Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 11 (1917)
- Issue
- 24 (15.6.1917)
- Date
- 1917-06-15
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 JÜDISCHE ZEiTüNü Nr. 24 Juden, zeichnet Kriegsanleihe! er Folge bis zum Erscheinen eier regelmäßigen Turnzeitung wurde beschlossen; ferner kam man überein sich an die verschiedenen jüdischen Zeitungen in Polen mit der Bitte zu wenden, eine „Tui nrubrik“ einzurichten. " Schließlich wurde noch die Einführung eines einheitlichen Abzeichens und einheitlicher Turnkleidung für die jüdischen Turner in Polen beschlossen. Vor den Warschauer Gemeindewahlen- Ange- 'sicfats der bevorstehenden Wahlen zur jüdischen Gemeinde in Warschau haben die Assimilanten Beratungen abgehalten und als ersten Tunkt ihres Wablprogiamms eine Verständigung mit einem Teil der Orthodoxie aufgestellt. Die Hauptlosung der Assimilanten bei den kommenden Wahlen wird der Kampf gegen die Nationalisten sein. Auch dieisogenannten „Unparteiischen“ haben bereits über ihre Stellung zu den kommenden Wahlen beraten. Es wurde beschlossen, eine neue Partei zu gründen, die alle jene an sich ziehen soll, die weder zu den Nationalisten, noch zu der. „Agudalh haorfhodoxim“ gehören. Der neuen Partei wii< aicti aucn an len der „Neoassimi lanien“ anschließen Es wurde auch beschlossen, ein Organ in polnischer Sprache herauszugeben. Antisemitismus in Polen. Die jüdischen Studenten der Universität und des Polytechnikums in Warschau verlangten Vertretung in den studentischen Ausschüssen der genannten Hochschulen. Dieses Verlangen wurde von den polnischen Studenten brüsk abgelehnt, ln einem von der Studentenschaft veranstalteten Meeting hielt der Rektor des Warschauer Polytechnikums, P.l a s c h k e, eine scharfe antisemitische Rede, die in der jüdischen Studentenschaft und in weiten jüdischen Kreisen die größte Empörung hervorgerufen hat Die jüdischen Studenten hielten Protestversammlungen ab und beschlossen, in einen Streik einzutreten, der nun schon seit längerer Zeit anhält. — Wie „Gloß Radomski“ vom 3. Mai schreibt, hat der Stadtrat in Dombrowa im österreichischen Okkupationsgebiet beschlossen, dass in Zukunft Juden in der Stadt Dombowa nur mit ausdrücklicher Erlaubnis des Stadtrates wohnen dürfen. Durch derartige Bestimmungen wird ein neuer polnischen Ansiedlungsrayon geschaffen. Auf der letzten Sitzung des Petrikauer Stadtrates wurde durch den zionistischen Ratmann. F e i n k i n d eine Interpellation eingebracht, die eine Beschwerde darüber enthielt^ daß un*er den Milizianten der Stadt sich kein einziger Jude befindet und (jaß auch zu den Vorbereitungskursen für Milizianten kein einziger, jüdischer Kandidat zugeinssei., .vc-orden. ist -Der .Stadtpräsident. gab auf diese Interpellation die als ' dringlich eingebracht wurde, die Erklärung ab. daß die Kandidaten der Stadtmiliz -versichern müßten, daß sie den Milizdienst -nicht verlassen werden werden, eine Versicherung, die die jüdischen Kandidaten abzugeben doch keine Möglichkeit hätten. Es habe kein einziger jüdischer Kandidat versichern wollen, daß er seinen Dienst unter allen Umständen, ohne Rücksicht auf die Sabbate und jüdischen Feiertage, erfüllen werde. Deshalb seien diejuden nicht zum Milizdienst zu gelassen worden Jean Longuet und die Judenfrage. Am 8. April sprach der bekannte Führer der sozialistischen Minderheit in Frankreich, der Enkelsohn von Karl Marx,, der Deputierte Jean Longuet in einer festlichen Veranstaltung der jüdischen sozialistischen Organisation Poale-Zion in Paris. Longuet feierte in begeisterten Worten den Anteil der Juden an der russischen Revolution. Die jüdische Emanzipation wurde nicht durch die Diplomatie errungen, sie wurde durch die bewaffnete Macht der jüdischen Revolutionäre erkämpft. Die Juden haben ein vollkommenes Recht, an ihre nationalen Interessen zu denken, da dies durchaus mi! der Idee des Internationalismus ver.-' einbar ist. Die Internationale muß als eine Föderation freier und gleicher Nationalitäten verstanden werden Die Idee der Schaffung eines nationalen jüdischen Zentrums in Palästina, sagte Longuet. verdient die Unterstützung der gesamten sozialistischen Demokratie. Antisemitische Ausschreitungen in Leeds haben nach dem „Times“ am 4. Juni stattgefunden Eine tausendköpfige Menge durchzog das Juden viertel und zertrümmerte die Ladenfenster. Zangwill scheint, wie der „Joodschö Wächter“ schreibt, wieder eine territorialistische Phase durchzumachen. Seine Rückkehr zum Zionismus, umlängst mit so viel Tamtam angekündigt, scheint nicht stattgefunden zu haben. Das Territorium soll in Südsibirjen liegen auf dem Weg zum Persischen Golf an der transibirischen Bahn. James Rotschild, der zukünftige Chef des Pariser Hauses, der Sohn des Barons Edmund, dessen Verdienste um Palästina bekannt sind, hat im Lyccumsklnb in London,, wie „De Joodsche Wächter“ meldet, eine Rede gehalten, worin er ausführte daß er durch die Teilnahme am Pessachfest im Hause Prof. W e i z m a n n Zionist geworden sei. Er meinte, daß England, das auch für Belgien das Schwert gezogen habe, auch dafür streiten solle, daß ein kleines Volk wie die Juden in seinem Lande, in Palästina, zum Leben auferstehe. Lieber Lesen Du kannst aas bintreffeii aei /uaiscfien Ze.iuns nicht erwarten: Im Cafe liest sie zur Lektüre tür Nichtzionisten auf. Du aber sollst su abonnieren i Das schär ineben Zahtuns von Scheke■ nna Parteisteuer) zu der elementarer Pflicht et eines. Parteigenossen Mit Ztonsgrut Die lüdisrhi /.eauni Spenden für das Hiifswerk in Palästina. Von jüdischen Kindern in Amerika sind für die jüdischen Kinder in Palästina 13.000 Mark gesammelt worden; die Stockholmer jüdische Gemeinde hat 21.000 Mark zur Verfügung gestellt; die russischen Zionisten haben auf die erste Nachricht hin 70.000 Mark überwiesen. Zionistische Bewegung Mitglieder der belgischen Zionisten-Föderatioo, die zurzeit in Holland wohnen, hielten am 29. April 1917 in Scheveningen eine sehr gut besuchte Versammlung ab. Herr Dr. L, Herz, Präsident der Förderation, Herr Jean Fischer, Mitglied des G A. C. und Herr Ing.-Agr. J. Oettinger sprachen in der Versammlung Zwei andere Mitglieder des großen A.-C., Herr Jakobus Kann und Herr Julius Simon wohnten der Versammlung bei. Holgende Resolutionen wurden einstimmig und mit Begeisterung angenommen: I. Die.am 29, April in Scheveningen versammelten Mit^l.euei aei u-igiscneii Zionisten beglückwünschen wärmstens die Juden Rußlands zu der, unter ihrer ausdauernden Mitwirkung erlangten Freiheit und bürgerlichen Gleichberechtigung. Der nationale Wille des jüdischen Volkes, der in den Juden Rußlands auch in . den Zeiten der Unterdrückung ungebrochen lebte, wird im befreiten Rußland freier und kraftvoller zum Durchbruch kommen können. Sie hegen deshalb die tiefe Ueberzeügung, daß die russische Judenheit. Schulter an Schulter mit den Juden der übrigen Länder danach streben wird, in unseren Tagen die nationale Hoffnung des jüdischen . Volkes,in Palästina zu .verwirklichen. II. Die in Haag versammelten' Mitglieder der Föderation da beigischen Zionisten nehmen mit Befriedigung zur Kenntnis, daß die verantwortlichen Zionisten in den verschiedenen Ländern, m diesem historischen Moment für die Erreichung des zionistischen Zieles tätig sind. Sie betonen zugleich ihre Einigkeit mit der Erwartung aller nationalgesinnten Gruppen, daß die Anerkennung des Nationalitätenprinzips auch auf das jüdische Volkibl. vollen Umfange Anwendung find_en wird. Sie wiederholen aber ihre unerschütterliche Ueberzeugüng, daß die Judenfrage nur durch die Verwirklichung des Baseler Programms gelöst 'werden .kann. III. Die am 29, April in Sch^veningen ^"fn^e Versammlung der belgischen _ Zionisten Föderation schließt sich, nach Anhören des Referates des Herrn J. Oettingei über „Jüdische nationale Kolonisation in Palästina“ seinem Apell an,'beizeiten die Durchführung . eines großzügigen Planes nationaler Kolonisation auf der historischen Scholle des jüdischen Volkes in Palästina vorzubereiten Die Versammlung erachtet es als eine der wichtigsten gegenwärtigen zionistischen Aufgaben, die erforderlichen großen Geldmittel für umfangreiche Bodenkäufe dem Jüdischen Nationalfond, als dem für diesen Zweck geschaffenen Organ der Zionistischen Bewegung, bereitzustellen Die Versammlung beschließe ein „N achlah-Komite e“ der BZF. zu bilden, mit der Aufgabe, größere Geldsummen tür den Erwerb von Boden durch den Jüdischen Nationalfonds aufzubringen. Der Papst und die Zionisten. Im - Laufe einer. Unterredung mit Nachum Sokolow, Mitglied des engeren Aktionskomitees der zionistischen Organisation, erklärte, wie „Die Zeh“ aus Zürich erfährt, der Papst, er sei den zionistischen Ideen sehr gewogen. Diese "Meldung ist umso bedeutungsvoller, als gerade in letzter Zeit verscheidene tendenziöse Berichte einen gewissen Gegensatz zwischen dem Heiligen Stuhl und den. zionistischen Bestrebungen zu konstruieren versuchten. Bernhard Bieler Ignatz Sabl Am 1, Juni 1917 starb in - Bisenz eines plötzlichen Todes unser Gg. Herr Ignaz Sabl, früherer NF.-Kommissär und Vertrauensmann. . Er gehörte zu den wenigen, die mit der Jugend Schritt hielten. Wir werden dem Manne, ^er mit warmem Interesse unsere Sache gefördert hat, ein treues Angedenken bewahren. Berthold Brief. Fernab von der heimatlichen Scholle, im unwirtlichen Gestein des Karstes fiel wieder der Besten einer. Bernhard Bieler, Gefreiter in einem Inf.Reg., der als Telephonist seinen schweren und doch so wenig gewürdigten Dienst versah, ist bei einem Gegenangriffe auf der Karsthochfläche gefallen. Bieler stand im 20. Lebensjahre, ein treuer Kamerad und der jüdisch-nationalen Sache aufrichtig ergeben. Auch hier im Felde sammelte er eifrig für jüdisch-nationale Zwecke und spendete sejbst nach Kräften', trotz der vielen Hindernisse. Er stellte sich als Mensch und Jude sehr hohe Ziele, deren Verwirklichung ihm nicht beschieden war. Wir werden dem in seiner Lebensblüte Dahingerafften ein treues Gedenken bewahren. Im Felde, Juni 1917 Em. Schächter Zionisten im Felde Folgende „lvrianer“ wurden .ausgezeichnet: Lt Dr. Brand (A. H. Abesch) silb. Signum laudis mit den Schwertern; Oblt. A 11 m a n n (Bursch Ali) silb Signum laudis; weiters die vor dem Feinde gefallenen A. H. A. H.: Dr. Albert Schönhof (Jurek) mit dem Militärverdienstkreuz 3. Kl. samt Kriegsdekoration un,i Schwertern; Dr. Salo Hornung (Pschütt) mit der silb Tapferkeitsmedaille I. Kl. — Lt. Ing. Wilhelm Vogel, A. H., erhielt das Signum laudis mit den Schwertern, Lt. Dr. Emst -Hornung (Febi), A. H„ das Signum laudis. — Dr. J. H. Körner, A. H., wurde zum Regimentsarzt i. d. Res. ernannt. Unser Gg. Jgnatz Rosenberg vom I. R, 38 wurde für tapferes. Verhalten vor dem Feinde mit der silbernen Tapferkeitsmedaille 2 Klasse -ausgezeichnet. Lt. Georg M i c h n i k, Besitzer der kleinen silbernen Tajjferkeitsmedaille und des Signum laudis mit den Schwertern, erhielt die silberne Tapferkeitsmedaille 1. Klasse, Lt. Michael David Baidinger, Besitzer der silbernen Tapferkeitsmedaille 1. Klasse und Lt. Berthold Ros erberg, Besitzer der silbernen Tapferkeitsmedaille 2. Klasse, des Signum laudis mit den Schwertern. Die drei genannten Gg. sind Mitglieder der Emunah in Bielitz. — Gg. Siegmund R e i s s- Spieler erhielt die bronzene Tapferkeitsmedaille. Persönliche Nachrichten Gg. Leopold Kirschner, dzt. Kad-Asp im k. u. k Inf-Rgt Nr 56, wurde am Dienstag den 12. d. M, im Großen Fesfsaale der Wiener Universität zum Doktor der gesamten Heilkunde promoviert. Einsendung Aus einer kleinen Bukowiner Kultusgemeinde schreibt man uns: Im Leib'Ach nerschen Stiftsbrief ist die Bestimmung enthalten, daß die Erträgnisse aus den zum Stiftungsvermögen gehörenden Realitäten der isralitischen Kultusgemeinde S e r e t h zur Verfügung geste’lt werden sollen. Die genannte Kultusgemeinde ist gegenwärtig nicht in der Lage, aus Eigenem die Mittel zur Bezahlung der Angestellten aufzubringen und hat sich infolgedessen mehrfach an die Landesregierung als Stiftungsbehörde mit der Bitte gewendet, ihr die entfallenden Beträge anzuweisen Insbesondere sprach der Kultusvorstand den Betrag von 2000 K an, der knapp vor der Russeninvasion aus den Erträgnissen der Realitäten durch die Bezirkshauptmannschaft Sereth der Landesregierung überwiesen wurde Dieses Gesuch wurde im Monat Februar 1917 überreicht, und ist bis heute nicht erledigt Wir möchten nur in aller Ruhe die Frage stellen: Wer mag ein Interesse daran haben der Serether Kultusgemeinde so lange Zeit das vorzuzuenthalten, was ihr gebührt, wodurch es ihr unmöglich gemacht wird, ihren Beamten die Gehälter auszuzahlen? Berichte und Korrespondenzen Wien. Armen-Ambulatorium des Zionistischen Zentralkommitees für Kriegsflüchtlinge, II, Taborstraße 20 a. Dem eben durch. den administrativen. Leiter, k. k. Reichsratsrevisor Rudoll Taussig zur Versandung gelangenden 33. Tätigkeitsberichte entnenmen wir folgende Daten: In der Besuchszeit vom 1.—31. Mai 1917 wurden behandelt in der Ambulanz für: Augen 302, Chirurgie 286, Frauenkrankheiten 576, Haut- und Geschlechtskrankheiten 34, Interne I 408 Interne 11 191; Interne 111 399, Interne IV 408, Kinder 1 108, Kinderll 35, Nase und Kehlkopf 163, Nerven 56, Ohrenkrankheiten 80, Orthopädie 0. Zahnheiikunde 140 zusammen 3.186 Patienten Seit Bestand des Ambulatoriums 93.913 Patienten. Boskowitz. Hier wurde Ende April ein Wanderbund gegründet. Er zählt 40 IGnder, die in vier Züge eingeteilt sind.