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Jüdische Zeitung · 1917-06-08 · 23 (8.6.1917) · p. Seite 2

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
11 (1917)
Issue
23 (8.6.1917)
Date
1917-06-08
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 uns noch des furchtbaren Flüchtlingselends, das in jenen Tagen über die östlichen Marken unserer Monarchie hereinbrach. Doch doppelt, .ja dreifach schwer ist das Unglück der von einer- Evakuierung Betroffenen in einem Lande, dessen Verkehrsverhältnisse noch ganz unentwickelt sind, in welchem die Versorgung mit Lebensmitteln auf fast unüberwindliche Schwierigkeit stößt und wo die Organisation einer Fürsorgetätigkeit für die Flüchtlinge vollkommen mangelt. Unabsehbar schwer ist die Notlage unserer palästinensischen Brüder! Doch wir wollen nicht klagen und nicht ananklägen. Unter dem erschütternden Eindrücke der Berichte, die wie ein verzweifelter Hilferuf aus Palästina zu uns dringen, wird uns in vollster Klarheit bewußt, daß es nun unsere erste und heiligste Pflicht ist, in brüderlicher Hilfsbereitschaft unsere von Haus und Hof vertriebenen Volksgenossen in Palästina dem drohenden Untergang zu entreissen. Es gilt, eine großzügig angelegte, mit aller Kraft und Energie durchgeführte Sammeltätigkeit für das Palästinahilf s werk zu entfalten! An jeden Einzelnen von uns tritt gebieterisch die Forderung heran, ungesäumt in .selbstverständlicher Erfüllung volksbrüderlidier Pflicht, unter Anspannung aller unserer Kräfte das Unsere zur Linderung des namenlosen Elends in Palästina beizutragen. Ihre Not ist auch unser Leid und die Stätfen ihres aufopferungsvollen Wirkens unser nationales Eigentum. Wir müssen mehr geben als ein Entbehrliches von unserem Ueberfluss. Denn haben wir drei Jahre hindurch die schmerzlichsten Entsagungen und schwersten Opfer auf uns genommen, um unseren nationalen Besitzstand in Palästina zu wahren, haben wir für unser Volk gehungert und gelitten? Jetzt ist es an ön s, zu zeigen, da ß wir unserer Brüder in Palästina würdig sind! Das Unglück der Juden ln Palästina hat weit über den Rahmen unserer Organisation hinaus in allen Kreisen der Judenheit den tiefsten Eindruck hervorgerufen. Im Bewußtsein der Schwere des Augenblicks und der Verantwortlichkeit Unserem Volke gegenüber,' haben wirdem' Bedürfnis der gesamten jüdischen Oeffentlichkeit, unseren "Bedrängten in Palästina zu helfen,' Rechnung getragen und uns an alle namhafteren jüdischen Korporationen gewendet, trat gemeinsam mit ihnen eine H i 1 f sak ti on der gesamten Judenschaft Oesterreichs fürPalästinazu ermöglichen. Wo hätte denn auch jemals schon der jüdische Wohltätigkeitssinn versagt, wenn ein Notschrei aus verzweifelter Brust zu jüdischen Herzen drang? Wann hätte auch je der humanitäre Sinn der Juden den notleidenden Vplksgenossen Hilfe verweigert? Das ganze Judentum muß angesichts der Schrecknisse, in die die palästinensische Judenheit durch den Zwang harter Ereignisse gestürzt wurde, in .einmütiger Entschlossenheit alles aufbieten, um das traurige Los dieser Armen zu lindern. Das Hilfswerk für Palästina soll ein weitragendes Denkmal werden für jüdische Opferwilligkeit und jüdischen Gemeinsinn. Daß Ahasver nicht sterben könne, wußte man schon längst, nun aber wollen wir der Welt zeigen, daß das jüdische Volk lebt! L. H. Palästinahilfswerk für jüdische Kolonien Geld- und Briefsendungen sind zu richten an: Palästinahilfswerk für die jüdischen Kolonien, Wien, 18., Hasenauerstraße 43. Bei Einzahlungen im Wege der Postsparkasse bediene man sich mit entsprechendem Vermerk der Erlagscheine des Verbandes - „Zion“ Nr. 47.115. 20* Ausweis*. K 84-—: Gesammelt durch Chaja Kohn, Amalie Nufibaum und Aron Stempler in Mielec (Spezifikation folgt). K 20-—: Dr. Georg Weiner, Wien. je K 5—: FVied & Thiemann '(Wien), Dr. Ernst Friedjung (Wien), A. J<ohner (Podersam). K 450: Gesammelt durch Pinkas Lebensart in Peczenizyn. K 218.72: Gesammelt durch das Zionistische Distriktskomitee für Böhmen in Prag (s.. „Selbstwehr“). Spezifikation folgt. Zusammen K 342^2' Früher ausgewiesen K 40-740-97 Somit bisher K 41*083.19 JÜDISCHE ZE1TUNQ Die Lage in Palästina Aus der Zeit der Evakuierung. Wie Berichte aus Jerusalem* vomi 18. April melden, war die Auswanderung'der Juden aus Jaffa bis dahin von jüdischer Seile sehr gut organisiert Ein .unter Vorsitz von Herrn Diesen, g o f f, Jaffa, gebildetes Komitee hat eifrig gearbeitet- Eine große Anzahl von jungen Leuten unter Führung des jüdischen Handwerkervereins hat opferfreudig den Transport organisiert und überwacht: Der gleiche Bericht erzählt, daß die Nachricht von der Evakuierung Jaffas, in Unter-Galiläa starken Widerhall fand, wo die jüdischen Kolonien sämtliche "verfügbaren Wagen und Pferde mobilisierten. Trotzdemgerade überall wichtige Pflugarbeit zu verrichten war, gingen gegen 120 Wagen söfort nach Jaffa, um' ohne jeden besonderen Entgelt (eS wujjde nur Futtergerste für die Tiere und Brot für den Kutscher verlangt) die Evakuierten nach neuen Plätzen zu überführen. In den jüdischen Kolonien ,in die die Flüchtlinge kamen, wurden sie mit vollster Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit aufgenommen."Besonders wird die freundliche Aufnahme der Flüchtlinge in E n - g a n i m hervoi gehoben. An Einzelheiten ist nachzutragen, _ daß sich in Schvej a bei Sichron Jakob nach einem Bericht vom' 20. April die Pension und Schülerküche des hebräische n Gymnasiums in Jaf fa befand und zwar in dem1 "dortigen Sanatoriumsbau. Da verschiedene Gebäude von Jerusalemer Schulen1 für andere Zwecke in Verwendung genommen wurden, müßte vorläufig der Unterricht an der Knabenschule und in einem- Kindergarten aussetzen. Es besteht aber die Hoffnung, daß Einrichtungen getroffen werden, um den Unterricht fortsetzen zu können. Die Kinder der geschlossenen Eveline de Rothschild - Schule haben sich in die hebräischen *Mädchensdhulen, Kindergärten und Arbeitsschulen gemeldet Die hebräische Zeitschrift „Hacheruth“ in Jerusalem erscheint seit Pessach njeht mehr, da der Redakteur Ben ’Afar zum türkischen Hilfsdienst eingerückt ist. (Jüdische Rundschau). Kolonisation und Industrie in Palästina Von Ing. Agr. J. Oettinger (Schluß.) Zwischen diesen beiden Extremen, also einer kleinen und bescheidenen Einrichtung und einer, großen Fabrik, welche alle in der betreffenden. Gegend-'möglichen Konservenzweige trleich vom/ Anfang an aufnimmt, fassen sich Betriebe denken, welche erst alhnählich' immer neue Fabrikate einbeziehen, .von vorneherein jedoch mit modernen Verarbeitungs'apparaten, /hinreichenden Räumlichkeiten und tüchtigem1 Leitungspersonal versehen sind. Für die technische Verarbeitung, gleichviel in welchen Dimensionen, handelt eS sich1 in Palästina hauptsächlich um vier Folgende Kategorien von "Rohprodukten: 1. von GemüSearten( 2. von Fruchtarten, die in rohem Zustande wenig haltbar sind; 3. von haltbaren Fruchtarten bei solchen Preiskonjunkturen, die den Absatz irohei Früchte weniger rentabel erscheinen lassen, als den konservierten 4. von Fischen. Den fersten Platz unter allen Konserven werden in Palästina , wohl -die Gemüsekonserven einnehmen. Die arabische palästinensische Bevöl-. kerüng treibt in der Nähe der Städte vief Gemüsfebau und bereifst jetzt könnten Konservenfabriken mit beträchtlichen Quantitäten mannigfaltiger Gemüsesorten sich versorgen, Jüdische Siedlungen werden sich gleichfalls: den Gemüsekulturen in steigendem' Maße gewiß entschiedener Weise Zu- . wenden, sobald sie ihre Produkte an Fabriken in nächster Nähe werden absetzen können. Die Kultur und Verarbeitung von Tomaten, Erbsen, Bohnen u . s. w. ist in Palästina einer ähnlichen großartigen Entwicklung fähig, wie mäh sie in den letzten zwei Dezennien in manchen Gegenden Italiens erlebt hat. Der Verbrauch' von Gemüse ist "namentlich während der Kriegsjahre überall außerordentlich gestiegen und die im Felde stehenden, sowie die zu Hause gebliebenen VoTksmassen haben sich an den ’Gemüswerbrauch' gewöhnt. In vielen Gegenden, wo die Bevölkerung früher das Gemüseessen aTS Luxus betrachtete, erblickt man jetzt in den Gemüsespeisen eine nicht mehr zu entbehrende gesunde Nahrungsweise. Der Verbrauch von OemüSe in frischem1 und nach' modernen Methoden konserviertem' Zustande wird nach dem Kriege ungeheuer anwachs/en. Die Konservenindustrie wird sich um'so Tejchter der gestiegenen Anfrage anpassen lassen, als zur Er- ' zeugung von Gemüse in großen Mengen sehr wenig Zeit nötig ist. Die GernüseverwertungSfabriken werden ebenso schnell ausgebaut, wer- . den können wie etwa Zuckerfabriken; die rieh das! z u verarbeitende Rohmaterial in kurzer 7eit durch die in Ihrer Umgehung entstehenden Rübenöder Rohzückerplantagen sichern. Die Verarbeitung verschiedenartiger Gemüsearten in Dauerware, weist folgende Vorteile auf: a) Die Kampagne der Verwertungisfabriken wird auf möglichst viele Monate des Jahres (namentlich in Palästina, Wo Gemüse auch wäfi- . rend "des WinlerS wächst) 'ausgedehnt, wodurch eine kommerziell gerechtfertigte, möglichst gleichmäßige Verteilung der Arbeitssaison und eine Nr. 23 ausgiebige Benützung der Einrichtungen (Gebäude^ 'Maschinen), der Arbeitskräfte ,und des Leitungspersonals erzielt werden. b. Gemüsekonserven erfordern keinen Zusatz von Zudcer, wodurch das erforderliche Betriebskapital verringert und eventuelle Schwierigkeiten des 'Imports von Zucker vermieden werden. C. Gemüse konserven.lassen Aussichten auf Massenab’satz an Heeres- und Flottenverwaltungen zu, sowie die Erlangung von Vorbestellungen für die Lieferung bedeutender Quantitäten an andere Organisationen, die für Massenspeisung zu sorgen haben. Im einzelnen bietet Palästina, namentlich die Verarbeitung der folgenden wichtigsten Gemüsearten gute Aussichten: 1. Tomaten. Die Verwertung der Tomate, besonders als Püree, gewinnt ipit jedem' Jahre immer größere AuS1dehnung in allen Ländern, in denen dip Tomate gut gedeiht Palästina gehört, wie Italien, Spanien uSw. zu jenen Produktionsgebieten der TomStenfrucht, die die höchsten bekannten Erträge zu erzielen vermögen. Neben den. Purfees bürgern sich immer mehr im allgemeinen Konsum verschiedene Tomatensaucen, Tomäten-Katchups mit Gewürzzusätzen, Tom^tenpasten usw. ein. 2. Kirr bis. Das Kürbismark Wird heute in ausgedehntester Weise zur Herstellung von Mar- meladen und miarmeladeähnlichen Produkten verwendet. Dort, wo man, wie in Palästina? Kürbis außerordentlich billig erzeugen unnd Kürbis'nrark dementsprechend billig herstellen kann, ist letzteres! sehr wertvoll als Füllmaterial für billige Konsunftrtarmeladen. 3. MeTon-en. Wo Melonen billig zu haben sind, wie fes 'wiederum' in Palästina der Fall, ist, läßt sich das Melonenm'ark ähnlich wie das ‘KürbiSirfark verwerten. 4. Rh abarber. Die Rhabarberm'ar'melade gehört gegenwärtig zu den weniger bekannten Handelsartikeln. Jedoch wird der Rhababer, dessen Kuttur in Palästina eine äußerst ergiebige werden kann, zweifellos für gemischte Marmfeladen und nrarftreladeähnliche Produkte eine sehr lukrative Verwendungfinden. Mit etwas Gewürz (Zfnit. Va-' nitte u. dgl.) stellt mian mit Hilfe des sehr leicht zu erzeugenden Rhababerirtarkes ein schön aussehendes, sehr schmackhaftes und gesundheitlich ganz besonders bekömmliches Produkt her. 5. 'Eferfrüteirt e, Ge müs'epf e f f er. Bamije in Tomatensauce resp. in Oel. Die Zubereitung dieser südlichen Gemiisearten nachgriechischem, 'bulgarischem oder sonstigem orientalischen Geschmack ist in südlichen und orientalischen Ländern als Volk'shahrUngsmittel. sehr verbreitet und vüfrfdbei .entsprechender Pronogarida auch in europäischen Kotisum'zen tren gebührende Anerkennung als höchst bekönrtn'iche Nahrung ■finden. Die als Zusatz zu verwendenden Materialien •—- Tomaten und Oel —* brauchen in Palästina nicht importiert zu werden. 6. Bohnen, Erbsen, Spinat usW. Alle in Europa zum- Konservieren "(in Blechdosen. Krügen. Gläsern) und Einlegen (in Satz. Essi'ri ver- * wendeten. Gemfi<=ea-ten können mit dem gröRfen Erfolge auch ln Palästina verarbeitet werden. Wird eine KonServemndustrie auf der kommerziell gesunden Grundlage der "Verarbeitung möglichst mannigfaltiger Rohprodukte ausgebaut werden. so wird sie zu 'Zwecken, der Versorgung (fes Konservenmärkfes auch mit den alTergevvÖhntichsteh -Gemiisearten sich’ in Palästina aFe erforderlichen Rohprodukte beschaffen können. Außerdem ist darauf hinzuweisen. jaB das Dörren gewisser Gem'üs'earten, neben der Anwendung-speziePer Maschinen, auch noch die SonneftwärnVe während der abso'ut regenlosen Sommermönafe in ausgedehnter Weise auSzunützen gesta'ttet. ■ _ . Die wichtigsten wenig haltbaren Fruch*arfen. die in „Palästina reich’ich'e Erträge ergaben, sind: 1. Aprikosen. Die Heimat deS Aprikosenbaumes ist Zentralasien. Er gedeiht ausgezeichnet in Palästina und Syrien. Seine leichte Kultur und seine frühe, sehr reichliche Fruchttragung werden ihn zu einem der rentabelsten und verb-eitesten FrU/hthStrm'e in-Pa'äsrina machen, wem der Absatz, seiner prächtigen, aber Schnell verderbenden Früchte an Konservenfabriken gesichert sein wird. In der Gegend von Damaskus dienen die ApfHcoSen Zur Herstellung einer Paste, die'zu einem VoHcsmahrungSnfittel geweden ist. Die Aprikose findet m den Konservenfabriken in sehr vielen Variationen Verwendung, namentlich aber für feinere 'Marmeladen und Jams. Ein bedeutender Handelsartikel ist das Aprikosenmärk (als Halbfabrikat); Die Fabrikation *deS Apriktfsennfarkes ist namentlich 'in "Ungarn IKecskemet, Nagy-Czegled, Debreczin usw.) entwickelt 'Getrocknete' Aprikösfen (bedeutende Industrie in Persien und Nordamerika) werden .zifm' Teil für daS Einmtethen, zum' größeren Teile aber für Marmeladen verwendet- 2. Pf ir Site he.- Die Pfirsiche köm/mten hauptsächlich für das Einm'ächen in Dosen und Gläsern in Betracht, aber auch' für die Konservierung durch Dörren: Der Pfirsichbaum, wird in Palästina seine höhe Rentabilität, ebenso wie der Aprikosenbaunj, nur dann erreichen, wenn der 1 Verkauf der Zarten Früthte an Hie Fabriken, mehr oder Weniger m der Nähe der Plantagen ängelegt, ermöglicht sein wird. 3. Q u i 11 e n. Die Quitten haben ihre Heimat im' Südlichen Europa und gedeihen vortrefflich Sn Palästina. Sie finden für Marmeladen, und Geleezwecke reichliche und löhnende Verwendung. 4. F e i g e u.—Die Verwertung von Feigen durch

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