Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 11 (1917)
- Issue
- 28 (13.7.1917)
- Date
- 1917-07-13
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 3 tir.2S * Jia^SCBE mTUMI getragen haben, hat man uns überall wie Hunde f'ejagt und uns nicht arbeiten lassen, und dann af man gesagt: Das sind Müßiggänger, die .wollen nicht arbeiten, sie fallen der Bevölkerung zur Last. — . Der Przemysler Sozialist Dr. Lieb er mann wußte zu vermelden, daß polni sebes Blut un Kriege reichlich geflossen sei. Vom jüdisch eh schwieg er. Der Vertreter 3es Lemßerger Judenviertels, Dr. Di am and trat für das Frauen- -walilrecht ein; wir bezweifeln, daß seinen Lenrberger Wäldern die Rechte der Frauen stärker am Herzen liegen, als ihre eigene Rechtlosigkeit. ■ 1 Folgendes Dankschreiben an die Abgeordneten Dr. Strauchcr und Reize s geht uns zu, das wir gerne veröffentlichen: Pohrlifz, am 2a. Juni 1917. Sehr geehrte Redaktion! •Tief gerührt haben wir die Parlamenfsreden der Herren Abgeordneten Dr. Strauchcr und Reizes gelesen. Es sind getreue Bilder unserer Lage, getreue Bilder des Flüchtlingsclends. Es ist uns ein Trost, daß doch zwei Stimmen ertönten, von denen die Welt erfahren kann, was uns schmerzt. „ , " Wir drücken ihnen den innigsten Dank aus für die warme Annahme im Interesse der Judensdiaft und besonders im Interesse 3er Flüchtlinge. Die jüdischen Flüchtlinge werden nicht vergessen, wer sich ihrer in der. Not angenommen hat. Sie werden derer gedenken, die als wahre Volksvertreter ihnen zu helfen bestrebt waren. Wir bitten Sie, diese Danksagung gütigst in Ihrem geschätzten Blatte zu veröffentlichen. Mit vorzüglicher Hochachtung jüdische Flüclitlingslcsehalle Pohrlifz Dawid Fidefer, Berl Roth, Markus Knoll, AbrahamBtupp. Der Zionistische Kongreß in Rußland 11 Nach' Tschlenow sprach Ussiscjikin über PaläsGna. Wir lassen den Vortrag gekürzt folgen: ,, . . . Der Weltkrieg hat die Palästinafrage zur Frage der nächsten Zukunft gemacht. Wer in nächster Zukunft Herr der Lage _wer'deu wird, der wird auch Herr des Landes sein. Daher muß die Palästinafrage jetzt in den Vordergrund gestellt werden. Wir aber erleben dabei eine große Tragödie. Unsere Avantgarde in Palästina kämpft um ihre Existenz, und wie alle müssen neutral bleiben, da wir nur Judenlieiten bestimmter Länder darstellen. Diese Tragödie Wird nur dann aus der Welf geschafft werden, wenn wir ein einheitliches jüdisches Volk, das von einem Ideal beseelt ist, werden. Bis jetzt .galt das Streben, die russischen Juden zu befreien, für die einzige alljüdische Losung. Was wird jetzt, nachdem die russische Revolution den Juden die Freiheit gewahrt Hat, anstelle dieses Ideals treten? Die Vergangenheit allein reicht nicht aus, das Volk muß noch eine Zukunft erstreben, muß sich selbst bestimmen. In allen seinen Gebeten gedenkt das jüdische Volk Palästinas. Jetzt ist es Zeit, eine kategorische Antwort zu geben. Ist das Volle gewillt, dieses Ideal aufzügeben oder es zu verwirklichen? Von yieseitf Gesichtspunkt aus erscheint die Idee eines ialljüdischen Referendums über Palästina aTs eine dringende Forderung 3es Tages. Ich glaube fest, daß die Mehrheit unseres 15 Millionenvolkes unzweideutig seinen Willen für die Realisierung des alten jüdischen Palästina-Traumes zum Ausdruck bringen wird. In Rußland haben wir von dem außerordentlichen jüdischen Kongreß eine unzweideutige Antwort wegen Palästina zu verfangen. Falls diese Antwort eine positive sein wird, muß dieser Kongreß, ebenso .wie die jüdischen Kongresse in anderen Ländern, an die Regierung mit den entsprechenden Forderungen herantreten Auf dem Friedenskongreß müssen die Vertreter des jüdischen Volkes zusammen mit den Vertretern aller anderen Völker auftreten. Wir werden dann die Möglichkeit haben, unseren Willen vor dem Friedenskongreß zu begründen. Der beste Beweis für unsere Forderung \tfird dieser ausgesprochene Wille des Volkes sein, zusammen mit den Resultaten, die wir bis jetzt in Palästina erreicht haben.“ Der Redner gibt dann eine eingehende Ueberisicht aller bis jetzt in Palästina geschaffenen 'Positionen und spricht ausführlich über die bevorstehenden Aufgaben der wirtschaftlichen Erschliessung Palästinas. Es muß ein großes jüdisches interterritoriales Finanzsyndikät errichtet werden. Eine bedeutende Rolle hat auch das philantropische Kapital zu erfüllen, und in diesem "Zusammenhang unser Nationalfonds. Das Hauptgewicht muß aber auf die Organisation des ■Privatkapitals und der jüdischen Arbeitskräfte gelegt werden. Das jüdische Land kann nur mit jüdischen Menschen durch jüdische Arbeit besiedelt werden. Diese ganze Arbeit muß in großzügiger Form ausgeführt werden, damit wir den großen bevorstehenden Aufgaben uns gewachsen zeigen Zur Inneren Erstarkung des ■Judentums Palästinas muß sofort für den Ausbau des Shculwerks gesorgt und die ersten Schrit- Bie HerzI^Gedenkfeier findet Samstag, den 14. & M. um \ 8 abends im großen Saale des Hotels „BayriJther Hof", II, Taborltraße 39 fiatt. Herr Dr. ABELES wird die Gedenkrede in deutÄber, Herr LÖBEL TAUBES In jidilches * Sprache halten —* te zur Bildung einer hebräischen Universität müssen getan werden Wir müssen, schloß der Redner, die jüdischen Kräfte zur friedlichen Erschließung unseres Landes organisieren. Nach der mit stürmischen Beifall mitgenommenen Rede Ussischkins verlas der Sekretär des Präsidiums, Dr. Juno witsch, die Begrüßung des Engeren Aktionskomitees gezeichnet von War bürg, Bcgrüssungsdepeschen und Adressen vom Nationalfonds, von der Englischen Zionistischen Föderation, von einer Reihe jüdischer Gemeinden, KuKurgeselfschaften, Arbeitervereinen, zionistischer Komitees, Tloldaiengruppeft etc, wie auch Begrüßungsreden vom "Rabbiner Dr. Eisenstadt, Rechtsanwalt Sliosberg, S. M. Dubnow, J. J. Markon, und anderen mehr. Die Debatte. Tn der zweiten Sitzung, die am 3. Juni, um t2 Uhr begann, gedachte Herr Ussischkin der Verluste, die das jüdische Volk und die Zionistische Organisation Im Verlauf der letzten Jahre erlitten hat. Er gedachte des Gründers und Vorsitzenden des „Misrachi“, Rabbiner Reines, des Dichters Frug, des Gelehrten Dr. Katzeneison, der Dichter J. L. Perez undSchoIem AleJchem, des Gründers'der jüdischen Tagespresse Kantor,-der alten Zionsführer Jassinows&l, Dr. Lippe, der Frau des unvergeßlichen Hermann Schapfta, des Dr. Moskowitz aus Rcchoboth, Dr. Schlechter aus Newyork, Rosenbprg aus Moskau und all» der anderen Freunde, deren 'Namen unbekannt blieben. Die Debatte über den Palästina-Vortrag von Ussischkin eröffnete der Führer der demokratischen Fraktion „Zeire Zion“, die auf der Konferenz durch 96 Delegierte vertreten war, E. Muntschik. Als Hauptforderung dieser Gruppe stellte er die Wahrungdes Qrun'üsafzes 'derjüdischen ArbeitTn PaTäsfina auf. Die Frage der jüdischen Arbeit, erklärte der Redner, ist keine Klassenfrage, sondern eine nationale Frage. Dje einzelnen Gruppen müssen ihre Interessen den Interessen des Volkes unterordnen. Die Mitte: für die Palästinaarbeit müssen nicht von der Philanthropie, sondern vom Nationaleigenhim geschaffen werden. Palästina ist für die vom Redner vertretene Gruppe kein Kulturzentrum, sondern ein Sozialpolitisches. Die Gefahren, die die bisherige Tätigkeit in Palästina mit sich brachten, müssen'beseitigt werden. Wir müssen uns mit den Arabern auf Grundlage der gegenseitigen. Hilfe verständigen. Die Erstarkung unserer Position in PaläsGna muß ‘durch die Landwirtschaft vor sich gehen. Nur die Gefilde Galiläas und Judäas sind es, in denen das jüdische Volk gesunden drird. Wir verlangen, daß das jüdische Kapital in Palästina die jüdische Arbeit nicht verdrängt, Zoddern entwickelt. Jedes neue üuternefimen in PaläsGna muß so geschaffen werden, vüfe es die Interessen der jüdischen Arbeit verlangen, oder es 'darf gar nicht geschaffen werden. Jede Spekulaüon ist zu verwerfen. Wir wollen das Volkskapital stärken und die Reinheit der Idee des Nationalfonds bewahren. Jedem, 3er sein Kapital in Palästina anfegen will, erklären wir: Entweder Ihr machf Euer Kapital zum Eigentum des Volkes, wie es Baron Hirsch' seinerzeit gemacht hat, oder wir betrachten Euch als Ausbeuter, mit denen wir zu kämpfen haben .Jede Schnorrenvirtschaft muß bekämpft werden. Palästina ist das Zentrum für das ganze Diaspora-Judentum, und daher müssen die Gemeinden einen aktiven Anteil an der Arbeit in Palästina nehmen. Wir, — schloß der Redner, —"befrackten uns als die Avantgarde der Zionistischen Organisation in der Diaspora. Wir wollen im engen Zusammenhang mit den professionellen Vereinen und Emigrationsgesellschaften arbeiten, um die jüdische EmigraEon nach PaläsGna zu lenken. Die ganze nationale Jugend muß vom "Bewußtsein der Notwendigkeit unserer Verjüngungsarbeit in Palästina durchdrungen werden. (Beifall.) Inf Namen der oppositionell gestimmten, sogenannten ^Aktivisten“ sprach AI. Grossmaiiß, Er protestierte dagegen, daß das Präsidium auf der Eröffnungssitzung der Toten der Legion nicht gedacht hatte. Er verlas die Liste der Gefallenen und schlug der Konferenz vor, einen Gruß an Jabot in sky zu senden. Es genügt nicht, meinte der Redner, eine Talästinafortferung auftusiellen. Diese Forderung miJB auch entsprechend verteidigt werden. Nur reale, *^tive Schritte können die Welt zwingen, unseren Wünschen Rechnung zu tragen. Sch echt mann warnte davor, dem Zionismus den Charakter einer Katastrophentheone zu geben, wie dies in der Rede Ussischkins geschehen sei. Er protestierte auch gegen die neutrale Passivität der Organisation und verlangt eine bestimmte Orientierung. Ihm antwortete J. A. Rosoff, der ausführlich zeigte, daß eine bestimmte Orientierung des Judentums in diesem Kriege eine Sache der Unmöglichkeit sei. Die Debatte wurde in der dritten Sitzung ' J» Brutzkus entwickelte die politische Begründung des Zionismus und die Interessen der Weltmächte an der Lösung den Judenfrage. Wer auch der Herr des Landes werden mag, alle haben Interesse daran, daß Palästina. besiedelt, und zwar von den Juden besiedelt wird, die das einzige Element für die wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung des Landes darstellcn. Gegen die Erklärung von Großmann sprach im Namen der „Zeire Zion“ Idelsohn: „Nicht durch Blut werden wir unser Laad erobern* sondern dyreh Schweiß, Bei aller Achtung für die gefallenen Legionäre lehnen wir die Idee der Legion schroff ab. Wir sind auch Aktivisten; wir sind aber überzeugt, daß sich der Aktivism'lis nicht in einer Legion, sondern in einer ununterbrochenen Arbeit aut den Feldern! Palästinas zu äußern hat.“ Die Anschauungen der neugegrniidetcn Gruppe zur wirtschaftlichen Erschließung Palästinas vertritt Levontin, Imt Zentrum unserer Arbeiten muß die Landwirtschaft stehen, die hauptsächlich genossenschaftlicher Art sein muß Die Zionisüsche Organisation hat füc die Bildung dieser Genossenschaften zu sorgen. Das Zentralkomitee muß eine spezielle Kommission zwecks Aufstellung eines Planes für die wirtschaftliche Erschließung Palästinas elnsetzen. Gegen die Alternative von Ussisclikin: jetzt oder niemals! spricht Lurie: Es gibt, sagt dec Redner, für uns nur eine Orienüerung: die national-jüdische. Die Aufliebung des jüdischen Nationalbewußtseins und die Schäftung einer Alehrheit in Palästina sind immer jüdisdie Aufgaben,- die von den äußeren politischen Umwälzungen unabhängig sind. Die Legionsidee ist poliüscher Impressionismus, aber kein wirklicher Ausdruck des Volkswillens. Die Mobilmachung des Privatkapitals ist kein Weg des positiven Schaffens1. Die gesunde Idee des Volksautbaues findet ihren Ausdruck ausschließlich im Nationälfond Für die Legionsidee sprach Fischer, dagegen das Mitglied des Zentralkomitees Goldstein. Fischer sieht In der Legionsidee keine neue Form des Zionismus, sondern seine TJrgcstalt, die sich nur den gegenwärtigen Umständen anzupassen verstehe. Die von den Sozialisten-Revolutionären überifbrnmcne Losung, „Land und Freiheit“ muß durch die zweite Losung derselben Richtung ergänzt werden: „Im Kampf wirst du dein Recht erwerben.“ Goldstein antwortete: „Es gehört nicht Heldentum dazu, in die Legion cinzutreten, sondern die Legionsidee zu bekämpfen. 'Es sind Momente da, in denen der Verzicht auf Kampf schwieriger ist 'als der sinnlose Kampf. Legionismus Ist jener MaximalismuS,- der mit der Logik und mit den realen Kraftverhälfnissen nicht rechnen will. In dem gegenwärtigen Kampf der Titanen wirkt unsere macht wie ein Sandstäubchen. Wir stützen uns in unserem Kampf nicht aut eine bewaffnete Macht, sondern auf 'den Willen des Volkes und sind überzeugt, daß die Demökraüe nicht mit der Masse des vergo'säenen 'Blutes, sondern mit ‘den wahren Bedürfnissen des jüdischen Volkes rechnen wird. Solange es im Zionismus Sine Leitung gibt, dürfen keine einzelnen zionistischen Aktionen vorgenommen werden Mehr als je muß jetzt die Zionistische Organisation als geschlossene iMacht auftreten. Der Legionismus wird die Spaltung in unsere Reihen bringen. Auf dem Friedenskongfgß soll die mächüge Stimme der einheitliche« zionistischen Weltorganisation ertönen.“ (Lang anhaltender Beifall.) Im Namen der rä'dikal-sozfalisti - sehen Fraktion Poale Zion, die sich gegenwärtig von der Mehrheit der Poale Zion ab’- getrennt hat, und an der zionistischen Konferenz teilnahm, sprach Grünfeld, Der Zionismus und der Sozialismus sind für die vom Redner vertretene Richtung 'keine Gegensätze, die erst in Einklang gebracht werden müssen,- sondern beide entspringen den Interessen üiid dem Willen des jüdischen Proletariats. In der zionistischen Tätigkeit geht die Fraktion von den Interessen des Arbeiterstandes aus. Daher wird sie dafür sorgen, daß die zionistische Tätigkeit In Palästina das Volkseigentum pflegt. Die Politik der Legionäre ist verwerflich: denn nicht Blut, sondern Arbeit wird das Land erobern. Als Vertreter des JWisrachi“ trat Rabbiner Epstein auf. Der Referent, meint dec Redner, hat die zionistische Idee falsch vertreten. Der zweitausend Jahre alte Glaube an die Erlösung kann nicht von einer poetische« Kombination aufgehoben werden. Wir haben Uns nicht auf die Versprechungen der Diplomaten zu verlassen. Unsere Stütze ist Gottes Hilfe und des Volkes Wille. (Beifall.) Minnungsgenofieni Abonniert die ÜfiOifAe Zeitung!