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Jüdische Zeitung · 1917-09-28 · 39 (28.9.1917) · p. Seite 3

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
11 (1917)
Issue
39 (28.9.1917)
Date
1917-09-28
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 19 JÜDISCHE ZEITUNG obwohl die jüdischen Interessen mit den englischen Absichten in Arabien keineswegs übereinstimmen.“ Dann weist das „Deutsche Volksblatt“ darauf hin, daß die reichsdeutsche Presse 2u dieser Frage wiederholt Stellung genommen habe und gibt einen Teil des bekannten Aufsatzes der „Deutschen Zeitung“ wieder, um mit dem selben Gedanken zu {schließen, den wir im „Reichsboten“ finden: „Wir glauben sagen zu dürfen, daß weder Oesterreich-Ungarn, noch Deutschland gegen die Errichtung eines selbständigen jüdischen Staates etwas einzuwenden hätten, ja sie würden soga'r gut daran fun, diese Gründung möglichst zu fördern, und zwar in völlig selbstloser Weise (von unk gesperrt. D. Red.), ohne dabei politische Nebenabsichten zu verfolgen, wie dies bei England der Fall ist, wenn es sich der Lösung der Palästinafrage geneigt zeigt.“ Jüdische Lehrer! Von Dr. Siegfried Bemfetd, Es besteht kein Zweifel mehr darüber, daß zu den wichtigsten jüdischen Forderungen 'im , Westen die nach einem vollständigen, wohlbegründeten und modernen jüdischen Erziehungswesen gehört. Nur darin mögen die Meinungen noch auseinander gehen, wie weit es Pflicht und Möglichkeit des Zionismus wäre, ein solches zu schaffen. Selbst wer die sogenannte'Gegenwartsarbeit im Golus bejaht, weiß zuweilen nicht recht die Erziehungsaufgabe in das zionistische Programm einzufügen. Und man muß zugeben, es kann nicht in ihm liegen, hier eine jüdische Schule, dort ein Kinderheim, hier ein Waisenhaus, dort eine Ausspeisungsstelle, zu gründen. Die zionistische Organisation darf — Und sie soll — solche Versuche und Institutionen anregen und fördern; aber sie darf sich auf sie nicht konzentrieren. Wenn dies aber zugestanden ist, was bleibt Zu tun? Was führt uns,vom1 Wunsch nach einem jüdischen Erziehungswesen zu seiner Existenz? Eine beiläufige Analogie mag verdeutlichen, was uns der richtige Standpunkt zu sein scheint. Der „politische“ Zionismus sieht seine Aufgabe darin, dem ganzen jüdischen Volk — oder doch einem sehr beträchtlichen Teil desselben —'in Palästina die Möglichkeiten eines kulturellen Lebens in Wohlfahrt und Sicherheit zu schaffen. Der „praktische“ Zionismus hingegen wollte als Ziel erkannt wissen, für kleine Bruchteile des jüdischen Volks jene konkreten Inhalte seines Lebens zu erzeugen, für dessen Recht und allgemeine Möglichkeiten der politische sich einzusetzen als vomehmliche Aufgabe betrachtet. Beide haben In ihrem Sinne eine Zeit lang gearbeitet, und nun zeigt sich, was nur wenigen von Anfang an sicher war: erst seit die praktische Arbeit Realitäten, jüdische Realitäten, in Palästina geschaffen hat, erhält auch die politische Arbeit ein eigentlich lebendiges Bild. Jetzt erst hat sie für Rechte allgemeiner und konkreter Art zu kämpfen, jetzt hat sie durchzusetzen als öffentliches Recht, was als Tatsache bereits besteht. Und ganz ein Aehnliches gilt für die pädagogische Gegenwartsarbeit im Westen. Was nützt die Forderung nach Autonomie des jüdischen Schulwesens, dort, wo es ein solches nicht gibt? Sie bleibt ein lebloses Schema oder Dogma, sie ist zu papierener Zukunft verurteilt. Gewiß, das erst wäre in gewissem Sinne die eigentliche Aufgabe des Zionismus, dem jüdischen Schulwesen, der jüdischen Nationalerziehung ihr Recht zu verschärfen; aber heute gilt es, erst diese pädagogische Realität zu erzeugen, für die man kämpfen, deren Bewertung man erkämpfen mußte. So wird es zu unserer dringlichsten Aufgabe, für die Entstehung, und Entfaltung eines jüdischen Erziehungswesens zu sorgen. Sicherlich, im’ engsten theoretischen Sinn eine uneigentliche, sekundäre Pflicht, aber durch die Not der Umstände, wegen "der Tatsache, daß niemand sonst mit dem Blick auf das ganze jüdische Volk diese Sache pflegen wird, unsere dringlichste, nötigste Pflicht Wenn uns diese Aufgabe gestellt ist, so eröffnen sich uns zwei Wege, sie zu erfüllen. Wir könnten beginnen, einen Kindergarten, zwei, drei Zu eröffnen, ein paar "Kinderhorte, eine Volksschule usw. je nach unseren Kräften, nach den Persönlichkeiten, die uns bereit s'tehen, nach den Geldquellen, 'die wir erschließen; nach. der Gunst und dem Zwang der Umstände könnten wir diese Einrichtungen vermehren; und wir könnten dabei die Hoffnung haben, daß im Laufe der Jahre uns gelänge, für alle jüdischen Kinder eine jüdische Erziehungsstelle geschaffen zu jiaben. Dieser Weg wäre der einzige, wenn es keinerlei jüdische Erziehungsinstitutiqnen außer den unseren gäbe, wenn nicht zu erwarten wäre, daß außer dem Kreis des Zionismus der Wille zu jüdischer Erziehung, die Kraft ihn Zu verwirklichen besteht. Und wir müßten ihn dann gehen, von jedem dogmatischen Bedenken unberührt Aber so ist es nicht. Westösterreich ist so wenig wie irgend ein Von Juden bewohntes Land pädagogisch unbebaute Fläche. Die Kultusgemeinden, Wohlfahrtsvereine aller Art, die Gemeinden und der Staat sorgen für jüdische Erziehung. 'Religionsunterricht, Internate, Horte, Heime, Schulen, 'Ausspeisungen, Beratungsstellen, medizinische und juristische Hilfsstellen werden« von ihnen erhalten. So bliebe uns im' Beschreiten jenes Weges die sichere Aussicht, daß wir nur Lükken ausfüllen könnten, daß neben und um unsere Institutionen die überwiegende Masse der Jugend in einem auch — jüdischen Erziehungswesen verbliebe. Wir müßten den Blick vom Ganzen der jüdischen Bevölkerung abwenden auf einen kleinen Bruchteil von ihr. Und so winzig er auch bliebe, würde es den Zionismus in die ^Kleinarbeit“ drängen. Denn selbst wenn jene Institutionen nicht von "der Organisation -selbst, sondern von ihren Mitgliedern geschaffen, geleitet und gefördert wurden, es würde zu viel Kraft im Vergleich zum Erreichten ihren arideren Zwecken entzogen werden und ihre pädagogische Aufgabe, die ganze jüdische Jugend in einem) einheitlichen Erziehungswesen, Tn einem wahrhaft jüdischen, zusammenzufassen, bliebe dennoch ‘.unerfüllt. - Die Tatsache, daß es jüdische Erziehung bereits gibt, daß sie aber nicht nach den Bedürfnissen des ganzen jüdischen Volkes orientiert ist, daß es folglich nicht genug ist, neben sie eine bessere zu setzen, das bestimmt den zweiten möglichen Weg. Wir müssen das Vorhandene ergänzen und verändern, bis das Ziel erreicht ist. Vergebliche Hoffnung wäre aber, zu meinen, es könnte gelingen, gewi'sser- □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ ö □ □ )□□□ □□□□□□□□□□□□□□< Jüdisier Hational-KaMer Herausgegebe:; von Otto Abeies u. Ludwig Batö. Umscfilagzeichnung uon Hermann STRUCK. «Jflflisches Kalendarium für das Mp 5678. Zum dritten Male erscheinend, viele Beiträge geschätzter jüdischer Schriftsteller enthaltend, unter sorgfältiger Redaktion zusammengestellt, mit neuen Abbildungen geschmückt, in bekannt geschmackvoller Ausstattung hergestellt, zu einem wohlfeilen Preis berechnet, wird sich d. dies jäh rige, gut eingeführte Kalender neue Freunde erwerben. Es ist nach den früheren Erfahrungen zu erwarten, daß er schnellen Absatz finden wird. Darum empfehlen wir den Reflektanten, sich sofort ein Exemplar zu sichern. Bestellungen gegen Voreinsendung od. Nachnahme von K 4.» einschl. Porto u. 5% Buchhändleraufschlag an den Verlag (nicht an die Administr.) der JÜDISCHEN ZEITUNG POSTSPARKAJSEN*KONTO 152.942. □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ O c □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ o □ □ □ )□□□□□□□□□□□□□□□□□ mäßen durch Kauf oder durch langsame Infiltration die bestehenden Institutionen zu verwan- 3eln. Was uns allein möglich wäre, ist ein anderes. Alle jene Institutionen bestehen zwar, aber sie sind im Grunde nicht lebensfähig; sie leiden Not, sie entwickeln sich nicht, oder kümmerlich, sie sind welk. Der Versuch, den einzelnen Institutionen durch irgendwelche Methoden zu helfen ist vergeblich. Bei der Zersplitterung ihrer Gründer, Förderer, Schütze?-, bei ihrer Desorientierung in bezug auf das Ganze des jüdischen Volkes, ist kaum möglich, daß sie selbst jene Mittel schaffen werden, die allen auf einmal helfen könnten. Es ist wie mit Gärten auf wasserarmem Boden. Keine Mühe des einzelnen Besitzers vermag auf die Dauer sein Stück zur Schönheit zu bringen. Eine Wasserleitung macht sie alle zugleich ungeahnt aufblühen. Das wäre 'die richtige Arbeitsweise des Zionismus, soweit seine Tätigkeit sich auf die pädagogische Gegenwartsarbeit im Golus erstreckt: Er muß einzelne Institutionen schaffen^ aber 'nach eindringender Erkenntnis und sorgtältiger Wahl. Solche, die zugteich selbst Realitäten des Judentums und zugleich Mittel, Voraussetzung, Ursache zum Entstehen aller anderen realen Erziehungs- und Kulturtatsachen sind. Woran leidet das jüdische Erziehungswesen, wie es heute besteht? Das ist 'die Frage, die der Schaffung der 'Mittel vorausgehen muß. Ich werde an anderer Stelle versuchen, sieganz zu 'beantworten. Hier sei nur'auf den einen Faktor, freilich nicht den unwichtigsten hingewiesen. Die jüdische Lehrerschaft ist unzulänglich. Man muß dies in solcher Allgemeinheit sagen, will man der Wahrheit Genüge tun. Die wenigen, so überaus erfreulichen Ausnahmen, werden die ersten sein, die den Satz bestätigen werden. Diese traurige Tatsache hat einen doppelten Gruqd. Der Erzieherberuf verspricht keinerlei materielle Er-) folge und der jüdische gar bietet kaum mehr, als Deckung der dringendsten Lebensnotdurft. Wenn aber Begabung, Liebe und Begeisterung jemanden aus der assimilatorischen Jugend in die Pädagogik drängt, so besteht auch keinerlei Veranlassung für ihn, das schlimme Teil, die jüdische Erziehung, zu wählen. Er widmet sich der deutschen Schule. Die nationale Jugend, von der wir wohl 'die Opferkraft erwarten, Dürftigkeit Seite 3 für Pflichterfüllung hinzunehmen, ‘ihr ist noch nicht klar geworden, daß zwischen Uebersied-» lung nach Palästina und leeren Parteiphrasen noch eine Möglichkeit liegt: fruchtbare, bescheidene, jüdische Berufsarbeit im Golus. So fehlt dem jüdischen Erziehungswesen die Fülle der begeisterten, begabten und ungebrochenen Menschen, deren es bedürfte, um mehr zu sein äla schwindender Schatten oder ein sehr unsicherer Anfang. Es mangelt aber nicht allein an Kräften, sondern — und dies ist das zweite — die vorhandenen erfahren keine genügende Ausbildung. Daß der Lehrer mehrjähriger Schulung und langer Erfahrungszeit braucht, das ist niemandem zweifelhaft. Aber es scheint, als gelte diese Erkenntnis nur gegenüber dem eigentlichen Berufslehrer. Und gerade deren braucht unser gegenwärtiges Erziehungswesen weniger. Tn -ihm herrschen die Speziallehrer für Sprachen und Religion vor; Und vor allem die mannigfaltigen Berufe, die in freierer Weise mit Kindheit und Jugend in Beziehung gesetzt sind: Heimleiterinnen, Kindergärtnerinnen, Waisenväter, Hortleiter. Jugendführer usw. Diesen Erziehern gegenüber begreift man noch nicht genug, wie esi ganz und gar nicht genügt, wenn sie ein gewisses Maß (ach, ein wie bescheidenes!) von allgemeinert Kenntnissen und im übrigen ein wenig Frische, Takt und Zutunlichkeit im Verkehr mit Kindern besitzen. Hier liegt ein böser, folgenschwerer. Irrtum. Gerade diese Berufe verlangen gebieterisch eine dreifach gründliche Ausbildung: allgemeines Wissen; jüdisches Wissen; undp'ädagogisches Wissen und Können. Das also wäre eine vorne'hmliehe Aufgabe des Zionismus: Dem bestehenden jüdischen Erziehungs wesen jüdische Lehrer zu schaffen und es so zum jüdischen National-Erziehungswesen üm- Zubilden und zu ergänzen. Jüdische Lehrer! Wurde gesagt und nicht zionistische. Denn ‘darauf kommt es nicht an, wie sie zum 'Baseler Programm, wie sie zu Palästina stehen. Wenn sie die richtige jüdische Bildung in sich aufgenommen haben, wenn ihnen, "Judentum, seine Geschichte und Gegenwart in allen seinen Tiefen und Breiten lebendig geworden ist, wenn sie gelernt haben, Kindheit und Jugend zu verstehen, siö zu achten, mit ihr umzugehen; wenn sie auf diese richtige Weise ihr Bild vom Judentum in allen seinen konkreten Details der nachwachsenden Generation vermitteln, dann braucht uns nicht bange ‘zu sein um die Paragraphen unseres Programms. Der Hebel für die Verwandlung des Bestehenden, für die Schaffung einer wahrhaft die ganze Nation umfassenden Erziehung Jst, daß die nationale Jugend, ernst machend mit ihren* Bekenntnis, zur nationalen Lehrerschaft werde; daß diese Lehrerschaft gebildet in ihrer Kunst, in ihrem Menschlichen und Jüdischen wirksam werde. Mährisch-schlesischer Distriktstag Am 8. und 9. September 1917 tagte in Bielitz der mähr.-schles. zionistische Distriktstag. Es war der erste seit Ausbruch des Krieges. Dreieinhalb Jahre, schwere Jahre waren ins Land gezogen, ohne daß die mähr.-schles. 'Zionisten zusammengekommen waren. Das D. K. in Troppau hatte nun im Einvernehmen mit der Wiener Zentralleitung für den 8. und 9. September den Staturarischen Distriktstag nach Bieüjtz einberufen. Es waren zu demselben u. a. Delegierte aus Troppau, Bielitz, Olmütz, Oderberg, Trzynietz, Dzieditz, "Jägemdorf, Ferialverbindung „Emunah“, erschienen. Von dem Z. K. aüs Wien war Dr. W. Stein anwesend. Am 8. September abends fand im Gemeindehause eine interne Vorbesprechung satt, in der die am nächsten Tage zur Beratung kommenden Punkte der Tagesordnung besprochen wurden. In dieser ’ Beratung wurden nach eingehender Besprechung die Richtlinien für die spätere Leitung 'festgelegt. Dr. W. Stein gab über die innere zionistische Lage, wie auch über die politische Tätigkeit des E. A. C. interessante Aufklärungen. Am 9. September, 9 Uhr vormittags, wurde der Distriktstag im schönen Heim des „Blau- Weiß“ vom bisherigen Leiter des D. K. in Troppau Dr. Leschner eröffnet. Es folgte darauf die Wahl des Vorsitzenden. Auf Antrag des Herrn Wilhelm S o b e 1 (Bielitz) wurde Dr. Leschner zum Vorsitzenden, Dr. Wilhelm1 Wagner (Bielitz) zum Stellvertreter und 'Red. Bruno Rabinowitz Zum Schriftführer gewählt. Dr. Leschner gab hierauf im Namen des scheidenden D. K. einen gedrängten Rechenschaftsbericht über die letzte Tätigkeitsperiode ab. Zu Beginn seiner Rede gedachte der Vorsitzende» der großen und unersetzlichen Verluste, die d.er mähr.-schles. Distrikt im Laufe des Weltkrieges erlitten und nannte vor allem zwei Namen, die mit den Arbeiten und Erfolgen dieses Distriktes so enge verknüpft waren: Dr. Schönhof (Brünn) und Julius Neumann (Proßnitz). Die Anwesenden erhoben sich zum Zeichen der Trauer von ihren Plätzen. Im Rechenschaftsbericht sagte der Vertreter des D. K., daß es ihm infolge der abnormen Verhältnisse, die der Krieg geschaffen hat, nicht möglich sei, einen abgeschlossenen Bericht zu erstatten. Das D. K. hat besonders bis zum Ausbruch des Weltkrieges sich folgender zionistischer Arbeiten angenommen: Der Bezalel-Ausstellung, die einen vollen Erfolg hatte, der Aktion des ^Palästinafilms“, der in .fast allen größeren Städten gezeigt wurde, der Aktion anläßlich de%

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