Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 11 (1917)
- Issue
- 38 (21.9.1917)
- Date
- 1917-09-21
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 18 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 3 eine Erscheinung, die sich bei „Erez Israel“ nicht wiederholen dürfte, vugßtf.das Hauptbüro jetzt auch noch gewissermaßen. „darauf zahlt“, weil der J. N. F. über eine tüchtige, verläßliche, treue Vertra.uensmännerorganisation verfügt, die den ausgegebenen Parolen folgt. Ein neues „Palästina“ neben „Erez Israel“ würde [aber auch einer Kräfte Zersplitterung gleichkommen. Wir halten dafür, daß die Fülle von Organen, die wir vor dem Kriege gehabt haben und Wahrscheinlich nach dem Kriege wieder bekommen werden, ohne Schaden für den Reichtum von Ideen und Strömungen in unserer Bewegung eingeschränkt werden kann, so man den einzelnen Gnmpen klar zu machen versteht, daß sie ihre „Bedürfnisse“, die sie doch einem gemeinsamen Ziele u n t e r - ordnen, auch befrieigen können, wenn sie auf' Kooperation in formalwirtschaftlichen Dingen bedacht bleiben. Durch die fliegenden Blätter, mit denen die Wanderbünde, Sport- und Turnvereine, Arbeiter, Studenten usw. — wozu alle aufzählen — die Druckbranche zeitweilig beschäftigen,* erreichen sie nur Eines: Sie bleiben mit der publizistischen Vertretung all ihrer Wünsche völlig unter sich. Ihre Monats- und Halbmonatsblätter vongeringem Umfange werden ja doch ausschließlich von den V e r e i n s - mitgliedem gehalten und das nur zum Teil. Wir müssen auch auf finanziellem Gebiete alles vermeiden, was uns schwächt. In Oesterreich brauchen wir ein in deutscher Sprache eischeinendes jüdisches T a g b 1 a 11, das, ohne etwa einer 'Clique dienstbar zu sein, allen Richtungen im nationalen Judentum großzügig und weitherzig Gastfreundschaft zu gewähren hätte. Darin könnten auch die Wünsche aller, also auch der Interessenten für Palästinafragen Volle Berücksichtigung erfahren. Soweit Sind wir freilich noch nicht. Aber um überhaupt unseren großen Zielen -näher zu kommen, müssen wir bei allen Gelegenheiten fragen, wieweit die einzelnen Schritte auf den Weg dahin - oder vom Wege abführen. “Daß es nicht zweckdienlich wäre, wenn die zionistische Presse durch eine Parallele von „Erez Israel“ bereichert würde, darf man, Von allem Vorge-.- brachten abgesehen, Schon deshalb glauben, weil, wie wir schon früher einmal bei ähnlicher Gelegenheit hervorgehoben haben, die Konsumfähigkeit unserer Anhänger auch ihre Grenzen hat. II. Der J. N. F. bedient sich mit viel Glück für seine Popularisierung und Werbetätigkeit bildlicher Darstellungen — der Kunst möchten wir vorerst nicht sagen. Die Diplome für das Goldene Buch, den Oelbaum, die Landspende, die Marken und Telegramme usw. sind Ziemlich gut bekannt. Aber er beschäftigt nicht nur die graphischen Künste und deren Industrie, sondern auch andere Handwerke und Gewerbe, wie man "sieht, wenn ah die Sammelbüchsen, Denkmünzen, Bucheinbände (Goldenes Buch, Memorbuch, Spendenbuch) erinnert wird. Schon vor (Knigen Jahren haben wir in einem Briefe das Hauptbüro darauf aufmerksam gemacht, daß des J. N. F., dem eine hohe Aufgabe vom' jüdischen Volke übertragen Ist, nur Qualitätsarbeit würdig sei. Es geschah anläßlich der Ausgabe der Landschaftsmärken durch die Sammelstelle für Deutschland, die Schon um ihrer häßlichen und billigen Ausführung willen Mißfallen erregten. Das Hauptbüro erwiderte, daß es sich zu demselben Grundsatz bekenne, und man muß gerechterweise zugestehen, etliche seiner Propaganda-Drucksachen, wie beispielsweise LessCr Urys „König David“, Strucks urfd’Liliens Mancenbilder rühren von wahren Künsterhänden her, andere Sind wenigstens leistungsfähigen Firmen übertragen worden, 'die eine noble Herstellung ermöglichten.**) Da wir jedoch Kritik üben, können wir es nicht unterlassen, auf unliebsame Erscheinungen zu verweisen. Beispielsweise genügt der an die Vertrauensmänner abgegebene Kalender keineswegs höheren Ansprüchen, ebensowenig befriedigen die von 'der österreichischen Sammelstelle verbreiteten Illuminationsbilder einen geläuterten Geschmack. Daß Ranzenhofer Schon etwa, ein halb Dutzend oder mehr Diplome mit Routine, 'aber alle gleich glatt, gefällig und mittelmäßig gezeichnet hat, ist eine unbillige Benachteiligung jüdischer Künster, "die wir in größerer Anzahl beschäftigen sollten. Und gar Heft 2 Von „Erez Israel“ zeigt, daß der Wille allein nicht zu loben ist, wenn'die Kräfte fehlen, um den Horazischen Vers in Umkehrung 'Zu zitieren. Der Einband zum1 Memörbuch von Glycenstein deutet auf einen Fehlgriff hin. Man hat einem1 Künstler wie Glycenstein_eine kunstgewerbliche Arbeit (übertragen, die er nicht einwandfrei Zu bewältigen vermochte. Erschöpft sich (mit den angeführten Fällen auch nicht unser -Material, so wird es doch genügen,, um Ueberlegungen bezüglich der Art anzustellen, wie die künstlerischen Aufgaben, die dem' 'N. F. im übertragenen Wirkungskreis als Arbeitgeber zufallen, in Hinkunft zu bewältigen sind. . Wir erinnern daran, daß seit Jahr und Tag in Presse und Buch, in Vereinen und auf Kongressen weidlich viel von „'Jüdischer Kunst“ gefaselt wird.. Daraus ergibt sich doch die notwendige Folgerung und Forderung, jüdische 1 In einer beginnt das neue Vierteljahr. Wer die einzelnen Nummern unseres Blattes im Zusammenhang verfolgt, wird zugestehen müssen, daß es mit Sorgfalt redigiert wird. Wir haben den Spiegel der Seite vergrößern lassen, um mehr Stoff unterbringen zu können. So suchen wir trotz Vermehrung der Ausgaben den Wünschen unserer Leser gerecht zu werden. Daraus folgt, daß auch Sie uns in unseren Bemühungen unterstützen müssen. Senden Sie vor Ablauf der Frist Ihren Bezugspreis ein. Künstler zu fördern (d. h. nicht einzelne, die Beziehungen haben oder unverdient hinaufgelobt werden) und jüdische „Kirnst“ zu verbreiten. Der J. N. F. mit seinem großen Budget 'ist umso mehr im Stande, eine Schar von jungen Talenten zu beschäftigen, ats er ja zur Herstellung seiner Propagandamittel ohnedies beträchtliche Summen auswerfen muß. So sollen sie wenigstens richtig angewendet werden Und damit einem wahrhaft erhabenen kulturellen Zweck dienstbar sein. Große Möglichkeiten würden sich ihm erschließen, wenn er sich die Methoden der offiziellen Kriegshilfe, die nicht ohne großen Gewinn in weitem Ausmaße alle Kunstzweige 'herangezogen hat, zu eigen machte.***) Die Leiter und Beamten des JNF. mögen Finanz- und Verwaltungsgenies und gediegene Volkswirtschaftler sein, aber es bleibe jeder bei seinem Leisten. 'Eine leicht lösbare Aufgabe wäre es, für das Hauptbüro und die Landessammelstellen, sich künstlerische Beiräte zu schaffen, bestehend aus ausübenden Künstlern als Fachleuten, mit einem angeborenen Kunstempfinden begabten Laien oder Kunsthistorikern als Jurj’ und Mitgliedern der N. F.-Kommissionen als den wägenden Rechenmeistern. Man soll nicht unter zionistischer Flagge, noch dazu wenn!man so viel von den schöpferischen Kräften im Judentum hält, Kitsch in die jüdischen Häuser, einschmuggeln. Es ist bekannt, wie sehr unsere jüdischen Künstler, die ihre Stoffe aus der Geschichte unseres Volkes holen, für ihre Treue zu leiden haben, wovon uns schon Lesser Ury im ersten Jahigang von „'Ost und West“ ein Liedchen gesungen hat. Durch den N. F. würde sich ihnen ein reiches Gebiet zur Betätigung eröffnen. Wir haben nicht nur die Pflicht, sie selbst zum Ausharren zu ermuntern und ihnen in jüdischen Kreisen Lebens- und Verkaufsmöglichkeiten ,zu schaffen, die Parole lautet auch, da wir uns ui die allgemeine Kulturbewegufrg gestellt wissen möchten, das Volk zu erziehen: die Kunst dem Volke. Je weitherziger der N. F. seine Aufgaben auffaßt, desto mehr Liebe wird es sich erwerben, desto reicheren Gewinn wird er daraus ziehen. (Ein Schlußartikel folgt.) An die Käufer des Jüdischen Nation alkalenders! Das um eine Woche verspätete Erscheinen unseres Kalenders wolle man gefl. mif den durch den Krieg verursachten Hemmungen im Buchdruckergewerbe entschuldigen. Der Verlag Jüdische Zeitung. Aus der jüdischen Welt Ein jüdisches Mädchengymnasium wurde in Warschau gegründet; der Unterricht wird in polnischer Sprache erteilt; jüdische Geschichte und Hebräisch werden gelehrt. Der jüdische Kongreß in Holland wird wie der amerikanische am 18. November eröffnet werden. Die Beschlüsse der Tagung sollen der holländischen Regierung vorgelegt und diese ersucht werden, sie der Friedenskonferenz zu übermitteln. Judenpogrom in Jassy. Die Berliner „National-Zeitung“ meldet von der russischen Grenze: Nachdem die rumänische Regierung Jassy verlassen hatte, brach in der Stadt ein schwerer Judenpogrom aus. Eine große Menschenmenge bestürmte die Läden der jüdischen Kaufleute und plünderte sie fast völlig aus. Als die ausgehungerte Bevölkerung hier verschiedentlich größere Mengen versteckter Lebensmittel vorfand, wurden siäpitliche Juden, die den Rasenden in die Nähe kamen, niedergeschlagen und aufgehängt. Mehrere Hundert Juden haben dabei ihr Leben eingebüßt. Die Ergänzung der ukrainischen Zentralrada. Stockholm, 11. Sept. (P. B. d. Ukr. Pari. Vertr.) Das Komitee 'der ukrainischen Zentralrada besprach die Frage der Ergänzung des Plenums der Zentralrada durch die Vertreter der nationalen Minoritäten und der nichtukrainischen revolutionären Organisationen. Es wurden gewährt: Juden 50 Plätze, dem Rat der Arbeiterdeputierten 30, dem Rat der Militärdeputierten 20, **) Auch die von Leopold Fleisehhacker entworfene Sammelbüchse aus Messingblech (leider, viel zu wenig bekannt und verbreitet) verdient hier genannt zu werden. ***) Diese hier wiedergegebene Anregung stammt von dem vor kurzem allzujung verstorbenen, noch imbekannten, hochbegabten Künstler und Gesinnungsgenossen Eugen Teitel. Polen 20, den Sozialdemokraten 20, den Sozialrevolutionären 20, dem Rat der Gesellschaftsorganisationen 10, Kadetten 10, Volkssozialisten 4, den Moldauern 4, Deutschen 4, Tataren 3, Griechen 1, Tschechen 1, Weißnissen 1,'Menoniten 1, Bulgaren 1. Japaner in Palästina. Die japanische Presse bespricht einen Vorschlag der Alliierten, seine Hilfstruppen auf dem Seeweg nach Mesopotamien und Palästina zu senden, sehr günstig. Die Palästinakcmmission unter Morgenthaus Führung ist in Paris eingetroffen und wird, da eine Reise nach Ägypten sich jetzt nicht durchführen läßt, sich nach London zu vertraulichen Besprechungen "begeben. Ein Brief Wilsons über den Zionismus an die russische Regierung. Nach einer Meldung des „Jewish Chronicle“ reist Leo Motzkin demnächst nach Rußland und wird der russischen Regierung einen Brief des Präsidenten Wilson iüberbrmgen, der sich mit der Frage des Zionismus beschäftigt. Die überaus günstige Haltung der provisorischen Regierung der Bewegung "in Rußland gegenüber führt der „Jewish Chronicle“ auf amerikanische Initiative zurück. Zionstische Bewegung Zionistischer Vorlesungs-Zyklus für den Sommer. Der Zionistische Sommerkursus unter den Auspizien der „Intercollegiafe Zionist Association“ begann am‘ 18. Juni und erstreckte sich1 auf 5 fTage Dr. Horace M. K a 1 f e n von der Wisconsin Universität hielt 4 Vorlesungen über „Jüdische Probleme“, Dr. Benzion Mossinsohn aus Palästina sprach über die „Renaissance des Hebräischen“, Jacob de Haas behandelte in drei Vorträgen das Thema „Die Organisation“, Ifamar Ben Avi aus Jerusalem sprach in 4 Vorlesungen über „Die geögraphischefikonomische und politische Stellung jm nahen Osten“. „Die Wirkung Palästinas am ‘die Evolution der Biblischen Literatur“ wurde in 4 Vorlesungen von Dr. Mossinsohn diskutiert; „Zionismus und Amerikanismus“ in e:ner Vorlesung von Richter Julian W. Mack, „Die sanitären Probfeme Von Palästina“ in einer Vorlesung von Dr. Harry Fried enwäld, „Das Programm der Poiafe- Zion“ in einer Vorlesung vo'n Dr. Hajim F i n eman, und „Die soziale Ordnung der neuen jüdischen Siedlung in Palästina“ von Bernhard A. Rosenblatt behandelt. ,^Freunde Von: Zion“. Die erste amerikanische Zionjsten-Vereinigung 'Die Freunde von Zion“ feierten km1 3. Juni den Tag ihres 20 jährir gen Bestehens. .jThe Friends of Zion“ waren die Gründer und Organisatoren der Föderation amerikanischer Zionisten und der verschiedenen Orden. 'Die „Freunde von Zion“ Wählen: nur 156 Mitglieder, die zu den ältesten, angesehensten und bewährtesten ‘Zionisten Amerikas gehören unid während der verflossenen 20 Jahre mit großer Hingebung gearbeitet haben, um* den amerikanischen Zionismus von seinen kleinen Anfängen zu der umfassenden und bedeutendem zu entwickeln, die er ‘heute darstellt. Der 10 Millionen Dollar KriegsJ-HilfsrFond Der „ American-Jewish Chronicle“ regt zur schnelleren Realisierung des Projektes des 10 Millionen DoUar Kriegs-Hilfs-Fonds an, daß jeder amerikanische Jude und jede amerikanische Jüdin den Verdienst von einem Tage dem Fonds zur Verfügung stellt- Der Erfolg.’ schreibt der American-Jewish Chronicle hängt ausschließlich von der Organisierung ab. Besonders die Arbeiterklassen werden einmütig diesen 'Beitrag leisfm. nachdem durch die Arbeiter-Organisationen die nötige Propaganda gemacht worden ist. Für die Mittelklassen sind die religiösen und sozialen Organisationen die geeigneten Medien. Die anderen Juden hingegen müssen durch eine0 von einent Komite noch genau auszuaibeitenden- Propaganda Aufruf dazu' angehalten werden, ihre Pfficht zu tun. Der „A. J. Chr.“ schlägt vor von 'den drei bestehenden "Hilfskomitees eine Kommission zu bilden, die sich mit der Verwirklichung dieses Vorschlages beschäftigen soll. Nathan Straus urtd der 10 Millionen Dollar Hilfsfond. Nathan Straus. 3er bekamt?? Philanthrop, der für die notleidende jüdische Bevölkerung in der Kriegszone sehr große Spenden gegeben hat. zeig* jetzt wiederum der Welt ein bemerkenswertes Beispiel Von großherziger Wohltätigkeit. Er bat sein ejgcnes Haus zum Verkauf gestellt, dessen Wert von 350.000 Dollars 'dem 10 Millionen Dollar Fond zufließen: "Soll. Hilfsfäligkeit Jüdischer Studenten in Amerika. Die Jüdischen Studenten der Columbia Universität haben 1100 Dollars für den 10 Millionen Kriegs-Hilfs-Fond für die durch den Krieg betroffenen Juden beigesteuer’t. Dies schöne Resultat ist den Bemühungen eines kürzlich gebildeten Komitees zu verdanken, dessen Ehrenpräsident Professor R. G o 11 h e i 1 ist. un'd dem es gelungen ist, jeden jüdischen Studenten in der Universität zu interessieren. Eine Schule für zionistische Redner. Unter den Auspizien 'des „Zionist Council“ für Groß- New York ist dort eine Schule ins Leben gerufen worden, die die Ausbildung Zionistischer Redner zu leiten hat. Die folgenden Kurse werden gegeben : Prof. 'N. S1 o us c*h z„ .^Jüdische Geschichte“, Dr. S. M e 1 a m e d. „Die Philosophie 'des politischen Zionismus“, Dr. M. S c h e i n k i n, „iWege Und Mittel der Kolonisation“. Herr Scheinkin wird außerdem einen Kursus für öffentliches1 Im Kaufe Meter Wodie erfcheint fler JSOiicfte NaMonalftalenfler! I 1 -r . -h- * ‘■'fri 1 * 2 ■; "J j £ C sn 1 s s; i? I 53235323230123535323232323535348534853 02000102020000000200000007000007010001010000530201020101010102234823010002010100020023