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Jüdische Zeitung · 1917-08-17 · 33 (17.8.1917) · p. Seite 2

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
11 (1917)
Issue
33 (17.8.1917)
Date
1917-08-17
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite l JÜDISCHE ZEITUNG müssen diese Versuchung, zu einem politischen Faktortum solcher Art erhoben zu werden, bestehen. Wir sind nicht ein Subjekt dieser “Politik und wollen es nicht werden. Die Politik, als deren Subjekt der Zionismus gelten wih und darf, ist~eine andere. Er redet nicht zu den einzelnen, ansi aller Weltmaterie einschließlich des Geistes Waffen wider einander schmiedenden Gruppen, sondern zu der Völkergemeinde. die sich in dieser Stunde, während sie noch geschmiedet werden, in redlichen und überlegenen Herzen bereitet; nicht zum "Haß und zur dauernden List, sondern zu dem 'erwachenden. Gewissen, dem neuen Bewußtsein Her "Verantwortung und dem sich verwandelnden Willen der Völker. Indemer zu Ihnen redet und von ihnen gehört wird, ist der Zionismus eine wirkende Kraft in der Völkerpolitik geworden. Der Tag der endgültigen Selbstbesinnung der Völker wird auch sein Tag sein; keiner der Tage ihrerVerstridkung kann es werden. Diese, zu der wir vor zwanzig Jahren uns im Angesicht der Menschenwelt bekannten und der wir treu geblieben sind, ist eine andere Politik, als die in diesem Kriege herrscht, eine andere, als die war; deren Fortsetzung mit allen Mitteln wahrlich dieser Krieg darstellt. Es ist eine Politik des Freimuts lind nicht des Mißtrauens, der Offenheit und nicht des Hinterhalts, der Direktheit und nicht der Intrige. Wenn der Zionismus durch seine politische Methode diese neue Politik einsetzen hilft, kvird ler auch in einem (besonderen'hohen Sinn ein politischer Faktor genannt werden dürfen. Martin Buber Im Kampf für die nationalen Rechte und gegen den wachsenden Antisemitismus verstärkt jeder neue Abonnent unsere Position. Gesinnungsgenossen! Es gilt vorerst die Aufklärung und Gewinnung der gleichgültigen Volksgenossen, sollen wir in der Zukunft gerüstet sein. Das beste Mittel dafür ist jetzt die Verbreitung unserer Presse. Jeder Einzelne werde zum Agitator in seinem’ Kreise. Verschmäht nicht die Kleinarbeit! Nur sie kann uns Erfolge bringen. Verlangt Bestellkarten! Werbet neue Abonnenten! bisher noch in den Bahnen der "alten deutschen Judenpolitik — des Iaisser faire, Iaisser passer — sich bewegt hatte. Man fühlt förmlich den Hauch der Zeit, aber man täusche sich nicht. Was auf der Tagung der Jugendverbände gesprochen wurde, Ist zwar Von den ältlichen und z. T. alten Herrn, den berühmten Vorstandsisraeliten der großen Organisationen (angesteckt vom1 jugendlichen Idealismus) gutgeheißen worden. Deshalb ist noch lange nicht gesagt, daß diese Herrn zu "Hause 'dagegen Front machen können, daß, wie am Verbandstag auch festgestellt wurde, „dem Sinken des Einflusses der deutschen Juden innerhalb der gesamten jüdischen Bewegung“ ein Paroli geboten wird. Ob dieser deutsche Judenkongreß stattfindet, ist noch fraglich. Die Stellung der deutschen Juden zur Palästinafrage, zur nationalen Organi-v sation im Osten ist ja auch eine so rückschrittliche, daß inan einesteils ganz froh sein muß, wenn diese Geheimräte nicht noch “mehr Unheil anrichten. Andererseits gibt es doch einige Führer der deutschen Judenheit, welche etwas gelernt und einiges vergessen haben. Vor allem1 aber könnte feine Frage die gesamte deutsche Judenheit interessieren: Nämlich die ökonomische Unterstützung der bundesgenössischen Juden im Osten, vor allem’ also ln Galizien und "in der Bukowina. Daß die dortigen Juden aus sich heraus die materielle Kraft finden werden, In gesunde Verhältnisse Zurückzukehren, möchte Ich bezweifeln. Daß die österreichische Judenheit, die schon manches zu "tun hatte, für das; Flüchtlingswesen (und was sich hievon entzog, wird auch darüber hinaus kein Interesse haben) die reichsländische Hilfe nicht Zurückweisen darf, weil sie allein stark genug ist, wäre heller Unsinn. Es kann für eine wirtschaftliche Gesundung Her galizischen und Bukowinaer-Juden nicht genug geschehen. Abgesehen von den österreichischen Kennern der "Verhältnisse, haben wir in Deutschland gerade in dem’ Dozenten der Kölner Hochschule Hirsch, in dem Berliner Professor Oppenheimer und dem Münchner Nationalökonomen Professor Cohen u. a., "Männer, die den Problemen großzügig gegenüberstehen könnten jrnd einer gediegenen Volkshilfe ihre Mitwirkung nicht versagen werden. Instinktiv fühlt auch die deutsche Judenheit die Verpflichtung, etwas für die leidenden Juden zu tun. Man hat nur hoch nicht genügend’ und in der richtigen Form an Sie appelliert. Es ist auch fraglos, daß sich die deutsche Judenheit nicht ausschließlich darauf einlassen kann und wird, einzelne Unterstützungen an Verarmte zu geben, sondern daß sie großzügig arbeiten will, Fonds zu Kreditgenossenschaften, für Handwerkerschulen. Landankauf usw. Greben. ..Schon dieses erste Pronunciamento der Vertreter der Judenheit Deutschlands," "das wir eingangs anführten, Zeigt, wie starke Instinkte und Regungen in den schwarz-weiß-roten Landen existieren. Es bedarf hur der Behörde, einer autorisierten Organisation, welche von den .^Bundesgenossen“ die Hilfe verlangt und mit ihr die Hilfsaktion durchführt. Diese Institution besteht Z. Z. in Oesterreich noch nicht. Man weiß in Deutschland ganz genau, wie zersplittert die österreichische Judenheit ist Und wie wenig kräftige Aktionen von den einzelnen Organisationen, wflche den alten reichsländischen entsprechen, durchgeführt wurden. Das soll absolut keine Herabsetzung des Willens der österreichischen Juden von "beute sein. Im Gegenteil. Man hofft gerade in Deutschland, daß die gesamte Bevölkerung "Oesterreichs aus den Lehren der Zeit auch für sich Folgerungen Zieht. Die große, urwüchsige österreichische Judenheit hat eine viel größere "Zukunft als die reichsländische; hie braucht nur in "die rihtigen Bahnen geleitet zu werden. Fraglos wird also "eine Organisierung der österreichischen Judenheit nötig sein. Sie wird' zusammen mit dem gleichen deutschen Konvent eine willige Stütze aller der Juden sein, deren. Schicksal bei den Friedensverhandlungen In Schwebe ist, ich erinnere an die rumänischen, polnischen, persischen Juden, än die Juden von Saloniki. Aber auch die ökonomische "Lage der Nordprovinzen Oesterreichs "bedarf des' Zusammenschlusses der Juden der Donaumonarchie. Und zuletzt .und nicht am wenigsten haben gerade die Ereignisse des Jahres gezeigt, daß es bundesgenössiscne Juden gibt, deren “Schicksal v.eileicht am meisten liftser Mitgefühl aber auch Die deutschen Juden und das Kongreßproblem Dieser Artikel mag in manchen Punkten dem österreichischen Juden nicht Zusagen. Er berührt aber ein zu wichtiges Thema, das vonfWiederaufbau Galiziens und der Bukowina, als daß wir einen konkreten" Vorschlag mit Stillschweigen "übergehen könnten. Wir “müssen vielmehr annehmen, "daß er nicht bloß der’ Ausdruck einer individuellen -Meinung ist, sondern daß er Stimmungen und Ansichten gewisser jüdischer Kreise im Deutschen Reiche entspricht. Hören \0ir also und äußern wir unsere eigene Meinung dazu. ' <“ Die Red. Zur 15. Vorstand-Sitzung des Verbandes jüdischer Jugendvereine Deutschlands erschienen die Vorstände der großen deutschen Jugendvereine. aber auch’ die Vertreter der Bne Brith- Logen. des Zentralvereins der deutschen 'Juden und des deutsch-iraelitischen Gemeindebundes, . der alle nennenswerten jüdischen Gemeinden umfaßt. Ferner waren "Delegationen "des Allgemeinen deutschen Rabbiner-Verbandes, des Verbandes Her jüdischen Lehrer-Vereine lind des großen Jüdischen Frauenbundes erschienen. Man kann, ohne sich der Uebertreibung schuldig zu machen, behaupten, daß sich die größten allgemeinen jüdischen Organisationen Deutschlands somit ein "Stell-Dich-ein gaben. Die Vorgänge auf dieser Tagung können hier nur kurz gestreift werden. ,.Mit tiefer Empörung“ — so lautete die 2. Resolution —, „hat der Verband der jüdischen Jugendvereine Deutschlards die unerhörten Vorkommnisse der letzten Zeit verfolgt. Der Verband empfindet sie um so schmachvoller, als fast seine sämtlichen männlichen Mitglieder untei den Fahnen stehen und ein erheblicher Bnichteil 'der Verbandsangehörigen die Treue zum Vaterland mit dem Tod besiegelt hat. Der Jugendverband stellt (mit schmerzlichem Bedauern "fest, daß die deutschen Juden nicht in geschlossener eindrucksvoller Kundgebung ihrer Empörung Ausdruck verliehen haben. Das Vorgehen des Verbandsvorsitzenden, Her an anderer Stelle eine Akt ion der gesamten deutschen Juden angeregf hat, fjndet einstimmige Billigung und wird zur Verbandsache erklärt. Der Antrag der Verbandsleitung, eine Verständigungs-Gemeinschaft sämtlicher jüdischer Jugendorganisationen Deutschlands herbeizuführen, wurde einstimmig mit großer “Begeisterung angenommen. Alle Jugendorganisationen jedweden Richtung sollen gebeten werden, von Zeit zu Zeit Vertreter zu einer Konferenz zu entsenden,- die den Zweck hat, die Leiter und Mitglieder der verschiedenen Verbände einander näher zu bringen. Bei voller Würdigung der Selbständigkeit der Organisationen und bei peinlicher Respektierung der verschiedenen Anschauungen sollen Verständigungsmöglichkeiten gesucht werden, die nach Wunsch des Jugendverbandes allmählich zu einemgemeinsamen Arbeitsprogramm, zur Vermeidung .unnötiger Konkurrenzkämpfe und zur Lösung des jüdischen Parteikampfes in Deutschland-führen "sollen.“ Soweit der Beschluß einer Organisation, die Nr. 33 unsere Hilfe hervorrufen: die Palästinajuden... Kleingläubige, veraltete und in Wohlhabenheit erstidcende Juden mögen die Bedeutung gemeinsamer großzügiger Aussprachen und Aktionen übersehen. Man muß ihnen zeigen, was alles auf dem Spiele Steht und manche dürften die Dinge dann doch anders beurteilen. Die beste Vorarbeit wird es Sein, wenn die verarmten, vernichteten Gemeinden mit den jüdischen Organisationen in Fühlung treten und d*e deutschen Juden anfragen, wie diese ihre Existenz sich denken. Dann wird -sich heraussteilen, daß jede Kleinarbeit, jede Rachmonespdlitik alten Stiles "demgegenüber versagt. Dann muß die großzügige Organisafion der beiden Jude nh eiten erfolgen. Dr. Felix A. Theilhaber (z.Z. im’Felde). Hilfstätigkeit der russischen Juden für ihre galizischen Brüder Ueber die Hilfsaktion der russischen Juden für ihre galizischen Brüder berichtet Herr Insrenieur Joachim Stolzenberg, der während der russischen Invasion drei Jahre in Tamopol zubrachte und gegenwärtig zum Besuche seiner Familie in Wien weilt: Schon im "Frühjahre 1915 bereiste Herr Rappaport im Aufträge eines Petersburger Komitees Galizien, um die Lage der Juden kennen zu lernen und darüber zu berichten. Bei seiner Rückkehr hielt er in Petersburg in einer Versammlung einen Vortrag, in welchem er da" Elend der galizischen Juden von Tamow bis Sniatyn in lebhaften Farben schilderte; es wurden sofort 30.000 Rubel als erste Unterstützung gezeichnet und beschlossen, 'daß jeder wohlhabende Jude einen permanenten Beitrag zur Hilfe der galizischen "Brüder zeichnen solle. Von diesem Gelde wurde vorerst Mehr angeschafft, und solches sowie fertige Mazzos in ganfe "Galizien verteilt. " ' Unsere Offensive bei Gorlice unterbrach die Aktion; dafür aber setzte sie im Herbste 1915 umsö intensiver ein. als die Russen Jbei ihrem Rückzuge zehntausende von Juden, darunter viele Greise, "Frauen und Kinder mit sich nach Rußland verschleppten. Da wurde das Kijower Komitee ein wahrer Retter in der Not, indem’ es alle Verschleppten beim Ueberschreiten der Grenze mit Kleidern, Nahrungsmitteln und Geldversorgte, jede Gruppe durch seine Delegierten bis an deren Verbar.nungsört begleiten ließ und überall Komitees zu deren Versorgung bestellte. Im Dezember 1915 wurde für die Juden in den noch unter russischer Herrschaft verbliebenen Teilen von Ostgalizien ung der .. Bukowina eipe permanente' Hilfsaktion eingeleitet, "und zu diesem Zwecke in allen Städten Lokalkomitees gebildet, die vom' Kijower Komitee allmonatlich' mit Geld und Naturalien versorgt wurden. Die Aufsicht hierüber hatten Dr. Lander aus Petersburg und das Mitglied des Kijower Komitees Dr. Gomelski. die persönlich" zu diesem Zwecke oft Galizien bereisten. Im Jahre 1916 wurde der 'größte Teil der Verschleppten in Folge der Intervention der Petersburger Juden nach Galizien zurückgeschickt; da die meisten aber aus weätgalizischen Orten waren, die sich bereits "in österreichischer Herrschaft befanden, so wurden sie in Tartibpol und "den umliegenden Ortschaften untergebracht, und das Kijower Komitee sorgte für deren Erhaltung. In TarnopoJ wurde auch ein Spital und ein Kinderheim für elternlose Kinder eingerichtet Das Ausgabenbudget für Ostgalizien und "die Bukowina betrug monatlich für die rückgekehrten Verschleppten und für die Einheimischen 150.000 bis 200.000 Rubel außer großen Mengen von Naturalien und Kleidungsstücken. Die ganze Aktion kostete die russischen Juden mehrere Millionen Rubel (nach Tarnopof allein kam'en in 2 Jahren über 500.000 Rubel) und diese wurden mit einem "Wohlwollen gegeben, welches als Beweis ‘jüdischer Solidarität herzerfreuend wirkte; sie betonten immer, es sind ja unsere Brüder und" wir haben die Pflicht für Säe zu sorgen- Hiebei ist zu bemerken, wie Herr Leo Grünberg, Vorstand des Kijower Komitees’in 'einer in Tamopol am’ 30. Mai 1917 abgehaTtenen-"Versammlung-ausdrücklich hervorhob, daß jhes1 keine von Amerika gesandten, sondern von "den russi-‘ sehen Juden durch Selbstbesteuerung aufgebrachten Gelder waren. Den Freunden des „Jiddisch“ diene die Mitteilung, daß die Verhandlungssprache in .allen diesen Versammlungen nur Jiddisfeh war, ünd es war von lebhaften Interesse zu sehen, wie leicht sich in dieser Sprache Juden aus; Samara, Petersburg und Kijow, aus Tamopol" unHKolömea ,ja sogar aus Belgien mit einander verständigen konnten; es ist "dies ein jüdisches Esperanto (? Die Red.!, welches sich in der Diaspora als sehr wertvoll erweist. Osias Schätier. Die Lage der Evakuierten in Palästina Mit Genehmigung Djemal Paschas hat die Hilfskommission für die Evakuierten eine Reise durch Palästina Unternommen, um 'die Tage genau festzustellen. Die Zivil- und Militärbehörden waren angewiesen "worden, Hie Tätigkeit der Kommission "zu urif»stützen. Während "die Lage der arabischen Evakuierten im allgemeinen befriedigend war, ^erforderten die traurigen Verhält-

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