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Jüdische Zeitung · 1917-08-17 · 33 (17.8.1917) · p. Seite 3

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
11 (1917)
Issue
33 (17.8.1917)
Date
1917-08-17
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 33 JÜDISCHE ZEITUNG beite 3 nisse der jüdischen Bevölkerung eine Reihe dringender Maßnahmen, die die Hilfskonmüssion im Verein mit verschiedenen Komitees 'ünd sieben Aerzten in Tiberias festsetzte. Die Zahl der im terstützungsbedürftigen Evakuierten beträgt gegenwärtig 5058. Einige glückliche Umstände haben mitgespielt, um die Folgen der Evakuierung dtwas zu lindern. Zunächst konnten infolge der warmen Jahreszeit die Unterkunftsschwierigkeiten zwar nicht überwunden, aber doch gemildert werden, da man sich mit provisorischen Hütten und Zelten jeinigermaßen helfen konnte. Die Zeit des Schnittes und der Ernte bot Arbeitsgelegenheiten, zumäi gerade in (diesem Jahre infolge 'des Ausbleibens (von Spätregen die Aehren so kurz geraten waren, daß an vielen Orten der Schnitt nicht mit Mähmaschinen erfolgen konnte, vielmehr das Oetreide mit der Hand geschnitten werden mußte. Auch das bih. lische Gesetz der Nachlese (Leket) bewährte (sich zugunsten der Evakuierten. Nach mohammedanischem Gesetz und nach der Landessitte steht den Armen das Recht der Nachlese zu. Gewöhnlich wird es von arabischen Kindern ausgeübt, die davon auch auf jüdischen Feldern Gebrauch machen. In (diesem Jahre konnten (die Evakuierten einigen Nutzen davon ziehen. Von größter Bedeutung für das Schicksal 3er Evakuierten sind die hygienischen Verhältnisse des Unterkunftsortes. An den malariafreien Plätzen halten sich die Evakuierten mutig aufrecht, dagegen bieten die Von Malaria heimgesuchten Plätze ein äußerst trauriges Bild. Namentlich am Tiberiassee, in Kinereth, Bittania uird Migdal herrscht viel Malaria-Fieber, daneben auch Fleck- und Rückfall-Fieber. Sehr ungünstig wirkt es, wenn viele Familien in größeren Konzentrationslagern beisammen wohnen. Wo dagegen jede Familie für sich einen eigenen, wenn auch noch so kleinen Fleck hat, treten die menschlichen Schwächen weniger hervor. Es bleibt das Selbstbewußtsein erhalten, und der Wille zu einer menschenwürdigen Existenz. Es wurden vier Zentralen für medizinische Hilfe gegründet: Tiberias, Kinereth, Jemma und Saffed. Es trafen gleichzeitig Arzneimittel ein. Zur Einrichtung von Arbeiten Wurden von den erwarteten Hilfsmitteln 1000 Pfund monatlich ausgesetzt. Das unter Leitung des Herrn Wilkansky stehende Büro hat festgestellt, daß unter 2500 Evakuierten jm (Bezirk Tiberias 800 Sich (befanden!, die gänzlich arbeitsunfähig sind. 300 sind für jegliche Arbeit, 200 für leichtere Arbeiten geeignet. Auf diese 500 Arbeitsfähigen kommen ■1200 untätige Familienmitglieder. 500 arbeitende Personen sollen Zusammen also 1700 ernähren. Das Arbeitsbüro war bemüht, zunächst so weit als möglich die bei den Kolonisten vorhandenen Saisonarbeiten für die Evakuierten zu bekommen, "da hierfür keine besonderen Mittel flüssig ge-, macht werden sollten. Ferner wurden Arbeiter für die Regierung vermittelt. 60 Arbeiter, 3ie 250 Seelen ernähren, in der Ptejcha (Ebene an der Einmündung des Jordan in den Tiberiassee) für Wege- und Straßenbau, und nördlich von Semach (Station) 100 Personen. Das Arbeitsbüro hat darauf geachtet, daß die Arbeitsfähigen keine Unterstützung bekommen, "und auf diese Weise konnte die Arbeit bei den Kolonisten trotz anfänglicher Schwierigkeiten durchgeführt werden. Von den Unternehmern bei den Regierungsafbeiten werden den Arbeitern gute Versprechungen in Bezug auf Lohn und Billigkeit der Lebensmittel an diesen Plätzen gemacht. Leider werden, aber in solchen Fällen oft die Versprechungen nicht gehalten. Außerdem sind die Gesundheitsverhältnisse in der Ptejcha nicht so, daß jüdische Arbeiter längere Zeit werden aushalten können. Als Arbeiten für die Zeit nach der Saison waren in Aussicht genommen : Injil-(Unkraut-)Vemichtung und Steineab-« lesen auf Böden der Agudath Netajim; Rigolen in den Pflanzungen von Migdal und Sarona; Reparatur der Fahrstraße zwischen Jemma ünd Sarona, dem Wadi Sarona, (dieser Weg bildet die Hauptverkehrsader aller untergaliläischen Kolonien und bringt, weil er in schlechtem Zustand sich befindet, sehr viel Schaden); Reparatur der Straße bei Rosch Pinah und andere Arbeiten. "Einen wichtigen Vorschlag bilden die Arbeiten für die Herstellung von Häusern aus Lehmziegeln. Die Handwerker-Vereinigung hat in Beth Gan sechs Häuschen gebaut. Die Kolonisten sind geneigt, weiter solche Häuschen zu .bauen, um sie den Evakuierten zu vermieten und später als Wirtschaftsgebäude, .Ställe; Gerätekammem usw. zu benutzen. In der Sommerzeit sind diese Lehmhütten, wie sie hingestellt wurden, benutzbar, das Dach von Matten bedeckt, Fenster und Türen nur freie Oeffnungen, da Material "für Dachdeckung, Fenster und Türen erschreckend teuer ist. Für die Winterzeit sind diese Häuschen in ihrem heutigen Zustand nicht zu verwenden. Nach Beendigung' der Saisonarbeiten wird es für private Arbeiten wenig Gelegenheit geben; die meisten werden nur dadurch möglich sein, daß den betreffenden Arbeitgebern Kredite eingeräumt werden. Gegenwärtig ist die Lage trotz aller geschilderten Mißstände noch einigermaßen erträglich, weil es zur 'Zeit Arbeitsgelegenheit gibt und warmes Sommerwetter herrscht. Für die Zukunft aber ist große Besorgnis am "Platze. Was soll im Winter aus den Evakuierten wer den? ■ > Zelte aus Matten und Hütten aus Eukalypfusholz werden vom -fersten stärkeren palästinensischen Sturmwind auseinandergerissen werden. Das Hausen unter freiem Himmel ist hn Winter unmöglich. Die Wohnungsgelegenheiten in allen Zur Anschaffung für sich Zum Geschenke für andere Zur iiebesgabensendung ln» Feld Jüdischer Hationalbalender Dritter Jahrgang Nur gegen Voreinsendung oder Nachnahme des Betrages von. K 3-90 su beziehen vom Verlag der Jüdischen Zeitung Kolonien werden stark eingeschränkt werden. Die Vorbereitung von einigermaßen bewohnbaren Zimifaem ist mit außerordentlich hohen Unkosten verbunden. Die Arbeitsgelegenheiten sind im Winter im allgemeinen stark reduziert. — Großes Elend "wird unter den Evakuierten "auSbrechen, wenn sie bis zum Winter nicht Aussicht haben, näch Jaffa zurückzukehren. (Nach der „Jüd. Rundsch.“) Das Palästinaplebiszit inWarschau Wir berichteten kürzlich von der einstimmigen Resolution , eines Palästinareferendums auf der Konferenz der russischen Zionisten. Eine Volksabstimmung fand nun auch in Polen statt. Die mit der Hilfsaktion für die notleidenden^ Juden in Palästina verbundene Rundfrage über die Stellung zur jüdischen Palästina-Hoffnung, die cpn Todestage Herzls begonnen hat, wurde amTjsCha b‘aw abgeschlossen. Zweihundert polnische Städte des deutschen Okkupationsgebietes, darunter auch solche, wo keine zionistische Organ, sation besteht, schlossen sich diesem Volksplebiszit an. Die „Palästina-Abteilung“ c}es Zionistischen Zentralkomitees für Polen, die die Hilfsaktion un d die Unterschriftensammlung leitete, gab im Verlauf dieser drei Wochen eine Reihe von Aufrufen und Plakaten in allen drei Sprachen heraus, die in 500000 Exemplaren verbreitet wurden. Gegen 10000 Exemplare wurden für die Litfaßsäulen Von Warschau und der Provinz verwendet. Das Recht der Unterschrift erhielt jeder Jude, der über 17 Jahre alt ist, ohne Unterschied von Partei ünd "Geschlecht. „Das jidische Wort“, das von Frankfurter Orthodoxen finanzierte Organ der „Thoratreuen“, eröffnete bei dieser Gelegenheit einen heftigen Kampf gegen die Zionisten. Drei chassidische Rebbes, zwei Rabbiner und 'die beiden deutschen Rabbiner Carlebach ünd K o h n (schlossen sich (zu einem Kollegium zusammen, dem sie den tönenden Namen des „Rates .der Großen der Thora“ verliehen. Sie erließen eine regelrechte Bannbulle: „Kein Jude, der an unserem heiligen Glauben festhalten will, darf sich mit den Zionisten oder den ihnen angeschlossenen Misrachisten _ vereinigen“ und erklärten, daß das „Plebiszit keine reelle Bedeutung hat.... durch betrügerische Vorspiegelungen verwirklicht wird und dem Willen der Großen der Thora nicht entspricht.“ Dem allen zum Trotz setzte sich der Wille des Volkes durch. Tischa b‘aw, der letzte und wichtigste Tag des Plebiszits, wurde dieses Jahr mit einem neuen lebendigen Palästinainhalt erfüllt. 400 junge Zionisten und Zionistinnen stellten feich (zur Verfügung1, um die Unterschriften der Entschlossenen aufzunehmen. In vielen Synagogen wurden die Unterschriften von den Misrachisten und (älteren Zionisten gesammelt. Im Beth ,am und in den Vororten fanden zionistische Massenversammlungen und Meetings statt. In allen Teilen der Stadt waren spezielle Büros eingerichtet, wohin aus allen Straßen Frauen und Männer, Alte und Junge strömten, um "ihre Unterschrift zu geben. Eine provisorisdhe Zählung ergab die Zahl von 95000 Unterschriften in Warschau, eine starke Zahl, angesichts der herrschenden materiellen Not, der naheliegenden politischen Vor sicht und der antizionistischen Hetze. Aus der jüdischen Welt Im Dienste der polnischen Assimüanten. QjLe polnische Presse hat jetzt in Hr. St. Kem pner ihren Historiker, Theoretiker ünd, wenn es sein muß auch’ den journalistischen Hetzer gefunden. Hr. K. liat bereits sein Können in mehr oder weniger marktschreierischer Weise der Oeffentlichkeit aufgedrängt. Diesmal findet er in der „Nowa Gazeta“ — einer würdigen Vertreterin der „Dwa Grosze“ — seine Ablagerungsstätte. Die Nationalisten und. 'Zionisten haben es ganz besonders auf die Nerven 'des Hr. K. abgesehen. Er kennt zwar beide nicht sehr genau, aber da verhilft ihm ja Hr. 11 s k i und die anderen Herren vom Warschauer. Stadtrat zu einer raschen Orientierung. Mit den Nationalisten oder Volkisten wird er doch fertig, wenn man auch ab und zu feine starke Rede des Herrn Prilutzki über sich ergehen lassen muß. Allein die Zionisten treiben es gar zu arg. Sie verstehen es immer lrfehr und besser, die Straße zum eigentlichen Agitationsgebiet zu machen. Mit Versammlungen, Demonstrationen, Fahnen, großen Ankündigungen .just in jidischer oder hebräischer Sprache — wie das doch die Augen der Herren verletzt — dring01 sie selbst in die Herzen der 'Assimilanten und entlocken ihrer verstockten Verschwiegenheit auch einmal einen Ausruf 'der Bewunderung und 'Anerkennung. Neulich gab es eine totale Entgleisung. Der bekannte Assimilant Josef Wasserzug widmete im „Glos“ einige Sympathieworte für die Lag beomer- Feier, namentlich den Ausflügen und Uebungen, mit welchen sie letzthin in Warschau verbunden war. Er zog zwar daraus den paradoxen Schluß auf die nahe Assimilation — was nicht alles in einem armen Ässimilantenhirn möglich ist — aber selbst dieses Monstrum schützte ihn nicht vor den Ueberfällen der antisemitischen Presse. — Nun die Logik eines Zeilenschinders vom Schmierenschlage der „Nowa Gazeta“ hat es bald heraus, daß die Zionisten weit gefälv licher sind für die Assimilanten als die Nationalisten und Hr. K. fordert daher auf zum Kampfe (g.*egen die Zionsmacht. Die polnischjüdischen Elemente werden von ihm auf alle Fälle gegen beide Richtungen mobilisiert. — Es scheint aber verlorene Liebesmüh zu sein; denn im „Moment“ Nr. 177 bezeichnet Hr. Hirschhorn die ganze Auslassung d?s Hr. K. als Schrei eines unreinen Gewissens. Zur Rettung 'des schwindenden Ansehens der polnischen Assimilanten ist Hr. K. und die „Nowa Gazeta“ noch gut genug. Reformgemeinde in 'Warschau. Die Warschauer Assimilanten wollen es denen in Berlin genau nachtun und beschlossen, eine Reformgemeinde mit eigener Verwaltung lind besonderem Tempel in Warschau zu errichten. Sie wollen endlich ganz unabhängig von den Orthodoxen sein und sich auf ihre eigene Art „religiös“, wohl in ihrer Deutung „politisch“, «us. leben. An der Spitze dieser nichts weniger als weltbewegenden Reformbewegung steht Dr. Leonard Muttermilch. Doch just bei den Wahlen, bei denen sie doch eigentlich unabhängig sein wollen, werden sich die beiden „Extremen“ zusammenfinden. Not der russischen Juden. Die Pariser Ausabe des „Newyork Herald“ meldet aus Petersurg am 9. d. M.: Unter den russischen Juden herrscht. großes Elend. Die Juden haben zwar durch die Revolution Freiheit erlangt, aber es fehlt ihnen an den notwendigsten Barmitteln, um sich den dringendsten Lebensunterhalt zu verschaffen. Man wird sich wahrscheinlich an amerikanische Bankiers wenden, um zwölf Millionen Rubel zur Bekämpfung der schweren Not zu erhalten. Pogromgesetze In Rußland. Dem jüdischen Korrespondenzbureau in Haag wird aus Stockholm telegraphiert, daß der Gerichtshof von Petrograd bei Kerenski vorstellig geworden ist. aut dem Verordnungswege gesetzliche Bestimmungen gegen Pogromagitationen zu treffen, da der Pöbei'i n vielen Städten zu Judenmorden aufgereizt wird und die bestehenden Gesetze keine Handhabe zum Einschreiten bieten. Die russische Konstituante und die Juden. Dem jüdischen Korrespondenzburau in Haag wird aus Stockholm berichtet, daß in Rußland alte Vorbereitungen für die Wahlen zur Konstitutante getroffen werden. Man erwartet daß die Konstituante 2—3 Jahre tagen wird, da vor dem neuen Rußland eine Reihe der allerkompliziertesten Probleme wie die Verfassungsfrage, das Nationafitätenproblem und die Agrarfrage liegen. Die Vorarbeiten für den geplanten Kongreß der russischen Judenheit sind noch nicht soweit gediehen, als daß er noch vor der Eröffnung der Konstitut ante durchgeführt werden könnte. Er dürfte etwa 3 Monate nach dem Zusammentritt der Konstituante Zustandekommen, bevor die Nationalitätenfrage in Angrift genommen wird. jitußlana als Beschützer der Juden. Wie das jüdische Korrespondenzbureau in Haag mitteilt, hat die tremdfeindliche Stimmung, die in Frankreich una Englana vor allem gegen die Juden herrscht, die Komitees zum Schutze des Asylrechtes in London und Paris zur Entsendung einer speziellen Deputation an die russische Regierung veranlaßt, um ihre Intervention bei den Verbündeten zu erwirken. Die Leiden der rumänischen Juden. 23 Juden in Waxu werden unter der Beschuldigung, dem Feinde Signale übermittelt zu haben, standrechtlich erschossen. Jucen in der ukrainischen Rada. Einer von der Rada eingesetzten Kommission von 100 Mitgliedern, die die Grundlagen der ukrainischen Autonomie festzulegen hat, gehören auch acht Juden an. Antisemitismus bei den Ukrainern. Die russische Preßkorrespondenz meldet aus Bern: Die ukrainischen Separatisten verbreiten unter den Soldaten einen „Katechismus des Ukrainers“, dessen ndtionales Gebot wie folgt lautet: „Alle Menschen sind Deine Brüder. Nur Großrussen, Polen, Ungarn und Juden sind Feinde unseres Volkes, solange sie uns beherrschen Und uns unterdrücken.“ Ankündigungen, Berichte und Korrespondenzen Hebräische Schule in Wien, II. Gr., Mohrengasse 16/22, unter Leitung des Herrn Moses Rath. Einschreibungen in die Kurse für Erwachsene (von 14 Jahren aufwärts). Anfänger wie Fortgeschrittene werden täglich von 6 Uhr 30 bis 8 Uhr 30 abends im Schullokal entgegen-

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