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Jüdische Zeitung · 1917-05-18 · 20 (18.5.1917) · p. Seite 3

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
11 (1917)
Issue
20 (18.5.1917)
Date
1917-05-18
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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JÜDISCHE ZEITUNG Seite 3 Nr. 20 Kraft und den Mut aufgebracht hat, seiner Ueberzeugung treu zu leben (und zu wirken. Ein Führer seiner Gemeinde und ein Führer desZionisänus. Und eine bescheidene Dankeskundgebung für den Führer sollte die intime Feier sein, zu der das zionistische Lokafkomiteeidie Krakauer. Genossen; für den 30. April in die Säle des jüdischen Restaurants Kubie eingeladen hat. Alles was Rang und Namen hat innerhalb der nationalen Bewegung, fand sich ein, auch ein Kranz Schöner Frauen zierte die Festtafel and in hellen Scharen kamen die Jungen und die Jüngsten, die Doktor Thon dem Tempel und der hebräischen Sprache wieder'erobert hat. Der Vorsitzende des LokaBcomitees, Adv. Dr. F e fd b I u m begrüßte den Jubilar und die erschienenen Gäste, führte ihnen ein Bild der Tätigkeit Dr. Thons als Prediger, Hebraist und zionistischer Führer vor Augen, erklärte, daß das Lokalkomitee beschlossen hat, Dr. Osias Thon ins goldene Buch des Jüd.Nationalfonds einzutragen und einen Oelbaumgarten im Herztwald auf seinen Namen zu stiften. (Die auswärtigei Freunde und Verehrer Dr. Thons werden gewiß den Garten zu einem Hain anwachsen lassen!) und schloß mit der Bitte an den Jubilar: „Bleib’ uns, der Du bist!“ Im Namen der hebräischen Schule dankte Herr Salomon Leser Herrn Dr. Thon für seine Fürsorge für die Schure, die ihml zu Ehren ein Schülerstipendium gestiftet, dessen Verleihungsrecht Dr. Thon zustehen soll und überreichte ihm ein hebräisches Diplom als Ehrenmitglied. Der Poalezionist, Herr Mifelew begrüßte den Gefeierten im' Namen der hebräischen Lehrer Krakaus in einer Schönen hebräischen und noch - schöneren jüdischen Ansprache, die an die letzten Worte Feldblüms anknüpfend, dahin ausklang, daß es eine Verkleinerung 'der Persönlichkeit Dr. Osias Thons wäre, ihn zu bitten, er möge bfeiben, was er ist. „Könnt ihr den Obstbaum bitten, daß er Früchte trägt? Er trägt sie, weil er — muß!“ Im Namen der hebräischen Leshalle „Esi-a“ feierte Adv. Dr. Max Leser die Verdienste des Jubilars in einer längeren hebräischen Ansprache; im1- Nam'en des akademischen Vereins Przedswit-Haschachar erbat sich Herr Mirowski die Erlaubnis, die im: „Haschachar“ und sonstigen hebräischen Zeitschriften verstreuten philosophischen Arbeiten Dr. Thons in polnischer Uebersetzung herausgeben zu dürfen, und im Namfen der gewesenen Schüler sprach Herr Dr. Fink, der afe besonderes Charakteristikum "Dr. Thons seine ewige Jugend hervorhob, die ihm in ein engeres Verhältnis zu den jungen Juden zu treten und so ein Band zu knüpfen gstattete, das der Zeiten Ungemach überdauert. Ansprachen hielten noch Herr Abr. P in e 1 e s namens des zionistischen Bethauses „Beth Israel“, der FeStungsrabbiner Herr Dr. Sicher und Herr Regimentsarzt Dr. Sofer.im' eigenen, sowie im Namen der vielen Verehrer von "Dr. Thöüs überragender Persönlichkeit. , Zum Schluß dankte Herr Dr. Thon für die vielen Beweise der Liebe und Wertschätzung, lehnte bescheiden das ihm gezollte Lob ab, es sei die große Zeit, in der er gelebt und gewirkt, die ihn zu einem Rädchen an der jüdischen Weltühr werden, ließ, die nie mehr Stillstehen kann. Die i20 Jahre seiner zionistischen publizistischen Tätigkeit, das sind eben 20 Jahre des politischen Zionismus, der das jüdische Volk zu neuem Leben erweckt, — 20 Jahre, die der hebräischen Sprache — von der noch’ J. L. Gordon verzweifelt ausrufen konnte: tosjpjö Im Kampf für die nationalen Rechte und gegen den wachsenden Antisemitismus verstärkt jeder neue Abonnent unsere Position. Gesinnungsgenossen! Es gilt vorerst die Aufklärung und Gewinnung der gleichgültigen Volksgenossen, sollen wir in der Zukunft gerüstet sein. Das beste Mittel dafür ist jetzt die Verbreitung unserer Presse. Jeder Einzelne werde zum Agitator in seinem Kreise. Verschmäht nicht die Kleinarbeit! Nur sie kann uns Erfolge bringen. Werbet neue Abonnenten! — einen Achad Haam, Perez, Bialik, Czemichowski u. a. geschenkt, — 20 Jahre, die die Erlösung des jüdischen L a n.d e s vorbereitet, die hoffentlich nicht mehr fern ist. Und der verklärte Geist eines Größeren schwebte über der Versammlung. . . *. Aus einer Thonfeier ist eine Herzlfeier geworden. Wf Aus der allgemeinen Presse Unter dem Titel „Eine jüdische Republik in Palästina“ veröffentlicht die in Berlin erscheinende angesehene konservative Zeitung „Der Reichsbote“ in ihrer Nummer vom 2.Mai 1917 einen Aufsatz, der sich sehr warm für die Realisierung dieses Gedankens mit Hilfe der Zentralmächte einsetzt. Ausgehend von dem großen Interesse, das in letzter Zeit in der englischen Öffentlichkeit dem zionistischen Gedanken entgegengebracht wird, sucht der Artikel nachzuweisen, daß England damit in erster Reihe eigene imperialistische Pläne - verfolgt, indem1 es einen jüdischen Staat in Palästina als Bindeglied zwischen Aegypten und Indien herstellen will. Diesen Plänen müßten die Zentrahnächte zuvorkommen, indem sie sich selbst des zionistischen Gedankens annehmen. Das Blatt schreibt: „Eine starke Türkei ist seit Jahren Gegenstand vieler mühevoller politischer Arbeit gewesen. Wir werden ■ im kommenden Frieden mehr denn je unserem türkischen Bundesgenossen zur Seite stehen müssen, um ihm zur inneren Erstarkung zu verhelfen. Ein gewiß nicht zu verachtendes Mittet würde hierzu die Schaffung eines in strengster Abhängigkeit von der türkischen Oberhoheit befindlichen jüdischen Staatswesens sein, dem dennoch Gelegenheit gegeben sein muß, sich in seiner Volkseigentümlichkeit zu entwickeln. Der Jude ist ein geborener Kolonist. Wie kein anderer Mensich auf Erden vei steht er es, alle gebotenen Vorteile auszunützen. Sein betrieblicher Sinn wird die Bodenschätze Palästinas erschließen, wird Wälder antegen, Brunnen finden, wird dem Ackerland Zur Nosologie der Ostjuden Von Cbajlm - (Schluß.) Nach den verschiedenen Tuberkuloseerkrankungen sind jene des Verdauungstraktes am häufigsten. Inwieweit eine verkehrte Nahrungszufuhr dabei mitschuldig ist, habe ich bereits besprochen. Eine gewisse Rolle dürfte wohl auch die Unrast spielen und die geringe Socgfält bei der Nahrungsaufnahme und dem wichtigen Kauakte. Dfeser durch die Lage des Volkes bedingten Unrast und ihren verhängnisvollen .Folgen werden wir noch "in einer anderen Krankheitsgruppe begegnen. "Bei den Säuglingen, ‘die fast durchwegs Brustkinder waren, wurde durch Ueberemährung und Beigabe aller möglichen, oft schwer verdaulichen Zuspeisen allzuviel gesündigt. Charakteristisch ist folgende Episode: Gelegentlich einer Konsultation wird der Mutter 'gesagt: „Ihr KinSd hat wegen Ueberfütterung einen Darmkatarrh. Lassen Sie es einen Tag fasten. Aber Fasten heißt, nichts zu essen und SU trinken geben, wie am Jom-Kippur! Haben Sie verstanden?“ Darauf wörtlich die Mutter: „Ja, Herr Doktor; aber e Stickl Hering meg’ch ihm geben?“ — Em Gefolge der verfehlten Ernährungsweise, die bereits im zartesten Kindesalter einsetzt und in der späterhin allzuviel gesündigt wird, findet sich ein Heer von Leber-, Gallen-, Nieren-, "Blasen-, Mageäi- und Darmkrankheiten, die alle wohl mit Verbesserung der Nahrungshygiene rasch schwinden dürften. Ob und in welchem1 Zusammenhänge damit die relativ häufigen, krebsartigen Erkrankungen stehen, entzieht sich leider noch der medizinischen •Beurteilung. Erwähnenswert sind hier die gehäuften schweren und schwersten Veränderungen des Nierengewebes, die in der Berichtszeit an männlichen Und weiblichen Ostjuden jeden Alters beobachtet wurden. Bekannt ist es ja, daß alle Fahndungen nach der Ursache ergebnislos verliefen. Auszuschließen sind bei unserem' Krankenmaterial die angeblich schuldtragenden. Vielfachen Schutzimpfungen mit polyvalenten Seren. Die beobachteten. Zivilkranken waren hur verein- ' zeit gegen Blattern geimpft. Einige Wenige hatten klinisch und bakteriologisch sichergestellte Infektionskrankheiten überstanden; bei keinem war jedoch bakteriologisch eine direkte Infektionsursache festzustellen. Es mag darum die Frage offen gelassen werden, ob hiebei nicht doch wiederum eine akut einsetzende Unterernährung zumindest in Bezug auf Herabsetzung “der Widerstandsfähigkeit, .eine gewisse Rolle spielt; zumal mir von Kollegen ähnliche Beobachtungen die schönsten Früchte entlocken, wenn er auch nicht selber Landwirt ist; Arbeitskräfte findet er unter den Fellahs dort genug •— Der Handelsverkehr der ganzen Türkei wird mit dem geschlossenen 'jüdischen Element in seinem' Reichskörper erstarken. — Die Gründung eines jüdischen Staatswesens würde dem unruhvojlen Volke der Juden neue Geschlossenheit und eine positive — nicht mehr zersetzende — Kraft verleihen. Als betriebsamer Handelsstaat würde es die Türangei zwischen den Weltteilen Europa, Asien, Afrika werden, als Kolonistenvolk eine bedeutsame Btutauffrjschung für die einer solchen bedürfenden Türkei. Da die Juden politisch meist zur republikanischen Seite hinneigen, so soll man ihnen eine Republik auf dem Urväterboden schenken. Die jüdische Republik aber hat für alle Zeit einen Bestandteil des Osmanischen Reiches zu bilden!“ Aus der jüdischen Welt Gleichberechtigung in Rußland« Auf Grund des Emanzipationsediktes wurden am 10./23.März in der Sitzung der Moskauer Gerichtskammer 110 jüdische Rechtsanwälte in die Korporation der Rechtsanwälte aufgenommen. Bei der Eidablegung hielt der zionistische Rabbiner Mase die Ansprache. In' Odessa wurden 60 jüdische Rechtsanwaltsgehilfen zu Rechtsanwälten ernannt. Eine Depesche aus Moskau teilt mit, daß 2600 Juden int Juli zu Offizieren ernannt werden und daß Rechtsanwalt O. O. Grusenberg das Amt eines Senators angenommen hat. Eine Konferenz des „Bund“- Wir entnehmen der „Jüd. Rdsch.“ folgenden Bericht: Vom 1./14. bis 6;/19. April tagte in Petersburg die erste öffentliche Konferenz des „Bundes“ („Jüdischer Soziatdemokratischer Arbeiterbund in Rußland, Polen und Litauen“), an der 72 Delegierte teilnahmen. In der Eröffnungsrede Schilderte das Mitglied des Zentralkomitees Herr Weinstein die Geschichte der Partei und ihre Bedeutung für die Revolution. Die Konferenz sandte an den nach Rußland zurückgekehrten Führer der russischen Sozialdemokraten P1 e c h a n o w, den „Rat der Soldaten? und Arbeiterdeputierten“, die Bundisten des okkupierten Gebietes, an deren Spitze Wladimir Medern steht, und an die an der Front stehenden Bundisten Begrüßungen ab. — Der erste Tag der Beratung war den inneren Fragen der russischen Politik gewidmet. Der Berichterstatter M. Qoldmann (Liber) begründete die Ansicht, daß die russische Regierung eine Erklärung für den Frieden ohne, Annexionen abzugeben habe. Bis zum Eintritt des Friedens müsse aber der Arbeiter die gegenwärtige Regierung unterstützen und das Land Schytzen. Die Opposition dagegen erklärte jede Fortsetzung des Krieges als Gefahr für die Aussichten der Revolution. Die im Anschluß an diese Debatte gefaßte Resolution wendet sich an die jüdische Arbeiterschaft, die gegenwärtige Regierung zu unterstützen, solange sie dem Wege der Festigung der-Errungenschaften der Revolution treu bleibe. — Die nächsten Sitzungen hatten die Fragen der national-kulturellen Autonomie zum Gegenstand der Beratungen. Als Referenten sprachen die Herren T. Hei likmann J. Gißar und Dr. M. ß af e ß. Die beiden ersten befaßten sich mit der prinzipiellen Begründung dieser Forderung, während "Rafeß die Wege zur Realisierung, dieser aus der Zeit der Albanienepisode mitgeteilt worden sind. Weder bei den Nierennoch bei den Lebererkrankungen darf der Alkoholmißbrauch ganz außer Betracht gelassen werden. Die wiederholten Feststellungen von der Abstinenz der Juden gehören in das Reich der halben Wahrheiten. Die Trunksucht ist allerdings unbekannt; es wäre aber übers Ziel geschossen, wollte man behaupten, daß in Bezug* auf Alkohol, namentlich aber Schnaps, des Guten zu wenig getan werde. Die Woche über ist der Jude gewiß nüchtern; ^n Festtagen, meistens jedoch an den mehrere Tage währenden Hochzeitsfeierlichkeiten, natürlich der besseren Kreise, kann von Atkohotabstinenz nicht gesprochen werden. Klinische Zeichen von Alkoholismus sind allerdings niemals festgestellt worden. Es ist freilich immerhin möglich, daß diese Einführung erst jüngeren Datums ist. Auch ihre Bekämpfung wird daher, falls sie überhaupt notwendig werden sollte, nicht auf allzu große Schwierigkeiten stoßen. Unberücksichtigt können in unserer Betrachtung wohl die Infektionskrankheiten bleiben, wobei zu bemerken wäre, daß die Juden nichteinmal eine teilweise Immunität zeigten, ihre Sterblichkeitsziffer eine ziemlich höhe war und sie infolge ihre Unterernährung un& ihrer Darmerkrankungen für die Infektion womöglich empfänglicher wurden. Die allzugroße Siedlungsdichte in sanitär ungünstigem Terrain, verbunden mit einem starken Zustrom ortsfremder Flüchtlinge, lassen eine herabgeminderte Körperkultur begreiflich erscheinen, die ihrerseits die Verbreitung von Krankheiten noch mehr ermöglichte. Zahlreiches Ungeziefer aller Art, dessen Bekämpfung bei der Primitivität aller Verhältnisse schier problematisch war, trug das seinige dazu bei. Demgemäß gab es die entsprechenden Ekzeme, Lymphdrüsen — und Lidrandentzündungen, doch blieb das Suchen nach dem berühmten Weichselzopf unter den Juden ergebnislos. In engem Zusammenhänge mit den Ernäh-

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