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Jüdische Zeitung · 1917-08-10 · 32 (10.8.1917) · p. Seite 3

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
11 (1917)
Issue
32 (10.8.1917)
Date
1917-08-10
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 32 JÜDISCHE ZEITUNO steh eine beträchtlichere Anzahl von Juden in Polen angesiedeft hat- Sie sind aber nicht von Ost* sondern von Westeuropa gekommen. Ist das grobe Unwissenheit oder ebenfalls plumpe Tendenz? Mit solcher Bagage von Wissenschaft soll man jedenfalls das deutsche Publikum vom ,/Berliner Tageblatt“ nicht belehren, und bei solcher Unbefangenheit kann man leicht die Autorität verlieren.... Zum Schluß zieht der Autor die Folgerung: „Die Rechtsgleichheit existiert in Kongreßpolen seit über einem halben Jahrhundert. Es bedarf keiner Emanzipationsakte der neuen Regierungen“. Jetzt seien die Verhältnisse freilich nicht glänzend, das Uebel werde aber auf irgend eine Art beseitigt werden 1 Auch Galizien schreckt ihn nicht ab, obwohl er zu erzählen weiß: „Die Verhältnisse im autonomen Galizien rufen leider nach dieser Richtung gewisse Befürchtungen wach, jedoch brauche das Wort „vestigia terrent“ sich in der großen neuen Zeit des Umlernens nicht immer zu bewahrheiten.“ Kurzum, große Hoffnungen in Bezug auf die Zukunft hegt auch der Autor nicht. Was Wunlder, wenn, die Nationaljuden nicht aufs Geratewohl rechnen wollen, sondern ’nationale Rechte verlangen, die als Gruppenrechte gleichzeitig die bürgerlichen Rechte sicherstellen. Eine neue Nation in Österreich: Die Israeliten iW-g. Unter diesem Titel kommentiert die ,/Wiener Sonn- und Montags-Zeitung“ vom 6. August die kürzlich vom Ministerium des Innern veröffentlichte Statistik der Flüchtlinge. „Die Daten dieses Amtes“, schreibt sie, „sind nach zwei Richtungen hin von besonderem Interesse. Erstens und vor allem, weil mit der Form der Statistik — bewußt oder unbewußt,, das wollen wir dahingestellt sein lassen — Von seiten einer amtlichen Stelle mindestens gegen den Geist unserer Staatsigrundgesetze verstoßen worden1 ist; denn diese Statistik beschäftigt sich vor allem mit dem Zahlenverhältnis der mittellosen Flüchtlinge nach „N a t i o n a 111 ä t e n“, und sie führt als solche Nationalitäten Deutsche. Polen usw., schließlich Israeliten und Zigeuner an. Wir erlauben uns die Frage an das Ministerium, wie es zu dieser jedenk falls seltsamen Aneinanderreihung kommt? Un. seres Wissens ist der Ausdruck „Israelit“ das Merkmal einer Konfession und keiner Nationalität; unserer Meinung nach darf gerade ein Amt die österreichische Nationalitätenmisere nidit durch willkürliche Schaffung einer neuen Nationalität in sinnloser Weise steigern, und schließlich liegt in dieser Art der Aufstellung statistischer Daten: zweifellos eine Beleidigung und Verletzung staatsgrundgesetzlich gewährleisteter Rechte, weil damit gewissermaßen den Jsraeliten das Recht genommen wird, sich etwa der deutschen, polnischen Öder einer anderen Nationalität anzusdiließen. Das ist nicht nur ein staatsrechtliches Novum, sondern auch ein scheinbar eigenmächtiges Handeln einer untergeordneten Amtsstelle, die sich der Tragweite ihrer Veröffentlichung nicht bewußt Ist Wenn es dem betreffenden Amte darum zu tun gewesen wäre, die Zahl der Israefite« in ein Verhältnis zu den anderen zu bringen, dann hätte es sich bloß der kleinen Mühe zu unterziehen brauchen, die Menge der mittellosen Flüchtlinge auch nach Konfessionen zu sortieren. Also soundsoviel Katholiken. Protestanten. Mohammedaner, Juden usw., wogegen selbstverständlich kein Mensch eine Einwendung hätte eiheben können... “ Die „Sonn- und Montags-Zeitung“ hat bei früheren Gelegenheiten einiges Verständnis für jüdische Dinge bewiesen. Umso erstaunlicher ist in diesem Falle ihre Aufregung. Ist es der „Sonn- und Montags-Zeitung“ wirklich ganz unbekannt, daß ein senr beträchtlicher Teil der jüdischen Bevölkerung Oesterreichs sich tatsächlich als „Nation“ und nicht als „Konfession“ fühlt, daß sie die Anerkennung dieser Nationalität als ersten und wichtigsten Punkt aut Ihr politisches Progamm gesetzt hat? Wir hätten es zumindest „willkürlich“ gefunden, wenn das Ministerium des Innern die in ihrer Eigenart geschlossene Gruppe der jüdischen Flüchtlinge als „Polen“ bezeichnet hätte. Heute, wo die Welt von dem Schlagwort einer jüdischen Autonomie, nicht nur für Oesterreich, widerhalft, dürfte man derlei Assimilanten-Ausbrüche, wie sie vor 15 bis 20 Jahren üblich waren, nicht mehr zu lesen bekommen. Sie wirken antiquiert. Die „Sonn- und Montags-Zeitung“ mag sich's gesagt sein läsen: Die jüdische Nationalität ist keine „willkürliche Schaffung“ eines Amtes^sie ist der lleben!- dige und starke Wille eines Volkes. — In einem geben wir der „Sonn- und Montags-Zeitung“ recht: „Israelit“ und „Konfession“ sind korrelative Begriff«. Wir aber, dje wir von jüdischer Nationalität sind, nennen uns schlechthin „Juden“. H rzifeier in Kopenhagen Eine erhebende Herzt-Feier hat in Kopenhagen am Todestage Theodor Herzls mit 20. Tammus .(10, Juli) stattgefundeni. Die vom Dänischen Zionisten -Verein einberufene Versammlung war stark besucht. Als erster Redner sprach Herr Dr. Bernstein. Er wies darauf hin, daß die gegenwärtige Lage innerhalb des Zionismus einen Sieg der Herzischen Politik bedeute. Herzls alter Ruf, daß das jüdische Volk darnach.streben müsse, seinen Platz inmitten der Völker zu erkämpfen, sei jetzt in Erfüllung gegangen. Es komme jetzt darauf an, diesen Platz mit Stolz und Würde 'einzunehmen und den Lenkern des Weltkrieges, die die Befreiung der kleinen Nationen auf ihre Fahnen geschrieben haben, unsere Forderungen entgegenzurufen. Es liegt ausschließlich an uns, an dem organisierten Judentum1, daß unsere Stimme gehört werde. Die Befreiung des russischen Judentums sei gewiß das größte Glück, das unserem Volke seit Jahrtausenden zuteil geworden, ist; aber das russiche Judentum hat bereits dokumentiert, daß es sich durch die erhabene und,große russische Revolution hicht blenden läßt, daß es die Treue zu unserem alten Ideal nicht vergessen wird. Hierauf sprach, von lebhaften Beifall begrüßt, das Mitglied des großen zionistischen Aktions-Komitees, Herr Boris Goldberg, der sich auf der Reise von England nach Rußland in Kopenhagen aufhält. Herr Goldberg erklärte, daß es sich gegenwärtig nicht nur um Wünsche und ideale innerhalb der zionistischen Politik handle, sondern um konkrete Vorschläge. Man verhandelt bereits mit dem jüdischen Volk. Wir haben eine Reihe von Programmen, die in verschiedenen Orten entstanden sind und bearbeitet werden. In Berlin, in London, in Newyork, in Petrograd. Ich halte es für meine Pflicht, die zionistische Oeffentlichkeit mit unseren Schritten bekanntzumachen. Ich bin ein Gegner 'der geheimen Diplomatie (lebhafte Zustimmung). Daß unsere deutschen Gesinnungsgenossen sich auf ein bescheidenes Programm beschränken müssen, liegt in der Natur der Verhältnisse. Deren Programm geht nicht weiter, als die Forderung freier Einwanderung und Bodenerwerb in Palästina, sowie Freiheit der Sprache in Schule und Gesellschaft. Das ist unser 'Programm-Minimum. Das Programm-Maximum haben unsere amerikanischen Freunde aufgestellt: den Judenstaat. Es ist das Verdienst unserer englischen Freunde, daß sie sich in dieser großen, verantwortungsvollen Zeit auf der Höhe erwiesen haben und zur Verwirklichung unseres Ideals mit Liebe und Begeisterung beitragen. In englischen Regierungskreisen verhandelt man mit unseren englischen Freunden wie Gleiche mit Gleichen. Große Verdienste haben sich unsere Freunde Nahum Sokolow und Chaim Weizmann aui diesem Gebiete erworben. Die Forderungen, die die englischen Zjonisten aufsteüen, sind folgende: 1. Palästina wird als das nationale Zentrum des jüdischen Volkes anerkannt. 2. Die Juden in Palästina werden als eine Nationalität anerkannt, in der Weise, daß auch die erwandernden Juden, unabhängig von ihrer Staatsangehörigkeit, eo ipso als Angehörige der jüdischen Nation in Palästina betrachtet werden. 3. Die Gründung einer jüdischen Charter-Gesellschaft in Palästina mit weitgehenden ökonomischen sozialen Und autonomen Rechten. 4. Die Anerkennung der hebräischen Sprache als der herrschenden in allen Angelegenheiten der Verwaltung und des gesellschaftlichen Lebens. Das sind die Forderungen, die eine große Zukunft in sich bergen. Die Tatsache, daß Männer, wie Lord Rothschild und Herbert Samuel, wie eine Re.ihe anderer hervorragender jüdischer Politiker, sich öffentlich zu unseren Forderungen bekannt haben und sie tatkräftig unterstützen, ist der Sieg Theodor Herzls. Aber wir müssen uns bewußt sein, daß allein mit Politik wir Palästina nicht beleben werden. Jüdisches Kapital und jüdische Arbeitskraft müssen jns Land kommen. Jetzt schon müssen wir überall Gruppen organisieren, kleinere und größere, die Vorbereitungen treffen, um nach Beendigung des Krieges nach Palästina zu gehen. Ganz unabhängig davon, was mit Palästina geschehen wird, ob es den Besitzer wechseln wird, oder nicht, das Land wird nur dann seine Zukunft haben, wenn es dem wirtschaftlich ökonomischen Progreß erschlossen wird. Es gilt als ausgemacht, daß wenn Palästina eine wirtschaftliche Zukunft hat, so sind es nur wir, die die Schöpfer und die Erbauer sein können. Das ist unsere Macht und es liegt an uns, diese Macht zu einer glücklichen Entfaltung zu bringen. Die Reden wurden mit großem Beifall aufgenommen. Nach einigen Schlußbemerkungen des Herrn Schajak, der auf tälie nationale Wiedergeburt innerhalb der polnischen Judenheit hinwies, schloß die eindrucksvolle Versammlung. Dr. Tschlenow in Kopenhagen. Dr. E. W. Tschlenow, der 2. Vorsitzende des Engeren Aktions-Komitees^ ist zu längerem Aufenthalt in Kopenhagen eingetrdffen. Aus der jüdischen Welt Amerikanisch-jüdische Kongreßwahlen. Am 9. und 10. Juni fanden die Wahlen zum ämerrka-c nisch-jüdischen Kongreß in sämtlichen Städten in den Vereinigten Staaten statt- Die Erregung der jüdischen Bevölkerung und ihre Anteilnahme an den Wahlen war eiqe außerordentlich große. An SeilgJJ NEUE JÜDISCHE BÜCHER FÜRS FELD UND DAHEIM. 1. Dr. Salomon Kassner: Die Juden in der Bukowina.K 2.— Glänzend besprochen! 2. Kaplun-Kogan: uie jüdische; Sprach- und Kulturgemeinschaft in Polen.K 1.20 Sehr informativ! 3. Matthias Mieses: Germanen und Juden.K 1.— Aufsehenerregend! 4. MaxRosenfeld: Polenundjuden K 1J0 Das jüdische Rotbuch! 5. Beda: Getaufte und Baldgetaufte K 1.— 6. Beda: Israeliten und andere Antisemiten .K 1.— Ausgezeichnete Propagandabüchel gegen alle Assimilanten. R. LÖWIT VERLAG, Wien I, Wollzeil* 6. den Wahltagen hatten in der Stadt Newyork nicht weniger als 3000 Organisationen Meetings einberuten; in der Provinz fanden unzählige weitere Meetings statt, die von 4000 anderen Organisationen einberufen waren. Die Tatsache, daß den Frauen volles Wahlrecht zugestanden war, erregte das Interesse noch bedeutenkl. — Am Samstag abend waren in Newyork bereits mehr als 300000 Wahlzettei verteilt und ständig kamen Männer und Frauen, die noch gern Wahlzettel erhalten wollten. Ein großer Teil kamleider zu spät und konnte keine Zettel mehr erhalten. Abgegeben wurden in Newyork 125.000 Wahlzettel. Die Wahlen begannen Samstag abend in den Wahllokalen der verschiedenen jüdischen Organisationen und dauerten bis Sonntag nachts 12 Uhr. Die Stadt war zum Zwecke der Wahlen in acht Distrikte eingeteilt worden. Ein besonderes Wahlkomitee hatte die Aufgabe, die Stimmen auszuzählen. Aus dem Ergebnis sei nachstehend einiges angeführt: Der dritte Distrikt von Newyork wählte unter anderen: Nathan Straus, Louis Marshalf, Dr. Stephen, S. Wise, den früheren Botschafter Morgenthau, Mr. Josef Fels und andere. Von den Delegierten des 4. Distrikts seien genannt: Samuel Lewinson (der bekannte Multimillionär, dessen Eintritt in die Zionistische Organisation wir kürzlich melden konnten). Bernhard A. Rosenblatt u. a. Aus den Wahlen des 5. Distrikts sei Frl. Henrietta Szo 1 d genannt. Das „Komitee der nationalen Arbeiter“ in Amerika, das die organisierten Gruppen der internationalen Sozialisten in Osten umfaßt, hat beschlossen, sich von der^ Kongreß - Bewegung zurückzuziehen; infolgedessen sind die Vertreter des Komitees aus dem Exekutiv-Komitee des Kongresses ausgetreten. Als Grund des Rücktritts wird vom Komitee die russische Revolution genannt, die mit einem Schlage die ganze Judenfrage gelöst (?), und das Komitee, das den Kongreß ausschließlich als „Jüdische Rechte-Kongreß“ betrachtet, weiterer Schritte enthoben hat. Als weiterer Grund wird angeführt, daß die Führer des Komitees ihr Interesse mehr Parteifragen als allgemein-jüdischen zuwtndett- Einige Zweigvereine haben beschlossen, sich doch beim Kongreß vertreten zu lassen und es herrscht die Ansicht vor, daß die jüdischen Arbeitermassen pr ihrer Eigenschaft als Juden ihre Delegierten trotz dieses Schrittes der Leitung ihrer Parteigeschäfte, zum jüdischen Kongreß entsenden werden. — Der Wunsch der .jüdischen Frauen Amerikas, aktiven Teil am amerikanisch-jüdischen Kongreß zu nehmen, fand seinen Ausdruck in der Nominierung von 16 Frauen unter den Delegierten von Groß-Newyork. Die Zain der weiblichen Delegierten wird jedoch zweifellos erheblich größer sein; denn es kommen die Delegierten aus anderen Städten und die Vertreterinnen der Nationalen-Frauen- Organisationea hinzu. Mehr als 200.000 jüdische Frauen Amerikas, dje bisher keiner jüdischen Organisation angeschlossen waren, haben sich in „die Frauen-Organisation für den amerikanischjüdischen Kongreß“ eintragen lassen. Die Tätigkeit dieser Organisation beschränkt sich nicht auf Newyork; in 103 Städten sind Zweigvereine gegründet worden. Eine aktive Propaganda wird geleistete Literatur wird verbreitet, Vorträge und Volksversammlungen werden veranstaltet, eine Preß-Kampagne wurde unternommen. Die Kandidatinnen vertreten die verschiedenen Interessen der Bevölkerungsklassen. von denen sie aufgestellt worden sind. Bisher wurden nominiert: Mrs. Samuel Mason. Frau Charles Spi vacke, Frau Josef Fels, Frau Jay C. Guggenheimer, Frau Richard Gottheil , Frau Nathan Strauß. Frau Hillel Solotaroff, Dr. Stella Shatfer-Epstein Frau Morris Rothenberg, Dr. Dora A s k o w i t h, Frau Ida L e v l n e, Frau Charles Z e n s e r. Amerikas Palästinakommission. Nach neuester Meldung ist die kürzlich gebrachte Nachricht von Otae Verbreitung der Presse, kein Wadistum Oer Partei!

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