Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 11 (1917)
- Issue
- 31 (3.8.1917)
- Date
- 1917-08-03
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 31 JÜDISCHE ZEITUNG Seite 3 1 finden sich vielfach auch solche, die mit Tapferkeitsmedaillen etc. ausgezeichnet sind, ihre Pflicht an den Fronten wiederholt treu und ehrlich erfüllt, sich Leiden zugezogen haben und nach ihrem gegenwärtigen ärztlichen Befunde, sowie nach ihrer Altersklasse Anspruch auf Verwendung in Kanzleien und im Hinterlande besitzen. Una wenn sich vielleicht der Fall ereignet, daß doch ein solcher Unteroffizier Aufnahme und Verwendung findet, so muß dieses „Versehen“ in Bälde „korrigiert“ werden, denn sobald man den Geburtsfehler erkannt hat, wird der im Ministerium verwendete jüdische Unteroffizier sofort abgeschoben. Auch bezüglich der Nichtverwendung jüdischer Unteroffiziere in Kanzleien etc., bestehen Reservatbefehle wegen ihrer Nichtzulassung und Entfernung. 'Es ist beschämend und empörend, daß in der Armee eine solche gesetzwidrige -Rechtsungleichheit herrscht. Ich habe leider heute nicht die Zeit, ich habe aber eine umfangreiche Schrift verfaßt, beruhend auf authentischen Daten und Behelfen, in der nachgewiesen wird, in Welcher (empörenden Weise die arme unglückliche Judenschaft im Felde, bei der Armee gegenwärtig behandelt wird. Die Mannschaft, meine Herren, die Kämpfer, die Söhne des Volkes, leben einträchtig-, friedlich und freundschaftlich an der Front und im Schützengraben. Die Zurücksetzungen, Ungerechtigkeiten, Beschimpfungen etc. kommen von den Kommanden, Kommandanten, Behörden und Offizieren. Wir waren gewohnt, wie Seihe Exzellenz der Herr Landesverteidigungsminister heute pointiert betont hat, in der österreichischen Armee kein einseitiges politisch-nationales od«. parteipolitisches Instrument oder gar durch Vorurteile voreingenommene und angekränkelte Einrichtung zu erblicken. (Zustimmung!) Sie war vielmehr jene Institution, die für uns die Einheit des Reiches bedeutet hat. Sie war auch jene Einrichtung, die die Stütze des Reiches gebildet hat, eine Schöpfung, zu der wir Alle beitrugen und beitragen: Geld und Menschen! Und auch heute, da wir unser blühendes Menschenmaterial hergeben, sollen wir einen Affront erleben? Denken Sie sich einmal, wenn "Irgendein bösartiger Intrigant öder ein wirklicher Spion — meine Herren, ich betone: ich bitte mich nicht mißzuverstehen, unter den Juden gibt es keine Irredenta, keinen Hochverrat, keine^Ausspähung; wenn sich aber jemand anderer fände aus dem feindlichen Ausland und man derartige Dinge im feindlichen Auslande Verbreitete und gegen uns ausschrotet? Wie würden wir da qualip fiziert? Wir Juden sind unentwegt wahre und treue österreichische Patrioten und die Regierung sollte sich freuen, daß eine solche Debatte heute hier abgeführt wurde, ind er alle Völker einmütig und energisch die Verdächtigung und den Vorwurf patriotischer Unzuverlässigkeit mit Entschiedenheit und Entrüstung zurückweisen. Deshalb erhebe ich im Namen der gesamten österreichischen Judenschaft feierlichen und. energischen Protest gegen die wider jüdische Truppen erhobene Verdächtigung der Unzuverlässigkeit oder m;nderen Verläßlichkeit und weise diese Anwürfe empört zurück. Meine Herren! Gerade diese Debatte zeigt uns, in welchem Lager Oesterreich ist, und ich bin berechtigt zu sagen, daß unter jenen Volksstämmen, in deren Lager Oesterreich ist, insbesondere auch die Judenschaft Oesterreichs gehört. (Lebhafter Beifall. — Redner wird vielfach beglückwünscht.) Sübkomitee des Fl&chtlingsausschusses Am. 28. Juli hielt das Subkomitee des FLüchtli'ngsausschusses unter dem Vorsitz Dr. Haibans eine Sitzung ab. Wie der Vorsitzende ausführte, hatte er den Ausschuß für nachmittags einberufen, da das Herrenhaus das vom Abgeordnetenhaus beschlossene Gesetz nicht erledigte, sondern der Regierung die Durchführung einzelner Bestimmungen im Verordnungsweg überließ. In der Debatte, an 3er sich "die Abgeordneten Pittoni. Degasperi, Rauch, Lasocki, Krek, Semakä Fteizes und Kolessa beteiligtere, wurde darauf hingewiesen, daß das Herrenhaus d(e Gesetzesvorlage über die Flüchtlingsfürsorge, die vom Abgeordnetenhaus erledigt worden war, abgelehnt habe, ohne sich eigentlich damit zu beschäftigen nachdem dem Herrenhaus zuvor die Mitteilung seitens der Regierung gemacht worden war, daß sie die Flüchtlingsfürsorge auf admjnitrativem Wege durchzuführen gedenke. Degasperi warf der Regierung Zweideutigkeit vor, da sie, nachdem sie selbst mit dem Flüchtlingskomitee des Abgeordnetenhauses an der Ausarbeitung des Gesetzes mitgearbeitet habe, im Herrenhaus dessen Durchberatung und Erledigimg vereitelt habe. Sektionschef Schreyer wies den Vorwurf der Zweideutigkeit zurück und betonte, daß die Regierung im Ausschuß wiederholt Bedenken gegen einzelne Punkte des Gesetzes geäußert habe. Hofsekretär Montel erklärte, daß man sich mit etwaigen diesbezüglichen Wünschen an ihn wenden möge. Schließlich wurde der Beschluß gefaßt, sich .in einer Resolution an den Präsidenten des Abgeordnetenhauses mit der Bitte zu wenden, beim Herrenhaus auf die nochmalige Erledigung der Gesetzesvorlage zu wirken. Also doch ' Die neuerliche Erledigung der Affäre Banas im Polenklub hat die jüdischen Abgeordneten des Klubs wie es scheint, doch nicht zufrieden; gestellt. Abg. Dr. v, Löwenstein hat sich mit Zustimmung des Poienklubs zu einer Interpellation aufgerafft, in welcher an die Gesamtregierung die Anfrage gestellt wird: ist die Regierung bereit, allen Behörden die Weisung zu erteilen., auch bei den durch den Krieg veranlaßten Amtshandlungen sich einzig und allein von sachlichen Erwägungen leiten -zu lassen, das Hineintragen des konfessionellen Elementes in die Verwaltung streng hintanzuhalten und dafür zu sorgen, daß die ihre Pflichten öpferwillig erfüllende Bürgerschaft jüdischen Glaubens nicht in ihrer bürgerlichen Ehre grundlos gekränkt und die im Kriege mehr als je gebotene Zusam1menfassung aller Kräfte im Staate nicht durch Erregung und Verschärfung konfessioneller Gegensätze beeinträchtigt werde? Aus der Wiener Kultusstube Das goldene jüdische Herz. Unter den Beamten d’er Wiener Kultusgemeinde herrschen im Kriege trostlose wirtschaftliche Verhältnisse. Die Majorität des Vorstandes hat sich nur schwer dazu herbeigelassen, den traurigen Umständen Rechnung zu tragen und die im. allgemeinen sehr kärgliche Besoldung um ein geringes zu erhöhen. Was bis nun bewilligt wurde, ist einfach lächerlich. Die Zulagen bewegten sich zwischen 6 und 10 Prozent der Bezüge. Der Protest, welchen unser Vertreter im Vorsjahde. Ingenieur Robert Stricker - wieholt gegen diese Art der Behandlung der Beamtenschaft erhoben hat, blieb erfolglos. Die Sitzung des Vorstandes am 26. Juli d. J. erbrachte neuerlich den Beweis, wie engherzig die Majorität des Vorstandes ist. Es lag ein ganz unzureichender Antrag des Vertreterkollegiums betreffend die neuerliche Erhöhung der Bezüge der Beamtenschaft vor. Gg. Ing. Stricker stellte den Gegenantrag, den Angestellten mindestens eine solche Zulage zu gewähren, wie sie der Staat seinen Beamten zukommen läßt. Er wies darauf hin, daß auch im Falle der Annahme seines Antrages die Gleichstellung mit der Staatsbeamtenschaft nicht durchgeführt erscheine, da ja der Staat seinen Angestellten Erleichterungen verschiedenster Art gewähre, wie: einmalige außerordentliche Unterstützungen, Freikarten, Nachlaß der Steuer, Konsumvereine etc. etc., während die reiche Wiener Kultusgemeinde in dieser Hinsicht nie etwas getan hat. Bei der Abstimmung entfielen auf den Antrag Stricker 6 Stimmen gegen 5 Stimmen, Trotzdem-wurdeder Antrag;Stricker für verworfen und der Antrag des Vertreterkollegiums für angenommen erklärt! Dies kam so: Zur Sitzung waren trotz der überaus wichtigen Tagesordnung nur 12 Herren, der Vorsitzende mitinbegriffen, erschienen. Die Herren vom Vertreterkollegium erklärten daher, daß die Sitzung nicht als Plenarsitzung, sondern lediglich als erweiterte Vertretersitzung zu gelten habe. Im Vertreterkollegium hatte aber der Vorsitzende das Recht mitzustimmen"und überdies bei Stimmengleichheit zu entscheiden. Gesagt, getan. Der Vorsitzende, Hofrat Rappaport, gab also zweimal seine Stimme ab und auf diese Weise wurde der Antrag Stricker, welcher 700 Beamten, die Familienmitglieder mitgerechnet zirka 3000 jüdischen Seelen eine geringe Erleichterung in dem so furchtbaren Kampf gegen den Hunger bringen sollte, abgetan. Mit solchen Spitzfindigkeiten arbeitet das goldene jüdische Herz! Am Tage nach der Sitzung sprachen Vertreter der Beamtenschaft im Namen aller Kollegen und Kolleginnen dem Gg. Ing. Stricker für seine unentwegte Arbeit im Interesse der Angestellten der Kultusgemeinde den Dank aus. Vom Tage Die Frage der Repatriierung der Flüchtlinge wird früher oder später akut werden. Unsere ruhmreichen Truppen gewinnen im Osten heimatlichen Boden wieder unid es heißt rechtzeitig Vorkehrungen in Angriff zu nehmen, um die vom Kriege hart betroffenen Flüchtlinge, wenn sie nachhause zurückkehren, nicht neuem Elend preiszugeben. Insbesondere sei die Justizverwaltung darauf aufmerksam gemacht, daß der Mietschutz. wie er'bjs jetzt den armen'Kriegsopfern gewährt worden ist, ein sehr mangelhafter war- Die heimkehrenden Flüchtlinge brauchen ihre Geschäftsläden und auch den intellektuellen Berufen, die besonderen Chikanen ausgesetzt sind, muß dieBerufsstätte gewahrt bleiben. Klipp und klar soll eine gesetzliche Bestimmung aussprechen, daß in vom Feinde besetzt. gewesenen Kriegsgebiet auch eine Auflösung des Mietsvertrages wegen rückständiger Mietzinsraten aus der Zeit der feindlichen Besetzung und knapp nachher nicht erfolgen könne. Es sei bemerkt, daß das bisherige Auskunftsmittel, für die „Aufbewahrung“ der Sachen im Mietobjekte ungefähr ein Drittel an Mietzins dem Hausherrn entrichten zu müssen, einen sehr problematischen Erfolg aufzuweisen hatte. Die Heimkehrenden, deren Mobiliar vernichtet wurde, besaßen keines mehr. Die, denen es noch'erhalten blieb, mußten bs veräußern lassen, weil trotz Stundungen und trotz der Beschränkung der Zahlung auf" ein Drittel, die angehäuften Summen unerschwinglich blieben, lind dies nennt man 3ann wirtschaftlichen Wiederaufbau! Forderung tüchtiger Kräfte im Justiz dienste• Der Leiter des Justizministeriums, H.v.Schau eir, hat einen Erlaß an die Justizbehörden gerichtet, in dem er freie Bahn für alle Tüchtigen fordert. Das schönste jüdische Geschen&bncfi; Des Jizchok Leib Perez Chaffidische Gefchiehten (Erste deutsche Gesamtausgabe) Aus dem jüdischen von Alexander Eliasberg. — Broschiert K 6.—, kart. K 7.20, schön gebunden K 8.— Das schönste, tiefste an diesem Buch ist das Schwärmerische, das Chassidisehe der Gestalten, die stets sich verjüngende Lebendigkeit ekstatischer Religiosität, die das erstarrte Wort toter Gelehrsamkeit tief unter sich weist, die himmelöffnende Leidenschaft des religiösen Elebnisses, die zur Tat drängt und schon einmal der Menschheit eine Wiedergeburt im Heiligen Geist gebracht haL Oskar Baum im „Literarischen Echo“ Heft 21 Zu beziehen durch alle Buchhandlungen oder direkt von: R. LOWIT VERLAG, Wien I, Wollzeile 6 Begabung. Selbständigkeit sollen entscheiden. Kraft- und charaktervolle Elemente seien heranzuziehen und festzuhalten! Keine Rücksichtnahme auf Dienstalter solle erfolgen! Dies alles ist wunderschön. Es wird aber nicht gesagt, ob auch auf Nation und Konfession beim Avancement keine Rücksicht zu nehmen \v‘äre, wenn der Petent tüchtig ist. Man muß deshalb die Wirkung des Erlasses nach dieser Richtung abwariere. Denn Herr Schauer war Hochenburgers rechte Hand und der Erlaß betreffend die Aussperunrg der östlichen Advokaten war angeblich auch sein Werk. Die Freude wegen Tarnopol und StarPslau scheint in der Redaktion der „Grazer Tagespost“ keine große gewesen zu sein. „Wozu das Beflaggen?“ So fragt dieses ehrsame und patriotische deutsche Blatt. „Warum, weshalb? Weil Tarnopol und Stanislau zurückgewonnen wurden. Gewiß ein schöner Erfolg unserer Brüder in Waffen, und jeder freut sich, wenn es wieder um einenRuck demEnde näher geht. Aber wäre im Sinne militärischer 'Erfolge eine öffentliche Freudenbezeugung nicht ebenso am Platze gewesen, als wir die zehnte Jsonzoschlacht gewannen und Triest der Monarchie erhalten blieb, Triest, das uns doch etwas näher liegt als Tarnopol und Stanislau?...“ Man muß dem „Abend“, der diese Notiz nachdruckt, dank wissen. Sie kann nicht genug verbreitet werden. Eine Freude, nicht über die ..'Zurückeroberung österreichischen Gebietes, und die nur 'deshalb empfunden wird, weil es „um einen Ruck dem Ende näher geht“ und die Rüge, die durchschimmern läßt, daß Tarnopol und Stanislau dem Herzen der Macher der „Tagespost“ nicht so nahe stehen verdienten "bekannt zu werden Man muß sich ‘ dies merken! Ist dies österreichisch? Eine Freude empfindet jeder Patriot, wenn österreichisches Gebiet wiedergewonnen wird, gleichgültig, ob es entfernter oder näher liegt. Doch man merkt die Absicht dieser Herren, aber man wird nicht mehr verstimmt. Mögen sie bellen, die Karawane zieht weiter. Zionistisches Zentralkomitee für West-Österreich Unter Vorsitz seines Vize-Präsidenten, k. k. Reichratsrevisor Rudolf T a u s s i g, versammelte sich das Zentralkomitee am 25. Juli d. J. zu seiner normalen Sitzung. Der Vorsitzende begrüßte die an Stelle der durch militärische Dienstleistung an der Ausübung ihrer Funktionen verhinderten Mitglieder zugewählten neuen Mitglieder Ing. Feodor Ackermann, Adolf Böhm, Dr. Siegfried B e r n f e 1 d und Dr. Wilhelm Stern und eröffnete die Debatte über eine straffere Zusammenfassung der österreichischen Partei im Hinblick auf dje Möglichkeit des allmähligen Abbaues des durch die kriegerischen Ereignisse in einige Unordnung geratenen Zustandes der Organisation. Die von Adolf Böhm vorgeschlagene Aufteilung der Arbejten auf einen möglichst großen Kreis der Zentralkomitee-Mitglieder durch Schaffung einiger selbständiger Referate wird angenommen" und in der Weise durchgeführt, daß Dr. Siegfried B e r n f e 1 d das Referat über Jugenderziehung, Adolf Böhm das über Palästinaarbet-’ ten. Dr. Wilhelm ,S t e i n das Organisationsreferat und Ob.-Ing. Robert Stricker das für politische Angelegenheiten übernehmen. Den Leitern der Referate wird innerhalb ihres Tätigkeitstgebietes eine gewisse Selbständigkeit zuerkannt; doch haben sie immer nur 'im Einvernehmen mit dem Zentralkomitee und unter dauernder Verantwortlichkeit diesem gegenüber die ihnen zugewiesenen Agenden zu efledigen. Es bleibt jedem Referenten unbenommen^sich durch Heranziehung arbeitswilliger Gesinnungsgenossen und insbesondere je eines Sekretärs einen 'bestimmten Arbeitskreis zu schaffen. Das Zentralkomitee beschließt., fortab während der Sommermonate jeden zweiten Mittwoch, später wieder wöchentlich t ,;S