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Jüdische Zeitung · 1917-08-31 · 35 (31.8.1917) · p. Seite 4

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
11 (1917)
Issue
35 (31.8.1917)
Date
1917-08-31
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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jUUliCMt ZfclTUNÜ .m. 35 JClld So entstand der Zionismus, der Zionismus Theodor HerzT.s mit dem weithin hörbaren und sichtbaren Kongreß. * Jetzt ist die Frucht gereift, und der volle Erfolg ist da. Ein jüdisches Plebiszit in einem großen Judenzentrum "hat für den Zionismus entschieden. Merkwürdig: gerade dort, wo der Jude am meisten verschüchtert \var, hat das jüdische Volk vor der Oeffentlichkeit sein hohes Bekenntnis abgelegt. Sollte das nackensteifere, weil ohne Knute aufgewachsene, Österreichische Judentum schüchterner sein und die Oeffentlichkeit scheuen? Ich glaube, daß der ällgemein-jüdische Kongreß in breitester Oeffentlichkeit doch kommen muß. Wir müßten uns sonst unserer Aengstlichkeit wirklich schämen — 'wir, die freien Westjuden. Osias Thon. Ein Beitrag zur Geschichte des ersten Zionistenkongresses Von Dr. Josef Meisl, Berlin. Für die großen Differenzen, welche in den Anschauungen und in. der Gesamtstimmung zwischen den älteren Choveve^Zion und den ersten Vorkämpfen der Herzlichen politischen Richtung herrschten und noch bis in unsere Tage hinein im Verlaufe der Geschichte des Zionismus' eine bedeutende Rolle spielten, bilden die beiden folgenden. Dokumente, die ich aus dem Nachlasse meines Schwiegervaters S. P. Rabinowicz neben vielen anderen ähnlichen Materialien besitze sprechendes Zeugnis. So sehr auch das Protokoll der „Vorkonferenz“die wünschenswerte Ausführlichkeit vermissen läßt, so liest man doch aus der Zusammenfassung und zwischen den Zeilen mit voller Deutlichkeit die Auffassung der dama’igen Zionsfreunde über Ziel und Richtung der Palästinakolonisation heraus. Es sind dieselben Gedanken und Ein winkle, die die uns in der zeitgenössischen Literatur immer wieder begegnen und die z. B. mit besoriderer Prägnanz einer der Teilnehmer an der „Vorkonferenz“ S. P. Rabinowicz in seiner heute ziemlich vergessenen Broschüre anläßlich des zweiten Zionistenkongres1ses n’ippS jTy zum Ausdruck gebracht hat. Die scharfen Stellten in dem Briefe des Bauräts Stiassny, deren Streichung mir aus Gründen der objektiven historischen Wahrheit nicht angebracht schien, sind ganz urfd gar von subjektiven Empfindungen diktiert und ohne ernstlichen Anhaltspunkt in ihrer groben Verallgemeinerung. Sie beweisen zugleich, wie weit dieser trotz alldem echte Freund der ’Palästinakolonisation in seiner eigenbrödlerischen Vereinsamung unserer Bewegung 'und ihren politischen Zielen fern stand. Von weiteren Ausführungen möchte ich an dieser Stelle absehen und behalte sie mir für eine größere literarische Arbeil vor, in welcher im Zusammenhänge mit länderen Dokumenten verschiedene Vorkommnisse der vorherzlisdien Zeit beleuchtet werden sollen . * Sr. Hochwohlgeboren Herrn S. P. R a b i n o w i t z P. T. Karlsbad, . Mariengraß Sehr geeinter Freund! "Anliegend beehre ich mich Ihnen 4 Exemplare von Protokollabschriften zur gefälligen Uebergabe an unsere Freunde zu übersenden, Jedes Exemplar wollen Sie mit dem Namen der Persönlichkeit, für welche dasselbe bestimmt ist, versehen und den Empfänger bitten, davon nur direkten Gebrauch machen zu wollen. Herrn Dr. Herzl habe ich erst gestern Samstag, an welchem Tage derselbe nach Wien zunückgekommen ist, sprechen können. Er hat mir die Zusage gemacht,, dahin zu wirken, daß aut dem Kongresse keinerlei Angriffe gegen die rassische Regierung erfolgen werden. Auch sollen die rassischen Kolonisationsbestrebungen möglichst respektiert werden. Er selbst ist kein Freund dieser Kolonisation und daher auch kein Gegner des Einwanderungsverbotes. Wie ihm und Ihnen bekannt, 'befindeich mich auf den entgegengesetzten Standpunkte, welchen ich auch seit jeher eingenommen habe. Dr. Herzl wünscht, daß möglichst Viele Ihrer Landsleute sich an dem Kongresse beteiligen. ICh werde seiner Einladung nicht Folge leisten, w-eil ich von der Anschauung ausgehe, daß ich mir meine Gesellschaft, sobald ich es .vermag, sorgfältig ausw’ähle. Audi lasse ich an idealen gemeinnützigen Bestrebungen „ja selbst an der Djscussion solcher Fragen stets nur Personen teilnelimen, welche sich von uneigennützigen Absichten leiten lassen. Das dürfte am Kongresse leider bei der Mehrzahl der Tneilnehmer nicht der Fall sein. Grüßen Sie freundljchst von mir die Freunde, die idi in kurzer Zeit liebgewonnen habe, insbesondere den von mir hochverehrten Präsidenten Abraham Grünberg und nehmen Sie die Versidierang warmer 'Freundschaft und aufrichtiger Hochachtung entgegen von Ihrem Ergebensten Wilhelnr-S t i a s s n y Wien, 8. August 1897 Beiliegend: Protokollabschriften □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ >□□□□□□□□□□□□□□□□□< Jüdischer National-KalenOer Herausgegebe von Otto Abeies u, Ludwig Batö. Umschiagzeicfinung oon Hermann STRUCK. Jüdisches Kalendarium für das Jahr 5678. Zum dritten Male erscheinend, viele Beiträge geschäizter jüdischer Schriftsteller enthaltend, unter sorgfältiger* Redaktion zusammengestellt, mit neuen Abbildungen geschmückt, in bekannt geschmackvoller Ausstattunghergestellt, zu einem wohlfeilen Preis berechnet, wird sich d. diesjährige, gut eingeführte Kalender neue Freunde eiwerben. Es ist nach den früheren Erfahrungen zu erwarten, daß er schnellen Absatz finden wird. Darum empfehlen wir den Reflektanten, sich sofort ein Exemplar zu sichern. Bestellungen gegen Voreinsendung od. Nachnahme von K 3.80 an den Verlag (nicht an die Administr.) der JÜDISCHEN ZEITUNG POSTSPARKASSEN'KONTO 152.942. □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ C □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ □ ®o □□□□□□□□□□□□□□□□© Protokoll: der Vorkonferenz Karlsbad am 28. Juli "1897 betreffend den bevorstehenden Congreß der Zionisten in Basel. Zusammenkunft: Hotel Glajiauer 3Uhr nachmittags. Anwesend: Abraham Grünberg aus Odessa L. S c h a 1 i t und D. Schwarzbart aus Riga Baurat Stiassny aus Wien,,Dr. A. Karn in k a aus Prag M. K r em e n e t zk y aus Wien. M. Gordon aus Rostow, a. D. S. P Ra bimowiisch aus Warschau. D. Feinberg, aus Irkutsk. ..Herr Grün.be,r,g sdjilderte. die Entstehung und Entwicklung der Ödessaer Gesellschaft und mahnt zur Vorsicht bei der Beteiligung am Kongreß in Basel, falls er siCh.zum IWort meldet, daß er als Privatmann1 erschienen ist. ‘ Kremenet zTc y weist darauf hin. daß es unmöglich sejn wird, {namentlich die englischen und amerikanischen Teilnehmer in der Redefreiheit zu ibesdiränken und daß überdies manche gerade die Aufrichtigkeit, 'das mutige Auftreten '.der Judenheit für besonders ersprießlich halten. Kaminka konstatiert, daß alle Anwesenden darüber einig sind, man müsse mit Rücksicht aut die Interessen der Ödessaer Gesellschaft und der rassischen Judenheit mäßigend auf die radikalen Elemente des Kongresses ejnwirken. Da einerseits Baron Edmond v. R. — wenn auch vermutlich auf Grunci e'jner irrigen Darstellung'von den Bestrebungen des Kongresses eine Kompromitierung seiner Wirksamkeit in Palästina fürchtet, anderseits unsere russischen Gesinnungsgenossen. entschieden eine Hervorhebung ihrer politischen Verhältnisse als gefährlich hinstellen. so wollen wir dem Einberufungs-Komitee und - eventuell dem Kongreß - Präsidium den Wunsch bringen daß nach Möglichkeit der Name Rothschilds und Rußlands jn "den offiziellen Reden nicht genannt werden. Schallt stimmt dem Vorredner vollständig bei. Baurat Stiassny teilt die Befürchtungen des Herrn Grünberg und dehnt dieselbenauch äüT die Interessen' der österreichischen Judenheit aus. Als Beispiel, wie wenige Worte in einer Rede äußerst gefährlich werden können, diene ein Vortrag der Frau Professor L. in Wien, worin Dogmen der Landesreligion angegriffen wurden. Redner schlägt vor, Kremenetzky möge als Mitglied des Herzl ‘sehen Komitees denselben auf die Gefahren hjnweisen und zur Fürsorge für die Mäßigkeit der Reden veranlassen. Rabinowitz: Der erste Vortrag wird der von Nordau über die allgemeine Lage der Juden sein. Wie soll man dabei Rußland unerwähnt lassen? Grünberg erinnert an das Londoner große Meeting im Guildhall daß sich in Rußland als schädlich erwiesen; er verlangt Abstimmung darüber. wie (nach dem Vorschlag der Anwesenden) der betreffende Referent die russischen Verhältnisse streifen soll. M. Gordon meint, daß es dem Takt der Leiter des Kongresses überlassen werden muß. Kaminka: Wenn Persönlichkeiten Wie Baurat Stiassny am Kongresse teilnehmen ■Würden. so wäre die beste Garantie 'geboten, daß nichts Taktloses' öder Schädliches gesprochen würde. Vielleicht wird Herr St. von der Konferenz darum ersucht,, entweder sich nach Basel als Vertreter der gemäßigten Richtung.. zu begeben oder sich , in Wien. eventuell be; einer äd hoc ejnzüberufenden besonderen Konferenz in Verbindung zu setzen, um als ausgesprochener Freund unserer Bestrebungen und im Interesse derselben auf' eine "Mäßigung hinzuwirken. Schalit, Grünberg, Oordon,,Feinberg stimmen dem Antrag bei und derselbe wird akeeptiert. Herr Stiassny übernimmt die Mission in Verein mit Kremenetzky im Sinne der Anwesenden mit dem Herzl'schen Komitee in Verbindung zu treten, wenn irgend möglich auch selbst nach Basel zu gehen. Zum Zwecke eines gemeinsamen Vorgehens wird derselbe mit den übrigen anwesenden Teilnehmern des Kongresses konferieren. Die Versammlung drückt Herrn Baurat Sfiasny den Dank aus für die Bereitwilligkeit, mit welcher er im Sinne der russischen Zionsfreuide am Kongreß wirken wird. Geschlossen und gefertigt. K arl s-b a a im Juli 1897. (Folgen die Unterschriften) Zionistisches Zentralkomitee f r West-Österreich Unter dem Vorsitz des Vize-Präsidenten, k. k. Reichsratsrevisor Rudolf Taussig, versammelte sich das zionistische Zentralkomitee für West- Oesterreich am 22. Juli I. J. zu einer Sitzung. Der Vorsitzende berichtete über die Tätigkeit des Präsidiums seit dem letzten Beisammensein des Zentralkomitees und über die Ausführung der in letzter Sitzung gefaßten Beschlüsse. Der Rechenschaftsbericht des. Prager Distriktskcmitecs über dieZeit vom 1. Dezember 1916 bis 5. August 1917 wird zur Kenntnis genommen. Im Verlaufe einer sich daran knüpfenden Debatte wird von Adolf Böhm die Anregung gegeben, die Distriktionskomitees zu einer regeren und regelmäßigen Berichterstattung über .die in ihrem Tätigkeitsgebiete sich abspielenden Vorkommnisse aufzufordern. Auf Grund der Berichterstattung wird weiter beschlossen, in der Agitation Tür die Einzahlung des Kriegsbeitrages seitens der österreichischen Zionisten energisch foitzufahren und die Gesinnungsgenossen an ihre Pflicht gegenüber der Organisation zu mahnen. Eine eingehende Debatte knüpfte sich an den Bericht des Rev. Taussig in Angelegenheit der eventuellen Entsendung einer Kcmmissicn in die von Oesterreich-Ungarn okkupierten Russischen Gebiete zum Zwecke genauer Erhebungen der kulturellen und wirtschaftlichen Verhältnisse der jüdischen Bevölkerung dieser Gebiete an Ort und Stelle, um für die seitens des Skandinavischen Zerdralhilfskomilees in Aussicht genommene großzügige Hilfsaktion zuverlässige Grundlagen zu gewinnen. Der Vorsitzende gibt eine detaillierte Darstellung der von ihm namens des „Executiv- Komitees der Zionisten Oesterreichs“ in ’ dies:r Beziehung bereits unternommenen und noch zu unternehmenden Schritte. Adolf Böhm ersucht, der eventuell zu entsendenden Kommission auch Erhebungen nach der Richtung zu empfehlen, ob nicht die Errichtung kleine^ geschlossener jüdischer Siedlungen in dem1 genannten Geb'ete und in Galizien möglich wäre. Dr. Otto A b e 1 e s schließt sich diesem Wunsche an und gibt Fingerzeige. wie die leitenden KrejSe für diese weite jüdischen Bevölkerungss'chichten tangierende Angelegenheit interessiert 'werden können. Dr. Siegtried Bernfeld berichtet über einige sein Referat des jüdischen Erziehungswesens betreffende Angelegenheiten und erbittet sich vom'Präsidiumeine Präzisierung seiner (des Referenten) Stellung zu den der Organisation angeschlossenen Korporationen ,zu bereits bestehenden Unterrichtskursen, Sprachschulen usvv. Rev. Taussig kennzeichnet den Standpunkt der Parteileitung dahin, daß bei weitest gesteckter Selbständigkeit jedes Referates in Bezug auf die Ausführung seiner Arbeiten doch jeder Referent in Gemäßheit deS in der Sitzung vom 25. Juli d. J. fefaßten Beschlusses verpflichtet sei, über jedes tadium seiner Tätigkeit den Präsidenten auf dem’ Laufenden zu erhalten. Diesem Standpunkte der Parteileitung wird seitens der Mitglieder des Zentralkomitees zugestimmt. Schließlich referiert Rev. Taussig über die Haltung des österreichisch-ungarischen 'Ministerium, des Aeußern gegenüber der zionistischen Partei. An der Hand eines kürzlich iii den Tagesblättern erschienenen Kotnmun'iquees "der „Poale-Zjon“. und der letztiers'chienenen Artikel in der Voss’schen Zeitung“ der Chemnitzer „Volksstimme“ und des ,,Düsse’- dorter Generalanzeigers“ gibt der Vorsitzende eine Darstellung einschlägigen Verhältnisse. Ac'o'f Böhm. Ob. Ing. Robert Stricker und Ing. Fedor Ackermann beteiligten sich an d*?r s:ch an Uas Referat knüpfenden Debatte, in welcher insbesondere auch das Verhältnis einzelner, der Partei ferr’gestartde'7er Persönlichkeiten zu den Tüi'-renden Kreisen der Partei seiner Besprechung unterzogen, wird. Vergesset nicht des v* =Kriegsbeitrages

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