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Jüdische Zeitung · 1917-09-21 · 38 (21.9.1917) · p. Seite 2

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
11 (1917)
Issue
38 (21.9.1917)
Date
1917-09-21
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 JÜDISCHE ZEITUNG Ni.- 88 in innerwie in außenpolitischer Beziehung ftur von Vorteil. Dieser Erkenntnis wird sich dann auch die Pforte nicht auf die Dauer verschließen können, umso mehr, als wir für die Juden Palästinas nichts anderes als eine freie kulturelle Entwicklung auf der Grundlage eines nationalen Wirtschaftslebens anstreben. 5, Eine Ergebenheitsadresse der türkischen Juder, Die tendenziöse Meldung der Ententepresse von der Entsendung einer amerikanisch-jüdischen Kommission nach Aegypten scheint in Konstantinopel eine gewisse Verstimmung gegen "die Jude: erzeugt zu haben. Der Großrabbiner von “Konstantinopel und säjntliche türkischen Organisationen haben sich' daher Veranlaßt gesehen, in öffentlichen Erklärungen ihrer Staatstreue Ausdruck zu Verleihen: Der „Takrir“ des Großrabbiners lautet: „Nachdem der Rat des Großrabbinats, aus religiösen und Laienkörperschaften bestehend, Kenntnis genommen hat von den ausländischen Zeitungen entnommenen und durch die ottomanische Presse verbreiteten Nachrichten über gewisse Unternehmungen bezüglich Palästinas, die ihren Ursprung in Amerika haben sollen, hat er sich heute in außerordentlicher Sitzung unter meinem Präsidium versammelt Er benutzt diese Gelegenheit, um die Liebe und den treuen1 Gehorsam aufs neue zu bestätigen, die die o’ttomahisdien Juden 'zu allen Zeiten für ihr Landhegten. Einstimmig wurde die Entscheidung gefaßt, daß, obwohl die bezeidhneten Unternehmungen nur auf ein bloßes Gerücht zurückzuführen seien, die ottcmanische Judenschaft zu keiner Zeit Beziehungen und Anteil an derartigen Geschehnissen hat, daß, ganz im Gegenteil, ich beauftragt wurde, ihre Gefühle aufrichtiger Anhänglichkeit an das teure Vaterland auszusprechen. Indessen, Wenn wir lauch durchaus (überzeugt, daß die oft omanische Regierung nicht den geringsten Zweifel und Argwohn in die Gefühle der Treue und des Gehorsams der ottomamischen Juden setzt, wird es doch von der iüdisdhen Nation als eine der heiligsten Pflichten betrachtet, derartige Gerüchte zurückzuweisen. Wir sind sicher, daß die Regierung davon 'überzeugt ist, daß wir türkischen Juden, die das Vaterland mit Leib und Gut verteidigen und unser Blut für die territoriale Integrität des ottomanlschen Reiches vergießen, stetsforf mit voller Festigkeit und Energie bis 'zum letzten Tropfen Blut das geheiligte ottomanische Vaterland verteidigen werden. — 13. August 1333. gez. Haim Nahum, Großrabbiner von Konsitantinopel und der Nebenbezirke.“ Der Text der Erklärung der jüdischen Gesellschaften lautet: ,,Ob\yohl sich die Unterzeichneten Vereinigungenniemals mit politischen Fragen beschäftigt haben, haben sie Kenntnis von einer Zeitungsmeldung genommen, die sich auf eine sog..'jüdische Bewegung in Amerika bezüglich Palästinas bezieht. Nachrichten dieser Art Stellen ein Manöver dar, das unsern Feinden geläufig ist. Treu den Traditionen unserer Väter, legen wir bei dieser Gelegenheit Unsere politischen Huldigungen am! 'Fuße des Tranes unseres, erhabensten Herrschers nieder. Wir bitten S. M. den Sultan an unsere unerädhüftterliche Ergebenheit und unsere Anhänglichkeit an das Vaterland zu glauben und geben unsern heißesten Wünschen Ausdruck für einen Sieg seiner Waffen, für die Volle Erhaltung des Reiches und für das Gedeihen unseres einen und Unteilbaren Vaterlandes. —T)en 11. August 1917. Der Präsident der „Amicale“ Isaac Taranto, der Präsident der „Fraterriite israelite“ M o i s e Aelion, der Vizepräsident der „Bene Berith“ A. F r e s c o, der Präsident der „Maccabi“ M. Abramowitz, der Vizepräsident der „Association des Medecins juifs“ V. G a 1 i m i d j.“ Es muß an dieser Stelle betont werden, daß die Verantwortlichen Leiter der zionistischen Weltorganisation die strikteste Neutralität derselben wahren, wie es gar nicht anders möglich ist. Es ist in den zionistischen Blättern öfters auf das Wort Tschlenows verwiesen worden,' daß wir als Realpolitiker mit der wirklichen Lage der Dinge rechnen und nicht vergessen dürfen, daß Palästina der Türkei gehöre. Auch' keiner der offiziellen Führer der zionistischen Bewegung in Amerika hat sich über „die jüdische Republik“ in Palästina irgendwie geäußert. Es ist -daher nicht zu bezweifeln, daß die Erklärung der türkischen Juden den Glauben finden wird, der -ihr gebührt In diesem Sinne spricht sich der Leitartikel des „Saba h“ vom 27. August aus der Feder seines Chefredakteurs, Dr. Achmed Emin Be}r, aus: „Der „Teskere“ des Großrabbiners und die Erklärung der "Repräsentanten der verschiedenen jüdischen Gesellschaften zeigen entschieden, wie die in unserm Lande lebenden Juden über unsere Verhältnisse denken und welche tiefen Gefühle der ^Anhänglichkeit sie für unser Land hegen.“ Die jüdische Konferenz in Rußland Die am 1 8./31. Juli eröffnete Vorkonferenz zum allgemeinen jüdischen Kongreß bedeutet den ersten Schritt Zur Vereinigung 3er gesamten jüdischen Kräfte Rußlands. Alle politischen Parteien hatten ’sich an den Wahlen der Delegierten beteiligt, die 12 bedeutendsten jüdischen Gemeinden hatten ihre Vertreter geschickt. Ins Präsidium der Vorkonferenz wurden einstimmig gewählt: der Vertreter der Volksgruppe Sliosberg, itfer Dumaabgeordnete Friedmann, die Zionisten A1 einikow und Jakubsohn, der Vertreter der Volkspartei Lazki und der orthodoxe Rabbiner Grodsenski. Ins1 Sekretariat wurden gewählt die Zionisten Kl ei »in an n und Berger, der Nationalist Salkind, der Poale- Zionist Rewuzki, der Orthodoxe Berespwski und der Vertreter der Volkspartei T s c h e r n i c h o w. Die Vorkonferenz wurde vom Vorsitzenden des Organisations-Komitees K r e i n i n eröffnet. Nachdem ein Vorschlag Slios-- bergs, auch den Vertretern der nichtpolitischen, wenig nationalen und demokratischen Organisationen wie Ica, Kriegshilfs-, Bildungslu. a. Gesellschaften das Stimmrecht zu gewähren, abgewiesen wurde, verlas Kr ein in das Vom1 Organisations-Komitee ausgearbeitete Programm eines künftigen Kongresses. Es enthält vier Punkte: 1. Aufstellung der Grundprinzipien der jüdischen nationalen Selbstverwaltung in Rußland; 2. Festlegung der Formen und Garantien ’ der Rechte der jüdischen nationalen Minoritäten; 3. Festlegung der zeitweiligen Formen der Gemeindeorganisation des russischen Judentums; 4. Behandlung der Frage der Garantien für 'die Rechte der Juden in den änderen Ländern (Polen, Palästina, Rumänien!usw.). In der Debatte über die drei ersten Punkte vertrat der Delegierte des Bund, R a f e ß, die Meinung, daß die künftige jüdische Selbstverwaltung sich ausschließlich auf die Kulturarbeit zu beschränken habe. TIn den Fragen der Hygiene, wirtschaftlichen Hilfe usw. dürfe die jüdische Bevölkerung nicht von der russischen abgesondert werden. Da aber die Bundisten, von Grün bäum (Zionist), Maxim' An in (Ver. Soz.) und Rafalkes JPoale- Zionist) angegriffen, nicht auf dieser Forderung bestanden, wurden die ersten drei Progrämmpunkte von 'der Vorkonferenz angenommen. Am heftigsten debattiert wurde der 4. Punkt, Der Bundist Litwak trat gegen die Behandlung der .Verhältnisse der Juden in andern Ländern auf. „Die Fragen sind innerstaatlicher Natur und können nur innerhalb der betreffenden Staaten gelöst werden... Auf den Friedenskongreß, bei dem Staaten vertreten sind, eine Delegation des zerstreuten jüdischen Volkes zu senden; ist lächerlich. Wenn der Kongreß etwas ‘zugunsten der Juden tun kann, so werden wir russischen Juden durch die russischen 'Diplomaten Einfluß haben. Palästina ist für üns zwar keine „Bath-Jechida“, aber auch kein Stiefkind und •ebenso wie wir die russische Diplomatie zugunsten der 'Juden in Galizien beeinflussen werden, werden wir dies auch bezüglich Palästina tun.“ Gegen ihn spradhen der Poale Zion Rewuzki, Sokolowski, der 'Privatdozent Losinski. Sliosberg war ebenfalls’ gegen die Ansicht der Bundisten; doch wollte er die Palästinafrage nicht als gesonderten Punkt aufgestellt sehen. Allen Gegnern erwiderten eingehend die Zionisten Kleinmann und Grün bäum. „Für Euch ist Palästina keine '„Bath-Jechida“, — wandte Sich Kleinmann an die Bundisten. Das Volk empfindet aber das Palästina-Ideal als den zentralen Gedanken des Judentums. Die anderen dagegen wollen den Zionisten das Monopol auf Zion äus fder Hand (nehmen, ium [so den Zionismus zu bekämpfen — bitte sehr! Der Palästinagedanke gehört wahrlich dem ganzen Volke. Die Zionisten wollen den direkten, demokratischen, offenen Weg. Die Bundisten "dagegen erneuern, indem sie fordern, sich auf die Beeinflußung der russischen Diplomatie Zu beschränken, nur 'die reaktionäre, bereits zur Ruhe gebrachte uralte Schtadlanuth-Politik. Das Volk (empfindet den lebendigen Zusammenhang mit den anderen Teilen des Judentums und kann nicht schweigen, wenn "Brüder leiden.“ Grünb a u m sagte: „Selbstverständlich werden wir Zionisten dem Zionismus treu bleiben, auch wenn der Kongreß sich gegen Palästina aussprechen sollte. Für uns würde dies aber eine ungeheure' und furchtbare Niederlage bedeuten. Wen» ihr von dieser negativen Antwort des Volkes überzeugt seid, warum wollt ihr uns vor diesem' Todesstoß bewahren? Wir haben alle ein lebhaftes Interesse, daß der „Bund*, der einen bedeutenden Teil der organisierten jüdischen Arbeiter um sich konzentriert, sich an "dem Kongreß beteiligt. Wir müssen daher eine Kompromißformei'finden. Wir müssen aber den Pflichten der Zeit gerecht werden. Können wir 'schweigen, wenn -unsere Brüder in : Polen . und Rumänien leiden? Das Judentum ist bereits eine Macht, und kann Vielleicht für die ^Befreiung dieser seiner Teile die nötige Sympathje-Atmosphäre slchäffen. Wollt ihr die Verantwortung dafür tragen, daß ihr diese Versuche unterbindet?“ Der „Bund“ akzeptiert schließlich'den Vierten Programmminkt unter der Bedingung, daß die Zionisten keinen besonderen fünften Punkt über Palästina aufstehen werden:1" Die Zionisten he-' schlossen, auf die Formulierung eines fünften' Punktes zu verzichten, Verlangten Iber die Unterstreichung der nationalen Forderungen in der ersten Hälfte des Punktes, die Weglassung der Klammer und die selbständige Behandlung 3er Erage "für jedes einzelne Land, um auf diese Weise sich die Selbständigkeit der Palästina- Debatte auf dem Kongreß zu sichern. Darauf ging die Konferenz ein. Der vierte Punkt der Tagesordnung des Kongresses wird also-lauten: Die bürgerlichen Und nationalen Rechte der Juden in Polen, in Palästina und in Rumänien. Dabei erklärte die Vorkonferenz, daß Polen 'deswegen vor 'Palästina gesteift ist, weil Polen ein Von Rußland eben abgetrenntes Gebiet sei. Zur weiteren Leitung der Kongreßbewegung wurde ein Organisationsbüro gewählt. Dieses wird von der russischen Regierung als repräsentatives Organ der Juden betrachtet und hat bereits Vertreter in Al ein ikow, Grusenberg, Landau, Baru, C h u r g i n zur Moskauer Beratung'der Vertreter der Nationalitäten, Stände und politischen Organisationen entsendet. (Nach der „J. R.) Rund um den National-Fonds Randglossen zum' 2. Heft von Erez Israel Von Norbert Weldler Das im Mai herausgekommene zweite Heft von Erez Israel, der Mitteilungen des Hauptbüros des J. N. F., ist vorzugsweise den Problemen des Genossenschaftswesens gewidmet.*) Lieber diese sich auszusprechen, wollen wir einem anderen überlassen, um selbst Erwägungen 'über gewisse Begleiterscheinungen bei der Entwicklung des J.N.F. anstellen ziiTcönnen, die wert sind, einmal wenigstens und ein für allemal in den Blickpunkt gerückt zu werden. Die Zeit dazu erscheint uns gekommen Zu sein. I. Heft 1 und 2 von Erez Israel sind schon dem’ Umfang nach stattliche Schriften. Die Gründungsnummer haben wir nicht Zur-Hand; sie dürfte aber ebenso groß sein wie daS zweite Heft, das einhundertundzweiundfünfzig Seiten, also beinahe zehn Druckbogen im' Großoktavformat, aüfweist. Die Zahl Zeigt, daß in diesen Samtnelbuchern des Hauptbüros immerhin eine Menge par» stinensischer Kolonisationsfragen und zwar zieirilich gründlich im1 Zusammenhang mit dert Aufgaben des 'J. N. F. behandelt »werden, geeignet, den Erkenntnistrieb derjenigen Gesinnungsgenossen zu befriedigen, die sich fachlich und s p e z i e 11 für die Siedlungsarbeiten in Palästina interessieren. Nichtsdestoweniger spielt m'an neuerdings in einem zionistischen Kreise, der sich, die Gleichgesinnten und passiveren Naturen, ausgiebiger über Palästinas Gegenwart und Möglichkeiten unterrichtet wissen will, mit dem Plane, die vor Jahren eingegangene Zeitschrift „Palästina“ neu erstehen zu lassen. Da die Angelegenheit von öffentlichem Interesse ist, glauben wir, sie unter Betonung' der ja 1 lgem einen Gesichtspunkte erörtern "zu dürfen und zu müssen. Wie es mit dem Verhältnis zwischen „Erez Israel“ und „Palästina“ steht, erhellt eigentlich schön aus den Titeln der beiden Publikationen, die begrifflich vollkommen übereinstimmen und ein gleiches Programm ausdrü'cken. Aber hören wir, Was das Hauptbüro selbst dazu zu sagen hat. Im Heft 2 heißt es auf S. 133, Vvo Von der Verbreitung der „Palästinakunde“ die Rede ist: „Seit Beginn des modernen Zionismus ist 'das! Bedürfnis immer stärker geworden, die genaue Kenntnis Palästinas allen Kreisen zugänglich zu machen. Es sei nur erinnert an die unter der Wiener Redaktion Berthold F e i w e 1 s sz. in der „Welt“ eingeleitete Enauete „Zur technischen Erschließung Palästinas“, die Monatsschrift „ Alt-Neu I and“ in Berlin und Zuletzt „Palästina“ in "Wien. Mit der Erstarkung der 'J.N.F;- Organisation fiel dieser (vor dem1 Kriege die 'Aufgabe zu, die Verbreitung 'der Palästinakunde systematisch in Angriff zu jnelimen.“ (Vom- Verfasser hervorgetan^) Aus diesen Sätzen Ist zwei erlei zu entnehmen : Erstens daß „Erez Israel“ 'die legitime Fortsetzung von „Palästina“ und ,,Alt- Neuland“ sein will und ist, zweitens daß der J. N. F. wünscht, 'eine so wichtige Aufgabe der privaten Initiative zu entreiss'en, der es', wie die vergeblichen Bemühungen Theilhabers" in -München und B ö h m s in Wien beweisen, nicht gelungen is't, ein solches Werk dauernd zu sichern. Was aber in an d e r e n defizitreichen Faßen, um die Sache mit einem Vergleich zu verdeutlichen, der Staat leistet, übernimmt in» diesem' willig der kapitalkräftige J. N. F. Es liegt nicht nur in seinem ureigensten Interesse, der zionistischen Judenschaft andauernd Nachrichten über die wirtschaftlichen Bedingungen Palästinas, über die jüdischen Kolonien Palästinas, über die Versuche des J. N. F. in Palästina, über die Fortschritte der Zionistischen Arbeit in Palästina vor Augen zu führen, Um' die Sammeltätigkeit und Gebefreudigkeit vor einem Erlahmen1 zu schützen, sie im' Gegenteil weiter Zu steigern er hat auch die Mittel dazu, um: eine solche Zeitschrift, von der Gunst einzelner Mäzene und dem' schwankenden 'Sinne des Publikum^ ‘unabhängig, erscheinen zu'lassen. Jedenfalls ist die Sachlage in concreto die, daß „Erez Israel“ aus gebaut werden kann, was schon aus dem Fortschritt des! Zweiten gegenüber dem1 ersten Hefte festzustellert ist, und sich das Hauptbüro gegenüber Wünsche» und Vorschlägen nicht taub verhalten' wird, die auf eine Erweiterung und Aktualisierung des Inhalts sowie einer Verkürzung der Ausgäbefristen hinzielen. „Altneuiand“ und „Palästina“ sind an Abonnenten- und Geldschwund eingegangen. DaS ist *) In Kommission beim „Jüdischen Verlag, Berlin. Zu beziehen bei der Samhielstelle - für Oesterreich zu K 2.—.

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