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Jüdische Zeitung · 1917-04-27 · 17 (27.4.1917) · p. Seite 3

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
11 (1917)
Issue
17 (27.4.1917)
Date
1917-04-27
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 1? JÜDISCHE ZEITUNG Seite 3 Die „Beth Malächah“ hatte bis vor dem Kriege Komitees irr verschiedene-! Ländern, die dasjlnstitut erhielten. Trotz der schwierigen Lage erhä t' der Jerusa’emer Frauenverein „Esrath- Naschim“ auch jetzt noch 120 jüdische Mädchen. Da aber die englischen, russischen und amerikanischen Komitees dieser hochwichtigen Institution von jeder Sendung abgeschnitten sind,) ergeht von Frau Ita und Herrn David Y ellin'namens der Schulleitung die innige Bitte'an alle Juden der Verbündeten Länder,rdie Schule erhalten zu helfen. Eine Hilfsaktion Tür die „Beth-Me!achah“ wird anbei für Oesterreicheingeleitet. An der Aktion beteiligen sich der' zionistische Fraunverein,' die zionistische Mädchenvereinigung „Moriah“ und viele andere Vereine. 1- Ausweis: Wiener Zionistischer Frauehverein 100 K. Wiener zionistische Vereinigung 100 K. N. N. auf den Namen des am1 28. Februar gefallenen Gefreiten Hans Schmiedl 100 K. Dr. H. Glanz- Sohar 100 K. Geldsendungen sind an Dr. Heinrich Glanz, Wjen, 8. Bezirk, Langegasse 32, Oesterr. Postsparkassenkonto Nr. 157.693 zu richten, auch Sammelbogen sind dort erhältlich. Ausweis gesandter Geldspenden erfolge in den Jüdischen Wochenblättern, die diesen Aufruf publizieren. Aus der jüdischen Welt Der Nationalrat der sozialistischen Partei in Frankreich hat auf den Antrag des.Abgeordneten Pierre Renaudel folgenden Beschluß angenommen: Der Nationalrat spricht, den Wunsch aus, daß der zukünftige Friedenskongreß die bürgerliche und politische Gleichheit der Juden in allen Ländern, in denen sie ihnen noch nicht zuerkannt ist, festsetzt und dor£ wo die Juden wichtige Minoritäten bilden, ihnen ihr Recht an der freien Entwicklung ihrer nationalen Kultur, gewährleistet. Die iLiga zur Verteidigung der unterdrückten Juden in Paris hat dem Nationalrat der sozialistischen französischen Partei eine Denkschrift über die jüdische Frage überreicht, in der es heißt: ,JWir sprechen Ihnen den Wunsch aus, daß der künftige Friedenskongreß die bürgerliche und politische Gleichheit der Juden in allen Ländern ausspricht, in denen sie bisher noch nicht anerkannt ist, ebenso wie dort, wo die Juden bedeutende Minderheiten bitden, direkt auf eine freie Entwicklung ihrer nationalen Kultur. Zur Unterstützung dieser Bitte unterbreiten wir Ihnen die nachstehende Betrachtung: 1: Im Prinzip müßte der Kongreß, der!zur Herstellung eines auf Recht und Gerechtigkeit begründeten Friedens und im besonderen auf das Recht und die freie Entwicklung der kleinen Nationalitäten berufen ist, ein Ende bereiten der dauernden Verletzung des Rechtes, deren Opfer die Juden in Osteuropa sind. 2. Faktisch ist der gesetzliche Zustand der dortigen jüdischen Bevölkerung infolge des Weltkrieges eine internationale Frage geworden, durchaus mit 'demselben Anspruch wie der politische Zustand Polens. Tatsächlich sind die jüdischen Massen, um1 die es sich handelt, in Gebieten zusammengehäuft, die, wie auch der Ausgang des Krieges sein möge, größtenteils dazu, bestimmt Sind, ihren Herrscher zu wechseln Oder wenigstens politische Selbstständigkeit zu erlangen. Dies ist für Polen bereits eine Gewißheit, für Galizien ebenso wie für die. Bukowina und vielleicht für Beßarabien eine hohe Wahrscheinlichkeit. Was endlich Rumänien betrifft, So hat dort die jüdische Frage einen internationalen Charakter angenommen seit der auf dem. Berliner. Kongreß 1878 ausgesprochenen Schaffung der Unabhängigkeit Rumäniens. Dort würde der künftige Friedenskongreß die einfache und unvermeidliche Aufgabe haben, endlich die Verwirklichung der durch Artikel '44 des Vertrags von 1878 festgesetzten Emanzipation der Juden durchzuführen. Dieser historische Vorgang vernichtet alle rein formellen Einwendungen, die einzelne Regierungen auf dem Kongreß'gegen die Behandlung der jüdischen Frage erheben konnten. In Paris fand eine große jüdische Versammlung auf Initiative der Zionistischen Föderation statt. Der Araber Dr. Ab ui, Redakteur der in Paris erscheinenden Zeitschrift „El Mostambul“ erklärte: „Wir Araber sollten euch Juden besser verstehen, als die europäischen Mächte. Wir sind Semiten, und haben, dieselben Gegner, darum möchten wir mit euch in Freundschaft leben.“ Folgende Resolution wurde von der Versammlung angenommen: „Die Juden von Paris, die sich auf die Aufforderung der zionistischen Förderation von Frankreich versammelt haben, . . beschließen mit aller Kraft für die jüdjschynationalen Ideen, 'insbesondere für die. Gleichstillung der Juden in den Ländern, wo sie ihnen noch versagt ist, zu kämpfen. Sie beschließen auch für die Schaffung einer Heimstätte des jüdischen Volkes in Palästina, wo das jüdische Volk sein eigenes nationales Leben leben kann,, weiter tät;g zu sein.“ Hervö und der Zionismus. Die englischen Erfolge im Süden Palästinas und die telegraphische Nachricht von einer von 3000 Zionisten besuchten Versammlung, die die Resolution annahm, daß' Palästina gleich nach ilem Kriege den Juden abgetreten werde, begeisterten Gustave Herve zu einem Aufsatz .Jerusalem! Jerusalem!“ in der „Victoire“: Ueber die Berechtigung und Aussichten der zionistischen Aspirationen. Erhebt nachdrücklich hervor, daß die westeuropäischen Nationen, die auf ihr Programm die Befreiung der kleinen und unterdrückten Völker geschrieben haben, an der Judenfrage nicht ohne weiteres vorbei können, daß sie im Verein mit der jetzt ihnen alliierten amerikanischen Republik dafür sorgen müssen, daß das bedrückteste aller Völker (la plus vieille et plus persceutee des nations martyres) sein Recht auf freie nationale Existenz erlangen solle .Er führt aus, daß die gewaltigen Opfer, die die Juden in Ost und West gebracht haben und noch bringen, durch nichts anderes anerkannt und vergolten werden können, als eben durch die Gründung eines jüdischen Staates in Palästina. Das Komitee Pro Causa Judaica in Zürich plant eine Zusammenkunft aller Juden aus den neutralen Ländern. Ein Memorandum über die jüdische Frage am Friedenskongreß wird vorbereitet. Dieser Tage wird eine Broschüre über das bisher Erreichte berichten. Kongresse der Juden in den Ententeländern. Aus Zürich wird gemeldet, daß am 15. März in Rom eine Konferenz aller jüdisch-politischen Vereinigungen Italiens stattfand, einberufen durch die jüdische Gemeinde Roms. Es wurde über einen Kongreß der jüdischen Organisationen in den Ententeländern gesprochen, der durch die Pariser Alliance Israelite einberufen werden sollte. Folgende Beschlüsse wurden gefaßt: Die Vertreter der italienischen Juden wünschen, daß sofort nach Rückkehr des Friedens die politische und soziale Gleichstellung der Juden aller Länder proklamiert wird. Palästina wird den Juden entsprechend ihren historischen Idealen zur Kolonisation und Masseneinwanderung ■ unter der Oberherrschaft der Macht angewiesen, die über National JQölsdie Budibanölung R.fiöwit,Wien»l. Rotentupmsfr.22 i. Das oEtjüdllche Problem 1. Or. Franz Oppenhe mer, Nationale Autonomie für die Ostjuden. Ausführlicher Aufsatz in Heft 13 der „Neuen Jüdischen Monatshefte“. Einzeln K —.64, Quartal K 4 — 2. Moses Schorr, Rechtsstellung und innere Verfassung der Juden in Polen. Sehr wertvoller historischer Aufsatz in „Der Jude“ Heft 1)2. Einzeln 360 Quartal K 4.30 3. Rosenfetd, Juden und Polen Das bedeutendste Buch zu dieser Frage! K 1.50 4. Kaplun - Kogan, Die jüdische Sprach- und Kulturgemeinschaft in Polen. Verarbeitung des gesamten statistischen Materiales über die Juden in Polen nach streng wissenschaftlichen Gesichtspunkten. II. OEtfadiEche Welt 1. Peres» Die goldene Kette. Das Drama einer chassidischen Familie. Deutsch von Siegfried Schmitz K 240 2. Peres» Chassidische Geschichten. Deutsch von Alexander Eliasberg. Erste vollständige Ausgabe nach dem Originalbrosch. K 6.—, kart. K 7.20 geb. K 8.— 3. Aus einer stillen Welt, Sammelband der bedeutendsten jüdischen Erzählungen Herausgeg. von Theod. ZlocistL Antiquarisch nur K 7.80 4. Landesberger, Jüdische Sprichwörter. Antiquarisch nur K 3.— Zionistischen Vereinen stehen Auswahlkataloge zur Anlegung von Vereins¬ und Volksbibliotheken gerne zur Verfügung. Fachmännische Beratung und Kostenanschläge werden gerne erteilt, Promptester Versand in die Provinz. Vollständiges Lager jüdisch-wissenschaftlicher Literatur. Größtes jüdisches Antiquariat Oesterreichs. Palästina zu verfügen hat. Die Versammlung gibt dem jüdisch-italienischen Gemeindebund zur Erwägung, die praktische Arbeit auf dem Gebiet der jüdischen Fragen fortzusetzen und die italienische Regierung aufzuiordern, in dieser Hinsicht die Initiative zu ergreifen.. Russische Juden in England. Die Londoner jüdische Presse bespricht lebhaft die Entscheidung eines Gerichtshofes, die einen in England geborenen Sohn eines nicntnaturalisierten Russen zu Militärdienst in England zwingt, wiewohl der Betroffene 13 Jahre alt ist und ihm bis zum 21. Jahre die $Fahl seiner Staatsbürgerschaft freisteht. Auch das Gesuch eines österreichischen Juden um Entlassung aus dem Militärverband, in den er zwangsweise eingereiht worden, war, wurde abgewiesen, obwohl er niemals die englische Staatsbürgerschaft erworben hatte und sein Vater sich erst nach seiner Geburt hatte natuy: '% xi 'ii des Wortschatzes der Ostjuden die notwendige Ergänzung in der Form eines Lesebuches „zur Einführung in Denken, "Leben .und Sprache dieser Juden folgen lassen. Die Aufgabe dieses Lesebuches ist eine zweifache: es will' das Bekannt werden der osteuropäischen Juden iimisa ch li eher.wie in sprachlieber Hinsicht fördern. Ersteres ist dem Verfasser durch die überaus treffliche Auswahl der Texte vollends gelungen. Geradezu staunenerregend ist die Fülle und die Mannigfaltigkeit des Materiales, das in diesem dünnen Werkdien von kaum 56 Seiten Platz gefunden hat: Manifeste politischer Natur, Wahlaufrufe, Kriegsberichte, Schilderungen der Flüchtlingsfürsorge in Oesterreich und Rußland und sonstige Zeitungsartikel, entnommen der jidischen Presse in Warschau, Lemberg [undt Lodz, - und (schließlich Skizzen aus dem’ jüdischen Leben von Perez („In Keller-stub“), Asch, Jehoasch u. a. Der Inhalt gewährt sonach tatsächlich tiefe Einblicke in das gegenwärtige Leben und Denken der osteuropäischen Juden. Als besonderes Verdienst muß es dem Verfasser noch angerechnet werden, daß er an -die Spitze seiner .Lesestücke den Aufruf der Obersten Leitung der verbündeten deutschen •und österreichisch-ungarischen Heere an die Juden in Polen setzte und dadurch dieses historische Dokument, das den Juden .in Polen „gleiche Bürgerrechte und Freiheit des Glaubens und der ungestörten Betätigung auf allen Gebieten des ökonomischen und kulturellen Lebens im1 eigenen Geiste“ verspricht, der breiteren Oeffentlichkeit zugänglich, machte, was im Hinblick auf die jetzt vor sich gehende Neugestaltung der Verhältnisse in Polen von hoher Aktualität und Bedeutung ist. Hinsichtlich des Sprachlichen ist die Aufgabe naturgemätl eine viel kompliziertere und schwierigere. Zur Erleichterung des Verständnisses der Texte genügt es daher nicht, solche in lateinischer Transkription mit einer recht kärglichen Einleitung und kurzen Anmerkungen zu geben. Um den wenig kundigen Leser einesteils vor Verirrung zu schützen, und andernteiis an dessen Vorstellungsvermögen keine übermäßigen Anforderungen steifen zu müssen, hätte den Texten eine ausführlichere grammatische Anleitung und Satzlehre vorausgeschickt werden sollen. Auch die Eigenheiten der verschiedenen Aussprachen hätten erschöpfender behandelt und die Texte nicht ausschließlich in litauischem Dialekt transskribiert werden sollen. Letzteres um so weniger, als die Lesestücke größtenteils in Bolen und Galizien erscheinenden Zeitungen entnommen sind, weshalb die Anwendung der Aussprache der .polnischen Juden, die — nebenbei bemerkt — in der Einleitung überhaupt - nicht erwähnt ist, eher am Platze gewesen wäre. Es sind - auch manche Ungenauigkeiten zu verzeichnen, so z. B. die abwechselnde Anwendung. von „Zu“ und „zi“ als Fragewort (letztere Form ist die einzig richtige), oder „zuteiln“ (verteilen), „zusteren“ udgl., •statt: zeteilen, zesteren udgl. Die jidische Rechtschreibung kennt auch keine Verdoppelung der Konsonanten; demnach ist zu schreiben: zol, stot, got, zitern und nicht zoll, stptt, gott, zittern. Ganz deplaziert ist die Wiedergabe der hebräischen Wörter in sephardischer Aussprache. Schon gelegentlich der Besprechung des „Jüdischen Wörterbuches“ habe ich es als Mangel bezeichnet, daß die hebräischen Bestandteile nur in ihrer hebräischen Schreibweise und Anwendung vermerkt, deren oftmals abweichende Aussprache und Schreibart im Jidischen aber ganz außer Acht gelassen wurden. Es muß daher, ganz abgesehen von den Motiven, von denen der Verfasser sich hiebei leiten ließ, als umso größerer Mangel empfunden werden, wenn bei einer Umschreibung, wo es hauptsächlich auf die Aussprache ankommt, ganz anders transskribiert wird, als die Wörter ausgesprochen werden. Dadurch erschwert man vielfach das Verständnis, statt es zu erleichtern. All dies sind jedoch Mänge', die durch den großen Nutzen, des Werkes aufgewogen werden. Prof. Strack hat sich durch seine beiden letzten Bücher ein unvergängliches Verdienst um die jidische Sprache und Literatur erworben, nicht minder aber um deren Träger: die osteuropäischen Juden, die ihm dafür stets Dank wissen werden. M. H e n i s c h. Literarische Nachrichten Das Erscheinen einer neuen jüdischen Halbmonatsschrift ,.D a s Erwache n“ in Zürich wird angekündigt. Sie steht auf zionistischem Boden und setzt sich als „Hauptaufgabe die’' allseitige Behandlung der Fragen des jüdischen Lebens vom Standpunkte der jung-jüdischen Bewegung“. Die Mitarbeiterliste enthält bekannte Namen: Berthold F e i w e 1, Dr. David Farbstein Dr. J. K 1 a tzk in, S. Horodezky,-'Z. Aberson Ben Ami, S. G ore 1 ik, und solche führender Schweizer Zionisten: Dr. O r n s t e i n, Dr. Brunsch wig, Dr. C. Levy, Dr. J. O tschwange r, Dr. S. D. Steinberg Dr. J. Stender, Dr. D. Strauss, Dr. Wormser u. a. Der Bezugspreis beträgt für das Jahr 1917 (vom 15. Mai an) für außerschweizerisches Gebiet 6 Franken. Verlag und Schriftleitung, Zürich 1, Lintheschergasse 13. ' i

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