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Jüdische Zeitung · 1917-05-25 · 21 (25.5.1917) · p. Seite 3

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
11 (1917)
Issue
21 (25.5.1917)
Date
1917-05-25
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 21 JÜDISCHE ZE1TUNÖ Seite 3 ln diesen un/uhigen Kriegszeiten haben sich bei unseren Freunden tiefe Wandfungen vollzogen. Es haben sich auch heue Gruppen gebildet/ die, ' nicht immer allzu maßvoll, die Stimme der Kritik erhoben und ihre eigenen, abweichenden Anschauungen durchsetzen wollten. Bei dem vielen Wirrwarr und iien geringen Möglichkeiten von verständigenden Aussprachen besteht .die Gefahr, daß beim' ersteh Wiederzusammentreffen wiederum, wie einst beim* Kampf der Politischen und der Praktischen, abgestempelte Begriffe aufeinanderprallen, die viel zu wenig “positiv sind, ata daß jie überhaupt Gegensätze bilden könnten. Dem vorzubeugen ist unsere Pflicht. Darum wollen wir alle, die . wir mit der Leitung nicht zufrieden wa'r'en, a(Uf jegliche Opposition von vornherein verzichten und uns statt dessen bemühen, ein positives, 'und genau formuliertes Gruppenprogramm aufzustellen, Adas keine Spitzen enthält, sondern auch jenen, mit denen wir wir oft in Meinungsverschiedenheiten gerieten, den Weg offen hält. Nichts benötigen wir drim gender als die Klarheit eines sotchen Programmes. Denn erschreckend ist die Verwirrung, die da herrscht. Wie könnte es auch anders sein, da wir seit drei Jahren vergeblich auf ein Wort der Direktive warten? Anfänge habe ich hier zu zeigen versucht, nun möge die Zeit das ihre tun, damit wir auf dem nächsten Kongreß endlich wieder 'wissen, was not tut —"— — und was wir wollen! Kolonisation und Industrie in Palästina * * Von Ing. Agr. J. Oettinger Nur durch die Tatsache der Entwicklung einer breiten ländlichen produktiven Volksschicht wird die, zukünftige jüdische Gemeinschaft in Palästina ihren dauernden Bestand und ihren nationalen Charakter sichern können. Doch der Vorrang, der der Landwirtschaft bei allen Kolonisationsplänen in bezug aitf Palästina eingeräumt wird und stets eingeräumt werden muß, - darf keineswegs ‘dazu .führen, die Bedeutung der Industrie für die Entwicklung Palästinas unterschätzen zu wollen.. Erst “die Industrie wird eine dichte Besiedelung des Landes ermöglichen, da sie mannigfaltige und sehr zahlreiche Existenzmöglichkeiten schaffen kann. Zusammen mit der Landwirtschaft wird 'die Industrie sozialwirtschaftliche gesunde Verhältnisse in Palästina herbeizuführen haben. Die bisher geringe “Entwicklung der palästinensischen Industrie Und die Ursachen davon sind zur Genüge bekannt. Die ersten Ansätze industrieller Unternehmungen waren irr technischer-Beziehung rüdkständig. Die-Gewinnung des vielleicht nicht gar so unbedeutenden heimischen Marktes war durch den früheren „Wertzoll“ (8% bis 1917, 11 °/o bis Beginn des-Krieges für alle Waren ungeheuer erschwert- Für die Förderung des Absatzes der Industrieprodukte im Aus- . lande fehlten vor allem' — neben anderen erforderlichen staatlichen Maßnahmen — günstige Han- * Aus dem in Vorbereitung befindlichen dritten Heft von „Erez Israel“ über Pilanzungen. Jn meinem' Lande“, fuhr der Hocherhabne, Des andern Seele zu ergründen, fort, .Gibt es ein Recht» nach sieben Jahren soll Die Arbeit ruhn^und frei der Sklave sein.“ /Was für ein Land“, empörte lener sich, 0Von Unverschämten und Verrückten ist Das Deinige? Bei uns ist nichts afS 'Arbeit Das ganze Leben fang, denn dazu ward Der Mensch gezeugt, “ja gäb es Möglichkeit, Wir würden noch die Toten in den “Särgen/ Die wirklich ein Faulenzerlehen fuhren, An irgendeine leichte Arbeit stellen, An eine Kurbel, die man wie im Traum Nur Sacht zu drehn braucht. Arbeit macht gesund! Ich selbst arbeite, hab’s nidit nötig, doch Bin früh der erste, nachts der letzte hier. So muß es sein. Sorist bringt man es nicht vorwärts. Reich will ich sein, nodi reicher will ich sein, Nein, reicher noch. Ach, das ist eine Mühe, Glaub mir,' der "ärgste, Sklave bin ich Selbst, Bedauernwerter noch als meine Sklaven.“ ^Der Freigewordene, def Sklave bleibt Aus freien Stücken, — "diesen hefte man Mit dem durchbohrten Ohr an einen ^Pfosten4 Als Schändlichsten. So will es mein'Gesetz.“ Und Mose hob die Hand, die jyar aus Nacht, Darin die scharfen Dornen eines "Blitzes Zitternd aüfwuchsen. Auch“ donnerte Die Erde, gierig sich zu öffnen und Das blitzgeschlagene, das Haus der Qual, Ja, alle Menschheit klaffend einzuschlingen' — Dieselbe Erde, die den Korah schlang, Dieselbe Hand, die beide Tafeln brach, Sdion drohten sie. — “Da bildet sich im Äug* Des Lehrers ifnes Mädchens Auge ab,. Das sehnsuchtsvoll von' seiner Arbeit weg Zum’ klaren Himmel nach Erlösung sah Und Schönes fühlte, Kindlich-Richtiges. CJnd - er hielt ein: „"Da sie noch selber hoffen, Die Menschen, sollt ich sie vernichten?“ — Ach, Ins tügne Herz, das 'Iiebeheißeste, Ist Hoffijung .unauslöschlich .ihm gesenkt^ Dem Männe Mose, und zugleich ein Wüten Und Schmerz um "seine “Kinder... Und er geht, Mit leichtem Nicken weg, dem eine Träne Entfäfll von solchem Glanz, daß der am' Schreibtisich1 Geblendet aufbrüllt und zusammenstürzt. deisverträge. Obwohl das Fehlen von Kohle im Lande kein Hindjernis für die Entwicklung von Industriezweigen, die auf billigen Brennstoff angewiesensind, bildet, so haben sich bisher Industrien, die wenig oder gar keinen Brennstoff verbrauchen, in Palästina wenig entwickelt. Trotz der schwierigen Verhältnisse hat in Palästina namentlich die Verarbeitung leicht verderblicher landwirtschaftlicher Produkte beachtenswerte Ansätze für eine zukünftige aussichtsvolle Industrie aufzuweisen. Die Weinerzeugung, die Oelproduktion und die Seifenfabrikation überragen an Bedeutung bei weitem andere Industriezweige, von denen mehr oder weniger bescheidene Anfänge vorhanden sind, wie z. B. die kunstgewerblichen Industrien, die ‘Gewinnung ätherischer Oele, die Herstellung von Baumaterial, das Bau~ handwerk und die anderen einzelnen Handwerke. Die weitgehendsten industriellen Möglichkeiten Palästinas beruhen aber sicherlich vor allem auf der technischen Verarbeitung der wertvollsten landwirtschaftlichen Erzeugnisse, also hauptsächlich der verschiedensten Gartenbauprodukte. Bisher wurden in Palästina nur zwei Frucht- ' arten — die Weintraube und Olive zur Gewinnung von Dauerprodukten — von Wein. „Traubenhonig“ und Rosinen, von Oer, konservierten Oliven und Seife. verwertet. Außerdem kann in . dieser Beziehung auf die recht verbreitete Herstellung von Aprikosenpasten und Trocknung von Aprikosen in Syrien hingewiesen werden. Mit diesen ‘drei Zweigen der Fruchtverwertungsfndustrie ist aber bei weitem nicht die Rejhe derjenigen Produkte erschöpft, weiche in Zukunft in Palästina und Syrien einer großartigen Entwicklung fähig sind. Um' die Aufmerksamkeit derjenigen Kreise, welche für die wirtschaftliche Erschließung Palästinas sich interessieren, auf dieses mit der landwirtschaftlichen Produktion . eng verbundene industrielle Tätigkeitsgebiet zu lenken, wollen .wir hier in Kürze die wichtigsten Momente anführen, die für die Entwicklung einer aussichtsvollen palästinensischen Konservenindustrie in Betracht kommen. Unseren Ausführungen wollen wir die allgemeine Bemerkung vorausschicken, daß wir in bezug auf industrielle Pläne, ganz ebenso wie hinsichtlich landwirtschaftlicher Sied’u.igsprojekte, vor allem jüdisch-kolonisatorische Gesichtspunkte im Auge haben. Von diesen Gesichtspunkten ausgehend, stellen wir an eine in Palästina Zu entwickelnde Konservenindustrie folgende Anforderungen: 1.) Sie muß den investierten Kapitalien eine hinreichend hohe Verzinsung bieten j 2. ) Sie muß, um eine hohe Rentabilität erreichen zu können, vorwiegend Dauerprodukte, die für den Massenkonsum berechnet sind, erzeugen j 3. Sie muß eine reichliche, stetig zunehmende Erzeugung wertvoller landwirtschaftlicher Rohprodukte bewirken; 4. Sie muß zahlreiche Arbeitsgelegenheiten für jüdische Arbeiter und Arbeiterinnen schaffen. Für das Gedeihen der Verarbeitungsindustrie ist die richtige Wahl einer für diesen Zweck passenden Ortschaft von ausschlaggebender Wichtigkeit. Zu der gewählten Ortschaft, die in der Nähe einer Bahn und .eines Hafens liegen soll, müssen möglichst gute Fahrwege führen, dä mangelhafte Verkehrswege große Unkosten bei der Zustellung der voluminösen Rosprodukte ver- “ Ursachen. Am meisten entsprechen in Palästina den .Anforderungen in bezug auf Transportver- Jiältnisse die Hafenstädte Haifa und Jaffa- Das Produktionsgebiet der zu verarbeitenden Rohprodukte muß möglichst nahe bei den projektierten Verarbeitungsanlagen sich befinden, ln der nächsten Umgebung soll die Möglichkeit der Anschaffung von möglichst viel Früchten, Gemüse und eventuell Fischen vorhanden sein. Bei^ allen Zweigen der Konservenindustrie müssen 'die Rohprodukte in vollkommen frischem Zustande zur Verarbeitung gelangen. Die aus frischen Früchten, Gemüse und Fischen hergestellten Konserven werden stets höher bewertet als diejenigen, die aus Produkten angefertigt waren, die einem längeren Transporte ausgesetzt waren. Die in der Nähe der Fabrik gewonnenen Rohprodukte ergeben nicht nur qualitativ "bessere Konserven, sondern sie erweisen sich auch viel ausgiebiger als Rohmaterialien, die aus der Ferne kommen. Die neue Industie muß än "Orten begründetwerden, wo bereits eine bedeutende jüdische Arbeiterbevölkerung vorhanden ist oder wo eine solche in Bälde voraussichtlich sich ansedein kann. Diese Industrie wird viere Tausende von Arbeitern und Arbeiterinnen beschäftigen. Ein Teil wird allerdings nicht während des ganzen Jahres in den Konservierungsbetrieben Arbeit finden. Die Saisonarbeiten dieser Betriebe fallen aber mit denjenigen, die für die Gewinnung der rohen Produkte (Früchte und Gemüse) in Betracht kommen, nicht zusammen. In diesem Umstande liegt ein zweifacher Vorteil: einerseits wird die Konservenindustrie an Arbeitskräften keinen Mangel in den Monaten haben, in welchen sie ihrer am meisten bedürftigt sind, und andererseits werden die Arbeiter eine ergänzende Beschäftigung gerade in dnselben landwirtschaftlichen Zweigen finden, deren "Entwicklung durch diese Industrie mächtig gefördert werden wird. Es ist nicht ausgeschlossen, daß die Arbeiter und Arbeiterinnen sich zu genossenschaftlichen Gruppen organisieren werden, um eventuell Lieferungen von Gemüse an die Fabriken zu übernehmen. Der auf diese Weise regulierte und gesicherte Ab'- satz ihrer Erzeugnisse wird ihnen in Verbindung mit der Arbeit in den Fabriken eine gesicherte Existenzgrundlage verschaffen. In der "nächsten Neue jüdische Literatur! 1. Dr. S. Kassner, Die Juden in der Bukowina .K 2.— 2. Eduard Bernstein, Die Aufgaben der Juden im Weltkrieg.K 2.40 3. Erez Israel, 2. Heft. Der Genossenschaftsfrage gewidmet. K 2.40 4. Neue Jüdische Monatshefte Nr. 14. Mit Beiträgen von Eduard Bernstein, Mayer Balaban, Adolf Friedemann, Felix Theilhaber. . . ..K —M 5. Der Jade, Heft 3. Erscheint anfangs JunL Enthält u. a. Beiträge von Dr. Max Rosenfeld, Moses Schorr, Dr. Rob. Weltch, Arnold Zweig, Dr. Max Brod, Prof. Warburg. Die gesamte jüdische und zionistische Literatur stets auf Lager bei: R. fcöwit, I, RotentannstFasse HF. 22 Nähe der Konservenfabriken wird die Errichtung von Arbeitersiedlungen sehr am Platze sein. In diesen Siedlungen werden sich intensive Landwirtschaft und industrielle Tätigkeit auf engste verbinden. Von Wichtigkeit wird u. a, dabei der Umstand sein, daß in "der Konservenindustrie namentlich Frauen und Mädchen beschäftigt sein werden, södaß alle Arbeitskräfte der hierwohnenden Familien vbTTe Verwendung werden finden können. Es sei hier auch der Vorteil erwähnt, den die Arbeiterinnen daraus ziehen werden, daß sie in der Konservenindustrie manches lernen werden, was' sie in ihrem Haushalte werden verwerten können, da ja das Verfahren des Einmachens und Einlegens im Großbetriebe so ziemlich dasselbe ist, wie das im Haushalte verwendete (Sterilisierung, Bereitung dejrselben flüssigen Konzentrationen, Luftabschluß u. s. w.) Das Vorhandensein einer bestimmten Anzahl von Arbeitern und Arbeiterinnen, die mit jedem Jahre geschickter und fachkundiger sein werden, wird einen wichtigen Faktor für die Mflg lichkeit einer stetigen Ausdehnung der Konset. venindustrie ausmachen. Neben den einfachen Arbeitern werden Konservenfabriken auch eine beträchtliche Anzahl von qualifizierten Arbeitskräften bei dem Dampfbetriebe, bei der Anfertigung von Verpackungsmaterialien und bei der eigentlichen Zubereitung der Konserven beschäftigen .Ueberdies wird für Leitung und Büroarbeiten ein tüchtiges technisches und kaufmännisches Personal erforderlich Sein. In bezug auf die anfänglichen Dimensionen von Anlagen für Konservenherstellung möge darauf hingewiesen werden, daß sowohl kleinere, afs auch mittlere und größere Einrichtungen möglich sind. Kleinere Betriebe können mit verhältnismäßig geringem Kapital anfangen und s^ch bloß auf die Herstel’ung von einem oder höchstens zwei bis drei Fabrikaten beschränken. Dabei wird von Kraftbetrieb und auch von einer Dampfanlage abgesehen werden können. Der kleine Unternehmer muß aber unbedingt in der Lage sein, sowohl die technische wie die kaufmännische Seite selbst zu führen. Was große Einrichtungen anbetrifft, so denken wir an moderne Konservenfabriken,' wetche möglichst viele Fabrikate herstellen. Diese Fabriken sind in der Leitung, sowo’fil in technischer, als fn kaufmännischer Beziehung, “so vielseitig und kompliziert, daß sie von Anfang an nur erstklassige Leistungskräfte heranzuziehen haben. Große Konservenfabriken müssen die verschiedensten Konservierung s?. w e i g e aufnehmen können und müssen vor allem' auch für den Vertrieb der Produkte rechtzeitig großzügige Propagandamittel anwenden (Schluß folgt.) Zionistische Tätigkeit in Rußland Die Zionistische Organisation in Rußland benutzte die ersten Wochen der russischen Freiheit, um die vereinzelten und zerstreuten Kräfte zu vereinigen und eine großzügige Propaganda zu entfalten. Aus einer ganzen Reihe größerer und kleinerer Städte liegen Berichte über große zionistische Versammlungen, Vorträge und Massenkundgebungen vor. Der Aufforderung des Zionistischen Zentralkomitees gemäß wurden'bereits in einer Reihe von Städten auf Initiative der Zionisten aus allen jüdischen Parteien zusammengesetzte politische Komitees gebildet, die sich aus Vertretern aller jüdischen Richtungen der betreffenden Stadt zusammensetzen und den Organisationsikem für den künftigen Jüdischen Kongreß in Rußland bilden sollen. Solche Komitees Wurden in- Kiew. Minsk, Charkow, Mohifew, Ufa, Mirgorod und anderen Städten gegründet. Demnächst sollen auch die Wahlen zu einem solchen Komitee in Petersburg stattfinden. Das Zionistische Zentralkomitee ist gegenwärtig mit der Organisierung der Arbeit und der Entsendung einer Reihe zionistischer Redner in die Provinz beschäftigt. Diese Redner werden aus den in Petersburg und Moskau bestehenden sogenann*en Instruktoren-Gruppen rekrutiert Der zionistische Verlag „Wostok“ plant die Herausgabe einer Reihe Broschüren über zionistische Politik und Praxis. In erster Reihe soll ein Bericht über die Beschlüsse des Helsingforser

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