Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 11 (1917)
- Issue
- 33 (17.8.1917)
- Date
- 1917-08-17
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 JÜDISCHE ZEITUNQ Nf. 33 genominen. Ab 15. September auch für Kinder beider Geschlechter von 'sechs Jahren aufwärts. Wien. Die Wiener Ortsgruppe des Verbandes der hebräischen Lehrer in Oesterreich hat sich konstituiert und fünf Mitglieder in den Vorstand gewählt, unter ihnen Herrn Moses Rath zum Präsidenten. Die Wiener Ortsgruppe, welcher 20 Lehrer sich angeschlossen haben. hat sich zur 'Aufgabe gemacht die soziale Lage der Lehrer zu festigen, deren Verhältnis zu "den Parteien zu regulieren und zur Ausgestaltung des hebräischen Unterrichtswes ehsin Wien nach Kräften beizutragen. —"Zu diesem Zwecke wurden folgende vom Vorstand beantragte und vom Plenum einstimmig angenommene Beschlüsse gefaßt: 1. Das Minimum an Honorar für eine Privatlektion beträgt K 3.— per Stunde, bei Schülern, die weniger als viermal wöchentlich lernen zu je K. 3.50. £. Die Lehrer haben Anspruch auf volle Bezahlung für die Sommermonate, wenn der Schüler in den Ferien _de\ Unterricht unterbricht. 3. Der Entlassung eines |_ehrers aus irgend welchem Grunde muß eine 30-tägige Kündigung vorausgehen. Zur Schlichtung eventueller Differenzen zwischen den Parteien und den Lehrern wurde ein Schiedsgericht eingesetzt, welches jeden Samstag von 8—9 Uhr abends im zionistischen Bureau II., ZirkusJgasse 33, amtiert. — Ferner wurde ein Stellenvermittlungs-Bureau errichtet, wo den Parteien Schulen und Lehrern Auskunft über freie Lehrkräfte bezw. Lehrerstellen unentgeltlich erteilt wird. Die Auskunftstelle amtiert Dienstag und Samstag von 8—9 Uhr abends iih öbgenannten Lokal. — Schriftliche Mitteilungen sind zu richten an den Hebräischen Le.hrerverband, Wien. II.. Gr. Mohrengasse 16/22, M. Weinstein, Sekretär; Moses Rath, Präses. . Wien. Der Vorstand der Wiener israelitischen Kultusgemeinde veranstaltet anläßlich der diesjährigen hohen Feiertage im großen 'Musikvereinssaale, I.. Dumbagasse 3, Wiener Konzerthaus (großer Saal), III., Lothringerstraße 20 und im Hotel „Continental“, II., Taborstraße 4, feierliche Gottesdienste. Der Verkauf für «jie Karteninhaber des Vorjahres findet in der Zeit vom 2. bis 7. September, der allgemeine Verkauf ab 9. September 1. J. an der Kassa "der israelitischen Kultusgemeinde, Wien, I., Seitenstettengasse 4, täglich von 9—12 Uhr statt. Sanok: Die Wiederkehr des Todestages Theodor Herzls begingen wir heuer in besonders feierlicher Weise. Samstag, den 14. d. M. veranstaltete der hebr. Mädchenverein „Iwrin“ eine Herzlgedenkfeier, in deren Verlaut der Lehrer an der hiesigen hebr. Schule Herr Zwi Abt ,n eiiem in hebräischer Sprache gehaltenen Vortrag Herzls Bedeutung für das Judentum und'den Zionismus hervorhob und die dornenvollen Wege schilderte die Herzl zur Verwirklichung seiner . Ideale einsdtiagen mußte. — Auch der Verein „Misrachi“ hielt am selben Tage in den Lokalitäten des „Jad Charuzim“ eine feierliche Versammlung ab, des großen Führers an seinem Todestage zu gedenken. Hier hielt Herr Dr. Zwi Askenazy an die Versammelten eine kurze Ansprache, in der er Herzls Bedeutung und sein Werk schilderte und die Versammelten an ihre Pflicht gemahnte im Sinne des großen Verewigten unernüdlidi zu wirken und sein Werk fortzusetzen. — Sonntag:, den 15. d. M. waren fast alle jüdischen Häuser mit Herzlbildem geschmückt und um 3 Uhr nachmittag gingen Kinder aus der hebräischen Schule mit blau-weißen Fähnchen des J. N. F. geschmückt, in die Synagoge „Jad-Charuzim“ zu einem Gottesdienste, wo der Präses Herr Prof. Appel eine Ansprache an die Kinder hielt und der Gg. Herr Jakob Lern er den :„E1 imolej rachtnitn“ vortrug. — Ebenso feierlich begingen unser „Schomrim“ Herzls Todestag. Herr Doliner forderte die Jugend auf, sie möge, das Beispiel, des selbstlosen großen Meisters befolgend, in seinem Geiste die jüdischen Ideale verfechten, wofür sie die Früchte ihrer Saat einst in Palästina ernten wird. — Den Gipfelpunkt der Herzlgedenkfeier bildete die am 15. d. M. abends in der grüßen Synagoge stattgehabte Trauerandacht, verbunden mit feierlichen Trauerreden der Herren Dr. Jonas Spiegel und Cäsar Kramin er. In seiner von der gehobensten und feierlichsten Stimmung getragenen Rede wies Herr Dr. Spiegel, nachdem1 er sich mit allgemeinen zionistischen Problemen beschäftigte, insbesondere die Insinuationen der Zionsfeinde zurück, als ob die Zionisten Feinde der Polen und ihrer Unabhängigkeit wären. Der zweite Redner Herr Kranriner hob die Leistungen der Juden im Kriege hervor und beklagte das frühe Hinscheiden Theodor Herzls, indem er darauf hinwies, ■wie sehr die jüdische Nation gerade jetzt im Weltkriege, nach dessen Ende sich vielleicht auch das Los der Juden entscheiden wird, des großen Verewigten und seiner genialen Führung bedürfte. — Die Herzlgederikfeier hat sich dem Gedächtnisse ihrer Teilnehmer unvergänglich eingeprägti /. Sch. Sucha. In den In der Umgebung von Sucha liegenden Städtchen und Dörfern wie in Wadowice, Saybusch, Makow, Sulkowice * sowie in Sucha selbst sind seit Mitte Juli antisemitische Ausschreitungen äusgebrochen und zwar in der Form, daß größtenteils Frauen rJn'd Kinder und wenige Männer aus der Bauernbevölkerung an den Markttagen die jüdischen Stände überfallen und sie gänzlich ausrauben. Diese Plünderungen werden 'größtenteils von Landleuten yorgenommen, weide in Hülle und Fülle mit Nahrungsmittel eigener Produktion versorgt Sind und somit absolut keine Ursache haben, Hungerrevolten zu veranstalten. Diese Leute rauben größtenteils Zier- und Kleidungsgegenslände, sodaß ein großer Teil dpr jüdischen Bevölkerung der obigen Städte bereits an den Bettelstab gebracht ist. Die gewöhnlich Zu 'spät zur Hilfe herbeieilende Gendarmerie nimmt Sich keine große Mühe, nach vollbrachter Tat die Schuldigen ausfindig zu machen und kur Verantwortung zu ziehen. Bemerkt wird, daß ganze Karawanen von der ganzen Umgebung, ja sogar Slovaken von Nordungarn, zu diesen Hetzen korporativ erscheinen, so daß es ersichtlich ist, daß diese Hetzen organisiert una unter Leitung von intellektuellen Kräften stehen. Das in Krakau, erscheinende antisemitische Blatt „Piast“, welches von dieser Bevölkerung stark gelesen wird, unterstützt nik verscniedenen Hetzartikeln diese ganze Bewegung, ohne »von der Zensur irgendwie belästigt zu werden. Die Panik unter den Juden ist groß, sie stellen aus Angst jedweden Handel ein. Sarajevo. Wie „nrvatski Dnevnjk“ erfährt, wird in Sarajewo demnächst ein jüdisches Blatt in kroatischer Sprache zu erscheinen beginnen. Das Blatt strebt die kulturelle Einigung aller Juden an und wird sich in erster Linie mit den Verhältnissen der einheimischen Juden befassen und zugleich im allgemeinen auch die Verhältnisse ihrer übrigen Mitbürger im1 Auge behalten. Das Blatt wird vorerst einmal monatlich erscheinen, um mit der Zeit, soweit es die Verhältnisse gestatten, zu einem1 Tagblatt ausgestaltet zu werden. Für das Blatt Soll bereits ein Betrag von X 10.000 gesammelt worden Sein, so daß die erste Nummer schon Mitte August erscheinen können wird. Wie wir aus direkter Quelle vernehmen, werden durch Beiträge von je 500 K, die eine Anzahl jüdischer Bürger leisteten, die Zukunft des Blattes auf drei Jahre hinaus sichergestellt. Es wird ein Redakteur, der der Landessprache mächtig ist, gesucht; als Gehalt wird einem solchen jährlich K 4800 ausgdsetzt. —'Man kann dieser Opferwilligkeit der Bürger Sarajewos die Anerkennung nicht versagen. Sport / i Tätigkeitsbericht der ^Hakoah“. < Die heurige Frühjahrssaison war eine der erfolgreichsten seit dem Bestände der „Hakoah“ und wie bei allen erfolgreichen Werken heißt audi hier das Geheimnis „Organisation“. Im Herbst 1916 wurde damit begonnen, einen steten Kontakt zwischen dem Vereine Und seinen 'Mitgliedern im Felde herzustellen', es wurden airwöchentlich an ungefähr 150 Hakoahner Hakoah- Naehrichten gesendet, die Berichte über die sportlichen Ereignisse brachten. Diese Nachrichten erscheinen bereits in der 57. Fortsetzung und fanden im Felde ungeheuren Beifall. Dieser äußerliche Kontakt hat seinen Zweck erreicht, das durch das lange Temsein etwas geschwächte Zusammengehörigkeitsgefühl wieder zu starkem Nationalismus emporzuheben. Den ersfen Beweis brachten unsere Hakoahner, als es( galt, die große Platzfondsaktion, die ’ins Leben gerufen wurde, zu unterstützen. Die Platzfrage war und ist noch das große Hindernis in der Entwicklung der „Hakoah“, und solange diese nicht gelöst ist, ist es unmöglich, den großen Zielen, der jüdischen Jugend eine Gesundungsstätte zu bieten, Rechnung zu 'tragen. Deshalb hat sich die Vereinsleitung die Lösung dieser Frage zu ihrer Hauptaufgabe gemacht, und ist noch während des Krieges zur teilweisen Aufbringung ^er Mittel geschritten, um gleich im ersten Friedensjahre mit dem Bau des neuen Sportplatzes beginnen zu können. Es hat sich fast jeder Hahoahner zu einer bestimmten Abgabe verpflichtet und so liefen von 151 Hahoahmern K. 20.100 an Zeichnungen ein, wovon bereits K. 7000.— bar abgeführt wurden. Es ist dies das schönste Zeichen für das Emporblühen des Vereins, ' Angeeifert durch die organisatorischen Erfolge, wurden auch auf sportlichem' Gebiete sehr gute Leistungen erzielt. Die Fußballmannschaft, die in der Heibstsaispn 1916 in der Meisterschaft den 6. Platz belegte, arbeitete sich ln ununterbrochenem Siegesläufe an die 2. Stelle empor, wobei es nur dem Sieger in der Meisterschaft Donaustadt jgelangb uns ein (unentschiedenes Ergebnis von 1:1 abzuzwingen. 'Alle anderen Gegner wurden glatt abgefertigt, ü. a. „Vienna“ 5:0 und 1:0, „Admira“ 4:0, „Rotstem“ 13:1, „Slovan“ 3:2 usw. Mehrere erstklassige Wettspiele endeten ehrenvoll für die Unseren, der Wiener Sportklub wurde 4:0 geschlagen, Vor „Wacker“ mußten wir uns nach ebenbürtigem Kampfe 1 :0 beugen. Ein auswärtiges Spiel in Kor morn brachte uns nach vorbildlichem Spiel unter dem1 Jubel der dortigen Gemeinde den Sieg mit 4:2. Einen Markstein in der Geschichte des jüdischen Sportes bildete die Aufstellung des Tormannes Ha Ipern in das repräsentative österreichische Team, das am 15. Juli gegen dieungarische Nationalelf antrat, Halpem spielte recht gut, konnte aber die Niederlage der zerfahren spielenden österreichischen Mannschaft nicht verhindern. — Nach zweijähriger Pause reaktivierte sich’ heuer wieder die Leichtathletiksektion und konnte ganz unerwartet schöne Erfolge für die bläuweißen Farben erkämpfen. Es sind ganz junge Leute, die hier mit bemerkenswertem' Ernste bei der Sache sind. Den Höhepunkt der Saison bildeten , die Leichtathletik-t meisterschaften, bei denen es Fried marin ge-> lang, die Meisterschaft im Stabhochsprung mit einer Leistung Von drei Meter an sich zu bringen. Er ist der erste Hakoahner, der eine Csterr. Meisterschaft gewinnt. An sonstigen Resultaten sind "zu erwähnen: 400 m1 Laufen Hirschler 57 Sek., 100 m Laufen Friedmann ’11.3 Sek., 200 m Laufen Weiß 25.2 Sek., 800 tn Laufen Hirschler 2 Min. 16 Sek. Kugelstoßen: Friedmann 10 m 36 cm. Ein schöner Stafettensieg wurde 'gleich beim ersten Erscheinen vor der Oeffentlichkeit errungen, wo unsere Stafette die des W. A. F. glatt besiegen konnte (100+200,+300+400 m). Beim Haberlickpreis, von der „Vienna“ veranstaltet, belegten wir hinter „Vienna“ (42 P.) find Haf (32 P.) mit 114 Punkten den dritten Platz. Insgesamt konnten die Leichtathleten Jn'ehr als 30 Preise an sich bringen. Unsere Sportsleute haben heuer zur Genüge bewiesen, daß sie unseren Gegnern voll und ganz gewachsen sind, die „Hakoah“, die durch den Krieg anfangs etwas zurückgeworfen wurde, befindet sich in präcchtigstem Aufstiege. Sonntag, den 19. August Beginn der Meister^ schaftsspiele. ,;Hakoah“: Bewegung. Näheres in den Abendblättern. Ein ganz mittelloser Kaufmann den ein Augenleiden zu Kontorarbeiten unfähig macht, der aber zu sonstigen Arbeiten, wie etwa zu Botengängen 'und Aufräumen gern bereit wäre, bittet dringend um Beschäftigung. Vielleicht finden sich auch gute Menschen bereit, seinen neunjährigen Sohn, dessen Erziehung er nicht mehr bestreiten kann, aufzunehmen und eventuell zu adoptieren. Wir bitten Menschenfreunde um Hilfe. Auskünfte auf der Redaktion der „Jüd. Ztg.“ II., Zirkusgasse Nr. 33. Druckfehlerberichtigung In der Korrespondenz des „Blau-Weiß“, Brünn, Nr. 32, hat der Druckfehlerteufel arg gewütet. Es muß dort S. 4, Spalte 3, Von Zeile 12 an richtig heißen: „Dem „Blau-Weiß“ wurde eine Subvention nicht bewilligt, einem deutsch-freisinnigen Studenten verein wurde eine solche gleichzeitig gewährt.“ Brand des Leopoldstädter Temp ls ln dem Augenblicke, da diese Nummer die Presse verlässt, durchläuft die Stadt 'die Schrekkensnachricht, dass der Leopoldstädter Tempel in der Tempelgasse in Flammen: steht. EinUeberblick über den Umfang des Feuers lässt sich im' Momente nicht gewinnen. Hoffen wir, dass eS gelingt, des Feuers Herr zu werden und das schöne Bauwerk, sowie die anstossend untergebrachte wertvolle Gemeindebibliothek zu Ttitten. Für die Evakuierten in Palästina Bisheriges Ergebnis: K* 27.464.17. a) Eingegangen beim' Zionistischen Zentralkomitee fürWest-Oesterreich: K. 1000.— Sammlung anläßlich der Herzlfeier d. Naftali Tuchfeld, Rzeszow. (Teilbetrag.) K. 100.— Gal. Naphta-Äkt.-Ges. „Galicia“. ' je K. 50.—: S. Bock, Jägerndorf; Jos. J. Leinkauf, Wien. K. 22.50 Sammlung anl. d. Herzlfeier d. Leo Herbst, Troppau; Epid. Baracke 7/1. K. 25.— Erlös der fünf Herzlgravuren. K. 22.— Sammlung S. A. Häusler, Kncttelfeld (Spez. unten). je 20.— : E. Torczyner, Wien (2. Rate); Gustav Korner, Wien; C. Blakcy, Wien. K. 15.— Ldst.-Korp. M. Omstein, PrzeniysI. je K. 10.—: Emanuel Kulka, Hochwald; Dr. Georg Weiner, Wien (2. Rate); J. Kohn, Jan nitz; Ferdinand Dittel, Jägerndorf; Anny Perelis, Wien; Fa. Del-Ka, Wien, je 5.— : Jos. Oppenheim, Benisch; Oblt. Otto Groß, Mähr.-Ostrau; Pinkas Kester, Jechnitz, anl. seiner Genesung nach einer schweren Verwundung im’ Felde. K. 2.23 Robert Guttmänn, Prag, aus seiner Sparbüchse. K. 2546.— eingegangen beim Zionistischen Distrikts-Verband für Böhmen, Prag (s. Spez. „Selbstwehr), zus. K. 3967.73. 'Eingegangen beim' Bankhaus S. M. Von Rothschild: K 3.000.— Ungarischer Zionistenverband Budapest. K 210.— Sammlung E. Fr. Zugsfr. J. Kleinberg, Sopron (Spez. (uiften) K 100.— Sammlung Hugo Grünberger u. Hubert Gerold, Trebitsch'. K 40.— Sammlung Feldw. Moritz Lamberg, (Spez. unten) je K 10.— Sammlung Zugsfr. S. Rubin (Spez. unten) Emanuel Schweifer Schulkomp. Off. Asp. Kurs, tapp." Post 445. K 2.— Jakob Mandelbrod, Sarajevo. K 3.362.— Spezifikationen: Sammlung Dr. J. Brenner und Korp. Israel Frischrirann, Sch.-Rgt. 20 (lit, Ausweis Arbeits- Der Jüöifdie Hationalftalenöer erfdieint Anfang September!