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Jüdische Zeitung · 1917-08-10 · 32 (10.8.1917) · p. Seite 2

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
11 (1917)
Issue
32 (10.8.1917)
Date
1917-08-10
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 JÜDISCHE ZEITUNG fiche Ltoyd unteiftält einen regelmäßigen Verkehr, desgleichen die anglo-ägyptische Khedivial, die deutsche Levantelinie und die Compagnie Russe. Die Wichtigkeit diser Linien stieg von Jahr zu Jahr in dem Maße, als die Kommunikationsmittel des Landes sich vermehrten und die Produktion als auch die Konsumtion Zunahmen. Das Ceß nnt Berechtigung auf eine immer größer werdende wirtschaftliche Tätigkeit im Lande schließen, an der auch das jüdische Element redlich Teil hatte, wenn seine Leistungen auch vielfach Überschätzt worden sind. Dem Schiffsverkehr stellten sich die schlechten Hafenverhältnisse als erschwerender Faktor entgegen. Der einzige gute Hafen des Landes, Haifa ist nicht ausgebaut und der Krieg hat die französische Gesellschaft, die die Konzession zum "Baue besaß, n;cht zur Ausführung ihres Vorhabens ^kommen lassen. Hindernd ist weiterhin der Umstand, daß nur sehr Wenige und unzureichende Verbindungen der Küstenplätze mit dem Hinterlande vorhanden sind. Das Eisenbahnnetz ist trotzdem [n Palästina dichter als in der übrigen Türkei. Das Material stammt aus Deutschland, Belgien und Amerika. Während des Krieges ist die Heds ch asb ahn weiter ausgebaut worden und sie bildet nun das Rückgrat des syrisch-palästineischen Eisenbahnnetzes. Beim Ausbau einer ihrer Teilstrecken wurden im vorigen Jahre im Tale von Damaskus 7 Ströme entdeckt, die mittels eines Kraftwerkes zur Eneigiegewinnung verwendet waden. Damaskus hat nun elektrische Beleuchtung usw. Alladings haben diese Energiequellen nur Tür Damaskus und Umgebung Bedeutung, doch war der Fall beispielgebend; kurz darauf wubdje in El Sdieab (Südsyrien) eine ähnliche Anlage errichtet. Wasserfälle, die beim Bau der Hedschasbahn näher untersucht wurden und die in da Nähe Jaffas liegen, Versprechen eine "Kraftquelle von 9000 HP, die zum Betrieb da Bahn Jaffa—Jerusalem und zur Beleuchtung da uinliegenden Ortschaften Verwendung finden soll. Auch in Brussa soll ein Elektrizitätswerk errichtet werden. Interessant ist die Bemerkung des „Oesterreichischen Handelsmuseums“, der offiziellen Zeitschrift des k. k. Handelsministeriums zu diesen Projekten, die von deutscher Seite aus verwirklicht werden sollen. „Das Arbeitsfeld, das sich mit da Elektrotechnik in der Türkei eröffnet, ist ein ebenso weitausgedehntes wie dankbares Betätigungsfeld“. In den Jahren vor dem Kriege wurden die Wasserkräfte nur zum Betriebe von 'Mühlen Verwendet. Wasserwerke waren nur sehr spärlich vorhanden und dienten nur zu Bewässerungszwecken. Die moderne Ausbeutung der Wasserkräfte des Landes, sei es durch Energiegewinnung, sei es indem man Bewässerungsanlagen schafft, eröffnen 'der Unternehmungslust, dem Kapital und da Industrie die besten Aussichten. Der Jordan soll imstande sein, an eina Stelle 30.000 PS. an anderen 1000 PS. zu liefern. Dies als Beispiel und um darzutun, wieviel an Einfuhr teurer Brenn- und Betriebsmaterialien gespart' werdenkönnte. Denn die Schätze des Landes an Holz und Kohle sind sehr gering, desgleichen an Petroleum. An anderen Mineralschätzen ist das Land ziemlich reich, wenn auch nicht in dem 'Maße als Kleinasien. Nach Dr. M. Blankenborn* * finden sich Mineralschätze in der Umgebung des Toten Meeres oder im' Toten Meae selbst. Ihrer Bedeutung nach geordnet sind hervorzuheben: Petroleum, reiner Asphalt, Asphaltkalk, hochprozentige Phosphate, Kreidephosphate, Abraumsalze, gediegener Schwefel, Steinsalz, Chromoxyd, die alle vom T-ande stammen, während das Meer selbst Chlorkalium mit Chlormagnesium, Braunmaguesium und Jodkalium enthält. Das Ostjordainland birgt hochprozentige Phos-> phate, die mit denen, die in Deutschland gefunden werden, ruhig den Konkurrenzkampf aufnehmen können. Die Kosten der Ausbeutung sind nach Prof. Blankenhorns Voranschlag sehr gering, da das Gestein offen zu Tage liegt. Nach Prof; Warburg* findet taan Asphalt bei Hasbeya, in Zeitum bei Marasch, Eisen, Ambra bei Saida, Antimon und Borarit bei Iskanderun und Aleppo sowie noch in geringeren Mengegen Kupfer, Nickel und Blei. Die besten Verbindungen für eine blühende chemische und auch Montanindustrie sind also vorhanden und sonderbarerweise wurde bis jetzt noch kein Schrift in dieser Richtung unternommen. "Erst ganz kürzlich bemühten sich deutsche Kapitalisten Konzessionen auch dafür zu erlangen. Im vorigen Jahre wurde in der Türkei ein „Hoher Wirtschaftsrat (Iktissad Medjlissalissi)“ gegründet, der dem tückischen Handelsministerium beigeordnet ist. Er soll sich hauptsächlich ■mit der wirtschaftlichen Erschließung der Türkei befassen. Er besteht aus 24 ordentlichen und außerordentlichen Mitgliedern, die 1—2 mal wöchentlich zu Beratungen zusanrinen’treten. Ordentliche Mitglieder sind die Leiter der wirtschaftlichen Aemter der verschiedenen Ministerien. Eine weitere Aufgabe dieses Rates Soll es sein, neue Gesetzesvorlagen auszuarbeiten, die zur wirtschaftlichen Hebung dienen. Eine "der ersten Taten dieses Wirtschaftsrates war die Einbringung eines neuen Minengesetzes, das Angenommen wurde. Jetzt dürfen Konzessionen *) Mitteilungen des D. P. V. 1902—4, S. 65. *) Altneuland, Jahrgang 3, Heft 1. WER wirbt für die Jüdische Zeitung? Jeder Äonist, ob Schekelzahler, , Vereinsmitglied oder durch1 das Vertrauen der Gesinnungsgenossen an leitende Stelle Gewählte. WARUM muß er sich für die Jüdische Zeitung "“""‘iJüeressäeren? Weil sie das Blatt seiner Partei, glso gern eigenes ist. WIE arbeitet er für die Jüdische Zeitung? Indem er sie für seine Person abonniert Und ebenso jeden Gesinnungsgenossen dazu veranlaßt WO agitiert er für die Jüdische Zeitung? Im Freundeskreis, im Verein, bei kleinen und größeren Sitzungen, Versammlungen und Veranstaltungen, daheim oder draußen. WANN wird er mit seinen Bemühungen Erfolg kabeir? Wenn er keine Gelegenheit verstreichen läßt, ohne die Gesinnungsgenossen an ihre Pflicht gegen die Jüdische Zeitung zu erinnern. nur auf die Dauer von 99 Jahren erteilt werden; nur für Chrom, Schmirgel, borazithaltige und analoge Substanzen, wobei das Material in Lagern und nicht in Adern gefunden wird, können Konzessionen in einer Lautzeit von mindestens 40 bis höchstens 99 Jahre erteilt werden*. Jeder Verkauf braucht die Ermächtigung der Hohen Pforte, die Konzessionen sind durch Erbschaft übertragbar. Ein weiterer Schritt wurde dadurch getan, daß man die Zuckerproduktion regelte. Im Februar dieses Jahres wurden einem Vertreter des Ikdam seitens des Landwirtschaftsministers in Bezug auf den Plan der Gründung von Zucker- ■ fabriken in der Türkei eine Reihe von Angaben femacht. Darnach wird das Land zu diesem wecke in verschiedenen Zonen eingeteilt, von denen die einen für die Gewinnung von 'Rohrzucker und d'e anderen für die Rübenzuckergewinnung geignet sind. Die Einteilung erfolgt auf Grund der Verkehrsverbältnisse und der Rübenpreise, ferner auf Grund der Gleichheit der wirtschaftlichen und Bodenverhältnisse. Die Konzessionsgesuche wurden eingereicht von einem türkischen Konsortium, außerdem von deutschen Kapitalisten, die sich den Anbau _ in zwei Zonen, wovon die eine in Palästina ist, ausschließlich für sich allein sichern wollen. Das Ministerium gewährt Versuchsfristen mit einer Lautzeit bis zu 2 Jahren. Bei Entscheidung zwischen Zuckerrohr und Rübe werde sich das Ministerium für die Rübe entscheiden, damit die Abfälle als Bodenverbesserungsmittel Verwendung finden könnten. Für Syrien und Palästina ist eine Teilung }n eine Rüben- und Rohrzuckerproduktion vorgesehen. Damit kommen wir auf das Gebiet der Industriezweige, die das Rohmaterial zu ihren Erzeugnissen in der landwirtschaftlichen Produktion des Landes finden könnten. Hier stehen wir auch schon erfreulichen jüdischen Anfängen, besonders auf dem1 Gebiete der Weinfabrikation gegenüber. Die Oe Fabrikation, desgleichen die industrielle Verwertung der Orangen stecken noch sehr in den Anfängen. Bei der Einigung einzelner Gebiete des Landes zum Anbau von Baumwolle, könnte sich eine Textilindustrie entwickeln. Auch da wurde der Anfang bereits gemacht, Im Februar dieses Jahres wurde ein Unternehmen mit zirka 3 Millionen Marie Kapital geschaffen, an dem zur Hälfte türkische, zur anderen Hälfte deutsch-österreichische Kapitalisten beteiligt sind. Auch der Maulbeerbaum gedeiht in Syrien, doch wird bis jetzt nur im Libanongebiet und in Damaskus Seide gesponnen. Die Lederindustrie und Gerberei sind vorläufig noch ganz unbedeutend. Für die Konservenindustrie, hauptsächlich Gemüse und Fische hat sich' bisher auch nur geringes Verständnis gefunden, doch hat eine deutsdie Firma eine Konzession in Iskanderun (Alexandrette) erworben. »(Fortsetzung folgt.) Ein unglücklicher Verteidiger Von S. Hirschhorn, Warschau. (Antwort Aut den Aufsatz von Dr. Max Lewinski im „Berliner T a g e b 1 a 11“.) Die polnischen Chauvinisten haben entschieden kein Glück mit ihren Verteidigern. Sie haben beschlossen, die deutsche öffentliche Meinung aufzuklären die Polen dürften allerorten nationale Rechte beanspruchen, die Juden in Polen nicht. So etwas vermag kein Deutscher, der unsere Verhältnisse unparteiisch beobachtet, zu begreifen; um mithin die Deutschen von der Heilsamkeit der Polonisierung für die Juden zu überzeugen, erzählen die Verteidiger dieser Idee über die polnisch-jüdischen Beziehungen ganz unge¬ Organisiert Oie Propaganda für Oie Nr. 32 reimte und sinnlose Geschichten. Glücklicherweise kommt es So -vor daß diese Bileame, die berufen sind, den Ostjuden zu fluchen, uns nicht fluchen, sondern segnen, oder — Vras für uns hoch' besser ist — sie fluchen uns so plump, daß der Fluch uns mehr als eine Segnung zugute kommt. Ein solcher erst recht plumper Verteidiger ist Dr. Max L e w i n s k i, der letzthin im1 „Berliner Tageblatt“ (13. Juni) das Wort ergriff. Indem eierzählen will, was für Wohltaten die Juden von den Polen erfahren haben, kommt er. aut W i e I o p o 1 s k i s Statut zu sprechen. Natürlich' verrät er nicht die wirklichen Beweggründe, von denen Wjelopolski.bei Seiner Reform geleitet war, auch nicht den Zusammenhang dieser Reform mit den liberalen Strömungen der damaligen Regierung Alexanders II. Dagegen1 fügt er durch seine Ungeschicklichkeit seinen Klienten noch größeren Schaden zu. als es durch Beketmung der Wahrheit geschehen könnte. indem' er behauptet, die Reform Wielopolskis erfolgte in solcherWeise, daß Wjelopolski „mit dem traditionellen Widerstände der Aristokratie und des Klerus rechnen mußte“. Wenn dem so ist. drängt sich dem deutschen Leser die Folgerung auf, daß die Reform nicht aus dem freien Wilfen der polnischen Gemeinschaft, sondern eines’ einzelnen Mannes entsprungen ist, der obendrein, wie es überall bekannt ist, in Polen nichts weniger als populär war. Denn es ist doch' eine bekannte Tatsache, daß vor 55 Jahren eben der Adel und der Klerus die einzig ausschlaggebenden Elemente in Polen waren, indessen das Bürgertum, wenn es überhaupt im politischen Leben Polens eine Bedeutung hafte, sich wahrhaftig nicht für die Juden eingesetzt hat. Dies gibt übrigens der Verfasser selbst zu, indem' er von einer späteren Zeit sagt: „Das Aufkommen eines polnischen Mittelstandes .... schaffte Konkurrenzneid und 'dieses Moment artete zum wirtschaftlichen Kampf und Boykott aus. der bis heute leider noch nicht ganz verschwunden ist.“ Ferner berichtet Herr Lewinski, 'Markgraf Wielopolski plante vermittels seiner Reform' die polnjsch-jüdische Intelligenz die „im Banne der deutschen Kultur stand“, vom 'Deutschtum äbzuziehen und sie mit dem Poienfum zu verbinden. Das ist erstens nicht richtig, denn dem' Markgrafen war nur daran gelegen, die Juden mit der christlichen Bevölkerung zu verschmelzen, gleichviel ob letztere polnisch, russisch, oder deutsch1 war.*) Aber davon ganz abgesehen, genügt die Erkenntnis seihst, daß erst vor 55 Jahren die Assimilation in Polen nicht polnisch, sondern d e u ts ch war, was den deutschen Leser aufmunfern kann, fernere historische Studien in dieser Richtung einzuleiten! um' zu erfahren, wie danach die Assimilation ausgesehen hat, umso 'mehr, als die Gleichberechtigung der Juden auf dem Papier geblieben ist. Folglich hat sie zur Po.-onisierung der Juden wenig beizutragen vermocht. Eine völlige Ueberraschung hat uns der Verfasser bereitet, .indem er mitteilt, daß dank dem Zufluß von russischen und kleinrussischen Juden (oder wie er sich ausdrückt „der ösflicheri Invasion“) die Kultur ■ der polnischen Juden zurückgegangen sei, oder gar, daß dank diesen Lifwakis „die aitjü'djsdie Tracht, die seltener geworden war. vielfach wieder zum' Vorschein; 'gekommen wäre.“ So schlecht ist jetzt kein! einziger Deutscher über die Ostjuden unterrichtet Jeder deutsche Soldat, der in Littauen und in Polen weilte, weiß sehr gut, daß der Kaftan keinesfalls als Exportprodukt von Littauen* nach Polen gelten kann. Auch das Märchen, den polnischen Antisemitismus habe die russische Regierung geschaffen. wird kaum in Deutschland Glauben finden. Denn jeder vernünftige Mann würde doch fragen: Sind denn die Polen kleine Kinder jjaß sie. sich „Aufhetzen“ fassen, besonders noch von einem solchen, den sie für den Feind ihres Vaterlandes halten? Ueberdies weiß jeder Deutsche, daß der polnische Antisemitismus auch in Galizien und im Posenschen existiert. - Der Verfasser stellt nicht in Abrede, daß gegenwärtig die Beziehungen ebenfalls nicht so glänzend sind. Er erblickt jedoch nur einen Ausweg in der Assimilation., nicht im Schaffen eines „Imperium in impeno“. Als Beweis, daß auch' die polnischen Juden so denken, weist er aut die bekannte Adresse „der Tora-freueh“ hin. Schade, daß wir von ihm nicht erfahren, was für Bedeutung die Gleichberechtigung hat. die diesen Herren in der Antwort auf ihre Adresse verheißen worden war, denn sobald — wie der Autor betont — die Gleichstellung der Juden in Polen schon . 55 Jahre alt ist, braucht sie doch nicht erst gegeben zu werden. Wir hören auch vom Verfasser folgende Worte: „Mögen die Juden in Polen nie Vergessen, daß einst König Wfadislaus (!) sie vor mehreren (!) fiunaerj, Jahren als sie aus Osteuropa (?!) grausam vertrieben waren, gastlich in seinen Ländern aufnahm.“ Mag schon Sein,daß nicht Boleslaw der Keusche oder Kasimir der Große, sondern gerade Wladjslaw Herrm'ann damit gemeint ist (1080—1102), zu dessen Zeit *) Näheres darüber vgl. meinen Artikel „Zum Jubiläum der Gleichstellung der Juden in Polen“ im „Moment“ oder deutsch in der „Jüdistheri Presse4' Nr. 24.

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