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Jüdische Zeitung · 1917-07-29 · 26 (29.7.1917) · p. Seite 3

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
11 (1917)
Issue
26 (29.7.1917)
Date
1917-07-29
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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HI. JDUl&UHti; ZÜIJUMT Seiten kommenschaft gesunder, kräftiger, natürlicher werden lassen, ats es die Stadtluft ermöglicht. -Drittens wird man nicht zu leugnen versuchen, daß die Erziehung der Jugend, in der ländliehen Weltmehr dazu angetan ist, sie für palästinensische Aufgaben empfänglich' zu machen, als der beste Anschauungsunterricht in Schulkasernen und Sonntagsausflüge in die Natur. Ferner sind Kindergarten, hebräische Schule, gartem 1-und landwirtschaftlicher Unterricht für. die heramtfachsende- Jugend -bei einer geschlossenen Siedlung von 'Zionisten (her zu ermöglichen als bei einer räumlichen Verteilung . über die ausgedehnte Fläche der Großstadt. Und'sdhließiidi, wenn man: äbsieht von dem Versamralungshaus mit seinen geselligen ünd kulturellen Einrichtungen^ die zu nennen Sich erübrigt, von'der Anlegung von Spiel- und Sportplätzen für . die doch aus der Stadt nicht zu entfernenden Turnvereine- und ähnliche Gesellschaften in der Nachbarschaft einer solchen Siedlung, darf man nicht die1 Erwartung aiKsprechen, daß derartige soziale Jpebilde, geschaffen von Zionisten ernster Gesjg^ng etwas Neues, Produktives für' den soziaren Fortschritt erzeugen könnten? Wir wissen, daß gegen den. Vorschlag Einwände gemacht.werden dürften. Soweit sie te Chnisthe r Natur sind, genügt ein Hinweis; wie die Vertreter der Gartenstadtidee, oh sie nun durch . vegetarische, populationistische oder an,-, dere Ideale . geeint sind, alle ’ Schwierigkeiten finanzieller, baulicher, verkehrsgeograiphischer oder anderer Art überwunden haben; boweit sie politischen und jüdischen- Charakter annehmen,, ob liegt uns nur die Anmerkung, daß, es sich hiebei um die Bildung freier ''Gemeinschaften handern würde, die kein Zwang zusammengeführt hat. ' . Bei der Diskussion über die Schaffung von jüdischen Volksbäusem unterliefen den Initiatoren logische Fehler. Man will manchmal mit einem Schlage mehrere.Probleme lösen, Indem man Settlement, jüdisches Vereinshaus, und Erziehungsstätte für die Kinder vereinigt sehen möchte. Demgegenüber sei betont, daß der Sinn jedes einzelnen dieser Ziele. verschiedene „Standorte" voraussetzt. „Das Jüdische Volksheim“ gehört dorthin, wo sich’ die Masse zusammenballt und wird sich in Quartieren finden, wo Not, Schmutz und Unhygiene beieinander wohnen; das zionistische Vereinshäus wird’ in ein annehmlicheres, leicht von allen Seiten erreichbares Viertel verlegt werden, wohin 'dgr Proletarier'ebenso gern pilgert "wie der Bürger, der die Stätten ästhetischen Ekels scheut (darauf müssen, wir Rücksicht nehmen, da wir keine Moralisten sind, sondern Völkserzieher sein wollen und. der Zionismus eine alle umfassende Volks- und keine Klassenbewegung zu sein hat; die zionistische Garteristadtkolooie, vor allem dienstbar der . Aufzucht unseres eigenen Nachwuchses für nationale Zwecke mit den oben skfzzeerfeh Zielen gehört in den Kreisring, der'nur an die Peripherie der Stadt grenzt. Norbert Weldler. Die jüdischen Gemeinden Österreichs ■ Von Max Rosenfeld.* *) -f , ' (Schluß.) III. Reformbestrebungen. Die jüdischen Gemeinden führen, wie erwähnt,' .ein isoliertes Einzeldasein. Darauf weist auch der Wiener Kirchenrechtsleherer und gegenwäitige Minister für Kultus und Unterricht Dr. Hussarek hin*). Er sägt: ’) Leider, konnte wegen Raummangel der Schluß dieses Aufsatzes erst heute erscheinen. . „Eine Verfassung der israelitischen Religicnsgeseilschaft als solcher existiert nicht Sie. besitztkeine gemeinsamen Organe. Nicht einmal die für die Religionsgesellschaften staatlich allgemein zulässige Vereidigung mehrerer Kultusgemeinden zu einem übergeordneten Verbände. . findet. sich, abgesehen von der- Institution des mährischen Landesrabbinates, bei ihr: Die-israelitische Religionsgesellschaft ist juristisch: lediglich die Summe der israelitischen Kultusgemeinden.“ Die Ummpdehing der ,„israelitischen Kultusgemeinden* ht wirkliche' jfaiscTC5 «Gemeinden Ist seit vielen Jahren eine der wichtigsten Forderungen, des'. zionistischen Gegenwartsprogranims. Schon 1003 habendie österreichischen Zioni- - sten ein detailliertes, demokratisches Kahalprbgramrn aufgestellt (Referent Dr. E. M. Zweig), ein Jahr später hat der verstorbene Abgeordnete Dr. G ab e I im Lemberger Almanach ausführlich über das zu erstrebende Kahalprbgram'itf referiert und 1908 Folgten die . österreichischen Po ä t e Zion gleichfalls mit einem 'detaillierten Programm,, das wesentliche Punkte vom Wiener Programm herSbergenommen und einige" prinzipielle Forderungen neu eingestellt hat Dieses Programm Bedeutet den ersten Veräich, die Reform -der jüdischen Gemeinden mit der einzuführenden nationalen Autonomie zu verhindern tWir lassen hier die wesentlichen Punkje - folgen: _ „Die bestehenden „israehfjslchen Gemeinden“ müssen aus sich heraus eine Revision der Gemeindeordnung anstreben im Siiine einer größeren Selbständigkeit gegenüber den' Staatsbehörden. Sie müssen, des1 religiösen Charakters entkleidet, in nationale - Körperschaften verwandelt werden. Als konkrete Forderungen werden aufgestellt : I. Allgemeines, direktes, geheimes Wahlrecht unter Ausschluß der geringsten an Stand, . Besitz, Geschlecht oder Steuer gebundenen .Sonderrechte; Beseitigung, des Betätigungs¬ und Vorrechtes der administrativen Behörden. . — 1L Deckung des Gemeindehaushaltes: durch direkte, progressive EinkommenunH Erbschaftssteuer. Sämtliche Anstalten und Vereinigungen zci gemeinnützigen Zwecken sollen der Gemeinde unterstehen. HI. Umgestaltung der Wohlfahrtsinstitutionen . der jüdischen Gemeinden, im' sozialen Geiste, . irrt Sinne moderner Sozialpolitik und neue-’ ster Verwaltuhgsjjrinzipien. IV. Die zweckdienliche' Verwendung, der Gemeindeeinkünfte : 1. Zur Förderung der Volksbildung: a) durch Errichtung von 'jüdischen Volksschulen mit unentgeltlichem Unterricht und Unentgeltlichkeit aller Lehrmittel; b) Anlage vonllib- Kotheken, Lese- und Tovnbeehallen; c) Gründung und 'För'deruug'ltkfisther Theater, För-: derung von statistischen Erhebungen. 2. Zur Förderung der Volksgesundheit durch: a) gewissenhafte Wohnungskontrolle; h) Anstellung von Gemeinde- und Schulärzten; c) Kranken- und Wöchnerinnenpflege, Verabreichung billiger Milch für Säuglinge; d) Ferienkolonien für Schwache und Kranke; ej Ausspeisung armer Schulkinder. ' 3. Unentgeltlichkeit der, Leichenbestattung, Abschaffung der Beerdigungsklassen. 4. Aut dem Gebiete der Soziafpolifik: a) Errichtung von; Fach- und Gewerbeschulen, zwecks Ausbildung eines qualifizierten Arbeiterstandes; b) Förderung von jüdischen genossenschaftlichen tind gewerkschaftlichen Organisationen; c) Einführung -von unentgeltlichen Burgaus für Stellenvermittlung und Auskunftsgebung in-: bürgerlichen Rechtsfragen; d) Errichtung von EmlgrationS'ämtem nach Maßgabedes Bedürfnisses; e) Grün- *) Staatskirchenrecht Leipzig. 1899, S. 33. düng von Gemeindekreditkassen, die zugleich Versicherungskassen bilden können; f) Einsetzung von Ortarmenräten, denen auch die Waisenpflege zu übertragen ist; g) Versicherung. und Pensionierung der Gemeindeangestellten." Der 'zweite Teil, "der von dem Zusammenschluß der Gemeinden;und den 'Voraussetzungen.. .der nationalen Autonomie spricht, wurde bereit» angeführt („Der Jude“ Heft 5). I. Die bestehenden losen Gemeinden werden, - unbeschadet ihrer freien Entfaltung, auf Grund eines Reichsgesetzes in einen Provinz-, bezw., Rejchsverband, dessen öffentlich rechtlicher Charakter anerkannt wird, vereinigt, mit. einem Provinz-, bezw., Reichsausschuß und-Nationalkammer an der Spitze. : H. In' die Kompetenz dieser öffentlichrechtlichen Körperschaften fällt die autonome Regehing, bezw. Durchführung der gesamten kulturrelten und wirtschaftlichen Angelegenheiten, fernerhin solche Aufgaben zu deren Ausführung die Kräfte einzelner Gemeinden nicht ausreichen, wie die Regelung der Emigration und Einführung der Wanderarbeitsstätten. III. Der Provinz-, bezw. ReichsausSdhüB, welcher aus der Wahl der Nationälkammer hervergeht, sind Repräsentanten der jüdischen Nation in'OeSterreich, die sie vor Uebergriffen von außen zu schützen haben und die. die staatliche Interven- - tion aüsschließen. Ein Versuch, einen jüdischen Gemeindebund zu bilden, wurde 1908 von der Wiener Kultusgemeinde unternommen, das Projekt scheiterte jedoch an den» dumpfen Widerstande «fer-gälizischen Kahalspaschas, die von Neben- und Hintergedanken; sich leiten ließen. Außer der Opposition der; galrzischen' Großgemeinden, die gleichzeitig die Exposituren der polnischen Macht- und Wahlpolitik sma und (vielleicht aus diesem Grunde) prinzipiell gegen die westlichen Gemeinden voreingenommen sind, gab es einen fanatischen Widerstand seitens der orthodoxen Partei des Beizer Rabbi; einer Säule der finstersten polnischen Reaktion und dar jüdischen Gemeindegewaltigen*). Der neueste von der KultuSge’meinde vorbereitete Entwurf will den galiziSchen Sonderbestrebungen möglichst, zuvorkommenj er sieht acht kleinere Verbände der Kultusgemeinden mit einem Oberrat' an der Spitee vor. Die Vertretung und Verwaltung soll sich nach drei Abstufungen glie-' dem; ä) Kultusgemeinde; b) Landesverband; c) Reichsverband. Außerdem "ist noch eine alljährlich einzuberufende . VerbandsVSrsammtung ' vorgesehen, die aus den Delegierten der dem Verbände •zugewiesenen Kultusgemeinden und dem Gemeinderäbbiner am Sitze des Landesverbaridesl besteht; die Verbandsversammlung wählt die Verbandsleitung. Der Reichsverband solf aus den •) Das Organ der „Beizer“ •— , KoLMachsikte Hadat“ —, weiches kein halbes Tausend Leser und Abonnenten zählt und vön der polnischen . Landesregierung subventioniert war, brachte anläßlich der wiederholten Bestrebungen der Wiener Gemeinde betreffs des Zusammenschlusses: einen geharnischten 'Aufruf, in dem es umumwunden heißt, man solle gegen die westlichen Gemeinden kämpfen, „denn nicht Brot bringt für uns die deutsche Brutalität“. Klarer noch heißt es weiter; „Das dieser Schritt (der Anschluß an den Westen) mit der gerechten Tendenz der polriis- Schen Landesbehörden in Konflikt geraten Wird, daß er eine Herausforderung der ganzem polnischen Gesellschaft bedeuten und daß er bei der polnischen Gesellschaft eine gerechte und gewaltige Reaktion hervorrufen wird, ist ja klar“ usw. Damit 'dieser Aufruf bekannt werde und die Wankelmütigen gewarnt Werden, wurde dieser Aufrui m dem bekannten altpolnischen Organ . „Sfowo Polskie“ veröffentlich. (Vgl Slowo Po?Skie Nr. 123 v. 14. 3. 1913.) | % 0 darauf; Grundbesitz erwerben zu ‘dürfen- und gleich den übrigen vornehmen Ständen' — Degen;zü tragen. -Ihnen' allen war stets! klar, daß diese m Vornehmheit, die nie in Vornehmtuerei ausartete, selbstverständliche — überaus liie als Zwang empfundene — Verpflichtungen auferlege. Eine hochentwickelte GesdhäftSmoral legten sie -- die keineswegs alle wohlhabende; Leute'waren — xui den Tag und offenbarten stete eine fast schrankenlose Freigebigkeit in der Unterstützung * wohltätiger und wissenschaftlicher Ein- . richfungen. 'Marx Schle-singer, der ein reicher und angesehener Finanzmann gewesen' war, imd'sich überall des größten Ansehens erfreut, hatte, wird von vielen SchicksalsSchlägen .'getroffen und stirbt in drückendster' Armut. fn seinem1 Testament muß er an.einige seiner' Verwandten!;idie . Bitte' richten, daß sie sich seiner unmündigen Kinder annehmen mögen una für deren standesgemäße Erziehung' Sorge tragen . sollen! .Aber" noch viel größere Sorgen machte' ihm in seinen fetzten Lebensstunden der Gedanke ‘ an unbefriedigte Gläubiger, wie aus fönender eigreifender Stelle seines Testaments klar wird::.j,5.tens,.Ersuche ich mfeine So jüdische als' christliche Crediföres, h ä ch'd e m wissendlich und kundig ist, daß ichipein Geld nicht muthwilÜg, widerspenstig oder vorsätzlich durchgebracHt habe, sondern durch Ffignusen und Schüdcsaien. eben durch andere, so Christen alb Juden, darum kommen bin, gleich in dein beim hochloblichen Gericht eingelegten Status zu sehen ist, daher sollen mir Selbe verzeihen, was ich ihnen nicht bezahlen kann, damit ich in der anderen-“Welt nicht" darüber feiden Wag.“ Bei einigermaßen günstigen Vermögensverhältnissen aber herrschte stes das Bestreben, sich so freigebig-ab möglich zu erweisen. Daß nahe Verwandte bei Heiratsausstattungen und in Testamenten reich bedacht wurden, oft; reicher ab es die. Vermjögettsumfstände gestattet hätten, kann bei dem-bekannt innigen' Familienleben der Juden nicht Wunder nehmen, wohl aber die geradezu imponierende Freigebigkeit bei. Unterstützung wohltätiger und wissenschaftlicher Bestrebungen. Berend Gabriel Esk eies——zu seinen Nachkommen gehören zahlreiche Österreichislche Hocharistokraten — bestimmt 1753 nr seinem letzten Willen, daß 50.000 Gulden „zu einer Ewigen Stufftung sollen abgeschieden werden, von denen Interessen sollen studierte Leuth und Schulmeisters, "welche mit kleinen Kindern lernen sollen, unterhalten werden . . . und soll in denen ersteren 15 Jahren wenigstens Zwey dritte! deren* ermelten Interessen an denen Gelehrten, Schulmeisters, und Bestattung .(Ausstattung) einer WaiseninMährenlaud vermeiHt;werden, derUeberrest aber in anderen Oerthern nach. Gutdünken der Erben. Noch bedeutender.war die Wertheinferstiftniig;-•150.000Gulden—die .1724 im Todesjahr Simson W;er thei me r'* von dessen Erben zu Standq kam. Man vergaß auch nie an Palä stina,.'oder wi^ wir briier sagen sollten*.an E r e z ace L.Biefend'Q^iä^._E;s-; keles Nachlaß enthielt 24.000 Gulden für die Arpien ds heiligen Landes und der von Simson Wertheimer 40.000 Gulden für die „jerusalemitanische Judenschaft.“ Bei Erwäh- . nuhg dieses Betrageshemerkt Tag’icht folgendes; „Ueber Ursprung und Verwaltung dieser Gelder herrscht noch immer nIch t volle KTa rh elf.“ Dem sollte sö nicht sein. Das unlängst gegründete Komitee" zur Eruierung verschollener jüdischer Stiftungen wird vife! Betätigungsmöglichkeiten finden. ’ ' , - Manches Neue und viel Interessantes werden die Venreter der verschiedensten Wissensgebiete aus diesem Buche entnehmen können, nicht nur der Historiker und Fmanzpolitiker, sondern auch der RechtSgelehrte, der Kullurhistoriker und der Seefenforscher: Am nieisten aber wird durch Tägliches Werk das neuerschrossene Forschungsgebiet der iüdischen Genealogie geförde-„ Nicht deshalb weif wir manches über die Vorfahren von Meverbeer, Heine und Hofmannsthal erfahren (sö"interessant dies auch1 .sein mag),, sondern weit wir ein fast lückenlos geschlossenes Bild der zwischen den mitteleuropäischen Judenfamilien bestandenen genealogischen Zusamtambänge erhalten. Aber auch der Nichtfachmann stoll dieses' Buch nicht den Wissenschaftlern allein überlassen, er soff' es aufmerksam lesen und', keineswegs, wie ’dieä 'schönzu geschehen, pfTegf, bloß flüchtig < durchblättern. Auch er. wird. vieRs därin finden, insbesondere das,,‘was ihm. am meistennottut, Belehrung uriä'Erbauung., „

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