Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 11 (1917)
- Issue
- 21 (25.5.1917)
- Date
- 1917-05-25
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 4 JÜDISCHE ZEITUNG Nh 2t Soeben sind erschienen: Des Jizchok Leib Perez Chaffidisdie Gefchichien Aus dem Jüdischen von Alexander Elias- : berg. — Broschiert K 6.—, gebunden K 7.20 Geschenkausgabe K 8.— Wer die Geschichten des Leib Jizdhök | Perez liest, der wird sich nicht nur wundern, daß es eine so seltsame | Welt gibt, in der kleinlichster Alltag und tiefstes Erlebnis des Uebersinnlidien einander durchdringen, sondern er •wird — sofern er ein Jude ist — auch I stolz sein, daß dies die Quellen sind, 'I aus denen die geistige Kraft seiner Brü- J der hn Osten fließt. Und viele, viele Gedanken werden ihm kommen über dieT sdiier unüberbrückbare Kluft imr Emp- ’ I finden des Juden und dem des — man *1 imiß wohl sagen: Europäers. * (Helene Hanna Cohn im „Jüdischen Echo“, München.) Zu beziehen durch alle Buchhandlungen - oder direkt von: R. LÖWIT VERLAG, Wien I, Wol»zeiie6 Delegiertentages der russischen Zionisten, der im1 Jahre 1906 staftgefunden hatte, mit einer den Fragen der 'Gegenwart entsprechenden Anleitung in hebräiskher,. russischer und jüdischer Sprache* herausgegeben werden. In Moskau wurde ein Zionistisches Rayon- "komitee gebildet, das 24 Gouvernements umfaßt. Eine besonders rege Tätigkeit entfaltete die. zionistische Studenteu-Organisation „Hechawer“. DaS Zentralkomitee wurde durch neue Mitglieder 'erweitert. Die Organisation gibt Bulletins über die Tätigkeit der lokalen Abteilungen und über die laufenden' Fragen heraus. Die zionistische Jugendorganisation „Zeire-Zion“ hielt vom II./24. bis 13;/27. März in Moskau eine Beratung ab, die beschloß, Mitte Mai einen Delegiertentag der „Zerre - Zion“ emzuberufen. In einigen Städten wurden Zionisten in die städtischen Komitees gewählt so Ussisthkin in Odessa, Bruck in Jekäterinosläw, zwei Gesinnungsgenossen in Minsk. Aus der Jüdischen Welt Ein Mahnruf an' die Orthodoxen. Im' Lodzer „VoBcsblatt“ finden wir einen" 'Aufruf eines als „Misrachist“ tätigen Rabbiners von Sumbin, an die Orthodoxen. Die antinationale Haltung weiterer orthodoxen Kreise wird darin einer strengen Kritik unterzogen und auf das Falsche dieser Auffassung hingewiesen.! Wohl naben manche bedeutende Rabbis ihre Anhänger zur Bekämpfung des nationalen Gedankens aufgefordert, doch die große Gelehrtheit dieser Rabbis hindert sie nicht an der .Verkennung der realen Zustände, wie das oft beobachtet wurde. In dieser so wichtigen Zeit muß, schließt der Aufruf, jeder Orthodoxe auf der nationalen Wacht stehen und sich dem1 Misrachi anschließen um des Judentums willen. Dce Lage der Juden in den Von den Deutsichen besetzten -Gebieten. Im Hauptausschuß des Reichstages wies der freikonservative Redner auf die starke antisemitische Strömung in Polen hin. Die Lage der Juden, besonders in Lodz, sei entsetzlich, und ihre Besserung eine unserer ersten Pflichten. Ein Sozialdemokrat beschwerte sich über die Verwaltung in Litauen. Die Judenbevölkerung in Wilna stelle ein. wirtschaftlich unentbehrliches Element dar. Die Sterblichkeit hat dort sehr zugenomtnen, ohne daß Genügendes dagegen geschah. Polen und Juden müssen Zusammenleben, deshalb müssen die ersteren gebührende Rücksicht nehmen. Die Zwangsarbeit bei dem' geringen Lohn traf ausschließlich die Juden. Gegen den Wißen des Stadthauptmannes wurden die Polen bevorzugt. Diese Dinge müssen anders werden. Ein Fortschrittler bestätigt die Klagen über die Verwaltungen Litauen. Mit jedem' Tag werde es' dort ärger. Es müsse ein Wechsel an der ober- -sten Steße erfolgen, ein anderer Träger des dort herrschenden Systems sei ja glücklicherweise entfernt Die Pogronfliteratur des alten Regimes Bei der Aufstöbemng der Geheimdokumente der reaktionären Verbände, Blatter usw. wurden in dem „Verband des russischen Volkes“ — dessen Leiter der berüchtigte, nun verhaftete Judenfeind 'D ubrowin war, — reiche Funde an Pogromschriften gemacht. Provokatorische Aufrufe im Namen der Sozialisten, eine ganze Pogromlitefatur wurde ans Licht gebracht, ebenso eine Liste der im Dienste dieser Pogromhetze stehenden Studenten und Beamten. Auch in der Redaktion des „echt-ruSsischen“ Blattes „Kolokol“ wurden zahlreiche Pogromaufrufe und Broschüren aufgefunden.' Dte engliÄfcheji Juden und die russische Revolution. Das Jüdische Korrespondenzbureau im Haag berichtet, daß sich im Aufträge des1 Conjoint Comitees eine Deputation nach Rußland begab, um? die russischen Juden im Namien der englischen Judehheitzü begrüßen. In der Sitzung der Board of Deputier vom 22. April würde lebhafte .Klage geführt, daß der Board nicht sofort die Revolution begrüßt habe. Heftige Erregung löste die Erklärung L u ci en W o I f s äus, öer Board habe mit der Revolution nichts zu schäften und erst am 8. April, dem1 Tage der Erteilung des .Freiheitscharters an die russischen Juden, habe der Board "Stellung genommen. Nach stürmischen T,umultsZenen und der Verwerfung des Vorschlages, eine spezielle Manifestation gemeinsam mit den andern jüdischn Körperschaften des Landes diircWzuführen, wurde eine Resulution des Herrn Gilbert angenommen. Auch ein Vorschlag, der Frage 'der russischen Dienstpflicht in England erhöhte Aufmerksamkeit zu widmen, fiel man'r gels genügender Unterstützung dahin. Max Nordau über die russische Revolution. An das Jüdische Korrespondenzbureau im Haag telegraphierte Max, Nordau am 2. Mai: „Die ruhmvolle Revolution findetdie russischen Juden für die Freiheit besser vorbereitet, als die westeuropäischen Juden bei ihrer Emanzipation es waren. Die russischen Juden sind sich ihrer ethischen Individualität bewußt. Das neue Rußland wird die Assimilation nicht als Breis für die Gleichstellung fordern, da es allen seinen Nationalitäten das Recht auf Existenz und Entwicklung einräumen wird. In Zukunft werden sechs Milt. Honen Juden in Freiheit ihre nationale Zukunft - vorbereiten können. So werden sie die tausend Assimilanteri desavouieren, die bei,;;oS|9h Regierungen die jüdischen InteressenZp vertreten vorgeben, sie, die den Bestand einer jüdischen Nation leugnen, wie auch die Möglichkeit treu erfüllter Bürgerpflichten, gepaart mit jüdischem* Nationalismus.“ Die russischen Juden in England. Das Jüdische Korrespondenzbureau meldet: In London hat sich ejn Komitee gebildet, das von den russischen Korporationen beschickt ist und die Aufgabe hat, die Rüdekehr der russischen Tlüchtlinge nach Rußland ZU organisieren und ihre Inter- , esfsen in England w^hrzunehmen. T Eme Stimme atisi Amerika* Wjip^ieCzahlfreichen jüdischen Arbeiter in Amerika über den dortigen Kriegszustand Senken, das beweist ein Artikel in der jüdischen „Freien Arbeiter-Stimme“' in Newyork Vom 7. April, den wir. hier im AusZuge in Uebertragung bringen: ,;DaS, was man nicht glauben möchte,' ist jetzt Tatsache. Der Präsident der Vereinigten Staaten fordert den Kongreß auf, den Kriegszustand zwischen Deutschland und ‘Amerika zu erklären, und es ist kein Zweifel, daß dieser Forderung 'entsprochen wird, vielleicht noch etwas mehr. Die Pazifisten, die die Kriegserklärung bekämpfen, 'geben selbst zu, daß ‘sie nichts dagegen machen können. Und der Krieg ZWisrtien Deutschland und Amerika ist beschlossen! Es wird hoffentlich nicht „verräterisch“ sVm,^wenh wir melden,--daß die Kriegserklärung keine Begeisterung. bei. den Mas- : Sen hervorgerufen: hat. DaS* geben selbst die kapitalistischen Zeitungen Zu, die bisher so stark für den Krieg gehetzt haben. Das Volk hat wenig Begeisterung für Wilsons Appell gezeigt, in den Krieg -zu ziehen für die höheren Interessen der Menschlichkeit und der Demokratie gegen die , Aristokratie. Die großen Massen .fühlen gär "Jucht so sehr die Segnungen der sogenannten amerikanischen republikanischen Freiheit, daß sie sich gedrungen fühlen sollten, ihr Blut Zu vergießen, um diese gleiche Freiheit in Deutschland einzuführen. Die Massen haben nicht die Möglichkeit, diese ihre Meinung offen äuszudrücken, aber es ist Tatsache; daß. Sie kalt sind dem Kriege gegenüber. Es darf gsägt weidpn, daß dieser Krieg (wenn es wirklich zum Kriege kommen wird) der unpopulärste seinwird; den Amerika je gehabt hat. Wallstreet hat sein Ziel erreicht. Dieses wird sein: Blut nicht vergießen im1 Streite zwischen Deutschland und Amerika und goldener •Regen wird ■ über Wallstreet und seine Magnaten kommen. Man wird heue Schiffe bauen, das wird viel Geld kosten. Von den Verträgen hiefür wird- Wallstreet cEe Verluste ersetzen, welche sie erlitten nahen durch die d eutschen Unterseeboote, welche hIS Zu einem' gewissen Grade die Munitionsäusfuhr nach' Europa verhindert haben.“ 'Amierika und die Juden. Die Berichte, d;e von dem' Plane der amerikanischen Regierung sprachen, auf der Friedenskonferenz für ein jüdisches Palästina einzutreten, veranläßten das Jüdische Korresiponäenzhureau im'Haag, beim' Kongreßkomitee in Newyork telegraphisch um' Auslainft zu bitten. Wie nun daSKongreßkömitee a’m 2. Mai an das Bureau kabelt, herrscht in der Tat in Amerika der Eindruck, daß die Aussichten der Verwirklichung der; jüdischen Hoffnungen sehr günstig .sind. l^tapüaeinis^^ Aus Lublin teilt: man uns mit, daß unser Gg. Sdhlomä NuSsenbanm, Vertrauensmann der Zionistischen Organisation, einen schweren Verlust erlitten hat. Sein Sohn Raphael ist in Damaskus einer - Krankheit erlegen, die er sich -an der syrischen Front zugezogen hat. Der Verstorbene'war ein begeisterter Anhänger unserer Ideale, hi 'deren Sinne er in seinem'"Vaterhause erzogen -wurde .Kurz vor Kriegsausbruch ging er nach Palästina, um denheimatlichen Boden’ als einfacher Arbeiter zu "bestellen. Er trat hach Kriegsausbruch in die türkische Armee ein, um: an jener "Front Zu kämpfen, an 'der es ■ galt, das geliebte Land ,vor feindlicher Invasion zu schützen. lie wünschen eine zionistische Presse, die reichhaltig ist,"Beiträge guter Autoren bringt, einen schnellen Meldedienst hat und das Feuilleton pflegt? Werden Sie selbst Abonnent, werben Sie Abonnenten, dann können wir die jüdische Zeitung 000 entsprechend ausbauen Q0O Zionisten im Felde Unser Gg. Heinrich Haber hat am 13. Mai an der Isönzofront den Heldentod erlitten. Lt. Maximilian' A11 b a fc h, aus der VeritaS, der bereits für tapferes "Verhalten Jor dem Feinde mit dem bronzenen Signum laudiS mit den Schwertern dekoriert war, wurde nun neuerdings für tapferes Verhalten mit dem' silbernen' sigv num laudiS mit den "Schwertern fguSg.ezeiclinet; Otto B a r u, Kadettaspirimt'‘jäh' Ihf.-Reg. Nr. 11, aus Brünn, wurde iriit . der bronzenen Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet.'; " Lf. Dr. Josef Jako b owi cz, A, H. der Jüd.i akad, Verbindung tlEmunah“-Bieiitz, erhielt das - Goldene Verdienstkreuz mit der Krone am' Bande der Tapferkeitsmedaille. — Lt. Josef Färber, v'Mitglied der „Emunah“-Bielitz und Führer im Jüdischen Wanderbund „Bfau-Weiß“-Bielitz. erhielt die Bronzene Tapferkeitsmedaille. — Unser Gesinnungsgenosse Herr Dr. Fischet W a s 0 hl t z wurde nach bestandener "Offiziersprüfung zum Fähnrich befördert. — E.-Fr. Zgsf. einer Luftfahrzeug-Abwehrbatterie Ernst Kaerpef (Olly), A. H. der Z^ M. V. „Jung-Jüda“ Wien, wurde mit der Bronzenen Tapferkeitsmedaille dekoriert. Persönliche Nachrichten Ing. Theodor Deutsch, Obmann-Stellvertreter des zweiten Kreises (Westösterreich) der jüdischen Turnerschaft, hat sich mit Fräulein Dr. Lola Rachel O s t e r m a n n verlobt;, Dr. Franz Op p e nrh'e im'e r, der an der Berliner Universität doziert, ist der Professortitel verliehen worden. Ankündigungen Ailgent Jüdischer Arbeiterverein (Poale Zion), JI., Stefaniestraße 2, 3. Stiege, Tür 34. Samstag; den 26. ti. M. um! 5 Uhr abends findet ■int '.VereinSfokale die .Diskussion über den Vor- .trag des Gen. Mendel "Singer „Der Inhalt desZionismus?"' statt.- Gäste willkommen. Oesterrekhiscebr Bund ,iBlau-We» ß“ -fürjüdisches Jugendwaridern,; Ortsgrupp e Wien: Drfs n e ü e H e i m ‘' des' Wahderbundes befindet sich IX. Währingersträße 15. Sprechstunden ' der Führerschäft und Neüänrifefdungen von Wanderern und Wanderinnen jeden Samstag von bis 1/28 Uhr abends.' Jüdische Volksheim-Abende:-Am 31. d. M* findet wiederum' ein musikalischer deklamatorischer Abend, bestritten vom „Jüdischen Wanderbund Blau Weiss“ statt. Anfang 1/28 Uhr, in der Thee- und Suppenanstalt der Frau Anita Müller, II. Gr. Mohrengasse 5. Am' 5. Juni spricht Herr - Dr. Heinrich Schiffm'ann im1 Rahmen der gleichen Veranstaltungen über „Rechtsfragen der Arbeitsnehmer“. Gäste willkommen. Der Verein „Jüdisches Studentenheim“ hält am' Dienstag, den 5. Juni, 4 Uhr nachmittag in den Lokalitäten der Oesterr. VolkSbank; IX. Lichtensteinstraße Nr. 11 seine Generalversammlung mit folgender Tagesordnung ab: L Vorlage der Bilanzen pro 1914, 1915 und 1916 und Beschlußfassung über dieselben. 2. Beschlußfassung über den Verkauf des dem'Verein-gehörigen Hauses IX. Rögergasse Nr. "5. 3. Eventuelles. Berichte und Korrespondenzen Auf dem1 gemeinsamen Friedhof des l.-R. 95 und des reichsde.utschen L. I, R. 19 hat der Einj.- Freiw. Korporal Zuckermann die Gräber folgender jüdischer Helden vorgefunden: E.-F. Korp. Weinbaum' Salom’on, I.-R. 95, gef. 16. IX. 16; Inf. Reiter JoSef, I,-R; 95, gef. 2. X. 16; Inf. Bauer Marion; I.-R, 83, gef. 13. IX. 16; Inf. Nagler Jakob, I:-R, 95, gef. 16. IX. 16; Inf: Schachner Aron Wolf, I.-R. 95, gef. 24. X. 16 ’ Brünn. Am 8. V. sprach Herr Prof. Dr. Schorstein über Lag B’om'er im1 Wander- 'bund „Blau-Weiß“. Die Wanderer dankten dem' Vortragenden für “seine lebhaften und für Hie Jugend trefflich abgestimmten Schilderungen durch einige schöne Lieder. — Der Jüd. Volksverein;,Theodor HerzI“ hielt am' 12. d. nach 2Va jähriger Untätigkeit seine Generalversammlung ab, die Gg. Herrn Ing. Siegfried Spitz zum Obmann Wählte, der wohl in das Parteileben Unserer Stadt -einen frischen Zug bringen wird. Die .Generalversammlung-beschloß auch', an die übrigen jüdisch-nationalen Vereine Brünns wegen Gründung eines Parteirates heranzutreten. Dieser dürfte bereits in den nächsten Tagenzusammen treten .Der „Theodor. Herzt“ wird 'am' ersten Samstag eines jeden Monates im' Cafe M argar eterihof, 1* Stock, einen Diskussionsabend veranstalten. Die Mitglieder treffen 'Sich -vm selben Lokale an jedem SamStag abends, was Gg., die unsere Stadt' besuchen, "zur Kenntnis nehmen wollen. -... Schüller. Graz: Am115. ApriF (mit Beginn der Sommerzeit) wurden die Kjnderäbteitüngen, sowie' 'die