Jüdische Zeitung
- Journal
- Jüdische Zeitung
- Volume
- 11 (1917)
- Issue
- 11 (16.3.1917)
- Date
- 1917-03-16
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 der „jüdischen Polen“ Galiziens, der Gruppe Nathan Loewensteins, das „Märchen vom Boykott' zu widerlegen, lehnte aber damals die Mission ab. Die Agudas Haorihodoxim hielt zu Ende Februar ihre erste Agitationsversammlung in Lodz Es wurde auf die Wichtigkeit hingewiesen, das orthodoxe Judentum zu organisieren, und dieser Organisation ‘immer weitere Ausbreitung 'innerhalb der 'Orthodoxie zu verschaffen. Im'besonderen wurde als erste Aufgabe hingestellt, die jüdische Gemeinde zu reorganisieren und Finfluß in ihr zu gewinnen. Man führte Klage darüber, daß die Gemeinde ihren Verpflichtungen in religiösen Angelegenheiten nicht nachkomme. Die 'jüdische Bevölkerung bringe jährlich für die GeniSndeschulen eine Summe bis zu 80.000 Rubel auf; in den Schulen werde aber kein jüdisch-religiöses Fach gelehrt; die Kinder der armen "Bevölkerung hätten keinerlei mdisches Wissen. "Am Schlüsse wurde die Vergrößerung des OrgariisationSkomitees und die häufige Abhaltung von Massenversammlungen beschlossen. Die Antwort des polnischen StaatsrateS auf die Ergebenheitsadresse der Agudas Haorfhodoxim an diese lautet: „Der provisorische Staatsrat nahm mit Freude die in der Adresse des ,Agudas Hcortho'to'-im' bekanntgegebene patriotische und edle Erklärung der Juden zur Kenntnis, wonach sie sich als treue Bürger Polens und fromme Anhänger ihres Glaubens be-' kennen. Der jetzt gebildete polnische Staat wird hinwieder den historischen Faden .aufnehmen, der durch die Tradition religiöser Toleranz gezogen war. Und wie es in der Vergangenheit der Fall war, wird den Juden, die in Polen wohnen, das Recht auf ihren uralten Glauben auch künftighin und in der Ueberzeugung gesichert, daß die luden, die dem Gotte ihrer Väter treu dienen, gleich den unabhängigen Polen dem Staat Polen als gleichberechtigte Bürger. dienen werden.“ Das Schreiben ist vom Kronmarschall Niemoiowski und dem Staatssekretär Sliwinski unterzeichnet. lieber die Rettun«rsarbe>t für die jüdischen K!nder Wat rdiaui berichtet die betreffende Sektion der Gemeinde. Insgesamt hat sie im' lahre 1916 270.956 Mark ausgegeben, womit nur ein Teil der hilfsbedürftigen Kinder, und dieser nur mangelhaft, eine Unterstützung bekam. Mehr konnte aber die Sektion, wie sie in ihrem Bericht sagt, aus Mangel an Mitteln nicht leisten. Ein sonderbares Schachturnier fand in Warschau zwischen Meister Rubinstein und dem fünfjährigen Schachwunderkina Schmul Rzeszewski statt,.der erst nach einundeinhalbstündiger tapferer Gegenwehr schachmatt gesetzt wurde. Die DiensfofFchtfrane der russischen Juden den in England ist in folgender Weise entschieden worden: Zwang im Heere zu dienen bei längerer als fünfjähriger Anwesenheit in England, Naturalisierung nach dreimonatiger mi'itärischer Dienstleistung, 'zwangsweise Einreihung in die Armee bei Dienstverweigerung, Aufhebung der Deportationen nach Rußland. Eine Sammlung f«jdie russischen Juden wurde in London verboten, obwohl die Polizei die allgemeine Straßensamniiung zuerst erlaubt hatte und der Termin fürden '13. März schon festgesetzt war. Ueber einen Svnagogenbrand in Petersburg meldet die „Frkf. Ztg.“: „ln der jüdischen Hauptsynagoge von Petersburg brach in der Nacht zum 10. d. M. ein Brand au«, Ser auf einen an die Synagoge angebauten Beetsaal Übergriff, in dem nicht weniger als 500 Thorarollen aufbewahrt wurden Außer den Heiligen Schriften, die der Petersburger Synagoge gehören, waren hier nämlich die aus Polen, Litauen und Kurland bei der gewaltsamen Aussiedlung der Juden mitgeführten Thorarollen beisammen, die von der „Jüdischen Historischen und Ethnographischen Gesellschaft“ gesammelt und zum Schutze in Petersburgdeponiert worden waren. Einige dieser Pergament-Handschriften waren .mehrere hundert Jahre alt. Das Feuer hat mehr . als 200 dieser Thorarollen vollständig zerstört, ebenso viele wurden stark beschädigt und nur etwa '40 Rol’en b’ieben unversehrt. Die Reste der zerstörten Thorarollen wurden sorgfältig gesammelt uni sollen, wie die Petersburger B'ätter mitteilen, auf einem jüdischen Friedhof beigesetzt werden. Der Wert der zerstörten Handschriften wird auf nahezu eine ijlillion Rubel geschätzt.“ Chajim Tschemeriniky istt in Jekatermoslanv am 27. Januar gestorben. Er lieferte unter dem Namen Reb Mordchele noch kurz vor Kriegsausbruch als Redakteur der jidischen Tageszeitung „Freind“ und als Mitarbeiter der „Haz.efirah“ Beiträge, die sich bei der Warschauer Intelligenz großer Beliebtheit erfreuten. Zur Venneidung der Folgen des Abbruchs derdiplomatischen Beziehungen zwischen Amerika und Deutschland für die notleidenden Juden in Polen, die aus Amerika Unterstützungen empfingen,, fordert Ratsmann Hirschmann.im ^Moment“ die Wohltätigkeits-Organisationen zur sozialen Selbsthilfe auf, damit nicht etwa ‘die hilfsfbedürftige jüdische Bevölkerung in äußerste Not gerate. JÜDISCHE ZfelTUNO Zionistische Bewegung Die Jahreskonferenz der EngH.-h Zionist Federation wurde am’ 9. Februar in London abgehalten. Der Besuch war ungewöhnlich gut; 70 Delegierte waren erschienen. Als Präsident der Federation eröffnete Herr Joseph C o w e n den Delegierterttag und gedachte zunächst des verstorbenen Vizepräsidenten der E. Z. F. Herrn S. Rubensteins. Eine Anzahl Begrüßungs¬ und Glückwunschschreiben wurden verlesen, darunter auch ein Schreiben des Order of Ancient Maccabeans. Dann ergriff Herr Paul. G o o d - man das Wort und verlas eine Adresse, die dem Präsidenten der E. Z. F., Herrn Cowen mit der Unterschrift aller De'egierten und aller Mitglieder der -Exekutive versehen, den Dank für seine bisherige Tätigkeit im Dienst des Zionismus aussprach. Herr Goodman schilderte die Lage der Zionistischen Organisation fn England, als Herr Cowen vor vier Jahren das Amt des Präsidenten übernahm, den Aufschwung der zionistischen Tätigkeit seit dieser Zeit und die jetzige Lage der Federation, wo Herr .Cowen von seinem Amt zurückzutreten wünscht. Für die Zionisten des East-End sprach Rew. J. K. GoldbFoom, der die Versammlung und den Präsi - denten davon verständigte, daß Herr Cowen von den Zionisten des East-End ins Goldene Buch eingetragen sei, und daß in Palästina ein Kofonistenfiaüs errichtet werden soll, das den Namen Josef Cowens tragen wird. Herr Cowen dankte sehr herzlich für diese Beweise der Anerkennung -und beantragte die Wahl von Professor Dr. Chaim Weizmann zunr Präsidenten, der außerordentlich viel für den Zionismus geleistet habe. Er selbst werde Herrn Dr. Weizmann alle Unterstützung bei der Arbeit zuteil werden lassen. Darauf erstattete Herr Cowen den Tätigkeitsbericht, der nach Diskussion einstimmig angenommen wurde. Bei der Nachmittagssitzung wurden eine Reihe, von Resolutionen wegen Anerkennung jüdischer Rechte diskutiert und die politischen Aussichten des Zionismus erörtert. Zu diesem Thema sprach Dr. Weizmann, der mit seinen Ausführungen stürmischen Beifall bei der Versammlung" hervorrief. Es wurde beschlossen, Schritte einzuleiten, um ein Zusammenarbeiten mit dem Order of 'Ancient Maccabeans zu ermöglichen .Ferner wurde beschlossen, ein Komitee zu gründen, das die Renräsentanz aber jüdischen Elemente in Eng-- fand darstellen solle, die an der Palästina-Arbeit interessiert sind. Rev. J. K. Goldbloöm’ erstattete den Jüdischen Nationalfonds-Bericht, wonach inr Jahre 1916 L. 787, gegenüber L.2S6 im Vorjahre gesammelt worden sind. Dann schritt man ’HUr Wahl der Ehrenbeamten und der Exekutive. Die Wahlen ergaben: Präsident Dr. Chaim Weizmann: Vizepräsident Rev. J. K. G o 1 dbloom für London, .Herr S.;I. Cohen für die Provinzen; Sekretär Herr Paul G o o d m' an, Mitglieder des Exekutiv-Komitees für London: Frau Paul G o o d m.a n, die Herren Israef Cohen, Joseph Cowen, L. Eisen, B. Grad, J.H odess, 'V. Horwitch, L. Ke ssler, L. Pili c h o w s k v und Leon Simon; für die Provinzen Rabbiner Df. ,Salis Da ich es, Rev. I. I. Raffalov'i ch', Rev. M. H. SegaT, Dr. 'S. Brodetzkv, Dr. M. Umansky, die Herren Bertram' R. Benas, H. Roskin, H. Sacher, I. M. S i e f f und Fräulein Helena W e i s b e r g. Herr Cowen snrach Herrn Dr. Weizmann namens der 'Versammlung die Glückwünsche zu seiner Wahl aus. Er teilte der Konferenz mit, daß der Federation für Zwecke der Organisation eine anonyme Spende von L'. 500 zur Verfügung gestellt worden ist und daß außerdem L. 250 für die gleichen Zwecke gesammelt worden seien. Herr Nahum Sokölow sprach im' Namen des Engeren Aktions-Komitees seine Genugtuung darüber aus, daß die Verhandlungen in *So Triedlich’er und sachlicher Weise geführt worden seien und dankte namens des E. A. C. Herrn Cowen für seine aufopfernde Tätigkeit. Mit dem Gesang der Hatikwah schloß die Jahresversammlung. Im1 Anschluß an die Konferenz fand unter dem Vorsitz von Dr. Weizmann eine Volksversammlung statt, bei der Herr .Nahum Sokolow die Hauptansprache hielt. Im Anschlüsse an diesen Bericht möchten wir die Meldung, die in verschiedenen Tageszeitungen erschienenist: 'daß „‘der Zionisten- Rongreß in London abg'ehaftn wurde, vollständig dementieren. Nichtein allgemein zionistisdier Kongreß, sondern eine rein englische Landeskonferenz fand in London1 statt. Dab-die Beratungen und Beschlüsse dieser Landeskonferenz von spezifisch englischen Gesichtspunkten beeinflußt waren, kann nicht sonderlich wundernehmen. Die Jüdische Kongreßbawegung in Montreal. Am 10. Januar fand in Montreal eine Konferenz des „Exekutiv-Komitees des Kongress-Komitees der Canadisch-Jüdisdien Allianz“ statt, an der Justizrat Peter Bercovitch, Mitglied des Parlaments, als Vorsitzender, Dr. S. Ortenberg und S. Belkin als Sekretäre, W. Myerson, L. Zucker, I. Kivenko, L. Auerbach und Judah Kauf man (der als Gast und Ehrensekretär zugegen war) teilnahmen. Die Exekutive beschloß, zwei "Delegierte von Winnipeg zu entsenden, die die Konferenz der West-Canadischen Juden zu vertreten haben werden, zwei Delegierte, die die Toronto-Organisationen, und zwei, die den Canadisch-Jüdischen Delegierten- Aussdiuß vertreten sollen. Der Kongreß in Canada wird wahrscheinlidi etwas später als der amerikanisch-jüdische Kongreß abgehalten wer¬ NK 11 den. Auf dem Kongreßprogramm der Canadischen Juden stehen: eine nationale Anleihe, Palästina als Heimstätte für die jüdische Nation, po’itfsche, bürgerliche und' nAicnafe Rechte für die Juden aller Länder, die Bildung einer Kommission, die zu untersuchen haben wird, welchen Beistand die Canadische Regierung der Förderung der Jüdischen Immigration und der Jüdischen Kolonisation in Canada gewähren kann. Aus der zionistischen Partei Das Zionistische Distriktskonvtee für Inner- Oesterreich hat eine Schekelaktion bei den als Gesinnungsgenossen bekannten Personen durch Versendung eines Aufrufs eingeleitet, in dem1 über die Bedeutung und Eigenschaft des Schekels ‘.gesagt wird: „Der Schekel bedeutet inehr als eine Spende zur Bestreitung der laufenden Parteierfordernisse. Er bildet vielmehr die Grundlage, unserer* Organisation; "denn durch die Entrichtung des Schekels manifestiert der Einzelne seine Zugehörigkeit zu unserer Bewegung. Diese Volkssteuer ist so unser wichtigstes Organisationsmittel“. Das Krakauer Lokalkomitee hat sich in der Sitzung vom 25. Januar 1. J. konstituiert und wählte zum Obmann Herrn Df. Feldbluni;' zunr Obmann-Stellvertreter Herrn D-. S. W a h rh a f t i g, zum Sekretär Herrn Dr. Jakob Heilmann und. die FJerren Dr. Zimriefmann; Mifelew, Mirowski, und Ing. ZIatkes zu Vorstandsmitgliedern. Das Lokalkomitee amtiert täglich in seinen Bureaus, Zielona 15, Parterre, zwischen 7'.und 9 Uhr abends. Der Lesesaal ist ebenfalls täglich7 Von 7 bis 9 Uhr abends geöffnet; sämtliche zionistische Zeitschriften liegen auf. "Donners’tag, 'den 15. d. Ml, um1 halb- 7 Uhr abends/hielt Herr Rabbiner Dr. Thon im Lokale des Komitees, Zielona 15, einen Vortrag über: „Zionismus während des Krieges lind nach dem Kriege“. — In allen zionistischen Angelegenheiten wol'e ■ man sich an das Komitee unter Adresse „Przedovit-Haschachar für das Lokalkomitee, Krakau, Zielona 15“, wenden. Die Zionistische Vereinigung für Deutschland' erläßt in der letzten Nummer der „Jüdischen Rundschau“ auf Grund des Beschlüsse«, den der außerordentliche Delegiertentag Ende Dezember v. J. gefaßt hat, einen Aufruf, den vor IV» Jahren erhobenen Kriegsbeitra°r von mindestens 6 Mark für 1917 wieder zu zahlen, damit die zionistische Arbeit und Propaganda in Deutschland mit unverminderter Energie fortgesetzt werden IcTlnne. Zionisten im Felde"’ Fhr. Josef Popper vom lüd. Turnverein Makkabi Brünn wurde mit der silb. Tapferkeitsmedaille II. KL ausgezeichnet. — Fuchs vom Turnverein Makkabi Brünn erhielt die bnanz. Tapferkeitsmedaille. — Res.-Zgsf. Isser Kupfer schmid, I.-R. Nr. 80 rn Rimaszombat (Ungarn), wurde für tanferes Verhalten vordem Feinde mit der silb. Tapferkeitstnedaille II. und I. KI. ausgezeichnet. — Lt. Renno Rosenstrauch, I.-R. 99, starb am 24. Feber an einer Bauchfellentzündung in einem Feldspita' an der russischen Front. Er war i. a. B. der „Tikwah“ in Suczawa und erwarb sich als N.-F.-Kommissär große Verdienste. Ankündigungen Der alte Herrewerband hält Mittwoch, den 21. März, 8 Uhr abends, seine Zusammenkunft im Cafe Marienbrücke ab. Die z'nn'stiiche Mädehenverehrffun«» ,,Mo- Hah“, 9. Bezirk, Servitenoasse 10, veranstaltet ihren nächsten Vereinsabend Samstag den 24. d. M., halb 8 UHr abends'. Es wird Herr Dr. Heinrich Glanz über „Mädchenerziehung , in Palästina“ sprechen. Gäste willkommen. Die PrfV*nnr Ges'nnungS'fe'’oss°n treffen «ich Ätontaor und Mittwoch; um! 8 Uhr-abends im Cafe Stadttheater. Aktion „Bücher ins Fefd“ fiir Bnkow'ner Juden. Das Bukowiner zionistische Lanrfeskomitee ersucht al'e Gesinnungsgenossen au« der Bukowina, die keinen Erlagschein erhalten, Oe'd- sowie Büchensnenden für diese Aktion an Prof. S. K a t z, Wien, 9. Bezirk. Rögergasse 3, zu senden. Berichte und Korrespondenzen " Wiener-Neustadt. Die n.-ö. Sfatthalterei hat den Ausschuß der israelitischen. Kultsgemeinde aufgelöst, weil er infolge Einrückung der Mehrzahl seiner Mitglieder zum Militärdienst beschlußunfähig geworden ist. Zur Führung der Geschäfte wurde ein Regierungskommissär eingesetzt. Rzeszow Der zionistische Mädchcnverein ,Jvlirjam“ 'veranstaltete am 3. d. M. seine erste Gründungsfeier, die die Präsidentin Frl. Amalie Bodner eröffnete .Frl. Rosa Silber schilderte in der Festrede die nationale Arbeit des Vereines. Rezitationen schlossen die Feier, die den besten. Eindruck hinterließ. Tun wir unsere Pflicht und steuern wir-dem Palästinahilfswerk für. die Kolonien bei. Unsere Pioniere tun das ihrige, sie essen bloß an j-r—1 ■ sechs Tagen der Woche! ■ ■■