;“... . .. Unter dem /Titel ^D a s u d e n! an d“ bringt das bekannte <christTichefTägblatf„Standäard“ in seiner Nummer Vom 1. September einen Leitartikel über den Zionismus, dessen Verfasser einer der einflußreichsten Politiker- Hollands' ist. Ig’ir entnehmen Hem Aufsatz folgende Stellen:

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