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Jüdische Zeitung · 1917-06-15 · 24 (15.6.1917) · p. Seite 3

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
11 (1917)
Issue
24 (15.6.1917)
Date
1917-06-15
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 24 JQbiSCHE ZfctftMÖ Seite 3 maclit, der Gefahr ausgesetzt sein kann, in der Konstituante, die auf Grund des allgemeinen, direkten und geheimen Wahlrechts einberufen werden wird, nur eine kleine, seiner Zahl nicht entsprechende Vertretung zu erhalten und in Anerkennung, daß das jüdische Volk durch Seine von ihm gewählten und ihm verantwortlichen Deputierten vertreten werden muß, schlägt die Beratung dem Zentralkomitee vor, gemeinsam mit den Vertretern anderer nationaler Minoritäten und den demokratischen Parteien die nötigen Schritte zu unternehmen, um auf die Regierungsorgane und die politischen Faktoren im Lande einzuwirken, daß in die Wahlordnung das Korrektiv, das den Minderheiten die entsprechende Vertretung garantiert, das proportionale^VahFrecht, auignommen wird. 3. Der Russisch-Jüdisch Kongreß. Die Beratung betrachtet die Organisierung und Vereinigung des russischen Judentums als eine unaufschiebbare Notwendigkeit und macht dem Zentralkomitee den Vorschlag, die Initiative zur Einberufung eines außerordentlichen Jüdischen Kongresses auf Grund des allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlrechts zu ergreifen. Der Kongreß soll noch vor der Einberufung der Konstituante abgehalten werden zwecks der Organisierung des Judentums zur Verteidigung seiner bürgerlichen und nationalen Vollberechtigung und der im Zusammenhang mit der bevorstehenden Beendigung des Weltkrieges stehenden Lösung des Problems Her Einheit des jüdischen Volkes auf Grund der Verwirklichung seiner historischen Rechte auf Palästina. Zwecks Vorbereitung dieses Kongresses findet es die Beratung für nötig, unverzüglich in äßen Städten des Reiches vereinigte jüdische politische Komitees unter Beteiligung der Vertreter alter jüdischen Parteien, öffentlichen Organisationen und Einrichtungen zu gründen und eine vorbereitende Konferenz einzuberufen. Die Konferenz sandte Begrüssungstelegramme ab an die Provisorische Regierung, den Arbeiter und Soldatenrat, 'das Engere Äktions - Komitee, Max Nord au, Dr. Victor Jacobson, Ussischkin, Achad Haam, Pasmanik, die zionistischen Führer in London und Amerika und an das Mitglied der Reichsdumä, Friedmanii. Mit der Annahme eines Manifestes an das jüdische Volk" schloß die Tagung. Vom zionistischen Leben in Rußland Iri den ersten Tagen nach' der Revolution begann das Zionistische Leben in O d e s s a 'aufzublühen. Eine große Anzahl Junger Zionisten, die wegen ihrer Zugehörigkeit zur zionistischen Organisation nach Sibirien verbannt oder mit Ge- - fängnis bestraft waren, konnten zurückkehren und belebten die zionistische Arbeit Die zionistischen Vereinigungen „H i s t a d r u t h“, „H e kchawer“ und „Zeire Zion“ beriefen, einige Tage hach der Revolution ein tgroßes Meeting ' ein, an 'dem mehr als 1000 Menschen teibiahmeh. Mittelsohn und Ussischkin hielten nackende Ansprachen, in denen sie dazu aufforderten, in diesen Tagen der Freiheit nicht die Arbeit für Palästina zu vergessen. Drei Tage nach diesem grsten Meeting riefen alle jüdischen Schüler un3 Studenten der Mittel- und Hochschulen Odessas eine große Versammlung ein, in der sie feierlich gelobten, auch weiterhin stes für die Arbeit für das Judentum una für Palästina einzutreten. — Am! 19. März fand in Odessa eine imposante Demtonsti^fion für den Zionismus statt, ln dem großen dramatischen Theater hatten sich mehr als 2000 Menschen versammelt und eine ebenso große .Anzahl körnte keinen Einlaß finden. Ansprachen hielten Triwus, Klausner und Ussisc.hk i n. Großen Eindruck machte die .Reje Klausners, der von der Tragik sprach, nicht in der Sprache zu der Versammlung reden zu können, für die er sein Leben lang kämpfte, die; er nun frej gebrauchen könne, die aber ein sehr großer Teil der Versammelten nicht verstehen würde. Ussischkin forderte in begeisterten- Worten zlir Arbeit für Palästina aut. Die ganze Versammlung erhob sich zu einem Sdhwur, auch in diesen Zeiten und niemals Palästina zu vergessen." Die Zionisten in Kiew feierten am 16. März die Freiheit durch einen großen Umzug mit jüdischen blauweißen Fahnen mit der Aumdirift „Zion“. Die Stadjduma, 'das Exekutivkomitee, die Kiewer Garnison, sowie der Arbeiter- und- Soldatenrat begrüßten die Demonstration. Einer der Offiziere, hielt eine eindrucksvolle Ansprache, in der er sagte: „Ihr Juden wäret stets die ersten in allen Befreiungsbewegungen und Ihr habt mehr als alle gelitten. Jetzt seid Ihr frei, aber Euer historischer Weg ist nodh nicht zu Ende. Euer Weg führt nach Palästina und unsere Freiheit wird euch diesen Weg leichter machen.“ Der Umzug begab sich in den jüdischen Stadtteil Podol, Wo sich im Freien ein vieltausendköpfiges Meetirfg bildete.- Das nationale Judentum feierte an diesem Tage einen großen, Stolzen Sieg. Am 27. März fand in dem Kiewer Universitätsgehäude eine große .zionistische Versammlung statt, in der u. a„ Herr Syrkin eine Ansprache hielt, die wieder zur Arbeit für Judentum1 und Palästina aufforderte. — Am 24. März fand das erste zionistische Meeting in Minsk statt, mehr als 1000 Menschen nahmen daran teil. Die zwei ersten Pessach tage waren Ja Minsk in IWahrheit Zionistische Tage. Am ersten Tage fanden - zwei iiiian Im dritten Jahrgang 1 m wrd Anfang Septembei liir das [ahi 567tjj erscheinen ein neuer B lOöisther Nationalhalenöer | herausgegeben von Otto jl Abeies und Ludwig Batö jj Bestellungen gegen Nachnahme oder Vorem- B Sendung des Betrages von K 3 80 an das Postschekkonto 152. 942 werden schon jetz. J entgegengenommen. Man schreibe an den ■ Verlag der Jüdischen Zeitung 1 große Versammlungen statt, denen tausende von Menschen beigewohnt haben. Es hielten Ansprachen G o 1 d s t e i n, K a p I a n, "R u d e n sk i. Anr 9. April fand im großen Stadttheater wiederum ein großes Meeting statt, an dem dieselben Herren, sowie Berger, Feldstein und Kagan' spi achen. Es wurden ansehnliche Summen für den Nationalfonds gesammelt und ungefähr 700 neue Scbekelzabler gewonnen. Mehr als 2.500 zionistische Proklamationen sind in den ersten beiden Pessachlagen verbreitet worden. Die zionistische Arbeit in Minsk geht mit Riesenschritten vorwärts. Heute schon ist der Zionismus in Minsk eine Macht, und er wird sicherlich bei den bevorstehenden Gemeindenwahlen eine dominierende Rolle spielen. In das Stadtkomitee sind einige Zionisten gewählt worden. Es wurde eine hebräische Schule gegründet, die bereits 800 Schüler zählt. In Jekaterinoslaw begann die zionistische Organisation gleich nach der Revolution eine planmäßige und breite Arbeit. Außer ihrer Teilnahme an den Schöpfungen der Revolution, betreibt die zionistische Ortsgruppe eine lebhafte Agitations- Tätigkeit in Versammlungen in den Synagogen und durch 'Verbreitung von Proklamationen. Am 10. April .fand ein großes Meeting statt, an ‘dem mehr als 3000 Menschen feilnahmen. 1500’ neue Scbekelzabler meldeten sich. Am 19. April hatte man eine große Disputations-Versammlung über den Ziorismus einberufen, auf der als erster Goldstein eine Ansprache hielt. Die Versammlung dauerte bis 4 Uhr morgens. — Am 15. April fand in Charkow ein großes zionistisches Meeting sta'tt, an dem mehr als 5000 Teilnehmer anwesend waren. Der Vorsitzende war W i I e n sk i.' Es wurden Reden in hebräischer Sprache gehalten, auch hier hielt Goldstein eine packende Ansprache. Die Vorsteher der Letten begrüßten den Ziorismus im Namen des lettischen Volkes. In Poltawa meldeten sich 1400 Schekelzahler. Auch hier entfaltet die zionistische Ortsgruppe eine rege propogandistische Tätigkeit, ebenso wie die Ortsgruppe in Mohilew, die ein großes Meeting einberief und ebenfalls rege tätig ist. Aus der jüdischen Welt Judenpogrome in Bessarabien. Petersburger Blätter melden aus Bessarabien über eine starke! Agitation Mr die Abhaltung von Pogromen gegen die Juden. In Kischinew wurde ein Verband der wirklichen Russen gegründet, der antisemitische Tendenzen verfolgt und in alle bessarabischen Städte Agenten entsendet hat, die eine maßlose Agitation gegen die Juden eingeleitet haben. Der jüdische Kongress in Rußland In der letzten Nummer von „Jewreiskaja Schisn“ gibt A. Grünbaum in einem „Der allgemeine russisch-jüdische Kongreß“ betittelten Aufsatz eine klare Aufstellung der Grundlagen und des Programmes des Kongresses. Er führt aits, daß im Jahre 1905 nur einige wenige jüdische Persönlichkeiten die Forderung eines allgemein jüdischen Kongresses In Rußland aufgestellt haben, daß diese Forderung dann im, Jahre 1906 von dea Zionisten in Helsingfors erhoben wurde, und daß heute sich alle jüdischen Parteien Rußlandsin der Forderung ,jer sofortigen Einberufung eines solchen Kongresses einig sind, sogar der „Bund“, der dem Kongresse den in Helsingfors festgelegten Namen einer „Nationaltagung“ gibt. So stark hat sich das russische Judentum in den letzten 11 Jahren nationalisiert . . .; Der Kongress soll vor allen Dingen die Form der Oiganisation des russischen Judentums festlegen und die Forderung dieser Organisierung dann vor der künftigen GründungsversammTung erheben. . . . Der Kongresses ferner die Fopdeiur-geii des jüdischen Volkes an den künftigen Friedenskongress präzisieren. ,;Wir fussischen Juden, die nunmehr befreit sind, müssen ebenso wie es die amerikanische Judenheit bisher getan hat, kämpfen für die Durchführung der Gleichberechtigung der Juden, wo sie noch nicht gewährt ist. Wir russischen Juden, die das Hauptzentrum des Judentums sind, dürfen nie vergessen, daß auf uns die Pflicht ruht, alle Hoffnungen zu "Unterstützen, die die Juden auf Palästina hegen.“ Litauen. Von fachmännischer Seite wird uns über die praktische Verwirklichung des Prinzipeä der produktiven Hilfeleistung, das in Lithauen zwecks Wiederaufbau des ökonomischen Lebens unter den Juden angewandt werden soll, folgendes aus.Wilna berichtet: „Wir haben hier bereits eine Gesellschaft unter dem Namen „Hilfe durch Arbeit“ geschaffen, an deren Spitze Her Ingenieur NKlebanoff steht; ihre Hauptaufgabe besteht darin, Lehrwerkstätten zu g rünaen Bisher wurden 13 Werkstätten mit 350 Schülern ‘und Schülerinnen gegründet Die Schüler werden in allgemeinen una hebräischen Fächern unterrichtet und erhalten zweimal täglich Essen; man versucht auch ihnen nach Möglichkeit Kleidungsstücke und Schuhwerk zu verschaffen. Die Fortschritte der Schüler sind ganz außerordentliche; auf kürzlich veranstalteten Ausstellungen hatten ihre Arbeiten großen Erfolg. Es ist aus Mangel an Mitteln nicht möglich, die Zahl der Schüler und Schülerinnen zu verdoppeln, obgleich sich sehr viele um Aufnahme bewerben. — Dieselbe Gesellschaft hat auch zwei Kinderheime eingerichtet, wo Arbeiter und Arbeiterinnen ihre Kinder wärend des ganzen Tages lassen können; so sind sie imstande zur 'Arbeit zu gehen, und wissen, daß ihre Kinder nicht auf der Straße betteln zu gehen brauchen. Es wäre außerordentlich notwendig, noch wenigstens 3—4 solcher Heime zu eröffnen, wozu aber 6000 Mark monatlich erforderlich wären. Der Verein ist aber infolge seiner geringen Mittel in fortwährender Gefahr, seine Tätigkeit aufgeben zu müssen, was wieder namenloses Elend über 600—700 Kinder bringen, würde. — Neben der genannten Gesellschaft arbeitet auch „Die Bildungsges eIlse h a f t“ nach dem Prinzipe der produktiven Hilfe. Sie hat technische Kurse eingeichtet. Im vorigen Semester bestanden Kurse nur für Elektrotechnik, die aber dieses Semester für Mechanik, Wasserleitung etc. ausgebaut werden. Dies ist eine der wichtigsten Aufgaben des Hilfswerkes, da an höheren Arbeitern bei den Juden ein absoluter Mangel ist, was den Juden die Beteiligung an den städtischen Unternehmungen unmöglich macht; das heißt, sie sind vorläufig davon ausgeschlossen, bei dem einzigen bedeutenden Arbeitgeber zur Zeit mitzuarbeiten. — Endlicn haben wir einen „Veband von Handwerkmeistern“ gegründet. Diese Sollen gemeinsam und unter Solidarhaft auf Kredit Ware für ihr Gewerbe einkaufen, sollen unter Verpfändung ihrer Erzeugnisse Kredite bekommen etc. Das ist das Allerwichtigste und Größte, was zum Aufbau des Handwerks jetzt dienen kann. Doch konnte aus Mangel aa Geld diese Idee bisher leider nicht verwirklicht werden.“ Judengesetz ln Finnland. Die provisorische russische Regierung hat hat unter andern Beschlüssen des finnischen Landtags auch einen Beschluß über ein Gesetz die Juden betreffend angenommen. Konferenz des hebräischen Sprachverbandes in Rußland Am 23. April hat in Moskau eine Konferenz des hebräischen Sprachverbandes Chowewe Sfath Ewer stattgefunden. Es referierten Herr Hillel Slatopolsky (Programm des Sprache), Dr. .Josef Klausner . _(Jüdische Erziehung außerhalb der Schufel, Dr. M Glücksohn (Hebräische Presse), Zemach (Hebräisches Theater), Dr. Mohilew e r (Hebräisches Lehrerseminar); eine Reihe anderer Referenten behandelte die Frage der Organisierung hebräischer Schulen, "Herausgabe hebräischer Kinderliteratur etc. Der bekannte Moskauer Industrielle Herr S. Pers itz berichtet über die Organisation des "hebräischen Sprachvei eines und seine finanziellen Hilfsmittel Ferner wurde behandelt: die Frage der Organisierung eines hebräischen professionellen Lehrer- Verbandes und die Einrichtung von Abendkursen und Sabbatschuten Vom „Bund“- Am 22. April fand eine Sitzung der Mitglieder {jer jüdischen Arbeiterpartei' «statt. Es wurde über ^ie Parteikonferenz : erstattet. Die Konferenz beschloß, daß im Interesse der freien nationalen Entwicklung des russischen Judentums e'in Zentralorgan _ der jüdischen national-politischen Autonomie (ein jüdischer „Sejm“; geschaffen werden müsse. Dieses Organ hätte den kulturellen Bedürfnissen 'der Juden (Schulen, Theater, Museen, öffentliche Fürsorge, soziale Hilfe usw.) sein Interesse zu wid- men. Die Korferenz drückte den Wunsch aus, daß alle jüdischen Arbeiterparteien zu einer Partei verschmolzen werden sollen; es wurde beschloßen, an dem Russisch-Jüdischen .Kongreß teilzunehmen. Die Delegierten der Poale Zion wurden, wie ein Privattelegramm meldet, auf ihr Ansuchen zu den Stockholmer Beratungen zugelassen. Konferenz des Zentralkomitees der jüdischen Turnoi ganisation in Polen. Am 24. April fand die Vierteljahrskonferenz des Zentralkomitees der jüdischen Tumorganisation in Polen statt. Die Sitzung wurde von Vertretern aus Lodz, Czenstochau, Ptock und Kalisch besucht. Nach den erstatteten Berichten hat dieTumorgänisation während der kurzen Zeit ihrer Existenz große Foi tschritte gemacht. Siebzehn Turnvereine haben sich ihr angeschlossen. In allen angegliederten Vereinen wurde die hebräische Kommandosprache eingeführt. Es ist eine hebräische Turntet minologie (analog zu der in Palästina gebrauchten) zusanrtnengestellt worden, die demnächst publiziert und im Buchhandel zu beziehen sein wird. Die Konferenz beschäftigte sich auch mit der Frage der Schaffung eines Seminars tür Turnlehrer. Es stellte sich jedoch die Unmöglichkeit der Einrichtung solcher Kurse in der augenblicklichen Zeit heraus, lind es wurde beschlossen vorläufig nur '6—8 wöchentliche Instiuktions-Kurse einzurichten. Es wurden Normalstatuten für die jüdischen Turnvereine festgesetzt; die Herausgabe von Zirkularen "in frei-

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