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Jüdische Zeitung · 1917-03-16 · 11 (16.3.1917) · p. Seite 3

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Journal
Jüdische Zeitung
Volume
11 (1917)
Issue
11 (16.3.1917)
Date
1917-03-16
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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jMsmrmrpftcr Seite 3 an den Aufbau des durch den Krieg Zerstörten, an den ökonomischen Wettbewerb iin Osten in seiner gehäßigsten Form (wirtschaftlicher Boykott), an das gewaltsame Anwachsen der Auswanderungsbewegung, an die kulturelle Hebung der Massen usw. Wie viele Möglichkeiten für die große Welle der Schaffenslustigen.und Arbeitsfrohen! Und immer eingedenk des Endzieles! Im Felde. Levv Rotten streich. Eine Rede unseres Gesinnungsgenossen Kollenscher Unser bestbekannter Gg. R.-A. Kollenscher aus Posen hielt bei der Purimfeier des Breslauer Zionistischen Mädchenklubs eine Festrede, in der er folgendes ausführte: „Wir .brauchen keine Zählungen, um Umschau zu halten. Unzählig sind die Fami’ien, die zugrunde gerichtet sind, da die Wohnstätten der Juden größtenteils im Krfegsgebiet liegen "(Polen, Oa'izien, Rumänien). Wi,r wissen nicht, für welches Ziel wir kämpfen, jedes Volk kämpft für Freiheit und Mehrung der Rechte, wir allein auf allen Fronten für Fremde. Wir rechnen auf die große'Neuorientierung, dafür zu arbeiten ist unsere Pflicht. Zwei Richtungen machen sich geltend, die nationale, welche völkische Ansprüche an der Juden Schicksal stellt, die andere, welche sich mit kleinen Forderungen begnügt, ist am Ende ihrer Kraft, nach dem Zugeständnis, das der zweite Vorsitzende des Zentralvereins, Herr Geh. Rat Fuchs auf der Hauptversammlung gemacht hat, indem er hingewiesen auf die jugendfrische Kraft des Zionismus und seine Methoden, welche die Jugend um ihn scharen. Außerhalb des Judentums kenne man .nur den Zionismus, der allein Errungenschaften aufzuweisen habe, als berechtigte jüdische Partei. Geh.-Rat F. habe dafür ein richtiges Beispiel angeführt, der deutsche Botschafter in Washington, Graf Bernstorff, kenne nur eine Gruppe von Juden, diezionistische, sie sei geschlossen, innerlich gefestigt, durch die Festigkeit ihrer Forderungen, während die anderen nur kleine Forderungen stellen, nicht so’che, die sich organisch aus einem System entwickeln, wie' bei den Zionisten. Früher konnte man sich mit seinem Judentum verstecken, jetzt wird der Hab der Feinde zum Bekenntnis führen, i '* Redner ging dann auf die Arbeit ein, welche unser in Polen, Rumänien und Palästina harrt, die größte 'freilich in Deutschland, wo sich alles konzentriert. Auch Kreise, die sich sonst um nationale Sachen nicht bekümmerten, haben sich dieser Arbeit angenommen, fördern sie in Polen, erkennen damit den nationalen Charakter der Juden in Polen an, ein nationales Judentum. In dieser Anerkennung liegt eine Bankerotterklärung ihres bisherigen Judentums, dann gibt es keine Grenze, dann kann man keinen Juden ausschließen, der sich dazu bekennt. Unsere Aufgabe ist es, in Deutschland den Ideenkreis zu erweitern Es ist uns nicht gedient, die ärgsten Ausschreitungen der Antisemiten oder . Jüdisches Archiv Mitteilungen des Komitees „Jüdisches Kriegsarchiv“. Sonderheft: Die Juden Leir.bjrgs unter der Russenherr sch a ft, von Prof. S. Bromberg - B y tk ow sk i. Lieferung 8 b. 1917. Im Verlag R. Löwit, Wien. Oktav. 4S S. K 1.50. Die soeben erschienene Doppellieferung 8 9 der Mitteilungen „lüdisches Archiv“ repräsentiert sich als Sonderheft, das — abgesehen von Gefallenen- und Ausgezeichneten’isten — lediglich ein Thema: „Die Juden Lembergs unter der Russenherrschaft“ behandelt. Und zwar ist es eines von den Mitgliedern des Lemberger jüdischen Hilfskomitees während der Invasionszeit, Herr Prof. Bromberg-Bytkowski, der uns . die Ereignisse, deren leidender und tätiger Zeuge er war, in durchaus sachlicher -und doch äußerst lebendiger und eindrucksvoller Weise erzählt .Schon die Kapitelüberschriften 'lassen eine ebenso inhaltsreiche als packende Schi'derung erwarten: Die politische und ökonomische La^e der Juden; die russische Methode; der blutige Sonntag; Preistreiberei und 'Brotwucher.; der Rubelkurs; die Juden küssen Kosakennferde; die Ochrana und ihre Gesellen; die Cafeklubs; die Befreiung und Versorgung der Gefangenen; die Notstandsaktion und das jüdische Hilfskomitee. Vielleicht greifen wir aus diesen Ueberschriften diejenige heraus, welche „die russische Methode“ lautet, um den rlauptwert der Schrift, nicht nur für die jüdischen Leser, zu kennzeichnen. Wer russische Methode, anschaulich am ‘Einzelschick sal einer Stadt und einer Judengemeinde dargestellt, kennen lernen wil1, der lasse sich die wirklich verdienstvolle, gediegene Arbeit des Prof. Bromberg-Bytkowski nicht entgehen. Sie ist Geschichtsschreibung bester Art. der Regierung zu beseitigen. Nicht auf Einzel-. heiten, 'sondern auf die Gesamtheit des Judentums; muß unser Sinn sich lenken, das Interesse ist zu erwecken durch Hinweis auf die Fülle dieser Arbeit, die nur von den. Juden geleistet werden muß, da hilft uns keiner. Wir müssen' uns innerlich konzentrieren, lernen, welche Werte in uns stecken, die Wissenschaft des Judentums fördern, sie beleben, heraustreten aus dem Bau, den Juden zurufen, nicht pflichtvergessen zu sein, in Zeiten schwerster Bedrängnis zu helfen. „Jetzt ist keine Zeit zu schweigen“, sagt Mordechai, sonst gehen wir zugrunde. Jetzt müssen wir uns sammeln, arbeiten, gemeinschaftlich schaffen, dann zweifeln wir nicht am Erfolg, dann werden wir siegreich aus dem Sturm hervorgehen. Die aber jetzt nicht Farbe bekennen, die werden zugrunde gehen. Möge uns in diesen Tagen die große Esther als Leitstern dienen, sie bedeutet für uns Leben und Leben im Volke. Eine Polendebatte in der „Österreichisch-politischen Gesellschaft“ Richtiger: die Sonderstellung Galiziens wurde eingehend erörtert. Es sprachen westliche Deutsche, Polen Sund Ruthehen . Wie die „Nowa Reforma“ berichtet, hat sich auch der Abg. v. Löwenstein an der Diskussion beteiligt und den österreichischen Deutschen einige Vorbehalte gemacht. Dem Abg. Nikolaj v. Wassilkoj der alle Nationen .unter einen Hut gebracht wissen wollte, erwiderte Abg. v. Löwenstein, es sei nur ein Dach ausreichend, denn die Köpfe seien verschieden. Dies die Quintessenz der Debatte, die der Abg. v. H a 1 b a n einleitete. Jedoch wird von seinem Referate nichts Näheres berichtet. Wenn wir auf diese ganze Debatte zurückkommen, ist es nur deshalb, um der Leitung der „Oesterreichisch-politischen Gesellschaft“ den Rat zu geben, in Hinkunft dafür zu sorgen; daß ein Thema von allen Richtungen diskutiert wird. Wenn über die Sonderstellung Galiziens gesprochen wird, müssen auch die Juden gehört werden. Wohrkamen getaufte und ungetaufte Juden zu Woirt, doch nur als Polen. Einem Juden die Möglichkeit zu bieten, die Wünsche der j ü-' d i s c h e n Bevölkerung zum Ausdrcke zu bringen, wurde unterlassen und deshalb eine ganz einseitige Debatte geführt. Aus der allgemeinen Presse Zur Frage der jüdischen Nationalität äußerte sich der bekannte Schriftsteller Heinrich von S c h u 11 e r n nach den „Neuep Jüdischen Monatsheften“ in einem Interview folgendennaben: „ln unserem bunten Nationalitätenstaate Oeslerreich-Ungam hätten nach meifier wenig maßgeblichen Meinung die Juden, was immer für eine Sprache sie sprechen, stets als Juden, mithin als eine Nationa’ität zu gelten. Gelänge es einmal, im alten Kaiserstaate die nationale Gleichberechtimingdurchzusetzen, so würde der jüdische Volksstamm ohne Zweifei einträchtig mit den' anderen Zusammenwirken, um eine neue Blüte des altehrwürdigen Habsburgerstaates anzubahnen, der ihm ja zur lieben Heimat geworden ist“. Uebar Israel Zangwi'ls Wrnd'ung während des Krieges schreibt L. Leonhard im‘ Literarischen Echo vom 1. Februar: „Anfangs stimmte er in den allgemeinen Scbimpfchor gegen Deutschland... Als dutch den bekannten „Labour Leader“ immer häufigere Nachrichten über Rußlands Gewaltmaßnahmen gegen die Juden auch nach England drangen, konnte sich Zang-will nicht länger zumkkhaltea und versuchte, gegep das Zarenreich zu schreiben, wobei er auch Großbritannien angriff, das einen solchen Bundesgenossen habe. H. G. Wells und besonders Stephen Graham (den Leonhard einen „oberfläch'ichen und muckerischen Vielschreiber“ heißt) konnten sich in Büchern, Artikeln und Zuschriften an die verschiedenen Blätter nicht genug tun an Ratschlägen, England möge russische Methoden einführen, vornehmlich seinen Juden gegenüber. Zangwili erwiderte heftig, -besonders im Intelligenzwochenb’att „The Nation“, bis ihm das Blatt die Aufnahme weiterer Entgegnungen abschlug. Eine langjährige Bekanntschaft hatte mich mit Zangwili verbunden, und als ich achteinhalb Monate nach Kriegsausbruch von den englischen Behörden die Erlaubnis erhielt, das Inselreich zu verlassen, zeigte er mir beim Ab-, schied eine Menge 'Briefe, in denen er wegen seiner antirussischen Haltung sehr scharf angegriffen wurde, und erzählte mir, daß kein einziges englisches Blatt, keine einzige englische Zeitschrift, die sich früher um seine Beiträge gerissen hatten, jetzt etwas von ihm bringen wollten, so daß er sich gezwungen sah, seine Zuflucht zu amerikanischen Veröffentlichungen zu nehmen. Zangwili sprach' damals 'die denkwürdigen Worte aus: ,jDer Krieg1 hat auch aus unserembesir ten Dichtern den John Bull herausgebracht. Man will die Freiheit im bisher freiesten Lande der Welt totschlagen. Ein Sieg Rußlands wäre das größte Unglück für die ganze zivilisierte Welt“. Diese Gedanken sind im- Grunde genommen auch der Tenor seines neuen Buches: „The War for the World“ (erschienen bei Heinemann). Bezeichnend ist gleich, daß die englische Zensur ein ganzes Kapitel gestrichen hat. Im übrigen erklärt Zangwili, man könnte sich in Albion nicht mehr bewegen, ohne nicht in seiner persönlichen Freiheit auf Schritt und Tritt beengt und gehemmt HEUE JÜDISCHE BÜCHER, von denen man spricht! I. Zeitschriften: a) Oer Jude Heft 12 (Märzheft) Aus dem Inhalt: Martin Buber: „Kulturarbeit“ A. D. Cordon: Brief aus Palästina Karl Nö zeL Vom Moskauer Juden Edmund Müller: Solovvieffs Gedanken über das Judentum Preis K 1.40 b) Jüdisches Archiv Lieferung 8|9 Sonderheft: Die Juden Lembergs unter der Russenherrschaft von Prof. S. Bromberg- Witkowski Lemberg Preis K 1.50 II. Die xionisfischen Bücher von Martin Buber; a) Die Jüdische Bewegung. Gesammelte Aufsätze und Ansprachen. Preis geb. K 7.20, Porto 45 h b) Völker, Staaten und Zion. Ein Brief an Hermann Cohen und Bemerkungen zu seiner Antwort. Preis K 1.40. c) Drei Reden über das Judentum Preis KJL20 brosch., K 4.80 geb. III. Oie schönsten Werke des J. L- Peres:! Soeben erschienen: Chassidische Geschichten: Aus dem Jüdischen von Alexander Eliasberg. Preis, brosch. K 6.— geb. 7.— Geschenkband K 8.— Die goldene Kette: Das Drama einer chassidischen Familie. Deutsch von Siegfried Schmitz brosch K 2.40, Luxusausg. in Ganzleder, 50 Exemplare auf Ratschacher Bütten. Preis K 25.— National-jüdische Buchhandlung R. bouit, Wien, I.. Rotenturmslrasse ll. zu werden. England, das auszog, den preußischen. Militarismus zu zerschmettern, sei selbst ein beklagenswertes Opfer preußischen Militarismus* geworden. Es werde nie mehr das freie Land sein, das es vor dem Kriege war.“ Aus der jüdischen Weit Ueber einen Fall gesunder Selbsthilfe wird uns, wie die Zeitschrift des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens schreibt, aus einer sächsischen Stadt berichtet. Dort hatte eine Zeitung einen antisemitischen Artikel veröffentlicht. Die Juden haben darauf einhellig dem Blatte die Anzeigen entzogen, was zur Folge •batte, daß auch viele christliche Konkurrenten der Juden in dem Blatte nicht mehr anzeigten. Nach einigen Wochen erschien der kaufmännische Leiter jener Zeitung bei einer führenden Persönlichkeit der jüdischen Gemeinde. Er klagte, dab dem Blatte bereits ein Schaden von 25.000 Mark entstanden sei, und bat um die Vermittlung für eine Verständigung mit den jüdischen Kaufleufen. Der'Verlagsleiter verpf'ichtete sich schriftlich, dab das Blatt antisemitische Ausfälle künftig nicht mehr bringen werde, woraufhin die jüdischen Kaufleute dem Blatte ihre Anzeigen wieder zuwandten. Das Beispiel sei zur Nachahmung empfohlen. Niemand kann verlangen, dab wir in einem' persönlichen und geschäftlichen "Verkehr mit denjenigen bleiben, die durch Beschimpfung unsere Ehre, durch Verleumdung unsere Rechte schmälern wollen, oder gar, daß wir diejenigen wirtschaftlich stärken, die uns moralisch "Schwächen wollen! Schlechte Berichte aus den von den Russen besetzten Gebieten Galiziern veröffentlicht nach dem „Lemberger Tagblatt“ der Schriftsteller A n s k i als Abgesandter des Moskauer jüdischen Zentral - Hilfskomitees. Achnliches erfährt das Kiewer Hilfskomitee. Die arme jüdische Bevölkerung lebt in großem Elend; der Handel ist ihr untersagt. Die Zahl der nach Rußland Weggeführten beläuft sich auf Tausende 4000 Juden aus Czortkow wurde dio Rückkehr nach Sniatvn, nicht aber nach ihrer Heimatstadt erlaubt. Das „Tagblatt“ regt den Gedanken an, daß die kompetenten jüdischen Faktoren beim Minister des Aeußern vorstellig werden möchten, durch eine neutrale Macht die russische Regierung zu einer Verbesserung der Lage der Juden im okkupierten Galizien zu bestimmen. Zum Obarfeldrabbiner für die von den österreichischen Truppen besetzten Gebiete Polens ist Prof. Dr. Majer Balaban ernannt worden. Zu seinen Obliegenheiten gehört die Organisierung der jüdischen Feldseelsorge und ihre Vertretung gegenüber dem Oberkommando und den Organisationen der beiden christlichen Bekenntnisse. Balaban sollte schon im Jahre 1013 nach Russisch-Polen gehen, um als Vertrauensmann

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