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Jüdische Zeitung · 1917-09-28 · 39 (28.9.1917) · p. Seite 2

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
11 (1917)
Issue
39 (28.9.1917)
Date
1917-09-28
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Se>'<> 2 teilen am schwersten' betroffene JudenSchaff der Bukowina eine Organisation zu schaffen, die es: ermöglichen soll, den politischen un’d 'wirtschaftlichen Wiederaufbau kräftigst zu fördern, hat der aus den z e h n Mitgliedern beider jüdischen Parteien bestehende jüdische Landtagsklub wiederholt eingehende Beratungen gepflogen und den einhelligen Beschluß gefaßt, an die jüdischen Parteien des Landes den Appell zu richten, alle zu Parteiungen führenden DifferÄzen als beigelegt zu befrachten und an der Bildung'einer einheitlichen Landespartei mifzuwirken. Die Notwendigkeit, eine Neuorganisation der Bukowinaer Judenschaff zum Schutz und Zur Wahrung ihrer politischen Rechte sowie ihrer wirtschaftlichen und sozialen Interessen zu Schaffen, wurde allseits anerkannt und auf Einladung des jüdischen Landtagsklubs am 12. ds. eine vertrauliche Beratung a'bgehalteii, an der zahlreiche Vertreter beider Parteischaftierungen und aller Berufsstände teilnahmen. Auf Grund der vom Landtagsabgeordneten Dr. Max Fokschaner und 'dem' Reichsrats- und Landtagsabgeordneten Dr. Benno Strauch er erstatteten Referate wurden die Anträge derselben freudigst begrüßt und einhellig folgende Beschlüsse gefaßt: An Stelle der bisher bestandenen zwei politischen jüdischen 'Parteien der Bukowina wird eine einheitliche jüdische Landesparfei gebildet und mit der Wahrnehmung und Vertretung der Rechte und Interessen der 'Judenschaft ein Parfeiausschuß betraut, aus dessen 'Milte ein Arbeitsausschuß delegiert wird, der bis zur definitiven Zusammensetzung der Parteiorganisation sich mit den Vorbereitenden Arbeiten für den Wiederaufbau zu ‘beschäftigen haben wird. In diesen Arbeitsausschuß wurden entsendet die Herren: "Kommerzialrat Max Ritter v. Anhauch, Gemeinderat Dr. Friedrich' Billig, Gemeinderat Dr. Mayer Ebner, Großindustrieller Nathan Eidinger, Gemeinderat Bernhard Fle'mminger, Abgeordneter Dr. Max Fokschaner, Gemeinderat Adolf Hart, Kommerzialrat "Abg. lakob Hechr, Kanzleivorsteher Jakob Hilsenrad. Kultusrat Advokat 'Dr. Salomon "Kaßner, Abg. Dr. Isidor Katz, Bibliothekar Dr. Leiblinger, Advokat Dr. Heinrich Lunul, Kommerzialrat Abgeordneter Salomon Rudich, Abg. Dr. Benno Straucher, Handelskanvmemfäsident Abg. Wilhelm Tittinger, Gemeinderat Adolf Wallstein, Abgeordneter Bürgermeister Dr. Salo v. Weisseiberger und Abg. Dr. Neumann Wender. Zum Präsidenten “des Partei- und Arbeitsausschusses wurde Reichsratsabgeordneter Doktor Straucher, zum Vizepräsidenten Abg. Dr. Max Fokschaner gewählt. Der ‘Arbeitsausschuß hat seine Tätigkeit bereits aufgenommen. Das Parteibüro befindet sich vorläufig in den »Räumen des Fürsorgekomitees für die Bukowinaer Flüchtlinge, Wien, IX. Bezirk, Schwarzspariierstraße Nr. 15. Zu ständigen "Referenten wurden bestellt die Herren Schriftsteller Adolf Wall st ein und Advokat Dr. Salomon Kaßner.“ Verständnis aufbrachte. Unter den an der revolutionären "Bewegung beteiligten Frauen werden die in der Schlüsselburg um^ekommenen Jüdinnen Sophia Ginzburg und Olga Nathan Sohn erwähnt und die erschütternde Geschichte der Gessia Helfmann ausführlich berichtet Und für die Aktivität der lugend, ihren ungebrochenen Idealismus in der Zeit tiefster Reaktion, wird als Beisniel geradezu der Zionismus. angeführt. Diese Stelle sei hier zitiert: „Als hach den ersten ludenpogromen anfangs der achtziger Jahre die jüdische Jugend in Rußland, bestürzt und betäubt, sich verzweifelt umsah und fragte: Was nun? — erscholl aus denselben Reihen zum ersten Male der Ruf: .(.Nach Palästina!“ Das war Erlösung. Mehr Märchen als Wirklichkeit nebelhaft unreal, war die Idee der Auswanderung nach Palästina nur ein wahrer Traum, in dem sich der roh verletzte menschliche Stolz, das mißhandelte Selbstgefühl rettete. Und es blieb nicht bei dem Wort:1tausende junger Leute, Männer und Frauen, die bisher studiert und sorgenlos gelebt hatten, verließen den — eigentlich geliebten und heimatlichen — Boden Rußlands, und zogen nach Palästina. um sich gleich ihren Ahnen zur Zeit Dawids und Satomons dem Weinbau zu widmen, f? Anm. d. Red.) Die bekannten Weinbaukolbnien Rischon lc-Zion, Pessach-Tikwah sind Schöpfungen jener Zeit und die meisten der Kolonisten sind selbst noch oder sind Kinder der einstigen ■russischen Studenten und russischen Mädchen. Die Palästina-Idee gewann bald festen Boden unter der jüdischen Intelligenz in Rußland. Sie fand auch später Echo. und Unterstützung in JÜDISCHE 7iTTUNG Nach den Feiertagen beginnt in den zionistischen Gruppen neues Leben. Eine der dringendsten Aufgaben ist die Gewinnung neuer Bezieher für die „Jüdische Zeitung“. Beteuere keiner seine gute Gesinnung für den Zionismus, der den geringsten Pflichten eines Parteigenossen nicht nachkommt. Fraget jeden, der sich viel zu Gute hält, ob er auch etwas für das Parteiorgan leistet, und verhaltet ihn dazu, wenn er den Anspruch erhebt, im' zionistischen Kreise Geltung zu "haben. Denn mit Worten ist uns nicht geholfen. Wir wollen» Beweise der Ueberzeugung sehen. Also heißt es: für-die „JüdischeZeitung“wöchentlich das \ Opfer Von etwa 20 Hellern bringen. Der Zum weltpolitischen Faktor gewordene Zionismus braucht eine bedeutende Presse. Helft sie uns schaffen. Beeilt Euch! Am' 1. Oktober beginnt ein neues Viertel. Das Abonnement kostet halbjährig K 5.—, vierteljährig K 3.—; monatlich nur' K 1.—. Erneuert gleich das Abonnement, damit keine Streichungen vorgenommeri werden müssen! Sendet mit dem eigenen den Bezugspreis für einen neuen “Bezieher an das Postscheckkonto 13V04. Schreibt Namen und Adresse möglichst deutlich und'genau! „Razzia“ gegen galizische Flüchtlinge Die polizeioffiziöse Korrespondenz Wilhelm teilt mit: Am 22. ds. Mts., mittags, wurde auf Anordnung des Sicherheitsbüros im Einvernehmen mit dem1 hiesio-en k. u. k. Militärkomm'ati'Ho sowie der Miütärnolizei für den I. Bezirk eine Perlustrierung der auf dem Schoftenring und namentlich in der Umgebung zweier Kaffeehäuser versammelten galizischen Flüchtlinge zur Feststellung ihres Militärverhä'tnisses und zur Hintanhaltung von Winkelbörsengeschäften vorgenommen. Insgesamt' wurden 2? Personen angehahen und dem 'Amte überstellt. Zwei von ihnen wimdev wegen Abschlusses von Börsenwinkelgesehäften beanstandet und dem magistratischen Bezirksfür den ersten Bezirk zugeführt. Einer dieser Angehaltenen war "Militärpersön und hatte sich' überdies einer UrlanbsüberSchreitung (!) schuldig gemacht. Der Mann wurde nach erfolgter Einvernahme "der Müifimolizei übergeben. Ferner wurden zwei Militärnersöhen beanständet,, und zwar eine wegen ungerechtfertigten Tragens von Zivilkleidem; auch dieser 'Mann wurde der Milif5rr>oIizei übergeben; die zweite wegen ungenügender militärischer Ausweisnapjere. Diese Person wurde dem Ergänzungsbezirkskommando Wien A zur Ueberprüfung ihrer Dokumente Zugefübr+.“ Wie es scheint, lassen die Lorbeeren 'der Buriapes* *er Polizei ihre Wiener Kollegenscbaff nicht schlafen! Man pflegte “in bessern' 'Zeiten tRazzias in verdächtigen Verbrechervierfein zu veranstalten! Heute geht es gegen die Flüchtlinge! Ueberschreitung "des Urlaubes, ungerechtfertigtes Tragen "von Zivilkleidern! Ein geringer Erfolg des Fischzuges! Man hört da und dort, daß sich der Wiener Polizei ein befriedigenderes und 'ertragreicheres Arbeitsfeld bietet: die Chronik der Einbrüche in Wien ist gegenwärtig recht umfangreich. der westeuropäischen Judenschaft, und in Theodor Herzl einen feinfühligen und begeisterten Führer. Doch waren es stets, wie viele der westeuropäischen Zionisten oft betonten, die Russen, die der Bewegung die tiefst“ Leidenschaft und die uns bekannt heilige Inbrunst gaben. Als an einem der Baseler Zionistenkongresse Herz! selbst fder bei aller Begeisferungsfähipkeit doch auch Realpolitiker in allen Dingen blieb), in Anbetracht der Schwierigkeiten mit der Palästinabesiedlung, den. Plan einer Siedlung in einem andern, zugänglicheren Or‘e zu akzeptieren empfahl. brachen die, anwesenden Russinnen, meist Studentinnen der Schweizer Universitäten, in verzweifeltes Schluchzen ein; ein paar wurden ohnmächtig aus dem Saale getragen. 'Als hätten sie mit dem Palästinatranm, an den sie sich mit ihrer ganzen Romantik geklammert hatten-, die Heimat ihrer Ahnen zum zweiten Male verloren/' Wir müssen Zugeben, daß — trotz der etwas ungenauen Informiertheit der Verfasserin — die Würdigung der Bedeutung der russischen 'Zionisten im ganzen zutreffend ist. Und es Wird auch nicht ganz unberechtigt sein, weffn "Strasser diese Kraft des Enthusiasmus als eine Wirkung des russischen Milieus hinstellt. * Sehr fesselnd sind die Einzelheiten, die wir über den Anteil der Frau an der revolutionären Bewegung erfahren. Die Charakterbilder, die Nadja Strasser gibt, finden e'ine wertvolle Ergänzung durch die zahlreichen Bilder dieser Frauen, aus deren Gesichtem Geist, Energie. Entschlossenheit, Mut, Güte leuchtet Wir wissen', daß auch viele jüdische Frauen im "'poljtisch- ' " .. /Nr Weitere Äußerungen der deutschen und österreichischen Presse zur Judenfrage Am 6. September koirimf der Berliner konservative „Reichsbote“ neuerdings auf das Thema „Judentum und Zionismus“ zurück. Die Unterstützung der zionistischen: Bestrebungen durch England und Amerika beunruhigen ihn, weil dann „Palästina ein wichtiger Vorposten englischen Einflusses an der Pforte zwischen Asien und Afrika“ würde.; „Dem müssen die Mittelmächte beizeiten einen Riegel verschieben. Sie müssen 'den englisch-amerikanischen Machern den Wind aus den Segeln nehmen, "indem sie selbst die Verwirklichung der palästinischen Pläne 'des Zionismus unter ihrem Protektorat und ihrer 'Oberhoheit in die Wege leiten. "Denn Palästina ist bis heute doch erfreulicherweise noch keine englischamerikanische, sondern eine türkische Provinz. — Es ist daher nötig, 'daß endlich auch die Mittelmächte und Vor 'allem die Türkei diesem Problem ihre volle Aufmerksamkeit zuwenden. Man muß den Juden klar machen, daß ihre Wünsche bei 'den Mittelmächten gut aufgehoben sind, und daß deren Verwirklichung jeder mit den Interessen 'der Türkei und ihrer Verbündeten nur irgendwie Verträgliche Vors'chub geleistet werden wird. Tatsache ist ja doch, daß sich die jüdisch-zionistischen Forderungen nicht mit deneriderMittelmächtekreuzen (von uns gesperrt. D. Red.), so lange sie nicht auf die Bildung eines ganz selbständigen oder unter internationaler, d. h. englischer Aufsicht, stehenden Staates äusgehen, Sondern sich mit freier Kolonisafions'- möglichkeit und der Betätigung Ihrer religiösnationalkulturellen Eigenart begnügen. In diesem Fall kann eine starke jüdische Einwanderung und Besiedlung der Türkei und ihrer künftigen' Entwicklung nur förderlich und 'dienlich sein. In Palästina seßhaft gemacht, könnten "die Juden, richtig behandelt und regiert, mit ihren großen Fähigkeiten, ein wertvoller Bevölkerungsbestandteil für das osmänische Reich werden.“ Auffallend ist es, daß sich das Wiener »‘.Deutsche Volks bla ft“ in einem' Leitartikel Vom' 11. September über den '..Weltkrieg und die Judenfrage“ von jeder Spitze freihält. ,iUn!ter den Fragen, die bisher nur eina theoretische Behandlung erfuhren und' 'die der Weltkrieg zu größerer Bedeutung gebracht hat“, führt es aus, „gehört, ko sonderbar dies ‘auch erscheinen mag. auch die Judenfrage. Das1 Bestreben, die Juden als eigene Nation anerkannt zu sehen, ist von ä rl s c h e r Seite schön längst kräftig betont worden, aber auch auf iüdis'cher Seite ist dieser Wunsch vorhanden, ‘und 'der zionistische Gedanke hat in den letzten Jahren eine kräftige Entwicklung 'gefunden. Er äußert sich in Zwei Richtungen. "Zunächst in dem' Verlangen auf Gewährung nationaler Minderheitsrechte für die luden überall dort, wo sie in geschlossenen Massen \vohnen, so in Rußland. Polen, Galizien und Rumänien. "Aber auch die Errichtung eines eigenen jüdischen Staätswesens in Palästina ist i” letzter Zeit wieder ernster erörtert worden. 'Und diesem Teile der Jüdenfrage kommt nicht geringe politische Bedeutung zu. Der Vierverband hat hier mit nicht zu leugnender Geschicklichkeit den Versuch1 «emächf, für seine eigenen Zwerke aus 'den jüdischen Bestrebungen für 'sich Nutzen Zu ziehen, indem er diirch Verheißungen 'für die Zukunft die Sympathien und "die Unterstützung der ludenscbaft zu Gewinnen sucht; das damit verfolgte Ziel ist leicht erkennbar: die englische Politik würde sehr gerne das Entstehen eines iüdischen Pufferstaates als Bollwerk für den Suezkanal sehen, revolutionären Lehen Rußlands wirkten, viele eine hervorragende Rolle Spielten. "Es Sei nur Z. "B. auf jene ‘Frau Verwiesen, die Später Hie Schöpferin der palästinischen Wächter-Organisation „Haschomer“ wurde. Im' „Juden“ fluni 1917) hat es Rosenberg "an der Hand der Kriminalstatistik gezeigt, daß Her prozentuelle Anteil der iüdischen Frauen ‘äh der revolutionären Bewegung "(im1 Verhältnis Zu den Männern) in der Zeit vor 1905 weit mehr als' doppelt, nach 1905 annähemci doppelt so groß war, Wie die der "der Nicht» Jüdinnen. <■ Damit wir aber auch wertvolle, wichtige Belehrung aus diesem ‘interessanten Buch STiöpfen, sei noch auf die Schilderung hingewieseh, ln welcher Weise die von den Ideen der Volksbe- Treiun'g erfüllten Intelligenzler ihren Beruf erfaßten. Mit heiligem, rücksichtslosem' "Emst weihten sie sich ihrer Aufgabe, nicht 'durch schöngeistige Reden, Sondern indem Sie ..Ins Volk gingen“: sie verlegten ihr Leben in 'die Sphäre des Volkes, wurden Arbeiter und lebten mit Bauern und 'Arbeitern, Um sich dem Volk zu nähern, seine Seele, sein "Wesen und seine Bedürfnisse zu erfassen, um "das Vertrauen des Volkes zu gewinnen und in direktem Kontakt auf es einzuwirken. Diese Bereitschaft, diese "Arbeit — nur sie können die Idee zur "Realität werben üaissen. Sollte dieses Reisniel nicht uns Zionisten, die Träger der idealen jüdischen Volksbewegung sein wollen, .... nachdenklich stimmen —? Robert Weltsch.

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