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Jüdische Zeitung · 1917-08-03 · 31 (3.8.1917) · p. Seite 4

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
11 (1917)
Issue
31 (3.8.1917)
Date
1917-08-03
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 JÜDISCHE ZEITUNG "" ' Ir - ■y ln -:i 1* i- H I j ] *' u: t..-: Ii': ‘ .1 '; Ti:!; : :i' I ■ : li: i! ' 1 i!•;1|; in •J;; i 1 ■ i; : U < •M: i*;!; n ji ■M ■ -i ■; *.; .!;; t! I i i Ir ä-i : w |rt> ' jeden Mittwoch Sitzungen abzuhalten, über welche in der „Jüdischen Zeitung“ ein ganz kurzer Bericht zu erscheinen hätte. Die Möglichkeit und Notwendigkeit einer extensiveren und intensiveren Tätigkeit des Zentralkomitees im folgenden Arbeitsjahre wird einer eingehenden Besprechung unterzogen und vom Zentralkomitee einstimmig der Beschluß gefaßt, für West-Oesterreich einen Kriegsbeitrag von mindestens K. 3.— von jedem organisierten Zionisten ejnzuheben, damit die Partei, solange der Kriegszustand 'dauert, nicht auf die Opferwilligkeit einiger weniger und zwar immer der gleichen Gesinnungsgenossen angewiesen sei, um ihre Geschäfte überhaupt fortführen zu können Dem Referenten für Organisation wird die Durchführung eines verläßlichen Katasters ‘unter Zuhilfenahme allen vorliegenden Materials und im Einvernehmen mit den Distriktskomitees übertragen. Ueber die Lage der Organisation in der Provinz und über eventuell diesbezüglich zu Ergreifende Maßnahmen wird der Referent nach seiner im Aufträge des INF. und des Zentralkomitees unternommenen Reise nach Böhmen. Mahren und Schlesien Bericht erstatten. Für Wien werden von nun an von Zeit zu Zeit Sitzungen des Zentralkomitees unter Zuziehung von Vertrauensmännern einberuferi werden, um eine kontinuierliche Information und allfällige Aussprache zu erzielen. Die Frage der Gründung einer Ansiedlungsgesellschaft der psterreichischen Zionisten in Palästina nach dem von J. Oettinger vorgeschlagenen Richtlinien wird dem Arbeitskreise für Palästina zum näheren Studium und seinerzeitiger Berichterstattung zugewiesen. Der amerikanisch-jüdische Kongreß Das „Kopenhagener Büro der zionistischen Organisation“ erhält folgende Kabelmeldung vom 10. Juli 1917-aus New-Yörk: „Der amerikanischjüdische Kongreß ist auf den 18. November 1917 verschoben worden“. Die zionistische Konferenz in Rußland Am 26. u. 27. Mai a. S. fanden weitere Sitzuh|- gen der Konferenz statt. M.S. Aleinikow erstattete den Bericht über die Tätigkeit des Zenralkomitees. Er schilderte die namenlosen Schwierigkeiten der Arbeit. So mußten, da die Einziehung des Schekels verboten war, an dessen Stelle Ansichtskarten verkauft werden und die Sekretäre der Organisation mußten als Agenten des zionistischen Verlags „Wostok“ reisen. Die Leiter des Odessaer „Hechawer“, Fischer, Granowski und Handelmann wurden nach Sibirien verschickt. In Witebsk wurde das. ganze zionistische Komitee eingesperrt. Dr’ Tschlenow, Ussischkin, Rosow und Goldberg wurden ihrer Beteiligung an einer zionistischen Konferenz fn Kopenhagen halber ins Innere Rußlands verschickt. Im Jahre 1913 hatte Rußland 26 000 Schekelzahler, im Kriege die Hälfte, jetzt haben sich an den Wahlen zur Konferenz 140 000 Schekelzahler beteiligt. J. Grünbaum berichtete über die praktische Tätigkeit seit Ausbruch der Revolution. Die Zionisten haben als erste die sofortige Abschaffung der jüdischen Rechtlosigkeit von ‘der’ provisorischen Regierung gefordert. J. Grünbaum hielt auch das Referat über die nationalpolitischen Forderungen in Rußland. Er legte die Geschichte der Entstehung des Helsingforser Programmes dar und begründete die Motive seines gegenwärtigen Erfolgs in 'der jüdischen Oeffenflichkeit. Was wir heuje zu .verlangen haben sei vor allem, daß unsere Organisation vom Staat öffentlich-rechtlich anerkannt und daß die jüdische Nation, und nicht ein bestimmtes territoriales Gebiet, dje Trägerin dieser politischen Rechte werde. Der Kern dieser unserer Selbstverwaltungs-Organisation müsse die Gemeinde sein. Gegenwärtig könne die Gemeinde nicht eine ausschließlich weltliche sein, denn daS nationale Leben im Judentum sei vielfach1 mit dem religiösen verknüpft. Dies sei kein- Zufall, sondern ein Produkt unserer eigenartigen Existenz im1 Galuth. Die .vollständige Säkularisation des Judentums wende erst in Palästina erfolgen können, Wir müßten aber eine alliüdisdie Gemeinde haben, die alle Juden und nicht nur die religiösen unter uns umfaßt. Die Gemeinde, die allein das Recht der Zwangsbesteuerfmg besitzt, müsse daher alle Juden umfassen. Innerhalb der Gemeinde müsse aber eine aus den Synagogenbesuchem bestehende religiöse Organisation entstehen, die über die religiösen Angelegenheiten zu walten hat und die ihr Budget von Hen Einnahmen der Gemeinde ihrer ‘Zahl gemäß erhält. Diese Gemeinden hätten sich zu einem Verband unter dem Reichswaad und den Landeswaadim zusammenzusdhließen. Der Redner spricht dann von der Notwendigkeit des proportionalen Wahlsystems1, von der Forderung, daß die .jüdische Umgangssprache von der Regierung offiziell anerkannt werde — Das Referat über zionistische Taktik von J. D. Bruzkus folgte. Unter den! politischen Parteien hält er die volkssozialistische Partei (die vereinigten Trudowiki Volkssozialisten und Sozialrevolutionäre), deren Programm für die nationalen Minoritäten *mit dem zionistischen übereinstimme, für die Partejj von dei die Zionisten Unterstützung zu gewärtigen hätten. Die Zionisten sollen sich aber keiner politischen nichtjüdischen Partei anschließen. Bei der Reali- =Jüdischer= Nationaikalender für das Jahr 5678 1917 — 191« 3. Jahrgang Herausgegeben von Otto Abeies und Ludwig Bald Bel Vorausbesielhing Preis K 3.80 elniätiieflidi 20 h Porto oder M 2.90 einschließlich 20Pf. Porto Der Nationaikalender erscheint 1 am 1. September -.. Er enthält wieder zahlreiche Beiträge unserer besten Schriftsteller und Reproduktionen von Zeichnungen und Bildern hervorragender Künstler. Auf seine gute Ausstattung ist besonderes Gewicht gelegt : worden, sodaß er sich auch gut zu Geschenkszwecken und Feldpostsendungon verwenden läßt. Zu bestellen nur gegen Nachnahme oder Vorausbezahlung an das österreichische Postsparkassenkonto 152.942: | Verlag Jüdische Zeitung, Wien II/l j Zirkusgasse Nr. 33 { 5 : ____. _ : sierung des 'proportioneilen Wahlrechts hätten die Zionisten das Recht, eine selbständige politische Partei zu bilden, ohne Gefahr zu laufen, dadurch die Zahl der jüdischen Vertreter zu verkleinern Die einzelnen Juden der nichtjüdischen Parteien hätten trotz ihres guten Willens der jüdischen Politik stets mehr geschadet als genützt, — Die Zionisten müssen eine geschlossene politische Partei vor der Konstituante bilden, .die mit anderen als" Gleiche mit Gleichen) in Verbindung tritt. Gegen Bruzkus und Grunbauhr erhob sich eine heftige -Debatte. Doch wurde mit überwiegender Mehrheit beschlossen, daß die zionistische Organisation als s e 1 b s t ä n d j g e Partei mit andern politischen j^arteien Uebereinkommen schließ en kpnne daß der Anschluß eines 'Zion isten an eine ni ch t jü d i s ch e Partei nur mit Genehmigung der zionisti suchen Ortsgruppe erfolgen könne. — Die Forderung Grünbaums über die Ausscheidung der konfessionelleä Angel ege n'h eiten aus der Kompetenz der Gemeinde wurde mit einer .kleinen Mehrheit abgelehnt. Daraufhin erklärte Grünbaum im Namen ton J0 Delegierten, daß dieser Beschluß der Konferenz eine Gefahr für das innere Wesen des Zionismus bilde und daß seine Anhänger sich daher nicht an der Bildung der Exekutive beteiligen1 würden. Aehnljches erklärten die Zeire Zion und weitere 45 Delegierte; die letzteren verzichteten jedoch nicht auf die Teilnahme an der Exekutive. "Es erfolgten hierauf verschiedene Begrüßungen der Konferenz, u. a. durch I de 1 sonn der Grüß der jüdischen Soldaten. Der 29. Mai war der Kulturtag der Konferenz. A. A. Drujanow sprach an Stelle des verhinderten B i a I i k über „Z i on i s - mus und Kultur“. L. J a f f e sprach über die Schule. Die Hebräisierung der Sch ule sei das Ziel der zionistischen Schulpolitik1. Näher als alle fremden Sprachen sei uns das Jidisdhe. In 4en Schulen mit jüdischer Unterrichtssprache müssen jüdische Gegenstände und das Hebräische ausreichend betrieben werden. In der’Nachtsitzung vom 29.. Mai hielt A. M. G o I d s t e i n seinen Vortrag über das Referendum über Palästina. Die Grundgedanken dieser mit wahrem1 Pathos vorgetragenen Rede, die eine große Begeisterung hervorrief, sina folgende: Die Welt is!t des Krieges müde. Die den Frieden ersehnenden Kräfte werden nach Abschluß des Krieges einen dauernden Frieden zu schaffen suchen, weshalb zahlreiche ewige politische Fragen, hauptsächlichauf dem Gebiete der nationalen Unterdrückung, gelöst werden müssen Eine solche ewige Frage, die ebenfalls ejne international-politische Bedeutung hat. wie die polnische oder die armenische, ist auch.' die Judenfrage und der Friedenskongreß wird auch ihr seine Aufmerksamkeit widmen müssen. 'Bei der Lösung der nationalpolitischen Fragen werde die Stimme der interessierten Völker mehr als je gehört werden. Wer vonl dem Kongreß die Lösung der Judenfrage verlangt, muß sjch aui den klaren Willen! des gesamten jüdischen Volkes für diese Lösung berufen können. Das Volk muß selbst befragt werden, ob es die palästinische Lösung seiner Frage wünscht, und. mit seiner Antwort bewaffnet, werden die Zionisten vor dem Areopag der Welt a.uftretert können Was wir vej-langen werden, ist nicht ein autonomes jüdisches (Palästina^ Sdas wir gegenwärtig nicht verlangen können, sondern die Schaffung von solchen Bedingungen, unter' welchen wir in der nächsten Zukunft keine äußern Hemmungen bei der Schaffung eines nationalljüdischen Zentrums i!n Palästina und der Besiedlung des zu Dreiviertel öden Landes zu überwinden haben werden. Der Redner sei überzeugt, daß das Votum des Kongresses die Arbeit der Zionisten bedeutend beschleunigen werd^, Er rechnet aber auch mit der Möglichkeit, daß die Judenfrage nicht zur Behandlung durch den Kongreß gelangt. Wir würden dann 'unsere Arbeit in Palästina auf denselben Wegen fortsetzen, wie •wir sie bis jetzt gefülirf haben, AJ>er auch dann werde das Referendum von geschichtlicher Größe nach' innen und nach, außen bleiben. Wir würden unsere Pflicht getan haben und die Resultate dieser Arbeit würden nicht ausbleiben, wenn sie sidi auch nicht sofort zeigen sollten. An der positiven Antwort des Volkes zweifelt der Redner nicht, wenn nur alle erwachsenen Juden tatsächlich herangezogen werden. Er legt ein Schema vor, wie dieses Referendum in Rußland1 durchzuführen ist. Die zionistische Partei müsse dazu ihren ganzen Organisationsapparat zur Verfügung stellen und die 140000 Schekelzahler müssen die Armee bilden „die jedes jüdische Haus aufsucht und jeden erwachsenen Juden um seine Antwort angeht. Das gleiche wird später auch in den anderen Ländern der Diaspora unternommen werden müssen, damit das Weltgericht die Stimme des gesamten jüdischen. Volkes hört. Der Vorsitzende, M. M. U s s i S ch k i n Stellte sofort den Antrag zur Abstimmung;, er wurde einstimmig mit Begeisterung angenom'men. Die Sitzungen des letzten Tages (30. Maia.S.) waren der Organisätionsfrage üftd der Abstimmung der Resolutionen über alle Fragen der Tagung gewidmet. Erst um 4 Uhr nachts begannen die Wahlen. Um ’6 Uhr früh erklärte Tschlenow den Kongreß geschlossen. Aus der jüdischen Welt Die Autonomie der ungarischem .Juden ein Programmpurfkt der Regierung* Der ungarische Minister a. 'fitere Graf Theodor Batt h a n y i* gab im Rahmen seiner 'Programmrede, die er anläßlich' seiner Wiederwahl als Abgeordneter in Szekszard gehalten hat, sehr wichtige Erklärungen bezüglich der Autonomie der Juden in Ungarn ab. Der Minister erklärte den Führern der Szekszarder israelitischen Kultusgemeinde, daß er „mit Leib und Seele ein Anhänger der gesetzlichen Inkorporierung der Autonomie der jüdischen Konfession sei, wozu "die vaterländische Judenschaft, die auf hohem Kulturniveau steht und zu allen Zeiten begeisterte Emp|- fänglichkeit für die Ideen des Fortschrittes bekundet 'hat, einen berechtigten Anspruch habe. Dje neue Regierung, welche gewillt ist, dem' Gedanken der Rechtsgleichheit und Rechtsverbreiterung zu verwirklichen wird bestrebt sein, auch diese Reform e'hemqglichst durchzufüfiren. Ueberdies erklärte der Minister, daß die Regierung es sich ^ur Aufgabe gestellt hat, die Autonomie der katholischen und der israelitischen Konfession nach dem Grundsätze der vollen Rechts1gleichheit und Parität in die Tat umzusetzen. D>e Juden in Rußland. An das Jüdische Korreaspondenzbureaü im Haag wird unterm 17; Juli aus Stockholm telegraphiert, daß der Kongreß aer Arbeiter und Soldaten für die nationale Autonomie der russischen Völker bis zur Unabhängigkeit eintritt, ihre Durchführung jedoch der Konstituante vorbehält. Die nationalen 'Minderheiten sollen vor Unterdrückung beschützt werden. Das Russische soll Staats- und Rechtssprache sein, aber die Gerichtshöfe müssen Hie Volkssprachen verstehen. Auf Vorschlag des Bundisten. Lieber wurde beschlossen, diese Prinzipien auch auf die Juden anzuwenden. In verschiedenen ‘Städten haben die schwarzen Hundertschaften unter dem Deckmantel radikalster und anarchistischer Schlagworte antisemitische Propaganda entfaltet. In Petrograd haben Manifestanten unter antisemitischen Ausrufen eine Bundistenfahne niedergeholt. Nationale Autonomie für die russischen Juden. Leon Chasanowitsc h telegraphiert ddo. 9. Juli an das Jüdische Korrespondenzbureau im Haag, daß die Delegation des Arbeiter- und Solaatenrates in Stockholm ihm1 in einer Konferenz die Versicherung gegeben habe, daß der Arbeiter- und Soldatenrat zweifellos für die nationale Autonomie der russischen Judenheit eintreten werde. W'nawer über das Verhältnis 'der russischen Juden zur Revolution. Der Petersburger Korrespondent des Temps berichtet seinem Blatte über eine Unterredung, die er mit dem bekannten Kadettenführer Winawer, einem hervorragenden Repräsentanten des russischen Judentums, “hätte. Winawer definiert das Verhalten der russischen Juden zu der revolutionären Bewegung Tolgendermaßen : „Die Revolution hat den Juden 'die vollständige Gleichberechtigung mit ihren übrigen Mitbürgern gegeben, weshalb die Juden selbstverständlich auf der Seite der neuen Regierung stehen. Da sie aber in sozialer Beziehung zur Klasse der Kleinbürger gehören, ist die überwiegende Majorität der russischen Juden Anhänger der konstitutionellen Parteien gemäßigter Richtung. Sie treten' für strengste' Ordnung ein und sind die erklärten Feinde jeglicher Anarchie und sozialer Revolution. Man wirft den Juden1 vor," daß ein Dutzend von ihnen bei den Maximalisten und Leninisten feine hervorragende Rohe

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